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Unsere Wehrmacht.

B Millionen Soldaten im Feld. 100 000 Mann

Besatzung auf Deck.

Das verzweifelte Ringen der Franzosen um die zwei- oder dreijährige Dienstzeit entspringt der For­derung der französischen Heerführer, für den Kriegs­fall ein Massenaufgebot herbelfuhren zu können, das der Stärke des deutschen Heeres mit seinen gesamten Re­serven entspricht. Viele Franzosen sagen ueh, daß dies in anbetracht der Bewohnerzahl der beiden Lander auf die Dauer doch nicht möglich ist, weil Deutschland schon jetzt für mindestens 30 000 Taugliche keinen Platz in den Kasernen hat. In diesem Augenblicke des fran­zösischen Streites, auf den die Augen aller europäischen Mächte gerichtet sind, erscheint ein Werk des deutschen Feldmarschalls Colmar v. ö. Goltz, das gewis,ermaßen das politisch-militärische Glaubensbekenntnis des er­fahrenen und federgewandten Generals enthalt.

Unter anderen höchst interessanten Dingen erfah­ren wir aus den Berechnungen des Feldmarschalls, daß Deutschland nach voller Durchführung des neuen Heeres­gesetzes nicht weniger als 6 Millionen ausgebildete Sol­daten ins Feld stellen kann. Das seien zwischen 9 und 10 v. H. der Volkszahl, und damit sei die Krönung der ganzen Entwicklung unseres Heereswesens aus den letz­ter! hundert Jahren herbeigeführt, denn wir stehen wie­der auf der Höhe der Zeit. Auch in der Entwicklung unserer Kriegsflotte habe Deutschland nach englischem Borbilde eine Richtung einschlagen müssen, die eine ganz neue Grundlage für unsere Seemacht schuf. Ein drittes glottengesetz bringe unsere Streitkräfte nach seiner nrchführung auf 41 Schlachtschiffe, 20 Schlachtkreuzer, 40 kleine Kreuzer und zahlreiche Torpedo- und Unter­seeboote mit rund 100 000 Mann Besatzung. Dies be­deutet eine Stärke, von der wir uns noch vor wenigen Jahrzehnten nichts haben träumen lassen.

General v. d. Goltz führt aus, daß sich die Begriffe in Bezug auf eine Gesamtanstrengung einer Nation völlig umgewandelt haben. Noch vor wenigen Jahren glaubte der bei weitem größte Teil des deutschen Volkes darin schon das äußerste Maß erreicht zu haben. Die Vorgänge von 1912 und 1913 aber belehrten uns eines Besseren. Als Preußen vor hundert Jahren zur Zeit der höchsten Not an 6 v. H. seiner Bevölkerung unter Waffen gerufen hatte, glaubte man, daß ein Mehr un­möglich sei. Erst kürzlich aber erlebten wir es, daß Griechenland und die neu aufstrebenden südslawischen Völker nicht rveniger als 10, 13, ja 15 v. H. der Gesamt- bevölkerung dem Heere zuführten. Ueberall entwickeln sich Volksheere, die mit Massen arbeiten. Das alte Ideal der Truppe auf dem Schlachtfelöe, nämlich die wie auf dem Paradeplatz mit klingendem Spiel, und fliegenden Fahnen vorrückenden geschlossenen Linien" ist geschwunden und wird ersetzt durch das neue Ideal des aufgelösten Schützenschwarmes, in dem jeder Ein­zelne, das Gewehr in der Faust, trotz Kugelregen und Geländeschwierigkeiten sich unaufhaltsam vorwärts ar­beitet, mit dem festen Vorsatz im Herzen, in die feind­liche Stellung einzudringen, sollte dies auch nur ihm allein beschieden sein. , ,

