118 Kilometer zu F«ß in vier Tage«. Eine Fußtour von Danzig nach Sensburg (Ostpreußen) unternahm der Telegraphist der kaiserlichen Werft in Danzig, Adolf Krätschmann. K. brach Sonntag, den 24. Mai früh in Danzig auf und traf Mittwoch noch gegen Abend am Ziele ein. Unterwegs war er mehrfachen Gewitterregen ausgesetzt. Die 215 Kilometer lange Wegstrecke hat der bereits 56jährige Herr in gut vier Tagen zurückgelegt.
Racheakt eines Dienstmädchens. Auf dem Gute Mundloh in Flierich bei Hamm (Westfalen) brach ein großer Brand aus. Das Viehhaus brannte vollständig nieder, während die übrigen Gebäude nur mit Mühe vor den Flammen geschützt werden konnten. Als Brandstifterin wurde das Dienstmädchen Marie Menke verhaftet. Sie hat die Tat eingestanden und scheint aus Rache gegen den Gutspächter gehandelt zu haben.
Zweitausend Pilger in Quarantäne festgehalten. Aus Jaffa wird gemeldet, daß 2000 heimreisende christliche Pilger infolge der Pestgefahr in der Quarantäne festgehalten werden. Die meisten Pilger sind nicht in der Lage, sich Nahrung zu verschaffen und stehen dem Hunger gegenüber. Die Verzweifelten appellieren an die öffentliche Mildtätigkeit, um ihr Leben zu retten.
Die Angelegenheit des verhafteten Schweriner Elektrizitätswerksdirektors zieht immer weitere Kreise. In der Voruntersuchung hat sich herausgestellt, daß Schroe- ter bereits früher wegen ähnlicher Schwindeleien mit Gefängnis vorbestraft ist. Trotz Seiner sehr bewegten Vergangenheit konnte er den angesehenen Posten auf Grund der gefälschte»! • Zeugnisse drei Jahre lang bekleiden. Die Zahl der Kreoitscywindeleren nimmt täglich zu.
Die Suffragetten im Thronsaal. Die beiden Frauen, die im Thronsaale des Buckinghampalastes die Störung verursachten, sind die Schwestern Blomfields, die mit ihrer Mutter zum Empfang geladen waren. Es werden keine weiteren Schritte gegen sie unternommen werden. Die Familie ist selbst in größter Entrüstung über den Vorfall.
Banditen beraubten Freitag mittag in Neuyork mitten in der Stadt zwei Geschäftsangestellte, die von der Bank Gelder zur Lohnzahlung geholt hatten, um 24 000 Mark. Sofort nach der Tat sprangen sie in ein bereitgehaltenes Automobil und fuhren davon.
Einem Verbrechen auf der Spur. Bei einer Kahn- sähre bei Riesa wurde in der Elbe die Leiche eines zwanzigjährigen Mannes gefunden, die mit einem fünfzig Pfund schweren Sandstein befchwert war. Der Stein war auf dem Rücken der Reiche festgebunden, sodaß es ausgeschlossen erscheint, daß es sich um einen Selbstmord handelt. Bei der Sektion wurden auch im Schädel verschiedene Bleistücke gefunden. Vermutlich handelt es sich um einen Mord. . r ,
Verzweifelte Tat eines Kindes. In» vierteil Stock eines Hauses zu Berlin, in dem die dreißigjährige Verkäuferin Lichteustein mit ihrer neunjährigen Tochter Gertrud wohnt, wurde plötzlich das Fenster aufgerissen und im nächsten Augenblick schwang sich, die-kleine Gertrud auf das Fensterbrett und sprang in den Hof, wo sie bewußtlos liegen blieb. Infolge von Mißhandlungen durch die eigene Mutter ist das Kind zu der Tat getrie- ^" »^Oberstleutnant von Winterfeldt ist von seiner schweren Erkrankung nach dem im September v.J. bei den französischen Manövern erlittenen Automobilunfall so weit genesen, daß er mit seiner Familie Grrsolles m einigen Tagen verlassen und nach einem Landhause bm Toulouse nbersiedeln kann. Danach wird er nach Deutschland zurückkehren. , _ , .
