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Gras Zeppelin über sein Werk

Der Weg zmn Erfolge.

Die Teilnehmer an der Tagung der Schiffsbautech- nifchen Gesellschaft Berlin haben von Stuttgart aus Friedrichshafen besucht. Auf der Zeppelmwerst wurden sie vom Grafen Zeppelin empfangen. Inder Luftschiff­halle erläuterte der Graf am Gerippe des un Bau be­findlichen Luftschiffes „L Z 25" ben Gasten sein System und hielt hierauf einen Vortrag über seine Luftschiffe.

hohen Werthen mit nutzbringender Last sicherfahrende Luftschiffe gereimten müßten, ließ mich na­mentlich der im Jahre 1874 veröffentlichte Vortrag des Reichspostsekretärs Stephan tiber,,Weltvost- und Luft­schiffahrt" erkennen. Das rief Seit Wunsch der Verwirk­lichung solcher Schiffe in mir wach. Die wenigen Motor- luftschiffe, die damals schon gefahren waren, konnten mir bei ihren zu geringen Leistungen nicht als Vorbilder dienen. Aber so viel rvar mir von Anfang an klar, daß im Gegensatz znr Wasserschiffahrt, bei der ein als Floß gebrauchter Baumstamm schon für die ersten Menschen ein nützliches Fahrzeug darstellte, gleich das erste Luft­schiff, das einmal wirklichen Wert erhalten sollte, sehr große Ausmaße bekommen müsse. Da die Verwendung verdünnter Luft wegen der großen Gewichte der zur Unterhaltung der Wärme nötigen Brennstoffe nicht in Betracht kam, so blieb nur das Wasserstoffgas übrig.

Mail hat mir das Bauen von Luftschiffen, bei Zeiten ein so feuergefährliches Gas verwendet werden muß, vielfach verdacht. Aber heute wird niemand mehr diese Gefahr so hoch einschätzen, nachdem bei mehreren tausend Fahrten nur eines meiner Luftschiffe — und dieses nur infolge des unglücklichen Zusammentreffens verschiede­ner Ursachen — in der Luft verbrannt ist. Der geringe Auftrieb in der Luft nötigte mich gleich zu Anfang zum Bauen in so gewaltiger Größe, daß ich den bald eintre- tenden allgemeinen Zweifel an der Gesundheit meines Verstandes voraussah. (Heiterkeit.) Die wichtigsten, durch deu Auftriebsgewinn ermöglichten Neuerungen maren im Laufe der Zeit der Einbau eines dritten Mo­tors, die Funkentelegraphenstation, die behaglichen Auf­enthaltsräume, der Einbau von Scheinwerfern usw. So gelangte man allmählich zu den heutigen Luftschiffen. Es ließe sich schon mit den heutigen Luftschiffen ein re­gelmäßiger Verkehr einrichten, z. B. zwischen Berlin und London oder Stockholm, der lohnend würde, sobald durch längeren Betrieb die Ueberzeugung allgemein ge­worden wäre, daß man nicht behaglicher, freier von See­krankheit, schneller und gefahrloser reisen kann. Doch das Erreichte stellt nur eine Stufe der Entwicklung dar, die ich mir von Anfang an für die Luftschiffahrt gedacht ' Erst wenn ganz große Reisen mit lohnender zurückgelegt werden können, wird das Ziel er-

habe. Erst wenn ganz große Reisen mit lohnender Fracht zurückgelegt werden können, wird das Ziel er­reicht sein."

Nach dem mit lebhaftem anhaltenden Beifall auf­genommenen Vortrag sprach Diplom-Ingenieur Dor- nier, der Mitarbeiter des Grafen Zeppelin, über die ferneren Entwickelungsmöglichkeiten des Luftschiffbaues, wobei er die Leistungen von Motorluftschiff und Flug- nrafchinen verglich. In seinem Schlußwort gab Graf Zeppelin der Erwartung Ausdruck, daß sich unser Ge­recht nicht so klein finden lassen möge, daß es wegen der zurzeit wahrhaft verblüffenden Fortschritte der Flug­zeuge es unterließe, den Luftschiffen unentwegt die Aus­gestaltung zu geben, welche sie zur Eroberung ihres wei­ten Gebietes befähigen würde.

Eine Million russischer llerservislen.

Die Einberufung russischer Reservisten in einer für Friedenszeiten unerhörten Zahl hat überall nicht ge­ringes Staunen hervorgerufen. Die österreichische Kriegsverwaltung läßt ganz offen durch ihr Presseor­gan erklären, daß sie in dieser vollkommen ungewöhn­lichen Maßnahme einen Einschüchterungsversuch Ruß­lands und eine systematisch betriebene Beunruhigung und Bedrohung des europäischen Friedens erblickt, die auf die Dauer nicht länger zu ertragen sei.

