Einzelbild herunterladen
 

Hersfelder Tageblatt

für den Kreis Hersfeld

Wlott

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be- * r tv

zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei

Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld. 7 '

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 153.

Freitag, den 3. Juli

1914.

Bus der Heimat. Willkommen in Sersfeld!

Von der Fulda reichen Auen,

Von der Berge luftgen Höhn,

Aus der Werra grünen Gauen,

Von dem hohen Kamm der Rhön,

Aus des Schwalmgrunds üppigen Feldern,

Von der Eder goldnem Strand,

Von des Knülls verborgnen Wäldern,

Aus dem hessischen Hügelland:

Fröhlich rings von allen Seiten

Strömt herbei der Gäste Schar,

Herzlich fröhliches Willkommen

Bieten Hersfelds Bürger dar.

Zum ersten male wieder seit dem Jahre 1882 ver­sammeln sich in unserer Stadt die hessischen Landwirte zu einer größeren Zusammenkunft. Zum ersten Male unternimmt die Lanöwirtschaftskammer zu Cassel eine dreitägige Bezirksausstellung, und Hersfeld hat die Ehre diese erste große Ausstellung in seinen Mauern zu beherbergen. Der Hersfelder Landwirtschaftliche Kreisverein, der in den letzten Jahren unter dem überaus rührigen Vorsitze des Herrn Landrats von Grunelius sich zu großer Blüte entfaltet hat, hat keine Mühe nnd Arbeit gescheut, die Ausstellung mit Unterstützung weiter Kreise der Landwirtschaft und Bürgerschaft würdig vorzubereiten. Mit herzlichen Gefühlen wird Hersfelds Bürgerschaft die auswärtigen Gäste empfangen und mit dazu beitragen den hessischen Landwirten einen Empfang zu bereiten, wie es die Bedeutung dieses Standes erfordert.

Möge das hier in großzügiger Weise Gebotene der Landwirtschaft von Nutzen zu sein und mögen die Festteilnehmer neben der ernsten Arbeit auch einige fröhliche Stunden in unserer gastlichen Stadt ver­bringen und stets mit Freuden an unser altehrwürdiges Hersfeld und seine Bewohner zurückdenken.

In diesem Sinne rufen wir allen Gästen ein

Herzliches Willkommen entgegen!

* (Der § 100 qu der Reichsgewer be­ll r d n u n g.) DieDtsch. Pari.- Corr." berichtet: In den Handwerksgesetznovellen wird die von vielen Handroerkerkreisen geforderte Aufhebung des § 100 qu

Reichsgewerbeordnung nicht enthalten sein. Die Reichsregierung will eine mittlere Linie in dieser Frage einschlagen und den Zwangsinnungen die Be- '"guis geben, zwar normale Preise, Richtpreise auf- zustellen, ohne daß aber die Nichtbeachtung dieser .mchtpreise unter Strafe gestellt wird. Diese Lösung der vielumstrittenen Frage ist von der Regierung migeregt worden und hat die Zustimmung der im Rerchsamt des Innern stattgefundenen Handwerker­konferenz sowie des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages gefunden. Die einfacheAufhebung des § 100 qu hält die Reichsregierung im Interesse des Handwerks nicht für vorteilhaft. Da dem Reichs­tage in ferner nächsten Session die Handwerkergesetz- novellen zugehen werden, so wird diese Sache bei dieser Gelegenheit zur Entscheidung kommen.

