Wegen Sex vom Verurteilten begangenen ArvettSlosen« schwindeleien schwebt noch das Verfahren bei den Berliner Gerichten.
Einer der gefährlichsten Erpresser in ganz Dentsch- land wurde vom Landgericht Dresden auf zwei Jahre unschädlich gemacht. Der angebliche Handlungsgehilfe Arthur Hoyer schrieb vor einigen Wochen an den Besitzer eines großen Etablissements einen Brief worin er unter allerlei Drohungen 50 000 .^ verlangte. Der Empfänger iibcrgab den Brief sofort der Polizei, die alsbald den Schreiber festnehmen konnte. Er hatte bereits 9 Jahre 9 Monate Gefängnis verbüßt. Er hat einen Landgerichtsdirektor um 40 000 ./z erleichtert und dann zum Selbstmord getrieben. Der Erpresser wurde zu zwei Jahren Zuchthaus, neun Jahren Ehrenverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht verurteilt.
Der Generalstreik in Zkalien
hat im ganzen Lande zu blutigen Zwischenfällen ge- fithrt. Starke Strömungen unter der Arbeiterschaft machen sich jedoch dafür geltend, die Arbeit wieder aufzu- nehmen. Man hofft, daß am Donnerstag bereits die Wiederaufnahme der Arbeit von den Gewerkschaftsleitern aubefohlen werden wird. Der Eisenbahner- streik ist bisher nur partiell. Die große Majorität der Streikenden teilt nicht die Gesinnung einer kleinen Minderheit, die aus der Bewegung einen republikanisch-anarchistischen Putsch zu machen gewillt ist.
Die Regierung geht mit der schonungslosesten Energie gegen jede Ruhestörung vor. Bei den zahlreichen Zusammenstößen, die in den letzten 24 Stunden in den verschiedenen Städten zwischen den Manife- stanten und den Truppen zu verzeichnen gewesen sind, gab es vier Tote und zahlreiche Verwundete. In der Nähe der Arbeiterkammer errichteten die Streikenden drei Barrikaden aus Steinen und Sandsäcken, die von der Polizei und den zu ihrer Unterstützung herbei- gerufenen Truppen im Sturm genommen wurden. Die Polizisten wurden mit Revolverschüssen und mit einem Hagel von Pflastersteinen und Ziegeln empfangen. Die Truppen gaben, als die Manifestanten die Barrikaden nicht räumten, eine Salve ab, durch die eine ganze Anzahl der Verteidiger der Barrikaden schwer verwundet wurden. Man glaubt, daß die Barrikadenkämpfer viele Tote hatten, die sie jedoch noch wegschleppen konnten, bevor die Truppen in die Verschanzungen eindrangen.
Die Abwehr des Bürgertums.
Im ganzen Lande macht sich eine heftige Gegenbewe- gung gegen das Treiben der Streikenden bemerkbar. Die Bürgerschaft wird sich nachgerade der Gefahr bewußt, in die sie durch ihren Langmut gekommen ist. Die Geschäftsinhaber beklagen sich schwer über die Schädigung, die ihnen durch den erzwungenen Schluß ihrer Geschäfte zugefügt wird, und selbst Arbeiterkreise sind erbittert, daß man sie innerhalb dreier Monate nun schon zum zweiten Male der Streiknot aussetzt.
Vermischtes.
Ein Verbot der Trömelschen Vorträge in Danzig.
Der Exbürgermeister von Usedom, Trömel, bereist zurzeit den Osten und hält Vorträge über seine Erlebmsse in der Fremdenlegion. Als ein Besitzer eines Etablissements in Danzig die Vorträge ankündigte, bekam er ein Verbot des Danziger Polizeipräsidenten, der die Vorträge Trömels inhibierte, weil Trömel keinen Wänder- gewerbeschein besaß. Der Restaurateur legte gegen dieses Verbot Beschwerde beim Regierungspräsidenten von Danzig ein, der zwar die Begründung des Polizer- präsidenten verwarf, aber trotzdem die Trömelschen Vorträge verbot, weil es sich hier, wie durch gerichtliche Gutachten festgestellt, um einen Geisteskranken handelt, der über Vorgänge, die er in einem pathologischen Zustande erlebt hat, Vorträge halten will. Nach Sachlage der Umstände könne man von ihm nicht Vorträge erwarten, die deutschen Interessen dienlich seien.