Glücklich verhütete Katastrophe. Sonnabend vormittag fuhr ein Automobil beim Reichstag^gebaude gegen das Ufergeländer und durchbrach es, sodaß der vordere Teil des Wagens sich über die Böschung senkte. Der Wagen blieb im Gestänge hängen. Der Chauffeur wollte einem Handwagen ausweichen und fuhr in einem Bogen herum, wobei die Räder ins Schleudern gerieten. Die Passagiere des Autos, neun Personen, blieben unverletzt. Eine schwere Katastrophe wurde nur dadurch verhindert, daß der Kühler des Autos die Gestänge auseinanderbog und schließlich zerbrach, sodaß es gelang, das Automolsil zum Stehen zu bringen.
»^ Durch flüssiges Eisen verbrannt. In. der Maschinenfabrik Ersilius stürzte beim Gießen ein Kessel um. Das flüssige Eisen ergoß sich über einen jungen Arbeiter, der furchtbar verbrannt wurde. In hoftnungs- losem Zustande wurde er ins Krankenhaus gebracht.
Hinrichtung eines Mädchenmörders. Sonnabend vormittag wurde auf dem Hofe des Landgerichtsgefängnisses in Güstrow der am 17. Juni 1891 geborene Schmiedegeselle Koch hingerichtet. Er hatte am 7. September v. I. in dem Forst zum Pulverhof bei Hagenow seine Geliebte, die Arbeiterin Marie Hamberger aus Luckenwalde, die ihm lästig zu werden begann, vorsätzlich ermordet. Nach dreitägiger Verhandlung vor dem Schwurgericht wurde er am 11. Dezember zum Tode verurteilt
o-t Massenvergjftnng bei einem Geburtstagsmahl. Bon 26 Teilnehmern an einer Geburtstagsfeier bei einem in der Schönhauser Allee in Berlin wohnenden Dentisten erkrankten 19 Personen. Acht von ihnen schweben in Lebensgefahr, ein junges Mädchen ist bereits gestorben. Bei den übrigen besteht keine Lebensgefahr.
** Ein konservativer Reichstagsabgeordueter gestorben. Der Reichstagsabgeordnete für den Wahlkreis Labiau-Wehlau, Rittergutsbesitzer Oberst a. D.. von Massow, ist nach längerer Krankheit im 70. Lebensrahre gestorben. Er gehörte dem Reichstage seit 1898 an.
»-»- Der Aetna entfaltet wieder eine lebhafte Tätigkeit. Freitag nachmittag gegen M Uhr ging ein' heftiger wellenförmiger Erdstoß von ihm aus. Er stößt fortwah- rend Rauch und Asche aus.
Gericht und Recht«
Der Fürsorgezögling als Assistenzarzt. Als ein Sei- tenstück zu den Hochstapeleien des falschen Bürgermeisters Thormann aus Köslin charakterisierten sich die Straftaten des 20 Jahre alten Fürsorgezöglings Friedrich Kontz, der sich wegen verschiedener Betrügereien vor der Cölner Strafkammer zu verantworten hatte. Der junge Mensch, der aus der Gegend von Saarbrücken stammt, besuchte einige Zeit lang das dortige Gymnasium. Ein Zerwürfnis mit einem Oberlehrer veranlaßte ihn, ohne jegliche Barmittel in die weite Welt hinaus zu wandern. Fechtend schlug er sich von einer Stadt zur andern durch und kam so im September v. I. auch nach Cöln. Es kam ihm bald der Gedanke, den noblen Herrn zu spielen, und zwar auf Kosten anderer Leute. Er mietete bet einer Wirtin drei Zimmer, gab sich der Frau gegenüber als Dr. v. Breiten-Landberg aus unb schwindelte ihr vor, er sei Assistenzarzt gewesen und wolle sich nun als praktischer Arzt niederlassen. Der Herr „Doktor" veranlaßte die Frau, mit in ein Geschäft zu gehen, in dem er die erforderlichen Einrichtungsge- aenstände kaufen wollte. Bei dem Geschäftsmann bestellte der Betrüger nun eine ärztliche Einrichtung für 5000 Mark; Instrumente im Werte von 500 Mark nahm er sofort mit, da er sie angeblich für Operationen nötig hätte. Ein Schildermaler mußte ihm ein Enunllcschilö mit der Aufschrift „Dr. v. BMten-Landberg, prakt.
