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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Weiber 3HS ÄreisOtott

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Duchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-5!nschlutz Nr. 8

Rr. 149. Zweites Blatt)

Sonntag, den 28. Jnni

1914.

Die Eroberung der Insel Allen.

29. Juni 1864.

Zwei leuchtende Sterne erster Größe am Ruhmes­himmel des preußischen Heeres zeigt uns der Feldzug von 1864, durch welche die meeerumschlungenen Her­zogtümer Schleswig und Holstein vom dänischen Joche befreit und dem deutschen Vaterlande wiedergewonnen wurden. Diese beiden Sterne sind die blutigen Tage von Düppel und Alsen. Beide sind durch eine be­sondere Eigenart ausgezeichnet. Bei Düppel handelt es sich um die Erstürmung einer dreifachen Linie sturmfreier Schanzen. Und bei Alsen galt es, ange­sichts eines in vorbereiteter Stellung stehenden Ver­teidigers und feindlicher Kriegsschiffe einen Meeresarm zu überschreiten und ohne die Unterstützung eigner Seestreitkräste dem Feind eine Insel zu entreißen.

Nach dem ursprünglichen Plane sollte die 13. Division (Wintzingerode) bei Ballegaard an der Alsener Föhrde übergehen und gleichzeitig zur Täuschung des Feindes die 6. Division Manstein) beim Satruper Holz am Alsensund eine Scheinbewegung ausführen. General von Manstein bat jedoch, bei Satrupholz wirklich über­gehen zu dürfen. Da verschiedene Anzeichen darauf hindeuteten, daß die Dänen den Angriff von Balle­gaard her erwarteten, entsprach General von Her- warth dieser Bitte und beschloß, den Uebergang im nördlichsten Teile des Alsensundes zu bewerkstelligen. Um sowohl die Brandenburger wie die Westfalen an den Ehren der zunächst in den Kampf tretenden Truppen teilnehmen zu lassen, wurde bestimmt: die 12. und die 26. Jnfanteriebrigade Generale von Roeder und von Goeben gehen mit der Kavallerie und Artillerie der 6. Division unter dem General von Manstein zuerst über. Ihnen folgt der General von Wintzingerode mit den Brigaden Nr. 11 und 25 von Canstein und von Schmid. Durch umfangreiche Batterieanlagen für 50 schwere Geschütze wurde auch die artilleristische Unterstützung des Uebergangs ge­sichert. Das Füsilierbataillon des 24. Regiments er­hielt Befehl, in der Düppelstellung zu bleiben, um die Batterien zu decken und, sobald es die Lage gestatten würde, auf einigen bereitgestellten Booten nach Sonder­burg überzusetzen. Den Befehl auf der Insel führte der General Steinmann. Zu seiner Verfügung standen 10 000 Mann mit 24 Feldgeschützen und zahlreicher Festungs- und Küstenartillerie.

Die Nacht zum 29. Juni war so klar, daß man den Wasserspiegel bis zur jenseitigen Küste überblicken konnte, also fürchten mußte, bald entdeckt zu werden. Hinzu kam noch, daß ein leichter Westwind jedes Ge­räusch an der schleswigschen Seite nach Alsen herüber- trng. Punkt 2 Uhr begann das Zuwasserbringen der Boote, um anfangs für die Fahrt noch Schutz durch die Dämmerung, für den Kampf aber schon Tageslicht zu haben. Fast überall mußten die Leute, Patronentaschen und Brotbeutel um den Hals gehängt, 50 bis 100 Meter weit, zum Teil bis an die Brust durch Wasser waten, ehe sie die schwankenden Boote besteigen und diese slott werden konnten. Ein schwieriges Stück Arbeit war dieses Einbooten. Daß es ohne Unfall erledigt wurde, ist ein Beweis für die treffliche Zucht unsrer Mannschaften. Dann stießen die ersten Bootskolonnen ab, wobei natürlich die Tätigkeit der braven Ruderer ein unvermeidliches Geräusch verursachte. Kaum waren 100 Meter zurückgelegt als die ersten Schüsse von den dänischen Posten abgegeben wurden. In wenigen Sekunden wurde es auf der Insel lebendig. Alarm­signale ertönten, Feuerzeichen flammten auf. Bald rollte von der feindlichen Küste ein kräftiges Gewehr- und Geschützfeuer herüber, welches durch die preußischen Batterien, das im großen Satruper Holz aufgestellte 1. Bataillon des 60. Regiments und im Bug der Kähne postierten besten Schützen erwidert wurde. Ohne auj die schwirrende Geschosse zu achten, arbeiteten die müderer vorwärts. Der Pionier Lieben von der 3. Kompagnie des Brandenburgischen Pionierbataillons war der erste Mann, der hier den Heldentod fand. Er steuerte das vorderste Boot der rechten Flügel- kolonne und fiel in den Kopf getroffen, über Bord. Mit Lebensgefahr zogen die Kameraden den Ent­seelten aus den schäumenden Wogen.

