weit über 300 Hektaren. Ihr gärtnerischer Charakter wird durch die überwiegende Verwendung von Blu- men, Standen und Bäumen bestimmt. Jni eigentlichen Schloßgarten und int sogenannten Rosengarten über- wiegt der Blumenschmuck. Der Rosengarten, der vielleicht der schönste Teil der ganzen Parkanlage ist, stellt sich als ein mit Obelisken, Statuen, Vasen geziertes Parterre dar, in dem an tausend Rosenstöcke in Hunderten von Arten blühen; viele davon auf Bäumchen, die übrigen auf niedrigen Büschen und als Schling- pflanzen.
Im Schloßgarten finden sich zahlreiche lauschige Plätze, die kühlen Schatten gewähren und zum Ausruhen einladen. Die meisten sind so angeordnet, da» man von ihnen aus besonders schöne Durchblicke, sei es auf Blumen- und Baumgruppen oder auf architekto- nische und künstlerische Gegenstände, an denen die Anlagen sehr reich sind, genießen kann. In jenen Teilen der Anlagen, in denen der Baumschmuck überimegt, fällt die Verwendung zahlreicher Koniferen auf. Man kann in Konopischt geradezu von einer Koniferensamm- lung sprechen, denn neben den landläufigen Arten und ungeheuren Gruppen von silberblaugefärbten Nadelhölzern — eine Partie heißt bezeichnenderweue „der blaue Wald" — finden wir auch hier sehr seltene Gattungen vertreten. ... . „
Die Baumbestände machen naturgemäß im Herbst den buntesten Eindruck, aber auch jetzt sind sie, schon wegen der verschiedenen Schattierungen ihres Grün, in das zuweilen rote Töne hineinleuchten, von höchst malerischer Wirkung. Wieder in anderen „Teilen der Anlagen finden sich große Teiche mit einer üppigen Wasserflora. Als eine besondere Kuriosität sei schließlich noch eine „tausendjährige" Eiche, die berühmte Zizka-Erche, erwähnt, unter der nachweisbar 1420 der Hussitenfuhrer Johann Zizka aus Trocnow mehrere Todesurteile fällte. Ihr Stammesumfang mißt über zehn Meter.
Vermischtes
Stapellauf des Lloyddampfers „Zeppelin". Mtf der Werft des Bremer Vulkans in Vegesack fand am Dienstag in Gegenwart des Grafen Zeppelin, von Vertretern des Senats, der Bürgerschaft, der Handelskammer, zahlreicher geladener Gäste, darunter der Rektoren der technischen Hochschule in Stuttgart und der Universität Tübingen sowie der Mitglieder des Aufsichtsrates und Vorstandes des Norddeutschen Lloyds und der Vulkanwerft der Stapellauf eines für den Nordamerikadienst des Norddeutschen Lloyds erbauten, ca. 16 000 Brutto- registertonnen großen Passagier- und Frachtöampferv statt den Graf Zeppelin auf den Namen „Zeppelin taufte. Als Graf Zeppelin die Taufkanzel betrat, kam ein schweres Gewitter mit wolkenbrucharttgem Regen zum Ausbruch, das während der ganzen Rede anhrelt. Unter Donner und Blitz lief dann das «-chm unter dem brausenden Jubel der nach Tausenden zählenden Menge ""Mn^AM auf das Jahr 2254.
®ine eigenartige Stiftung hat der Bürgermeister der Stadt Weida, Seiferth, aus Anlaß seines 60. Geburtstages errichtet. Er überwies der städtischen Verwaltung bare 200 Mark mit der Bedingung, daß die Zinsen und Zinseszinsen bis zum Jahre 2254 aufgespart werden. Am 29 Mai 2254 sollen von den gesammelten Zinsen 70 Prozent der Gemeindekasse zur sreien Verfugung der Gemeindebehörde überwiesen werden. Die verbleibenden 30 Prozent sollen für die weitere Zukunft ein Stammkapital bilden. Dieses Stammkapital soll in gleicher Weise wie das Grundkapital verzinslich angelegt und die Zinsen möglichst nicht unter 4 Prozent dem Kapital zugeschlagen werden bis zum Jahre 2364. Alle hundert Jahre soll sich öann der gleiche Vorgang wie- verholen, wofür genaue Bestimmungen getroffen sind. Der Gemeinderat nahm in seiner letzten Sitzuna das Vermächtnis mit Dank an. Die Steuerzahler von Weida aber haben das angenehme Bewußtsein, daß durch die weitschauende Fürsorge ihres Bürgermeisters die Fi- nanzkalamität wenigstens im Jahre 2^54 em Ende haben wird, denn bis dahin haben sich die 200 Mark, nach Adam Riese, wenn nichts dazwischen kommt, was den schönen Plan zunichte macht, auf etwa 25 Millionen Mark vermehrt. Nur schade, daß wir s nicht erleben!
