Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 148. Sonnabend, den 37. Juni 1914.
Bus der Heimat.
* Die Zahl der Analphabeten im deutschen Heere hat auch im letzten Jahre wieder beträchtlich abgenommen. Im Berichtsjahre 1913 wurden unter den bei der Aushebung für tauglich befundenen Mannschaften nur 60 Analphabeten gezählt. Bon diesen 60 hatte die Hälfte keine deutsche Schule besucht, da etwa 80 im Auslande geboren waren und dort ihre Schulbildung genossen hatten. Auf das gesamte deutsche Heer berechnet, machen die 60 Analphabeten nur 0,01 v. H. aus, ein Mindestmaß, das von keiner zweiten Armee der Welt erreicht wird.
* Die Hagelschäden in Hessen verursachten im Jahre 1913 einen Schaden von 128736 Mk., von denen für 32 320 Mk. versichert waren. Die Zahl der geschädigten Gemarkungen betrug 17, die Größe der geschädigten Acker usw. 2459 Hektar. In Oberhessen wurden von den mit 13 480 Mk. versicherten Früchten die Summe von 12 910 Mk. bezahlt.
§ Hersfeld, 26. Juni. Die Zeit der Korn blumenblüte ist da, und mit ihr der Aerger des Landmannes, der es oft sehen muß, wie manche Menschen ihm die Frucht zertreten haben, nur einiger Kornblumen wegen, die vielleicht kurze Zeit darauf wieder achtlos fortgeworfen werden. Alle Ausflügler sollten die ernste Mahnung beherzigen: Schonet das Korn! Bedenkt, daß Ihr Euer Brot mit Füßen tretet, wenn Ihr das Korn niedertretet einiger Blumen wegen!
§ Hersfeld, 26. Juni. (Siebenschläfer.) Der 27. Juni, der gefürchtete Siebenschläfertag, hält die ganze Landwirtschaft schon jetzt in gespanntester Aufregung. Wird's regnen an diesem Tage oder nicht? Denn bekanntlich regnets im ersteren Falle dann sieben Wochen lang und damit wäre die Aussicht für die Getreide- und teilweise auch die Kartoffelernte ziemlich trostlos, denn geregnet hats in diesem Frühjahr nachgerade genug. — Nun, ganz so schlimm, wie sein Ruf, ist auch der Siebenschläfer nicht. Vor allem ist natürlich die Witterung nicht ausgerechnet von diesem einen Tage abhänglg. Dagegen ist es nicht wegzuleugnen, daß, wenn gegen Ende Juni ein regenbringender Westwind einsetzt, diese Witterung auch einige Zeit anhält und reichliche Niederschläge bringt. Das hängt jedoch dann ganz von der über dem atlantischen Ozean herrschenden Witterung und von der Waffermenge ab, die dort verdunstet und durch Westwindströmungen nach dem europäischen Festlande getrieben wird. Und Gegenden, welche gegen Westen durch vorgelagerte Höhenzüge geschützt Onu, leiden auch dann noch erheblich weniger, weil die ziemlich tiefgehenden Wolken sich bereits jenseits der Höhenzüge abregnen.
-h- Hersfeld, 26. Juni. (F ü r G a r t e n b esi tzer.) Dre Bohnen werden von kleinen Schnecken abgefressen. Die Schnecken sitzen am Tage in der Erde und kommen abends heraus, um die Zerstörung zu beginnen. Wer Bohnen ernten will, möge abends gegen 7 oder 8 Uhr öte Schnecken ablesen und gleich in ein Gefäß mit etwas Viehsalz tun, wo sie sofort tot gehen. Ein zwei- bis dreimaliges Ablesen kann die Bohnen retten. Auch Erdbeeren schmecken den Schnecken gut.