Als die Boote am jenseitigen Strande aufliesen, sprangen die Leute mit donnerndem Hurra ins Wasser und stürzten sich auf die feindliche Stellung. Dem 1. Bataillon der 24er, Kolonne A, gebührt der Ruhm, zuerst den Boden Alsens betreten zu haben. Oberst Graf Hacke, ihr Regimentskommandeur, pflanzte dort gemeinsam mit dem Jngenieurleutnant Petri die erste preuWiche Fahne auf. Die dänischen Deckungstruppen wurden im ersten Anlauf überrannt.

3 i Uhr standen die fünf Bataillone der Boeder und rechts von ihnen die ersten 2^/2 ^fthrA«^6 <er Brigade Goeben, 15er und 55er, am der Fohlenkoppel, einzelne Kompagnien der ^?"^ vorgeschoben. General von Manstein, r ncy mrt fernem Stäbe auf erbeuteten Pferden

beritten gemacht hatte, befahl gegen 4 Uhr den wettern Vormarsch über Rönhof und nach Wegnahme dieses Dorfes auf Kjär. Hier und südlich des Gehölzes Große Moose" fand man hartnäckigen Widerstand, da nun die feindlichen Reserven eingriffen. Dies geschah jedoch nicht einheitlich, sondern durch verschiedene, zwar tapfere, aber zusammenhanglose Vorstöße, die jedesmal blutig abgewiesen wurden. Bei diesen An­griffen, welche dänischerseits von Tombüllgaard und Bagmoose her unternommen wurden, fielen den Brandenburgern zahlreiche Gefangene in die Hände,' das dänische 4. Regiment wurde fast aufgerieben. Den Westfalen trat südlich von Kjär die dänische Brigade Bülow entgegen. Sie wurde von den 15ern, 55ern und den 3. Jägern umklammert und unaufhaltsam über Möllestedtgaard nach Sonderburg gedrängt, wo das Gefecht zum Stehen kam. Um 6 Uhr wurde auch dieser Ort, gegen den vorn Düppeler Brückenkopf her die 24er Füsiliere und mehrere Batterien ihr Feuer richteten, genommen.

Hier hielt General von Manstein für einige Zeit die Brigade Goeben an und ließ die Brigade Roeder nebst den inzwischen übergegangenen Teilen der Division Wintzingerode je ein Bataillon 13er, 53er und 35ev auf Ulkebüll und Wvllernp Vorgehen, um den Feind von der Halbinsel Kekenis abzudrängen. Die dänische Brigade Kanffmann erkannte die ihr drohende Gefahr und eilte auf Hörupkirche-Hörup zurück. Auch hier hielt sie nicht lange stand, sondern setzte, nachdem sie einige hundert Gefangene eingebüßt hatte, ihren Abmarsch jprt. Kurz nach 9 Uhr vor­mittags war die Insel völlig im Besitz der Sieger. Die der Gefangenschaft entgangenen Dänen waren auf der Halbinsel Kekenis oder in eiliger Flucht dort­hin, wo Transportdampfer für sie bereitstanden. Prinz Friedrich Karl, der bei Sonderburg überge­gangen war und um 9 Uhr Lei Höruphaff eintraf, nahm von einem, sicher sehr verlustreichen Angriff auf die Befestigung des sogenanntenDrei", das heißt des Dammes zwischen Insel und Halbinsel, Abstand. Er ließ die 13. Division auf dem eroberten Eilaud, während die Brandenburger nach dem Festlande zurückkehren sollten. Da den übermüdeten Ruderern bis 5 Uhr nachmittags Ruhe gewährt werden mußte, konnte der Rücktransport an diesem Tage nur teil­weise bewirkt werden.

