bie^ näheren Umstände dieses Falles herrscht völliges „ Die Banden des „Weißen Wolfes" haben ben Ring, den die chinesischen Regierungstruppen um sie geschlossen hatten, durchbrochen und Mintschu geplündert und in Brand gesteckt. Dabei ist auch das Missionsgebäude in Flammen aufgegangen, die Missionare sind jedoch gerettet worden.
Las Seelenleben der tuflsahrer.
Warnung vor gewagten Höhenexperimenten.
Hochbedeutsame Muersuchungsergebnisse, die den Emtluß der Höhe auf das Seelenleben des Luftfahrers betreten, teilen zwei Berliner Forscher, Prof. Loewy und Dr. Placzek in der letzten Nummer der Berliner klinischen Wochenschrift mit. Man hört und liest immer wieder, leider erschreckend häufig, von Abstürzen, bei denen weder in der Konstruktion des Apparates noch in den meteorologischen Verhältnissen eine ausreichende Erklärung für das Unglück zu finden war. Da lag die Ber- mutnng nahe, daß letzten Endes Veränderungen des Seelenlebens bei den kühnen Piloten die Schuld tragen könnten — sei es nnn eine Abstumpfung der Aufmerksamkeit, sei es eine Aenderung des Urteilsvermögens oder eine Aenderung des Verhaltens auf äußere Reize, seien es endlich Aenderungen in der Gemütssphäre selbst, wie Angstzustände, Zwangsgedanken usw.
Prof. Loewy und Dr. Placzek gingen nun an eine Prüfung der einzelnen Funktionen, um festzustellen, ob größere Höhenlagen den Ablauf dieser Funktionen ungünstig zu beeinflussen vermögen. Um den tatsächlichen Verhältnissen möglichst nahe zu kommen, stellten sie Versuche im pneumatischen Kabinett an, in welchem die Luft so weit verdünnt wurde, daß der Luftdruck durchschnittlich einer Höhe von 4000 Meter entsprach. Diese Grenze wurde gewählt, weil zur Zeit der Versuche me Fliegerrekordleistung btefe Höhenlage als Maximum erreicht hatte: inzwischen ist sie bereits mehrfach über- öoten worden.
Ueberblicken wir — so resümieren die genannten Forscher — auf Grund unserer Erfahrungen, wonach eine Höhe von 4000—5000 Meter Menschen der verschiedensten Altersstufen schwer beeinflussen kann, schon wenn diese Menschen in voller seelischer und körperlicher Rnhe sich befinden, die Leistungen unserer Flieger: be- denken wir, daß sie oft durch Böen hinauf- und heruntergerissen werden, also beträchtlichen Lnftdrnckfchman- knngen ausgesetzt sind: bedenken wir, daß ein Freiballonfahrer diesem Spiel der Böen ja oft recht hilflos ausgesetzt ist, bedeuten wir, daß der Flieger unter dauernder Anspannung höchster Aufmerksamkeit seinen Apparat im Gleichgewicht halten, jede Störung durch Kraft erfordernde Stenerhandhabung ausgleichen muß: bedenken wir, daß die Flieger in ihren neuesten Leistungen solche Anstrengungen viele Stunden hintereinander durchführen müssen: bedenken wir, daß der Flieger sich bureb Wetter und Wind nicht beirren lassen darf, sich orientieren muß, so zwingen unsere Erfahrungen, vor der modernen Ueberbtetungssucht direkt zu warnen. Diese Leistungen mögen bewundernswert sein, sie mögen sogar einen nicht zu unterschätzenden Ansporn zur -Energieentfaltung darstellen: auf Grund der wissenschaftlichen Erfahrungen, auf Grund der Tatsache, daß der Aufenthalt in derartigen Höhen unter Bedingungen, die gar nicht mit dem Aufenthalt des Fliegers in solchen Höhen zu vergleichen sind, die Schnelligkeit der Neaktion vom Willensreiz znr Handlung verlangsamte, die Kraftleistung verminderte, schwer störende körperliche Erscheinungen zuwege brächte, die ihrerseits wieder rückwirkend das Handeln wesentlich beeinflussen müssen, kann nur vor solchen Experimenten gewarnt werden.