. M ^c8M^i 2- Juli. Der Glanzpunkt der L a n d - ältlichen Bezirksaus st ellung ver­spricht der am nächsten Sonntag stattfindende F e st - z u g zu werden. Namentlich die Landwirtschaft wird stark in demselben vertreten sein und die ver­schiedensten Trachten werden ein buntes Bild geben. Die Aufstellung des Festzuges erfolgt in verschiedenen Straßen und zwar Abteilung 1, die Landwirtschaft darstellend, in der Hainstraße, Abteilung 2, Vereine von Hersfeld und Umgegend mit Fahnen, in der Eichhofstraße und Abteilung 3, Gewerbe und Verkehr, der Wigbertstraße. Die Aufstellung erfolgt pünkt­lich 1^/2 Uhr mittags. Der Zug bewegt sich dann durch folgende Straßen: Johannestor, Brink, Neu-

Abt Michaelstraße, Hainstraße, Breitenstraße, si^b5^^' Bahnhofstraße, Kaiserstraße, Breiten- ftrale' SSSM?' Linggplatz, Marktplatz, Johannes- öen^ps^i ^^rgße. Die Festwagen werden nicht auf strafte na ~ fahren, sondern biegen von der Fulda- Austösun^ J^^a6 in die Lullusstraße, woselbst die Aufstellnn»^^^' ®a§ Publikum wird gebeten die den Ätt« nicht zu betreten, da dieselben für gesperrt werbet?^0 öer Dauer der Zugaufstellung

):( Hersfeld, 2. Juli. Einen schönen Anblick ge­nossen heute morgen die Frühaufsteher. Kurz nach 4 Uhr bereits kam das LuftschiffZ 6" in geringer Höhe über unsere Stadt geflogen, so daß man alle Einzelheiten des Luftschiffes gut sehen konnte.

):( Hersfeld, 2. Juli. An stelle des verstorbenen Herrn Forstmeisters Caesar wurde Herr Ober­förster Lubeseder von Ellenhausen b. Marburg mit der Verwaltung der Königlichen Oberförsterei Hersfeld-Wippershain beauftragt.

):( Hersfeld, 2. Juli. In der heutigen Schöffen­gerichtssitzung standen zunächst drei Forst­strafsachen zur Verhandlung. Weiter wurde ein Kaufmann aus Dorndorf wegen Beamtenbeleidigung, die derselbe anläßlich des Musterungsgeschäfts im März d. Js. hier begangen hatte, zu 30 Mark Geld­strafe evtl. 6 Tagen Gefängnis verurteilt. In einer Privatklagesache wurde der Beschuldigte mit 30 Mark evtl. 6 Tagen Haft bestraft. Die Klägerin erhielt, da der Angeklagte Wiederklage erhoben hatte, eine Geld­strafe von 5 Mk. evtl. einen Tag Haft.

):( Hersfeld, 2. Juli. Am gestrigen Abend wurde von mehreren Personen auf der Fulda eine Möve beobachtet. Auf welche Weise das Tier hierher ge­kommen ist, konnte nicht ermittelt werden.

Hönebach, 1. Juli. Als der Eisenbahnarbeiter Philipp Lindemann gestern mit anderen Rottenarbeitern bei einem Umbau beschäftigt war, wurden ihm beide Beine zerquetscht. Er wurde sofort in das Land­krankenhaus nach Hersfeld gebracht, wo er schwerkrank darniederliegt.

Eisenach, 1. Juli. Eiü schrecklicher Anblick bot sich gestern abend einem Spaziergänger unterhalb der Hohen Sonne. Er fand an einer Telegraphenstange einen Mann hilflos liegen, der am ganzen Körper mit Ungeziefer, Geschwüren usw. bedeckt war und einen entsetzlichen Geruch verbreitete. Der Aufge­fundene ist ein Händwerksbursche mit Namen Georg Glöckner aus Merseburg und nach seinen eigenen Angaben lag er schon seit voriger Woche ohne Nahr­ung an dieser Stelle. Der Bedauernswerte, der bald dem Tode nahe war, hatte noch acht Mark bei sich; er wurde auf einer Krankenbahre nach dem hiesigen Krankenhause gebracht.

Schmalkalden, 30. Juni. Im benachbarten Hein- dorf ereignete sich ein tödlicher Unglücksfall. Der 71= jährige Fabrikarbeiter R.Jungk war mit Heuabladen beschäftigt. Die vorgespannten Kühe wurden nun plötzlich unruhig und zogen an. I. der auf dem hoch- beladenen Wagen stand, stürzte so unglücklich herab, daß er sofort tot war.

