Hersselder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
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Hersselder
für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-Slnschlutz Nr. 8
Nr. 181. ” Sonntag, den 7. Jnni «hZ
Bus der Heimat.
§ Hersfeld, 6. Juni. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unterm 5. ds. Mts. geschrieben: Die allgemeine europäische Wetterlage hat sich recht ungünstig gestaltet. Ueber Großbritannien liegt ein Hochdruckgebiet, über dem westlichen Rußland ein Tiefdruckgebiet. Das letztere vertieft sich leider langsam aber ständig. Deutschland liegt daher im Grenzgebiet beider und ist wieder stärker in dem Bereich der dort wehenden Winde aus westlichen bis nördlichen Richtungen gekommen. Diese stammen aus dem hohen Norden Europas und sind daher kühl. Leider zeichnet sich diese Wetterlage durch unangenehme Beharrlichkeit aus. Es ist also noch keine Aussicht auf andauerndes wärmeres Wetter vorhanden. Wir müssen außerdem in den nächsten Tagen mit einzelnen Regenfällen rechnen, wenn auch der Eintritt einer andauernden Regenzeit zunächst noch nicht wahrscheinlich ist.
):( Hersfeld, 6. Juni. Die zum besten des R o t e n Kreuzes in Stadt und Kreis Hersfeld veran- staltete Sammlung ergab den Betrag von rund 1450 Mark.
):( Hersfeld, 6. Juni. Eine Rohheit, die man nicht genug verurteilen kann, wurde in der Nacht vom Dienstag auf: Mittwoch an der Straße nach He e n e s zu verübt, indem dort sieben junge Obstbäume abgebrochen wurden. Hoffentlich gelingt es, die Verüber dieser rohen Tat zu fassen, damit ihnen die gebührende Strafe zu teil wird.
):( Hersfeld, 6. Juni. Da der Kreis Hersfeld bekanntlich beabsichtigt, sämtliche Ortschaften des Kreises durch Abschluß an das Elektrizitätswerk der Edertalsperre mit elektrischem Strom zu versorgen, so war auf Veranlassung des Kreisausschusses heute vormittag im Hotel zum Stern eine Versammlung anberaumt worden, in welcher der mit der Ausarbeitung des Projekts beauftragte Sachverständige, Herr Direktor Singer aus Frankfurt a. M., einen Vortrag über den Nutzen der Elektrizität halten sollte. Bis auf wenige Ausnahmen hatten sich die Bürgermeister und Gemeindeverordnete der Gemeinden unseres Kreises sowie sonstige Interessenten eingefunden. Nachdem Herr Landrat von Grunelius zunächst festgestellt hatte, welche Gemeinden nicht vertreten waren, kam er in kurzen Worten auf den Zweck der heutigen Versammlung zu sprechen. Wie das bereits in zahlreichen Kreisen der Umgegend der Fall wäre, so sei auch jetzt dem Kreise Hersfeld Gelegenheit geboten, den Kreis mit elektrischer Kraft zu versehen. Sollte sich der Kreis dies entgehen lassen, so sei die Gefahr vorhanden, daß er wirtschaftlich hinter seinen Nachbarkreisen zurückbleibt. Der Kreis will daher die Möglichkeit zum Anschluß bieten und es wäre bedauerlich, wenn die Gemeinden sich nicht genügend beteiligen würden. Es sei zu bedenken, ob sich jemals wieder die Gelegenheit so günstig bieten würde wie der Anschluß an die Eddertalsperre, denn der Staat will bei der ganzen Anlage kein Geschäft machen, sondern begnügt sich mit einer Verzinsung des angelegten Kapitals, während dies bei den großen Privatgesellschaften doch nicht der Fall ist. Es erhielt dann Herr Singer das Wort zu seinem Vortrage. Zunächst verbreitete sich