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hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Herrselder Sreisölatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werttag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 139. " Mittwoch, den 17. Juni 1914.

Bus der Heimat.

* (Die Wanderst recke Carlshafen-Her s- fe ld.) In der am 7. Juni in Oberkaufungen statt- gehabten Mitgliederversammlung des Niederhessischen Touristenvereins wurde u. a. die Fertigstellung der Wanderstreckenbezeichnung Carlshafen-Hersfeld er­wähnt. Diese 125 Klm. lange Strecke eignet sich her­vorragend zur Benutzung für eine mehrtägige Wande­rung durch Niederhessen. Sie führt zum weitaus größten Teil durch Wald. Von Carlshafen durch­schneidet sie über die Siburg, Gottsbüren, die Saba- burg und den Gahrenberg den Reinhardswald in seiner ganzen Länge von Norden nach Süden bis Münden. Von hier steigt sie aus den Kamm des Kaufungerwaldes, zieht über Steinberg, Häringsnase, Haberberg, Umschwang und Bilstein am Wirtshaus zum Pfaffenberg vorbei, um den Hirschberg herum nach Friedrichsbrück uns Lichtenau und weiter über Pentersrück nach Spangenberg. Dann ersteigt sie hinter Metzebach die Höhe des Stölzing, auf dem sie über den Ahlheimer nach Rotenburg a. F. führt, um hier die Fulda zu überschreiten. Sie geht dann weiter zurHohen Buche" hinauf und über Rohrbach und Wehneberg nach Hersfeld. Die Bezeichnung ist aus­geführt durch den Bund hessischer und waldeckischer Gebirgsvereine, dem der Niederhessische Touristen­verein angehört. An zahlreichen Stellen geben vier­eckige Holztafeln die Richtung an, die auf der oberen Hälfte die Angabe der Wanderstrecke selbst, auf der unteren die der Teilstrecke enthalten, auf der der Wanderer sich gerade befindet, letztere mit Entfernungs­angaben in Kilometern. Auf der oberen Hälfte ist außerdem das Laufzeichen angebracht, das bestehend aus einem Rechteck in weißer Farbe im übrigen den Ver­laus des Weges kennzeichnen.

(§) Hersfeld, 16. Juni. In den Monaten April und Mai d. Js. wurden beim hiesigen Standesamt 20 Ehen geschlossen. Zum Aushang gelangten 18 Auf- gcbote. Die Zahl der Geburten belief sich auf 44 und zwar 18 männlichen und 26 weiblichen Geschlechts. Hiervon entfallen auf die Stadt Hersfeld 36 und auf die Gemeinden Kalkobes und Heenes 8. Die Zahl der Sterbefälle belief sich auf 45 und zwar 27 männ­lichen Geschlechts und 18 weiblichen Geschlechts. Auf die Stadt Hersfeld entfielen 31, während im hiesigen Landkrankenhause 14 verstürben und auswärtigen Gemeinden angehören.

):( Hersfeld, 16. Juni. Bei dem gestern anläßlich des Gauturnfestes in Rotenburg stattgefundenen Wettschwimmen, an dem sich 20 Turner be­teiligten, errang Fritz Huth vom Turnverein Hersfeld mit 28 Punkten den ersten Preis. Ferner erhielten vom Turnverein Hersfeld Ernst Brack, Peter Hellwig und Karl Hälgans mit je 24 Punkten jeder einen fünften und Fritz Herwig mit 22 Punkten den siebenten Preis.

):( Hersfeld, 16. Juni. Unsere Postabonnen- ten seien daran erinnert, daß es sich empfiehlt, schon letzt beim Briefträger die Erneuerung des Abonnements für das nächste Vierteljahr vorzunehmen, damit in der Weiterzustellung vom 1. Juli ab keine Verzögerung eintritt. Die Briefträger sind zur Entgegennahme der Weiterbestellung verpflichtet; von den Postämtern werden ihnen sogar neue Bestellzettel zur Vorlegung bei den Abonnenten mitgegeben.