„Verlassen, verlassen bin i!" Die originelle und liebenswürdige Erledigung eines für die naher Beteiligten schmerzlichen Zwischenfalls fand im Spreegarten m Treptow bei Berlin beim Publikum allgemeinen Beifall. Während des Konzerts der Kapelle des Kaiser Franz-Garde-Grenadier-Reaiments Nr. 2, erfchernt
fall. Während des Konzerts der Kaper Franz-Garde-Grenadier-Regiments Nr. - . ;
plötzlich an der Brüstung des Musikpavillons Obermu- sikmeister Becker; er nimmt vor den erstaunten Gazten ein kleines, blondes Mädelchen, das sich verirrt hatte, auf den Arm und ein Pistonbläser intoniert recht wehmütig und herzergreifend des nun verstorbenen Koschat „Verlassen, verlassen bin i!" Im Nu hat man begriffen, und während die ganze Kapelle den Pistonbmfer gefühlvoll unterstützt und während unaufhörlich die Tranen über die Bäckchen der verlassenen kleinen rollen, erscheint auch schon der Vater oben im Pavillon, wo er glückstrahlend unter dem freudigen Beifall der Menge sein Kind aus den Händen des Dirigenten entgegen- nimmt.
Eine neue Erfindung zur Verhinderung von Ei- senbahnzusammenstötzen. Feilenhauer Albert Donner in Greiz hat lange Jahre an seiner Erfindung gearbeitet, und ist nunmehr mit ihr vor einem großen Kreis von Sachverständigen, der sich aus Vertretern der staatlichen, städtischen und Eisenbahnbehörden zusammen- setzte, au die Oeffentlichkeit getreten. Ueber die Einzelheiten seiner Konstruktion und ihre Wirkungen sei hier als besonders bemerkenswert folgendes mitgeteilt: Seine Erfindung stellt sich als Signalvorrichtung dar, die in jeder Lage vor Kurven, Tunnels, bei Dunkelheit und nebliger Witterung, dem Lokomotivführer die Streckensignale schon 200 Meter vorher anzeigt. So, wie sie auf der Strecke stehen, zeigen sie sich auch auf der Maschine dem Lokomotivführer. 200 Meter vor jedem Streckensignal gibt ein automatisches Glockenzeichen dem Führer das Herannahen eines Signals bekannt. Erscheint auf der Maschine ein Hauptsignal auf „Halt", so kommt der Zug ohne weiteres zum Stillstand, wobei die Tätigkeit des Lokomotivführers überhaupt ausgeschaltet ist. Ebenso wirkt die Vorrichtung bei falscher Weichenstellung, auch hier muß der Zug unbedingt anhalten. Soll die Fahrt wieder fortgesetzt werden, so genügt ein Druck des Lokomotivführers, um alle selbsttätigen Signale wieder abzustellen. Das Besondere ist nun, daß trotz der Abstellung die Signale weiter fortwirken. Die praktische Prüfung der Erfindung durch die Sachverständigen soll gute Ergebnisse geliefert haben.