Arzt" und ein Buchdrucker 1000 Rezeptformulare und 100 Visitenkarten mit der gleichen Aufschrift liefern. All diese Sachen, zu denen sich noch ein Anzug und drei Operationsmäntel gesellten, ließ sich der Schwindler in feine Wohnung bringen, bezahlte aber natürlich keinen Heller. AIs eine der Firmen bei den angegebenen „Referenzen" Erkundigungen einzog, verduftete der Herr Doktor. Bald tauchte er aber wieder in der Umgegend von Cöln auf. Er erzählte einem Restaurateur, er komme von einer Operation und habe sein Retour- billett nach Cöln verloren. So brächte er es fertig, daß ihm der Gastwirt 5 Mark borgte. In Aachen mietete er ein Zimmer unter dem Vorwand, er sei von einer Stu- dentenkorporation als Mensürarzt angestellt. Endlich wurde er beim Verkauf der erschwindelten Jnstrnmente erwischt. Der Angeklagte, der geständig war, erhielt mit Rücksicht auf feine Jugend nur eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten.
Vermischtes«
Der Kronprinz und der »viderhaarige Bauer. Als der Kronprinz, sein Automobil selbst steuernd, unterwegs nach Saarbrücken dnrch Zweibrücken (Pfalz) kam, wollte ihn, ein Bauer nicht answeichen. Er ließ aL' Warnungssignale und Zurufe des Kronprinzen unbeachtet und erklärte in groben Worten, daß an einer so schmalen Straßenstelle die Autos an den Wagen nicht vorbeifahren dürften. „Wartet Ihr nor, bis ich nf die Seit gefahre bin!" so schloß der Bauer. Der Kronprinz fuhr lachend weiter, und der Bauer wollte es nicht glan- 6en, daß es der deutsche Kronprinz war, sondern er blieb dabei, es sei nur ein Leutnant gewesen.
Hochzeit im Gefängnis. Im Bezirksgefängnis in Köslin t. P. wurde am zweiten Pfingstfeiertage die eheliche Verbindung des früheren Bankbeamten Milbitz aus Lauenburg mit der Schneiderin Schmolinski aus Ohra vollzogen. Die standesamtliche Trauung erfolgte vormittags 8% Uhr durch einen Obersekretär im Amtszimmer des Oberinspektors, der auch gleichzeitig Trauzeuge war. Als zweiter Trauzeuge fungierte der Ge- fängnisorganist. Die kirchliche Trauung erfolgte unmittelbar nach dem Gefüngmsgottesdienst. Der Bräutigam trüg einen dunklen Rockanzug, die Braut ein schwarzes Kleid. Die Braut war tief ergriffen und weinte viel. Mit dem Nachmittagszuge reifte die junge Frau nach Ohra zurück. — Wie noch erinnerlich sein dürfte, hatte Milbitz au der Lauenburger Filiale der Danziger Pri- vat-Aktieubauk größere Summen veruntreut, wofür er zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden war, die er zurzeit noch verbüßt. . _
Der „König der Diebe" und sein Trick. Auf dem Schützenplatz in Plauen im Vogtlande wurde der Artist Schmidt aus Dortmund verhaftet, der sich als „Apachen- könig Godefroi" und als „König der Diebe" produzierte. Er ging unter den Zuschauern herum und stahl aus ihren Taschen angeblich unbemerkt verschiedene Gegenstände. Es stellte sich jedoch heraus, daß er sich von zahlreichen Helfern im Publikum vor Beginn der Vorstellung die Gegenstände übergeben ließ. Wegen dieses Schwindels wurde er nun festgenommen. Er soll mit dem gleichen Trick mehrere Wochen lang in Berlin unbeanstandet aufgetreten sein. Als Gehilfe des Apachenkönigs wurde der Tapezierer Singer aus Schedewitz verhaftet. , ,
