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Wähler aus Cöln gegen 5 Personen wegen Verleum­dung klagte. Als sämtliche Angeklagten freigesprochen wurden, da ihre Schuld nicht nachweisbar war oder der 8 193 ihnen zur Seite stand, zog die Klägerin einen Re­volver und richtete ihn auf die Richter. Gerichtsdiener entrissen ihr die mit sechs Patronen geladene Waffe. Die Sicherung war bereits gelöst worden und der Schutz wäre einen Augenblick später losgegaugen. Das Mäd­chen fiel in Ohnmacht.

Suffrageltemintof in der Wesiminislerablei.

Der Thronsessel des Königs beschädigt.

Deu englischen Wahlwerbern ist nichts mehr heilig, und daß sie vor keiner Gewalttat mehr zurückschrecken, beweist folgende Meldung aus London: Donnerstag uachmitag erfolgte in der Nähe des Hochaltars der West- milister-Abtei eine Bombenexplosion. Der Thronsessel, auf dem der König gekrönt worden ist, ist beschädigt wor­den. Der sonst angerichtete Schaden läßt sich noch nicht übersehen. Die Explosion wurde im Parlamente von einigen Abgeordneten wahrgenommen, die die Sitzung verließen, um sich zu erkundigen. Sie erfolgte in zwei lauten Detonationen, die bis zur Westminsterbrücke ge­hört wurden. Die Westminsterabtei wurde von der Polizei sofort geschlossen. Wie es heißt, sind auch einige Teile des Gebäudes selbst beschädigt worden. Im Zu- sammenhang mit der Explosion in der Westminsterabtei sind zwei Fronen verhaftet worden. Das Pflaster in der Umgebung der Abtei wurde ausgerissen.

Die Regierungsmatznahmen gegen die Wahlweiber.

Im Verlaufe der Etatsberatungen verteidigte der Staatssekretär des Innern Mac Kenna die Politik der Regierung gegenüber den Anhängern des Frauenstimm- rechts. Die Regierung könne die Frauen nicht in den Gefängnissen sterben lassen. Die Frauen, die derartige Verbrechen begingen, seien bezahlte Agentinnen, und er hoffe, den Unterzeichnern der Sammlungsaufrufe den Prozeß und sie somit für allen angerichteten Schaden verantwortlich zu machen. Mac Kenna wandte sich da­bei scharf gegen die reichen Frauen, die die Ausführung von Verbrechen veranlaßten. Falls das Vorgehen die Quellen der Einnahmen der Frauen und weiblichen Kampforganisationen zerstöre, würde man das Ende der Macht der Frau Pankhurst und ihrer Freunde sehen. Im Publikum rufen die Suffragetten längst Ent­rüstung hervor und es ist für sie selbst nicht mehr ge­fahrlos, öffentlich aufzutreten. Sollte das Treiben fort- dauern, so sind Akte populärer Lynchjustiz durchaus nicht unwahrscheinlich. Als bei dem großen Ball, der Mitt­woch abend zur Feier des hundertjährigen Friedens zwischen England und Amerika stattfand, eine junge Person die Gäste in der üblichen Weise stören wollte, wurde sie nicht nur eilig hinausgeworfen, sondern von Damen in Balltoilette mit den Fächern ins Gesicht ge­schlagen. Die Damen Pankhurst halten in den letzten Tagen wieder die Polizei in Atem. Die Mutter, die in der Nähe des Buckingham-Palastes Quartier genommen hatte, wurde aus der königlichen Nachbarschaft ver­trieben, die Tochter Sylvia bei einem Krawall wieder einmal verhaftet.

Einzelheiten über das Attentat.

