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In Kiel

Der englische

Polittsche Betrachtungen.

Die Anwesenheit des britischen Geschwaders rmrö der Kieler Woche besonderen Glanz verleihen. Dre Welt soll sich darüber klar werden — so sagt ein großes Londoner Blatt —, daß die gegenwärtigen Beziehungen zwischen England und Deutschland„ ausgezeichnet sind — daß die Souveräne und Staatsmänner wünschen, daß sie so bleiben mögen, und daß selbst auf dem Gebiete der entschiedensten Rivalität ein natürliches Gefühl ge- aemeitiger Bewunderung und Kameradschaft sie ver­bindet. Diese Worte werden in Deutschland gern unter­schrieben, denn es herrscht im allgemeinen ein Gefühl, daß die Zeiten der Gefahr zwischen den beiden Mächten einem Zustande des Vertrauens gewichen sind. Die Eh- rungen, die noch jüngst dem deutschen Botschafter in London, dem Fürsten Lichnowsky, in Oxford zuteil wurden, haben die Bestätigung gebracht, daß es diesem Staatsmanne gelungen ist, manche Verstimmungen zu beseitigen, die sich im Laufe der Jahre in dem englisch- deutschen Verhältnis geltend machten. Nichts hat jen­seits des Aermelmeeres in höherem Grade die Gemüter gegen das deutsche Volk erregt, als die geflissentlich ge­nährte Vorstellung, die deutsche Motte sei bereits so stark, oder plane in absehbarer Zeit so stark zu werden, daß England die Uebermacht zu Wasser verliere und das Eindringen eines feindlichen Heeres nicht mehr zu ver­hindern vermöge.

War diese Vorstellung begründet, so ergab sich für England vielleicht der Schluß, daß es ein enges Ein­vernehmen mit Mächten suchen müßte, die im Kriegs­falle vermutlich Deutschlands Gegner wären oder es werden sollten. Darüber stellte man in London sogar die

alten Gegensätze zu Frankreich zurück, die noch bei Fa- schoda schroff hervortraten. Selbst gegen Rußland zeigte man an der Themse freundschaftliche Mienen, obwohl doch das Zarenreich im nahen Orient wie im fernen Osten der natürliche Gegner Englands ist und bleibt. In welchem Matze, das hat man im Krimkrieg, auf dem Berliner Kongretz und im russisch-japanischen Kriege gesehen. Man hat es auch jüngst noch aus den Offen­herzigkeiten des Grafen Witte erfahren, der der über­raschten Welt mitteilte, datz unter seiner Ministerpräsi­dentschaft die Bahn Orenburg-Tafchkent gebaut worden sei, um einem Vorstoß gegen Indien die Wege zu ebnen, sfisch-deutsch-französischen Bünd-

sei, um einem Vorstoß gegen Indien die Wege zu ebnen, und daß er an einem russisch-oeutsch-französischen Bünd- Nisse gearbeitet habe. Den Staatsmännern von St. Ja­mes wird es auch wohl niemals gleichgültig sein, ob die Dardanellen unter türkischer Herrschaft bleiben und so­mit den russischen Kriegsschiffen die Durchfahrt versagt ist, oder ob sich die große russische Flotte, die jetzt doch auf dem Schwarzen Meere erbaut werden foll, eines Tages vor den Snezkanal legen kann. Die intime An­näherung Rußlands an Rumänien wird mit dem Plane des Zarenreiches in Verbindung gebracht, nun endlich das Testament Peter des Großen bezüglich des Bos-

porus zu vollstrecken. In Jahr und Tag werden wir darüber näheres erfahren.

Hre Aufmerksamkeit zur Rußland, denn auch die

Die englische Flotte teilt ihre Aufmerksamkeit zur Zeit zwischen Deutschland und Rußland, denn auch die Häfen von Reval und Kronstadt stehen unter dem Ein­drücke des Besuches von englischen Kriegsschiffen. Mit dem russischen Vorschläge bezüglich eines englisch-rus­sischen Flottenabkommens, das seine Front offenbar ge­gen Deutschland richten sollte, ist es freilich nichts ge­worden. England — so hieß es in einer Londoner Kund­gebung — hängt nicht an den Rockschößen eines anderen Landes, es ist nicht der Diener Rußlands, nicht der Verbündete Frankreichs, und vor allen Dingen nicht der Feind Deutschlands. Auch im Deutschen Reichstage ist jüngst noch mit Befriedigung festgestellt worden, daß sich die Beziehungen zu England gebessert haben. England unterhält freilich sein Einvernehmen mit Frankreich und Rußland, darüber dürfen wir uns nicht täuschen, wie es seinen Interessen förderlich erscheint, denn die Briten treiben nur Realpolitik.

