Hers selber Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1,50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Wllier
für den Kreis Hersfeld
MIott
Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage"
Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 134.
Donnerstag, den 11. Juni
1914.
Bus der Heimat«
* (B e förderungvonObstaufderEisen- b a h n.) Durch einen Erlaß des preußischen Eisenbahnministers vorn 10. April d. I. wird die Erwartung ausgesprochen, daß die Königlichen Eisenbahndirektionen der beschleunigten Beförderung von Obst ihr besonderes Augenmerk zuwenden und für Aufstellung und Bekanntmachung geeigneter Beförderungspläne nach Benehmen mit den hauptsächlich in Frage kommenden Obstbauvereinen sorgen werden. Wegen der Versorgung der Obstversender mit geeigneten Güterwagen hat das Eisenbahn-Zentralamt besonderen Auftrag erhalten. In dem Erlaß an diese Behörden heißt es: „Ich lege Wert darauf, daß in Preußen der Obstbeförderung jede irgend zulässige Erleichterung zuteil wird und beauftrage das Königliche Eisenbahn-Zentralamt, nach Benehmen mit den Verwaltungen des Staatsbahnwagenverbandes und erforderlichenfalls unter Hinzuziehung geeigneterObstbauvereine, namentlich der Rheinprovinz, die Grundsätze der Wagen- gestellung für Obst nachzuprüfen. Die von manchen Seiten angeregte Beschaffung von Spezialwagen für die Obstbeförderung kommt natürlich nicht in Frage. Doch lassen sich die Wünsche der Obstversender vielleicht durch gleichmäßigere Versorgung mit Wagen vorhandener Gattungen oder durch geringe Aenderungen der Bauart der Güterwagen befriedigen.
* Der Verein ehem. 13. Husaren Mainz und Umgegend begeht am 20. und 21. Juni ds. Js. das Fest seiner Standartenweihe. Mit dieser Feier ist aufWunschdesKommandeurs des Husarenregiments König Humbert von Italien (1. Kurh.) Nr. 13 ein Generalappell der ehem. Angehörigen des Regiments verbunden, der am 21. Juni er. vormittags 10 Uhr, im großen Saale des Restaurants Kötherhof statt- findet. Nachmittags ist Festzug, Weihe der Standarte, abends, sowie am Vorabend Konzert der Regimentskapelle. Der Kommandeur mit den Offizieren des Regiments und viele ehem. Angehörige haben bereits ihr Erscheinen zugesagt. Alle ehem. 13. Husaren, die sich an der Feier bezw. an dem Appell beteiligen wollen, werden gebeten sich schriftlich unter Angabe des Namens, der Dienstjahre und Eskadron bei dem Vorsitzenden des Vereins ehem. 13. Husaren Gg. Manns, Mainz, Fischtorplatz 11 zu melden, der zu jeder weiteren Mitteilung gerne bereit ist.
):( Hersfeld, 10. Juni. Dem heutigen V i eh - markt waren 103 Stück Rindvieh und 144 Schweine aufgetrieben. Trotz der zurückgegangenen Preise war der Handel sehr flau.
):( Hersfeld, 10. Juni. Gestern abend wurde hier ein auswärtiger Scherenschleifer in Haft ge - n o m m e n, weil er im Verdacht stand, in einem Hause der unteren Frauenstraße eine Taschenuhr gestohlen zu haben. Da dem Manne jedoch nichts belastendes nachzuweisen war, wurde er wieder entlassen. Der Vorgang hatte einen großen Menschenauflauf verursacht. — Ein weiterer Uhrendiebstahl ereignete sich in einem hiesigen Betriebe. Hier konnte jedoch der Täter alsbald in der Person eines jugendlichen Arbeiters ermittelt werden, der die Uhr einem Arbeiter entwendet hatte.
):( Hersfeld, 10. Juni. Anläßlich des am Sonntag, den 21. Juni in Sorga stattfindendenKreiskrieger- Verbandsfestes werden auf Veranlassung des Vorsitzenden des Kreisausschusses auf der Hersfelder Kreisbahn vier Sonderzüge nach und von Sorga aus verkehren. Durch diese allgemein zu begrüßende Einrichtung wird es den Festteilnehmern aus allen Gegenden des Kreises ermöglicht, bequem den Festort zu erreichen. Die einzelnen Fahrzeiten sind aus dem in der heutigen Nummer abgedruckten Fahrplan zu ersehen.