Verhaftung eines lange gesuchten Defraudanten. Am Dienstag nachmittag wurde auf einem Rennplätze bei Paris anaeblich der Kassenbote Zepell verhaftet, der im Juni 1912 einer landwirtschaftlichen Genossenschaftsbank in Berlin 120 000 Mark unterschlagen hatte. Zepell war damit beauftragt worden, die 120 000 Mark zur Reichsbank zu bringe«, hatte sich aber mit dem Gelde aus und davon gemacht. Zwei Jahre lang ist er in allen fünf Weltteilen verfolgt worden. Ob es sich in der Tat bei der Verhaftung um Zepell handelt, scheint noch nicht '^"'Der"Wahnsinnige auf dem Kirchturm. Ueber den Bauernburschen Tomsics, der sich in Grotz-Hoeflen bei Oedenbnrg (Ungarn) im Kirchturm verschanzte, wo er entgegen der ersten Meldung noch nicht festgenommen werden konnte, wird weiter gemeldet: Der Wahnsinnige, der bereits vierzehn Personen verwunbet hat, von denen vier gestorben sind, hat zwei Gewehre und eine Pistole zur Verfügung. Fünfzig Gendarrnen umstellten den Turm. Auch die Feuerwehr der umliegenden Dörfer wurde requiriert. Nach jedem Schutz beginnt der Wahnsinnige zu läuten, wodurch er anzeigt, dan er "^Maßnahme»! "gegen die Wahlweiber. Es war die höchste Zeit, datz sich die englische Regierung zu energischen Abwehrmaßnahmell gegen die Wahlweiberplage aufraffte. Die Aufreguug in der.englinhen Presse ist infolge der skandalösen Vorgänge in den letzten Tagen »md Wochen außerordentlich gest legen, und man verlangt energische Matzregeln gegen die Suffragetten. Es verlautet auch, daß die Regierung endlich gegendasUn- wesen der Wahlweiber vorgehen will. Zunächst soll die Prügelstrafe eingeführt werden und unter keinen Umständen mehr eine Entlassung internierter Wahlweiber aus deu Gefängnissen stattfinden, selbst wenn diese bin d) ^>n«gerstreik sich in Todesgefahr bennden. Weiter soll ei Gesetz werden, wonach alle Personen, ine den Suffragetten Geldstiftulmen zukommen lassen, sich einer strafbaren Handlung sthuldm machen und sich hohen Geldstrafen anssetzen. Die Art und Werfe, wie es ben Suffragetten gelungen ist, sich die riesigen Geld- hat, während die Unkosten im Jahre 1913 noch bedeu- ^"^Schwierige"Zwillinge. .Dem Oberst eines französischen Linienregiments bereiten zwei Zwillinge, offenbar recht übermütige Gesellen, bitteren Kummer. Die beiden Soldaten, so berichtet ein englischer Korrespondent, sehen einander so ähnlich, daß snrtwahrend Verwechselungen vorkommen, die recht ärgerlich aus dre Autorität der Offiziere und auf b e Disziplin entwürfen. Erst kürzU als de? eine der Zwillinge acht Tage ^Kasernenarrest erhielt aina er täglich aus, nachdem er mit seinem Brnder^
feiner Verzweiflung hat der Oberst nun einen Regi- mentsbSh^ müssen, nach dem der Soldat Bon-
T fO IOT10 AU tr<X0CH A^E, ol^ btc ^OT- schrift es nur irgendwie AUlätzt, Bart und Schnurrbart muß er abrasieren; während der Loldat Vonhomme i r Bart und Schnurrbart wachsen lassen soll und sein Haar so kurz traae«"soll als möglich. Der Regimentsbarbier hat fortan Nat- und Barttracht der Zwillinge zu re- ""^Der' Unglückstag. „Freitag ist ein unglücklicher Taa" seufzte sie - „Er ist nicht halb so unglücklich wie Dienstag," versetzte ihr Gefährte. „Letzten Dienstag Äm Beispiel s ei ich aus einem Fenster des zweiten Stocks und wurde von einem Fleischwagen überfahren." — „Wie entsetzlich!" rief sie schaudernd aus. — „Ja, und om Dienstag davor," fuhr er fort, fiel ich in einen Ententeich und wurde mit einem Bootshaken wieder
herausgezogen. Und am Dienstag davor wurde ich vo, einem wütenden Bullen gejagt. Am davorliegender Dienstag — aber warum die Liste verlängern?" — „Warum bleiben sie denn Dienstags nicht immer zu .franse?" fragte die Dame. „Im Hanse würden Sie doch sicherer fein, — „Weil ich meine Stelle verlieren würbe, wenn ich's täte," antwortete er. „Ich bin Kinoschauspieler, wissen Sie, und Dienstags machen wir unsere humoristischen Films."