Das Bombenattentat der Suffragetten in der West- minsterabtei erregte in der Nachbarschaft große Aufre­gung. Als die Explosion erfolgte, befanden sich etwa hundert Personen im Innern der Abtei. Sie befürch­teten infolge der Erschütterung eine Katastrophe und drängten sich nach dem Ausgang. Die Explosion verur­sachte starke Rauch- und Staubwolken. Mörtel fiel von der Decke und den Wänden. Die Polizei war schnell zur Stelle und hielt einige Anwesende zurück, um sie vernehmen zu können. Sodann wurde das Gebäude vom Publikum geleert. Die Polizei besetzte den Aus- gang. Der historische Krönungsstuhl scheint unbeden- tend beschädigt zu sein, ebenso der sagenhafte Stein von Scone, der große Granitblock unter dem Sessel, auf dem die schottischen Könige seit Bruce gekrönt wurden. Nach dem amtlichen Polizeibericht über die Explosion in der Westminsterabtei ist der angerichtete Schaden nur ge­ring. Die Bombe selbst bestand aus einer dünnen Nickelhülse und wurde durch eine Zündschnur in Brand gesetzt. Bei dem Stuhle wurden eine Federboa, ein Fremdenführer und eine kleine schwarze seidene Tasche gefunden. Der Polizeibericht fügt hinzu, daß der Scha- den repariert werden könne. __________________

Vermischtes.

Ein grauenvoller Unglücksfall ereignete sich Don­nerstag früh am Warenhause Tietz am Alexanderplatz zu Berlin. Der 32 Jahre alte Johann Kieselbach aus Lichtenberg war damit beschäftigt, einen nach dem Königsgraben zu belegenen Lastenaufzug des Tietzschen Warenhauses zu reinigen und zu ölen. Der Fahrstuhl stand im obersten Stock und war ordnungsmäßig außer Betrieb gesetzt. K. lag auf den Schienen, in denen der Fahrstuhl hängt, und zwar so, daß sein Kopf nach der einen Seite, an der sich ein weiterer Fahrstuhl befindet, herausragte. Dieser Aufzug stand im Erdgeschoß. Wäh­rend Kteselbach noch mit seiner Arbeit beschäftigt war, wurde der im Erdgeschoß haltende Lift in Bewegung m; das schwere Balanziergewicht glitt nach unten, abei den aus dem Nachbaraufzug herausragenden Kopf des K. und trennte ihn glatt vom Rumpf, so daß er nebst diesem in die Tiefe stürzte. Das alles spielte sich in wenigen Augenblicken ab. Passanten, die das Schau­spiel von der Straße aus beobachtet hatten, eilten entsetzt von dannen: andere fielen in Ohnmacht. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht.

Ein Entschädigungsanspruch gegen einen Justiz- minister. Ein in einem Münchener Spital unterge­brachter Mann, der im Zellengefängnis in Nürnberg eine Gefängnisstrafe wegen Beleidigung zu verbüßen hatte, führte eine Verletzung am Knie darauf zurück, daß er jede Woche einmal den Plattenbelag der Zelle aufzuwaschen hatte. Als ihm 1% Jahre nach der Ent­lassung der Fuß amputiert werden mußte, stellte er einen Vorentscheidungsantrag gegen den früheren Justizmini­ster v. Miltner, weil dieser ein Begnadigungsgesuch an den Prinzregenten nicht befürwortet hatte, ferner gegen den Ministerialdirektor a. D. Baumgärtel, den Vor­stand des Gefängnisses Oberregierungsrat Michel und gegen den Gefängnisaufseher, weil dieser die gesund­heitsschädigende Vorschrift erlassen hatte, bezw. zu ihrer Einhaltung gezwungen hätte. Der Schadenersatzanspruch war auf 15 000 .^ berechnet. Die mittelfränkische Re­gierung wies den Anspruch als unbegründet zurück, ebenso nunmehr der Verwaltungsgerichtshof. Nach ärzt­licher Aussage konnte eine schädliche Einwirkung durch das Aufwaschen nicht festgestellt werden. Der Kläger war übrigens sofort nach seiner Beschwerde von der Ar­beit entbunden worden.