Es erfordert ungleich höhere Eigenschaften als jenes. Ungeahnte Fortschritte sind, zumal in der Bewaffnung, im Verkehrs- und Nachrichtenwesen gemacht worden. Die Eroberung der Luft ist hinzugetreten. Die Gesamt- anstrengungen im Militärstaate haben sich außerordent­lich erhöht. Wenn ehedem der Feldherr am Abend seine Anordnungen erlassen und abgesandt hatte, so trat im Hauptquartier Ruhe ein, bis am Morgen oder im Laufe des folgenden Tages die znrückkehrenöen Offiziere über den Stand der Dinge bei der Armee Bericht erstatteten. Jetzt ist er in der Lage, viertelstündlich Neues von dort zu hören, aber sogleich auch wieder antworten zu können. Die geistige Anspannung ist eine viel größere, und schnellerer Entschluß als früher ist notwendig.

An die Ausbildung der Truppen sind vergrößerte Anforderungen herangetreten. Was das Ende des 19. Jahrhunderts hierin angebahnt bat, vollendet sich gegen­wärtig. Der Burenkrieg in Südafrika, der Mandschu­rische Krieg zwischen Rußland und Japan, der Aufstand in Siidwestafrika, haben Erscheinungen gezeitigt, die uns im Jahre 1870/71 noch fremd waren. Nicht bloß die physischen Kräfte und die Moral sind durch die Er­ziehung zu steigern, sondern auch die Sinne, der kriege­rische Instinkt, die Intelligenz, das Urteil, Verschlagen­heit, List und Umsicht müssen mit Bewußtsein frühzeitg geschärft werden. Bisher wurde nur die Brauchbarkeit der geführten Truppen erstrebt, jetzt muß auch die führer­lose noch verwendbar und tüchtig sein. Der einzelne Soldat ist gewissermaßen zur taktischen Einheit gewor­den, mit der auch die höhere Führung zu rechnen hat. Das steht im Gegensatze zum Anwachsen der Heeres­massen'.

Ob die gleiche Anspannung wie in der Gegenwart fortdauern kann, ob gar noch eine Steigerung möglich sein wird, das hält auch Herr v. d. Goltz für eine schwer

Die rechte Wahl.

Roman von H e l e n e M e r k e l.

2) (Nachdruck verboten.)

Endlich raffte Magdalene sich auf, zu sagen:

Wir müssen uns natürlich genaue Kenntnis über Franzens gegenwärtigen Zustand verschaffen! Ich glaube, am sichersten erhalten wir sie, wenn ich gleich selbst zu ihm nach D. reise. Mit seinem Auftreten in diesem Winterhalbjahr wird es ja wohl kaum wieder etwas werden, und wir können uns nur gleich auf die nächste Spielzeit vertrösten! Damit Franz bis zu dieser aber auch wirklich hergestellt ist, wird er der besten Pflege bedürfen, Pflege, wie er sie nur daheim bei uns finden kann. Meinst Du das nicht auch, Mutter?"

versetzte diese mit trauriger Stimme, und die Tochter fuhr fort:

F Franz infolge des gehabten Blut- AI^E um die Bahnfahrt auszuhalten: glücklicherweise eine bequeme und keine allzu-

aberS *" "^ Augenblicke, dann begann sie

. "Einen Brief, der Franz von unserer Absicht und speziell von meinem Kommen unterrichtet, müssen wir natürlich an ihn Ichreiben. Er wird ohnedies sehnsüchtig auf einige Zeilen von uns warten! Darum gleich heute abend noch werde ich dieselben aufsetzen, indessen Du mein armes Mütterchen, am besten zu Bett gehst und ^unvergessen stichst"^ toenWten8 bis morgen im Schlafe

Weit genug allerdings war, wie die beiden Frauen sich bald nachher überzeugten, der Zeiger auf der leise tickenden Wanduhr vorgerückt: trotzdem bedurfte es noch serMNM Zeit und wiederholter Bitten Magdalenes,

zu entscheidende Frage. Das deutsche Volk hat jeden­falls im Opferjahre 1913 bewiesen, daß es sich dem Wett- kampfe aller großen Nationen der Erde nicht entzieht.

