Das schädliche Treiben der tandesverräler das, wie der letzte Fall -er Verhaftung des Berliner Feldwebels wohl beweist, selbst innerhalb unserer Armee feile Gehilfen findet, wird in einem „Landesverrat überschriebenen Artikel der „Magdeburger Zeitung" wie folgt gebrandmarkt: t o m
Keiner achtet den Verräter. Gleißendes Gold mag der Lohn sein seines feilen Gewerbes, Geld, das man ihm hinwirft für seine Judasdienste, aber den Judas selbst verachtet jeder, auch der noch, der ihn zahlt und nutzt. Wenn irgendwo ein instinktives Moralgefühl sich richtig wendet, so ist es Rer. In dem Urteil über die Verächtlichkett schnöden Verrates sind alle Zeiten einig. Plutarch schon legt dem Cäsar die Worte in den Mund: Ich liebe den Verrat, aber ich hasse den Verräter. Und an die Namen aller Verräter, von denen die Geschichte kündet und die Ueberlieferung, haftet sich und ewiger Fluch als ihr dauerndes, verdientes Teil. Auch der Spion, der in der Frenrde schleicht, treibt ein Gewerbe, das das Licht zu scheuen hat, auch er übt schließlich Verrat: aber er verrät den Gegner, späht und erkundet dessen Blößen, und ihn mag der Wille treiben, Sem Volke zu nützen, dessen Blut in seinen Adern kreist. Mag ihn im Kriege die Kugel erwarten, im Frieden Kerker und Haft: es ist ein Feind, den unschädlich zu machen man ein Recht und eine Pflicht hat, vor dem jedoch die Verachtung Halt machen kann.
Den aber, der um schnöden Goldes willen sein Volk und Vaterland verkauft, der die Tür des Hauses, das seine Bluttropfen schützt und schirmt, heimlich dem Feinde öffnet, richtet die Strafe nicht nur, die ihn erwartet, ihn richtet jedes ehrliche Gefühl als einen feilen, verächtlichen Buben, vor dem man ausspeit. Und Fluch und Verachtung heften sich an seine Fersen und drücken ihm das schimpflichste aller Brandmäler auf: das, ein Vaterlandsverräter zu sein. Um wie viel mehr noch, wenn der Verräter aus den Reihen derer kommt, die Eid und Beruf in erster Linie zu treuen, unbestechlichen Wächtern des Vaterlandes machen soll. Wenn er durch fluchwürdige Tat nicht nur sein Volkstum schändet, sondern noch dazu den Rock in den Schlamm zieht, der ein Ehrenkleid, der seines Königs Kleid ist. Hier ist kein Wort der Verurteilung hart genug, keine Verachtung zu stark. Das ist kein Schädling nur, den man unschädlich macht; ein Schändling ist er, Pflicht- und ehrvergessen.
willen sein Volk
Polifildie Rundschau.
Der Kaiser hielt Sonntag morgen an Bord der „Hohenzollern" Gottesdienst ab. Später begab sich der Kaiser an Bord des „Meteor", um an der Seewettfahrt des Norddeutschen Regattavereins auf der Kieler Föhrde teilzunehmen. Als Segelgäste auf dem „Meteor" waren geladen der Fürst von Monako, Botschafter Fürst Lichnowsky, Fürst Münster von Derneburg, Graf Thun und Hohenstein, Botschafter a. D. Freiherr Mumm von Schwarzenstein.
Eine Reichsarbeitslosenversicherung? Ein Stuttgarter Blatt läßt sich aus München melden, die bayerische Staatsregierung habe nach dem Scheitern ihrer Vorlage über die Arbeitslosenversicherung ihre schon früher abgehaltene Besprechung mit der Reichsregierung Über eine reichsgesetzliche Einführung der Arbeitslosenversicherung wieder ausgenommen. Die bayerische Regierung wird nach Abschluß der Vorbesprechung mit zwei weiteren süddeutschen Regierungen im Bundesrate den Antrag auf Einführung der Reichsarbeitslosenversicherung stellen. — Die Meldung des Stuttgarter Blattes trifft aber, wie den „Mit. N. N." versichert wird — wenigstens für die jüngste Zeit —, nicht zu.