Zur Bekräftigung der englisch-deutschen Verständi­gung benrerkt ein Londoner Blatt: „Ist nicht der deutsche Kaiser ein britischer Admiral, und zwar einer, auf den alle britischen Seeleute mit Recht stolz sind?" Während der Kieler Woche wird auch das englische Ge­schwader erfahren, daß die Wertschätzung zwischen Ad­miral und Flotte auf Gegenseitigkeit beruht.

Motoren als Verbrecher.

Die Zustände in Mexiko unter der Regierung Huer- tas und seines Gegners, des ehemaligen Räuberhaupt­manns und jetzigen Generals Villa sind ein Schulbei­spiel für die Zügellosigkeit, zu der die Diktatur Ein­zelner führen muß, die nicht groß genug sind, einerseits das Heft allein in der Hand zu behalten, andererseits ihre persönlichen Leidenschaften hinter einer großen Sache zurückzusetzen. , Allerdings ist Huerta noch ein verhältnismäßig zahmes Beispiel eines Diktators. Ge­rade die Geschichte der amerikanischen Republiken kennt

Die rechte Wa^L

Roman von HeleneMerkel.

15) (Nachdruck verboten.)

„Sie konnten nicht anders, als mir die Wahrheit sagen'." flüsterte sie. „Und — o, wie ich die Lüge hasse! Wie entsetzlich es mir Franz gegenüber oft ist, ihn liber seinen Zustand hinwegtäuschen zu müssen!"

,. "Das ist dem Kranken gegenüber Pflicht und Wohl­tat! versetzte er mild und verweisend.

Hastig wandte sie sich vollends von ihm ab. Vor den Tränen, die ihr plötzlich aus den Augen stürzten, sah ste zum zweitenmal nicht, wie er ihr aufs neue die Hand bot.

gern hätte er ihr ein tröstendes, hoffnungs- gesagt! Doch was hätte er ihr sagen sollen £ Kirnen? Und überdies — er, der als Arzt K £ ÄAEmer und Tod fest ins Auge geblickt tn ^ftm Augenblick beinahe selbst Mühe, seme Haltuna zu bewahren - angesichts ihres Schwer­öl,?' stand er und schaute ihr nach, wie sie warmes was m ^ ^Wr hinaus schritt. Was nur ^ariff, daß er ihr um alles und sie in seine Arme ziehen das ibm^ dock ^^ Dieses sremde Mädchen, hnrftP» E) nichts war — das ihm doch nichts sein

2.

^trerhou war Mau Roland mit ihrer Tochter Elfe bereits nach Dresden gefahren, um dort der letzteren Ausstattung zu beschaffen und in liebenswürdigster Weise war ihnen dabei die Unterstützung der Forster- schen Damen — Mutter und Töchter — zuteil geworden.

Durch die Vermittlung des Leutnants Artur Schra- Mr war die vom vorigen Sommer herstammende Be­

Bälle von zügellosen Diktaturen, deren Träger nur als erbrecher gewertet werden können, Männer, die von der Kriminalpsychologie auch als typische Beispiele für gewisse verbrecherische Veranlagungen angesehen wer­den. Lombroso führt in einem seiner Werke zwei solcher Fälle an.

Die argentinische Revolution erlebte ihren Dr. Francia, den Sohn geisteskranker Eltern, der, in den Besitz der Gewalt gelangt, erst Selbstmord, dann Mord­brennerei und kalt berechneten grausamen Mord plante und in seinen Wutanfällen feine Eltern ins Gefängnis und dann in den Tod schickte,' er ließ Menschen foltern, die seine krankhaften Traume ihm als Mitschuldige ein­gebildeter Verschwörungen zeigten, und die er dann mit neuen, in seiner kranken Phantasie ausgedachten Todes- artcn beseitigte. Er starb im höchsten Alter in Blöd­sinn, der sich aus seiner Melancholie und seinem mora­lischen Jrrsein entwickelt hatte.

