komm! Griechenland ein Krieg gelegen?
Die Neuorganisation des griechischen Heeres.
Wieder lauert auf dem Balkan die Kriegsgefahr im Hintergründe. Griechenland scheint nicht unentschlossen, für die Austreibung des griechischen Elements in Ana- tolien und Thrazien durch die Türkei mit den Waffen in der Hand Vergeltung zu üben. Die Sprache Griechenlands gegenüber der Pforte ist eine sehr drohende, dennoch aber wird man einige lebhafte Zweifel nicht unterdrücken können, ob Griechenland gerade in diesem Auaenblick ein Krieg sehr gelegen kommen würde. Kur die Türkei scheint zur Zeit die politische Konstellation nicht ungünstig. Bulgarien wird sicherlich mit vielem Vergnügen und mit verschränkten Händen zusehen, wie der verhaßte Gegner aus dem letzten Balkankrieg in einen neuen blutigen Feldzug vermittelt wird, und ob Serbien noch einmal zn Gunsten seines früheren Verbündeteil in den Kampf eingreifen wird, mag auch noch sehr dahingestellt bleiben. Vor allem aber hat Griechenland mit Rußland immer noch nicht das so ersehnte Abkommen abschließen können, das alle Streitfragen auf dem Balkan einer endgültigen Regelung unterzieht und die Neutralität des großen slavischen Reiches verbürgt.
Aber es ist gewiß nicht allein das äußere politische Bild, das der Pforte einige günstige Perspektiven eröffnet, sofern sie es verstanden hat, in der Zwischenzeit ihr Kriegsmaterial zu ergänzen und Geldreserven zu beschaffen. Viel schwieriger und peinlicher für Griechenland scheint der Augenblick gewählt, weil sich die Armee des Königreichs im Zustande völliger Neuordnung befindet. Die Früchte des letzten siegreichen Krieges waren erhebliche Gebietsvermehrungen, die -um auch ihren Teil zum Heeresdienst beitragen sollen. Ob die verfügten Heeresvermehrungen aus dem papierenen Zustande bereits in die Wirklichkeit umgesetzt werden konnten, läßt sich von hier aus schwer entscheiden. Zur Zeit sind 6 Armeekorps vorhanden, das 1. in Larissa, das 2. in Athen, das 3. in Janina, das 4. in Saloniki, das 5. in Doama, das 6. in Rozani. Diese sechs Armeekorps bilden 11 Divisionen, zu deren jeder noch ein Regiment Feldartillerie, sowie technische Truppen und Trains gehören. Den Brigadeverband kennt das griechische Heer nur in der Kavallerie, es bestehen 3 Kavalleriebrigaöen mit dem Stabssitz in Serris. Im Kriege beträgt die Summe der Streitkräfte 132 Bataillone, 16 Eskadrons, 77 Batterien, 3000 Reiter, 378 Geschütze, wovon 168 Schnellfeuergeschütze und 136 Maschinengewehre.
Nun ist für die Beurteilung der Aussichten für die beiden Parteien in dem drohenden Kriege allerdings zu beachten, daß sich dieser zum größeren Teile vermutlich zur See abspielen wird. Hier steht die griechische Ueberlegenheit über allem Zweifel. Die griechische Kriegsmarine besitzt das Linienschiff „Salamis" zu 19 500 Tonnen und den Panzerkreuzer „Avoroff" zu 10 200 Tonnen. Ferner sind in Dienst gestellt 14 Torpedobootszerstörer, 14 Torpedoboote und 2 Unterseeboote. Der numerisch größere Bestand der türkischen Marine wird wieder aufgehoben durch das zum größten Teil veraltete Schiffsmaterial.
Las Land der meisten Attentate.
Zum jüngsten Bombenattentat auf den Hofzug des Zaren.
Nur durch einen Zufall ist soeben wieder der russische Zar einem Bombenanschlag entgangen, der für ihn und seine Familie die bösesten Folgen hätte haben können. Das folgenschwere Attentat auf den kaiserlichen Hofzug ruft die Erinnerung daran wach, daß gerade in Rußland derartige Anschläge gegen das Leben des Staatsoberhauptes zu einer häufigen Erscheinung geworden sind, wie man denn überhaupt Rußland ohne Uebertreibung als das Land der meisten Attentate gegen Herrscher und hohe Würdenträger bezeichnen kann. Besonders durch die neueste Geschichte des Zarenreiches zieht sich eine fast ununterbrochene Kette blutiger Gewalttaten, die also mehr oder minder auf politische Beweggründe zurückzuführen waren.