In der Tat, man muß zugeben, zwischen der Einbe­rufung dreier Refervejahrgänge zu 6wöchigen Uebun­gen, die die russische Armee für anderthalb Monate auf vollen Kriegszustand bringt, und den Friedensschal­meien, die Herr Sasanow in seiner jüngsten Rede von der Tribüne der Duma herunterblies, klafft ein offen­barer Widerspruch, der nur zu sehr geeignet ist, leb­haftes Befremden auch bei uns hervorzurufen. Man kann nicht umhin, wie der Korrespondenz „Heer und Politik" von militärischer Seite geschrieben wird, die er­neute russische Reservisteneinberufung in so ungewöhn­licher Höhe als deutlichen Wink an Oesterreichs Adresse aufzufassen. Rußlands Haltung gegenüber Deutschland und Oesterreich in der letzten Zeit zeugt von einer direk­ten Animosität, die einen gefährlichen Boden für eine unerwartete Entladung abgeben könnte. Hüben wie drüben hört man zwar an leitender Stelle alle möglichen

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Die Zigeunerin vom Eibsee.

Roman von Paul Beye.

26) (Nachdruck verboten.)

Der Gefangene, der sich seither im Arrest sehr un­gebärdig benommen hatte, wurde gefesselt, unter starker Bewachung, hereingesührt. Hager und bleich, mit blitzen­dem, unstetem Blick überflog er die Anwesenden, und ein grimmiges Lächeln verzerrte seine Züge, als er seines Feindes ansichtig wurde.

Mit fester Stimme beantwortete er alle Fragen. Als der Präsident erwähnte, Janos sei schon einmal wegen Mordversuchs in Verhandlung gestanden, da ballten sich sewe Fauste, und es sah aus, als ob er auch jetzt am liebsten seinem Ankläger an die Gurgel ge­sprungen wäre. u u

, ^a^E, leugnete kaltlächelnd, irgend eine böse Ab- gehabt zu haben. Den Sprung, den der Forst- auf ihn zu gemacht hatte, mußte er als einen Angriff am sein Leben ansehen. Er handelte deswegen als er nach dem Messer griff, N Gewehr aus der Hand geschlagen wor- ^aer sei es ein leichtes gewesen, ihn, als i^ertvaltigen und gefesselt nach Gar- mr,ch zu führen. Wenn die Herren Richter und Ge­schworenen einen_ Unschuldigen verurteilen wollen, sollen sie es tun. sem Gewissen sei rein von Schuld.

Nun wurde der Tollerer vernommen, der besonders Klonte es sei seine feste Ueberzeugung, Janos hätte ihn in den Abgrund stoßen und, als dies nicht gelang, erstechen wollen.

Eine tiefe Bewegung bemächtigte sich aller Anwe­senden, der sich auch die ernsten Richter nicht entziehen konnten.

Der Verteidiger des Janos, ein sehr gewandter MM, verlangte das Wort und suchte mit seinen Zwi-

i Versicherungen von Friedensliebe und Entspannung, nur wenn man der Wirklichkeit auf den Grund geht, zeigen sich die Dinge gerade im entgegengesetzten Bilde.

Wir wissen es nicht erst seit heute, was russische sog. „Probemobilisierungen" auf sich haben, daß hinter ihnen immer etwas Besonderes steckt, was nichts Gutes für uns verheißt. Des waren wir häufig genug Zeuge. Man erinnere sich nur der überaus gespannten Situa­tion, die sich infolge der serbischen und nrontenegrini- schen Ansprüche gleich schwer auf die Länder Oesterreich und Rußland legte. Da tauchten häufig genug die Probe­mobilisierungen und Einberufungen auf und wurden in ganz Oesterreich allgemein als symptomatisch für die feindseligen Absichten des Russenreiches gedeutet. Auch heute glaubt kein Mensch in ganz Oesterreich, daß Zar Nikolaus eine Million Reservisten lediglich zu militä­rischen Uebungszwecken unter die Fahnen beruft, dies zu einer Zeit, wo dank der Haltung der russischen Diplo­matie die Balkansituation noch immer ein besorgnis­erregendes Gesicht zeigt.

der Gewehrkonstrulleur aller Mächte.

Zum Tode Paul von Mausers.