Auf Grund unserer Erfahrung ist es uns nicht zweifelhaft, wie Höhenflieger, z. B. wie Chavez, kurz vor ihrem Ziele zu Tode stürzten. Es ist die rasche Ueberwindung der Höhendifferenzen, die eine körperliche Schädigung und einen Nachlaß der Willenenergie bewirkt, vor der alle Kühnheit und Furchtlosigkeit versagen. Wir, bei unseren Versuchen, litten nicht unter Kälte: wir litten auch nicht unter der atemraubenden Wirkung des Gegenwindes. Man denke aber, mit welcher Schnelligkeit Flieger die Luft durcheilen, und überlege, welche schwere Einwirkung schon der Wind übt. Er entzieht dem Körper die Wärme, und der ruhig sitzende Flieger hat nicht die Möglichkeit, durch Körperbewegung das auch nur einigermaßen auszugleichen. Die Blutgefäße seiner Haut werden durch den Wind ver= mot, später aber viele Stunden durch Lähmung erwei- tert, und zwar an den unbekleideten wie an den bekleideten Hauptpartien. Es strömt also mehr Blut in bte Hauptgefätzgebiete, und diese Blutmenge wird dem Kör- perinneru entzogen, also den inneren Organen, und wohl auch nicht zum mindesten dem Gehirn. Nicht verwunderlich, daß das Gehirn darauf auch in auffallender Weise reagiert. Wirkt doch der Wind auch direkt erregend auf die Empfindungsnerven der Haut. Bedenkt man die schwindelerregende Geschwindigkeit, mit der schon Flieger den Luftraum durcheilten, dann kann man sich wohl vorstellen,- welcher Luftanprall gegen die Haut erfolgt.
Vermischtes.
Der Kaiser als Kinderfreund. Einige hübsche Einzelheiten über den Aufenthalt des Kaisers unter den Kindern im Ahlbecker Heim weiß das „Berl. Tagebl." zu berichten. Der Kaiser hat Dienstag mittag dem Kinderheim in Ahlbeck einen Besuch abgestattet. Der Kaiser, der seinen Besuch am Abeud vorher telegraphisch an- gemeldet hatte, wurde von den Hausbewohnern lebhaft begrüßt. Er schüttelte vielen unter den 150 Kindern, die sich zurzeit in dem Kinderheim aufhalten, die Hand nnd führte dann seine Begleiter durch die einzelnen Räume des Aaufes, wobei der Kaiser selbst die Erklärungeu gab, Verbesserungen anregte und für den weiteren Ausbau des Hauses eintrat. Dann führten die Kinder mehrere Spiele vor, darunter ein neues, das Sonnennhren- spiel, das dem Kaiser besonders gefiel. Mit lebhaftem Interesse unterhielt sich der Kaiser mit den Kindern über die Korrespondenz, die diese ständig mit ihm führen. Die Kinder schreiben dem Kaiser fast täglich lange Briefe, von denen der größte Teil durch die Leiterin des Hauses, Fräulein Kirschner, bem Kaiser auf seinen Wunsch direkt eingesandt wirb. Die Kinder erzählen in diesen Briefen ihre Leiden und Freuden, wie sie unter der Brause baden, wie es unter dem warmen Wasser so angenehm und unter dem kalten so gruselig ist, wie ihnen das Essen geschmeckt hat, was sie zu Mittag bekommen und was für Funde und Entdeckungen sie am Strande gemacht haben. Die Kinder hatten Geschenke vorbereitet, Bernsteinstücke und Muscheln, die der Kaiser sich willig in die Tasche stecken ließ. Um ein Uhr wurde das Mittagessen aufgetragen, das der Kaiser zwischen den Kindern einnahm, wobei er auf seinen ausdrücklichen Wunsch dieselben Speisen aß, die die Kinder erhielten. uctivimv iuhhuw
Thormauu-Alexanders Schuldkonto. Wie sich im säumte sie eine Vorstellung, in der der Angebetete dar- LMfk Lvk MersMWS ö&O tzm fglfchLN Büraermet- stellerisch mitwirkte, und Qualen der Eifersucht durch-
ster jetzt herausstellt, ist Thormann nicht nur als Dr. Alexander anfgetreten, sondern hat sich auch in einer ganzen Reihe weiterer Fälle noch andere Namen beigelegt und unter diesen Aussagen beschworen. Während ihm aber sein großer Kösliner Betrng wohl nur eine verhältnismäßig geringe Strafe einbringen wird dürsten ihm die nun entdeckten Betrugsfälle recht teuer zu stehen kommen. Thormann war mehrfach wegen Ali- mentationsverpflichtungen verklagt worden und machte stets den Einwand, daß das Mädchen noch zu anderen Beziehungen gehabt habe. Diesen angeblichen Entla- stungszengen machte er gleich namhaft, wobei er eine fingierte Adresse des Zeugen angab. Die gerichtlichen
