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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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für den Kreis Hersfeld

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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 148. (Erstes Blatt) Sonntag, den 28. Juni 1914

Bus der Heimat.

Landwirtschaftliche Bezirk-Ausstellung in Sersfeld.

Zum ersten Mal hat es die Hessische Landwirtschaft in diesem Jahre unternommen, eine landwirtschaftliche Ausstellung für den ganzen Bezirk Cassel in größerem Rahmen zu veranstalten. Die Ausstellung findet in der Zeit vom 3. bis 5. Juli in Hersfeld statt. Bei den bisherigen Ausstellungen war insbesondere die Viehausstellung in einfachster Weise gehalten. Die Tierewurüenöes Morgens angetriebenoder angefahren, die Preisverteilung wurde abgewartet und bald danach wurde wieder abgetrieben. Zu einem wirklichen, lehr­reichen Betrachten und Vergleichen kam der Beschauer nicht. Das ist jetzt anders geworden. In wohl­gedeckten Ställen sind die Tiere untergebracht und gegen die Unbilden der Witterung geschützt. Eine Anzahl von Ringen ist hergerichtet, um die schwierige und verantwortungsvolle Arbeit des Preisrichtens mit Erfolg durchführen zu können. Das Preisrichten selbst wird bei Rindvieh nach dem Punktierverfahren erfolgen, was einen erheblich vermehrten Aufwand von Zeit und Arbeit erfordert, dafür aber auch den Züchtern wertvolle Anhaltspunkte für ihre züchterische Arbeit zu geben vermag. Vorführungen der preis­gekrönten Tiere in einem großen Ringe finden mehr­mals zu bestimmten Stunden statt. Eine besondere Tribüne zur Besichtigung der Vorführungen ist errichtet.

Die Tierausstellung wird eine reiche Beschickung erfahren. An Pferden sind 87 angemeldet, darunter 35 ältere Stuten (zum Teil mit Fohlen), 12 jüngere Stuten, 31 Fohlen und 9 Hengste. Die Pferde gehören sämtlich dem rheinisch-belgischen Schlage an, welcher im Bezirk Cassel allein noch staatliche Förderung erfährt. Ueber Erwarten stark wird die Rindergruppe beschickt sein. Es sind nicht weniger als 396 Stück Rindvieh angemeldet. Den Hauptanteil wird die Simmentaler Rasse stellen, aber auch Vogelsberger, Walöecker, Franken- und Niederungsvieh werden in genügender Zahl und in den verschiedenen Klassen vertreten sein, sodaß die in Hersfeld gebotene Schau ein getreues Abbild der hessischen Viehzuchtverhältnisse zu geben vermag. An Schweinen weist der Ausstellungs­katalog 107 Nummern auf, an Ziegen 93 Nummern, Schafe 19 Nummern.

Auch Geflügel und Kaninchen werden in der Ausstellung nicht fehlen. Der Verband der Geflügelzucht- vereine und der Kaninchenzüchterverband haben ihre diesjährige Ausstellung mit der allgemeinen landwirt- ichaftlichen Schau in Hersfeld vereinigt und werden eine große Anzahl ihrer Zuchtprodukte zur Ausstellung bringen. Ein Teil des Geflügels und der Kaninchen rst verkäuflich, sodaß Liebhabern Gelegenheit zum Erwerb gegeben ist.

Neben den Ställen für das Vieh wird eine große Erzeugnishalle errichtet werden, in welcher die ver- Ichiedenartigsten Ausstellungen vereinigt sein werden. Die Landwirtschaftskammer wird hier in Karten und Uebersichten die hessischen landwirtschaftlichen Ver- haltnine im allgemeinen zur Darstellung bringen, die Molkereischule in Fulda, die landwirtschaftliche Wmterschule in Hersfeld, die Haushaltungsschule in Hersfeld, die Hufbeschlaglehrschmiede in Cassel werden emlges ausihren reichen Lehrmittelsammlungen aus- stellen. Die Buchstelle und die Baustelle der Landwirt- Ichastskammer werden vertreten sein. Die landwirtschaft- lrche Versuchsstation in Harleshausen wird besonders lehrreiche Darstellungen bieten, darunter einen Ver-