Schon Zar Paul I. fiel in der Blutnacht vom 23. März 1801 einer Verschwörung, deren Haupt der Graf Peter von der Pahlen war, zum Opfer. Auch Zar- Alexander II. von Rußland starb keines natürlichen Todes. Als er am 13. März 1881 von einer Parade zu- rückkehrte, explodierten unter seinem Schlitten sogen. Orsino-Bomben, die den unglücklichen Herrscher auf der Stelle töteten. Unter der Regierung des jetzigen Zaren haben sich aber diese revolutionären Gewaltakte der Zahl nach gesteigert, wie nie zuvor. Die Liste der Todesopfer, die in den letzten 10 Jahren aus den Händen russischer Revolutionäre den Tod empfingen, ist lang. An ihrer Spitze steht jener Unterrichtsmmister Bogo- lepow, der im Jahre 1901 ermordet wurde. Schon das nächste Jahr brächte wieder die Ermordung eines Ministers, des verhaßten Scipiagin.
1904 ereilte die tödliche Kugel im Senatsgebäude
Die »echte WaM.
Roman von HeleneMerkel.
10) (Nachdruck verboten.)
nahm wieder an der Unterhaltung teil und plötzlich sagte sie:
„Ja, Hermann, was ich Dir twch mitteilen wollte: im Kasino wird nun doch noch ein Maskenball veranstaltet werden! Am vierzehnten Februar — Papa traf heute mittag einen Herrn aus dem Vorstände, der sagte es ihm."
„Also nun auch noch ein Maskenball!" wiederholte Günther in mehr komischer als ernster Verwunderung. „Höre, Elfe, die Vergnügungen in diesem Winter neh- beängstigenden Umfang an! Von 4 "^ ^t die stete Beteiligung verbieten, anstatt ei- gegenüber die Rolle des allzeit willfährigen Bräutigams zu spielen!" nchmen. ^" ^ Worte nur im halben Sinn zu
ex i§r untere Qiitn
übel, Schatz! Wahr ists schon, MÄS »Ä'M 31,1 hem
^Vt^m^ Du, liehen wir aber nicht auf den Ball. Wir fucheu uns vielmehr dort, ich habe es mit der Mama schon besprochen. Gib acht, ein Kostüm wähle ,ch in dem erkennst Du mich nicht eher, als bis die De- nmskierung erfolgt!"
, "Dann soll es Dir bei mir jedenfalls ebenso erge- £»1* meinte Mncher, auf chren Scherz eingehend.
zu HelsingforS den Generalgouverneur von Finnland, BoSrikow, dem die gewaltsame Russifizierung Finnlands zum großen Teil zu verdanken war. Das Schreckensregiment Plehwes, eines der meist gehaßten russischen Minister überhaupt, fand am 28. Juli 1904 ein blutiges Ende. In aller Erinnerung lebt noch der furchtbare Bombenanschlag vom 16. Februar 1905, der den Großfürsten Sergius in Moskau in Stücke ritz. Das Jahr 1906 brächte eine wahre Attentatsseuche über Rußland. In erschreckender Weise häuften sich in diesem Jahre die Mordtaten gegen die höchsten Beamten des Reichs. Aus diesen Attentaten seien nur hervorgehoben die Ermordung des Grafen Jgnatiew, des Admirals Kusmitsch, des Kommandeurs des St. Petersburger Hafens, ferner des Admirals Tschuchnin, des Oberkommandierenden der Schwarzen Meerflotte. Trotz aller drakonischen Maßnahmen konnte die politische Polizei nicht verhindern, daß die Attentate auch in den folgenden Jahren wiederkehrten. Schon im Jahre 1907 arbeiteten Bombe und Kugel im Lande des weißen Zaren wieder lustig darauf los. Der Ministerpräsident Stoly- pin war das vielbeliebte Ziel. Allein dies Jahr bewahrte ihn noch ein gütiges Geschick vor dem grausigen Ende, das ihm zugedacht war. Man erinnert sich gewiß noch, wie damals seine unschuldigen Kinder schwer verletzt, sein Landhaus in die Luft gesprengt wurden.