Die inaktiven preußischen Skaalsminisler.

Durch den Tod des ehemaligen Landwirtschafts- ministers Freiherrn von Hammerstein - Loxten ist die Zahl der inaktiven preußischen Staatsminister von 10 auf 15 herabgesunken. Diese 15 inaktiven preußischen Staatsminister sind, dein Dienstalter nach geordnet, fol­gende Dr. Freiherr Lucius von Ballhausen, Dr. von Schönstedt, Dr. Graf von Posadowsky-Wehner, Fürst Scholz, Dr. Freiherr von Berlepsch, von Heyden, Dr. Grad von Zedlitz und Trützschler, von Köller, Dr. von Bülow, Dr. von Studt, Dr. Freiherr von Rhein- baben, von Poübielski, von Möller, von Arnim und von Moltke.

Das Ministerpatent des Freiherrn Luxius von Ballhausen trügt das Datum des 13. Juli 1879, er ist also der Senior der inaktiven Staatsminister dem Dienstalter nach, und Herr von Moltke, der am 24. Juni 1907 zum Minister ernannt wurde, ist in dieser Be­ziehung der jüngste von ihnen. Dem Lebensalter nach steht aber der ehemalige Justizminister Dr. von Schön- steöt an der Spitze der inaktiven Staatsminister, da er am 6. Januar 1833 geboren wurde, also 81 Jahre alt ist. Herr von Moltke ist auch dem Lebensalter nach am 1. Mai 1852 geboren, also 62 Jahre alt der jüngste inaktive preußische Staatsminister.

Eine Stelle für sich nimmt der frühere Staatssekre­tär des Reichsschatzamtes Dr. Freiherr von Thielmann ein, der während seiner amtlichen Wirksamkeit dem preußischen Staatsministerium nicht angehörte, aber am 20. August 1903 bei seinem Ausscheiden aus bem Reichs- dienst den Rang und Charakter eines Staatsministers erhielt.

Politische Rundschau.

Kaiser Wilhelm an den Fürsten von Albanien. Der Hofmarschall des Fürsten Wilhelm von Albanien, von Trotha, der kürzlich in Berlin weilte, wurde vorn Kaiser in besonderer Audienz empfangen. Er hat im Auftrage seines Landesherrn um militärische Unterstützung ge­beten. DerNationalzeitung" zufolge soll das Ergebnis der Unterredung gewesen sein, daß der Kaiser das bal­dige Erscheinen eines deutschen Kreuzers vor Durazzo zugesagt und dem Fürsten Wilhelm derr Rat erteilt hat, nunmehr auf seinem Platze weiter auszuharren, komme was da wolle.

Die Regierung in Meckleuburg-Strelitz. In einem Allerhöchsten Erlaß beauftragte der Großherzog, der be­kanntlich in der Klinik des Professors Bier in Berlin an einer schweren Krampfaderentzündung öarnieöer- liegt, den Erbgrotzherzog mit seiner Stellvertretung in den laufenden Regierungsgeschäften.

Oesterreichs Urteil über Großadmiral von Tirpitz. Aus Anlaß des bevorstehenden Besuchs Kaiser Wilhelms in Konopischt, der diesmal vom Staatssekretär des Reichsmarineamtes von Tirpitz begleitet sein wird, ge­denkt die WienerReichspost" in anerkennenden Wor­ten der Bedeutung des Großadmirals von Tirpitz für die Schaffung und Organisierung der deutschen Flotten Wenn Deutschland heute Seegewalt besitzt, so dankt es sie in allererster Linie seinem Kaiser und seinem Großadmiral von Tirpitz. In Oesterreich aber freut man sich aufrichtig, daß der Kaiser gerade von dem gro­ßen Flottenorganisator begleitet ist, wenn er diesmal nach Konopischt fährt. Oesterreich steht am Wendepunkt seiner Flottenpolitik. Niemand hat der Kriegsmarine, wenn sie sich jetzt kräftig zu entwickeln vermag, wärmere Förderung zuteil werden lassen, als ihr Admiral, der Erzherzog Thronfolger Franz Ferdinand, der unserer Seewehr soviele neue Impulse gegeben hat. Unter dem fürstlichen Dache zu Konopischt wird der große Orga­nisator der deutschen Flotte ein lieber, hochgeschätzter Gast sein, dessen Werk ganz Oesterreich zu ehren weiß."

