Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Zernsprech-klnschlutz Nr. 8
Nr. 155
(Erstes Matt)
Sonntag, den 5. Juli
1914
LMwirtsWicht
):( Hersfeld, 4. Juli.
Im weiteren Verlaufe des gestrigen Festtages fand nachmittags um 2 Uhr in dem Festzelt auf dem Festplatze unter Beteiligung von über 300 Personen ein gemeinsames Essen statt. An demselben beteiligten sich auch wieder sämtliche Vertreter von Behörden, der Vertreter des Herrn Landwirtschaftsministers und des Herrn Regierungs-Präsidenten. Außerdem sah man unter den Festgästen fast sämtliche Herren Landräte der Kreise des Regierungs-
bezirks Cassel.
Die Reihe der Redner eröffnete hier Herr Rittergutsbesitzer M a e r t e n s, Vorsitzender der Landwirtschaftskammer. Derselbe feierte unseren Kaiser als Landwirt, der auf seinem Gute Kabinen in vorbildlicher Weise die Landwirtschaft betreibe. Redner führte dann weiter aus, was die deutsche Landwirtschaft in den letzten zehn Jahren geleistet habe und er glaube, daß man damit allgemein zufrieden sein könne. Nach der letzten vorliegenden Statistik Frankreichs habe Deutschland dieses Land nicht nur eingeholt, sondern sogar überholt. Deutschlands Viehproduktion leide heute bereits an einer Ueberproduktion, denn währendfrüherallwöchentlichTransportefetterSchweine aus Ungarn eingeführt worden seien, wäre es heute umgekehrt. In jeder Woche gehe ein Transport deutscher Schweine nach Ungarn, das beweist am besten, wie weit heute schon die deutsche Landwirtschaft ist. Ebenso werden Roggen und Kartoffeln in hinreichender Menge produziert. Was allerdings den Weizenanbau betreffe, so werde Deutschland wohl immer ein Bersuchsland bleiben, das liege an den Bodenverhältnissen. Jedenfalls aber könne man sagen, daß Deutschland noch lange nicht an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit wäre, und daß es sich in Stunden der Gefahr unabhängig vom Auslande machen könne. Die Ansprache klang aus in einem Hoch auf den ersten Landwirt des deutschen Reiches, Se. Majestät den Kaiser.
Im Namen des Vorstandes des Hersfelder Landwirtschaftlichen Kreisvereins hieß dann Herr Landrat von Grunelius die Festteilnehmer herzlich willkommen, und begrüßte alle mit ganz besonderer Freude. Eine besonders hohe Ehre sei es ihm, den Vertreter des Herrn Landwirtschaftsministers, Herrn Geheimrat Tomsen, begrüßen zu können und dem- selben für die wohlwollende Gc
n können und dem-
selben für die wohlwollende Gesinnung zu danken. Weiter begrüßte er besonders den gesamten Vorstand der Landwirtschaftskammer sowie den Vertreter der Stadt Hersfeld, Herrn Bürgermeister Strauß. Zum ersten Male seit langen Jahren beherberge Hersfeld wieder eine Landwirtschaftliche Ausstellung in seinen Mauern, und über Erwarten zahlreich seien Aussteller und Besucher dieser Einladung gefolgt. Allen diesen sowie auch jenen, die sonst in keiner Beziehung zur Landwirtschaft stehen, wie die Herren aus der Stadt, die an den Vorbereitungen zu dem Feste so rege mit-
Gegen 9 Uhr abends versammelten sich die Festteilnehmer in der Turnhalle zu einem K ommers, der einen recht gemütlichen Verlauf nahm. Herr vui ovi-vctciiuiigeii zu veni »yeiie ju legt um- Landrat von Gr un e l tu s begrüßte namens geholfen haben, sage er besonderen Dank. Der Zweck Vorstandes des hiesigen Landwirtschaftlichen Krers-
Bus der Heimat.