-r- Hersfeld, 26. Juni. Nächsten Montag nach- mittag 4 Uhr wird eine Sitzung der Stadtver- o r d n e t e n - V e r s a m m I u ng im Rathaussaale abgehalten werden. — Tagesordnung: Vereidigung des Herrn Stadtrats Hermann Braun. — Abänderung des^rM^atuts über die Anstellung der städt. Beamten. ^^^^?^ewilligung. — Sonstiges. — Auf die öffent- ^lgt eine vertrauliche Beratung und Beschlußfassung. °
„ . M $.e,r,8IcJ&' 26. Juni. Mit dem Verkauf der
1 nIr” * 81 "te n zu der landwirtschaftlichen B e z l r ks a u s st e l l u n g wird vom Montag ab im Vorverkauf begonnen werden. Ausgegeben werden Danerkarten zum Preise von 2 Mark pro Person, dieselben haben Gültigkeit für alle Veranstaltungen während der drei Tage. Weiter erfolgt die Ausgabe von Tageskarten für Freitag und Sonnabend zum Preise von je 1 Mark und für Sonntag für 50 Pfg. Kinder unter 10 Jahren erhalten Eintrittskarten zu 50 Pfg., welche für alle drei Tage gelten. Für die Tribünen sind Sitzplätze für 1 Mark und Stehplätze tür 30 Pfg. vorgesehen. Diese Karten haben nur für Tag Gültigkeit, an dem sie gelöst sind. Vor- ^^bllen sind errichtet in den Zigarrengeschäften Kaiserstraße und Bächstädt Nächst., bans-Ä?E, sowie in dem Ausstellungsbüro im Wohn- Göbel. - Günstige Witterung «itfÄEe enormen Besuche der
Nach dem soeben veröffentlichten 5nrhn im Molkereischule hat die Molkerei ^uloa tm vergangen Jahr 4150 973 Liter Vollmilch
verarbeitet, im Durchschnitt also 11 400 Liter pro Tag. An der Einlieferung waren ca. 600 Landwirte beteiligt.
Fulda, 24. Juni. Herr Reichstagsabg. Richard Müller hat der Stadt Fulda mehrere Grundstücke, zusammen 9273 Quadratmeter, im Werte von zusammerr 77 000 M., abzüglich eines Restkaufgeldes von 30 000 Mk., zur Verfüguug gestellt. Die Stadt hat diese Schenkung angenommen zugunsten des städtischen Waisenhauses. Herr Müller trägt auch die Stempel- kosten im Betrage von 2300Mk. Weiter ist der Stadt ein Legat des verstorbenen Herrn Geh. Justizrats Dr. Adolf Braun zu Berlin, eines geborenen Fuldaers, in Höhe von 5000 Mk. für evangelische Arme zugefallen.
Cassel, 25. Juni. Vor den Geschworenen hatte sich heute das am 16. Januar 1890 in Erfurt geborene Hausmädchen Auguste Jda Gerlach aus Eschwege wegen Kindestötung zu verantworten. Die Angeklagte hatte die Volksschule in Schmalkalden besucht, wurde dann Dienstmädchen und diente bei verschiedenen Herrschaften in Wiesbaden, Potsdam, Rüsselsheim,' zuletzt war die Angeklagte bei einem Arzt in Eschwege in Stellung. Dort erhielt sie 25 Mk. Monatslohn bei freier Station; von diesem Geld hatte sie monatlich 15 Mk. an ihre Mutter abzuführeu, die ihre beiden unehelichen Kinder aufzog. In der Nacht zum 1. April d. Js. soll die Angeklagte sich des ihr zur Last gelegten Verbrechens der Kindestötung schuldig gemacht haben. Die Angeklagte bestreitet ihre Schuld. Zur Verhandlung waren sechs Zeugen und als Sachverständiger Herr Geheimer Medizinalrat Heinemann geladen. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Die Geschworenen verneinten die ihnen vorgelegten Schuldfragen, worauf die Angeklagte freigesprochen und sofort aus der Untersuchungshaft entlassen wurde.
Cassel, 26. Juni. Auf Schloß Wilhelmshöhe werden zurzeit eifrig die Vorbereitungen für den diessommer- lichen Aufenthalt der Kaiserlichen Majestäten getroffen. Besonders die Arbeiten zur Herrichtung der Parkanlagen, die Blumenbeete usw. sind in den letzten Tagen stark gefördert worden. Die Kaiserin begibt sich morgen von Potsdam nach Kiel und von dort — nach der Abfahrt des Kaisers zur Nordlandreise - nach Schloß Wilhelmshöhe, und zwar trifft nach den gegenwärtigen Bestimmungen die Kaiserin voraussichtlich am 6. Juli hier ein.