Gerettete der „Empretz of Jreland". Die ersten Geretteten des auf dem Lorenzstrom untergegangenen Dampfers „Empretz of Jreland" kamen am Dienstag auf dem Dampfer „Corsican" im Hafen von Glasgow an. Es waren 62 Passagiere und 174 Mannschaften. Unter den geretteten Passagieren befanden sich neun Engländer. Die Canadian-Pacific-Linie hatte die Heim- sendung der Geretteten übernommen. Da die meisten von ihnen noch immer sehr erschöpst waren, wurden sie vom Hafenarzt in ihren Kabinen untersucht. Einer der Geretteten, ein Oesterretcher namens Keller, erzählte, daß er nach Oesterreich wollte, um seine alte Mutter nach seinem neuen Wohnsitz in Kanada zu holen. In der Unglücksnacht weckte ihn ein Kabinengenosse. Nach dem vergeblichen Versuch, ein Rettungsboot zu errer- chen, sprang Keller ins Wasser und trreb eine halbe Stunde lang auf dem Wasser umher, bis er von einem Boot ausgenommen wurde. Er hat sein gesamtes Geld bei der Katastrophe verloren. Eine Dame verdankte nach ihrer eigenen Erzählung ihre Rettung nur dem Umstand, daß sie eine ausgezeichnete Schwimmerin ist. Sie erzählte, daß sie einen Mann, der sich dauernd an sie klammerte, gewaltsam abgeschüttelt habe, da sie sonst zusammen mit ihm untergegangen wäre.—- Unter den Geretteten befindet sich auch ein junger Mann namens Clarqu, der die beiden größten SchiffskatastropHen der letzten Zeit erlebt hat. Er war Heizer aus der „Titanic . Seine erste Ausreise nach der „Titanie"-Katastrophe machte er wieder als Heizer auf der „Empretz of Ire- land".
Wegen umfangreicher Heiratsschwindeleien ^wurden am Mittwoch eine 64jährige Frau Krey und ihre 22 Jahre alte Tochter Jda in Berlin verhaftet. Frau Krey war nach dem Tode ihres Mannes, der Nachtwachter in einem kleinen Provinzialorte war, vor zwei Jahren mit ihrer Tochter nach Berlin gekommen. Von hier aus schrieb sie unter dem Namen eines Schulrats a. D. an eine Berliner Heiratsvermittlung. Nach diesem Brief suchte der Schulrat, nachdem er eine reiche Rentnerswitwe Krey geheiratet, für deren Tochter einen passenden Mann. Die Tochter erhalte eine Viertelmillion Mark und erbe beim Tode der Eltern noch eine Viertelmillion. Auf die Zeitungsannoncen der Vermittlung hin meldeten sich Geschäftsleute, Rentner und Offiziere in großer Zahl. Wenn diese nun in die Wohnung des angeblichen Schulrates kamen, fanden sie stets die Tochter allein zu Hause. Diese verstand es dann, die Freier wiederholt um Beträge von Hunderten von Mark zu prellen. Schließlich wurde die Polizei auf das Treiben aufmerksam und brächte Bette Frauen hinter Schloß und Riegel.
In Erprefferhände«. Eine Erpressungsaffäre erregt in Cöln großes Aufsehen. Ein früherer Beamter am dortigen Landgericht, der Akten unterschlagen hatte und mit mehreren Jahren Zuchthaus bestraft worden war, hatte sich als Privatdetektiv in Cöln niedergelassen und in Erfahrung gebracht, daß eine mehrfach geschiedene Frau nähere Beziehungen zu einem Privatdozenten unterhielt, der für die Frau im Laufe von zehn Jahren fast ein halbe Million geopfert haben soll. Der erste Gatte &g am Halts MrMlt VM diesem Verhältnis.reine
Kenntnis; als er später davon erfuhr, trat er mit Drohungen auf und erhielt darauf 100 000 ./z Dem zweiten Manne der Frau errichtete der Privatdozent eine Apotheke und dem dritten Gatten der Dame ein Hotel in Bremen, wofür er 150 000 JL aufwendete. Der Privatdozent hatte weitere große Summen geopfert, um sich der Erpresser zu erwehren. Als er schließlich weder aus noch ein wußte, vertraute er sich der Staatsanwaltschaft an. Es wurden bereits mehrere Verhaftungen vorgenommen, und weitere dürften noch bevorstehen.