Sachsens Wehrbeitrag. Nach amtlicher Bekanntmachung stellt sich das endgültige Ergebnis der Veranlagung des Wehrbeitrages im Königreich Sachsen wie folgt: Das Gesamtergebnis beträgt 78 868 998 Mark. Die Hauptstädte Dresden und Leipzig haben einschließlich der dazu gehörigen Bezirke 22 375 896 Mark und 21657114 Mark erbracht. Es sind veranlagt worden 126 931 natürliche Personen und 416 juristische Personen, ö. s. 2,64 v. H. der gesamten Bevölkerung und 6,22 v. H. der zur Einkommensteuer beitragspflichtigen Personen.
Rußland «nd -er Wehrbeitrag. Die Antwort -er russischen Regierung auf die Note Deutschlands in -er Angelegenheit der Heranziehung russischer Staatsangehöriger zum Wehrbeitrag wird voraussichtlich am Montag im Auswärtigen Amt in Berlin überreicht werden. Der Berliner Lokalanzeiger erfährt von russischer Seite, daß Rußland es gerne sehen würde, wenn der Streitfall dem Haager Schiedsgericht übergeben würde, da es sich nach Ansicht der leitenden Petersburger Kreise um keine politische Frage, sondern lediglich um die Auslegung des deutsch-russischen Handelsvertrages handelt. Wie man sich an amtlicher deutscher Stelle gegenüber diesem russischen Vorschläge verhalten würde, ist noch nicht bekannt. Eine ablehnende Haltung ist wohl wahrscheinlich.
In Durazzo ist keine Aenderung der Lage eingetreten. Die Verhandlungen, die Oberst Philipps mit den
Die rechte Wahl /
Roman von HeleneMerkel.
। 18) (Nachdruck verboten.)
„Selbstverständlich, Schatz, das ist beschlossene Sache bei mir: mein Zimmer schaust Du nicht eher, als — — als bis wir —" sie suchte verlegen nach den passenden Worten — „in unserm Heim zum erstenmal allein sind," vollendete sie dann rasch mit leichtem Erröten.
Doktor Günther lachte nun hell auf, drückte sie innig an sich und küßte sie.
Frau Roland tat, als bemerke sie die Zärtlichkeit zunschen dem Brautpaar gar nicht, sondern meinte, zu augenblicklich zumeist interessierenden Punkte des Gesprächs zurückkehrend:
, „ 7?^Forsters sind wirklich einzige Leute! Was ha- ^ durch ihre liebenswürdigen, hoch- Ratschläge schon für Dienste geleistet! Fast m Me ®efcl)äfte, mit denen wir es zu tun
Mädchen, die Margot und S Hrer knappbemessenen Zeit, nerken^ fi g^ wiederholt mußte ich dabei be- BrandieÄ^ Geschmacks selbst den mponierte^ b Erfahrensten in hohem Maße
Frau Roland machte eine Pause. Dann fuhr ftp mit einem kleinen Setzer fort: '
„Ueberhaupt, wenn ich zuweilen daran denke, wie ich mich Oberfttmnzrats gegenüber jemals revanchieren
a ^ i^slen Rat! Die Brillantbröschchen neulich, ^e ich mir als ein erstes kleines Zeichen meiner Dankbarkeit den jungen Damen zu verehren gestattete waren doch nur ein simples Präsent! Oder denkst Du wirklich im Ernst, Elfe, ich hätte der Margot und der gwlanthe eine Freude damit bereitet?"