Das neue französische Kabinett. Dem Senator Ribot ist es gelungen, ein Kabinett zusammenzubringen. Nach den vorläufigen Meldungen setzt sich sein Ministerium folgendermaßen zusammen: Ministerpräsident und Ju­stiz: Ribot, Auswärtiges: L6on Bourgeois, Inneres: Peytral, Krieg: DelcaM, Marine: Chautemps, Finan­zen: Clämentel, Landwirtschaft: Dariac, Oeffentliche Arbeiten: Jean Dupuy, Handel: Reville, Unterricht: Dessoye, Arbeiter- und soziale Fürsorge: Abel. In der ministeriellen Erklärung, die Ribot seinen Mitarbeitern vorlegte, wird bemerkt, daß das Dreijahrsgesetz erst vor einem halben Jahre angenommen sei, daß seine Anwen­dung kaum begonnen habe und daß sich in den Umstän­den, die zu seiner Annahme geführt hätten, nichts ge­ändert habe, daß daher das Gesetz nicht zur Diskussion gestellt werden könne.

Die griechisch-türkische Spannung. Die der griechi­schen Regierung nahestehende ZeitungEthros" erklärt, daß die griechische Regierung in Konstantinopel nicht

ehe die verjammerte Mutter sich endlich anschickte, ihre Lagerstätte aufzusuchen.

Auf dem Tisch war das Abendbrot unberührt stehen geblieben,- geräuschlos räumte Magdalene es ab und be­gann, an den Bruder zu schreiben.

Nach Verlauf einer halben Stunde war der Brief fertig. Sie steckte ihn unten auf der finstern, menschen­leeren Straße in den Postkasten: dann setzte sie sich oben nochmals an den Tisch und stützte den müden Kopf in die Hand.

Es war eine schöne, wohlgepflegte Hand, auf die der trübe Lampenschimmer fiel; sie paßte gut zu dem feinen Oval von des Mädchens Gesicht und ihrem aschblonden, hinten zu einem Knoten verschlungenen Haar.

Obwohl Magdalene die erste Jugend hinter sich hatte sie zählte siebenundzwanzig Jahre war sie doch noch eine jeden anmutende Erscheinung. Ihre blassen Züge entbehrten selbst jetzt mit bem bekümmer­ten, sorgenvollen Ausdruck eines eigentümlich fesselnden Reizes nicht.

Nun saß sie einsam da und an ihrer Seele zogen die Bilder des vergangenen Lebens vorüber.

Magdalenes Vater, ein Theaterkapellmeister, hatte mit der Mutter keiu glückliches, einträchtliches Leben ge­führt. Von Veränderungssucht und stetem Wandertrieb geleitet, war er mit den Seinen bald hierhin, bald dort­hin gezogen, mit der Sorge um ihr Wohl es oftmals nicht allzugenau nehmend. Immer und immer wieder war die Mutter gezwungen gewesen, von ihrem elter­lichen Erbteil herzugeben. Um die gemeinsame Existenz aufrechtzuerhalten, hatte sie es schließlich ganz heraus­geben müssen. Dadurch aber waren die Familieuver- Hältnisse noch haltloser und zerrissener geworben. Mag­dalene stand es noch deutlich vor Augen, wie die Mutter manchmal ganze Nächte dagesessen und geweint hatte, weil der Vater am Spieltisch oder in anderer nicht ein- wandfttzier Gesellschaft verweilte. Später hatte er an-

meyr protestieren, sondern die Entwicklung der Ding« noch kurze Zeit ansehcu und baun selbst Abhilfe schaffen werde. Privatnachrichten aus Athen melden, daß dir Türken auf ihren Festungswerken bei den Dardanellen neue, größere Geschütze aufstellen und Truppen kon­zentrieren.

