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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^-A^ für den Kreis Hersfeld

Hmfeldn Wlott

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 133.

Dienstag, den 9. Juni

1914.

Bus der Heimat.

* Das Gardekürassier-Regiment i n Berlin wird nach allerhöchstem Befehl seinen hundertjährigen Stiftungstag am 21. Februar 1915 feiern. Dem Regiment ist die Teil­nahme vieler ehemaliger Gardekürassiere erwünscht. Es bittet diese schon jetzt ihre Adressen dem Jubiläums­büro des Regiments, Berlin SW. 29, einzusenden, damit genaue Mitteilungen über evtl. Sonderzüge, Unterbringung und Gang der Feier zugesandt werden können.

* Im HandwerkskammerbezirkCassel haben im abgelaufenen Rechnungsjahre insgesamt 619 Handwerker sich der Meisterprüfung unterzogen. Bon diesen bestanden 597 die Prüfung, während 22 Handwerker sich ihr nochmals zu unterziehen haben. Bor Ablegung der Prüfung betrieben bereits 802 ein selbständiges Handwerk und 295 waren noch unselb­ständig. Ueberraschend ist die Zahl der weiblichen Handwerksmeister: 20 Putzmacherinnen und gar 41 Schneiderinnen innerhalb eines Jahres.

* Fahrpreisermäßigung. Zur Erleichte­rung des Besuchs der zur Zeit stattfindenden Deutschen Werkbundausstellung in Cöln werden besondere Fahr­preisermäßigungen an handwerksmäßig beschäftigte Arbeiter, einschließlich der sogenannten gelernten Arbeiter in Fabriken, an Angestellte im technischen Betriebe von Fabriken, sofern ihr jährliches Gesamt­einkommen 2500 Mk. nicht übersteigt, sowie an selb­ständige Handwerker, die in ihrem Gewerbebetriebe nicht mehr als 8 Gesellen beschäftigen, gewährt.

§ Hersfeld, 8. Juni. Eigentümliche Erscheinungen werden jetzt in den Gärten beobachtet. Die eben aufgegangenen Gurken sind mit einem Male wieder verschwunden. Freute man sich noch Ende der letzten Woche über den leidlich guten Stand der Gurken, so ist jetzt fast durchgängig nichts mehr davon zu sehen, und man hat in aller Eile andere Kerne legen müssen. Was die Ursache dieser sonderbaren Erscheinung ist, die übrigens auch aus der Umgegend gemeldet wird, steht nicht mit Sicherheit fest, doch dürfte wohl das andauernd küble Wetter daran schuld sein. Uebrigens sieht es auch sonst in den Gärten wenig befriedigend aus. Alles bleibt zurück oder verkümmert, weil die Sonne fehlt.

-n- Heringen a. W., 7. Juni. (Bundessänger- f c ft des SängerbundesW e r r a t a L") Heute fand hier auf dem Turnplatz das 3. Bunöessängerfest des SängerbundesWerratal" statt. Von auswärtigen Gesangvereinen hatten sich 22 eingefunden. Auch die Zahl der sonstigen Besucher des Festplatzes war eine große. Nach einem imposanten Festzuge wurde auf dem Festplatze das Bundeslied:Wenn die Quellen silbern stießen" von Häser von dem Sängerbund Werratal" unter der Leitung des Bundesdirigenten Lehrer Bürge r-Widdershausen vortrefflich gesungen. Hierauf prangten die einzelnen auswärtigen Vereine mit einwandfrei zum Vortrag gebrachten Chören. Der Beifall, der dem Bundeschor sowie den einzelnen Chorgesängen der Vereine gezollt wurde, war sehr ergiebig und gerecht. Der Festplatz zeigte ein sehr buntes Gepräge, und auch der Tanzboden wurde von vielen Sangesbrüdern und Sangesfreunden oft auf­gesucht. Als Ort des nächstjährigen Bundesfestes des SängerbundesWerratal" ist L e i m b a ch bei Heringen in Aussicht genommen.