Beziehungen gehabt habe. Diesen angeblichen Entla- stungszengen machte er gleich namhaft, wobei er eine fingierte Adresse des Zeugen angab. Die gerichtlichen Vorladungen, die die Betreffenden dann erhielten, verstand er in seinen Besitz zu bringen und erschien dann bei den Terminen stets selbst, einmal als der Kaufmann Schulz, das andere Mal als Dr. Müller usw. Bis jetzt wurden fünf derartige Fälle ermittelt. Stets hat Th. die falschen Personenaugaben und das, was er auslagte, beschworen, svdaß er sich mehrerer Meineide schuldig gemacht hat. Die Aburteilung wird wahrscheinlich im Oktober vor dem Schwurgericht in Köslin erfolgen.
Einbrechern für 120 000 Mark Dicbesbente abge- ,kommen. In dem Hause Jerusalemerstratzc 5/6 zn Berlin unterhält eine schweizerische Fabrik eine Niederlage ihrer Uhren und Goldwaren. Ein im selben Stockwerk-wohnender Geschäftsmann hörte spät nachts, wie sich jemand an seiner FlnrtNr zu schaffen machte. Als er öffnete, fand er sich fremden Menschen gegenüber, die sofort die Tür wieder zuwarfen und abschlossen. Durch schnell Herbeigerufene Schutzleute wurde das Grundstück abgesucht, aber die Einbrecher waren bereits nach dem Boden hinauf entflohen und über die Dächer entkommen. Wie festgestellt wurde, hatten sie alle Türen mit Nachschlüsseln geöffnet, auch die eiserne Tür am Flurvorraum und vor allem den schweren Panzergeld- fchrank, der für 120 000 Mark der besten Waren barg. Die reiche Bente packten die Einbrecher in Papierkörbe, um sie so bequem unb vollständig wegschaffen zu können. Als sie jedoch gezwungen waren, die eilige Flikcht über die Dächer anzutreten, mußten sie die Beute im letzten Augenblick im Stich lassen. Morgens fand man die gefüllten Körbe auf dem Boden des Hauses wieder. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur.
Suffragetten bezahlen keine Schulden. Mit den Neu- yorker Stimmrechtsgrazien ist ebenso wenig wie mit ihren holden Londoner Genossinnen gut Kirschen essen. Das hat eben erst der arme Bürgermeister Mitchel der Hudson-Metropole erfahren müssen, der öffentlich in einer Stimmrechtsversammlung als „Dummer Junge" gebrandmarkt ivurde, das soll überhaupt die gesamte böse Männerwelt zu spüren bekommen, der man den Kampf bis aufs Messer geschworen hat. Nicht ganz ungeschickt will man den Feind am empfindlichsten Punkt, dem lieben Geld, treffen. Die Stimmrechtsdamen wollen ganz einfach überhaupt nichts mehr bezahlen, vor allem nicht das, was sie schuldig geblieben sind. Da hatten sich jüngst die Wahlrechtsweiber in einem Hause Lokalitäten gemietet, um dort bei Tee und Kuchen ihr politisches Geschwätz auszukramen. Versammlung iiber Versammlung hielten sie ab, dachten aber nicht im Entferntesten daran, die schon seit Monaten schuldig gebliebene Miete zu begleichen. Schließlich wurde es dem Wirt zu bunt, und er strengte deshalb gegen die Führe- rin des politischen Teekränzchens. Frau Stauten Blatch die Räumungsklage an. Mit Erfolg, denn das Gericht verurteilte den Suffragettenklub zur sofortigen Zahlung oder zwangsweisen Exmittierung. Die Mietssumme beträgt 1200 Dollars, und der Verein hätte wohl die Mittel, diese nicht allzu hohe Summe mit Leichtigkeit auf- zubringen. Aber das wollen die Damen ja nicht, sie wollen bett Männern zeigen, daß sie, so lange man ihren Forderungen nach dem Frauenstimmrecht Widerstand leistet, nicht gesonnen sind, irgend welche Schulden zu berichtigen. Dies sei ihr geharnischter Protest gegen bfe schmähliche Willkür des männlichen Geschlechts. So wird denn Neuyork nächstens das erhebende Schauspiel genießen dürfen, wie die Polizisten zwangsweise die Stimmrechtsdamen ans ihrem Klublokal hinauswerfen.