Ungeheures Aufsehen rief seiner Zeit der Tod des Petersburger Polizeichefs, Oberst Karpow, hervor, der durch einen Spitzel in der Astrachanstraße zu Petersburg ermordet wurde. Das letzte größere politische Attentat von Bedeutung in Rußland war die Erschießung des Ministerpräsidenten Stolypin am 15. September 1911 in der Gala-Vorstellung des Theaters zu Kiew, die aus Anlaß der feierlichen Enthüllung des Denkmals Alexanders ii. stattfand. In Anwesenheit der gesamten kaiserlichen Familie und der höchsten Würdenträger des Reichs wurde Stolypin in der Zwischenaktspause, während er mit dem Kriegsminister Suchomlinow plauderte, von dem Rechtsanwaltsgehilfen Bagrow erschossen.
Das jüngste Bombenattentat auf den von den Feierlichkeiten in Bessarabien heimkehrenden Zaren, beweist mit erschreckender Deutlichkeit, daß die „Propoganda der Tat" von den russischen Terroristen immer noch bevorzugt wird, obwohl man gerade in der letzten Zeit weniger von ihr gehört hatte.
Amtliches Dementi des angeblichen Attentats.
Am 17. Juni, 1% Uhr nachmittags entgleiste bei Kosatin die Lokomotive des Zuges Nr. 4. Ein Zugbeamter wurde schwer, der Lokomotivführer und der Heizer- würden leicht verletzt. Drei Güterwagen wurden zertrümmert. Die Untersuchung hat ergeben, daß das Gleis unbeschädigt war. Das Unglück ist durch den schlechten Zustand der Lokomotive verursacht worden. Die Behauptung, daß es sich um ein Attentat auf den Zaren gehandelt habe, ist reine Erfindung.
Politische Rundschau.
Der britische Flottenbesuch in der Ostsee. Zur diesjährigen Kieler Woche, die am nächsten Montag beginnt, trifft ein starkes englisches Geschwader ein. Es besteht aus vier Dreadnoughts und vier Schlachtschiffen, die unter dem Befehl des Vizeadmirals Warranöer stehen, dessen Flaggschiff „König Georg V." den Allerneuesten Kriegsschifftyp darstellt. Das Geschwader wird sieben Tage lang im Kieler Hafen bleiben. Für die Dauer des Aufenthaltes sind mehrfache Festlichkeiten in Aussicht genommen. Der Kaiser wird an Bord der „Hohen- zollern" den Admiral und Kommandanten des Geschwaders bewirten. Prinz Heinrich gibt den englischen Offizieren ein Gartenfest mit Ball. Für die englischen und deutschen Mannschaften veranstaltet die Stadt Kiel interessante sportliche Wettkämpfe.
Die Zivilversorgnng der französischen Unteroffiziere läßt sehr viel zu wünschen übrig und muß durchaus traurig genannt werden. Nimmt man den Sollbestand mit rund 36 000 kapitulierenden Unteroffizieren und 35 250 Korporalen und Gemeinen an, wobei die Kolo- nialarmee nicht einmal mit eingeschlossen ist, so muß demgegenüber die Anzahl der Anstellungsposten der Militäranwärter in Frankreich als überaus minimal bezeichnet werden. Während in Deutschland, wo auch schon über die Zivilversorgung der Unteroffiziere manche berechtigte Klage erhoben wird, 22 000 Zivilversorgungs- stellen seit 1907 der Militärverwaltung vorbehalten sind, find in Frankreich kaum 2000 Stellen für die Unteroffiziere vorhanden. Im Jahre 1910 sind nur ein Fünftel der Anspruch erhebenden Unteroffiziere tatsächlich versorgt worden.
Im griechisch-türkische» Zwist ist nach einer scheinbar inspirierten Meldung der „K. Ztg." aus Berlin eine, wenn auch nur schwache Entspannung zu bemerken. Die kriegerische Stimmung in Athen fand nicht mehr so scharfen Ausdruck wie noch bis vor kurzem. Die zum
Sie lachte silberhell.
„Bei Dir?" rief sie. „Nein, solchen Plan gib nur auf! Du mit Deiner hohen, stolzen Figur bist ja unter Tausenden heraus kenntlich!"
Und sie hing sich an seinen Hals und er küßte sie zärtlich.
„Uebrigens," meinte er dann, „da Dein Befinden sich in so erfreulicher Weise gebessert hat, fönntest Du mir eigeutlich ein wenig vorspielen! Selten genug bietet sich in dem Trubel rauschender Vergnügungen ja jetzt Gelegenheit dazu."