Mit dem Geh. Kommerzienrat Dr. ing. Paul von Mauser ist der Nestor der deutschen Waffenschmiede aus dem Leben geschieden. Seine gigantische Lebensarbeit war vorwiegend der deutschen Wehrkraft gewidmet, wenn auch die unübertrefflichen Waffen seiner Weltfirma bald in den Besitz aller Kulturstaaten der Erde drangen. Mausers Tod reißt eine Lücke in die deutsche Waffen- fabrikation, die sobald nicht wieder ausgefüllt werden wird, wenn auch sein Lebenswerk durch seine berufenen Mitarbeiter für alle Zeiten gesichert steht. Ueber den merkwürdigen Lebensweg des genialen Schwaben wird uns geschrieben:

Als jüngstes von 13 Kindern kam Paul, als Sohn des Büchsenmachermeisters Andreas Mauser aus Sont- Heim bei Heilbronn am 27. Juni 1838 zur Welt. 1852 trat er als Lehrjunge in die Waffenfabrik seiner Vater­stadt ein und fiel dort sofort durch eine ungewöhnliche technische Veranlagung auf. Während seiner militäri­schen Dienstzeit empfing er die ersten Fingerzeige und Anregungen zu der Neukonstruktion seiner bahnbrechen­den Waffe. In Verbindung mit seinem Bruder Wil­helm schuf Mauser als erstes Produkt jene kleine Hinter­laderkanone aus dem Ludwigsburger Armeemuseum, die seinen Namen zuerst bekannt machte. Stach dem dänischen Strieg wandten sich die Brüder Mauser vom artilleristi­schen Gebiet der Gewehrkonstruktion zu. Der große Schritt, den sie taten, war die Aufgabe der Zündnadel und die Einführung der Stiftsperkussion. Stach kurzer Tätigkeit in Belgien kehrten die Gebrüder Mauser in die Heimat zurück und arbeiteten unverdrossen an der weiteren Vervollkommnung ihres Gewehrs.

Im Jahre 1871 war endlich das große Ziel erreicht, die Kgl. Preußische Gewehrkommission erkannte ihr Ge- wehrsystem au, sodaß nun große preußische Aufträge die Folge waren. Stach dem Tode seines Bruders im Jahre 1882 lag die Leitung des allmählich zu einem Weltunternehmen gewordenen Instituts allein in den Händen Paul Mausers. Unausgesetzt arbeitete er an dem weiteren Ausbau seiner Konstruktionen, besonders an einer solchen von Mehrladegewehren und bereits 1880 gelang es ihm, sein Gewehr 71 zum Repetiergewehr auszugestalten. Diese Waffe wurde dann nach einer Probelieferung für das gesamte deutsche Heer unter der Bezeichnung „Jnfanterie-Repetiergewehr M/71—84 Kal. 11 mm" eingeführt. Einen weiteren Fortschritt stellte das Gewehr M/88 dar, bis in M 98 mit geschlossenem Kasten und verbesserter Visiereinrichtung eine hervor­ragende Gewehrkonstruktion gefunden wurde, die ihren Siegeszug durch die ganze Welt antrat.

Politische Rundschau.

Die Fürstenbegegnung in Konopischt. Am 12. Juni wird Kaiser Wilhelm als Gast des Erzherzog-Thron­folgers Franz Ferdinand auf Schloß Konopischt in Böhmen verweilen. Bei dem letzten Besuch des Mo­narchen auf der Besitzung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers war, wie erinnerlich, zwischen dem Kaiser und dem Erzherzog ein Wiedersehen in Konopischt zu eurem Zeitpunkt vereinbart worden, da der Erzherzog die dort von ihm geschaffenen Gartenanlagen seinem hohen Gaste in ihrer vollen Blüte zeigen könnte. Die damalige Verabredung soll jetzt ausgeführt werden. In Begleitung Kaiser Wilhelms wird sich auf Einladung des Erzherzogs Franz Ferdinand Großadmiral von Tir- pitz befinden, den der Thronfolger schon seit längerer Zeit persönlich kennen zu lernen wünscht.

Das amtliche Stichwahlergebnis in Stendal-Oster- burg liegt jetzt vor. Es erhielten Hoesch (kons.) 12 697 Stimmen, Wachhorst de Wente (natl.) 15118 Stimmen; ungültig waren 52 Stimmen. Bei der Hauptwahl

schenfragen den Jäger zu verwirren. Schließlich be­hauptete er, es sei eine ganz willkürliche, durch nichts zu stützende Annahme des Forstgehilfen, daß der Zi­geuner dessen Feind sei. Hatte sich dieser bei dem ersten Zusammentreffen am Eib-See nicht ganz versöhnlich ge­zeigt, und war er nicht in der Affäre wegen des Schusses glänzend freigesprochen worden?