Lustiges aus Oberschlesten. Die heimatkundliche Monatsschrift „Oberschlesten" gibt in ihrer „Sammelmappe" Proben oberschlesischen Humors. Der neue Eigentümer einer Banernstelle, wird u. a. erzählt, soll das Schullehrerdeputat liefern: 4 Metzen Hafer, 2 Metzen Granpen, 1 Metze Hanf, 1 Viertel Erbsen, 1 Viertel Bohnen. Er ist im Rückstände und wird gemahnt. Wütend über die Mahnung geht er zum Getreidehändler, läßt die Devutatliefcrnng in einen Sack schütten und schickt den Sack zum Lehrer. Der Lehrer ist natürlich ungehalten und stellt den Bauer zur Rede. Dieser stellt sich dumm: „Entschuldigen Sie Herr Lehrer, der Herr Landrat hat mir gesagt, ich soll alles zusammen geben. Sie haben ja Zeit, sortieren Sie sich die Sachen, beim nächsten Mal bringe ich jedes einzeln!" — Briefträger E. empfängt die Postsachen zum Austragen. Als er die Briefe ordnet, sieht er einen Briec mit Zustellungsur- kunde — an sich selbst: da er nun der einzige Bnef- träaer im Orte ist, ist guter Rat teuer, da doch die Zn- ste"llungsurkunde richtig ausgefüllt werden muß Da hilft er sich auf folgende Weise: Er geht in seine Wohnung übergibt den Brief seiner Frau und fertigt dann die Urkunde ans: „Ich habe mich in die Wohnung des Adressaten begeben, und da ich denselben persönlich nicht angetröffeu habe, das Schriftstück der Ehefrau überae- ben, welche die weitere Beförderung versprochen hat.
Im Barbiergeschäst.' Barbier: „Sie glauben gar iticbt tute anspruchsvoll die Kunden sind. Der eine will uterkalten fein der andere wünscht Ruhe, einen dritten wieder sM nicht anrühren, nnd so geht's fort/' — Herr- „Da will ich's Ihnen leicht machen. Mich brauchen Sie bloß zu rasieren."
Tragödie einer Generalslochler
Das allgemeine Tagesgespräch bildet in Liebestragödie einer Dame der hohen Geieltzchaft. Joi einigen Tagen bat sich nämlich im Automobil auf der RiMkchr vom wÄ »I- Hou dos Obcrl-uInontS Pollach, eine Generalstochter, durch einen Schuß in die Schläfe tödlich verletzt, sodaß sie kurz vor der Qvera- tion im Svital verschieb. Das Motiv zu dem Selbstmord der Generalstochter liegt uc einer glühenden, aber unerwiderten Liebe zu einem Schauspieler des Grazer Stadttheaters Frau Pollach, die von ihrem Mann ge- Meden war, hatte^ sich infolge eines Nervenleidens zur Kur in ein Sanatorium nach ® ^Apeaehcn. Während dieses Aufenthaltes lernte sie gelegentlich eines Theaterbesuches jenen Schauspieler kirnen, der chr nun so verhängnisvoll geworden ist. Die st^k exzentnsche Dame empfand augenblicks esire summende Neigung ür den Künstler, der sich jedoch ihr gegenüber sehr -prüde und küA da er selbst in glücklicher Ehe L Obwohl seine Zurückhaltung Frau Pollach fast zur Verzweiflung brächte, ließ sie dennoch mit ihren Liebeswerbungen um den «chauspleler nicht ab, ja sie verfolgte ihn förmlich auf -schritt und Tritt. Nie ver-
rasten die Unglückliche, wenn das Haus, besonders die Damenwelt, den beliebten Künstler mit Beifall und Anerkennung überschüttete.