Eine Prinzessin im Flugzeug über den Kanal. Längst ist die Flugmaschine über den engen Rahmen des Sports und des militärischen Dienstes hinausge-
wachsen, und immer mehr nimmt sie die Gestalt des Verkehrsmittels der Zukunft an. Bereits haben sich amerikanische Millionäre Flugzeuge angeschafft, um ihren Gästen, wenn es sie nach einer Fahrt durch die Lüfte gelüstet, ein Vergnügen zu bereiten. Klingt es nicht wie ein modernes Märchen, daß eine wirkliche Prin
zessin, die es recht eilig hat, sich ohne weitere Umschweife dem Flugapparat anverträut, um rechtzeitig einer gesellschaftlichen Veranstaltung beiwohnen zu können? Tatsächlich hat sich dieser Fall vor wenigen Tagen in der englischen Hauptstadt ereignet. Die Prinzessin Ludwig zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg war nach Paris zu einer großen Soiree geladen worden, die sie auch unbedingt zu besuchen wünschte. Ihre Reisevorbereitungen hatten sich jedoch etwas in die Länge gezogen, und es bestand die Gefahr, daß sie ihren Zug nicht mehr zur Zeit erreichen würde. Kurz entschlossen nahm die Prinzessin als eine moderne Frau zum Aeroplan ihre Zuflucht. Sie begab sich nach dem Flugplatz Hen- don und suchte dort ein Flugzeug zu mieten, das sie schnellstens auf dem Luftwege nach Frankreich brächte. Das war bald gefunden. Der bekannte englische Pilot Rowland Ding stellte sich für ein recht anständig zu nennendes Honorar der eiligen Prinzessin zur Verfügung, und so ging es denn auf die Luftreise. In weniger als zwanzig Minuten war der Aermelkanal über- flogen, wohlbehalten setzte der Flugzeugführer die Prinzessin in Havre an Land. Sie trafen dort noch so rechtzeitig ein, daß bis zur Abfahrt des Zuges nach Parts eine gute halbe Stunde verstrich. Der schneidige Entschluß der Prinzessin Löwenstein erregte natürlich in Paris allgemeine Bewunderung. Ebenso selbstverständlich aber ist es, daß das Vorbild der Prinzessin in der Londoner und Pariser Gesellschaft Schule machen wird.
Die Entrüstung gegen die Stimmrechtsweiber. Ein hervorragender Londoner Arzt sprach sich dieser Tage öffentlich dahin aus, daß vom pathologischen Standpunkte aus diese Frauen nicht ins Gefängnis gehörten, sondern in die Irrenanstalten, wo sie festgehalten werden sollten, solange es dem König gefalle. Andere hervorragende Männer des öffentlichen Lebens sprechen sich auf das entschiedenste dahin aus, daß die gewaltsame Zuführung von Nahrung unter allen Umständen aufzuhören habe. Man solle den Frauen Speise und Trank vorsetzen, sodaß sie beides stets zur Hand hätten, und wenn sie sich weigerten, Nahrung zu sich zu nehmen, so solle man die Folgen auf ihre eigenen Häupter nie- derkommen lassen. Ich habe, so sagte der Arzt, diese Meinung von Anfang an vertreten, und ich bin der festen Ueberzeugung, daß, wenn erst einmal ein halbes Dutzend von ihnen infolge ihres törichten Hungerns gestorben sein werden, die anderen sich wohl besinnen werden, bevor sie jenen folgen. Märtyrer werden damit nicht geschaffen. Das ganze Volk ist allmählich in solche Wut gegen diese Weiber versetzt, daß auch nicht das geringste Bedauern über den freiwilligen Tod von einigen' von ihnen zum Ausdruck kommen würde. Andere befürworten öffentliche Züchtigung, allein dagegen bäumt sich doch das allgemeine Gefühl auf. Daß diese Weiber geistig nicht mehr normal und gesund sind, ist klar, denn sonst müßten sie doch allmählich einsehen, daß in diesem Lande das Franenstimmrecht niemals Gesetz werden wird, ehe nicht diese Schandtaten vollständig aufgehört haben.