-n- Heringen a. W.. 9. Juni. (Bundes sänger- festdesSängerbundes„Werrata I".) Unserem Bericht über das Bundessängerfest in Heringen ist noch folgendes nachzutragen: Nachdem der Festzug auf dem Festplatze angekommen war, erscholl das Be- grüßungslieö „Gott grüße Dich!" durch den fest- gebenöen Verein Heringen. Hierauf hielt der Bundesvorsitzende Ries-Heringen eine launige Begrüßungsansprache. Sodann betrat der Dirigent des Heringer Gesangvereins, Lehrer Wehn es, das Podium, um in einer markigen Rede die Entwickelung des Vereins zu zeigen und unserem Landesherrn als Pfleger und Beschützer des deutschen Gesanges zu feiern. Der Redner schloß mit einem begeistert aufgenommenen Kaiserhoch. Nunmehr überreichte mit einer kurzen Ansprache der Vorsitzende des Club „Eintracht- Heringen einen Fahnennagel. Der weitere Verlauf des Festes war, wie bereits gemeldet, ein schöner und erhebender.
Breitenbach a. Herzberge, 8. Juni. Zu den schönsten
Burgen unseres Hessenlandes gehört unstreitbar der Herzberg, gerade da gelegen, wo sich das waldreiche Knüllgebirge mit seinen herrlichen Wäldern, Tälern und Aussichtspunkten und der gewaltige Basaltkegel, der Vogelsberg, die Hände reichen. Also scharf auf der Grenze des ehemaligen Kurfürstentums Hessen und Oberhessens liegt die Burg, die von alten Zeiten her eine bedeutende Rolle als Grenzfestung spielte. So mancher Kaufmann, der ehemals vom Rheinland auf der Straße durch „die kurzen Hessen" zur Messe nach Leipzig fuhr, hat ehrfurchtsvoll auf die stolze Gebieterin der ganzen Gegend emporgeschaut. Wie oft hat in schweren Kriegszeiten die heimgesuchte Bevölkerung der umliegenden Ortschaften hinter den gewaltigen Mauern, die noch heute Staunen und Bewunderung erregen, Schutz gefuuden. Vergeblich haben Tillys Scharen im 30jährigen Kriege die stolze Feste einzunehmen versucht. Im 7jährigen Kriege wurde dann durch eine Feuersbrunst ein großer Teil der Gebäude eingeäschert, die aber teilweise wieder herge- richtet wurden. Zu diesem Ort, reich an geschichtlichen Ereignissen, mit einer wundervollen Aussicht (Thüringen, Rhön,Vogelsgebirge, Kellerwald usw.) wandern jährlich Tausende von Touristen aus nah und fern. Um den Besuchern des Herzberges den Aufenthalt noch angenehmer zu gestalten, hat der Knüllklub durch die Sektion Herzberg auch in diesem Jahre für nächsten Sonntag ein Burgenfest mit Militärmusik verunstaltet. Der rege Besuch des letzte« Burgenfestes — ungefähr 1000Besucher — hat deutlich gezeigt, welches Interesse die Bevölkerung dieser Veranstaltung ent- gegenbringt.
Cassel. 9. Juni. Die Einweihung der Edertal- sperre soll, wie nach der „Cass. Allg. Ztg." bestimmt verlautet, Mitte August d. J. im Beisein des Kaisers, der um diese Zeit auf Schloß Wilhelmshöhe weile« wird, erfolgen. Die Arbeiten an der Sperrmauer sind so weit gediehen, daß der vorgenannte Zeitpunkt der Einweihung jedenfalls eingehalten werden fa'-n.
Cassel, 8. Juni. Am 11. Juni begeht einer der verdientesten Schulmänner Preußens, der Oberregierungsrat und Direktor des Kgl. Provinzial- schulkollegiums in Cassel Dr. Robert Paehler, das Fest seines 50jährigen Dienstjubiläums.