8 Hersfeld, 4. Juli. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unterm 3. Juli ge- frfjrieben : Ueber Nordosteuropa beginnt sich jetzt wieder ein stärkeres Hochdruckgebiet aufzuwölben. Infolge besten kann der ozeanische Tiefdruckwirbel, dessen Ausläufer uns in diesen Tagen die Gewitter brachten, nicht osttvarts vorrücken. Er zerfällt in einzelne Teil- ttefs. Diese Wetterlage wird wohl bis Mitte der nächsten Woche anhalten, sodaß wir bis dahin mit dem Eintreten zahlreicher Gewitter rechnen müssen. Ob späterhin sich hieraus eine Zeit kühleren Wetters und stärkerer Regenfälle entwickelt, ist noch nicht sicher abzusehen, doch noch nicht unwahrscheinlich.
):( Hersfeld, 4. Juli. Durch einen Radfahrer wurde gestern nachmittag ein Kind überfahren und verletzt. Der gewissenlose Radfahrer kümmerte sich nicht um den Unfall und fuhr schleunigst davon.
Die SchWarmachung der Werra.
^^nach,2. Juli. Der Verein für Schiffbarmachung hielt heute seine Hauptversammlung hier lnn^ a-??E Senator Meyer-Hameln die Versamm- aedru/?^?r- ^E^ wurde Bezug genommen auf den ,nU d7m Mögenden Jahresbericht. Nach demselben Dr bed verstorbenen Bürgermeisters lüitnrf^i^ Rechnung getragen und der aeri^ von 1000 Tonnen Tragkraft ein- gerichtet werden. Die Talsperren im Werragebiet
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dieser Ausstellung sei, zu zeigen, auf welchem Standpunkte die Landwirtschaft angekommen wäre. Sie soll allen denjenigen zeigen, wie es gemacht werden soll, die noch nicht so auf der Höhe sind. Er begrüß daher besonders, daß so zahlreiche Aussteller hierher gekommen seien, denn der Kreis Hersfeld mit seinem zum größten Teil kleinbäuerlichen Besitze wolle nicht zeigen was hier geleistet werde, sondern von den anderen lernen, die hierher kommen. Das hier Gesehene soll mit dazu beitragen, für den Kleinbetrieb zum Vorbild zu dienen, damit der gesamte Bedarf an landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Jnlande gedeckt werden könne. Er hoffe, daß die Gäste hier Anregungen finden und freundliche Erinnerungen an unsere historisch geweihte Stadt mit nach Hause nehmen werden. Am Schlüsse seiner mit großem Beifall aufgenommenen Ansprache forderte der Herr Landrat die anwesenden Hersfelder zu einem Hoch auf die Gäste auf.
Im Namen der Gäste dankte dann Herr Geheim- rat Tomsen für die freundlichen Worte der Begrüßung, und überbrachte die Grüße seines Chefs, des Herrn Landwirtschaftsministers, der es bedauere, nicht selbst hier anwesend sein zu können. Für die Entwicklung der hessischen Landwirtschaft sei die Ausstellung sicherlich von großem Vorteil. Als Referent für die Landestierzucht möchte er sagen, daß die, welche ausgestellt, sich ihrer Aufgabe bestens entledigt hätten. Er sei erstaunt über die große Anzahl der ausgestellten Mutterstuten und er sehe, daß die hessischen Landwirte es verstanden hätten, diese aus dem Rheinlande eingeführten Pferde in bester Weise nachzuzüchten. Es sei das richtige Zuchtziel,. welches sich der Bezirk Cassel gewählt habe. Der Herr Geheimrat besprach dann weiter kurz die übrigen ausgestellten Tiergattungen und gab zum Schluße der Hoffnung Ausdruck, daß die Landwirtschaftskammer weiterhin zum Wohle der hessischen Landwirte tätig sein möge. Er hege das Vertrauen, daß sich alle Landwirte bemühen würden, ein Volk von 60 Millionen Köpfen selbst zu versorgen. Sein Hoch galt der hessischen Landwirtschaft und der Landwirtschafts
kammer. .... f,
Es sprachen dann noch weiter eine ganze Anzahl von Herren, darunter der Landrat des Kreises Esch- wege, Herr von Keudell und Herr von Bodelschwingy.