Die Erklärung dieser Erscheinungen ist darin zu suchen, daß der Besitz einer unbeschränkten despotischen Macht zur Entwicklung moralischen Jrrseins und einer verbrecherischen Natur führt,' die unbegrenzte Willkür läßt in den Despoten die latenten Weinte der Perversität wuchern, die wir mehr oder weniger alle besitzen, die sich aber verhundertfachen, wenn absolute Straflosigkeit und despotische Allgewalt sie wecken. „Wer unbeschränkte Gewalt über Blut und Leben seines Nächsten besitzt," sagt Dostojewski, „wer ein anderes Individuum aufs tiefste erniedrigen kann, ist unfähig, dem Trieb zum Bösen zu widerstehen. Die Tyrannei ist eine Gewohn­heit, die schließlich zur Krankheit wird,' der beste Mensch der Welt kann dadurch so brutal werden, daß er nicht von einer Bestie zu unterscheiden ist. Das Blut gärt, der Geist wird der abnormsten Erregung fähig, die als reine Genüsse erscheinen. Die Möglichkeit einer solchen Ungebundenheit wirkt auf ein ganzes Volk vergiftend."

Hierher gehört auch ein zweiter Diktator der argen­tinischen Republik, dessen Regierung die blutigste Epoche in der Geschichte dieses Landes war: Rosas. Er war moralisch irre, war Sohn einer Hysterischen und selbst epileptisch. Von Kindheit an fand er sein Vergnügen an Tierquälereien, steckte Getreideschober an, mißhan­delte die Dienerschaft. Im Besitz der Gewalt gefiel er sich in verbrecherischen Einfällen der wunderbarsten Art: er ließ in den Straßen Menschenköpfe wie Orangen ver­kaufen, putzte seine Pferde mit der Haut getöteter Feinde auf, ließ ohne auffindbaren Grund Gemetzel anrichten, erfand besondere Folterinstrumente (eine Art Säge, glühende Beinschienen) und ließ Hinrichtungen unter Musikbegleitung ausführen.

Politische Rundschau.

Die englische Flotte in Kiel. In Berliner politi­schen Kreisen verfolgt man die Aeußerungen der eng- litoeu Presse aus Anlaß des Besuches der englischen Kriegsschiffe im Kieler Hafen mit großer Aufmerksam­keit und stellt diese Auslassungen in Vergleich zu den Presseäußerungen über den gleichzeitigen Besuch eng­lischer Kriegsschiffe im Hafen von Kronstadt. Man kon­statiert mit einiger Befriedigung, daß die Auslassungen der englischen Blätter über den Besuch in Kiel an Wärme nichts zu wünschen übrig lassen, glaubt aber davor warnen zu müssen, aus diesen Presseäußerungen weitergehende Schlüsse politischer Natur zu ziehen.

Kein Rücktritt des preußischen Jnstizministers. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Das Hirschsche Telearapbenbureau will Gerüchte über eine angebliche Erschütterung der Stellung des preußischen Justizministers als nach seinen Informationen nicht ganz grundlos bezeichnen können. Wir sind ermächtigt, festzustellen, daß diese Gerüchte jeder Begründung ent­behren.

Rumänien und die Balkankrisis. In Berliner diplomatischen Kreisen will man wissen, daß bei der Ausgleichung der jüngsten Differenzen zwischen Grie­chenland und der Türkei neben den europäischen Groß­mächten auch Rumänien eine sehr bedeutsame Rolle ge­spielt habe, und zwar im Sinne einer Aufrechterhal­tung des Friedens. Man legt diesem Auftreten Rumä­niens ein besonderes Gewicht bet, weil es im Einver­ständnis mit Rußland erfolgt sein soll. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß Rumänien auch bei der Schlichtung der Differenzen zwischen Griechenland und der Türkei hinsichtlich der Jnselfrage eine wichtige Ver­mittlerrolle übernehmen wird.

Poincarees Reise nach Rußland. Es steht nunmehr fest, daß der Präsident der französischen Republik am 16. Juli die Reise nach Rußland antreten wird. In der Zeit vom 27. bis 29. Juli wird er den Königen von Schweden, Dänemark und Norwegen Besuche abstatten und am 30. Juli wieder in Frankreich eintreffen.

Kleine flach richten^

Die silberne Hochzeit des Prir^enpaares Friedrich Leopold von Preußen wurde am Mittwoch im engsten

kanntschaft mit Oberfinanzrats erneuert worden, und demselben ward, als er wieder einmal die Rolandsche Villa mit seinem Besuch beehrte, der begeistert ausge­sprochene Dank der Frau Roland dafür, daß er den Verkehr mit diesen distinguierten, eminent liebenswür­digen Leuten aufs neue angebahnt habe.

In den letzten Tagen nun war Herrn Roland eine bis auf den inneren Ausbau vollendete Villa zum Kauf augeboten worden und in Begleitung seiner Frau und Tochter, sowie deren Verlobten hatte er sich heute auf­gemacht, dieselbe zu besichtigen. Das Resultat war ein mehr als befriedigendes gewesen. Herr Roland hatte nicht übel Lust, das Grundstück zu erwerben, das seine Hochzeitsgabe für Elfe werden sollte.