derselbe über die Elektrizität im Allgemeinen, über ihre enorme Entwicklung und kam dann auf die verschiedensten Anwendungsmöglich- keiten zu sprechen. Was zunächst unsere gesamten übrigen Beleuchtungsmittel anbetreffe, so müßten dieselben alle mittelst Streichholz angezündet werden. Der krönte Brandstifter aber sei nachgewiesenermaßen das Streichholz, dem schon manches schöne Gehöft zum Opfer gefallen sei. Erst im letzten Jahre seien wieder mehrere tausend Brände durch das Streichholz verursacht worden. Ferner gingen jährlich rund 80 Millionen Mark für Petroleum aus Deutschland heraus nach Amerika, was hieran gespart würde, sei ein positiver Gewinn. Was die Billigkeit der Petroleumlampe anbetreffe, so sei dieselbe nicht weit her. Eine gut im Stande befindliche Lampe gibt 25—26 Kerzen Lichtstärke und verbraucht für 2 Pfg. pro Stunde Petroleum, der Preis erhöht sich sogar auf 3 Pfg., wenn eine besondere Sorte, die nicht rußt, verwendet wird. Dagegen ist eine elektrische Lampe in derselben Lichtstärke genau so teuer, hat aber den außerordentlichen Vorteil, daß sie völlig feuersicher ist, nicht rußt, sich überall anbringen laßt, selbst da, wo feuergefährliche Stoffe lagern. Em weiterer großer Vorteil ist die leichte Jnbetrieb- letzuna, eine kleine Drehung an einem Knopf und das Licht flammt aus, eine weitere Drehung und das Llcht verlöscht wieder. Dadurch ist das elektrische Llcht auch ganz besonders sparsam, indem man es bei ernem kurzen Verlassen des beleuchteten Raumes ausdrehen kann, während man das bei anderen Licht
arten nicht tun wird. An Billigkeit, Reinlichkeit und Bequemlichkeit wird das elektrische Licht von keinem anderen Licht ttbertroffen. Der Herr Redner kam dann auf die Verwendung der Elektrizität als Kraft zu sprechen. Ueberall da, wo die Elektrizität eingeführt worden wäre, seien alle anderen Betriebsmittel, wie Benzin, Naphtalin, Dampflokomobilen usw., verschwunden, denn gerade der Landwirt braucht eine einfache Maschine, die keine Wartung nötig hat. Das ist bei dem Elektromotor in weitgehendster Weise der Fall. Die Abnutzung des Elektromotors ist außerordentlich gering und Reparaturen kommen an demselben überhaupt nicht vor. Die Oeluna braucht alle Jahre nur einmal zu geschehen, der Motor braucht nichts für seine Unterhaltung und er kann zu jeder Zeit in Betrieb gesetzt werden, ohne daß eine besondere Bedienung nötig ist. Der Raumbedarf des Elektromotors ist außerordentlich gering, er läßt sich überall anbringen, er ist stets betriebsbereit, da kein Anheizen nötig ist und, was ebenfalls eine Hauptsache ist, die Anschaffung ist bedeutend billiger wie jede andere Maschine. Ein Elektromotor von einer Pferdestärke kostet z. B. 300 Mk., ein Benzinmotor von derselben Stärke 1300 Mk. und eine Dampfspar- maschine 2000 Mk. Bei größeren Maschinen ist der Unterschied in der Anschaffung noch größer. Weiter ist der Elektromotor eine außerordentlich billige Betriebsquelle, so kosten z. B. bei einem einpferdigen Bezinmotor 200 Betriebsstunden 279 Mk., beim Dampf- sparmotor 364 Mk. und beim Elektromotor nur 79 Mark, bei einem dreipferdigen Motor kosten die 200 Stunden 422 Mark, 652 Mark und 172 Mark. Dies sind Zahlen aus der Praxis, und stellen einen Vorteil dar, der von niemanden verkannt werden kann. Dazu kommt dann noch die große Sauberkeit, Einfachheit und Feuersicherb^.'