Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^A^ für den Kreis Hersfeld
-mM WW Wlott
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Sernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 151. — Mittwoch, den 1. Juli 1»14.
Bus der Heimat« Stadtverordneten-Sitzung.
):( Hersfeld, 30. Juni.
Die gestern nachmittag im Rathaussaale abgehaltene Sitzung der Stadtverordneten war von 16 Mitgliedern besucht. Außerdem wohnten Herr Bürgermeister Strauß, die Herren Beigeordneten A l t e n b u r g und Schimmelpfeng, die Herren Stadträte beunann Braun, Hirschberger und Seelig, sowie Herr Magistratsassessor Dr. S ch e f f e r den Verhandlungen bei.
Nachdem der Herr Stadtverordnetenvorsteher Becker der Versammlung davon Mitteilung gemacht hatte, daß anläßlich des 80. Geburtstages des Herrn Stadtrates Jacob Seelig Herr Professor Dr. K l i p p e r t namens der Stadtverordneten gratuliert hätte, erfolgte die Vereidigung des Herrn Stadtrates Hermann Braun als neu gewähltes Magistratsmitglied durch den Herrn Bürgermeister.
Der nächste Punkt der Tagesordnung betraf eine Abänderung des Ortsstatuts über die Anstellung der städtischen Beamten. Gegen die Festsetzung des Paragraphen, daß den städtischen Beamten bei ihrer Pensionierung nur die Zeit angerechnet werden sollte, seit der sie in städtischen Diensten als Beamte tätig sind, hatten einige der hiesigen Beamten Einspruch erhoben. Da der Magistrat diese Anordnung nur für die zukünftig anzustellenden Beamten getroffen hat und nicht für die jetzt im Dienste befindlichen, so hatte er den erhobenen Einspruch als unbegründet betrachtet. Herr Gerichtsvollzieher Becker erblickt in dieser
Festsetzung des betr. Paragraphen eine Härte gegen die Kommunalbeamten, da bei den Militäranwärtern bereits vom 18. Jahre an das Dienstalter gerechnet würde. Die Kommunalbeamten ständen heute bereits finanziell schlechter da, wie die Staatsbeamten, obwohl sie in ihrem Amte mindestens ebenso tüchtig sein müßten, wie jene. Er halte es für einen Akt der Gerechtigkeit, daß die städtischen Beamten ebenso gestellt werden müßten,wie die Staatsbeamten. HerrLorenzMohr möchte ebenfalls eine bestimmte Altersgrenze festgesetzt haben. Es sprechen dann weiter noch in ähnlichem Sinne die Herren Schafft, Stern und Löwer. Herr Bürgermeister Strauß gab eine nähere Erklärung über die Anstellungsverhältnisfe und bemerkte, daß die jetzt in städtischen Diensten befindlichen Beamten von dieser Anordnung nicht betroffen würden. Die Anstellungs- und Pensionsver- Hältnisse derselben seien bereits früher geregelt worden, so daß der Magistrat den Einspruch derselben gar nicht verstehen könnte. Der Magistrat wolle nur für die Zukunft Klarheit schaffen. Herr Daniel Stern glaubt, daß die Beamten mit der Anrechnung ihrer Dienstjahre sicherlich nicht zufrieden wären, denn sonst hätten dieselben keinen Einspruch erhoben. Nach weiterer Aussprache, bei welcher Herr Gerichtsvollzieher Becker nochmals entschieden für die städtischen Beamten eintritt und nachdem ein Antrag auf Schluß der Debatte erfolgt war, ergab die Abstimmung, daß die Mehrheit der Stadtverordneten der Ansicht des Magistrats zustimmt.