Entstellung des Düngungsbedürfnis auf den verschiedenen Boden des Kreises Hersfeld und einen Kaliverdnngungsversuchmit Roggen, welcher in Unter- Haun zur Durchführung gekommen ist. Umfangreiche Londerausstellungen werden noch veranstalten der Hepffche Verband ländlicher Genossenschaften, derObst- bauverem für den Regierungsbezirk Cassel, die Obst­bauanstalt der ^andwrrtschaftskammer in Oberzwehren und der Saatbauverein des landwirtschaftlichen Kreis- ^ms Cassel. Düngemittel und bildliche Darstellung ihrer Wirkungen werden von verschiedenen Firmen zur Anschauung gebracht werden, ebenso sind Futter­mittel, kleine Geräte, Molkereigeräte, Molkereier­zeugnisse, Bindegarne und andere Erzeugnisse vertreten.

Die verschiedenartigsten landwirtschaftlichen Ma- ""ö größeren Geräte werden im Freien auf- und nehmen einen beträchtlichen Raum ein.

Xier eine willkommene Gelegenheit gegeben, was steueren Erzeugnissen bekannt-zu machen, infolae"WtQer ist, als auch der kleine Landwirt acumin^M herrfchenden Arbeitermangels immer mehr zu bedienen ^^ "^ öer arbeitsparenden Maschinen

fein 'Ym ^nS? wird die Hersfelder Schau geeignet belehren un^n^r* Gelegenheit zu geben, sich zu und zu bilden, dem Städter aber wird sie

te

einen Begriff geben von dem hohen Stand der land­wirtschaftlichen Technik und der großen Bedeutung, welche die Landwirtschaft heute im gesamten Wirt­schaftsleben des Reiches einnimmt.

* (WiewirddasFerienwetter?) Soweit die Wetterkarte Schlüsse zuläßt, dürfte der Juli, der hauptsächlichste Ferienmonat, trockenes und sommer­liches Wetter bringen, wenn auch vorübergehende Gewitterschauer häufiger auftreten sollten. Das über ganz Europa lagernde Tiefdruckgebiet verschiebt sich langsam nach dem Osten, an seiner Nord- und Ostseite befinden sich Randwirbel, die häufigere Gewitter wahrscheinlich machen.

§ Hersfeld, 27. Juni. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unterm 25. Juni geschrieben: Trotz des allmählich eingetretenen sehr hohen Barometerstandes ist die Wetterlage doch noch nicht so sicher, daß man jetzt eine heiße und ganz trockene Zeit erwarten dürfte, wie es wohl im Interesse der Heuernte läge. Denn das Hochdruckgebiet liegt noch im wesentlichen über Großbritannien und diese West­lage hält sich selten lang. Erst müßte das Hochdruck­gebiet sich nach Mitteleuropa verlagern. Dazu scheint aber zunächst keine sichere Aussicht zu fein; denn bei Island tauchen immer neue Tiefdruckwirbel auf, die zur Ostsee ziehen. Wir können daher zwar für die nächste Woche im allgemeinen heitres Wetter erwarten, müssen jedoch stets mit dem Eintritt von einzelnen Regenfällen und Gewittern rechnen.

):( Hersfeld, 27. Juni. Die Leiche des am Sonn­tag in der Fulda ertrunkenen Leo Z ai er wurde heute früh unweit der Unmllstelle von Leuten im Wasser treibend gesehen und an das Ufer gebracht.

):( Hersfeld, 27. Juni. Das Sommertheater Fulda, welches unter der b.r »ährten und auch hier bestens bekannten Direktion Herrmann steht, gibt morgen hier zwei Vorstellungen, und zwar eine Nachmittags um 125 Uhr und eine abends/29 Uhr. Die Truppe verfügt über gut geschulte Kräfte, so daß ein Besuch der Vorstellungen sehr zu empfehlen ist.

):( Hersfeld, 27. Juni. Einen Familienaus- flug nach der Mengshäuser Kuppe wird morgen der Evangelische Arbeiterverein unter­nehmen. Die Abfahrt erfolgt nachmittags 2.42 Uhr bis Neukirchen (Kr. Hünfeld), von wo aus die Mengs­häuser Kuppe bequem zu erreichen ist.