Hatte den ganzen Tag über glühende Sonnenhitze auf dem Festplatze gelegen, so zogen nachmittags gegen 5 Uhr schwarze Gewitterwolken herauf, die dann auch zur Entladung kamen, begleitet von einem kräftigen Regen. Das Wetter brächte Erquickung für Menschen und Tiere, leider aber hielt der starke Regen bis spät in die Nacht hinein an.
sollen 400-500 Millionen.Kubikmeter Wayer aufspeichern können. Es lag ein Rechnungsabschluß ei 1906 vor. Danach hat der Verein bis jetzt 80189,70 Mk. eingenommen und 77 985,03 Mk. ^usgegebeu. An Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Vocke-Efchwege ist Bürgermeister Stolzenberg-Eschwege in den Vorstand eingetreten. Außerdem.wurden Abgeordneter Tourneau und Oberbürgermeister Wachter-Vumberg dem Vorstand zugewählt. Ueber den Gropfchrffahrt^- weg vom Main zur Weser erstattete Vaurat Contag- Berlin Bericht. Der an die kanaliyerte Werra anschließende Kanal von Meiningen nach Bamberg wird eine Länge von 119 Kilometer haben, wovon 9 Kilometer auf den Schiffahrtstunnel entfallen. Die Gesamtkosten werden 96 Millionen betragen. Die Speisung soll durch Talsperren erfolgen. Durch Verbesserung der bayerischen Kanale soll die Wayerstraye bis nach München weitergefuhrt werden. Das Projekt ist der preußischen Regierung zur Prüfung ernge- reicht worden Wegen der 46 Schleusen und der zu günstig erscheinenden Berechnungen heg die Regierung Bedenken. Abg. Turneau erläuterte diese Bedenken und erklärte gleichzeitig, daß der Minister, der früher von den Werrataljperren nichts nutzen wollte, jetzt diesem Plane günstiger gestimmt sei, da der Mittellandkanal der Weser zu viel Wasser entziehen würde, das wieder ersetzt werden mune.
Ferner wünscht der Minister, daß ein vom Oberbaurat Sympher ausgearbeitetes Projekt, welches Stautore statt der Schleusen vortzeht, geprüft wird. Senator Meyer machte einen neuen Vorschlag, wonach statt der 46 Schleusen nur 14 Schleusen gebaut werden
vereins die trotz des schlechten Wetters Erschienenen. Wenn der heutige Tag zum größten Teile ernster Arbeit gewidmet war, so sollten den Abend einige fröhliche Stunden verschönen und er danke daher schon jetzt den Mitgliedern des vereinigten Männerchors, die sich in den Dienst der guten Sache gestellt haben.
Der Kommers nahm dann seinen programmäßigen Verlauf, Orchestervvrträge der vorzüglichen Henkelschen Kapelle aus Cassel, Liedervorträge der vereinigten Münnergesanavereine unter der bewährten Leitung des Herrn Fischer und gemeinsame Gesänge wechselten ab. Schnell schwanden die Stunden dahin und nach Mitternacht leerte sich allmählich der Raum bis auf die ganz Seßhaften, die noch manch fröhliches Lied sangen.
Obwohl der heutige Festtag ein recht trübes Gesicht macht, so lassen sich doch Hessens Landwirte nicht abhalten die Ausstellung zu besuchen. Bereits die Morgenzüge brachten große Massen von Besuchern und in der Stadt sowie auf dem Festplatze herrscht reges Leben und Treiben. Viele Schulen aus der Umgegend befinden sich unter den Besuchern.