Zur Stiftung eines Ehrenpreises für die in dieser Woche hier stattfindende große Landwirtschaftliche Be- zirksausstellung hat der Magistrat einen Betrag von 150 Mark bewilligt, womit die Stadtverordneten sich einverstanden erklärten. Herr Jean S t e i n w e g fragt bei dieser Gelegenheit an, weshalb dem hiesigen Athletenverein anläßlich des Wettstreites nicht auch ein angemessener Betrag als Preis gestiftet worden wäre. Dieselbe Anfrage stellt Herr Daniel Stern und bemerkt noch, daß der Preis für die Bezirksausstellung bereits ohne Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung gekauft und in einem hiesigen Schaufenster ausgestellt sei. Herr Stadtverordnetenvorsteher Becker teilt hierzu mit, daß es wegen der Kürze der Zeit nicht anders möglich gewesen wäre. Er habe das Geschenk mit dem Herrn Bürgermeister und Herrn Stadtrat Rechberg ausgesucht und die Verantwortung den Stadtverordneten gegenüber übernommen. Auch Herr Bürgermeister Strauß bestätigt, daß wegen Kürze der Zeit eine Ausnahme gemacht werden mußte. Betreffs der Anfrage des Herr Steinweg bittet er, dieselbe schriftlich an den Magistrat zu richten.
Auf das in einer früheren Sitzung seitens der ^?Fkverordnetenversammlung an den Magistrat ge- nn« t^-l^en Erhebungen betreffs Unterbringung Geschäftszimmern in dem früher E Hause anzustellen, teilt derselbe im adien mnr?tnr^tun6 hierfür größere Kosten ver- ÄS Em Ä*“ Erb- dann wieder ein ge- -chuMa^ fehlen - ^ ö°" 6or!- untergebrachte
§SnÄ ^hlen. Es sei daher besser bis zu dem Das schöne Wetter hatte übrigens außer den Berg- Zeitpunkt zu warten, wo das Töchterschulgebäude I leuten auch viele andere Besucher herbeigelockt. Nach
wieder frei würde. Die Stadtverordneten nahmen von dieser Mitteilung Kenntnis.
Hiermit war die eigentliche Tagesordnung für die öffentliche Sitzung erledigt, doch stellte Herr Gerichtsvollzieher Becker noch den Antrag, den nächsten für die geheime Sitzung vorgesehenen Punkt über die Beteiligung der Stadt Hersfeld an der neu zu gründenden Brnnnengesellschaft in öffentlicher Sitzung zu verhandeln. Die Bürgerschaft habe an dieser Angelegenheit das größte Interesse und es sei nicht richtig, daß man diesen Punkt der Oeffentlichkeit entziehe. Er stelle deshalb einen diesbezüglichen Antrag. Herr Vorsteher Becker teilt mit, daß er den Punkt deshalb in nicht öffentlicher Sitzung verhandeln lassen wolle, weil hierbei Angelegenheiten der altenBrunnengesellschaft besprochen werden könnten,
die sich für die Oeffentlichkeit nicht eigneten. Der Antrag auf öffentliche Verhandlung wurde abgelehnt.
Herr Ernst Herda fragt an, ob die Stadt bereits Schritte getan habe, um das kürzlich seitens des Herrn Regierungs-Präsidenten ergangene Verbot, nach welchem Händler und Verkäufer von Vieh das Schlachthans nicht mehr betreten dürften, aufzuheben. Durch dieses Verfahren könne für die Stadt ein großer Nachteil entstehen. Die Metzgerinnung habe eine Eingabe an den Herrn Regierungs-Präsidenten gemacht, die aber abschläglich beschieden worden sei. Herr Bürgermeister Strauß erklärt zu dieser Angelegenheit, daß das Verbot durch den Herrn Regierungs- Präsidenten nach einer vom Departementstierarzt vorgenommenen Revision des hiesigen Schlachthauses ergangen sei. Es wurde damit begründet, daß bei den unzulänglichen Raumverhältnissen den Verkäufern kein Zutritt beim Schlachten mehr gewährt werden könne. Zahlreiche Verkäufer von Vieh haben auch bereits bei dem Herrn Bürgermeister gegen diese Anordnung protestiert, die jedoch nicht von der hiesigen Polizei erlassen worden sei. Dieselbe habe sogar selbst bei der Regierung um Aufhebung des Verbotes gebeten, jedoch denselben abschlüglichen Bescheid wie die Metzgerinnung erhalten. Auf eine Bemerkung des Herrn Herda hin, daß die Landwirte glauben, die Metzger seien an dem Erlaß des Verbotes selbst schuld, bestätigt Herr Bürgermeister Strauß, daß dies keineswegs der Fall wäre.