Die ihrer Art nach in der Kriegsgeschichte einzig dastehende Waffentat: die Eroberung einer verschanzten und stark besetzten Meeresinsel lediglich durch Land- streitkräfte rief, wie zehn Wochen vorher die Erstürmung der Düppeler Schanzen, im ganzen Preutzenlaude lauten Jubel hervor. Jedermann fühlte, daß Truppen, die vor derartigen Wagnissen nicht zurückschreckten und solche Schwierigkeiten zu überwinden wußten, eine glanzvolle Zukunft beschieden sein müsse. Die Ereignisse der folgenden Jahre haben gezeigt, daß diese Empfindung, der sich auch das Ausland nicht erwehren konnte, vollbegründet war. Nicht unerheb­liche Verluste hatte das kühne Unternehmen gekostet. Auf preußischer Seite waren 7 Offiziere, 7c Mann tot, Offiziere 255 Mann verwundet, 7 Mann vermißt. Dagegen büßten die Dänen 37 Offiziere, 637 Mann an Toten und Verwundeten ein, zu denen an Ge- fanaenen etwa 2500 Mann traten. Außerdem fielen 99 schwere Geschütze, 2 Feldgeschütze und große Mengen von Krieasaerät aller Art tu die Hände der Sieger. Mit Recht zeichnete letztere die Gnade des obersten Kriegsherrn durch Verleihung eines besondern Ge- denkkrcuzes, des Alsenkreuzes, aus. Nicht zahlreich mehr sind die Veteranen, deren Brust heute noch dieses schöne Ehrenzeichen ichmuckt. Deutlicher und eindringlicher als Worte wird es die Tapfern am bevorstehenden 50. Jahrestage des Atzen-Ueber gangem an ihre damalige Heldentat erinnern.

Französische Geschiitzkorgen.

Seit einer Reihe von Jahren ist in fast allen europäischen Heeren die Feldhaubitze in Gebrauch, die als Steilfeuergeschütz im Feldkriege sich als Hauptziel die meist verdeckt stehende und durch Schilde gedeckte Artillerie des Gegners wählen wird, während sie beim Kampf um befestigte Stellungen außerdem die Schützengräben des Verteidigers durch Einwersen der Unterstände unb Zerstören der Hindernisse sturmreif und besonders starke Stutzpunkte (z. B. zur Verteidi­gung eingerichtete Dörfer, Gehöfteusw.) unhaltbar machen soll. Für diese Zwecke ist natürlich ein Gejchog von größerem Kaliber nötig, dre Gejchope der Kanonen, die im allgemeinen nicht über eine Seelenweite von 8 cm hinausgehen, genügen hierzu nicht,' man mußte daher ein größeres Kaliber wählen, das sich mit 10 cm bei der Feldhaubitze als genügend erwiesen hat. Deutschland ist schon seit Jahrzehnten im Besitze solcher Feldhaubitzen, die zuerst in beschränkter Zahl und mit größerem Kaliber eingeführt, im Laufe der Jahre in jeder Beziehung bedeutend verbessert und

V. ..!im iirii^i im i imi i vermehrt worden sind. Frankreich dagegen ist bei seinem 7>/2 cm. Feldgeschütze geblieben, auf das es außerordent­liche Hoffnungen setzt, das es dem deutschen Geschütze für weit überlegen erklärt. Die schnelle und gründliche Vernichtung der deutschen Artillerie durch dieses vorzügliche Geschütz erschien um so einfacher und unausbleiblicher, als man die Bemerkung gemacht haben sollte, daß die Deutschen grundsätzlich die Höhenstellungen bevorzugten und somit weithin sicht­bar waren.