):( Hersfeld, 16. Juni. Das Königliche Landrats- weist dar,auf hin, daß nach den Bestimmungen Baupolrzeivrdnung die der Straße zugewandten Flachenvon massivenGebäuden verputzt fern müssen. Die Nichtbesolgung dieser Vorschrift ist tn letzter Zeit mehrfach beobachtet worden.

)Ü Hersfeld, 16. Juni. Infolge Reparaturen ist die Landstraße von Hersfeld bis zur Wald- schenke für die Zeit vom 19. bis einschließlich 30. Juni für Lastfuhrwerke gesperrt.

-s- Hersfeld, 16. Juni. Der Beamtenverein machte am vergangenen Sonntag seinen ersten dies­jährigen Familienausflug nach Kirchheim. Des heraufziehenden Gewitters wegen war die Beteiligung an der gemeinsamen Fußtour nur schwach, dagegen zeigte sich das Bild in Kirchheim ganz erfreulich. Nachdem alle Anwesenden sich an den Speisen und Getränken des Herrn Gastwirt Eydt gründlich ge­stärkt hatten, kam auch Leben in die Schar. Ganz Vewnders hob sich die Stimmung, als von den Herren ^ohrmann nnd Hahn einige flotte Walzer aufgespielt waren. Recht vergnügt und mit dem Bewußtsein, einen schönen Nachmittag verlebt zu haben, verließ die lustige Gesellschaft mit dem ulO Uhr Zug Kirchheim. am '6- Hersfeld, 16. Juni. Am Sonntag, den 14. d. A"s. veranstaltete der hiesige Militär-Anwärter- erein einen F a m t l i c n - A u s f l u g zu Fuß und zu Wagen nach Tann. Infolge des günstigen

Wetters beteiligten sich 58 Personen an demselben. In dem Lokal des Herrn Gastwirts Nußbaum war die Ermüdung der einzelnen Fußgänger durch den guten Kaffee bald überwunden. Nach Rückkehr schieden die Ausflügler hochbefriedigt von einander mit dem Wunsche einer baldigen Wiederholung solcher schönen Waldtour.

-o- Hersfeld, 16. Juni. Einen recht genußreichen Ausflug verunstaltete Herr Kommerzienrat Rechberg am Sonntag für die Mitglieder des Männer­gesangvereins der Firma A. Rechberg, der unter starker Beteiligung eine Wanderung durch die Rhön unternahm. Von Station Milseburg ans führte der Weg über die Milseburg nach der Wasserkuppe und von da nach Gersfeld. Hier wurden noch bei Gesangsvorträgen imHotel züm Adler" recht frohe Stunden verlebt, bis ,

gegen Abend die Heimfahrt de. Allen Teilnehmern wird

wieder angetreten wur der Ausflug gewiß noch lange in angenehmer Er­innerung bleiben.

-c- Mecklar, 15. Juni. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr landete hier im nahen Dnnsbacher Walde ein Luftballon. Derselbe kam von Nordosten und schlug die Richtung nach Südwesten ein. Deutlich konnte man den Ballon bei dem klaren Wetter schon von weitem erkennen. Bemerkenswert war, wie der Ballon bei dem günstigen Fluge plötzlich herunter kam. Kinder liefen ihm entgegen, doch war es eine schwierige Arbeit, bis sie auf den steilen Berg kamen. Endlich wurde der Ballon erblickt. (Silier der Insassen blies fortwährend auf einem Instrument. Als die ersten Leute nahe genug herangekommen waren, galt es zunächst den Ballon festzuhalten. In dem Korbe befanden sich vier Herren. Führer war Heinrich Wolff aus Leipzig. Die Herren Wolff, Prinz von Reuß und Prinz Schiller verließen den Ballon. Nachdem die Sandsäcke frisch gefüllt waren, stieg der vierte Herr mit dem Ballon wieder auf, während sich die drei anderen Herren mittelst Fuhrwerks nach Bebra fahren ließen. Unter den Kindern hier herrschte große Freude, denn einen solchen Luftballon hatten sie so nahe noch nicht gesehen.

