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Der SorMheid im nahen Offen.

Türkisch-bnlgarische Vorstöße gegen Griechenland.

Das unter der Asche glimmende Feuer auf dem Bal­kan loht von Zeit zu Zeit grell empor und, droht mit der Entfesselung neuer Brände. Das Vordringen der be­waffneten Muselmanen bis vor die Tore der von 30,000 Griechen bewohnten Stadt Aiwalt an der Westküste Kleinasiens hat das Signal zu einer, Massenflucht klein- asiatischer Griechen gegeben, denn sie fühlen instinktiv, daß ein Ausbruch der Türkenwut bevorsteht, der v ele Menschenleben zum Opfer fallen durften. Der Beginn der Griechenverfolgungen in Kleinasien hat den Ver­treter Griechenlands in Konstantinopel veranlaßt, wirk­same Maßnahmen zur Einstellung der Feindseligkeiten vom Großwesir zu verlangen, doch ist es fraglich, ob der Einfluß der türkischen Regierung stark genug sein wird, um die Leidenschaften der osmanischen Bevölkerung Ana- toliens zu ersticken. Höchst merkwürdig ist es, daß am gleichet! Tage, an dem das Vorrücken der Muselmanen gegen Aiwalt begann, die bulgarische Bevölkerung die griechische Kirche in Schumla besetzte und sie in eine bul­garische umwanöelte. Die Wechselwirkung der Ereig­nisse erweckt allerlei Vermutungen, daß noch immer mit einem türkisch-bulgarischen Bündnis gerechnet werden muß, damit die Griechen aus einem Teile der eroberten Gebiete und Inseln zurückgedrängt werden.

Die Hellenen ahnen, daß sie ihre Neuerwerbungen alsbald in einem furchtbaren Kampfe zu verteidigen haben. Neben ihren Rüstungen zu Lande betreiben sie mit größter Eile die Verstärkung ihrer Flotte. Der An­kauf zweier amerikanischer Kriegsschiffe wird in den Kreisen griechischer Marineoffiziere und seitens der öf­fentlichen Meinung als ein Erfolg der Regierung be- ßt Mit großer Sorge hat man in Athen die Bestel-

_ von Dreadnoughts durch die Türkei betrachtet. Die griechische Regierung wird die Ablieferung der türkischen Schiffe nicht abwarten, um ihre Streitigkeiten mit der Pforte auszutragen, sondern will die augenblickliche Ueberlegenheit zur See ausnützen, um endlich die Insel- frage zu lösen. Man gewinnt den Eindruck, daß man sich in Athen die türkischen Gewalttaten gegen die Grie­chen in Thrazien und Kleinasien nicht mehr länger ge­fallen lassen, sondern zu einer nachdrücklichen Aktion übergehen wird. Bei einem kriegerischen Zusammen­stoß von Griechen und Türken sind die vielen griechischen Bewohner der kleinasiatische,r Küstenstriche natürlich schlimm daran, und in dieser Erkenntnis strömen die Flüchtlinge in Massen zu den Häfen, um sich nach dem europäischen Festlande hinüberzuretten.

Die Stadt Aiwali liegt gegenüber der Insel Mythi- lene, die eine Hauptrolle in dem türkisch-griechischen Zwiste spielt. Der Sultan verlangt, daß ihm Mythilene und Chios bedingungslos verbleiben, ohne daß diesen Inseln Autonomie verliehen wird, und die Griechen wollen unter keinen Umständen auf den Besitz der Insel verzichten. Die Griechenverfolgungen in Kleinasien geben ein deutliches Zeichen von der Stimmung, die unter den Türken herrscht, und leider ist zu befürchten, daß der Konfliktsstoff zur Anwendung von Gewalt hin- drängt. Unter den ungelösten Problemen, die die Bal­kankriege der europäischen Diplomatie hinterlassen haben, ist das der Aegätschen Inseln neben der albani­schen Frage überhaupt dasjenige, das die größten Ge­fahren für die Erhaltung des Friedens in sich birgt.

Griechenland hat in den Balkankänrpsen von den Bundesgenossen keineswegs die größten Opfer gebracht, sondern nur den umfangreichen Gewinst eingeheimst. Es könnte deshalb am ehesten auf Vergleichsvorschläge, Austauschanträge und Entschädigungen anderer Art ein­gehen, ohne sich selbst zu nahe zu treten. Aber daran denkt man in Athen nicht. Bleiben die Inseln Mythi­lene und Wios in griechischer Gewalt, so kann es an dauernden Reibungen zwischen der Türkei und Griechen­land nicht fehlen. Die Gegenbewegung der Muselmanen gegen ine vordringenden Griechen hat jetzt eingesetzt. Von dem Eingreifen der Großmächte ist nie viel zu er­warten, wie sich wieder in Albanien zeigt. Die Bul­garen werden kaum ruhig zusehen, wenn der türkisch­griechische Tanz beginnen sollte. Das läuten die Glocken der Kirche von Schumla.