Heiligenftadt,'25. Juni. Ein entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich gestern im Sandbruche in Ershausen. Von dem andauernden Regen locker geworden, stürzte eine Wand ein. Während zwei Arbeiter sich durch Wegspringen retten konnten, wurde die Frau Regine Eck von den niederstürzenden Sandmassen begraben. Sie konnte nur als Leiche geborgen werden. Vier unmündige Kinder stehen trauernd an der Bahre ihrer Mutter, die in der Arbeit für sie den Tod gefunden.
Hann. Münden, 24. Juni. Polizeiregistrator Pape von Münden stand heute vor den Geschworenen,' die Anklage lautete auf Urkundenfälschung und Unter- scklaauna im Amte. Das Urteil lautete auf 2 Jahre und 6 Monate Gefängnis. Fünf Monate der Untersuchungshaft — seit dem 18. Januar d. J. — wurden hm angerechnet Im ganzen beliefen sich Papes Unterschlagungen auf 3153 Mk. Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig.
Eisenach, 26. Juni. Durch Beilhiebe ermordet und aller Wertsachen beraubt wurde die 80jahrlge Witwe Kürschner in ihrer Wohnung aufgefunden. Als Täterkommt ein Schlafbursche der Ermordeten in Frage.
Wetter, 24. Juni. Im benachbarten Dorfe Amönau trug sich gestern nachmittag ein trauriger Ungluckssall zu. Der Landwirt W. ließ sein Pferd bei der Engel- schen Schmiede beschlagen und berm Nachhaujeweg ließ er seinen 12jährigen Sohn reiten. Das Pferd wurde von anderen Jungen, die mit fernen nach ihm warfen, scheu gemacht und grng durch, wobei das Kind vom Pferde fiel. Es wurde dabei von demselben auf dem Kopf getreten, sodaß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte, der Zustand des Jungen ist sehr bedenklich,' er wurde heute zur Klinik nach Marburg gebracht.___________________________
Meifterlurse.
Von der Notwendigkeit der Erhaltung des Handwerks das einen wesentlichen Bestandteil des Mittelstandes bildet ist man im Lager aller bürgerlichen Parteien überzeugt. Da nun das Handwerk infolge des Anwachsens der Großbetriebe tu seiner Entwlck- lungsmöglichkeit sehr eingeengt ist, so kann es nur dadurch seine Stellung behaupten, daß es durch die Qualität seiner Arbeit die Großbetriebe zu übertreffen in der Lage ist. Dieses Ziel ist aber nur durch eine den ständig sich steigernden Ansprüchen gerecht werdende
zweckmäßige Handwerkerausbildung zu erreichen. Als ein wesentliches Mittel, das Handiverk dnrch eine tüchtige Ausbildung zu fördern, haben sich die sogenannten Meisterknrse erwiesen, die man in „große" und „kleine" Meisterkurse einteilt. Die großen Kurse sind ständige Einrichtungen, deren Unterrichtszeit sich in der fltegel über mehrere Wochen erstreckt. In Preußen werden diese Kurse in neun großen Städten abgehalten. Es ist als erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß die Bedeutung einer sachgemäßen und gründlichen Handwerkerausbildung von den beteiligten Kreisen immer mehr ersannt wird. Nach dem Ver- waltuugsbericht des Königlich preußischen Landesgewerbeamts für das Jahr 1914 hat sich auch hinsichtlich der Ziele der großen Meisterkurse, über welche die Meinungen früher gar sehr auseinander gingen, allmählich eine gewisse Einigung erreichen lassen. Diese Uebereinstimmung in den hauptsächlichsten Fragen ist der ganzen Entwicklung zu gnte gekommen, da man hierdurch Zeit und Gelegenheit fand, das Vertrauen der Handwerker zu den Kursen zu stärken, die Einrichtungen der letzteren selbst zu verbessern und den Kreis ihrer Besucher immer weiter auszudehnen. Insbesondere war ein ständig steigendes Interesse der Gemeinden und Kreise an diesen Kursen zu verzeichnen, so daß tüchtigen Handwerkern im Falle der Bedürftigkeit durch Beihilfen die Teilnahme an den Kursen ermöglicht nntrbe.