Dilemma. Der kleine Fritz ist von einer Brennessel gestochen nnd tommt nachdenklich zur Mutter „Sag' nur, wenn eine Biene sich auf eine Brennessel setzt, sticht dann die Biene die Brennessel oder die Brennessel die Biene?"
Kathederblüte. Professor: „. . . Meine Herren, ich erwähnte bereits, daß im sibirischen Etse ein guterhal- tenes Mammut gefunden würbe; wir wollen uns jetzt in seinen Mageninhalt ein wenig vertiefen."
Vom Eis erdrückt.
Der Untergang eines Expeditionsschiffes.
Kapitän Bartlett, der Führer des im Etse miter* gegangenen Schiffes der Stefanssvhnscheu Expedition, gibt nun einen ausführlichen Bericht über das Ende der „Karluk". Am 20. November kam, einige 20 Kilometer von der Müridnng des Colville-Rivers, das Eisfeld, in das die „Karluk" eingefroren war, infolge eines starken Ostwindes in Bewegung und trieb in nördlicher Richtung ab. Was nun folgte, ist eine einzige Kette von aufregenden Augenblicken und banger Spannung: von iencm Tage an wußte die Besatzung, daß nur ein Wltn- der ihnen ihr Schiff erhalten könne, daß eine Katastrophe so gut wie unansbleiblich sei, und daß dieses Ereignis zu jeder Stlinde plötzlich eintreten könne.
An Bord begann sofort eine fieberhafte Tätigkeit; alles ging an die Arbeit, um die im Schiffe befindliche»! Lebensunttel 3« verpacken und so aufzustellen, daß sie int Angenblick unmittelbarer Gefahr sofort anf die treibende Eisfläche hinabgeschafft werden könnten. Wohi»! das SchiMal das Eisfeld mit der gefangenen „Karluk" treiben würde, konnte niemonb wissen; bie Erfahrungen der nächsten Wochen berichtigten in dieser Beziehung auch alle Vermutungen sehr gründlich. Die Besatzung schwebte über drei Monate hindurch beständig in der Gefahr, das Schiff plötzlich vom Etse erdrückt sinkeu zu sehen; aber immer wieder schienen glückliche kleine Unr- stünde der „Karluk" noch eine Guadeufrist zu gewähren. Erst an: 10. Januar vollzog sich die Katastrophe, »rach- dem schon vorher des öfteren nmmtigfgdje Symptome einer gesteigerten Eispressung die Besatzung alarmiert hatte.
„Es war 3 Uhr morgens," so berichtet Kapitän Bartlett, „als ich dnrch einen heftigen Knall erwachte, es klang wie der Donner eines Schusses. Der ganze Schiffsraum zitterte und stöhnte. Ich eilte an Deck. Das Eis hatte sich arn Steven geöffnet; etwa 100 Meter weiter schloß sich der Spalt wieder. Aber der Druck setzte erst am Abeud gegen r^8 Uhr ein. Jetzt steigerte sich der Wind zu einem heftigen Sturm mit wildem Schneetreiben, die Eisschollen schlugen an die Scljifföwanb, drückten und preßten, das ganze Fahrzeug schien zu leben und zu stöhnen. Bis endlich die Vernichtnng begann. Sie setzte an der Seitenwanb des Mäschinen- raumS ein, unter dem Drncke der Eisncassen gaben einige Schiffsrippen nach und barsten. Wasser begann in den Rauln zu bringen.