. Herr Dr. Singer weißt dann noch an interessanten Beispielen aus Handwerksbetrieben nach, was sich alles für 20 Pfg. Strom herstellen läßt, und bemerkt dazu, daß in den Betrieben ein und mehrere Gesellen durch die Einrichtung elektrischen Betriebes gespart werden können. Gerade in der Landwirtschaft, in der jährlich 250 000 ausländische Arbeiter beschäftigt werden, die einen Lohn von ca. 40 Millionen erhalten, der größtenteils in das Ausland geht, ist die Einrichtung des elektrischen Betriebs von großem Nutzen, denn es werden dadurch Leute gespart. Herr Dr. Singer weißt an einem Beispiel nach, daß eine Dampfdreschgenonen- schaft bei einer 300stündigen Arbeitszeit 1800 Mk. Ausgaben hatte, während bei einem Elektromotor (bei einem Strompreis von 15 Pfg.) die Betriebskosten nur 1200 Mk. betrugen. Es kostet z. B. ein Zentner Roggen zu dreschen durch Dampflokomvbile 83 Pfg., durch Elektromotor 67 Pfg., Weizen 69 resp. 55 Pfg., Gerste 65 resp. 52, Hafer 58 resp. 47 Pfg. Diese Zahlen sind der Praxis entnommen und beweisen treffend die Billigkeit des Elektromotors. Auch ist der Körnerertrag um 2"° höher wie bei Dampfdrusch, weil der Elektromotor gleichmäßiger geht. Während die Lokomobile einen Mann als Wärter verlangt, kann der Elektromotor von jedem in Betrieb gesetzt werden, und braucht dann keine Aufsicht mehr. So stellt sich beispielsweise das Häckselschneiden für 4 Stück Vieh auf die ganze Woche auf 40 Pfg., während sonst drei Mann je 312 Stunden damit zu N haben Einen Zentner Häcksel schneidet man für 4 Pf^ desaleicken ist der Betrieb bet den Milch- zentrifugen usw.- außerordentlich billig. Zum Schluß bemerkte Herr Dr. Singer noch, daß er bet Absapung des Gutachtens sehr vorsichtig zu Werke gegangen sei, indem er die Einnahme sehr niedrig und die Ausgaben möglichst hoch gerechnet habe. Trotzdem ergebe sich eine Verzinsung des Anlagekapitals von 6»„, maß ja gerade kein glänzendes Geschäft sei, aber immerhin genüge. Diese Rentabilität wird unter allen Umständen bei einem Lichtpreis von 4d Pfg- und einem Kraftpreis von 20 Pfg. eintreten. Die Gemeinden des Kreises müßten eine gewipe Garantie für eine bestimmte Stromabnahme übernehmen, was aber nach seinen Erfahrungen durchaus unbedenklich sei, da die Anmeldungen immer starker wurden^ wie man anfänglich annehme. Sollte der Kreis Hersfeld die sich jetzt bietende Gelegenheit zum Amchluß vorubergehen lassen, so bleibe er hinter allen anderen Kreisen zurück. Herr Landrat von Grunelius dankte dem Herrn Redner für seine interessanten Ausführungen. Nach einer kurzen Diskussion ,ch oß der Herr Landrat gegen 11 llhr die Versammlung und gab der Hoffnung Ausdruck, daß dre Gemeinden des Kreises sich anschließen werden.
)•( Hersfeld, 6. Juni. Mit dem kommenden Sonntag beginnen auf dem Marktplatz die diesjährigen Promenadenkonzerte wieder. Das Programm zu dem um 11' 2 Uhr vormittags beginnenden Konzert ist folgendes: 1. Der Feldmarschall. Marsch v. Necke. 2. Ouvertüre: „Tedeska" v. Hanse. 8. a. Schweizerpsalm (Tritst im Morgenrot daher) v. Zwyssig.
b. Das treue, deutsche Herz, Lied v. Otto. 4. Pfingst- glocken. Walzer v. Hülsmann. 5. Studentenlieder, Quadrille v. Silwedel. 6. Festmarsch v. Ludecke. Die Konzerte werden durch Herrn Kapellmeister Wolschke ausgeführt.