„Weil Du's bist, der bittet!" nickte sie schalkhaft, stand rasch vom Stuhl auf und ging nach dem Flügel hinüber und ehe die anderen ihr folgen konnten, schlug sie bereits die ersten Töne an.
Und nun rieselte es weiter unter den flinken Mädchenhänden hervor, Ton um Ton, wie ein sprudelnder Bergquell so hell und klar. Liebliche Melodien klangen dazwischen, zaghaft und leise erst, dann voll und herzerfrischend — Akkorde, mächtige, rauschten auf, förmliche Tonfluten — — es war ein Spiel, fließend und überaus gefällig, wenn auch nicht in Seelentiefen erschütternd.
Die Spielerin schien dabei weder Anstrengung noch Ermüdung zu empfinden. Mehr als eine halbe Stunde mochte vergangen sein, als sie endlich das letzte Tonstück beendete und das ihr voll gespendete Lob lächelnd hinnehmend zu ihren Zuhörern trat.
Günther, der für Musik schwärmende Günther, schloß sie in wahrer Begeisterung in seine Arme. Gleichsam als käme er gar nicht wieder heraus aus staunender Bewunderung über das mufifalifdte Können der Braut, so ruhten seine glänzenden Blicke immer und immer auf derselben. Und plötzlich umfaßte er noch einmal ihre Schulter und weich und bittend kams von feinen Lippen:
„Slse, liebe Elfe, wenn ich nicht fürchtete, daß es
Frieden ratende Sprache aller Großmächte und die Er. klärungen mehrerer Balkanstaaten werden wohl nicht ganz ohne Eindruck geblieben sein. Die Pforte ihrerseits beabsichtigt nicht, die Erwiderung auf Griechenlands Forderungen zu verschleppen.
Kleine Oadirldife»
Starerkrankung der Königin von Schweden. Professor Pagenstecher, den die Königin Viktoria von Schweden auf der Reise nach Baden konsultierte, stellte fest, daß die Königin auf dem linken Auge am Star leidet. Die Krankheit entwickelte sich in den letzten Monaten schnell und führte bereits völlige Blindheit auf dem Auge herbei. Er hofft indessen, daß die Königin bei einer Operation teilweise das Augenlicht auf dem ange- griffenen Auge wiedergewinnt.
Der Kongreß für die Olympischen Spiele beschloß u. a. den griechisch-römischen Ringkampf und den freien Ringkampf in das Programm der Spiele aufzunehmen, doch wurde die Zulassung der Frauen abgelehnt.
Ein Orden doppelt verliehen. Ein eigenartiges Versehen hat sich kürzlich in Landsberg a. W. zugetragen. Dem Lehrer a. D. Noack vom dortigen Lyzeum wurde versehentlich bei seinem Eintritt in den Ruhestand der Königliche Kronenorden 4. Klasse — zum zweiten Male verliehen. Jetzt wurde der Fehler wieder gutgemacht, indem N. den Noten Adlerorden 4. Klasse erhielt.
Ein achtzigjähriger Bräutigam. Einer der bekanntesten englischen Aquarellisten Powell, Mitglied der königlichen schottischen Künstlerakademie, hat sich mit der 24 Jahre alten Tochter eines Gutsbesitzers, die er erst vor mehreren Wochen kennen gelernt hat, verheiratet. Powell ist 80 Jahre alt. Seine erste Gattin, mit der er über 25 Jahre verheiratet war, ist im Jahre 1912 gestorben.
Selbstmord aus Furcht vor der Erbliuduug. Mitt- woch nachmittag erschoß sich in München der Präsident der Münchener Künstlergenossenschaft Professor Hans v. Petersen. Der Grund Der Tat ist Furcht vor Erblindung. Petersen sollte sich in den nächsten Tagen einer Augenoperation unterziehen. Er stand im 64. Lebensjahre.
Das Radium im Müllkasten. In einer Münchener Krankenanstalt wurden 55 Milligramm Radium im Werte von rund 22 000 Mark, die in einer flehten Blechkapsel verschlossen waren, vermißt. Man benachrichtigte die Müllverwaltungsanstalt in Puchheim und dort wurde denn auch die Kapsel gefunden.
Der kinderreichste Vater von Paris und Berlin. Die Klagen über französische Kinderarmut müssen vor einer Nachricht verstummen, die aus Paris kommt. Dort wurde der Frau eines mittleren Postbeamten das ein- nndzwanzigste Kind geboren, das sich der gleichen Gesundheit erfreut wie alle seine übrigen Geschwister. Der kinderreichste Vater Berlins hat 26 Kinder! Berlin ist also um 5 Kinder voraus.