„Aber ganz gewiß, Mama!" meinte die Gefragte. Mx ÄkoschW Waren doch entschieden hübsch, und Mar
Aufständischen führte, werden als ergebnislos betrachtet, , da die Aufständischen auf ihren Forderungen beharrten und einen mohammedanischen Fürsten verlangten.
Die Dardanellenfrage. Der englische Botschafter in Konstantinopel hat im Auftrage seiner Regierung die Pforte dringend ersucht, ihn über alle Schritte und Vorstellungen Rußlands in der Dardanellenfrage auf dem Laufenden zu erhalten. Der englische Botschafter soll sich auch darüber unterrichten, ob die Gerüchte von irgendwelchen russisch-rumänischen Abmachungen in der Dardanellenfrage auf einer realen Grundlage beruhen.
Kleine Iladirlditen.
Neue Höhenweltrekorde deutscher Flieger. Bei der internationalen Flugveranstaltung in Wien wurde beim Höhenwettbewerb Oberleutnant Bier mit einem Passagier erster, v. Loetzl mit drei Passagieren zweiter und Hirth mit zwei Passagieren dritter. Alle drei Flieger stellten neue Höhenweltrekorde auf. Bier schlug den Weltrekord Linnekogels, v. Loeßl den Thelens und Hirth den Blaschkes.
Bei der Düppelfeier i« Souberburg gedachte am Sonntag nach einem Feldgottesdienst Graf Haeseler in seiner Rede des Königs Wilhelm I. und der großen Männer jener Zeit. Hierauf hielt Prinz Heinrich eine Rede, die mit einem Hoch auf die Düppelstürmer schloß. Dann besuchten die Veteranen die Schlachtfelder und kehrten später nach Sonderburg zurück.
Drohende Aussperrung in -er schlesischen Metall- indnstrie. Der Verband schlesischer Metallinöustrieller hielt eine außerordentliche Verbaadssitzung ab, auf deren Tagesordnung die Besprechung der Streiklage bei den Linke-Hofmann-Werken stand. Nach eingehender Beratung wurde beschlossen, den Werken die volle Unterstützung des Verbandes zuteil werden zu lassen. Der Vorstand wurde ermächtigt, auf Verlangen der Linke- Hofmann-Werke eine Aussperrung in größtem Umfang anzuordnen.
Das Defizit der Leipziger Baufach-Ausstellung. Wie nunmehr festgestellt ist, schließt die Leipziger Internationale Baufachausstellung des vorigen Jahres mit einem Defizit von 553 000 Matt ab. Es wäre ein beträchtlicher Ueberschuß erzielt worden, wenn nicht außergewöhnliche Umstände eingetreten wären, die den Voranschlag beträchtlich beeinflußt haben.
die Leisehungsseier in Meiningen.
Die feierliche Beerdigung des Herzogs Georg von Sachsen-Meiningen fand Sonntag vormittag 11 Uhr statt. In der Stadtkirche, wo sich die höchsten Herrschaften bereits versammelt hatten, Hielt Oberhofprediger Rahlwes die Gedächtnisrede. Nach Gesang des Chores der Stadtkirche wurde der Sarg von 10 Kammerherren, unterstützt von 10 Hofhandwerkern, auf den vor dem Portal stehenden sechsspännigen Leichenwagen getragen. Das 1. Bataillon des 2. thüringischen Infanterieregiments Nr. 32 stand in Trauerparade vor der Stadtkirche, während die übrigen Bataillone desselben Regiments zur Spalierbildung und Absperrung des Friedhofes benutzt waren.
Unter Vorantritt der Militärkapelle, der Schüler der Meiningischen Schulen des militärischen Ehrengeleites, der Hofoffizianten, Mitglieder der Herzoglichen Hoftheater und der Herzoglichen Kapelle, der Geistlichkeit aller drei Bekenntnisse, setzte sich der Leichenzug in Bewegung. Dem von zehn Kammerherren umgebenen Leichenwagen folgten der Herzog, die Prinzen Ernst und Friedrich und die übrigen Prinzen des herzoglich meiningischen Hofes, der Großherzog von Sachsen, Prinz Adalbert von Preußen, der Herzog von Altenburg, Prinz Heinrich XXX. von Reuß und andere. Es folgten die Gesandten, die Gefolge, das Staatsministerium, die Beamtenschaft und das Offizierkorps. Auf dem Wege zum Friedhofe bildeten Krieger-, Militär- und andere patriotische Vereine der Stadt und der Umgebung Spalier.