Aber der Tollerer begann noch einmal Seit Moment zu schildern, wie er sich, schon gehend, über dem Ab­grunde befand.

„Und da sehe ich," sagte er, „wie sich seine rechte Faust hebt, wie er sie, mit zurückgezogenem Ellenbogen an die Brust drückt, wie seine Augen blitzen und fun­keln, gerade wie jetzt, meine Herren —!"

Bei diesen Worten sprang der Zigeuner so rasch und unvermittelt auf, daß die neben ihm sitzenden Gen­darmen eine Tätlichkeit fürchteten und ihn an den Armen zurückrissen.

„Meine Herren!" schrie er. „Der Mann verdient keinen Glauben. Was halten Sie von einem Beamten, der einen Wilderer, dem seit einem Jahre die ganze Jägerei auf den Fersen ist, seiner gerechten Strafe ent­zieht, weil er dessen Tochter, eilt reiches Bauernmäül, zum Weib haben will? Verdient ein Mensch, der aus solchen Gründen seine Obrigkeit hintergehen will, Glau­ben? Aus Haß und Eifersucht will er mich ins Unglück bringen. Abgemacht haben er und sie am 12. Oktober vorigen Jahres am Marterl oberhalb vom Scheiben- eckerhofe, daß der Alte, den er auf der Gamsleiten beim Wildern getroffen hat, einen Eid leisten muß, daß er nicht mehr wildert. Wie solche Eide gehalten werden, kann man sich denken, wenn der zukünftige Schwieger­sohn durch alle zehn Finger schaut."

Aller Augen hatten sich bei dieser Anklage auf den Forstgehilfen gerichtet.

Franz saß da, dunkelrot im Gesicht, nervös an

hatten erhalten Hoesch 12182, Wachhorst de Wente 7010 und Beins (Soz.) 6911 Stimmen.

Sozialdemokratische Abgeordnete wollen die Kolo­nien besuchen. Auf dem sozialdemokratischen Landes­parteitag für Schwarzburg-Rudolstadt teilte der Reichs- tagsabgeorönete Hofmann (Saalfeld) mit, die sozialde- mokratlsche Fraktion wolle in nächster Zeit mehrere Ab­geordnete nach den Kolonien entsenden, um aus eigener Kenntnis sich ein Urteil zu bilden, das für die künftige Stellung der Partei zur Kolonialpolitik maßgebend sein soll. Abgeordneter Hofmann betonte, diese Reise be­deute gegenüber dem bisherigen Grundsatz einen ver­änderten Kurs.

Ein Gnadenakt des Königs von Württemberg. Der am 28. April vom Schwurgericht in Tübingen wegen Mordes, Sittlichkeits- und Notzuchtverbrechens an ei­nem Kinde zum Tode verurteilte Hausknecht Carl Mayer aus Untersesingen ist vom König von Württem­berg zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden.

Ein englischer Korb für den Zweibnnd. Der „Tgl. Rundsch." wird von besonderer Seite bestätigt, daß tat­sächlich von russisch-französischer Seite an die englische Regierung die Zumutung gestellt wurde, der französisch- russischen Flottenkonventcon beizutreten. Bekanntlich ist die Flottenabmachung des Zweibundes erst während der marokkanischen Schwierigkeiten, also viele Jahre nach dem eigentlichen Bündnisvertrag, abgeschlossen worden. Während des Besuches des Königs Georg in Paris hat der russische Botschafter Jswolski die Frage neuerlich zur Sprache gebracht und hat nun eine ablehnende Ant­wort erhalten. Die englische Regierung wünsche, mit Rücksicht auf die Stimmung im eigenen Lande und die guten Beziehungen zu Deutschland, die Vermeidung je­den Schrittes, der als gegen eine befreundete Macht ge­richtet angesehen werden könnte.

Kleine Hachrlchfeifr

Unfall des Generalobersten von Eichhorn. General­oberst von Eichhorn, Generalinspekteur der 7. Armee- Inspektion, ist, wie aus Metz gemeldet wird, Freitag vormittag auf dem Exerzierplatz Frescatt bei der Es­kadronsbesichtigung beim Husaren - Regiment König Humbert von Italien (1. Kurhessisches) Nr. 13 mit dem Pferde gestürzt und hat sich eine Muskelzerrung am Oberschenkel zngezogen.

Vom falschen Bürgermeister Thormann. Im Deut­schen Fahndungsblatt werden sämtliche Polizeibehörden ersucht, bei den Kommunalbehörden festzustellen, ob der frühere Kreisausschutzassistent Heinrich Thormann sich bei einer von ihnen um eine Anstellung oder um unent­geltliche Beschäftigung bemüht Hat.