Der Bericht des Landesgewerbeamts hebt den Wert der großen Meisterkurse insbesondere als befruchtendes Beispiel für die Errichtung kleiner Meisterkurse hervor. Auf diesem Gebiete habeu die Hand- werkerorganisatiouen wie Handwerkskammern, Jnn- nungen usw. durch Veranstaltung allgemeiner theoretische und praktische Kenntnisse vermittelnder Kurse unter Berücksichtiguug der örtlichen Bedürfnisse und der besonderen Wünsche der Teilnehmer achtunggebietende Erfolge aufznwetsen. Außer Buchführungs- kursen wurden Wiederholn:' fs- und Revisionskurse, Kurse in allgemeiner Geschäftskunde, Kalkulationskurse, Vorbereitungskurse für die Meisterprüfung, Kurse für Genossenschaftswesen und solche für Jnn- nungsverwalter veranstaltet. Vielfach wurden von den Handwerkskammern auch techuische Fächer in den Rahmen dieser Kurse hineinbezogen, vornehmlich solche, welche die Weiterentwicklung oder gar Neubildung eines Handwerks ermöglichen, wie unter anderen die Automobilreparatur, die Elektro-Uhr- macherei usw. Ebenso war man bestrebt, möglichst für jedes Handwerk einen Kursus einzurichten, damit seltener bedachten Handwerke wie z. B. Bandagisten, Buchdrucker und Setzer, Konditoren, Metzger die Vorteile dieser Meisterkurse genießen könnten. Die steigende Teilnahme an diesen Handwerkerausbildungsgelegenheiten, das einmütige Zusammenarbeiten der beteiligten Kreise, Handwerk, Regierung und Gemeinden, und schließlich die fortschreitende Entwicklung der Meisterkurse selbst, die den Handwerkern eine immer weitergehende Vertiefung der fachlichen und auch der erforderlichen allgemeinen Kenntnisse ermöglichen, läßt erwarten, daß das Handwerk den Großbetrieben gegenüber konkurrenzfähig bleibt, und daß es sich die ihm gebührende Stellung in unserem Staatsleben in seinem und des Staates Interesse selbst erhalten wird.
Eingesandt.
(Unter Verantwortung des Einsenders.)
Es war erfreulich zu sehen, wie gestern abend trotz des ungünstigen Wetters das Publikum in Scharen in den Kurpark strömte, um dem von den Hersfelder Sängern veranstalteten Konzert beizu- wohnen. Weniger erfreulich war aber das lange Stehen an der einzigen Kasse, die durch ein schmales Pförtchen zu passieren war. Durch die aufgespannten Regenschirme trat zeitweise noch mehr Stockung ein, die voll vielen Besuchern des Konzertes recht unangenehm empfunden wurde. Bei ähnlichen Veranstaltungen, die voraussichtlich noch stattsinden werden, dürfte sich doch die Errichtung einer weiteren Kasse empfehlen. Ebenso war nach Beendigung des Konzertes wieder nur die eine kleine Pforte geöffnet, so daß daselbst ein arges Gedränge entstand. — Weiter unerfreulich war die Beleuchtung der Straße am Kurpark. Es war stellenweise so dunkel, daß man in dem großen Strom der Heimwandernden nur vorsichtig vorwärts kommen konnte und mehr wie ein Ausruf des Unwillens konnte man hören. Jedenfalls wäre es angebracht gewesen mit Rücksicht auf das Konzert einige Gaslaternen an der Straße etwas länger brennen zu lassen. Ein derartiger Zustand ist einer Badestadt nicht würdig und fordert nur den Spott der fremden Kurgäste heraus.
Wetteraussichten für Sonnabend den 27. Juni.
Vorwiegend heiter, trocken, warm, schwache nördliche Winde, Gewitterneigung.