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hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

Hmlelder WM Kreisblatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im anitlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 136.

Sonnabend, den 13. Juni

1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

):( Hersfeld, 12. Juni. Im Kreise Hersfeld sind zum 1. Juli d r e i f r e i e S ch u l st c l l e n zu besetzen, und zwar je eine in Niederaula, Heringen a. W. und Kemmerode.

§ Hersfeld, 12. Juni. Der offizielle Meldeschluß und auch der Schluß der Nachmeldungen zu dem an: 20. und 21. Juni in Hersfeld stattfindenden dies­jährigen Wettstreit des hessischen Athleten-Verbandes sind abgelaufen. Die stattliche Zahl von 235 Konkurrenten, die sich auf die einzelnen Körper- gewichtsklassen verteilt, hat sich zu den Wettkämpfen gemeldet.

):s Hersfeld, 12. Juni. In Lebensgefahr schwebten gestern nachmittag einige junge Damen von hier, die einen Ausflug nach Gruben unternommen hatten. Als dieselben im Garten der dortigen Wirt­schaft saßen, zog ein Gewitter herauf und gleich der erste Blitz schlug in die elektrische Leitung ein und ging an einem nur wenige Meter von den Damen entfernten Baume nieder. Außer einer einzigen leichten Verletzung kamen alle Anwesenden mit dem Schrecken davon.

):( Hersfeld, 12. Juni. An dem am Montag in Spandau an der Landesturnanstalt begonnenen Kursus fürTurnwarte und Vorturner der deutschen Turnerschaft nimmt von dem Turnverein Hersfeld der zweite Turnwart, Herr F r i tz Balsam, teil.

):( Hersfeld, 12. Juni. Der hiesige Obst- und Gartenbauverein hält am 26. und 27. ö. Mts. hier unter Leitung des Herrn Gartenbaumeisters Sonnenberg aus Witzenhausen einenObstbaukurs us ab. Die Belehrungen finden an den beiden Tagen jedesmal von nachmittags 2 Uhr ab im Hotel Stern statt, und zwar überDie Sommerbehandlung der Formobstbäume und Weinreben und Bekämpfung von Schädlingen." Die Teilnahme an dem Kursus ist unentgeltlich.

Vebra, 11. Juni. Seinen Verletzungen erlegen ist im Krankenhaus zu Hersfeld der Schlosserlehrling Rehs von hier. Er hatte noch einmal das Bewußtsein erlangt, sodaß sich die Angehörigen froher Hoffnung Hingaben. Auch konnte er dem Vater gegenüber er­klären, daß er nicht absichtlich, sondern durch Un­vorsichtigkeit sich die Schußwunde beigebracht habe.

Dorndorf, 11. Juni. Ein Arbeiter in der chemischen FabrikHeiligenrode" wurde durch Berührung der Starkstromleitung getötet.

Fritzlar. 11. Juni. Ein hoffnungsvolles junges Menschenleben ist einer Geschützexplosion gelegentlich des Böllerschießens am heutigen Fronleichnamstage zum Opfer gefallen. Eines der Böllergeschütze flog bei der Zündung auseinander, die Stücke trafen den Seminarschüler Kluge, Sohn des Rektors Kluge in Geisa und töteten den jungen Menschen. Das Böller­schießen wurde sofort eingestellt.

Friedberg (Hessen), 11. Juni. In die Krainfelder Mordaffäre scheint jetzt Licht zu kommen. Bekannt­lich sitzt der junge Hoffmann aus Salz noch in Unter­suchungshaft. Es konnte seiner Zeit der Eigentümer des Beiles nicht ermittelt werden. Jetzt ist nun dieser Eigentümer ermittelt worden, und zwar in der Person des früheren Bahnhofswirtes in Grebenhain, welchem vor etwa 4 Jahren ein Holzbeil gestohlen wurde, und der in dieser Angelegenheit Diebesanzeige gegen den Vater des Hoffmann beim Amtsgericht in Herb- stern erstattet hatte. Durch die Zeitung erfuhr die Frau des Heinrich Krämer, die in Bad Nauheim in einem Hotel bedienstet ist, daß der Eigentümer des Mord- instrumentes gesucht wird. Sie setzte sich sofort mit dem Amtsgericht in Herbstein in Verbindung und Krämer erkannte das Beil, welches am Stiel besondere Kenn­zeichen hatte, als sein Eigentum an. Dadurch ist ein neues schwerwiegendes Material gegen den Änge- schuldigten vorgefunden.