Anklage« gegen Rockefeller. Welchen Umfang die Erbitterung über das Vorgehen von Rockefeller Vater und Sohn gegenüber den Streikenden in Kolorado in den Vereinigten Staaten hervorgerufen hat, davon zeugt eine interessante Debatte im Senate zn Washington. Bei der Beratung einer Ackerbauqesetznovelle, die die Errichtung von Versuchsfarmen zum Ziele hat, kam auch zur Sprache, daß für diesen Zweck vom Unterrichtsministerium überwiesene Kapitalien ans dem Rockefeller- fond verwandt werden sollten. Kaum hatte der Redner die betreffenden Worte geäußert, als weitaus die Mehrheit des Hauses ihr Mißfallen deutlich zum Ausdruck brächte. Rufe wie „Verbrecher! Mörder!" und ähnliche Verdammungsurteile über den Oelkönig erschallten. Es half auch einem Verteidiger Rockefellers nichts, daß er ihn in eine Parallele mit Alfred Nobel stellte, der ja OaU§ sein Riesenvermögen auf nicht immer zu bil- em Wege erworben, der dann aber mit Hilfe dieses Geldes die großartige Nobel-Stiftung gemacht habe, eine Stiftung, über die in aller Welt nur ein Wort des Lobes zu hören sei. Mit diesem Schachzug hatte er jedoch kein Glück. Senator Matrtne, der Vertreter New Jerseys im Senate, wies in scharfen Worten diesen Vergleich zurück und brandmarkte die Sünden und die Schuld, die die Rockefellers, besonders durch ihr jüngstes Vorgehen gegen die streikenden Arbeiter, auf sich geladen haben, in den schärfsten Worten. „Wenn der Staat dieses Geld für die Versuchsfarmen verwenden und eine Familie davon leben würde, so ernährte sich diese von einem Sündengelde," meinte er unter lautem Beifall. Dann erzählte er, wie drei Frauen aus den Streikdistrikten Kolorados zu ihm gekommen seien und herzzerreißende Geschichten von den dortigen Greueln berichtet hätten. „Wenn der Verteidiger Rockefellers und seiner Helden dieses vernommen hätten, würde er sich wohl hüten, auch nur einen Pfennig Rockefellerschen Gelbes für diese Zwecke nutzbar machen zu wollen." Schließlich gelangte der Beschluß, die Rockefellerschen Gelder zurückzuweisen und der Regierung zu untersagen, sie für diesen und ähnliche Zwecke nutzbar zu machn, mit überwältigender Mehrheit zur Annahme.
Manöverkritik. Zwei Soldaten der britischen territorialen Armee tauschen ihre Eindrücke. „Nun," fragt der erste, „sag' mal, Bill, was hältst Du denn von unserem Manöver?" Der zweite blickt den Kameraden an: „Nun," sagt er schließlich, „Gott fei Dank, daß wir eine Flotte haben."
Berliner Wirlshmsschilder.
In der Nähe eines jeden Gerichtes befinden sich Lokale, deren Inhaber auf den Besuch der vor Gericht zitierten Personen rechnen und die daher vielfach auch eine daraufbezügliche Aufschrift für ihre Wirtschaft gewählt haben. Da liest man Namen wie: „Zur Gerichtslaube", „Zum Amtsgericht", „Zur Versöhnung" usw. IN der Lindenstratze in Berlin entdeckt man auf einem in der Nähe des Gebäudes des ehemaligen Kammergerichts befindlichen Lokals die Aufschrift: „Zur letzten Instanz". Das Kammergericht ist schon längst nach seinen neuen Räumen, die auf dem Gelände des ehemaligen Botanischen Gartens errichtet worden sind, über- gesiedelt und an seiner Stelle hat das Konsistorium von dem Gebäude Besitz genommen; die Inschrift „Zur letzten Instanz" ist aber geblieben.