Gröbere Truppenübungen 1914.

(VonunseremmilitärischenMitarbeiter.)

Die bei den maßgebenden Stellen bestehende Absicht, die Herbstübungen immer weiter auszubauen, den kom­mandierenden Generalen der Armeekorps öfter Gele­genheit zu geben, sich in der Führung ihrer Korps auf dem Gefechtsfelde zu üben, und auch den Armee-Inspek­teuren — den Armeeführern im Kriege — eine Tätig­keit zu verschaffen, welche sie für die sie erwartenden Aufgaben vorbereitet, gelangt in den soeben zur Veröf­fentlichung gekommenen Bestimmungen über die grö­ßeren Truppenübungen im Jahre 1914 deutlich zum Ausdruck.

Die »echte Wahl.

Roman von Helene Merkel.

D (Nachdruck verboten.)

1.

„ Die einsame, vom Laternenlicht schwach erhellte Vor- stadtstratze entlang schritt eine weibliche Gestalt. Der Novembersturm ritz an ihren Kleidern und peitschte ihr unter dem ausgespannten Schirm, den sie nur mit An- strengung hielt, die schweren Regentropfen ins Gesicht. Das störte die Vorwärtsschreitende aber wenig, denn hatte sich im Laufe der Zeit, während sie tagaus, tag- ..-Nunklehrerm von Familie zu Familie ging, an ine Unbilden der Witterung gewöhnen gelernt' sie beuchten ihr gleichsam selbstverstLdlich wie das Stun- dengeben, das sie am Abend beendete, um es am Morgen von neuem wieder ouszunehmen.

8lnv der s^nmlen Seitenstraße, öte sie oeounoen Boa ^illCHffin^ und blickte «aufes laf fMt^ erleuchteten Fenstern eines Hauses, das sich durch seine vornehme, prächtige Bauart und ferne weiten Gartenanlagen besonders kennzeichnete. Snfn^Sa »A emc ihrer vielen Schülerinnen — Elfe Roland, das einzige, verwöhnte Kind des reicken Villen-

^^r ^^ Sie war so recht eine, der das «Ä'i^Ä^^in und Frohsinn bedeutete hie fast zu sich selbst nicht kam vor zahllosen tag- taglichen Zerstreuungen. u

Die durch den stürmischen Abend Wandernde lächelte und seufzte dann leise vor sich hin. Sonnenschein und Frohsinn? Für sie war das Leben weiter nichts als ein eintöniges Einerlei, ein fortwährendes, ach, oft so zweck­loses Mühen. Aber nein, sie verlangte ja auch weiter nichts, sie War rufrteHeit in ihrem Wen Beruf und glück­

Daß das sogenannte Kaisermanöver in diesem Jahre einen noch nie dagewesenen Umfang erhalten werde, war schon bekannt: nicht weniger als 6 Armee­korps, das 7., 8., 11. und 18. preußische, das 2. und 3. bayerische, werden dem Allerhöchsten Kriegsherrn zu zeigen haben, auf welchem Punkte der kriegsmätzigen Ausbildung sie stehen. Ferner werden 5 Armeekorps, das 4., 8., 9., 11. und 18. unter Leitung ihrer Vorgesetz­ten Armee-Inspekteure im Korpsverbande gegen einen Flaggenfeind fechten — früher nannte man diesen Feind den „markierten" — und ferner werden Manöver Korps gegen Korps, das Gardekorps gegen das 2., das 1. gegen das 20., das 13. gegen das 14. und das 16. ge­gen das 21. abhalten.

Der außerordentliche Unterschied gegen früher, wo meistens die Manöver in dem Kampfe der Division ge­gen einen Flaggenfeind ihren Höhepunkt erreichten, liegt klar zu Tage. An Kavalleriedivisionen werden nicht weniger als sieben aufgestellt, die sämtlich eine Maschinengewehr-Abteilung und eine Abteilung reiten­der Artillerie zugewiesen erhalten. Bei zweien wird außerdem noch je ein Jäger-Bataillon, und bei fünfen werden Radfahrkompagnien von Jäger-Bataillonen und je eine Pionier-Abteilung vorhanden sein.

