Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbönde.
Ihre internationalen Beziehungen.
Der Umfang der einheimischen Organisation der deutschen Arbeitgeber, Angestellten und Arbeiter wird vom Kaiserlichen Statistischen Amte seit 1909 jährlich eingehend zur Darstellung gebracht. Die internationalen Beziehungen der deutschen Arbeitgeber-, Angestellten- und Arbeiterverbände sucht iu ihrer geschichtlichen Entwicklung und gegenwärtigen Bedeutung eine neue Veröffentlichung des Statistischen Amtes (9. Sonderheft des Reichsarbeitsblattes) zu erfassen und bietet damit eine schätzenswerte Ergänzung jener Angaben über die einheimische Organisation.
Dem Begriff der internationalen Beziehungen sind dabei ganz bestimmte Grenzen gezogen worden. Soweit Arbeitgeberverbände in Frage kommen, ist lediglich festzustellen verflicht worden, inwieweit zwischen gleichartigen deutschen und ausländischen Verbänden Vereinbarungen bestehen, die auf die Regelung der Arbeiterverhältnisse Bezug haben. Es hat sich dabei ergeben, daß es nicht die Großindustrie, sondern in erster Linie das Handwerk ist, welches den Weg internationaler Verständigung itber Arbeiterfragen — und zwar ebenfalls erst in neuester Zeit — beschritten hat, und daß diese Beziehungen bisher noch ziemlich spärlich sind. Sie ließen sich in mehr oder weniger ausgebildeter Form im Schiffahrtsgewerbe, im Baugewerbe, sowie im Schneider-, Maler-, Gärtnergewerbe und in der Edelmetallindustrie feststellen. In der Metallindustrie scheint sich eine internationale Verständigung vorzube- reiten. Soweit sich ermitteln ließ, beschränken sich fast alle internationalen Vereinbarungen zwischen Arbeit- geberorganisationen darauf, sich die Nichteinstellung streikender oder ausgesperrter Arbeiter gegenseitig zu- zusichern.
Bet den Angestellten- und Arbeiterverbänden ist untersucht worden, welche von ihnen Vereinbarungen mit gleichartigen ausländischen Organisationen unterhalten, die darauf abzielen, den auswandernden Mitgliedern die Vorteile der Organisation zu erhalten, gegebenenfalls auch den Organisationen als solchen bei Arbeitskämpfen gemeinsame Unterstützung zuzusichern.
Bet den Angestelltenverbänden fanden sich derartige Abmachungen nur vereinzelt; sie beziehen sich hier fast immer nur auf Gewährung von Rechtsschutz und Berechtigung zur Benutzung der Stellenvermittelung. Zahlreich und in beträchtlicher Mannigfaltigkeit von Form und Inhalt sind sie dagegen bei den Arbeiter- verbänden, vor allem bei den freien Gewerkschaften, an- zutreffen. Unter den 46 der Generalkommission der Gewerkschaften angeschlosseuen Zentralverbänden .gewerblicher Arbeiter sind nur fünf, für welche keine inter- nationalen Beziehungen, sei es in Gestalt der Zugehörigkeit zu internationalen Vereinigungen oder Sekretariaten oder in dem Bestehen von Kartellverträgen, fest- gestellt werden konnte. Bei den christlichen Gewerkschaften fanden sie sich erheblich seltener und — von der Textilarbeitergewerkschaft abgesehen — nur in Form von Kartellverträgen. Noch weniger etwickelt sind internationale Beziehungen bei den deutschen (Hirsch- Dunckerschen) Gewerkvereinen und den konfessionellen Arbeitervereinigungen.
Ueber den Inhalt der internationalen Vereinbarungen der Arbeiterverbände läßt sich folgendes andeuten: Sie sind zumeist aus dem Bedürfnis heraus mtstanben, den ins Ausland gehenden Mitgliedern durch gusicherung kostenfreier Uebernahme in die dortige rganisation und des — verschieden bemessenen — Anspruchs auf ihre Unterstützungseinrichtungen die Vorteile der Organisation zu erhalten. Soweit daneben eine gemeinsame Unterstützung von Arbeitskämpfen verabredet ist, hat sich der Standpunkt vor allem der deutschen Organisationen, solche Fälle auf ein Mindestmaß zu beschränken und die Organisationen auf ihre eigene Leistungsfähigkeit zu verwesten, fast allenthalben burchgesetzt.
Albanischer Btief.
Was das „Hofzeremoniell" in Albanien verschuldete.