Rockefellers Uhr. Rockefeller, der reichste Mann auf Erden, will sich sein Geld nicht stehlen lassen. Uebel- nehmen kann man ihm das sicher nicht. Vor allem stirb es die Arbeiter auf seinen Gütern in Pocantico Hill, die sich seiner besonderen Aussicht erfreuen. Er verlangt, daß diese für jede Minute, die er ihnen bezahlt, auch ihre

Arbeit leisten. Und er ist auf einen neuen Plan ver­fallen, um dies auch durchzusetzen. Eiire Quelle steter Meinungsverschiedeuheiten war die Tatsache, daß die Uhren seiner Vorarbeiter niemals üdcrcinftimmten. Um diesem Uebelstand abzuhelfen, hat Rockefeller nun an dem Turm seines neuen Stallgebäudes eine Riesenuhr an­bringen lassen, die mit lauten Schlägen, die auf dem ganzen Gut gehört werden können, auschlägt. Damit die Uhr aber die Nachtruhe des Krösus nicht stört, wird das Schlagwerk zwischen 10 Uhr abends und 6 Uhr morgens abgestellt. Mr. Rockefeller kontrolliert häufig persöulich die Arbeiter, und die Uhr hat seine größte Zu­friedenheit erweckt, denn er erklärt,daß jede verlorene Minute verlorenes Geld bedeutet".

Vorsicht.Warum schreiben Sie nur Ihrer Braut immer mit der Schreibmaschiue?"Nur aus Vorsicht. Sie könnte ja sonst meine Briefe einem von den Merc- schen vorlegen, die den Charakter aus der Haudschrift lesen können."

Ihre Auffassung, Hausfrau:Sie nennen sich ein besseres Dienstmädchen. Ntit welchem Recht?" Dienstmädchen:Nun, ich war zivei Jahre in einer Besserungsanstalt!"

Ultimatum Griechenlands an die Türkei?

Ueber die wachsende Spannung zwischen Griecherr und Türken ließen ernste Nachrichten vor. Die Grie­chen wollen den Verfolgungen ihrer Landsleute in der Türkei nicht mehr ruhig solchen und treffen Vorberei­tungen, um die Türkei evtl. mit Waffengewalt zur Durchsetzung ihrer Wünsche zu zwingen. Der Draht meldet:

o-$= Atrien, 12. Juni. Griechenland stellte der Türkei wegen der Vertreiburig der Griechen aus türkischem Gebiete eiu Ultimatum zu. Die Aiarinereservesoldaten des Jahrganges 1908 wurden mobil gemacht. Die Er­bitterung gegen die Türkei ist ständig im Steigen be­griffen, da die Griechenverfolgungen trotz aller Verspre­chungen von offizieller türkischer Seite fortdauern. Ge­stern vormittag wurde ein Ministerrat abgehalten, der sich mit den Beziehungen zwischen der Türkei und Grie­chenland und namentlich mit den Griechenverfolgungen in Kleinasien befaßte. Man legt dieser Konferenz die allergrößte Bedeutung bei. Venizelos begab sich nakh- her zum Könige, um ihm das Ergebnis und den Be­schluß des Miuistcrrats mitzuteileu. Sodanu kvuferierte Venizelos fanaere Zeit mit dem Marineminister. Zehn Schiffe verließen gestern den Piräus, um die griechi­schen Flüchtlinge aus Kleinasien nach Griechenland, und zwar den größten Teil nach Saloniki, zu befördern.

40 000 Flüchtlinge haben bisher Kleinasien verlassen.

Venizelos über die Lage.

o-* Paris, 12. Juni. Nach hier eingetroffenen Mel­dungen aus Athen gab Ministerpräsident Venizelos ge­stern abend in der Kammer folgende bedeutsame Er­klärung ab: Die griechische Regierung ist sich bewußt, daß sie den fortwährenden Verfolgungen der Griechen in der Türkei nicht ruhig zusehen kann und daß sie sich nicht damit begnügen kann, Tränen über die Opfer zu vergießen. (Hierbei wurde Venizelos von frenetischem Beifall unterbrochen.) Ich glaube erklären zu können, daß außer den fortwährenden Verfolgungen, denen un­sere Landsleute ausgesetzt sind, kein Tag vergeht, ohne daß die Rechte Griechenlands und das internationale Recht verletzt werden." Auch diesen Worten folgte mi­nutenlanger stürmischer Beifall.