Die dem früheren Kammergericht gegenüberliegende Konditorei erhielt von den angehenden Jüngern der Themis, die sie in ihrer Examenangst aufzusuchen pflegten, den Namen „Angstkonditorei". Der- Inhaber wählte dann diese Bezeichnung zum Namen für die Konditorei: das Haus wurde jetzt abgebrochen und die Konditorei in ein anderes Haus der Lindenstratze verlegt, man liest an dem neuen Lokal wieder die Aufschrift „Angstkonditorei", obwohl an dieser Stelle niemals Rechtskandidaten und Referendare in Examenangst geschwitzt haben^ie ^ 6eu Gerichten ist es mit den Standesämtern. Es gibt wohl kein Standesamt in Groß-Berlin, in dessen Nähe sich nicht ein Lokal befände, das durch eine entsprechende Aufschrift die zum Standesamt gehenden oder vön dorther kommenden Paare sowie ihre Begleiter auf sich aufmerksam macht. Das geschieht gewöhnlich durch die Aufschrift „Zum ersten Ehestandsschoppen"; unmittelbar neben einem Charlottenburger Standesamt befindet sich gar ein Lokal „Zum allerersten Ehestandsschoppen". In der Nähe des Schone- berger Standesamts 2, das in dem neuen Rathause dieser Stadt untergebracht ist, liest man auf einem Lokal die Aufschrift: „Zum ersten Ehestandsschoppen" und auf einem anderen die Bezeichnung: „Zum Trau- 8eUÖS gibt freilich manche Ehepaare und Trauzeugen, die den in den Lokalinschriften an sie gerichteten AM forderungen nicht entsprechen. Das betrifft namentlich diejenigen, die in der Brautkutsche oder im Auto zu dem wichtigen standesamtlichen Akt vorfahren. In diesen Kälten ist ober dafür gesorgt, daß dem ersten Ehestandsschoppen in den in Rede stehenden Lokalen Ehre erwiesen wird. Die Lenker der bräutlichen Equipagen und Automobile machen es sich zu einer besonderen Bilickt in Vertretung der Brautpaare und der Trauzeugen den ersten A zu genehmigen.
Sie Seit des Wegenkrieges.
Mit dem Serannahen der warmen Sommermonde wird die seufzende Menschheit wieder Opfer einer Plage, die Jahr um Jahr unausrottbar wiederzukehren schesnt und «Au UmMäen feiert » «tamü taste Tempera- hex ®chu(h fxetbett tcinn♦ hie Fliegen kehren wieder, laden sich zum Mittagstifch.takt- ws zu Gäste und vergessen auch nicht, den Mittagsjchlaf bedäcktiaer Bü?aermit surrendem Summen und Lan- dunaen an Ohr und Nase ihrer Opfer zu Würzen. Allein wie^heiter der selige Wilhelm Busch auch Sie kleinen Tücken der Jlieaen besungen hat, die Angelegenheit hat auch ihre eWe Seite, und immer wieder nimmt die Wissenschaft die undankbare Pflicht auf sich, die Allge- meinbeit zu warnen und zum Kamme gegen das schem- bar M barmlose kleine Insekt aufzurufen.
In einer interessanten neuen Veröffentlichung be- der englische Hygreniker Graham-Smrth mit der Stubenfliea/und den gesundheitlichen Gefahren, die ste auf Schritt und Tritt gegen ihre geduldigen Gast- aeber dft Menschen, ausfät. Man weiß, daß es die Mae mit der Reinlichkeit nicht allzu genau nimmt und mi Behagen auf den widerlichsten Stoffen und Abfällen Mnb^stolziert, um sich dann wieder, mit den manmg- facksten Krankheitsst bedeckt, auf den Speisen nieder- 5"uf & &M 468 Mensch« erscheinen. Da-
Bei sondern sie auch Säfte aus ihren VervauungSorgane» ab, die für den Menschen nicht zu unterschätzenoe gesund. Heitliche Gefahren mit sich bringen. Die Fliegen ver> fitgen über eine Art Verdauungssack, den alle flüssigen Nährstoffe durchlaufen, ehe sie ihren Kreislauf durch den gesamten Verdauungsorganismus der Fliege antreten Wenn die Fliege nun härtere Nahrungspartikel zu sich nehmen will, pflegt sie diese zäheren Leckerbissen vorher zu erweichen. Das geschieht in der Weise, daß die Fliege aus ihrem Verdauungssack einen Tropfeu der dort an- gesammelten flüssigen Nahrung aussondert, gleichsam „erbricht".