Herr Gerichtsvollzieher Becker richtet an den Magistrat die Bitte, daß alle von Seiten der Stadt anzuschaffenden Sachen wenn irgend möglich von hiesigen Geschäftsleuten bezogen würden. Beisprels- weise seien erst kürzlich Mützen für die Angestellten des Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerkes von auswärts bezogen worden, obwohl die hiesigen Mützenmacher dieselben ebenfalls hätten liefern können. Diese wären aber über eine Lieferung gar nicht gefragt worden. Herr Bürgermeister Strauß erwidert hierauf, daß der Magistrat schon immer den Grundsatz gehabt habe, alles am Platze zu beziehen, nur in ganz nHnpmpmnhnlitben Raden sei hiervon abgewichen
außergewöhnlichen Fällen sei hiervon abgewich worden. Ueber die Beschaffung der betreffend Mützen wolle er sich erst informieren.
Herr Färbmeister Wolfs fragt wegen Vergebung der Anfertigung der Kirchenbänke an. Die Zuschlagsfrist habe 4 Wochen und die Lieferzeit solle nur 6 Wochen betragen. Herr Bürgermeister S trauß erwidert hierauf, daß das Presbyterium ebenfalls ferne Zustimmung zu dem Zuschläge erteilen mupe. Es seien aber noch eine ganze Rerhe von Wünschen geäußert worden, die erst noch geprüft würden. Herr Wolff kommt nochmals daraus zu sprechen, daß die angesetzte Lieferfrist zu kurz bemessen ser, worauf Herr Bürgermeister Strauß zusagt, daß diese Frnt nach Rücksprache mit dem Presbyterium wenn möglich verlängert würde. Herr L o r e n z M oh r bemängelt ebenfalls die kurzen Lieferfristen, die öfters von dem Bauamt gestellt würden, und worüber von den Handwerkern viel geklagt würde. ..
Hiermit wurde die öffentliche Sitzung geschlossen und die Stadtverordneten traten noch in eine längere
en
Mützen wolle er
geheime Sitzung ein.
-n- Heringen a. d. W^ 29. Juni. (Das Fest der Bergleute.) Am Sonntag veranstaltete die Gewerkschaft Wintershall-Herrngen seinen Bergleuten das diesjährige Bergmannsfest. Als Festplatz diente die herrliche dem Bergwerk gehörige Wiese am linken figer Weise hatte auch dieses rgwerks ihren Arbeitern
die herrliche dem Bergwerk gehörige Wiese am unten Werraufer. In uneigennütziger Weise hatte auch dieses Jahr die Direktion des Bergwerks ihren Arbeitern und Beamten Getränke und Speisen kostenlos zur Verfügung gestellt und überhaupt keine Kosten noch Mühe gescheut, ihren Arbeitern nebst Familien einen frohen Tag zu bereiten. Die beliebte Bergmannskapelle ließ herrliche Weisen ertönen, und mancher Tanz wurde nach ihren Klängen durchgeführt. Ueber- Haupt herrschte auf dem Festplatze, welcher Karussels, Buden etc. in Mengen aufwres, bald ein reges Leben. Das schöne Wetter hatte übrigens außer den Berg-
einem gut gelungenen Zuge durch den Flecken Heringen hielt ein Beamter des Bergwerks aus dem Festplatze eine markige Ansprache. Der Männergesangverein Heringen verschönte das Fest durch herrliche Chöre. Am Abend wurde ein prächtiges Feuerwerk abge- brannt. Am Montag fand das Fest der Bergleute seine Fortsetzung..
Fulda, 28. Juni. Die neu gegründete Zwangsinnung für das Maler-, Anstreicher-, Lackierer- und Weißbinder-Handwerk hielt dieser Tage ihre erste Jnnungsversammlnng ab. U. a. wurde ein Antrag des Malermeisters Fnchs, der Presse keinerlei Mitteilungen über die Tätigkeit der Innung zukommen zu lassen, mit Stimmenmehrheit angenommen. (!)
Fulda, 29. Juni. Die drei Zigeunerkinder Ebeuder, deren Mutter auf der Domäne Johanntsburg bei Fulda arbeitet, sind wieder gefunden warben; sie waren in einer Scheune zu Maberzell versteckt.