Trauer in Mecklenburg-Strelitz.

o» Der Grotzherzog von Mecklenburg-Stre» litz ist Donnerstag abend kurz nach 8 Uhr in Berlin gestorben.

Die Nachricht von dem Tode des Großherzogs Adolf Friedrich von Meckleuburg-Strelitz kommt nicht über- raschend, nachdem in den letzten Tagen in dem Befinden des erkrankten Fürsten eine Wendung zum Schlimmeren eingetreten war. Seitdem der Grotzherzog sich vor ein paar Wochen einer Operation unterziehen mußte, hat er das Krankenlager nur vorübergehend verlassen können. Seine Reise nach Berlin sollte einer wirksameren Be­handlung dienen. Die Erkrankung hat sich aber kompli­ziert, und so ist der Grotzherzog ihr im Alter von fast 66 Jahren erlegen. _ . , , , t _

Der verstorbene Grotzherzog folgte auf den Groß- Herzog Friedrich Wilhelm, der, ohne je politisch hervor­getreten zu sein, am 30. Mai 1904 im 85. Lebensjahre starb. Am 22. Juli 1848 in Strelitz geboren, wuchs er unter der Leitung seines in den letzten Lebensjahren erblindeten Vaters und seiner Mutter, der Großher- zogin-Witwe Augusta Karoline, geb. Prinzessin von Großbritannien und Irland und von Hannover, auf. Wie sein Vater nur wenig Neigung für Politik zeigte, w wurde auch der junge Erbgroßherzog fern von allen politischen Beeinflussungen erzogen. Er widmete sich der militärischen Laufbahn und avancierte in der preu­ßischen Armee zum General der Kavallerie. Am 17. April 1877 vermählte er sich mit Elisabeth Tochter des verstorbenen Herzogs Friedrich von Anhalt und seiner Gemahlin Antoinette, Prinzessin von Sachsen-Altenburg. Aus seiner Ehe sind vier Kinder hervorgegangen: Her- zoain Mari^ geboren am 8. Mai 1878 in Neustrelitz, Sei vermählt in Paris seit dem 22. Juni 1899 mt dem päpstlichen Comte Georges de Jametel und seit kurzem verlobt mit dem Prinzen Julius Ernit zur ärod®ki0M

dem VeWunaskamvf, politisch bedeutungslos ver- laMen und haNast dieselbe Entwicklung wie in Mecklen­burg-Schwerin genommen. Der Grotzherzog, der in völliger Uebereinstimmung mit dem Grotzherzog Fried­rich Franz seinem Lande eine Verfassung zu geben be- miibt ist siebt einstweilen seine Absichten noch an dem Widerstand der Ritter scheitern. Er war am-14. August 1909 bereit, zu den bereits bewilligten 2 Millwnen für Rückstände der Verwaltung noch weitere 10 Millionen der künsiiaen Staatskasse zu überweisen, wovon mm- desiens 5 Trillionen Mark für allgemeine Zwecke übrig bleiben würden Allein die Berfassungsvorlage der Re­gierung wurde abgelehnt und später von der Regierung zurückgezogen. Mecklenburg-Strelitz übernimmt der bisberiae Erbgroßherzog Adolf Friedrich, der am 17 Juni 1882 M Neustrelitz geboren wurde. In den letzten Taaen der Erkrankung seines Vaters wurde ihm bereits die Vertretung in Regierungsgeschäften über- tragen. $stg Beileid in der Presse.

Dem verstorbenen Grotzherzog von Mecklenburg- Stretttz rühmen die Blätter große Güte nach. Die Voll Zta^ hebt hervor, daß er als Bundesfürsi frei von jeder vartikularistischen Neigung war. Das ^Rerl Tagebl." erinnert an seine Bereitwilligkeit, aus seinem Privatvermögen Opfer zu bringen, wenn eine Verfassungsänderung durchgeführt werden sollte.