Auf dem Friedhofe hatten sich die fürstlichen Damen mit Gefolge an der Gruft eingefunden und erwarteten hier Sen Trauerzug. Gesang des Salzunger Kirchen- chores empfing den Trauerzug an der Gruft. Nach einer kurzen Ansprache des Oberhofpredigers Rahlwes, die mit dem Vaterunser und Segen schloß, wurde der Sarg unter Gesängen des Salzunger Kirchenchores in die Gruft gesenkt. Nachdem sämtliche Fürstlichkeiten einen letzten Blumengruß in die Gruft gestreut hatten, war die Feier beendet.
Vermischtes.
Mntige Rettungstat eines Offiziers. Als am Freitag eine Abteilung von Fahrern des Telegraphen-Ba- tmllons Nr. 2 in Frankfurt a. O. beim Pferdeschwemmen in der Oder war, erhielt einer der Soldaten plötzlich von seinem Pferde einen so heftigen Hufschlag gegen den Kopf, daß er die Besinnung verlor und unterging. Ein
got und Jolanthe versicherten wiederholt, daß sie sich gerade diesen reizenden Schmuck schon lange gewünscht hätten!"
„Nun, ja," gab die Mutter zu, „Leute wie Försters verstehen es eben, alles in eine taktvolle Form zu kleiden. Die besitzen Allüren, sage ich Dir, Hermann! Freilich, es ist ja schließlich kein Wunder, bewegen sie sich -och jahraus, jahrein in den besten Kreisen! Erst neulich waren sie wieder zum Hofball und auf einer Feier beim Prinzen gewesen, — von den zahllosen, von hochgestellten Familien angeoröneten Festlichkeiten, zu denen sie herangezogen werden, gar nicht zu reden!"
Sie schwieg abermals und holte ein paarmal tief Atem, ehe sie erneut anhob:
„Wahrhaftig, wenn man so die Frau Oberfinanzrat und ihre Töchter von Bällen, Bazaren, Eisfesten, Schlittenfahrten, Fünf-Uhr-Tees und dergleichen erzählen hört und dann mit diesen farbenprächtigen, auf eigenes Schauen gegründeten Schilderungen das Leben vergleicht, das wir führen, so erkennt man mit tiefer Depression, wie jämmerlich öde es um das letztere bestellt ist, wie wir im Grunde genommen nichts, rein garnichts von Welt und Leben haben!"
Und Frau Roland sank mit schmerzlichster Resig- natwn in die weichen Polster ihres Ruhesessels zurück.
Auf Herrn Roland und seinen Schwiegersohn verfehlte jedoch der völlig geknickte Anblick der tiefbetrübten Dame offenbar alle Wirkung; ja, um den Mund des ersteren zuckte sogar ein höchst verdächtiges, ironisches Lächeln, als er sich jetzt vernehmen ließ:
„Na, na, Klementine, ganz so schlimm, wie Du unser gesellschaftliches Leben darstellst, ist dasselbe denn doch wohl nicht beschaffen! Sind es auch keine Hofbälle und fürstlichen Feste, zu denen wir gehen, — nette Vergnügungen bleiben es immerhin, und was ihre Anzahl betrifft, so ist diese ebenfalls eine xM stattliche."