Alsfelb, 11. Juni. Die Abgeordneten Reh und Korell-Augenrod haben bei der Regierung einen An­trag über den Bahnbau Alsfeld-Scheidlache-Hersfelö- Treysa eingebracht, in dem es heißt: Die Strecke Ulsfeld-Niederaula geht ihrer Vollendung entgegen, und da wir bei unseren wiederholten Eingaben um die Vervilligung einer Verbindung von Alsfeld nach Scheid- lache oder einem andern geeignet erscheinenden Punkt der Strecke Hersfelb-Treysafftets auf diesen Zeitpunkt vertröstet würden, erlauben wir uns an die Zweite Kammer die ergebene Bitte zu richten, Großherzogl. Regierung zu ersuchen, die zur Ausführung des vor­erwähnten Bahnprojekts erforderlichen Maßnahmen

zu treffen. Die fragliche Strecke würde bei einer Länge von nur etwa 15 Kilometern, von denen ein Drittel auf hessischem und zwei Drittel auf preußischem Gebiete liegen, eine lang entbehrte Verbindung zwischen der Main-Weserbahn und der Oberhessischen Bahn her­stellen und den Weg von Alsfeld nach Kassel zum Beispiel um etwa 50 Kilometer abkürzen, sie würde eine ganze Anzahl von wohlhabenden Orten im Schwalmtal berühren und einen Lokalverkehr zu er­warten haben, der sie auf alle Fälle rentabel machte.

Marburg, 11. Juni. Am 3. April d. J. fuhr der Holzschneidemaschinenbesitzer K. von Wehrda in Be­gleitung seines Gehilfen S. von der Arbeit kommend mit seiner Maschine den Wehrdauer Weg entlang gegen abend seiner Wohnung zu. Auf der Maschine hatte außer dem elfjährigen Sohn des Besitzers noch das vierjährige Söhnchen eines in der Narbarschaft wohnenden Eisenbahnbeamten Platz genommen. Ein unglücklicher Zufall wollte es, daß der letztere gerade um diese Zeit von Marburg her kam nnd auch von seinem Söhnchen bemerkt wurde. Ohne daß die beiden Führer der Maschine darauf achteten, kletterte der Kleine ab, um seinem,Vater entgegenzuspringen und geriet dabei unter die Räder, die ihm den Kopf zer­malmten. Der mittlerweile herbeigekommene Vater war Zeuge des gräßlichen Unglücks. Nun hatte sich der Maschinenbesitzer nebst seinem Gehilfen wegen fahrlässiger Tötung vor der Strafkammer zu ver­antworten. Nach längerer Verhandlung hielt das Gericht die Schuld der Angeklagten für erwiesen und verurteilte den Besitzer der Maschine zu 2 Monaten und seinen Gehilfen zu 1 Monat Gefängnis.

Carlshafen, 10. Juni. Ueberfallen und ansge- raubt wurde vorgestern in der Nähe von Ottbergen der Kutscher derchemischen RemrgungsanstaltzuHöxter. Zwei Strolche sprangen den Pferden in die Zügel und brachten den Wagen zum Stehen. Als der Kutscher seinen Revolver zog, um sich der Kerle zu erwehren, schwang sich ein dritter Strolch auf den Bock und ent­riß ihm die Waffe. Durch zwei Schüsse aus seinem eigenen Revolver wurde der Ueberfallene unschädlich gemacht und seiner Barschaft in Höhe von 120 Mk., die er auf seiner Rundfahrt von Kunden emkassrert hatte, beraubt. Weil die Pferde mit dem Wagen durchgegangen waren, schleppte sich der Verletzte noch bis vor die Bahnhofstreppe von Ottbergen, wo er, durch den Blutverlust geschwächt, zusammenbrach. Der Bedauernswerte wurde iu das Krankenhaus gebracht, wo er schwer krank darniederliegt.