Kleine nachrlditeii

Verhaftung eines Deutsche» in Paris. Die Pariser Sicherheitspolizei verhaftete auf dem Bahnhof St. La- zare einen Deutschen, der seit langer Zeit wegen Hoch­stapelei und Falschspiels von der deutschen, französi­schen, englischen, österreichischen und italienischen Poli­zei gesucht wird. Es handelt sich um einen gewissen Wilhelm Peter Preutz, der am 30. Juli 1887 in Cöln geboren ist. Preutz lebte meistens unter dem Namen eines Herrn von Klein in Paris, wo zahlreiche Personen seinen Gaunertricks zum Opfer fielen.

In die Fremdenlegion verschleppt. Der 17 Jahre alte Klempner August Sander aus Linden (Ruhr), der seit Mitte April vermißt wurde, ist von Werbern in die französische Fremdenlegion verschleppt worden. Der junge Mann richtete jetzt an seinen Vater einen Brief, in dem er mitteilt, daß er beim 2. Regiment in Saida (Algerien) eingestellt worden sei. Wie er nach Frank­reich gekommen sei, wisse er nicht. Er habe sich eines Morgens in einer Kaserne in Nancy befunden. Sander bittet seinen Vater um Beistand.

Tödlicher Unfall im Volksbad. Auf eigentümliche Weise kam eine 20jährige ledige Arbeiterin in einem städtischen Volksbad zu Fürth ums Leben. Sie hatte bei Benutzung des elektrischen Heitzluft-Haartrockenappa- rates den Bajonettverschluß des Apparates auseinan­dergenommen, wahrscheinlich, um die Trockenprozedur zu beschleunigen. Dabei erlitt das Mädchen einen elek­trischen Schlag, fiel mit dem Kopf in die mit Wasser ge­füllte Wanne und ertrank. M W

Wildererdrama in Posen. Auf dem Rittergut Pu- stanin bei Waldungen stieß der Förster Hackbarth aus die Wilderer Schmidt und Höppner. Es entspann sich ein Kampf, bei dem ein Wilderer erschossen und bet Förster schwer verletzt wurde.

9000 Brieftauben verbrannt. Auf der französischer, Station Noyon geriet am Montag ein Güterzug, der 80 000 Brieftauben beförderte, in Brand. Ein Bremser und 9000 Brieftauben verbrannten die übrigen Tiere konnten mit Mühe in Sicherheit gebracht werden. Man nimmt an, daß der Bremser selbst durch Unvorsichtigkeit das in den Güterwagen befindliche Stroh in Brand gesetzt hat.

Eine Suffragette zerstörte mit drei Beilhieben in der städtischen Kunstgalerie von Birmingham ein gro­ßes Gemälde. Der Wert des Gemäldes wird auf 50 001 Mark geschätzt. Die Suffragette wurde verhaftet. In London geht die Polizei jetzt energisch gegen die Suf­fragetten vor.

Herkomers Hinterlassenschaft. Nach der amtlichen Feststellung der englischen Erbschaftsbehörden beträgt die Hinterlassenschaft Hubert von Herkomers 826 000 .// Der Maler, der bekanntlich Ende März dieses Jahres starb, hat seinen drei Kindern je 20 000 ^ ausgesetzt, während der Rest seines Vermögens seiner Witwe zu- fällt.

Das Wrack derEmpretz of Jreland". Ein Taucher hat mit der Untersuchung des Wracks derEmpretz os Jreland", das 18 Faden tief liegt, begonnen. Er war eine Stunde unten. Die im Schiffe befindlichen Leichen sollen geborgen, einbalsamiert und behufs Identifizie­rung nach Quebec gebracht werden.