Von Vormittags 10 Uhr ab tagte die Generalversammlung des Vereinsausschusses der Landwirt- schastskammer im Saale der Gesellschaft „Verein".
Gegen 1/212 Uhr traf der O b e r pr ä s i d e n t der Provinz H e s s e n - N a s s a u, Se. Excellenz H e n g st e n b e r g, zur Besichtigung der Ausstellung hier ein und unternahm unter Führung des Herrn Lanörats von Grnneltns und des Vorsitzenden der Landwirtschaftskammer, Rittergutsbesitzers Maertens, einen Rnndgang durch Hie Zelte. Auf der Tribüne am großen Ring wohnte Se. Excellenz den Vorführungen der prämiierten Tiere bet und trat dann im Laufe des Nachmittags die Rückreise nach Cassel wieder an.
Bei der Prämiierung der Kaninchen wurden vergeben: 2 silberne und 3 bronzene Staatsmedaillen, 3 Kammerdiplome, 2 Siegerpreise, 22 Ehrenpreise, 12 erste, 24 zweite, 60 dritte Preise u. 20 lobende Anerkennungen. Von den fünf Ausstellern aus Hersfeld erhielten: Bür kle 4 Ehrenpreise, 3 zweite, 4 dritte Preise und 2 lobende Anerkennungen sowie
1 silberne Staatsmedaille, Hrch. Thielei Siegerpreis, 1 Ehrenpreis, 1 zweiten und 2 dritte Preise sowie 1 Kammerdiplom, Theodor Heer 1 Ehrenpreis, 1 dritten Preis und 2 lobende Anerkennungen, Karl G r a f 1 Ehrenpreis, 2 zweite unb 2 dritte Preise, Andreas R e h b e i n 1 zweiten unb 2 dritte Preise. Die Hersfelder Züchter haben demnach trotz der großen Konkurrenz sehr gut abgeschnitten. Bürkle hatte eine äußerst reichhaltige Fellverwertungssammlung, sowie Tiere ausgestellt, die ein Gewicht bis zu 17 Pfund hatten.
sollen. Auch Sympher hält an 10 Schleusen fest und will an Stelle der anderen Stalltore setzen, bei denen jedoch eine Ausnutzung der Wasserkräfte ausgeschlossen ist. Im Herbst sollen in einer weiteren Versammlung Sachverständige Bericht erstatten über alle Berechnungen sowohl in technischen, wie in finanziellen und wirtschaftlichen Beziehungen sämtlicher Projekte- Außerdem sollen die Landtagsabgeordneten Wendland und Tourenau und Senator Meyer persönlich dem Minister der öffentlichen Arbeiten die Projekte erläutern. Ueber die geplanten Talsperren berichtete Ingenieur Dr. Wolf. An Stelle von 6 Talsperren int oberen Lauf der Werra sollen nur 2 treten, die aber bedeutend erweitert werden können, nämlich in der Schleuse bei Kloster Vesra und in der Hasel bei Meiningen, die zusammen 130 Millionen Kubikmeter Wasser fassen sollen.
Da aber außer den beiden Sperren der Edder und Diemel mit zusammen 220 Mill. Kubikmeter Wasser noch weitere 400—500 Mill. zur Speisung der Weser und des Mittellandkanals nötig sind, so sollen noch weitere Talsperren im Gebiet der Rhön und im Quellgebiet der Fulda ausgearbeitet werden, so im Fuldatal, im Ulstertal, in der Schwalm usw. Weitere Mittel sollen nach Vorschlägen des Senators Meyer beschafft werden. Bürgermeister Weißker und BüMr- vorsteherwortführer Blume baten, die nächste Versammlung in Münden abzuhalten. Sie soll in Münden stattfinden. Eine weitere Versammlung soll in Nürn- berg abgehalten werden. j
Wolkig, zeitweise Niederschlüge, kelneTemperatnr- veränderung, südwestliche Winde.