anderer Soldat eilte seinem Kameraden zu Hilfe, geriet aber dabei selbst in die Gefahr, zu versinken. In diesem Augenblick wurde der öie Aufsicht führende Offizier, Leutnant Hoffmann, auf den Unfall aufmerksam. Ohne sich auch nur einen Augenblick zu besinnen, sprang der Offizier in voller Uniform mit Mantel und Degen in die Fluten, um seine Untergebenen zu retten. Es gc= lang ihm auch, die Verunglückten zu erreichen. Der Soldat, der seinen durch den Hufschlag verletzten Kameraden an der Uniform festhielt, ihn aber selbst nicht emporheben konnte, klammerte sich nun an den Offizier an, sodatz letzterer sich nicht bewegen konnte und in die Gefahr geriet, mit in die Tiefe gerissen zu werden. Der mutige Offizier vermochte sich jedoch schließlich unter größter Kraftanstrengung zu befreien und hielt die beiden Soldaten, die beide besinnungslos geworden waren, so lange über Wasser, bis ein zweiter Offizier mit einem Kahne zu Hilfe kam und alle drei aufnahm. Die Verletzung des von dem Pferde geschlagenen Soldaten erwies sich als so schwer, daß der Mann in das Garnison- Lazarett geschafft werden mußte.
Ein Opfer des Aberglaubens. In einem Dorfe un= weit Bayonne ist man — dem Bericht einer französischen Zeitung zufolge — einem Borfall auf die Spur gekommen, der an geradezu mittelalterliche Zustände gemahnt. Eine dort lebende Familie, die aus einem etwa 50jäh- rigen Ehepaare und sieben erwachsenen Kindern besteht, hat dem Anschein nach allerlei „Zauberkünste" als Broterwerb ausgeübt. Und dieser seltsame Erwerb muß recht einträglich gewesen sein, denn die Castaings bewoh- nen ein schönes, sehr komfortabel eingerichtetes Haus. Nun sich die Polizei aber eingemischt hat, wird es mit dem „Zaubern" wohl vorbei sein. Vor kurzem zeigte der Mährige Remy Castaings Spuren von beginnendem Wahnsinn. Man konsultierte einen Arzt, uuö dieser erklärte, der junge Mann müsse sofort in eine Heilanstalt. Aus einem höchst merkwürdigen Grunde zögerte die Familie nun aber, den Kranken fortzubringen. Man war überzeugt, daß Remy auf verschiedene Häuser in der Nachbarschaft den „bösen Blick" geworfen habe. Er selber sollte durch seine besonderen „Künste" den Bann erst brechen, bevor er aus der Gegend entfernt werden durfte. Als der Kranke zu toben ansing, band man ihn derart an eine Bettstelle fest, daß der Unselige bei dem Versuch, die Fesseln zu zerreißen, sich erwürgte.
Das Verhältnis des Kronprinzen zn seinen Letb- hnsaren beleuchtet folgendes Vorkommnis, das von dem kürzlichen Jagdbesuch des Kronprinzen in Schmolsin und Rowe bekannt wird: Als der Kronprinz durch Altenmühle fuhr, hatte sich der Sohn des Mühlenbesitzers Wilke, der in den Jahren 1911-13 beim 1. Leibhusaren- Regiment gedient hat, vor das väterliche Grundstück in strammer Haltung, die Mütze seines früheren Regiments auf dem Kopfe, aufgestellt. Als das kronprinz- iche Auto herankam, salutierte der ehemalige Leibhusar einem früheren Kommandeur. Der Kronprinz, den ungen Mann bemerkend, ließ sofort halten und erkundigte sich nach dessen Verhältnissen. Mit Händedruck verabschiedete sich der Kronprinz sodann und fuhr nach Rowe weiter. Am anderen Morgen wurde der junge Mann ans Telephon gerufen, wo ihm der Adjutant des Kronprinzen mitteilte, daß der Kronprinz ihm zur Erinnerung sein Bild überweisen werde.