(b) Friedewald, 7. Juni. Unter großer Beteili- gung fand gestern hier im Meurerschen Saale die 28. Abgeordnetenversammlung des Feuer- wehrkreisvereinsHersfeld statt. Gegen' 210 libr vornnttstög eröffnete Herr Oberbrandmeister Auel-Hersfeld, der Vorsitzende des Kreisvereins, die Verhandlungen. Die Brandmeister erstatteten ein- gehend Bericht über die im abgelaufenen Jahre in ihren Bezirken vorgekommenenBrände. HerrSchüßler- Hersfeld, der Kommandant der dortigen Feuerwehr, hielt einen sehr interessanten mit großem Beifall auf­genommenen Vortrag. Gegen 1 Uhr mittags schloß Herr Auel mit einem Kaiserhoch die Versammlung. Es fand dann eine Uebung der zum Bezirk Friede­wald gehörigen Feuerwehren statt, die durch Herrn Auel auf das beste kritisiert wurde. Zum Schluß des weiteren Verlaufs der Veranstaltung kam dann nach der ernsten Arbeit auch das Vergnügen zu seinem Recht, indem auf dem Schloßhofe Konzert und Tanz stattfand.

»chlitz, 4. Juni. Die Einweihung und Inbetrieb­nahme der neuen Bahnstrecke Schlitz-Niederaula ist für den 15. August bestimmt in Aussicht genommen.

Fulda, 5. Juni. Bei einem Unwetter fiel kürzlich einem Passanten in der Florengasse ein umfallendes scheunentor auf den Kopf und verletzte ihn ziemlich stark. Die inneren Verletzungen des Verunglückten

machten eine Operation in der Klinik zu Marburg notwendig. Jetzt ist der Verunglückte, der Arbeiter Stephan, dort gestorben. Er ist Vater von drei Kindern.

Fulda, 6. Juni. Die letzten Nächte waren von so starkem Frost begleitet, daß bei Wüstenfüchsen und Seifferts sRhön) die Kartoffeln erfroren sind und die Saatfelder gelitten haben.

Caffel, 6. Juni. Der Salzmannsche Männerchor Minerva" veranstaltete in den Pfingsttagen einen Familien-Ausflug nach Carlshafen, woran sich 300 Personen beteiligten. Morgens7.30 führte einSonder- zug die Sängerschar nach Münden, bei herrlichem Wettter gi^g es mit Musik zur Dampferanlegestelle, wo ein Extradampfer die Sängerschar nach Carlshafen brächte. Dort ging es mit Musik zum Lokale des Herrn Wollenhanpt,wo das Mittagsmahl eingenommen wurde. Später erfolgte ein Spaziergang nach der herrlich gelegenen Juliushöhe und dann wurden im Kurhaus bei Gesang, Musik und Tanz fröhliche Stunden verlebt. Mit einem Sonderzng erfolgte die Rückfahrt. Die Kosten des Festes trug die Firma Salzman u. Co.

Caffel, 6. Juni. Am zweiten Feiertag gerieten in einer Wirtschaft in der Unterneustadt zwei Gäste in Streit, in dessen Verlauf der Schlosser G. deu Zimmermann R. in den Daumen biß. Gestern machte sich bei dem R. eine starke Blutvergiftung bemerkbar, die den ganzen Arm in Mitleidenschaft zog, sodaß mit einer Amputation des Armes gerechnet werden muß.

Witzenhausen, 5. Juni. Bei dem Verkaufe der Kirschenernte an den Landstraßen wurde in diesem Jahre ein guter Preis erzielt. In unserem Kreis ergab die Versteigerung eine Summe von 8000 Mark.

Battenberg, 5. Juni. Zu der kürzlichen Meldung, daß der Kriegsveteran Bode verhungert sei, schreibt der Bürgermeister u. a. folgendes: Der am 10. Mai d. Js. tot aufgefundene Ernst Bode von hier war seit Monaten schon herzletdend und befand sich in ärzt­licher Behandlung. Trotz Verbots, seine Wohnung zu verlassen, ging er aus und trieb sich mitunter wochenlang bettelnd in der Umgegend umher, bis er durch die Polizei wieder nach Hause gebracht wurde. Bode erhielt schon seit Jahren von der Gemeinde Battenberg fortlaufende Armenunterstützung und war in völlig ausreichender und guter Pflege untergebracht. Sein Tod ist, wie der Arzt feststellte, auf Ueberan- strengung und Kälte zurückzuführen. Ob er tatsächlich Kriegsveteran war, konnte er nicht nachweisen.