Die Freude währte jedoch nicht lauge, denn die Deutschen lernten es sehr bald, aus der Deckung heraus zu schießen, und als man in Frankreich immer mehr die Wirkung der deutschen leichten Feldhaubitze mit ihrem indirekten Schusse kennen lernte, wurde man sich darüber klar, daß man diese» deutschen Vorsprung unter allen Umständen einholen müsse. Am einfachsten wäre es gewesen, man hätte Haubitzen neu eingeführt, aber trotz aller sonstigen Generosität im Bewilligen von Mitteln für die Heeresverwaltung, scheute man doch die großen Kosten für die Neu- beschaffnng und suchte nach einem Wege, auf dem man das Ziel auf billigere Weise erreiche« könnte. Das konnte, da eine Aenderung am Geschütze nicht möglich war, nur dadurch geschehe», daß man für das Geschoß des 7'/2 cm Feldgeschützes eine Ladung erfand, die so abgemessen war, daß sie das indirekte Feuern gegen gedeckte Ziele ermöglichte. In diesem Falle blieb allerdings immer noch der Nachteil des leichteren, also nicht so wirkungsvollen Geschosses bestehen. Dem französischen Esprit war es natürlich eine Kleinigkeit dieses Problem in kürzester Frist und selbstverständ­lich zu allgemeiner Zufriedenheit zu lösen, und so erfand denn ein verdienstvoller Mann einen Apparat, durch den die Geschützpatrone bevor sie in das Geschützrohr geschoben wurde, anscinandergenommen und um einen genau berechneten Teil der Pulver- ladung erleichtert werden konnte. Nahm man dann die nötige Erhöhung des Geschützrohres vor, so konnte mit dem so veränderten Geschosse indirekt geschossen werden. Die mit diesem Apparate angestellten Schieß- versuche hatten natürlich einen vollen Erfolg, bis es denn schließlich einen und dem andern klugen Kopse einsiel, daß es doch wohl nicht ganz unbedenklich sei, im Gefechte die Geschützpatrone auseinander zu nehmen und an ihr verschiedene Handgriffe zur Verminderung ihrer^Pulverladung vorzunehmen. Ob diese Prozedur immer mit der nötigen Sicherheit und dem erhofften Erfolge in Anbetracht der Aufregungen des Kampfes würde vor sich gehen können, erschien doch schließlich so zweifelhaft, daß man denDessertisseur" ganz still wieder bei Seite legte und die Suche nach einem neuen Mittel, ejn Flachbahngeschütz im Handumdrehen in ein Steilfeuergeschütz umzuänderu, weiter fortsetzte. Auch dieser große Wurf ist nunmehr gelungen. Ein Artillerie-Offizier setzt unmittelbar vor dem Schusse eine Eisenkappe auf die Granate,' diese Kappe hat aber nicht die Form des Geschosses, sondern sieht wie ein richtiger Topf aus, der durch seinen kreisrunden, nach vorne gerichteten Boden einen erheblichen Widerstand in der Luft finden muß und dadurch dem Geschoß eine stark gekrümmte Flugbahn vorschreiben wird. Diese Kappen werden in zwei Größe» angefertigt, die eine mit 58, die andere mit 68 Millimeter Durchmesser. Je nach der Entfernung, auf die geschossen werden soll, wird die eine oder die andere Kappe aufgesetzt, und zwar wird die größere bis zu 2700 Meter, die kleinere bis zu 3500 Meter genommen. Auf weitere Entfer­nungen muß dann ohne Kappe geschossen werden; das ficht aber weiter nicht an, da man der Ueberzeugung ist, daß man auf weitere Entfernungen als 3500 Meter den indirekten Schuß allein durch größere Erhebung des Geschützrohres erreichen kann. Die bisher glänzend verlaufenen Versuche mit diesen Kappen in Frank­reich verlaufen derartige Versuche immer glänzend werden der Sicherheit halber noch fortgesetzt, und man hofft das Mittel gesunden zu haben, das Land vor einer neuen riesigen Ausgabe von ungefähr 100 Mill. Franks, denn soviel würde wohl die Neubeschaffung der nötigen Anzahl Feldhaubitzen kosten, bewahren zu können.

In Anbetracht der riesigen Kosten, welche die Kadresgesetze und'dieWiedereinführuug der dreijährigen Dienstzeit verursachthaben,scheint die größteSparsamkeit dringend geboten zu sein. Aber selbst der einfachste Laie wird sich sagen müssen, daß diese Mappen wirtschaft ein Notbehelf übelster Art ist, und wenn die Franzosen auch fernerhin auf die unzweifelhafte Ueberlegenheit ihrer Feldartillerie pochen werden, so wird man sie nur an ihren Dessertisseur verflossenen Angedenkens und an die famosen Kappen zu erinuern brauchen.

Die Pilze.

Die Pilze nehmen unter unseren Nahrungsmitteln eine eigentümliche Stellung ein, weil sie erstens vielfach falsch beurteilt werden, und weil sie zweitens größeren