Im Tranerhause.

o-* Berlin, 12. Juni. Für den verstorbenen Grotz- Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Strelitz fin­det abends 6 Uhr im Sterbehause, Lützower Ufer 37, eine Trauerfeier statt, an der auch die Kaiserin teil- nehmen wird. Die Ueberführung der irdischen Hülle des Großherzogs erfolgt in kommender Stacht 12 Uhr unter militärischer Eskorte nach dem Stettiner Bahn­hof, von wo morgen vormittag 8 Uhr die Ueberführung mittels Sonderzuges nach Neustrelitz stattfindet.________

«* (leueites vom Cage.

Der Kaiser in Böhmen.

0-4= Bemschan, 12. Juni. Der deutsche Kaiser ist vormittags 9 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ctngetrvf- fen und vom Erzherzog Thronfolger, dessen Gemahlin und bcn Kindern empfangen worden. Die Begrützumt war überaus herzlich. Das Publikum bereitete dem Kaiser lebhafte Kundgebungen. Unter Salutschüssen nurrde in bereitstehenden Autos die Fahrt nach Kono- pischt angetreten.

In der Schlackenhalde verschüttet.

w= Dortmund, 12. Juni. Beim Abbau einer Halde auf der Aplerbeckhütte löste sich heute vormittag ein grm tzer Block und ritz mehrere Arbeiter in die Tiefe. Bis ^12 Uhr sollen vier Tote und ein Schwerverletzter ge­borgen worden sein. Ob noch andere Arbeiter unter dem Geröll liegen, steht noch nicht fest.

Ein ostpreußisches Dorf in Flammen.

o*o> Königsberg, 12. Juni. (B. Z.) Ein gewaltiger Brand zerstörte den größten Teil des Dorfes Lipkowitz. Zweiunddreißig Gebäude sind eingeäschert. Auch der Glockeuturm der katholischen Kirche wurde ein Raub der Flamme«.

Der Großglockner soll nicht gesperrt werden.

o-* Klagenfurt, 12. Juni. (B. Z.) Der Landesprä- fekt von Kärnten hat erklären lassen, er gedenke die Sperrung der öffentlichen Wege anf Grund des Stra- Hengesetzes zu verhindern. Die wichtigsten Verbindun­gen des Grotzglockners werden als öffentliche Wege er­klärt werden. Wie es heitzt, ist der Verkauf des Groß- glockuers tatsächlich noch nicht erfolgt.

Ballonlandnug auf französischem Boden.

0-* Paris, 12. Juni. Gestern vormittag gegen 11 Uhr ist der deutsche FreiballonKoblenz" in der Nähe von Sedan gelandet. In der Gondel befanden sich vier deutsche Herren, sämtlich aus Koblenz. Der Ballon wurde entleert und eine strenge Untersuchung vorge­nommen. Sodann wurden die Luftschifser einem eiuge- Heudeu Verhör unterzogen, woöei sie erklärten: Wir fuhren in der Nacht auf Donnerstag von Koblenz ab. Unterwegs wurden wir von einem Gewitter überrascht. Wir waren iw (Kommen in Wolken cingehüllt, und wußten nicht, daß wir die deutsche Grenze überflogen hatten. Wir glaubten uns in Belgien zu befinden. Als wir unseren Irrtum einsahen, landeten wir sofort. Nachdem die Luftschifser 180 Francs Zollgebühren hin­terlegt hatten, kehrten sie noch am selben Abend nach Deutschland zurück.

Kundgebungen des Pöbels in Neapel.

0-4= Neapel, 12. Juni. Gestern fand in Neapel die Beisetzung der bei den Streikzwischenfällcn getöteten Arbeiter statt. Dabei kam es zu schweren Ausschreitun­gen des Pöbels, der Barrikaden errichtete, diese mit Pe­troleum übergoh und anzündete. In den Hauptstraßen wurden die Läden und die elektrische Beleuchtung zer­stört und anderes Unheil augerichtet. Außer dem Bahn- Hof ist auch die Präfektur in Ancona in Brand gesteckt worden. Auf die Eifenbahnbrücke über die Arda wurde ein Anschlag verübt. Die Explosion war auf nwhrere Kilometer hörbar. Die Brücke wurde nur leicht be­schädigt. Der Polizeikvinnlissar von Piombino, Muzzt, wurde auf dem Wege zu seinem Bureau von einem Un­bekannten ermordet. Der Täter ist entkommen.