Arolsen, 6. Juni. Im weiteren Verlauf der Be­ratungen hielt gestern nachmittag Gerichtsassessor Tietz-Hanau einen Vortrag über Kinderfürsorge. Redner trat mit großer Wärme dafür ein, daß die Gemeinden Waisenräte und Waisenpflegerinnen so­wie auch Kinderpflegerinnen anstellen und in allen Fällen, wo verwaiste und uneheliche Kinder zu Pflege­eltern untergebracht werden müssen, diese nicht in den Großstädten, sondern ausnahmslos auf dem Lande ansgewählt würden, weil das Landleben eben doch ganz andere Garantien für die Gesundheit der Kinder schaffe, als die Städte. In sehr eingehender Weise behandelte dann Oberbürgermeister Troie aus Marburg die Frage der Beschaffung zweiter Hypo­theken. Seine Ausführungen bewegten sich kurz zusammengezogen in folgenden Bahnen: Die Be­seitigung der Hypothekennot könne nicht ohne die schwersten Nachteile aufgeschoben werden. Die hierzu erforderlichen Geldmittel mußten durch die Stadtver­waltungen und letzten Endes auch durch das Reich selbst zur Verfügung gestellt werden. Unter nor­malen Verhältnissen läge bei der Beleihung von Hausgrundstücken bis zu 90 Proz des wirklichen Wertes ein wesentliches Rijlko für die stadte weder bei der eigenen Ausleihung, noch aber bei der Garantieübernahme für die zweiten Hypotheken vor. Das etwa vorhandene Ripkokann durch Rückver­sicherung bei zahlungsfähigen Versicherungen erheblich verringert werden. Glaubwürdige Taxen jeien in jedem Falle die Hauptsache: höchstens ein Jahres­viertel Mietseinnahme darf durch Zession dem1 Hypo­thekargläubiger entzogen werden. Bor allen Dingen sei darauf zu achten, daß eme allmähliche Entschuldung des Grundbesitzes durch dieie Beleihung erzielt werde. In der Diskussion vertraten die Oberbürgermeister Koch-Caffel Dr Gebeschus-Hanau und Stadtrat Brunner-Cassel die gleichen Gesichtspunkte; es wurde erwartet, daß man überall mit der Beschaffung zweiter Hypotheken vorangehe, um die Bautätigkeit nament­lich in den kleineren und mittleren Städten zu be­leben. Im nächsten Jahre beabsichtigt man einen gemeinsamen hefsisch-nassaulschen Städtetag in Mar­burg abzuhalten, um so die Gelegenheit zu ermöglichen, daß die Bürgermeister aus der ganzen Provinz Hessen-Nassau ihre Meinungen und Erfahrungen aus­tauschen.

Frankfurt, 6. Juni. In dem Hitzlerschen Hause der Rödelheimerstraße 29 entstand gestern abend nach 10 Uhr durch die Explosion einer Petroleumlampe ein Zimmerbrand. Hierbei erlitt eine Frau und deren l/2 JahrealtesKind lebensgefährliche Brandwunden. Das Feuer selbst konnte bereits nach einer Stunde gelöscht werden.

Aus Südhannover, 5. Juni. In einen Wagen 8. Klasse, der ständig zwischen Salzderhelden und Einbeck verkehrt, hat ein Rotschwänzchenpaar in einer röhrenähnlichen über den Rädern befindlichen Oeffnung ein Nest gebaut. Schon liegen einige Eier darin und das Brutgeschäft hat begonnen. Ob der Wagen in Einbeck, in Salzderhelden oder auf der Fahrt ist, das berührt das fahrende Pärchen nicht. Es läßt sich in seiner Ruhe nicht stören.

Bon den Raiffeifenlenten.