-b- Rotensee, 6. Juni. Die schon so oft gerügte Unsitte beim Feueranmachen Petroleum zu verwenden, hat hier heute früh einen sch w e r e n Unfall im Gefolge gehabt. Das bei dem Landwirt Weppler hier befindliche 14jährige Dienstmädchen war allein zu Hause und hatte zum anfachen des Feuers Petroleum zu Hilfe genommen. Plötzlich schlugen die Flammen zurück und das Mädchen stand in hellen Flammen. In seiner Angst lief es über die Straße in ein anderes Haus, wodurch die Flammen noch mehr angefacht wurden. Als es den Bewohnern gelang, das Feuer zu ersticken, war das bedauernswerte Mädchen über und über mit Brandwunden bedeckt. Der sofort herbeigerufene Arzt legte einen Verband an und nahm das Mädchen im Automobil in das Hersfelder Landkrankenhaus mit
Arolsen, 5. Juni. In der festlich geschmückten Stadt trat heute der Hessische Städtetag zu seiner 24. Jahresversammlung zusammen. Anwesend waren u. a. Regierungspräsident Graf Bernstorff, der neue Landesdirektor von Waldeck-Pyrmont von Redern, Oberbürgermeister Koch und Bürgermeister Jochmus aus Cassel, Oberbürgermeister Dr. Gebeschuß-Hanau, Bürgermeister S t r a u ß -H e r s s e l d, Bürgermeister Dr. Stolzenberg-Eschwege, zahlreiche Casseler Stadträte und Stadtverordnete sowie eine große Anzahl anderer Bürgermeisteraus Hessen und Vertreter desNassauischen Städtetaaes. Der Vorsitzende, Oberbürgermeister Gebeschuß-Hanau eröffnete die Versammlung mit einem Hoch auf den Fürsten von Waldeck, worauf der Regierungspräsident in seiner Begrüßungsansprache der glänzenden Entwicklung des Städtewesens in Hessen im letzten Jahrzehnt gedachte. Stadtrat Brunner- Cassel erstattete den Geschäftsbericht. Die Mitgliederzahl beträgt zur Zeit 61. Nur drei hessische Städte haben sich dem Städtetage nicht angeschlossen. Der von Biirgermeister S t r a u ß - H e r s f e l d erstattete Kassenbericht zeigt eine günstige Lage. Oberbürgermeister Troje-Marburg und Stadtrat Brunner-Casiel wurden in den Vorstand wiedergewählt. An Stelle des verstorbenen Bürgermeisters Vocke-Eschwege wurde Bürgermeister Rößler-Schmalkalden und an Stelle des ausgeschiedenen Bürgermeisters Jochmus - Cassel Oberbürgermeister Koch-Cassel in den Vorstand gewählt. Dann erstattete Bürgermeister Jochmus-Cassel ein Referat über die Friedhofsverhältnisse in Hessen und empfahl, den Rat des Kultusministers und des Ministers des Innern zu befolgen und bei allen Streitfragen zwischen Kirchenbehörden und Stadtgemeinden über Friedhofsverhältnisfe den Rechtsweg Su beschreiten. Für ick Uhr nachmittags hatte der rürft von Waldeck-Pprmont sein Erscheinen zugesagt. für den Nachmittag hat der Fürst die Mitglieder des Kädtetages zu einem Imbiß auf das fürstliche Schloß geladen.
Ziegenhain, 2. Juni. Alle Freunde unverfälschten hessischen Volkslebens und Schwälmer Trachten seien auf die am 14. und 15. Juni stattfindende Ziegenhainer „Salatkirmes", das größte Fest der Schwälmer hinge- wiesen. Aus dem ganzen Schwalmgrund kommen die Schwälmer, alt und jung, in ihren farbenprächtigen Nationaltrachten nach der Kreisstadt. Hier ist auch Gelegenheit, die Brautpaare in ihrem goldstrotzenden Schmucke und die alten Schwälmertänze zu bewundern.
Cassel, 6. Juni. Fast 5^ Millionen Mk. Wehrbeitrag bringt Cassel sStadti nach den nunmehr abgeschlossenen amtlichen Ergevnissen auf. Die Veranlagungen für den Stadtkreis Cassel haben den Betrag von 5 Millionen 300 000 Mk. ergeben. Welcher Anteil auf Rechnung des Generalpardons zu setzen ist, steht nicht fest, da eine statistische Aufstellung nach dieser Richtung nicht erfolgt und nicht ungeordnet ist. Jedenfalls weist aber die Höhe des festgestellten Vermögens gegenüber der vor drei Jahren für die Ergänzungssteuer erfolgten Erhebung eine so starke Steigerung auf, daß diese sich aus dem natürlichen Wachstum des Kapitals und des Volkswohlstandes allein nicht erklären läßt. Zu beachten ist dabei, daß die Wehrbeitragsveranlagung auch in vielen Fällen zu einer schärferen Erfassung der Vermögen dadurch geführt hat, daß aus Unkenntnis unbeabsichtigt erfolgte zu niedrige Schätzungen beseitigt beziehungsweise richtig gestellt wurden.
Tiefenort (Rhön), 4. Juni. Der vor einiger Zeit in Kaiserroda ausgebrochene Brand ist durch den Dienstknecht Paul Breitung angelegt worden; B. hat ein Geständnis abgelegt. _
Wetteraussichten für Sonntag bett 7. Juni.
Wolkig, zeitweise Regenfälle, kühl, nordwestliche Winde.