Spuren eines vermißten Kanalfliegers.

0-4= London, 12. Juni. (B. Z.) Ein Matrose des Dampfers Gunnet berichtet, daß in der Nähe des Leucht­turms von Margate die Leiche eines Mannes bemerkt wurde, die mit einem Lederanzug bekleidet war. Es handelt sich vermutlich um den seit einige« Wochen ver­mißten Flieger Hamel, der bei einem Kanalflug ver- schollen war.

Berliner Getreide- und Viehmarkt.

Auch in der Berichtswoche vom 3. bis 10. Juni gab dem Berliner Getreidemarkt die Knappheit an greif­barer Inlandsware das Gepräge. Weizen ist so teuer geworden, daß das Ausfuhrgeschäft stockt, zilmal vou Nordamerika reichlich Ware augeboten wird. Jedoch ist gleichzeitig fremder Weizen hier schwer icnterzu- bringen. Von Roggen gehen noch auf Grund alter Ab­schlüsse große Posten nach dem Auslande, während neue Exportverkäufe wegen Mangels an Material nicht statt- fairden. Auch ist das Ausfuhrgeschäft nach Rußland durch das Inkrafttreten des russischen Getreideeinfuhr­zoll-Gesetzes unterbundeu. Die Berichte über den Saa- tenstand im Julaude lauten sehr verschieden und lassen ein sicheres Urteil über das mutmaßliche Ernteergebnis nicht zu. Man glaubt namentlich bezüglich des Roggens mit einem Minderertrag gegenüber der vorjährigen Rekordernte rechnen zu müssen, hofft aber, daß bessere Qualität den Ausfall zum Teil wettmachen dürfte. Was die Terminnotieruugen angeht, so gab Weizen unter dem Einfluß der auf Grund glänzender Ernteaussichten eingetretenen Verflauung der Märkte Nordamerikas nicht unwesentlich nach, während Roggen wegen des zweifelhaften heimischen Ernteergebnisses behauptet blieb trotz des Aufhörens der Ausfuhr nach Rußland. Hafer war für den Herbsttermin nachgiebig. Auch Mais stellte sich zuletzt etwas niedriger, weil La Plata-Mais billiger zu kaufen war. Gerste war teilweise teurer, von Ruß­land war nur schwer Ware zu kaufeu. Am letzten Tage der Berichtswoche stellten sich die Preise für September, wie folgt: Weizen 198,75. Roggen Ißß, Hafer 161,50, Mais 141,25.

Lebendgewichtpreise des städtischen Viehmarktes. Ochsen: vollst., ausgemäst., höchst. Schlachtw. 49 52 ./Z, jungfl., nicht ausgem. und ältere ausgem. 4748 X mäßig genährte junge und gute geuährte ältere 40 -43 .// Bullen: ausgewachsene, höchst. Schlachtw. 4547 X voll­fleischige jüngere 39 42 X mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 3942 JL Färsen: vollst., ausgem. Färsen höchst. Schlachtw. 4547 .// Kühe: vollst., aus­gemästete höchst. Schlachtw. bis zu 7 Jahren 4445 X ältere ausgem. und wenig gut entwickelte jüngere 40 bis 42 X mäßig genährte Kühe und Färsen 34- 37 X gering genährte Kühe und Färsen, ,// Jungvieh: gering genährtes, JL Kälber: Doppellender feinster Mast 8095 X feinste Mastkälber 6669 X mittlere Mast- und beste Saugkälber 5862 X geringere Mast- und gute Saugkälber 5256 X geringe Saugkälber 41 bis 48 .//, Schafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel 4950 X ältere Masthammel, geringere Mastlämmer und gut genährte junge Schafe 4749 X mäßig genährte Hammel und Schafe 44- 46 ./z Schweine: Fettschweine über 3 Ztr.,- X vollfleischige 240-300 Psd. , X 200240 Pfd. 44 X 160200 Pfd. 4243 X unter 160 Pfund 4142 x Sauen 3840 ^ x .