Die Leiden einer Afrikaexpedition. Der Ende August des vorigen Jahres von Kapitän Kelsey und seinen Begleitern unternommene Versuch, Afrika im Automobil von Kapstadt bis nach Kairo zu durchqueren, hat ein vorschnelles Ende gefunden. Am 12. April wurde Kapitän Kelsey während einer Jagöexpeüition von einem Leoparden angefallen. Die dabei erlittenen Verletzungen brachten dem Kapitän eine Blutvergiftung, die eine Fortsetzung der Expedition unmöglich machte. Kapitän Kelsey forderte daher seine Begleiter auf, ihn auf dem kürzesten Wege nach Brockenhill za bringen; unterwegs fand die Expedition in einem Dorfe einen europäischen Arzt, der eine sofortige Operation für notwendig hielt, um die Giftstoffe aus der Wunde zu entfernen. Der Kapitän starb hierbei in der Narkose. Seine Leiche wurde im Busch unter einem riesigen Felsblock beerdigt, auf dem ein Kreuz und der Name des Toten eingegraben wurden. An der Expedition beteiligte sich auch ein Vertreter des Daily Telegraph, und aus den Schilderungen, die er seinem Blatte zukommen ließ, erhält man eine Vorstellung von den Schwierigkeiten, mit denen die Expedition zu kämpfen hatte. In den ersten Tagen blieb das Auto wiederholt im Schlamm stecken. Zeitweise mangelte es der Expedition anch an Nahrungsmitteln. Häufig verirrten sich die Reisenden, wiederholt stürzte auch das Auto um. Der Mechaniker erkrankte an Malaria. Bäume mußten aus dem Wege geräumt und andere Hindernisse beseitigt werden. Selbst mit einer riesigen Kobra mußten einmal mehrere Mitglieder der Expedition kämpfen. Am unangenehmsten war die Reise durch das Gebiet der Tsetsefliege.
Rezepte einer Schönheilsdoktors.
Die Grundweisheit jeder Schönheitstvilette. die man nicht häufig genug predigen kann, ist: „Wasche dich nur mit weichem Wasser!" Gerade für den Sommer t dies von eminenter Bedeutung. Weiches Wasser ist schlechthin reines Wasser, während das harte Wasser euren zu hohen Gehalt an Kalk- und Magnesiasalzen aufweist. Um nun aber ganz sicher zu gehen, ist es das Beste wenn man zum Wcnchen nur gekochtes Master nimmt. Denn durch Kochen wird das Wasser fast immer weich. Destilliertes Wasser ist natürlich noch besser, und wenn man dem weichen bezw. destillierten Mayer des Aromas wegen noch etwas Rosenwasser zusetzt, 10 hat man ein gera-ezu ideales Waschwasser für die Teint-
"^ Sehr beliebt ist auch die Methode, dem Master ein wenia Hafermehl hinzuzufügen, was arrßerordentlrch er= bischend wirken das Gesicht von den Sonneu-
straülen schon verbrannt, so ist es am ratsamsten, einen zarten Creme anzuwenden. Am ärgsten haben Hals und Nacken unter den Sonnenstrahlen zu leiden, sie schübt man am besten durch eine leichte Puderschichr, die mit einer Quaste fein aufgetragen und mit einem Chamoisleder behutsam verrieben wird. Aber
Chamoisleder behutsam verrieben wird. Wer es ist unter allen Umständen nötig, vor dem Schlafengehen eine sorgfältige Waschung von Hals und Nacken in diesem Falle vorzunehmen. Ein schöner, gesunder und vor allem auch dauerhafter Teint wird durch kurzes Duschen mit kaltem Wasser vor dem Ai^ehen erzielt. Eine dann etwa auftretende Rote des Nackens kann mit verdünntem Zitronensaft leicht beiettigt werden.
Der ewiae Jungbrunnen aber ist das Bad, das dem ganzen Körper frischen Lebensodem einflößt. Besonders sollte nach^ körperlichen Anstrengungen, wie Tennisspiel, Rudern, Märschen, andt nach dem Tanzen usw., stets ein Bad genommen werden. Erst in zweiter Linie fällt bei den Bädern der Zusatz von L-alzen ins Gewicht, die ja in neuerer Zeit in so mannigfaltiger Fülle verwandt werden. Besonders betont fei, daß nach der Wetnuna derer, die es rotsten müssen, weit bester als alle dW aromatischen Bäder das alte Senfbad istt das ia bereits auf eine große Vergangenheit zurückschauen kannr Ein nicht geringes Hilfsmittel bei der Schön- beitstoilet e ist auch die Elektrizität, die besonders für das Haar eine Schönheitsquelle ist und.auf die Äovf- baut erfrischend und belebend wirkt. Weiterhin wird eine tägliche leichte Massage der Kopfhaut mit den Fingerspitzen, die mit etwas reinem Oel angefeuchtet
sind, selbst an den heißesten Tagen jeden Kopfschmerz bannen und dem Haare den üppigen Glanz erhalten. Nun weiß man, wie man körperliche Schönheit erringen und erhalten kann.