Erfurt, 29. Juni. Im Walde bei Möhrenbach wurde die 23jährige Frau Hedwig Hartmann ermordet aufgefunden. Der Verdacht richtet sich gegen einen flüchtigen 21jährigen Arbeiter aus Erfurt.

Frankfurt a. M., 1. Juli. Vor einigen Tagen wurde die 43 Jahre alte Privatlere Stadtmuller, die in der Friedrichstraße eine bescheidene Mansarden­wohnung inne hatte und auch sonst in recht ärmlichen Verhältnissen lebte, in das städtische Krankenkenhauv einaeliefert. Gestern verstarb die schwerleidende Frau, die keine näheren Verwandten hinterläßt.. In ihrer Wohnung fand man stdoch eine geheimnisvoll ver­wahrte Geldkassette, in der ltd) neben allerhand schmuck- sachen, Ringen, Uhren, Ketten usw. zwei Sparkatsen- bücker mit einer Gesamteinlage von über -0 000 Mt. befanden." Ob erbberechtigte Verwandte vorhanden sind, wird erst festzustellen sein.

Langensalza, 1. Juli. Einen recht unerfreuUchen Abschluß hat, wie derMühlb. An^ meldet, die Feier des Gedächtnistages der Schlacht bei ^angenialza am Bade gesunde«. Verschiedene Jager des hiesigen Regiments Jäger zu Pferde Nr. 2 waren von einer Anzahl Zivilisten mehrfach angerempelt und gereizt worden und wurden auch am dem Heimwege von diesen verfolgt und belästigt. Plötzlich erhielt ein Unteroffizier von hinten ein paar Ohrfeigen, zog daraufhin sofort blank und stach den vermeintlichen Angreifer nieder. Dieser aber behauptet, das Opfer einer Verwechselung geworden zu jeln und nicht geschlagen zu haben. Der Stich war dich neben dem Herzen in die Brust gegangen und hatte auch das Herz verletzt Der Gestochene wurde in das stadtliche Krankenhaus gebracht und noch in der Nacht operiert.

Mühlheim a. M., 1. Juli. Beim Baden ertrunken sind gestern abend hier die in den 20er Fahren stehenden Schreibgehilfen der Muhlheimer Gemeinde­verwaltung Jean Schmidt aus Mühlheim und Friedrich Scheible aus Kelsterbach. Als den Scheible plötzlich die Kräfte verließen, wollte ihm sein Kollege zu Hilfe eilen. Er wurde jedoch von dem Ertrinkenden erfaßt und von diesem mit in die Tiefe gezogen. Die Leichen

der beiden Ertrunkenen, die noch fest umklammert waren, wurden bald danach geborgen.

Mainz, 2. Juli. In der militärischen Wassergas­fabrik bei Fort Marienvorn ereignete sich gestern vormittag bei der Füllung eines Freiballons eine Explosion. Zwei So (baten wurden getötet und zwei schwer verletzt.

Griechische Rüstungen.

Alles in dieser Welt des Bluffs und der Sensation wird klein, sobald wir es eine Weile nicht betrachten. Seit drei Tagen spricht kein Mensch mehr von Albanien und von Griechenland und von der Türkei, weil das grauenhafte Ereignis von Serajewo alle Aufmerksamkeit absorbiert. Oder sollte es da unten inzwischen wirklich friedlicher geworden feilt? Die Diplomaten behaupten es einmütig, und die haben ja immer recht, abgesehen von den Fällen, tn denen sie sich irren. Es scheint in der Tat, als sei zwischen der Türkei unb Griechenland mehr Ruhe eingekehrt. Die Türken, dieeinzigen Gentlemen des Ostens" laut Moltke, sind ehrlich bestrebt, berechtigten Beschwerden ihrer griechischen Untertanen in Kleinasien abzuhelfeu, und die Griechen sind «och nichterzbereit".