Cassel, 29. Juni. Anläßlich der Jubelfeier des Kurhessischen Sängerbundes, die gestern bei prächtigen» Wetter unter einer Beteiligung von mehr als 8000 Sängern aus Cassel und der Umgegend vor sich ging, wurden in der Stadthalle 83 Hektoliter Bier und 5000 Flaschen Wasser und Wein getrunken. Außerdem wurden 3120 Tassen Kaffee verschönst. Weiter wurden konsumiert 3000 belegte Brötchen, 2000 belegte Brote, 9000 Brühwürstchen, 1200 Mnßewecken, 2V2 Zentner Pöckelrippchen und 1180 Bratwürste.
Cassel, 29. Juni. Unter dem Verdacht des Kindes- mords wurde das ledige Dienstmädchen Marie P. am Möncheberg verhaftet. ,Der Beschuldigten wird zur Last gelegt, ihr Kind getötet zu haben, indem sie ihm mit einer Axt den Schädel spaltete.
Fronhausen, 29. Juni. Auf Hof Fortbach bet Jlschhausen gerieten zwei Arbeiter mit ihrer Herrschaft in Streitigkeiten. Einer von ihnen gab zwei Schliffe auf den Verwalter ab und dann ergriffen beide die Flucht.
Rotenburg, 27. Juni. Der rührigen Tätigkeit unseres Bürgermeisters von Kupsz ist es gelungen, wiederum zwei Unternehmen für unsere Stadt zu sichern. Der „Evangelische Verband zur Pflege der weiblichen Jugend in Deutschland e. V.," mit dem Sitze in Berlin, wird basier ein Erholungsheim errichten und zwei Damen werden ihre bisher in Neu- babelsberg bei Potsdam unterhaltene Fremdenpensionen hierher verlegen. Es hat in beiden Fällen langer Verhandlungen bedurft, um einen Erfolg zu sichern. Nunmehr ist in beiden Angelegenheiten die endgültige Zusage gegeben. Das Heim für erholungsbedürftige evangelische Damen wird von dem obengenannten Verband errichtet. Der Verband steht unter dem Protektorat Ihrer Majestät der Kaiserin. Ehrenvorsitzende desselben ist Ihre Exzellenz Frau Kultusminister von Trott zu Solz. Der Verband unterhält bisher 12 solcher Erholungsheime in den verschiedensten Gegenden Deutschlands. In denselben erhalten junge Mädchen aller Berufsarten billige Gelegenheit zur Erholung. Das Erholungsheim in Rotenburg ist das erste dieser Art in unserem Regierungsbezirk. Es wird an einer seitlichen Talmulde auf der linken Fuldaseite, im sog. Rosenthal, errichtet werden. Die Lage desselben ist geradezu idyllisch, windsicher, mit herrlicher Aussicht und in nächster Nähe der Stadt und des Waldes. In demselben sollen 35—40 junge Damen gleichzeitig Aufnahme finden, der Betrieb wird das ganze Jahr hindurch aufrecht erhalten. In nächster Nähe auf'oem Emanuelberge, wird das andere Unternehmen, eine Fremdenpension vornehmsten Stils, seinen Standort erhalten.
Eisenach, 29. Juni. Wie bereits gemeldet, ist seit einigen Tagen der Rechnungsamtmann Stapf aus Dermbach, nachdem er bedeutende Unterschlagungen begangen hat, flüchtig geworden. Die Unterschlagungen, dieanfänglichnicht für sehr beträchtlich gehalten wurden, belaufen sich nach neueren Angaben auf ungefähr 150,000 Mark, denn Stapf hat nicht nur in seiner Eigenschaft als Rechnungsamtmann von Dermbach rund 77,000 Mk. unterschlagen, sondern er hat auch Gelder, die ihm von seinen Verwandten in Höhe von 73,000 Mark anvertraut waren, veruntreut. Stapf, der 48 Jahre alt ist. hinterläßt eine Frau mit einem Kind. Die Nachricht, daß er in dem Hautsee bei Frauensee den Tod gesucht und gefunden habe, hat sich bis jetzt nicht bestätigt.
Hammelburg lRhön), 28. Juni. Auf dem Truppenübungsplatz wurden zwei Artilleristen von einem Feldgeschütz überfahren; der eine ist tot, der andere leicht verletzt.
Wetteraussichten für Mittwoch den 1. Juli.
Zunehmende Bewölkung, noch meist trocken, warm, südliche, später südwestliche Winde.