Größere Pionierübungen finden unter der Leitung der Inspekteure von Piomer-Jnspektionen an der mitt­leren Elbe, sowie im Bezirke des 15. und 5. Armeekorps statt. Zu diesen Uebungen wird auch Infanterie, Ka­vallerie, Feld-Artillerie, darunter leichte Felöhaubitz- abteilungen, Fuß-Artillerie, Festungs-Maschinen-Ge- wehrabteilungen und Festungs-Fernsprech-Kompagnien hinzugezogen. Die Verkehrstruppen halten schließlich ab eine Fernsprechübung im Bezirke des 7., 8., 9. und 18. Armeekorps, eine Funkerübung im Bezirke des 4., 10. und 11. Armeekorps und eine Kraftfahrübung im Be­zirke des 13. und 14. Armeekorps.

An Einzelheiten sei noch erwähnt, daß die Festungs- Maschinengewehrabteilungerl, die, wie ihr Name besagt, besonders im Berteidigungskampfe von Festungen Ver­wendung finden sollen, au den Brigadeübungen der In­fanterie unter allen Umständen, möglichst aber auch an allen Manövern teilnehmen sollen. Ferner sollen bei jedem Armeekorps ein bis zwei schwere Feldhaubitz- Bataillone einige Tage an den Brigadeübungen der Feldartillerie teilnehmen,- diese selben Bataillone halten außerdem bis zu drei Tagen selbständige Uebungen im Manöver-gelände ab.

Aus dem Vorstehenden kann man ersehen, welch' fröhliches, tätiges Leben in der Armee herrscht, und in welcher unermüdlichen und planmäßigen Weise an der kriegsmätzigen Ausbildung des Heeres in allen seinen Teilen gearbeitet wird. Natürlich gelten alle diese grö­ßeren Uebungen in erster Linie der Ausbildung der Führer. Aber die Zeiten, in denen der gemeine Mann von solchen Uebungen keinen oder wenig Nutzen hatte, sind längst vorbei. Die Kriegslage und was damit zu- fammeuhängt, dringt jetzt bis zum letzten Pferdehalter oder Sanitätssoldaten,- jeder kann daher mit mehr oder weniger Interesse oder Verständnis den Ereignissen fol­gen, und die Anstrengungen und Entbehrungen an Be­quemlichkeiten, die jetzt der Truppe grundsätzlich zuge- mutet werden, sind eine vorzügliche Vorschule für den Ernstfall. In Frankreich, wo man in diesem Jahre an­statt der großen Herbstübungen nur eine umfangreiche Festungsübung um Epinal abhalten wird, will man vom nächsten Jahre ab die großen deutschen Uebungen schleunigst nachmachen.

Politische Rundschau,

Veränderungen in den höheren Kommandostetten der Marine werden angekündigt. Wie aus Wilhelms- Haven berichtet wird, dürfte, dem Vernehmen nach, der Chef der Marinestation der Nordsee Admiral v. Hee­ringen schon in allernächster Zeit in den Ruhestand tre­ten, da seine Gesundheit zu Besorgnissen Anlaß gibt. Ueber seinen Nachfolger ist noch keine Bestimmung ge­troffen. Da später im Jahre auch ein Wechsel des Chefs der Ostseestation wahrscheinlich ht, sieht man damit grö­ßeren Veränderungen in den höheren Kommandostellen entgegen.

Die Rüstungskommission ist am Montag in Berlin zusammengetreten. Für die jetzige Tagung der Kom­mission sind, wie verlautet, vier bis fünf Tage ange- setzt, da die sämtlichen Referate über die verschiedenen Fragen, die in der Kommission behaudelt werden, zur Erledigung gebracht werden sollen. Zu den Sitzungen sind u. a. die Chefs aller großen Waffenfabriken Deutsch­lands als Sachverständige hinzugezogen worden.

Kultur der Heideflächen in Westdeutschland beab­sichtigt die preußische Regierung vorzunehmen. Zu die­sem Zwecke hat sich dieser Tage eine Studienkommission von Regierungsbeamten und Fachleuten, an deren Spitze der Regierungspräsident von Düsseldorf stand, nach Holland begeben, um die dortigen Erfolge der Oed- landkultur in Augenschein zu nehmen. Man beabsich­tigt, die Erfahrungen, die man in Holland bei der in­

lich, wenn nur die Mutter versorgt war und um den Bruder ruhig sein konnte.