Als die Generalstochter endlich erkennen mußte, daß ihr Lieben und Hoffen vergeblich blieb, faßte sie den Entschluß, aus dem Leben zu scheiden, den sie auch dein Schauspieler mitteilte. Sie erschien im Theater, um wie gewöhnlich einer Vorstellung beizuwohnen. Inzwischen hatte der Schauspieler Angehörige und Polizei von dem Vorhabeil der Same verständigt, um eine Katastrophe zu verhüten. Frau Pollach hatte, um sich unkenntlich zu machen, eine schwarze Perücke aufgesetzt, so- daß es sehr schwer war, sie aus dem Theaterpublikum herauszufinden. Dennoch gelang dies nach vieler Mühe einem Polizeikommissar, der sie beredete, wieder heim- zukehreit. Sie stiegen also beide in ein Antomobil und fuhren davon. Unglücklicherweise hatte der Kommissar den Fehler begangen, sich neben den Chauffeur zu setzen, sodaß er die unglückliche Fran nicht beobachten konnte. Frau Pollach benutzte diese« Umstand, um unterwegs auf der Fahrt einen Revolver hervorzuziehen und sich die tödliche Kugel in den Kopf zu jagen.
fliest Ltchnowsky englischer Ehrendoktor.
Der Ehrendoktorgrad des bürgerlichen Rechtes ist ford. Der Ehrendoktorgrad des bürgerlichen Rechtes ist dem deutschen Botschafter Fürsten Ltchnowsky in Gegenwart der Fürstin Lichnowsky und einer angesehenen akademischen Versammlung von der Universität Oxford verliehen worden.
Des Fürsten Dank für die Anszeichnnitg.
*# Oxford, 4. Juni. Bei einem Festessen, das gestern abend die deutsche literarische Gesellschaft und der englisch-deutsche Klub zu Ehren des Fürsten veraustal- teten, dankte dieser für die Auszeichnung und erklärte dabei u. a.: Der Stolz, den er über diese Auszeichnung empfände, werbe nur durch ein arideres Gefühl über- troffen, nämlich die Befriedigung über diesen Beweis warmer Sympathie für das Deutschtum und für das deutsche Baterlaud. Fürst Ltchnowsky erinnerte daran, daß Kaiser Wilhelm und genau vor hundert Jahren König Friedrich Wilhelm III. in Oxford das Ehrendoktorat erhalten hätten. Sodann ging der Redner auf die Beziehungen zwischen der englischen und deutschen Wissenschaft und Literatur ein. Je mehr deutsche Wissenschaft und Literatur in England und englische Literatur und Wissenschaft in Deutschland gepflegt würden, desto mehr würden die beiderseitigen Geistcs- werte Gemeingut beider Nationen und desto größer die Gemeinschaft der beiderseitigen Ideale sein. Der Fürst glaube, seine nunmehrige Zugehörigkeit zu der Universität so auffassen zu sollen, daß er in Zukunft die Beziehungen zwischen Oxford und Deutschland nach Möglichkeit fördern und entwickeln würde.
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n» neuestes Dom Cuge.
Rettung Schiffbrüchiger.
o-* Bremen, 4. Juni. Durch die Rettungsstation Borkum-Süd der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger sind gestern von dem deutschen Segler „Frido", der bei Borkum gestrandet ist, vier Personen gerettet worden. — Wie die Untersuchung ergeben hat, bat der Kohlendampfer „Storstad" bei dem Zusammen- stoß eine halbkreisförmige Verbeulung des Vorderstevens erlitten, wodurch die Aussage des Kapitäns An- derson an Wahrscheinlichkeit gewinnt, daß der Bug des Kohlendampfers ursprünglich im Leck der „Empretz" festgehalten wurde, aber durch die Vorwärtsbewegung des letzteren aus dem Leck herausgerissen wurde.