Waldkappel, 8. Juni. Der siebenjährige Zunge des Schuhmachers Möller beschäftigte sich heute nachmittag mit Holzspalten. Dabei traf er unglücklicherweise mit dem Aextchen seinen linken Daumen und hieb das Endglied ab. Ein Mitglied der hiesigen Sanitätskolonne legte einen Notverband an.
Oberkaufungen, 8. Juni. Ein schwerer Trauerfall hat eine hiesige Familie betroffen. Der Holzarbeiter Schönewolf im Waltersche« Sägewerk beschäftigt, hatte am vergangenen Freitag das Unglück, daß ihm beim Sägen ein Stück Holz vor den Leib flog, (vdaß er alsbald in seine nahe gelegene Wohnung geschafft werden mußte. In der Nacht zum Sonntag verschlimmerte sich der Zustand derart, daß gegen Morgen der Tod eintrat.
Wächtersbach, 9. Juni. Der verheiratete Arbeiter Karl Höhn wurde im Basaltsteinbruch von der Transmissionswelle erfaßt und auf der Stelle getötet.
Gießen, 9. Juni. Die Untersuchung wegen des angeblichen Bombenattentates gegen den Lehrer Stern- back bat eraeben. daß es sich wohl mehr um einen schlecht?« Scherz handelt. Es ist lediglich ein kleines Stück Glasrohr mit Pulver zur Anwendung gebracht worden. Eine Beschädigung war nirgends fesizustellen.
Offenbach, 9. Juni. Nach Hinterlassung beträchtlicher Schulden ist der Gemeindearzt Dr. Karl Roth verschwunden.
Hanau, 8. Juni. Eine verwegene Flucht vollführte in der verflossenen Nacht aus dem hiesigen Landgerichtsgefängnis der im Jahre 1889 geborene Monteur Otto Kreß aus Fulda, der am 27. Mai d. Js. von der hiesigen Strafkammer wegen Diebsiahls zu 2' 2 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Kreß öffnete mit einem Dietrich leine Zellentur und kletterte dann vom Dach des dritten Stockwerkes aus am Blitzableiter herunter. Wie er zu einem Dietrich gesommert ist, weiß man noch nicht. Man vermutet, daß er sich ihn selbst aus einem Stuck Eisen, das er sich heimlich zu beschaffen wußte, hergestellt hat. Kreß ist ein berüchtigter Fahrraddieb, der besonders rn den letzten Jahren zahlreiche Fahrraddiebstähle in Hanau, Aichaffenburg, Fulda und Frankfurt a. M. ausgeführt hat und dem noch weitere Aburteilungen bevorstanden. Man hat bis jetzt von dem Flüchtigen noch keine Spur.
Schwarzfeld (Südharz), 8. Juni. Das etwa 3- jährige Söhnchen des Schmiedemeisters Gehrig machte sich an einem auf der Diele stehenden Fleischhackklotz zu schaffen. Der Klotz stürzte um, und der Kleine
wurde von dem schweren Holzblocke zerschmettert. Ein Beiu wurde ihm glatt abgeschlagen; außerdem wurde die Schädeldecke zertrümmert. Der Dringe starb kurz darauf.
Haiger, 8. Juni. Hier stellte mau an einem in der Kantine an der Dilleuburgerstraßc plötzlich verstorbenen Eisenbahnarbeiter durch die ärztliche Obduktion Alkoholvergiftung fest. Der Mann, aus dem Kreise Jserlohn stammend, hatte seinen 40. Geburtstag gefeiert und dabei dem Alkohol etwas reichlich zugesprochen.
Gießen, 8. Juni. Als Brandstifter hat sich ein 15jähriger Junge eutpuppt, der wiederholt in Gängen und Hausfluren Feuer anzündete und dadurch eine Scheune einäscherte. Er hat eingestanden, daß er etwa 10 Brandstiftungen verursachte.