Nun war sie endlich, nachdem sie noch mehrere Kreuz- und Querstraßen durchlaufen hatte, vor dem Hause an­gelangt, in welchem sie mit der Mutter wohnte. Rasch stieg sie zwei Treppen hinauf und klingelte an der Türe, an welcher auf blankem Messingschilde stand: Henriette verwitwete Döring.

Niemand öffnete.

Sie klingelte noch einmal. Da endlich tat die Türe sich auf,- eine schmächtige Frau mittlerer Größe mit grauem Haar und abgehärmten Gesichtszügen erschien am Eingang.

„Guten Abend, Mutter!"

„Magdalene, ach, Du!"

Müde, verdrossen klang es von den Lippen der Frau, freundlich von denen der Tochter. Sie blickten sich an,- da erfaßte ein jäher Schreck das Mädchen.

„Mein Gott, was ist denn geschehen?" fragte sie. „Du siehst ja ganz entsetzt aus."

Sie nahm sich kaum Zeit, den nassen Schirm in den Ständer zu stellen. Im Hut und Mantel, unmittelbar hinter der Mutter, schritt sie ins Zimmer.

„Hier lies!" sagte diese, mit einem verzweiflungs- vollen Blick der Angekommenen einen bereits erbroche­nen Brief überreichend.

Magdalene überflog die Zeilen. Dann seufzte sie. schwer und sagte:

„Franz krank, schwer krank geworden im Engage­ment! Das ist fürchterlich!"

Starren Blickes vor sich hinsehend, faltete sie den Brief wieder zusammen und ließ die schlaffen Hände in den Schoß sinken. Sie selbst war jetzt aufs tiefste er­schüttert.

Einige Minuten herrschte Totenstille im Zimmer. Plötzlich begann die Mutter, die bis jetzt mit völlig apa­

neren Moorkultur gewonnen hat, auch auf Westdeutsch» land auzuwenden. a .

Zu den Verhandlungen des Reichsverbandes deut« scher Städte (unter 25 000 Einwohner) in Berlin hatte« die Ministerien, der deutsche und der preußische Städte- tag und der preußische Bürgermeisterverein Vertreter entsandt. Es wurde über das Recht der Gemeinde aus ihre Sparkassenüberschüsse, über die Förderung der Bo­denpolitik der Kleinstädte und über den Bau von Ar­betterwohnungen durch die Städte debattiert. Zum Ort der nächsten Tagung wurde Leipzig gewählt.

Den neneren Vorkommnissen in Albanien gegen­über, die durch die Mißgriffe der albanischen Gendar- merie entstanden sind, erklärt man in den Berliner diplomatischen Kreisen, daß an eine ernstliche Gefähr­dung des Einverständnisses zwischen Oesterreich-Un­garn und Italien Hinsichtlich Albaniens nicht zu denken sei. Beide Mächte seien in einer solchen grundsätzlichen Uebereinstimmung, daß sie durch derartige Zwischenfälle nicht beeinflußt werden könnten in ihrer Gesamthaltung.

Kleine nadiriditen.

Reitunfall des Prinzen Albrecht von Schanmburg-

Lippe. Montag morgen stürzte in Brünn der Major beim 6. Dragonerregiment Prinz Albrecht von Schaum- burg-Lippe von seinem plötzlich scheu gewordenen Pferde und erlitt eine leichte Gehirnerschütterung. Sein Befinden ist zufriedenstellend.

Der Stapellanf des dritten Dampfers der „Jmpe- rator"-Klasse findet auf der Hamburger Werft von Blohm u. Boß am Sonnabend den 20. Juni statt. Zu dieser Festlichkeit wird der Kaiser erwartet.

Ein Schweizer Hotel niedergebrannt. In Schuls, Kant. Graubünden, im Unterengadin, ist das Hotel Hogenfeld vollständig abgebrannt. Die 30 Gäste des Hotels konnten nur mit knapper Not das nackte Leben retten. Der angerichtete Schaden ist bedeutend.

Rettung eines schiffbrüchigen Kapitäns. Der Schoo- ner „Spera", auf der Reise von Kolmar nach Lübeck, nahm in der Ostsee einen deutschen Kapitän auf, der acht Stunden lang auf einem Wrackstück herumgetriebe« war. Der Kapitän gehörte zu einem Schiff, das auf der Reise von Faxe nach Rostock gesunken war und dessen übrige Besatzung ertrunken ist. Der gesunkene Schooner war in Westerhauderfehn beheimatet.