Fürst Wilhelm hat, das können auch seine Freunde nur schwer abstreiten, manchen argen Fehler gemacht, der die schon an sich zerfahrenen Zustände im Lande zu bösem Aufruhr steigerte, ja steigern mußte. Der schlimmste Fehler aber, in den er überhaupt verfallen konnte, war der, daß er von vornherein sich seinem Volke fernhielt und so eine Entfremdung eirrtreten ließ, die sich notgedrungen bitter rächen mußte. Aber es war nicht die Isolation im Konak von Durazzo allein, auf deren Konto das immer gespanntere Verhältnis zwischen Fürst und Volk zu setzen war. Wie ein Kenner der albanischen Verhältnisse der Korrespondenz „Heer und Politik" schreibt, trug sehr wesentlich dazu die Einführung eines strengen Hofzeremoniells bei, das gänz-
Die Zigeunerin vom Libsee.
Roman von Paul Beye.
25) (Nachdruck verboten.)
Mit einem Aufschrei wütender Enttäuschung riß der Zigeuner sein Messer heraus und wollte sich auf deu Sollerer stürzen. Doch Franz war vorbereitet, seine Büchie schmetterte mit blitzschnellem Schlag so hart auf den Arm des Mordbuben nieder, daß das Messer klirrend in den Abgrund geschleudert wurde.
Taumelnd vor Schmerz und Wut wich Janos zurück; es war nun am Jäger, sich des Feindes zu uer- ü^rn. Die Buchse warf er zur Seite und riß die lange Schweitzhundleme aus dem Haken am Rucksack. Mäch- Er den vor Schmerz mtb Wut stöhnen- ^em die Verzweiflung außergewöhnliche biß und stieß mit den Beinen um ßciMPH nr;dEM Jäger von Waden und Schien- der Wüte ^ schützte ihn, daß ihm * A Stucke Fleisches aus der Schulter riß. Stunden dünkten, dauerte das Todesrachen. Das feinen Geane^ ging dahin, sich und
“ -^ne an den abschüssigen Rand des Abgrun- S Einige Augenblicke schien es, als ob auch gelingen sollte, bemt der Schmerz, den die Stöße der schwergenagelten Schuhe dem Jäger verur- daß er unwillkürlich auszu- ^ott waren seine Füße ins Gleiten ^ Emials seine ganze Kraft zu- Gegner dermaßen an sich, daß Atem versagte, und er in dieser fürchterlichen Umschlmgung wie leblos zusammensank.
'Eß den Körper niedergleiten. Noch einen Augenblick, dann waren dem Zigeuner die Hände durch den Schweißriemen auf dem Rücken gefesselt, von dem eine Schleife bis zu dem MM Fuße niederliest Das
lich überflüssigerweise in der „Feinheit der inneren Ausarbeitung" feiern alten europäischen Jürstenhofe !»lle Ehre gemacht hätte.
Nichts war natürlich in einem Lande wie Albanien, dessen Bevölkerung kaum zu beißen und zu brechen hat, dessen Verhältnisse noch völlig unkonsolidiert er- 'cheinen, weniger angebracht, als die Einführung einer Hermen Hofetikette, die Ausgabe von Briefmarken und die Verleihung von Orden. Hier waltete die ungeschickte Hand eines Hofmarschalls, der in völliger Verkennung der Verhältnisse westeuropäisches Zeremoniell auf albanischen Boden zu verpflanzen suchte, ein Versuch, der natürlich von vornherein mißlingen mußte. Die Al- banier, rauhe Söhne der Berge, Naturkinder in des Wortes wahrster Bedeutung, hatten natürlich keinerlei Verständnis für die Regeln, die ihnen den Zugang zu ihrem Fürsten erschwerten, jedenfalls ein Besuch bei ihm für sie nicht zu den Annehmlichkeiten machte. Der Fürst, der schon an und für sich als Christ einer größtenteils muselmanischen Bevölkerung gegenüber mit Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, durfte nie und nimmer noch durch eine strenge Hofetikette weitere Scheidewände zwischen sich und feine Unteranen, die er sich doch erst gewinnen mußte, errichten.
Kalt steht sein Volk dem „Mbret" gegenüber, auf den es die größten Hoffnungen setzte, der aber, trügen nicht alle Zeichen stets ein Fremder im Lande bleiben wird, wenn er von dem bisher beobachteten Verfahren nicht abweicht. Schon haben die albanischen Nationali- ftcit unter Führung Fan Nolis das Programm entwickelt, daß der König nur einheimische Berater sich bestelle. Darin liegt unausgesprochen der Borwurf, daß der Herrscher zu wenig mit allen Schichten der Bevölkerung in Berührung trete, aus der er sich seine Ratgeber und Helfer bei der Ordnung des Landes zu suchen habe. Fürst Wilhelm hat jetzt die schlimmen Erfahrungen für sich, möge er sie nutzen und sich an die Reform der Dinge machen, die seinem Lande am nötigsten tun!