Fulda, 15. Juni. Infolge Gasvergiftung nahm sich der seit ungefähr 2 Jahren hier am Horaserweg wohnende Maschinenfabrikant Karl Ebe das Leben. Er wurde am Sonnabend abend vermißt, schließlich fand man die Tür zum Badezimmer von innen ver­schlossen. Beim Betreten vernahm man einen lehr starken Gasgeruch und in der Badewanne liegend den Ge- fnditen, der nur ganz geringe Lebenszeichen von sich gab. Alle Bemühungen, ihn am Leben zu erhalten, mißglückten, denn alsbald gab er seinen Geist auf. Was den tüchtigenGeschäftsmann zu diesen verzweifelten Schritt geführt hat, ist noch in tiefes Dunkel gehüllt.

Eichenau bei Salzschlirff 14. Juni. Hier starb vor zwei Tagen der 18jährige Sohn des Bürgermeisters Klüh an einer Blutvergiftung, die sich der junge Mann wahrscheinlich mit dem Fingernagel zngezvgen. - Man ersieht hieraus, wie lercht eine Jnfizrerung stattsinden kann und welche schlimme Folgen daraus entstehen können.

Fulda, 15. Juni. Der nunmehr für den Kreis Fulda genau festgestellte Wehrbeitrag beträgt 348072 Mitt hiervon entfallen auf Fulda-Stadt 209001 und auf Fulda-Land 49071 Mk. Die beiden Höchstbesteuerten ?n Fulda-Stadt haben 47 600 bezw. 23 000 Mk. Beitrag zu leisten.

Cassel, 16. Juni. (Schwurgericht.) Das Urteil in dem Prozeß gegen den ungetreuen Staötkapen- affistenten Wdrich Hofmeister aus Eschwege konnte erst nachts um 1 4 Uhr gefällt werden. Die Ver­handlungen zogen sich bis gegen ^9 Uhr abends hin; sie drehten sich lediglich um nähere Feststellungen über die Art der schon erörterten Unterschlagungen, ihren rechtlichen Charakter, ob ste vom Angeklagten in seiner Eigenschaft als Beamter oder nur wie bet den zu Ungunsten der Ortskrankenkane 8 vorge­nommenen Veruntreuungen, «13 iirwatperioii aus­geführt worden waren. Dre zu Worte gekommenen Leumundszeugen konnten den Angeklagten nrcht be­lasten, daß er in Saus und Braus gelebt habe, war ihm nicht nachzuweisen; dennoch konnte über den Verbleib des unterschlagenen Geldes Aufklärung nicht aesckaffen werden. Die Geschworenen berieten über d ihnen vorgelegten 23 Schuldfragen bis nach 12 Uhr nachts; einiger Formfehler halber mußten sie dreimal wieder in das Beratnngszrmmer zuruckkehren, um nach vorhergegangener Unterweisung durch den Herrn Vorsitzenden diese Formalren zu erledlgcn; um 14 Uhr nachts wurde dann das Urteil gefallt, das auf 3 Jahre Gefängnis lautete. Von dieser Strafe wurden dem Angeklagten 4 Monate auf die seit dem 15. Januar verbüßte Untersuchungshaft angerechnet, sodaß der Angeklagte noch 2 Jahre und 8 Monate Gefängnis zu verbüßen hat. Der Erste Staats­

anwalt hatte 5 Jahre Gefängnis und 5 Jahre Ehr' Verlust in Antrag gebracht; das Gericht sah indessen von der Verhängung einer Ehrverluststrafe ab, um dem Angeklagten nicht die Möglichkeit zu nehmen, wieder einmal eine geordnete bürgerliche Stellung sich zu erringen.

Cassel, 15. Juni. Wegen fahrlässiger Tötung wurde heute der Bäckergeselle Albert Tyron aus Cassel zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Er hatte am 14. April den Sohn seines Meisters, eines Bäcker­meisters im Stadtteil Rothendttmold, erschossen, indem er in leichtsinniger Weise mit seinem Revolver hantierte. Durch die Kugel wurden dem 11jährigen Knaben das Zwergfell durchschlagen und die Nieren zerrissen, sodaß er nach zweitägigen furchtbaren Leiden starb. Der Staatsanwalt hatte mit Rücksicht darauf, daß jeder halbwüchsige Bursche das Bestreben habe, sich einen Revolver zu verschaffen, eine exemplarische Strafe für nötig erachtet und zwei Jahre Gefängnis beantragt.