Die Gölten von konopischt.

Ein Märcheuschloß in Böhmen.

Erzherzog Franz Ferdinand, der Thronfolger vor Oesterreich-Ungarn, der jetzt den Besuch des deutscher Kaisers auf seinem böhmischen Schloß Konopischt erwar­tet, hat sich schon von Jugend an für die Botanik inter­essiert. Praktisch hat er sich aber mit der Pflanzenzucht und dem Gartenbau erst beschäftigt, nachdem er 1887 das verwahrloste Schloß Konopischt bei Beneschau von bei fürstlichen Familie Lobkowitz käuflich erwarb. Die das Schloß umgebenden Gründe boten damals ebenfalls keir schönes Bild, denn, von einzelnen gut beforsteten Par­tien abgesehen, hatten sie seit langem aller Pflege ent­behrt. In erstaunlich kurzer Zeit änderte der neue Be sitzer diese Verhältnisse. Er ließ das Schloß, so wirst brN. G. C." aus Wien geschrieben, gründlich er­neuern und schmückte es mit auserlesenen Kunstwerken in der Umgebung des Schlosses aber schuf er prächtige Parkanlagen, die eine europäische Berühmtheit gewor­den sind.

Kaiser Wilhelm II. hätte keinen günstigeren Zeit­punkt zum Besuche von Konopischt wählen können, oeup jetzt stehen die Gärten dort in üppiger Blütenpracht Aus dem sanften jungen Grün leuchten die Btumcr vielfarbig hervor und verleihen den Anlagen einen zau­berischen R:iz. Diese Anlagen bedecken eine Fläche von

gefangen zu kränkeln, und als Magdalene eben ihr Musikstudium und Franz, der Bruder, seine Schulzeit beendet hatten, war er gestorben. Der Mutter war wiederum die Sorge zugefallen, wie man das Leben bei Hinterbliebenen am zweckmäßigsten gestalte. Frau? hatte Schauspieler werden wollen, aber nach all den schmerzlichen Erfahrungen, die sich für die Mutter an das Theater knüpften, hatte sie mit größter Entschieden­heit gegen diese Absicht protestiert. So war Franz zurr kaufmännischen Beruf übergegangen, aber er hatte in diesem nicht gutgetan. Die Klagen über ihn hatten sich förmlich überhäuft: einen tollen Streich nach dem andern hatte er verübt. Schließlich war er eines Tages davon- gegangen und hatte sich einer reisenden Schauspieler­truppe angeschlossen. Da war das Elend aber erst recht fertig gewesen, und die Mutter, wohl wissend, wie un­endlich schwierig für den Schauspieler ohne Ausbildung das Hinaufarbeiten ist, hatte sich endlich zu dem Opfer entschlossen, Franz ein Jahr lang regelrechten drama­tischen Unterricht erteilen zu lassen. Nun machte er ihnen weniger Sorge, er zeigte Talent und fand auch Anerkennung. Aber das leichte Blut des Vaters rollte in seinen Adern. Schon seit längerer Zeit hatten Mutter und Tochter die beängstigende Wahrnehmung gemacht, daß Franz in seinem hochfliegenden Streben zu erlahmen schien: sie wußten, daß er täglich umgehen war von den Gefahren und Verlockungen des Theater­lebens und dennoch als sie heute die Nachricht von seiner schweren, plötzlichen Erkrankung erhielten, be hatte sie's beide getroffen bis in die tiefste Seele.

Die arme Mutter! Jetzt gerade hätte sie ein wenig ruhiger und glücklicher leben können, denn Magdalenc verdiente schönes Geld mit dem Stundengeben, und zu­dem hatte ihnen eine vor Jahresfrist verstorbene Tante eine kleine, jährliche Rente ausgesetzt. Doch ihr Leben war nun einmal Kampf und sollte wohl auch Kauw! bleiben. .tMMetzung folgt-).