Ein Snffragettenanschlag auf das englische Königspaar. Als König Georg und Königin Mary Sonnabend nachmittag in offener Equipage in den Hyöe-Park ein- fuhren, um eine Parade der Feuerwehr zu besichtigen, liefen zwei Suffragetten auf den königlichen Wagen zu und warfen ein Bündel von Flugblättern nach dem Herrscherpaar. Das Paket traf den Hut des Königs und den Sonnenschirm der Königin mit ziemlicher Wucht. Der König beugte nur, den Kopf etwas und lächelE Die beiden Weiber-wurden von Schutzleuten ergriffen und unter heftigem Widerstände abgeführt. Die Menge nahm eine drohende Haltung gegen die Frauen an und wollte sie lynchen. Das ziemlich schwere Bündel würde den König noch heftiger getroffen haben, wenn nicht ein Zeitungsverkäufer, der die Frau ihre Hand erheben sah und glaubte, daß sie eine Bombe werfen wollte, dem erhobenen Arm einen Schlag versetzt und so das Ziel beeinträchtigt hätte. Ein Pferd der königlichen Equipage scheute vor dem Bündel, doch behielt der Kutscher es im Zügel.
Eine seltsame Doppelhochzeit. Einen merkwürdigen Austausch ihrer Frauen Haben zwei in der Neuyorker Gesellschaft sehr angesehene Persönlichkeiten vorgenommen, der bekannte Anwalt Dr. William Myers und der ihm bekannte Zahnarzt Dr. Oskar Douglas. Dr. Myers ließ sich im März von seiner Gattin scheiden und lernte kurze Zeit darauf die Frau des Dr. Douglas kennen. Er verliebte sich in sie und bewog sie, sich von ihrem Manne ebenfalls scheiden zu lassen. In der äwischenzeit hatte Dr. Douglas die geschiedene Frau tyers kennen und lieben gelernt und willigte sofort in die ihm von seiner Gattin angebotene Scheidung. Am Oreitag wurde die Scheidung ausgesprochen, und am onnabenö war bereits das Aufgebot der beiden neuen Paare im Rathause zu sehen.
„Das wollte ich meinen!" stimmte Günther im Brustton tiefster Ueberzeugung bei, indem er Herrn Roland einen raschen, beifälligen Blick zuwarf. „Mir sinds der Vergnügungen schon viel zu viel!"
Als hätte sie einen Ladestock im Rücken, so saß Frau Roland plötzlich wieder straff in ihrem Sessel.
„Ihr seid eben rührend anspruchslos!" sagte sie sehr von oben herab. „Das Verständnis für das Leben und Treiben der wirklich vornehmen Welt geht Euch eben vollständig ab!"
Ein recht peinliches Schweigen trat ein, welches Else plötzlich mit den Worten brach:
„Eine Neuigkeit noch, Hermann: Ich habe die Absicht, reiten zu lernen!"
„Was?" fragte dieser, als habe er nicht recht verstanden.
„Ich will reiten lernen!" wiederholte Else mit kecker Bestimmtheit.
Günther machte ein ziemlich verblüfftes Gesicht.
„Reiten lernen?" wiederholte er. „Das sagst Du doch nur im Scherz!"
Sie setzte ihre trotzigste Miene auf.
„Ganz und gar nicht!" gab sie ihm zurück. „Das Reiten gehört zum modernen Schick. Die Fräulein Försters retten auch und Vetter Arthur meint ebenfalls, daß eine junge Dame unseres Standes unbedingt reiten müsse! Er findet es überhaupt geradezu unbegreiflich, daß ich diesen Sport nicht schon längst übte!"
Die letzten Worte hatten eigentlich Herrn Roland gegolten. Mit einiger Schärfe versetzte dennoch Günther:
„Was Herr Leutnant Schraöer meint, kann hier nicht in Betracht kommen, sondern nur, wie wir selber darüber denken. Wann wollen wir uns verheiraten, Else? Im September, nicht wahr? Nun, bis September verlohnt es sich doch aar nicht, reiten zu lernen!"
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