Las Maigiölkchen als Beträfet.
Aus der englischen Kriminalchronik.
Einen fesselnden Einblick in die Arbeitsweise der englischen Kriniinalpolizet gewährt George Sims in einem interessanten Aufsatz des „Strand Magazine" in dein er auch ein lehrreiches Beispiel dafür erzählt, mit welchen Schwierigkeiten der Detektiv oft zu kämp- fen hat und wie sehr die Aufdeckung eines Verbrechens von Kleinigkeiten abhängt.
In der Umgegend von London wurde an der Landstraße ein kleines fünfjähriges Mädchen ermordet auf- gefunden. Neben der Leiche lagen einige Backsteine, mit denen das Verbrechen verübt worden war: sonst aber fehlte es den Kriminalisten au allen Fingerzeigen, aus der Kleidung war die Persönlichkeit des ermordeten Kindes nicht festzustellen. Lange veranstaltete die Polizei Nachforschungen, aber nirgends wurde ein Kind vermißt. Es schien, als solle der Mord unaufgeklärt in die Vergessenheit sinkell. Man beauftragte schließlich den Detektiv-Sergeanten Ottway mit der Fortsetzung der Nachforschungen, die man bereits als aussichtslos ansah.
Der Beamte ging systematisch vor, wochenlang durchwanderte er die ganze Umgebung, um festzltstellen, woher das ermordete Kind frommen könnte. Er hatte endlich das Glück, eine Frau ausfindig zu machen, die in einem kleinen Landhänschen lebte und die alsbald die Kleidung des ermordeten Kindes wiedererkannte. Es war die Kleidung eines kleinen Mädchens, dessen Mutter bei jener Frau gewohnt hatte. Die Frau war mit dem Kinde fortgegangen, irgendwelche Anhalts- punkte konnte sie dem Beamten nicht geben. Die einzige Tatsache, deren sie sich erinnerte, war der Umstand, daß ihre Mieterin des öfteren auSging, um ihren „Matm" zit treffen, und daß sie stets, wenn sie dann nach Hanse fam, einen großen Bund Ätaiglöckchen mit- zubringetl pflegte. Der Detektiv kam alsbald zu dem Schlüsse, daß der Schlüssel zu dem Verbrechen nur dort gefunden werden könne, woher jene Maiglöckchen kamen.
Damals war in einem gewissen Teile von Essex die Maiglöckchenzucht eine große Industrie; die ausgedehnten Maiglöckchenkultureil lagen nicht allzu fern von der Szene des Verbrechens, und so begann der Detektiv seine Nachforschungen im „Maiglöckchenland" fortzu- setzen. Er besuchte alle Züchtereien, nirgends ergaben sich Allhaltspunkte, bis er schließlich einen Züchter fand, dessen Gärtner hin und wieder dem Kutscher einen Mai- glöckchenstraltß gegeben hatte; der Kutscher hatte gesagt, er möchte die Blumen seiner Braut bringen. Nun begann der Detektiv den Kutscher zu überwachen; Nach- sorschungen ergaben, daß er ein Witwer war und erst kürzlich wieder geheiratet hatte. Unauffällig brächte man jene Frau, bei der das ermordete Kind mit seiner Mutter logiert hatte, herbei, und sie erlangte in der neuen Frau des Kutswers sofort die Person, die seinerzeit bet ihr gewohnt hatte und mit dem kleinen Mädchen fort- gegangen war. , . ,
Die Frau wurde verhaftet, und es zeigte sich, daß sie ihr Kind ermordet hatte, weil sie fürchtete, es könne ihr bei der Heirat mit dem Kutscher int Wege sein. Sie wurde verurteilt. Die Maiglöckchen aber, die ihr Bräutigam ihr bei den Zusammenkünften mitgebracht hatte, waren so Verräter geworden und hatten dem Detektiv den Weg zur Aufklärung der Mordtat gewiesen.