„Du siehst demnach von Deiner früheren Idee, die Körnersche Villa zu erwerben, ab?" fragte Doktor Gün­ther den zukünftigen Schwiegervater.

„Ja," erwiderte dieser. „Ihrer viel beschränkteren Raumverhältnisse wegen dürfte sich dieselbe über lang oder kurz doch als unzureichend erweisen,' so ist der von uns heute in Augenschein genommenen Villa entschieden der Vorzug zu geben."

Günther hätte mancherlei Einwendungen dagegen erheben können, aber er unterließ es, das Nutzlose seines Widerstandes einsehend, wenn auch Herr Roland für die Sache war. Vor allem war ihm das Haus und der damit vermachte Haushalt zu großartig. Aber was sollte er tun?" Er mußte sich fügen.

Man hatte den Rückweg durch den Staötpark ein­geschlagen und das Rolandsche Ehepaar war etwas zu­rückgeblieben, während das Brautpaar voranschritt.

Nach einer Weile kam ihnen eine Frau entgegen, emfach, fast ärmlich gekleidet, obwohl ihrer Haltung und dem Aussehen ihres blassen Gesichts nach den besseren Standen angehörend.

Familienkreise im Jagdschloß Klein-Glinicke gefeiert. Außer den drei prinzlichen Söhnen nahmen auch Prinz und Prinzessin Heinrich XXIII. von Reuß an der Feier teil. Im Laufe des Vormittags trafen zahlreiche Glück­wünsche und Blumengebinde ein. Gegen Mittag er­schienen die Kaiserin und kurze Zeit darauf Prinz August Wilhelm, um ihre Glückwünsche zu überbringen.

Ein Erdrutsch in Charlottenbnrg. Infolge der letzt- tägigen starken Regenfülle trat Mittwoch abend in der Bisnmrckstraße in Charlottenbnrg ein Erdrutsch ein. Eine Granitplatte versank dort nahezu anderthalb Me­ter tief. Unfälle kamen nicht vor. Unter der Bismarck­straße befindet sich der Tunnel der Untergrundbahn.

Ein Deserteur der vierten Schwadron des Olden- burger Dragoner-Regiments, namens Schürmann, wurde in Jever von einem Gendarmeriewachtmeister festgenommen. Schürmann hatte in den 14 Tagen seit Verlassen seines Truppenteiles verschiedene Einbruchs- bicbsttthle ausgeführt. Seine Raubzüge führte er, nach­dem er einen Gehrockauzug gestohlen hatte, in Zivil aus.

Schrecklicher Tod eines Kindes. In Juditten bei Königsberg wurde die 10jährige Tochter eines Aufsehers von brennendem Petroleum aus einer explodierten Kanne übergossen. Vor Schmerzen sprang das Kind vom vierten Stock aus dem Fenster und blieb unten ver­brannt und mit zerschmetterten Gliedern tot liegen.

Im Dienste tödlich verunglückt. Auf eigenartige Weise ist der Hilfsheizer Wilhelm Mttllensiefen aus Holzwickede ums Leben gekommen. Der auf dem Heizer- stand seiner Lokomotive befindliche Mann wurde, als er bei Holzwickede sich aus der Lokomotive herausbeugte, von der offenstehenden Abteiltüre eines vorüberfahren- deit Personenzuges so an den Kopf getroffen, daß der Tod schon nach kurzer Zeit eintrat.

Die Bestattung der österreichischen Luftschiffer. Mitt­woch mittag fand die Trauerfeier für die neun Opfer der Luftschiffkatastrophe in Fischamend statt. Der Kaiser hatte einen Vertreter entsandt. Ferner waren Erzherzog Peter Ferdinand, der Ministerpräsident, der Kriegs­minister, der Landesverteidigungsminister usw. er­schienen. Während der Trauerfeier umkreiste ein Teil der aus Anlaß der internationalen Flugwoche in Aspern weilenden Flieger in zwanzig Aeroplanen, die Trauer- fahnen trugen, den Friedhof, wo die Feier stattfand.

Die streikenden Pariser Briefträger haben Mittwoch mittag ihre Arbeit wieder ausgenommen mit dem Vor­behalt, auss neue in den Ausstanö zu treten, falls die Kammer die von dem Senat abgelehnten Kredite nicht wiederherstellt.