Beckerhage«, 14. Juni. Zwei Göttinger Studen­tinnen unternehmen zurzeit eine eigenartige Weser­tour. Sie kamen gestern abend hier an, jedoch nicht mit dem Schiff, auch nicht zu Fuß oder zu wagen oder Rad oder gar mit Luftschiff, sondern schwimmend. Die Kleider werden mit der Post an den jedesmaligen Landungspunkt voransgesandt. Heute morgen sind sie von hier auf der Weser weiter nach Wahmbeck abgeschwommen.

Heiligenstadt, 15. Juni. Vergangene Nacht fand hier eine schwere Messerstecherei zwischen hiesigen und ausländischen Arbeitern statt. Der Polizeisergeant Arand wurde durch einen Lungenstich lebensgefährlich verletzt.

Rudolstadt, 15. Juni. Heute nachmittag herrschte hier ein schweres Gewitter, das mehrere Stunden anhielt. Im benachbarten Volkstedt wurde eine Frau vom Blitz getroffen und gelähmt.

Sondershausen, 15. Juni. Auf den Posten vor der hiesigen Hauptwache wurden heute früh 4 Uhr scharfe Schüsse abgegeben. Der Posten blieb unverletzt. Die Untersuchung ergab, daß die Schüsse aus dem Fenster eines benachbarten Hauses abgegeben worden waren.

Mainz, 15. Juni. Aus Anlaß des 60jährigen Be­stehens des Fußartillerieregiments Generalfeldzeug­meister (Brandenburgisches Nr. 3) fand gestern nach­mittag vor dem Kommandierenden General des 18. Armeekorps General d. Ins. v. Schenck ein Regiments­appell und eine Parade statt. Daran schloß sich dann ein Vorbeimarsch von über dreitausend ehemaligen Angehörigen des Regiments.

Eingesandt.

Der Hersfelder Darlehnskassenverein ist ein Institut, das verhältnismäßig noch wenig bekannt ist. Trotz seines stillen Wirkens bringen viele Sparer schon seit langen Jahren ihre Ersparnisse dem Verein. Dem Arbeiter- und Mittelstand ist der Darlehnskassenverein, soweit es seine Mittel erlauben, stets ein stiller Freund gewesen. Alle, die seine Hilfe in Anspruch genommen haben, wissen nichts von teurem Geld zu erzählen. Der Darlehnskassenverein richtet sich nicht nach dem jeweiligen Reichsbankdiskont, er hat sehr stabile Zins­sätze, die seit langen Jahren ziemlich unverändert geblieben sind. Der Verein pflegt nur das kleine Darlehnsgeschäft gegen Sicherheiten und Bürgschaften. Diskontverkehr und Warenhandel wird nicht ausgeübt.

Im Interesse der Mitglieder und der Sparer wird bei allem Wohlwollen für die Darlehnssucher mit aller gebotenen Vorsicht verfahren. Die Grundsätze wurden seither geübt und daran wird auch in Zukunft streng festgehalten.

Es ist für die Darlehnskasse ein gutes Zeugnis, daß sie seit ihres 30jährigen Bestehens noch keine Verluste erlitten hat nnd nur in verhältnismäßig wenigen Fällen die Bürgen hat heranziehen müssen.

Zweck dieser Zeilen ist, die Sparer von Hersseld und Umgegend auf den Darlehnskassenverein auf­merksam zu machen. Die Spargroschen, die auf der Darlehnskasse angelegt werden, kommen dem Arbeiter- und Mittelstände wieder zugute.

Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß häufig Leute Geld haben wollen, um gekaufte Grundstücke zu bezahlen, aber abgewiesen werden müssen, weil sie nach Ansicht des Vorstandes zu teuer erworben sind. In derartigen Fällen empfiehlt es sich, vor Ankauf sich mit dem Darlehnskassenverein in Verbindung zu setzen.

Der Vorstand des Hersfelder Darlehuskussenvercins.

Wetteraussichten für Mittwoch den 17. Juni.

Rteist heiter, warm, Gewitter, vorwiegend nord­östliche Winde.