Selbstmord eines Bankdefrandanten.
** Kopenhagen, 4. Juni. (B. Z.) Der wegen Unterschlagung steckbrieflich von hier verfolgte Bankbeamte Nikkelsen erschoß sich an Bord des Fährschiffes „Preußen", als er verhaftet werben sollte. Man fand bei ihm noch zwei Schecks und einige Barmittel.
Ein Passagier-ampfer in Gefahr.
»s* Havre, 4. Juni. Die Rückreise des großen französischen Paketdampfers „France" aus Neuyork hätte beinahe zu einer ähnlichen Katastrophe Anlaß gegeben, wie die der „Empretz of Jreland". Am Sonntag abend herrschte dichter Nebel auf dem Fahrtwege der „France". Um %9 Uhr hörte plötzlich die Deckwache drei Sirenen- stöße kurz vor dem Schiff. Es war nicht genau sestzu- stellen, woher die Signale fanten. Infolgedessen ließ der Kapitän abstoppen. Plötzlich erschien eine dunkle Masse vor der „France", die sich als ein großes, in entgegengesetzter Richtung dahinfahrendes Passagierschiff herausstellte. Im letzten Augenblick gelang es dem Kapitän der „France", den Zusammenstoß zu vermeiden. Jedoch fuhr das andere Schiff nur wenige Meter von der „France" entfernt vorbei. Der Name des anderen
5it veimrei-en.
Schiffes konnte nicht^festgestellt werden. Die Passagiere wurden tn Unkenntnis der Gefahr gehalten, die sie bedroht hatte.
Amerikanische Munition für die Rebellen.
** Mexiko, 4. Juni. Die mexikanischen Kanonenboote haben den Befehl erhalten, den Hafen von Tam- pico zu blockieren, um den Aufständischen die Zufuhr von Munition abzuschneiden. Es soll sich um den Dampfer „Antillo" handeln, der am 2. Juni von Neuyork mit 500 Tonnen Munition und einem Flugzeug für die Ausständischen abgegangen ist.
Die Absichten Amerikas bezüglich Mexikos.
w- Neuyork, 4. Juni. lB. Z.) Da die mexikanischen Insurgenten sich an den Friebensverhandlungen in Niagarafalls nicht beteiligen, hält man in Washington alle Möglichkeiten einer Bermittlung für gescheitert, wenn auch die Konferenz noch einige theoretische Beschlüsse fassen dürfte, um sich einen anständigen Abgang zu sichern. In Wachingtoner Kreisen rechnet man nun mit der Wahrscheinlichkeit eines aktiven Eingreifens Nr Union in Mexiko, unter Umständen mit einer Besetzung der mexikanischen Hauptstadt durch amerikanische Truppen. Es wird darauf hingewiesen, daß die Besetzung von Veracruz nur als erster Schritt zur Durch- fübruna einer großzügigen amerikanischen Okkupationspolitik zu betrachten ist.
Schadenersatzklagen wegen der Empretz-Katastrophe.
** Montreal, 4. Juni. Auf die Schadeuerfatzklage in Höhe von zwei Millionen Dollar, die die Canadian- Pacific-Gesellschaft gegen die Reeder der „Storstad" angestrengt hat, haben btefe mit einer Gegenklage in Höhe von 500 000 Dollar für die Beschädigung ihres Schiffes durch die „Empreß" geantwortet. Als Grund wird die Ziellosigkeit in der Navigation der „Empretz" angegeben.
Nach den letzten Feststellungen sind bet der Kata- Se 1024 Personen ertrunken: 452 wurden gerettet, ter befinden sich 283 Mann der Besatzung. Kapt- tän Lange, der Vertreter der norwegischen Dampferlinie in Montreal, protestiert gegen grundlose Anklagen. Die Besatzung der „Storstad^ habe 255 Personen gerettet. Die Gesellschaft bietet 235 000 Dollars Bürgschaft für die Sreigade der «Storstad".