Auf der Hauptversammlung der Raiffeisenvrgani- sation, die in diesen Tagen in Berlin stattfand, er­stattete Justizrat Dietrich deu Jahresbericht. Aus feinen Ausführungen sei folgendes wiedergegeben: Das Jahr 1913 werde in der Geschichte des deutschen Genossenschaftswesens viel genannt werden, habe es doch eingreifende Veränderungen in der Organisation der Verbände und Zentralinstitute gebracht und manchen Genossenschaften die Frage über Sein oder Nichtsein vorgelegt. Die Tragweite der verschiedenen Ereignisse der Berichtszeit werde erst in späteren Jahren voll übersehen werden können. Besonders durch Krieg und Kriegsgefahr sei die allgemeine Wirtschaftslage erheblich beeinflußt worden. Vor allem habe die allgemeine Geldlage auf das ländliche Genossenschaftswesen tiefgehenden Eindruck geübt. Der hohe Diskontsatz der Reichsbank habe auch die genossenschaftlichen Kredityrganisationen überall zu einer Erhöhung der von ihnen in Anwendung ge­brachten Zinssätze veranlaßt. Die Raiffeisenorgant- sation habe aber alle Schwierigkeiten dank der Leistungs­fähigkeit ihrer Geldausgleichsstelle, der Landwirt- schaftlichen Zentral-Darlehnskasse für Deutschland, gut überstehen können und damit in allen ihren Teilen den Beweis ihrer Leistungsfähigkeit aufs neue erbracht. Der Redner gab sodann die wichtigsten Zahlen aus der Statistik von 4337 Raiffeisenvereinen wieder und zeigte in einzelnen Beispielen den außer­ordentlichen Fortschritt, den diese Genossenschaften gemacht haben. Vor allem wies er auch auf das er­freuliche Anwachsen der Reserven hin. Für die Be­triebsgenossenschaften hob er vor allem zwei Gesichts­punkte hervor, nämlich die Wichtigkeit hoher Geschäfts­anteile und die von den Verwaltungsorganen der Genossenschaften zu übende Vorsicht bei Auszahlungen an Mitglieder für eingelieferte Erzeugnisse.

Professor Dr. Wygodzinski aus Bonn sprach über: Das heutige ländliche Genossenschaftswesen im heutigen Wirtschaftsleben. Der Redner weist darauf hin, daß die ländliche Genossenschaft in dem halben Jahrhundert ihres Bestehens psychologische, soziale, private und volkswirtschaftliche Wirkungen von größter Bedeutung ausgeübt habe. Etwa 3>/s Millionen, das sind «/# aller selbständigen Landwirte, seien zur Zeit in Deutschland genossenschaftlich organisiert und noch habe die Be­wegung ihren Gipfelpunkt nicht erreicht. Die Ge- noffenschaft habe dem Landwirt bei der Anpassung des Landes und der Landwirtschaft an die modernen Formen der Erwerbswirtschaft gedient. Ihre Erfolge habe sie erreicht, weil sie an uralte Gemeinschaftsge­fühle anknüpfen konnte. Wesentlich sei, daß sie nicht nur den Bauern heranziehe, sondern auch die anderen Elemente der ländlichen Bevölkerung, und damit ein hervorragendes Mitglied des sozialen Ausgleichs sei. Redner verweist namentlich auf die Einbeziehung der Landarbeiter. Ihre Bedeutung für die bäuerliche Einzelwirtschaft bestehe in Nationalisierung des Be­triebes in allen seinen Zweigen, wobei sie zugleich den Bauern den Verkehr mit der Gesamtwirtschaft in den Zweigen abnehme, die er nicht selbst beherrschen könne. Sie verengere damit seinen Wirkungskreis nach der einen Seite, vertiefe ihn aber nach der anderen. Der Redner untersucht dann die Grenzen genossenschaftlicher Betätigung. Er warnt vor allzu weiter Ausdehnung, verlangt eine Vollendung der erst begonnenen geschäftlichen und genossenschaftlichen Erziehung, ohne die großen Ziele aus dem Auge lassen zu wollen.Kaltblütiger Idealismus" sei die Forde­rung der nächsten Jahre. Zugleich sei die Genossen­schaft die Förderung des Gefühls der Gemeinschaft und Verantwortlichkeit im Sinne der alten genoßen- schaftlichen Devise:Einer für alle und Alle für Einen".

Wetteraussichten für Dienstag den 8. Juni.

Abnehmende Bewölkung, trocken, wärmer, nord­östliche bis östliche Winde.