Probefahrt im Panamakanal. Der erste Ozean- danrpfer, der durch die Schleuse Gatun fuhr, war der Dampfer „Attiance", mit einem Rauminhalt von 4000 Tonnen. Der Dampfer wurde rückwärts und vorwärts hindurchgeführt, um zu beweisen, daß die Schlepploko­motiven imstande sind, große Schiffe zu bewältigen. Das Experiment wurde ohne Zwischenfall in der gefor- derten Zeit von 1% Stunden für jeden Weg erledigt.

Wissenschaft Kunst und Literatur.

Ist der Blinddarm nützlich oder nicht? Aus ärzt­lichen Kreisen wird uns geschrieben: Ganz allgemein herrscht im Laienpublikum die Ansicht vor, daß der Blinddarm ziemlich das unnützeste Organ vorstelle, das der Mensch mit sich herumtrage und das daher am besten radikal zu entfernen sei. Da von ärztlicher Seite dieser Anschauung nicht genügend entgegengetreten wurde, so verbreitete sich mehr und mehr die Neigung für operative Entfernung des Blinddarms. Neuere medizinische Forschungen, besonders französischer oder italienischer Aerzte, sind aber sehr dazu angetan, der herrschenden Meinung vom Unwert des Blinddarms einen gründ­lichen Stoß zu versetzen. Der Franzose Dr. R. Robinson stellte bereits vor nicht langer Zeit auf Grund ein­gehendster Versuche die Behauptung auf, daß dem so ribel beleumundeten Blinddarm in den Funktionen des menschlichen Mechanismus eine wichtige und nützliche Rolle zugeteilt sei und daß daher dieses „überflüssige Stück Möbel" ganz zu Unrecht verkannt werde. Eine interessante Bestätigung nun hat diese Meinung Dr. Robinsons neuerdings durch die weitgehenden Experi­mente des Dr. Morgera aus Neapel erfahren. Dieser Gelehrte bediente sich zur Feststellung seiner These von der Nützlichkeit des Blinddarms einer im Golf von Neapel vorkommenden Tierart. Es waren dies sogen. „Hundshaie", die eine dem menschlichen Blinddarm ent­sprechende Drüse besitzen. Bei einer Anzahl dieser Tiere wurde der „Blinddarm" auf operativem Wege entfernt, und sofort trat die interessante Erscheinung zutage, daß die Verdauungsbewegungen des Magens und der Ein­geweide in der Regelmäßigkeit starke Störungen erlitten. Auf der anderen Seite zog man aus den entfernten Dritten ein Sekret, das wiederum anderen Hundshaien eingeimpft wurde, Bet diesen Tieren konnte Dr. Mor- ^ra unzweifelhaft eine deutlich sichtbare Verstärkung der Muskelbewegungen der Verdauungsorgane beobach­ten. Die Ergebnisse der Versuche des italienische« Arz­tes sprachen also zugunsten der Nützlichkeit eines Or­gans, von dessen Unwert jedermann blsher überzeugt war. Dr. Morgera erklärt nun, daß sich die von ihm gewonnenen Ergebnisse ohne weiteres auf den Menschen

thischem Gesichtsausdruck der Tochter gegenüber gesessen hatte, leise zu weinen.

. Das riß diese aus ihrer Starrheit.

»Fasse Dich, gute Mutter!" sagte sie, zu dieser hin­tretend und ihr Antlitz, über das plötzlich auch die Tränen rannen, zärtlich an die Wangen der Frau drückend. „Wir haben ja so viel Schweres schon erfahren, wir werden auch dies noch ertragen!"

Eine Weile verharrten sie so; dann ging Magdalene hinaus, um sich ihres Hutes und ihres Mantels zu er­ledigen.

Als sie wieder hereingekommen war und neben der Mutter Platz genommen hatte, fragte diese, sich mit einemmale aus dem düstern Hinbrüten aufraffend:

„Und was gedenkst Du, was wir nun tun sollen, Magdalene?"

Die Gefragte blickte sie an, liebevoll und bittend zu­gleich.

„Ihn holen, Mutter, zu uns holen, wenn er nur irgend transportfähig ist!"

„Ja!" sagte Frau Döring nur, indem sie schon rvieder in Gleichgültigkeit zu verfallen schien,- mehr für sich murmelte sie nach einer Weile: „Mein einziger Sohn! Das ist nun das Ende all der zahllosen Mühen und Sorgen, die er uns gemacht hat: krank, siech — ein Verlorener!"

„Mutter, Mutter, Du siehst in Deinem Jammer zu schwarz, so schlimm steht es doch noch nicht um Franz!" suchte Magdalene die Verzweifelnde zu trösten, doch Frau Döring schüttelte unbeirrt den Kops.

Wieder saßen sie beieinander und redeten kein Wort.

tSometzuna folatj