Hanau, 10. Juni. Der 17jährige Gymnasiast Anton Wolf aus Salmünster stand heute vor der Hanauer Strafkammer unter der Anklage des vier­fachen Mordversuchs. Trotz seiner Jugend huldigte der Angeklagte, der in Fulda ein Gymnasium besuchte, kostspieligen Vergnügungen und Liebschaften, machte Schulden und faßte schließlich den Vorsatz, um zu Gelde zu kommen, seine ganze Familie wegzuraumen. Am Silvesterabend drang er mit dem Revolver in die Küche und brächte seiner Mutter und feiner Tante je einen Schuß in den Kopf bei. Der Anschlag gegen seinen Bruder und seine Schwester mißglückte. Dann lief Wolf in die Kirche und benahm sich dort aunaUtg, um den Anschein eines Geists störten zu erwecken. Er hatte die Absicht, die Täterschaft auf seine Tante abzuwälzen, und hatte deshalb auch einen Bettel mit einer letztwilligen Versugung E>erwlbmi geschrieben.

her Verbandlung gab er zu, die Tat bei vollem ycrou6tfein verübt zu haben. .^ Schulden seien ihm

S^olf^ ist ihrer Verletzung vor zwei Tagen erlegen. Der ANgeklagst/ wurde daLufhin wegen Mordes in einem Fall und Mordversuchs in drei wallen zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Mainz 11 Funi. An der kriegsmäßigen Ballon- verfolgung', die vom hiesigen Verein für Luftfahrt Samstag den 13. Juni verunstaltet^ beteiligen sich 8 Flieger der Darmstadter Flugstation, 10 Frei­ballons, 10 Motorboote und eine große Anzahl,von luftschiff^Z 7" nimmt gleichfalls an dem Manöver teil.

Gotba 11 Funi. Wie verlautet, beträgt die Höhe des Wehrbeitrages für die. Herzogtümer ^burgund Gotha wenig über 2 Millionen Mark. Dochsollen in Coburg noch einige Bezirke >ausstehen. Der Herzog allein zahlt für sein Privatvermogen rund 190000 Mark.

Neustadt 10. Juni. Ein hiesiger Landwirt merkte beim Betreten seines Stalles, daß sein Rind aus dem Maule furchtbar blutete. Bei näherer Untersuchung fand er ein tiefes Loch in der Zunge, welches sich das Tier beim Fressen mittelst einer Glasscherbe zugezogen hatte. Dieser Fall mahnt wieder zur größten Vorsicht.

Caffel 11 Juni. Ein junges Mädchen aus Conne- feld bei Spangenberg wurde vorgestern abend in

schwerverletztem Zustande durch die Sanitätskolonne ins Krankenhaus zumRoten Kreuz" gebracht. Die Bedauernswerte, die 19 Jahre alte Tochter eines dortigen Landwirts, war auf dem Scheunenboden ausgerntscht und durch die Lücke auf die Scheunen- tenne gestürzt, wo sie mit mehreren Rippenbrüchen und schweren inneren Verletzungen in bewußtlosem Zustande aufgefunden wurde.

Sie innere Mission «Hh Die ZWGrnMN.

Eine der schwersten Arbeiten der Inneren Mission, die jahraus jahrein eine unendliche Geduld erfordert, ist die Arbeit an den Schwachsinnigen. Wie segens­reich diese Arbeit für die Menschheit ist, geht aus folgender Untersuchung hervor die das wissenschaftliche Forschungsinstitut in New-Jerey in Amerika ver­öffentlicht hat, das mit einer Schwachsinnigen Anstalt verbunden ist.