e* neuestes oom Cage«
Der Kaiser in Döberitz.
w Döbcriß, 10. Juni. Der Kaiser traf heute vormittag ^8 Uhr im Automobil vom Neuen Palais kommend auf dem Truppenübungsplatz ein. Er besichtigte zunächst das Regiment Gardeducorps und das Leib- Garde-Husaren-9tegiment und übernahm darauf die Führung der Garde-Kavallerie-Division bei mehreren Gefechtsübungen gegen markierten Feind.
Verschlimmerung im Befinde» des Großherzogs.
»-»> Nenstrelitz, io. Juni. Der heute vormittag veröffentlichte offizielle Krankheitsbericht über das Befinden des Großherzogs lautet: In dem Befinden Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs macht sich jetzt große Schwäche geltend, sodaß der Zustand sehr bedenklich ist.
Unwetter in der Reichshauptstadt.
** Berlin, 10. Juni. Ein schweres Gewitter mit wolkenbrucharttgem Regen ging gestern abend über Berlin nieder. Die gewaltigen Regenmassen verursachten eine gewaltige Verkehrsstörung und überschwemmten vielfach die Keller. Der Blitz schlug zweimal in Straßenbahnwagen ein, doch wurde keiner der Insassen verletzt.
Verhängnisvolles Spiel mit einer Patrone.
»-»> Brannschweig, 10. Juni. (B. Z.) Im Dorfe Wendezelle spielten Knaben mit einer alten Patrone. Ein achtjähriger Knabe schlug mit einem Stein darauf, wobei die Patrone explodierte und einer der Knaben eine schwere Verletzung im Gesicht erlitt. Der Anstifter des Unglücks lief nach Hause und brächte sich mit einem scharfen Spargelmesser eine schwere Wunde am Halse bei.
Im Streite erschossen.
** Erfnrt, 10. Juni. Der 17 Jahre alte Porzellanarbeiter Kurt Müller aus Kahla feuerte in den Bahnhofsanlagen zu Orlamünde im Verlaufe eines Streites auf den 18jährigen Martin Burckhardt aus Naschhausen einen Revolverschutz ab und verletzte ihn schwer. Der Verletzte starb kurz nach der Tat, der Täter wurde verhaftet.
Das Kabinett Ribot und das Dreijahrsgesetz.
Paris, 10. Juni. Von den Mitgliedern des neuen Kabinetts haben sich neun für und zwei gegen die dreijährige Dienstzeit ausgesprochen. Ribot hat dem Präsidenten die neuen Männer heute mittag 'vorgestellt.
Generalstreik in Italien.
»e* Rom, 10. Juni. In Nord- und Mittelitalien ist der Generalstreik proklamiert worden. Die Hauptstadt ist militärisch besetzt; fast alle Läden sind geschlossen. In Venedig kam es zu Demonstrationen, wobei ein Polizist schwer verwundet wurde. Mehrere Streikende werden in dem Augenblick verhaftet, als sie Sabotageakte vornehmen wollten. Der Bahnhof von Prato wurde von den Manifestanten geplündert und mußte durch Militär geräumt werden. Bet Bergamo stellten sich Frauen auf die Eisenbahnschienen und verhinderten die Einfahrt eines Zuges. Aus vielen Städten werden Protestkundgebungen gemeldet.
Bei der Landung in Amerika verhaftet.
w> Nenyork, 10. Juni. Bei der Ankunft des Lloud- damvfers „Kronprinz^ wurden auf Veranlassung der Duisburger Staatsanwaltschaft die Defraudanten Dessen und Jansen verhaftet, die Wechselschwindeleien in Höhe von 50 000 Mark zum Schaden der Rheinifcheri Bank in Mülheim a. Ruhr begangen hatten. In ihrem Besitze wurden noch 10000 Mark gefunden.