SsrrÄrt und Redif«

Ein Soldat wegen Spionage verurteilt. Der bereits seit einiger Zeit wegen Verabredung zur Spionage und Fahnenflucht zu fünf Jahren Gefängnis und erneuter Versetzung in die zweite Klasse des Solöatenstanöes ver­urteilte Musketier Stoffels vom Königs-Jnfanterie- Regiment Nr. 145 ist am Mittwoch vom Oberkriegsge­richt in Metz auf die vom Gerichtsherrn eingelegte Be­rufung wegen versuchter Spionage zu drei Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilt worden.

Im Mordprozeß Brunhilde Wilden hat die Elber- felder Staatsanwaltschaft auf die Einlegung von Rechts­mitteln gegen das sreisprechende Urteil des Schwurge­richts Verzicht geleistet. — Hilde Wilden hat unmittel­bar nach ihrer Freisprechung ihren Rechtsanwalt mit der Aufnahme von Entschädigungsansprüchen an den Staat für unschuldig erlittene Untersuchungshaft beauf­tragt.

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Neue Triumphe der deutsche« Fliegerei.

Der Dauerweltrekord in deutschen Händen.

Nachdem die deutschen Flieger eine Zeit lang in un­unterbrochener Kette sich von Glanzleistung zu Glanz­leistung schwangen, war es in der letzten Zeit verhält­nismäßig still von ihnen geworden. Man hätte nicht gerade sagen können, daß die deutsche Fliegerei ihre eßen errungene glänzende Stellung wieder zu verlieren im Begriffe stehe, aber von einer kraftvollen Verteidigung, geschweige denn von einem neuen glanzvollen Aufstiege war es im deutschen Lager bedauerlicherweise still ge­worden. Um so größer und berechtigter ist die Freude, daß die eben verflossenen Tage neue deutsche Weltgipfel- leistungen zeitigten, die den deutschen Flugsport wieder auf voller Höhe erwiesen.

Man erinnert sich gewiß noch, mit welch berechtigtem Stolz es alle Kreise erfüllte, als der Dauerweltrekord ohne Fluggast durch die hervorragenden Flüge Laugers und bald darauf Jngolds aus französischen in deutsche Hände überging. Nur währte hier die Freude nicht all­zu lange, da bereits am 26. April der Franzose Poulet den Rekord wieder an Frankreich brächte, da die von ihm erreichte Zeit die Jngolds noch um annähernd 30 Minuten überbot. Seit den Tagen des April blieb trotz vieler vergeblicher Bemühungen deutscherseits der Dauerweltrekord in französischem Besitz. Eilt junger

„Wer war das?" fragte Elfe, nachdem man sich im Vorbeigehen gegenseitig gegrüßt hatte.

„Eine Frau Wagner!" antwortete Günther. „Ich behandle schon seit langen Wochen ihren kranken Mann."

Minutenlang schwieg er,' dann fuhr er fort:

„Der Zufall hat mir da übrigens wieder eine Bitte ins'Gedächtnis gerufen, die ich eigentlich schon früher an Dich richten wollte."

Die Braut stutzte.

„Und die wäre?" fragte sie.

In das klassisch schöne Antlitz des Arztes trat ein Zug verklärender Güte.

„Die Leute sind arm, liebe Elfe," begann er von neuem, „durch die lange Krankheit des Mannes, der Angestellter in der Röderschen Wollspinnerei war, sind sie in Verhältnisse geraten, die sie früher nicht gekannt haben. Auf unabsehbare Zeit hinaus wird die Frau für den Unterhalt des Kranken. und vier schulpflichtiger Kinder in der Hauptsache sorgen müssen. Darum wollte ich Dich bitten, sie ein wenig zu unterstützen. Frau Wagner verfertigt Handarbeiten und Stickereien. Gib ihr ein paar Aufträge, Elfe! Du wirst ja jetzt nicht da­rum in Verlegenheit sein. Auch Freundinnen kannst Du sie vielleicht empfehlen! Ich denke, dadurch, daß man der Frau gutbezahlte Arbeit verschafft, kann man ihren Sorgen abhelfen."

Schlicht, natürlich hatte Günther seine Bitte vorge­bracht, und er zweifelte nicht, daß in derselben Weise die Zusage erfolgen würde. Doch da irrte er sich.

„Es tut mir wirklich leid, Hermann, aber so leicht, wie Du annimmst, ist Deine Bitte doch nicht zu erfüllen. Die Bestellungen bezüglich meiner Ausstattung werden, wie Du weißt, sämtlich in Dresden ausgeführt, und es würde wider Brauch und Geschmack streiten, wenn man da selbst die kleinsten Anfertigungen nicht den beteiligten Geschäften überlassen wattig!" (Forts, folgt.),