Die mikroskopische Forschung hat nun erwiesen, daß diese Aussonderungen fast immer oder jedenfalls sehr häufig ansteckungsfähige Bazilleu und Krankheitsketme enthalten. Weitere Bazilleu sät die Fliege mit ihren Beinen und ihren Exkrementen aus, und wissenschaftliche Versuche haben gezeigt, daß die auf diese Weise in die menschlichen Wohnungen und auf die menschlichen Nahrungsmittel verpflanzten Kraukheitsstoffe wochenlang fortleben und ihre Ansteckungskraft bewahren. Und zwar hat sich gezeigt, daß auf diese Weise sowohl Typhus wie Cholera, chronische Diarrhöe, ägyptische Angeukrank- Heit, Furunkulose, Schwindsucht, Diphtherie und Pocken auf den Menschen übertragen werden können. Außerdem hat man in derartigen Absonderungen der Fliegen auch die Eier von Parasiten festgestcllt, die bei gewissen Darmkrankheiten als Ursache auftreten.
Die Schwierigkeiten, die sich einer durchgreifenden Ausrottung oder Eindämmung der Fliegenplage enh gegenstellen, sind größer, als der Laie das gewöhnlich annimmt. In Amerika und in England hat man Ver-
Ke mit einem fliegentötenden Pilz angestellt, aber die
ei erzielten Resultate haben sich als nicht zufriedenstellend erwiesen. Das beste und wirksamste Mittel gegen die Fliegen und deren Fortpflanzung bleibt einstweilen die peinlichste Reinlichkeit. An dem Tage, da die Fliegen keine in Fäulnis übergegangene organische Stoffe mehr vorfinden, in denen sie ihre Eier nteterleßen können, au jenem Tage wird das Geschlecht der Haus- fliegen ausgerottet und die Menschheit um einen lästigen Störenfried und einen tückischen Feind ärmer sein.
fuhr Reise
w neuestes vom Cage«
Großherzog Adolf Friedrich im Sterbe«.
G-h Berlin, 11. Juni. Der Zustand des Grotz- Herzogs von Mecklenburg-Strelitz ist nach wie vor sehr ernst. Im Laufe des gestrigen Tages traten bet dem hohen Kranken wiederholt Bewußtseinsstörungert ein und gegen abend mußte man erkennen, daß das Leben des Großherzogs nur noch nach Stunden zähle. Um 8 Uhr begab sich die gesamte grotzherzogliche Familie ans Sterbelager.
Schwere Folge« einer Eifersuchtstat.
»-* Berlin, 11. Juni. Der 28 Jahre alte Arbeiter Josef Plieschke verletzte heute vormittag im Hause Kö- uigsbergerstraße 26 im Verlaufe einer Eifersuchtsszene seine Braut, die 21jährige Schneiderin Agnes Prieske, durch Messerstiche so schwer, Satz sie in wenigeil Minuten starb. Die Bintter der Ermordeten erhielt Verletzungen im Gesicht. Der Täter vergiftete sich nach der Tat mit Kleesalz und wurde in hoffnungslosem Zustande nach der Charitee gebracht.
Verunglückte Autofahrt.
w. Döberitz, 11. Juni. (V. Z.) Heute morgen das Automobil des mit seiner Familie auf einer nach Hambllrg begrissenen Dr. Wtnkler aus Nauen gegen einen Chausseebaum. Die Insassen lvurden herausgeschleudert und das Fahrzeug zertrümmert. Wtnkler erlitt eilten schweren Unterschenkelbruch, der Chauffeur erhebliche Quetschungen. Die übrigen Insassen blieben unverletzt.