Nun wußte ich, daß die „Karluk" zum Untergang verurteilt war, und sofort begannen wir das Penunikan- fletsch, das wir aus den Kisten genommen unb in Säcke vernäht hatten, von Bord 31t schaffen. Die Milch, die Kleidungsvorräte, die Munition, die Waffen und das Oel folgten. Die Nacht war ungewöhnlich dunkel, weder Sterne noch Mond würben sichtbar. Das Schneetreiben wurde immer heftiger. Dabei schien die Eispressung gegen die „Karluk" säum zuzunehmen, denn am Heck waren zwei gegeneinanderstrebende Eiswände zusarn- mettgestoßen, was den Druck auf das Schiff selbst ver- minberte. Ohne das wäre der unter Wasser liegende Teil der „Karlitk" von bcm Eife glatt abgeschnitten worden. Die Männer arbeiteten mit aller Kraft; 10 000 Pfund Pemmikan wurden auf das Eis geschafft, das rings um das Schiff recht ungünstige Verhältnisse auf- wies, denn es war brüchig und hatte viele Spalten.
Trotz der unmittelbaren Gefahr schafften die Männer die Vorräte aus Schlitten 150 Meter weit fort; dort hatten wir für alle Fälle bereits eine Zufluchtshütte ge- zimrnert. Wir hätten wohl Zeit gehabt, alles von Bord zu retten, aber wir ließen alle Leckerbissen zurück; nur sehr wenig von unserer persönlichen Habe wurde geborgen. Als es in jener Nacht % vor 11 Uhr geworden war, stand im Maschinenraum das Wasser bereits 11 Fuß hoch. Die „Karluk" wurde also nur noch durch den Eisdruck über Wasser gehalten. Um Mitternacht waren alle Vorräte von Bord geschafft; ich schickte die Männer zum Lager und blieb selbst an Bord. Um %5 Uhr morgens erfolgte dann der Untergang. Plötzlich senkte sich der Bug, und als das Wasser über Deck emporstieg, sprang ich vom Geländer auf das Eis. Wenige Minuten später war unser Schiff verschwunden. Die Offiziere und Leute der Besatzung waren herbeigeeilt. Wir sahen die blaue Flagge am Hauptmast zwischeu den Wellen untertauchen. Die Männer nahmen ihre Hüte ab: „Adieu, Karluk!" riefen sie — und dann war alles vorüber. Der Rest, das Härteste, stand uns noch bevor, der Marsch über das treibende Eis."
ßandel und Verkehr«
* Berlin, 6. Juni. Wöchentlicher Saatenstands- bericht der Preisberichtsstelle des Deutschen Landwirt- schaftsrats. An dem Stande der Felder hat sich in der letzten Woche nicht viel geändert. Wohl wird von vielen Berichterstattern, namentlich aus den östlichen Gebieten, anerkannt, daß sich die Niederschläge als nützlich erwiesen haben, aber andererseits wurde das Wachstum durch das kühle Wetter zurückgehalte«, sodaß die Entwickelung in der letzten Woche meist nur wenig oder keine Fortschritte gemacht hat. Was den Weizen anlangt, so ist sein Stand von vereinzelten Ausnahmen abgesehen, durchaus befriedigend. Er ist jetzt im Schossen und bedarf eben wie alle anderen Gewächse warmer und trockener Witterung. Ueber Rostbildung wird zwar vielfach berichtet, doch knüpfen sich daran zunächst keine ernsteren Besorgn«,e. Der Roggen ist infolge mangelhafter Be- stockung zum großen Teile dünn geblieben: er steht jetzt überall in der Blüte, für die das kühle und regnerische Wetter in der Berichtswoche wenig vorteilhaft war. Die Sommersaaten zeigen im allgemeinen einen befriedigenden Stand, sind aber in der letzten Woche wenig vorwärts gekommen. Die Wiesen haben sich nicht nach Wunsch entwickelt, und da das Untergras zurückgeblieben ist, so wird die Heuernte stellenweise wenig befriedigen. Die Hackfrüchte haben mangels Wärrne wenig Fortschritte gemacht, auch sind die Kulturarbeiten durch vielen Regen verzögert worden; trotzdem lauten die Berichte über die Rübenäcker meist recht günstig. Die Kartoffeln sind überall gut ausgelaufen.