Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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zogen 1.G0 Mark. Druck und Berlag von Ludwig Funks Buchdnrckerei
Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
für den Kreis Hersfeld
Wlott
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 137. Wer Matt)
Sonntag, den 14. Juni
1914.
Die amtlichen Bekanntmachungen befinden sich aus der letzten Seite.
Wichtig für jeden Stadt- und Landbewohner
ist heute mehr denn je die Kenntnis der amtlichen Verfügungen etc.
Durch ein Abonnement auf das Bersfelder Tageblatt erhält ein jeder den Amtlichen Anzeiger für den Kreis ßersfeld gratis, Man hat daher neben einer reichhaltigen Tageszeitung die Möglichkeit, ohne besondere Ausgabe sich über alle amtlichen Verfügungen, Polizeinerordnungen usw. zahlreicher Behörden informieren zu können.
Da das Bersfelder Tageblatt wöchentlich noch eine acht- leitige und eine vierseitige Unterhaltungsbeilage gratis bringt, so wird auch dieser Teil des Lesestoffs befriedigen.
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Bus der Heimat.
* (Kein Klagerecht auf Telephonan- s ch l u ß.) Gegen den Reichsfiskus kann nicht auf die Herstellung eines Fernsprechanschlusses geklagt werden — so hat das Hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg entschieden. Ein Hauseigentümer, dem auf seine Anmeldung ein schriftlicher Bescheid durch die Oberpostdirektion nicht erteilt worden war und der daraus eine Weigerung der Reichstelegraphenverwaltung auf Einrichtung der beantragten Hauptstelle annahm, wurde mit einer Klage auf Herstellung des Anschlusses abgewiesen und in die Kosten verurteilt. Aus den Gründen der Entscheidung ist folgendes von Interesse: Nach § 6 des Gesetzes über das Telegraphenwesen des Deutschen Reiches kann jeder Eigentümer eines Grundstückes gegen Erfüllung der von der Reichstelegraphenverwaltung erlassenen Bedingungen den Anschluß an die für den Ortsverkehr bestehenden Telegraphen- und Fernsprechlinien verlangen. Ein Klagerecht aber auf Herstellung der Anlage gegen den Reichsfiskus verleiht der § 6 nicht, auch nicht eine andere Vorschrift des Gesetzes. Ebensowenig gibt es sonstige reichsge- setzliche oder landesgesetzliche Normen, die einen solchen Anspruch zu stützen vermöchten,' es sei denn, daß ein Vertrag zwischen der Verwaltung und dem Privaten auf Herstellung der Anlage wirklich abgeschlossen worden ist.
* (Der Wehrbeitrag des Regierungs - bezirksCassel.) Nunmehr sind die Veranlagungen zum Wehrbeitrag im ganzen Regierungsbezirk abgeschlossen. Das Endergebnis weist den Betrag von 12 Millionen 700 000 Mk. auf, den unser Regierungsbezirk für die Zwecke der Heeresvermehrung aufzu- bringen hat.
):( HerSfeld, 13. Juni. Das n äch st e P r o m e - nadenkonzert auf dem Marktplatz findet Sonntag den 21. Juni statt.
):( Hersfeld, 13. Juni. Der Gewerbeverein hielt gestern abend in der Lullusquelle eine V e r - s a m m l u n g ab, die recht gut besucht war. Es wurde zunächst beschlossen, in diesem Jahre eine Belehrungsreise nach Eschwege zu unternehmen, um dort verschiedene gewerbliche Betriebe, wie Schuhfabrik, Stockfabrik, Zigarrenfabrik und Küferei zu besichtigen. Die Reise soll Ende Juli unternommen werden. Als Delegierter zu dem am 28. Juni in Eschwege statt- sindenden Handwerkskammertag wurde der Vorsitzende des Gewerbevereins, Herr Kupferschmiedemeister Schüßler, gewählt. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurden noch eine ganze Reihe interessanter Fragen angeschnitten und der Vorstand mit einigen Eingaben beauftragt. — Im eigenen Interesse unserer einheimischen Gewerbetreibenden wäre es zu wünschen, vag die Versammlungen des Gewerbevereins immer "och zahlreicher besucht würden. Es bietet sich bei denjelben stets Gelegenheit zu einer eingehenden Aussprache und evtl. Unterstützung bei Gesuchen an Beyorden etc., die für viele Handwerker nur von Vorteil sind.