Ein Landesverräter vor Gericht.
Leipzig, 11. Juni. Vor dem vereinigten zweiten und dritten Strafsenat des Reichsgerichts begann heute vormittag der Spionageprozeß gegen den aus dem Militärdtenst hervorgegangenen 84 Jahre alten Pro- vinzialbureaubeamten Max Rosenfeld aus Heinrtchs- feld im Kreise Niederung, zuletzt tu Königsberg i. Pr. wohnhaft. Er wird beschuldigt, in den Jahren 1911 bis 1913 geheim zu haltende Schriften, Bücher und andere Gegenstände dem ritssischen Nachrichtenbureau ausae- liefert zu habell. Die Oeffentlichkeit wurde für die Dauer der Verhandlung ausgeschlossen.
Anklage gegen eine« Reichstagsabgeordneten.
o-* Wiesbaden, 11. Juni. (B. Z.) Gegeu den so- zialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Wendel ist jetzt nach Schluß der Session ein Verfahren wegen Ma- jestätsbeleiöiguug eingeleitet worden, der er sich im Sommer v. I. in einer Rede über das Regierungsjubi- läum des Kaisers zu Höchst am Main schuldig gemacht haben soll.
Eisenbahnunfall im Rheinland.
** Elberfeld, 11. Juni. Auf dem Bahnhöfe Bar« men-Rittershausen fuhr gestern abend 9,43 Uhr eine Rangterabteilung einem attf Gleis 4 stehenden Perso- nenznge in die Flanke. Dabei wurden die drei letztert Wagen des Personenzuges getroffen, zwei Wagen vierter Klasse wurden schwer, ein Wagen dritter Klasse und die Rangierlokomotive leichter beschädigt. Verletzt wurden zwölf Personen, darunter eine schwer, aber nicht lebensgefährlich.
Ein Ultimatum an die Aufständischen in Albanien.
w> Wien, 11. Juni. Nach einer Meldung aus Du- razzo will Fürst Wilhelm noch im Laufe des heutigen Tages den Aufständischen ein UltimatumJtellen. Darin wird diesen gedroht, daß sie in schärfster Weise bekämpft werden würden, falls sie nicht die Waffen niederlegen würden.
Schwere Unwetter in England.
O-* London, 11. Juni. (B. Z.) In den mittleren Grafschaften und in Nordengland haben gestern schwere Unwetter mit Hagelschlag gewütet. Mehrere Personen und viel Vieh wurden vom Blitz erschlagen. Die Obsternte hat stark gelitten. Die Flüsse sind über die Ufer getreten und haben weite Strecken überschwemmt.
Opfer der Hitze in Amerika.
os* London, 11. Juni. Daily News, meldet aus Neuyork: Die Städte des mittleren Westens und das Gebiet der großen Seen werden gegenwärtig von einer Hitzewelle heimgesucht, die bereits 150 Todesopfer gefordert hat. Die Temperatur war in Neuyork 32 Grad Celsius im Schatten. Hunderte von Kranken liegerr in den Spitälern. In Detroit, wo die Temperatur 33 Grad erreichte, sind 15 Personen der Hitze erlegen. In Chicago betrug die Temperatur 34 Grad, im mittleren Teil des südlichen Cansas wurden 36 Grad Schattentemperatur gezählt. Die Bevölkerung verbringt die Nächte im Freien, auf Parks und öfsentlichen Platzen.
Die Fischerkatastrophe in Re«-Brau»schweig.
oe* Montreal, 11. Juni. Das Unglück in Neu« Braunschweig ist bedeutend schwerer, als man zuerst angenommen hatte. Es steht jetzt fest, daß mindestens hundert Fischer bei dem Sturm ums Leben gekommen sind. Die Fischerboote waren von dem Wirbelwinde vollkommen überrascht worden. Der Marineminister erklärte gestern im kanadischen Parlamente, daß er den Antrag auf eine Unterstützung der Hinterbliebenen der Opfer stellen werde.