Raubmord an einer Witwe. In Kunzendorf bei Hirschberg (Schlesien) verübte eine Waldwärtertochter Raubmord an einer Witwe. Die Täterin wurde ver­haftet.

Eine Wallfahrtskirche ansgeraubt und angezündet. Die Wallfahrtskirche auf dem Joachimsberg bei Tetschen a. d. Elbe wurde von Einbrechern ar,gezündet, die tags zuvor die Sammelkasse leer gefunden hatten. Die Kirche ist niedergebrannt.

Drei Kinder verbrannt. In dem nieder-rheinischen Dorfe Groesbeck brach in der Nacht beim Bäckermeister Hornberger Feuer aus, das infolge des Windes rasch um sich griff und im Moment das ganze Haus in Flam­men setzte. Während die übrigen Familienmitglieder sich retten sonnten, verbrannten drei Kinder des Bäcker­meisters im Alter von einem halben, drei und fünf Jahren.

Selbstmord eines Fliegers. In Trumau (Nieder- österreich) wurde der junge und begüterte Flieger Artur Stampach in seiner Wohnung tot aufgefunden. Stam- pach hinterließ mehrere Abschiedsbriefe, aus denen her- vorgeht, daß er herzle'.öend war und ihm aus diesem Grunde der Arzt das Fliegen verboten hatte. Da er nun mit Leib und Seele an seinem Berufe hing, ging er in den Tod.

Drohende Bauarbeiterausstellung in England. Die Londoner Bauarbeiter haben sich mit großer Majorität für die Fortsetzung des Streiks entschlossen. Demgegen­über gehen die Bauunternehmer mit dem Plan um, die partielle bisherige Aussperrung auf das ganze Land auszudehnen, wodurch etwa 500 000 Arbeiter um ihr tägliches Brot gebracht werden würden.

Verteidigerstreik gegenüber einem Henker. Der Henker Schkoda in Kiew, der den Mörder Stolypins hingerichtet hat, ist wegen Diebstahl verhaftet worden. Jetzt steht der Prozeß bevor, doch will kein Rechtsan­walt die Verteidigung des Henkers übernehmen. Die Rechtsanwälte beschlossen übrigens, auch den Gerichts­auftrag zur Verteidigung auf jeden Fall zurückzuweisen.

Todessturz eines russischen Fliegerleutnants. Der । Fliegerleutnant Kuzminski und sein Beobachter sink i Freitag nachmittag bei Odessa mit ihrem Flugzeug aus i beträchtlicher Höhe abgestürzt, wobei Kuzminski seinen Tod fand.

seinem Hirschfänger herumtastend, der ihm über den Knien lag. Als ihn aber der Präsident anfrief und fragte, was an dieser Beschuldigung sei, die zwar nicht zur Sache gehöre, doch auf seinen Charakter ein un­günstiges Licht werfen könne, antwortete er fest und be­stimmt, er habe zur damaligen Zeit weder den Scheiben- ecker Bauern noch einen anderen beim Wildern ge­troffen.

Ein heiserer Wutschrei kam von der Anklagebank. Janos wollte sprechen, und als er daran verhindert wurde, begann er zu toben, worauf der Präsident ihn abführen ließ.

Als die Verhandlung wieder ausgenommen wurde, wendete sich der Vorsitzende erneut zu dem Forstgehilfen und betonte, daß er diesen in dessen eigenem Interesse fragen müsse, wo er sich am Nachmittage des 12. Ok­tobers befunden habe. Er brauche aber nichts zu ant­worten, was ihn später belasten könne.

Franz hatte sich erhoben, sein Herz schlug, daß er kaum zu atmen vermochte, noch zögerte er — da entstand eine Unruhe im Publikum, und Marei drängte sich bis dicht an den Richtertisch vor.

Alles reckte die Hälse, selbst die Richter konnten ihre Neugier nicht unterdrücken.

„Meine Herren!" rief sie mit kampfesmutiger trotzi­ger Entschlossenheit. „Ich kann nicht zulassen, daß der Zigeuner den Forstgehilfen noch ins Unglück bringt. Ich bin dem Sollerer sein Schatz — wenn er Forstwart ist, so heiraten wir uns."

„So!" sagte leicht lächelnd der Präsident. „Also Sie sind sein Schatz! Ich dachte es mir, weil Sie ihm so rasch zu Hilfe kommen. Aber was weiter?"

„Mein Franz! kann nicht am 12. Oktober nachmit­tags auf der Gamsleiten gewesen sein, weil er zur näm­lichen Zeit — bei mir war," stieß Marei heraus.

(Fortsetzung foMi