):( Hersfeld, 13. Juni. Nach einer Bekanntmachung des Hersfelder landwirtschaftlichen Kreisvereins können landwirtschaftliche Beamte und Dienstboten, die mindestens 12 I a h r e lang bei einer Dienstherrschaft waren, durch Verleihung eines Ehrendiploms ausgezeichnet werden. Bei der Berechnung wird die Militärdienstzeit und die Zeit unverschuldeter Krankheit mit angerechnet. Die Anträge müssen bis spätestens zum 25. d. Mts. an den Vorsitzenden des Hersfelder landwirtschaftlichen Kreisvereins eingereicht werden. Die näheren Bestimmungen sind aus der Bekanntmachung im heutigen Inseratenteil zu ersehen.
):( Hersfeld, 13. Juni. Das Programm für die vom 3.-5. Juli hier stattfindende Bezirks-Aus- st e l l u n g ist wie folgt festgesetzt worden: Donnerstag, den 2. Juli von nachmittags 3 Uhr an Beginn des Auftriebes und Vorrichtens. Nachmittags 7 Uhr: Versammlung der Richter und Ordner im Festzelt. Abends ungezwungene Zusammenkunft in den Räumen der Gesellschaft „Verein". Freitag, den 3. Juli, vorm. 6 Uhr Eröffnung des Ausstellungsplatzes und Fortsetzung des Auftriebes und Vorrichtens. Vorm. 7 Uhr Beginn des Richtens. Vorm. von 8 Uhr ab Empfang am Bahnhof. Vorm. 11 Uhr offizielle Eröffnung der Ausstellung. Nachm. 2 Uhr Festessen im Festzelt. Nachm. 5 Uhr Vorführung der preisgekrönten Pferde, Rinder und Ziegen im großen Ringe. Abends 9 Uhr Festkommers in der Turnhalle des Turnvereins in Hersfeld unter Mitwirkung eines Massenchors der Hersfelder Männergesangvereine. Vortrag allgemeiner Singelieder. Sonnabend, den 4. Juli, vorm. 7 Uhr Eröffnung des Ausstellungsplatzes. Vorm. 8 Uhr Richten der Familien und Sammlungen. Vorm. 10 Uhr Generalversammlung des Vereins-Ausschusses in den Räumen der Gesellschaft „Berlin". Mittags 12 Uhr Vorführung der prämiierten Pferde, Rinder, Ziegen und Familien im großen Ringe. Nachm. IV2 Uhr gemeinschaftliches Essen im Festzelt. Nachm. 3 bis 4 Uhr Auszahlung der Geldpreise im Preisrichterzelte. Nachm.
4 Uhr Generalversammlung des Kurhessischen Ziegenzuchtvereins in den Räumen der Gesellschaft „Verein". — Turnerische Vorführungen und Turnerfpiele der beiden Hersfelder Turnvereine. Zwischendurch Kinderbelustigungen. Nachm. 5 Uhr Vorführung wie um 12 Uhr. Nachm. 6 Uhr Zusammenkunft ehemaliger landwirtschaftlicher Winterschüler des Kammerbezirks im Festzelt. Abends 8 Uhr Gesangvorträge auf dem Festplatze. Zum Schlüsse großes Feuerwerk. Nachm. und abends Konzert und Tanz auf dem Festplatz. — Sonntag, den 5. Juli, vorm. 8 Uhr Eröffnung des Ausstellungsplatzes. Vorm. 11 Uhr Vorführung. Nachm. 112 Uhr Festzug. Nach dem Festzuge turnerische Vorführungen und allgemeine Volksbelustigungen. Von 4 Uhr ab Verlosung. Konzert und Tanz auf dem Festplatz.