Fellingshausen, 7. Juui. Am Mittwoch geriet auf Grube Eleonora in Bieber der Bergmann Heinrich Wagner aus Fellingshausen auf bis jetzt unaufgeklärte Weise unter den Förderkorb, wobei ihm beide Beine und Arme gebrochen wurden. Auf Anordnung des sofort herbeigeholten Arztes wurde der Verunglückte in einem Auto in die Klinik nach Gießen gebracht, wo er heute morgen gegen 10 Uhr seinen qualvollen Leiden erlag.
Hann. Münden, 7. Juni. Der zweite Teil des Bebraer Eisenbahnvereins, über 2000 Personen, traf heute hierselbst in zwei Extrazügen ein, um auf dem Bergschlößchen lind im Garten des Hotels zur Krone und unter den Klängen ihrer eignen Musikkapelle ihr diesjähriges Sommervergnügen abzuhalten.
Langensalza, 8. Juni. Oberleutnant Reinecke zog sich durch einen Sturz von Pferde eine schwere Gc- Hirnerschütterung zu. ____________________________
Die Landbriesträger.
In der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" wird noch einmal dargelegt, daß die Verantwortung für das Scheitern der Besoloungsnovelle allein auf die aus Zentrum und Sozialdeniokraten nebst zwei Freisinnigen zusammengesetzte Mehrheit des Reichstags fällt. Ueber die Notwendigkeit, die Deckofsiziere und die mindest- besoldeten Unterbeamten der Post, namentlich die Landbriefträger, im Gehalte aufzubessern, wie es die Regierungsvorlage wollte, bestand allgemeinste Ueber- einstimmung. Auch darüber herrschte Einigkeit, daß auch die gehobene« Unterbeamten Gehaltszulagen erhalten sollten. Die Meinungen gingen nur darüber auseinander, ob die Gehaltszulagen der gehobenen Unterbeamten sofort bewilligt oder für später vorbehalten bleiben sollten.
Die Aufbesserung der einen Beamtengruppe muß natürlich die Aufbesserung anderer Gruppen nach sich ziehen, es ist aber nicht einzusehen, warum die eine Gruppe, deren Aufbesserung allgemein als dringlich und möglich erkannt ist, nun warten soll, bis sich Regierung und Reichstag auch über die Aufbesserung noch anderer Gruppen geeinigt haben. So aber liegt die Sache. Man kann es verstehen, daß das Unannehmbar oder richtiger das Für jetzt unannehmbar, das der Reichsschatzsekretär den weitergehenden Wünschen des Reichstags entgegensetzte, in manchen Kreisen bedauert wird, ganz und gar unverständlich ist es aber, warum die Reichstagsmehrheit den Beamten, deren Aufbesserung spruchreif war, diese vorenthalten hat, zumal nachdem die verbündeten Regierungen schließlich für die in ihrer Vorlage noch nicht bedachten Gruppen eine Bindung für die Zukunft eingegangen waren.
Die Sozialdemokraten werden vielleicht den geschädigten Landbriefträgern einzureden suchen, daß sie durch ihren Antrag, nach dem Scheitern der Besoldungsnovelle Zulagen in den Etat einzustellen, ihr Wohlwollen für die Postunterbeamten bewiesen hätten. Sie mußten jedoch wissen, daß nach der' Verfassung die Aenderung eines Gesetzes durch den Etat nicht angängig ist, daß also auf der von ihnen gewählten Hintertür „Eintritt verboten" steht. Ein viel einfacheres Mittel, den Postbeamten ihr Wohlwollen zu beweisen, wäre es gewesen, wenn sie bei der Abstimmung über den von der Regierung angenommene« Kompromißantrag der bürgerlichen Parteien (mit Ausnahme des Zentrums), die Erhöhung der Gehälter der gehobenen Unterbeamten für 1910 vorzusehen, und im übrigen den Regierungsentwurf anznnchmen, ein paar Fraktionsmitglieder mehr abkommandiert hätten. Dann hätten die Landbriefträger jetzt die ihnen zugedachten Zulagen und brauchten nicht unter dem Eigensinne des parlamentarischen Machtwillens zu leiden, der gerade in diesem Falle absonderlich gewaltet hat.
Wetteraussichten für Donnerstag den u.Hmk.
Ziemlich heiter, trocken, wärmer, vorwiegend etliche Winde, Gewitterneigung.