Durch das Bersten eines Petroleumleitungsrohres entstand auf dem französischen Unterseeboot „Gustave Zedä" ein Brand. Hilfe war jedoch schnell zur Stelle. Der angerichtete Materialschaden ist nicht erheblich.
Sie Eiberseider Tragödie.
Von den Zeugen, die kurz vor und nach dem Vorfall am Tatort waren, bekundete am Donnerstag die Haushälterin Nettelbecks, eine Frau Sauer, Fräulein Wilden sei vormittags 10% Uhr ins Haus gekommen und habe nach dem Assessor gefragt. Man habe sie ins Eßzimmer geführt und dann den Assessor gerufen. Fräulein Wilden habe einen ölrrchaus ruhigen, keineswegs aufgeregten Eindruck gemacht. Als die Zeugin kurze Zeit nanach nochmals an dem Zimmer vorbeikam, in dem die beiden verhandelten, vernahm sie ein Geräusch, als ob Stühle auf dem Fußboden gerutscht würden. Das fiel ihr auf, weil der Fußboden mit Teppichen belegt war. Der Assessor sei dann plötzlich leichenblaß aus dem Zimmer gekommen und sich mit beiden Händen den Leib festhaltend in die Küche gewankt. Dort habe er sich auf einen Stuhl geworfen und gerufen: Ich bin geschossen worden, laufen Sie schnell zum Arzt. Wenige Augenblicke danach sei auch Fräulein Wilden aus dem Eßzimmer gekommen, habe die Küchentür aufgerissen, dann aber gleich wieder geschlossen, und sei dann durch die Haustüre hinausgelaufen. In diesem Augenblick sei sie aufgeregt und verstört gewesen und habe den Hut im Nacken hängen gehabt.
Die Schwester Nettelbecks war am fraglichen Morgen im Hause der Eltern. Als Fräulein Wilden erschienen war, weckte sie ihren Bruder. Sie ging in ihr Zimmer, aber bald darauf hörte sie einen Schrei, eilte herunter und fand ihren Bruder bereits in kauernder Lage in der Küche vor. In der rechten Hand hielt er einen Revolver, und zwar in der Mitte gefaßt, itidjt am Griffe, festumschlossen, soöatz er ihm schwer aus der Hand zu nehmen war. Ihr Bruder sei ein gutmütiger, aber verschlossener Charakter gewesen un er habe sich wenig überfeine Verhältnisse ausgesprochen. Von seiner Liebelei
Dir zuviel würde, früge ich jetzt: Kannst Du mir nicht die zwei schönen Stücke noch Vorspielen, die ich letzthin zufällig zu hören bekam — von Fräulein Döring," fügte er ein wenig zögernd hinzu, „ich habe mir gemerkt, was es war: von Chopin, das Cis-Moll Impromptu und ein Lied, das Ave-Maria von Schubert- Liszt."
War es ein böser Geist, der plötzlich unsichtbar her- einschwebte in das vornehm-trauliche Gemach und unter die frohen Menschen? Auf Elses Gesicht erschien ein Zug, der dasselbe geradezu verunschönte, und in einem Ton, den ihre Stimme sonst ntch hatte, fragte sie:
„Wie kommt denn Fräulein Döring dazu, Dir Klavier vorzuspielen?"
Frau Roland richtete sich in ihrem Sessel ebenfalls straff auf.
„Ja, das eben möchte ich auch fragen!"
Merkwürdig scharf klang ihre Stimme.
Günther aber schien das kaum zu merken. Er lächelte und sagte ruhig:
„Auf die einfachste Art und Weise: Als ich neulich Fräulein Dörings kranken Bruder besuchte, spielte seine Schwester ihm gerade vor. Da konnte ich mir das Vergnügen nicht versagen, einige Minuten ihr Zuhörer zu fein."
Eine schwüle Pause entstand.
Else blickte die Mutter und diese die Tochter an. Das sah Günther vielleicht nicht, oder auch er fand es nicht der Beachtung wert.
„Nun, Schatz, willfährst Du meiner Bitte?" wiederholte er seine Frage. Sie warf abermals einen Blick auf die Mutter — einen langen, fragenden Blick.
Und diese zögerte nicht, zu bestimmen:
„Spiele, mein Kind! Wenn Hermann es wünscht spiele die verlangten Stücke!"
(Fortfetznug fojati