Im Oktober 1897 wurde ein schwachsinniges Mädchen Debvra Kallikak (es sei ausdrücklich betont, daß der Name geändert wurde um nicht eine Familie blos zu stellen) in die schwachsinnigen Anstalt ausge­nommen. Das Institut forschte dem Leben der Vor­fahren dieses Kindes nach. Die Untersuchung erwies sich als besonders schwierig, zumal man neben einer erschreckend großen Zahl von verkommenen Menschen viele gesunde, tüchtige Träger desselben Namens fand, sodaß man sich ihren Zusammenhang mit dem ersteren gar nicht erklären konnte. Doch schließlich stellte sich heraus, daß der Ur-Urgroßvater der aus guter Familie stammte, bei einem Kriegszug ein schwachsinniges Mädchen mißbraucht hatte. Die Folge dieses Ver­kehrs war ein schwachsinniger Knabe und von diesem schwachsinnigen Knabv.^ stimmten nachweislich 480 Nachkommen ab. Nur 46 dieser Abkömmlinge er­wiesen sich als normal. 143 waren ausgesprochen schwachsinnig, unter ihnen viele Prostituierte, Ver­brecher, Epileptiker, 8 besaßen schlechte Häuser, 82 starben in ganz jugendlichem Alter. Ueber die übrigen Nachkommen ließ sich nichts mit Sicherheit sagen, aber sie erwiesen sich den Forschenden als Leute, die kaum als normal bezeichnet werden konnten.

Nach Beendigung des Kriegszuges heiratete der vorhin Erwähnte ein gesundes Mädchen. Aus dieser Verbindung stammen 496 Nachkommen, von denen nur 3 sich als etwas degeneriert erwiesen. Eine schauerliche Sprache redete die Geschichte der Ab­kömmlinge des schwachsinnigen Mädchens, die mir hier nicht im einzelnen verfolgen können. Eine Un­summe von Geld mußte die menschliche Gesellschaft für die vielen minderwertigen Menschen, die an Arbeit so gut wie nichts leisteten, opfern. Welch eine Wohltat für die Menschheit und das arme Geschöpf selbst wäre es gewesen, wenn das schwachsinnige Mädchen in einer Umgebung gelebt hätte, in der es keine Gelegenheit zur Fortpflanzung gehabt hätte. Heute haben wir Gott sei Dank schwachsinnigen An­stalten, die neben vielem anderen Wertvollen auch den ungemein wichtigen sozialen Dienst leisten, Schwachsinnige die wie die Erfahrung lehrt vielfach einen starken Geschlechtstriebe besitzen und leicht der Verführung anheim fallen, vor Vererbung ihrer Krankheit zu bewahren. Der Gewinn, der da­raus der Gesellschaft erwächst, ist kaum hoch genug anzuschlagen. Die Last dieser minderwertigen Ge­schöpfe, die von einem Schwachsinnigen abstammen können, und der Aufwand von Millionen für die Nachkommen eines einzigen dieser unglücklichen Ge­schöpfe werden ihr erspart. In Deutschland gibt es über 40,000 Schwachsinnige. In Hephata bei Treysa sind 358 schwachsinnige Zöglinge, 220 Knaben und 120 Mädchen untergebracht.

Nicht nur um der Liebe willen, sondern auch aus sozialen Gründen sollte man daher die Arbeit der schwachsinnigen Anstalten tatkräftig unterstützen, da­mit sie ihr Liebeswerk zum Heil der Menschheit in immer größerem Umfange betreiben könnten.

H.

Briefkasten.

Anonymus. Die von uns gebrachte Notiz ist Kasseler Zeitungen entnommen, die doch über die dortigen Strafkammerverhandlungen unterrichtet sein dürften. Wenn Sie es aber besser wissen und Interesse an einer anderen Darstellung haben, die natürlich unbedingt der Wahrheit entsprechen muß, so können Sie ruhig Ihren Namen nennen. Uebrigens war aus der Notiz überhaupt nicht zu ersehen, daß es sich etwa um einen Beteiligten aus Hersfeld handelte, so daß wir gar keine Veranlassung hatten, die Wahrheit erst zu prüfen.

Wetteraussichten für Sonnabend den 13. Juni.

Ziemlich heiter bis auf Gewitterregen, trocken, warm, östliche Winde.