Aber sie wollen es werben; und wenn die Türken nicht mitmachen, haben sie in der Aegäis bald nichts mehr zu sagen. Die beiden anierttontfdjen Schlacht­schiffe, die Griechenland angekauft hat,Mississippi" zur Zeit in Pensaeola undJdaho" zur Zeit int Mittelmeer" sind verhältnismäßig neue Bauten, 1905 von: Stapel gelaufen nnb 1908 in den Dienst der Vereinigten Staaten übernommen, also jedenfalls erheblich moderner, als die beide« der Türkei ver­kauften deutsche« Linienschiffe, die jetzt unter bcnt NamenHaireddin Barbarossa" undTorgnd Reis" die stärksten Einheiten der Türkenflotte bilden: sie stammen aus dem Jahre 1891 und haben nur sechs 28-cm-Geschütze, während die Amerikaner der Griechen schon das 30,5-cm-Kaliber aufweisen. Allerdings haben die Türken dann noch ihrenReschad V", aber der ist noch nicht fertig im Dienst. Die Geschwindigkeit, der von Griechenland angekausten Schlachtschiffe, 18 Knoten, reicht an die der modernen Dreadnoughts aller Marinen, die es auf 2IV2 bringen, nicht heran, über- trifft aber doch wesentlich die der türkischen Konkurrenz, die sich mit 16^/2 begnügen muß. Das gibt also für die Griechen eine relative ausreichende Fahrtüber­legenheit. Ihr ntoberner KreuzerGeorgios Awervff" ist auch erheblich schneller, als die türkischen Schiffe. So könnte denn Griechenland mit der sicheren Aussicht auf Erfolg einen Seekrieg gegen die Türkei beginnen, wenn die beiden Schiffe nur schon Bemannt und die Bemannung einexerziert wäre. Sie- haben eine Besatzung von je 800 Köpfen. Um die zusammen- zubekommen, muß das Königreich bereits Reserven einberufen. Außerdem kannMississippi" nicht vor Mitte August im Pträus eintreffen, und dann dauert es doch noch mindestens 6 Wochen, bis die Bemannung mit den technischen Einrichtungen des Schiffes vertraut gemacht worden ist und namentlich das in Griechenland unbekannte System der amerikanischen Geschütze, von den Elswick Works, begriffen hat. Zunächst ist man inbezug auf den Munitionsersatz auch noch ganz auf Amerika angewiesen, denn die griechischen Fabriken werden nicht so schnell die Herstellung übernehmen können. Kurz, man darf wohl die Prophezeihung wagen, daß die Griechen vor dem Herbst dieses Jahres nichtfertig" sein und daher uns die Sauregurkenzett kaum durch einen Krieg stören werden. Dasselbe gilt übrigens von den Türken. Außer demReschad v" erwarten sie auch nochOsman I" undRescha die Hamim" und müssen alle drei Dreadnoughts erst ausrüsten und bemannen und in langenSchießübungen die Besatzung sich an die Fahrzeuge und ihre Einrich­tungen gewöhnen lassen.

Dieses Unfertigsein der beiden Streithähne ist außerordentlich beruhigend für sie und für Europa, denn es macht zu Verhandlungen geneigt und behütet auch vor Eingriffen in noch ferner liegende Gebiete. Es hatte vor kürzern, wenigstens nach italienischen Blättern, bereits den Anschein, als sei in Albanien alles verloren und als werde Griechenland sich nun von neuem des Epirus bemächtigen. Aber wenn nicht alles trügt, ist dies eine Täuschung. Wir haben nichts verloren, indem wir drei Tage lang uns um andere Dinge kümmerten, als um Albanien und Griechenland und die Türkei. Es ist noch nicht aller Tage Abend, und es wird noch nicht von heute auf morgen zu welterschütternden Entscheidungen kommen. Europa hat jedenfalls Muße genug, mit der Feuerspritze bereit zu stehen.

Wetteraussichten für Freitag den 8. Juli.

Heute Gewitter, wolkig, zeitweise Regemalle, kühler, südwestliche Winde.