(ß) Oberhaun, 13. Juni. Gestern konnten dahier der Bahnwärter Nuhn und dessen Ehefrau das seltene Fest der goldenen Hochzeit begehen. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubelpaare ein Kaiserliches Geldgeschenk von 50 Mark überreicht.
Vom Knüll, 12. Juni. Das neue Liebermannsche Etablissement, das im vergangenen Jahre aus Hof Richberg im Rohbau fertig wurde, wird in aller Kurze seine Hallen öffnen,um Touristen und Naturfreunden reundliche Unterkunft zu bieten. Mehrere Familien haben bereits Zimmer als Sommerwohnung bestellt Das mit allem Komfort der Neuzeit eingerichtete Hotel hat bereits Ausnahme in vielen deutschen Reise- büchern gefunden.
Cassel, 12. Juni. Der Arbeiter Daniel W. aus Hers seid war vom dortigen Schöffengericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Gesangnis- strafe von 5 Wochen verurteilt worden. Gegen dieses Erkenntnis legte er Berufung ein. Wre in gestriger Strafkammersitzung erörtert wurde, lebt der Angeklagte, der bereits wegen vielfacher Rohheitsdelitte vorbestraft ist, mit der Familie eines Hausgenossen seit Jahren in Unfrieden, so dax! Zank und Hader an der Tagesordnung sind. Am 13. Dezember v. I. mißhandelte er einen Sohn der Familie durch heftige Schläge in das Gesicht und am Abend desselbeu Tages auch dessen Mutter, nachdem er sie zuvor aus offener Straße in ehrenrühriger Weise beleidigt hatte Er schlug die Frau zuerst mit der Faust, daß Mund und Nase bluteten und dann mit einem Stock einem gefährlichen Gegenstände Wegen der Oeffentlichkeit der Beleidigung hatte das Schöffengericht der gekränkten Frau auch Publikatwnsbefugnis zugesprochen. Nach Prüfung der Beweismomente erkannte die Strafkammer auf kostenpflichtige Verwerfung der Berufung.
Eaffel, 12. Juni. Eine verwegene Flucht aus dem Justizgebäude verübte heute vormittag ein sog. schwerer Junge. Er war mit einem Komplizen wegen eines schweren Verbrechens zu fünf Jahren Zuchthaus,
fein Genosse zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Bis zu seiner Abführung ins Gefängnis rvar er in der sichersten Zelle im zweiten Stock des Justizgebälides untergebracht worden. Der Verbrecher, der vor einigen Monaten erst eine längere Zuchthausstrafe verbüßt hatte, war bereits muß einer halben Stunde ausgebrochen. Er hatte die starken Eisenstäbe des Fensters auseinandergebogen und war dann aus dem zweiten Stock auf die Straße gesprungen. Er ist seitdem spurlos verschwunden.
Nordhansen, 12. Juni. Auf dem Rangierbahnhof des hiesigen Staatsbahnhofes geriet gestern morgen der Rangierer Lutze von Salza beim Rangieren zwischen zwei Wagenpuffer. Ihm wurde der Brustkorb eingedrückt. Nach kurzer Zeit erlag der Verunglückte, der eine Frau und vier unmündige Kinder zurückläßt, seinen schweren Verletzungen.
Neustadt (Kr. Kirchhaiu), 12. Juni. Ein hiesiger Einwohner hatte seinem Jungen einen Kinderballon, wie solche auf Märkten feilgeboten werden, geschenkt. Unbedachtsamerweise kam der Vater mit einer brennenden Zigarre dem Ballon zu nahe. Derselbe explodierte mit einem mächtigen Knall, wobei sich der Mann so schwere Verletzungen im Gesicht und an den Händen zu- zog, daß er sofort ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußte.