):( Hersfeld, 27. Juni. Der To u r i st e n k l u b Her s f e unternimmt morgen eine Wanderung von Malkomes aus über den Dreienberg-Friedewald- Hönebach. Die Abfahrt erfolgt nachmittags 2.25 Uhr mit der Hersfelder Kreisbahn bis nach Malkomes.

):( Hersfeld, 27. Juni. Für das morgen vormittag auf dem Marktplatz stattfindende Promenaden- konzert ist folgendes Programm vorgesehn: 1. O, alte Burschenherrlichkeit, Marsch von Herrmann. 2. Lenz und Liebe, Ouvertüre von Starke. 3. Schatzerl klein, Lied nach P. Roseggers Gedicht von Torbiee. 4. Rosinen, Walzer von W. Kollo. 5. Kommers- und Turner- Ueder, Potpurri von Necke. 6. Schlagfertig, Marsch von Scalla.

-n- Dorndorf i. Th., 26. Juni. (Lohngelder­diebstahl und seine Folgen.) Wir wir f. Zt. meldeten ist auf der Gewerkschaft Heiligenroda vor einigen Wochen eine Kassette mit mehreren Tausend Mark Lohngeldern gestohlen worden. Da der bcs jetzt gehegte Verdacht sich vorlaupg nicht bestätigte, ist nunmehr der achtzehn Fohre alte Schmied R^ welcher s. Zt. zwei Bergwerks-Beamte des Diebstahls bezichtigte, unter dem dringenden Verdacht der Vater­schaft verhaftet worden.

-n- Berka a. d. W., 26. Juni. Die Gewerkschaft Alerandershall hat beschlossen, für das zweite Quartal dieses Jahres an die am 30. Juni er. rm Gewerken- buch eingetragenen Gewerken erne Ausbeute von 200 Mark pro Kux zu verteilen.

Fulda, 26. Juni. Die seit längerer Zeit in der Bewahranstalt Maberzell uutergebrachten Kinder des Zigeuners Ebender, drei Mädchen im Alter von 3, 7 und 14 Jahren, waren heute früh aus der Anstalt verschwunden. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, daß wieder Zigeuner im Lande sind, die jedenfalls bei der Aufsehen erregenden Entführung ihre Hände im Spiel haben. Ohne Beihilfe von außen wär es diesen Zigeunerkindern kaum möglich gewesen, aus ihrem sicheren Gewahrfam zu entkommen. Bei der Raffiniertheit der Zigeuner in der Aussuche ihrer Fluchtwege und Verstecke durfte nur geringe Aussicht bestehen, der Entwichenen wieder habhaft zu werden.

Cassel, 26. Juni. Wie wir bereits mitteilten, soll die zweite diesjährige Besichtigungsreise hessischer Landwirte nach dem Ansiedlungsgebiet am 7. Juli von Cassel aus angetreten werden. Da diese Reise

die Provinz Westpreußen zum Ziel hat, und dadurch größere Eisenbahnfahrkosten entstehen, so erhalten die Reiseteilnehmer außer der freien Beherbergung und Verpflegung noch eine Reisekostcnbeihilfc in bar. Näheres Hierüber erfahren Interessenten durch den Vertrauensmann der Königlichen Ansiedlungskom- mission, Herrn W. Schaumburg, Cassel, Schönselder Straße 7.