Eisenach, 12. Juni, Bei der Untersuchung der hiesigen „Karolinenquelle" auf Radium wurde ein günstiges Resultat erzielt. Es wurde ein Emanationsgehalt von 5,21 Macheeinheiten festgestellt.
Hann. Münden, 11. Juni. Zwei Schüler einer hiesigen Anstalt begannen in dieser eine übermütige Spielerei. Der eine von ihnen verletzte dabei seinen Kameraden mit einem Messer in den Rücken. Der Arzt stellte einen Stich in nächster Nähe der Lunge fest. Als der Leichtsinnige sah, was er angerichtet hatte, verfiel er in Krämpfe.
Frankfurt a. M., 12. Juni. Heute nachmittag wütete hier ein äußerst heftiges Gewitter von über 21/2 Stunden Dauer. Der Blitz hat vielfach eingeschlagen. In der Güntersbürg-Allee wurde ein hoher Schornstein umgeworfen. Das Unwetter war so heftig, wie es seit Jahren nicht beobachtet worden ist. Den Feldfrüchten wurde großer Schaden ««gerichtet.
Abgeordnetenhaus.
Am Freitag nahm das Haus zunächst in dritter Lesung die Beamtenbesoldüngsnovelle unverändert an und stimmte dann einer Abänderung des 8 109 des Zuständigkeitsgesetzes zu. Den als dritten Punkt zur Beratung stehenden Gesetzentwurf über die Familien-Fideikommisse begründete Justizminister Dr. Beseler. Der Entwurf bringe der alten Einrichtung eine einheitliche gesetzliche Regelung. Die Fidei- kommisse besäßen große Bedeutung für die umwohnenden kleinen Besitzer, die aus deren Versuchen lernen könnten. Das Gesetz sehe auch die Bildung von Geldfideikommissen vor. Um nicht zu große Flächen fideikommissarisch zu binden, sei eine Höchstgrenze festgesetzt worden. Das Gesetz regele die Interessen der Familie und der Allgemeinheit. Zur Bildung von Fideikommissen würde es in Zukunft der königlichen Genehmigung bedürfen. Abg. Dr. v. Gescher (fonf.) begrüßte die Neuregelung freudig. Die Einrichtung der Fideikommisse sei urdeutsch und national. Sie erhielten den Besitz und dienten somit dem Staatsgedanken. Notwendig sei aber auch die Regelung der bäuerlichen Fideikommisse. Abg. Bitta iZtr.) trat ebenfalls für den Entwurf ein. Die Festigung des Familienbesitzes sei durchaus notwendig und wünschenswert. Das meinte Abg. Dr. Lohmann lnatl.) nicht anerkennen zu können, denn diese Familien hätten keinen Anspruch auf besonderen Schutz. Die vermehrte fideikommissarische Bindung müsse aber erschwert werden. Geldfideikommisse seien ganz zu verwerfen. Abg. Dr. Schrott (freit) behielt sich für seine Freunde vor, die Frage der Höchstgrenze fideikommissarischer Bildung näher zu prüfen. Er sprach sich weiter auch für bäuerliche Fideikommisse aus. Abg. Waldstein sFortschr.) bekannte sich als Gegner des Gesetzes, das einen Ausnahmezustand zugunsten privatrechtlicher Betätigung schaffte. Die Bindung des Bodens gefährde auch die innere Kolonisation. Auch Abg. Hofer jSoz.) lehnte das Gesetz ab. Die Fideikvmmisfi.' paßten nicht mehr in das moderne Leben hinein. Der Redner verbreitete sich dann über das Denkmalsschändungsurteil, das er ein Bluturteil nannte. Dafür und für eine Beleidigung des Herrenhauses erteilte ihm der Präsident zwei Ordnungsrufe. Nächste Sitzung Sonnabend 10 Uhr. Fortsetzung. Schluß 5 Uhr.
Wetteraussichten für Sonntag den 14. Juni.
Wechselnde Bewölkung, Gewitter, warm, zeitweilig wechselnde, vorwiegend, östliche Winde.