Eisenach, 26. Juni. In der Nacht zum Donnerstag ist die Frau Witwe Amalie Kürschner in ihrer Wohnung in der Sophienstraße ermordet worden. Mittwoch nachmittag kam, wie dieEisen. Tagesp." meldet, ein unbekannter Mann Mitte der zwanziger Jahre zu Frau Witwe Kürschner, um ein Zimmer zu mieten. Er gab der Frau Kürschner gegenüber an, von Beruf Schlosser zu sein, aus Düsseldorf zu stammen und in der Fahrzeugfabrik eine Stellung angenommen zu haben. Frau Kürschner wies ihn daraus das Zimmer an und händigte ihm den Schlüssel zu seinem Zimmer aus. Am Abend kochte ihm Frau Kürschner noch einige Tassen Kakao und unten im Bäckerladen kaufte sich der Unbekannte noch zwei Brötchen, die er am nächsten Morgen als Frühstück mit auf die Arbeit nehmen wollte. Ein Stockwerk höher wohnt der verheiratete Sohn der Frau Kürschner, der Bohrer Otto Kürschner. Als dieser gestern mittag kurz nach 12 Uhr nach Hause kam und ihm das rätselhafte Aus­bleiben seiner Mutter mitgeteilt wurde, öffnete er gewaltsam die Tür zu ihrer Wohnung. Frau Kürsch­ner lag leblos in ihrem Blute schwimmend auf dem Boden. Die äußeren Umstände deuteten darauf hin, daß zwischen ihr und dem Mörder vor der Vollendung der Tat ein Kampf stattgefunden hatte. Viele Wunden am Kopfe bestätigen, daß der Mord mit einem scharfen Gegenstand, und zwar mit einem Beile, ausgeführt wurde. Als verdächtiges Moment wurde der Schlüssel zu der Wohnung des Schlafburschen, der erst vorgestern gemietet hatte, in dem Zimmer von Frau Kürschner gefunden. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß ein Mord vorliegt.

Hanau, 25. Juni. Vor dem Schwurgericht be­gannen gestern die Verhandlungen gegen den 40= jährigen Gastwirt Johannes Heun aus Hettenhausen bei Gersfeld, der angeklagt ist, am 29. Januar d. J. den 30 Jahre alten Sattlermeister Johannes Peter Müller von Hettenhausen vorsätzlich mit Ueberlegung getötet zu haben. Heute ereignete sich ein aufsehen­erregender Zwischenfäll, denn der als Zeuge geladene Schneidermeister und Musiker Heil hat sich heute vor­mittag in einer hiesigen Wirtschaft erhängt. Er hatte gestern vor Gericht ausgesagt, daß der zu Tode ge­kommene Sattler Müller zur Hintertür der Heunschen Wirtschaft hinaus- und auch wieder hineingegangen sei. Bei der gestrigen Ortsbesichtigung in Hetten­hausen überzeugte sich nun der Mann, daß die Hinter­tür außen überhaupt keinen Drücker hat, sodaß Müller nicht durch die Tür wieder in das Haus gegangen sein kann. Heute redete er sich vor, er werde wegen dieses Versehens in ein Meineidverfahren verwickelt und beging aus Verzweiflung darüber Selbstmord, anstatt, wie man ihm geraten hatte, seine Aussage vor Gericht zu berichtigen, wozu er noch Zeit ge­habt hätte.

Kobnrg, 26. Juni. Ein unbekanntes Liebespaar hat sich in einem hiesigen Gasthofe vergiftet.

Eingesandt.

(Unter Verantwortung des Einsenders.)

Das am Donnerstag abend veranstaltete Konzert im Kurpark hat gezeigt, daß der Männergesang in unserer Stadt in hoher Blüte steht. Es wäre jedoch zu wünschen, daß sich noch mehr sangesfreudige Herren an derartigen Chorvorträgen beteiligen würden. Viel­leicht wäre es doch möglich, daß sich alle hier be­stehenden Gesangvereine zu einem großen Männer- chor zusammenschließen würden, selbstverständlich unter Beibehaltung ihrer eigenen Gesangstunden, um sich nur von Zeit zu Zeit mit größeren Veran­staltungen an der Oeffentlichkeit zu zeigen. Dies ist natürlich nur möglich, wenn sich hoch und niedrig ohne jeden Standesunterschied an der gemeinsamen Sache beteiligen würde, wie dies in anderen Städten, besonders im Rheinland und Westphalen, auch der Fall ist. Hersfeld hat bereits den Vorteil, daß es in der Person des Herrn Fischer über einen äußerst tüchtigen und geschickten Dirigenten verfügt, der schon wiederholt bewiesen hat, daß er großes leisten kann, und der geeignete Mann wäre, um einen allgemeinen Männerchor zu leiten. Sollten sich nicht die geeigneten Persönlichkeiten finden, diese Sache in die Wege zu leiten? N.

Wetteraussichten für Sonntag den 28. Juni.

Heiter bis auf Gewitter, trocken, warm, östliche Winde.