Politische Rundschau.
Ausfall der Frühjahrsparaden. Die für Freitag angesetzt gewesene Parade der Garnison von Berlin und Vororte findet auf Befehl des Kaisers nicht statt. Auch die Potsdamer Parade war abgesagt worden. Die Abbestellung der Frühjahrsparaden hatte zu Gerüchten über eine Erkrankung des Kaisers Anlaß gegeben. Wie jedoch aus zuverlässiger Quelle verlautet, ist, abgesehen von einer ganz leichten Erkältung des Kaisers, die ihn aber an der regelmäßigen Erledigung der Regierungsgeschäfte keineswegs hindert, an diesen Gerüchten nichts Wahres.
Konservativer Wahlprotest in Stendal-Osterbnrg? Die „Kreuzztg." kündigt einen konservativen Wahlprotest gegen die Wahl Wachhorsts in Osterburg-Stendal an. Diese gründe sich darauf, daß der Vorsprung des nationalliberalen Kandidaten vor dem sozialdemokrati- schen in der Hauptwahl nur 99 Stimmen betrug und bei dieser Hauptwahl erhebliche Wahlunregelmätzigkeiten vorgekommen seien. U. a. soll in einigen Orten keine amtlich vorschriftsmäßige Wahlurne vorhanden gewesen sein.
Oesterreichische Rüstungskredite. Die österreichische Delegation hat den Voranschlag für die Kriegsmarine sowie den 45 Millionen-Kredit als erste Rate des auf fünf Jahre zu verteilenden 426 Millionen-Kredits angenommen.
Der englische Thronfolger besucht Braunschweig. Wie aus London gemeldet wird, wird der Prinz von Wales voraussichtlich Ende Juni den Herzog und die Herzogin von Braunschweig besuchen und bei ihnen einige Zeit im Harz verbringen. Sodann soll sich der Prinz nach Gmunden zum Herzogspaar von Cumber- land begeben. Von Gmunden ist, falls dieser Reiseplan ausgeführt wird, ein Besuch beim Kaiser Franz Josef in Aussicht genommen.
Serbien rüstet! Die Balkanstaaten sind gegenwärtig eifrig bemüht, ihre durch die letzten Kriege erschütterten Heeresorganisationen nicht nur wiederher- zustellen, sondern starker auszubauen. So erklärte in der serbischen Skupschtina bei der Beratung der Gesetzesvorlage über die außerordentlichen Heereskredite der Kriegsminister: Die Abgänge an Kriegsmaterial während der beiden Kriege seien zu ersetzen und außerdem Neuanschaffungen zu machen, da die Armee infolge der Vergrößerung des Staatsgebiets ausgestaltet werden müsse. Die Friedenskadres würden im Laufe der nächsten Jahre auf 12 Divisionen erhöht werden. Die Skupt- schina nahm die Gesetzesvorlage mit 87:1 Stimme in erster Lesung an.
Griechische Kriegsschiffkäufe in Amerika. Der amerikanische Marinesekretär Daniels hat dem Senatsausschuß für Marineangelegenheiten den Plan unterbreitet, die Schlachtschiffe „Jdaho" und „Mississippi" einer fremden Macht, wie es heißt Griechenland, zu einem Preise
freie Ende behielt der Forstmann in der Faust. Wenn er den Gefesselten vorausgehen ließ, konnte er ihn bei dem geringsten Widerstände zusammenreißen, wie einen zum Markte geführten Stier.
Der Zigeuner erholte sich rasch von seiner Betäubung. Er schäumte, als er sich gebunden sah und wollte sich in die Tiefe rollen. Das verhinderte aber der Tollerer energisch. Er ritz ihn auf und schob den auf diese Weise gänzlich widerstandslos Gemachten so lange vor sich her, bis er sich bequemte, allein zu gehen.
Ohne weiteren Zwischenfall konnte bei eingebrochener Nacht der Gefangene, über dessen Sippen auf dem ganzen Wege kein Wort kam, in das Gefängnis abgeliefert werden.
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Das war eine böse Ueberraschung für die Marei, als der Tollerer am nächsten Tage bei einer Zusammenkunft am Marterl hinter dem Scheibeneckerhofe von der Warnung der Maruschka und von dem gestrigen Vorgänge berichtete. Er hatte sich von Garmisch heraufgeschleppt, trotz der Schmerzen und Wunden, die er an seinen Beinen hatte.
„Jetzt ist alles verspielt und verloren," sagte der Jäger in dumpfer Verzweiflung. „Deinen Vater bringen sie ins Gefängnis, mir machen sie den Prozeß und entlassen mich — aus administrativen Gründen — wie es heißt. Und mit uns zwei — da muß es auch aus sein."
Es brauchte viel Reden, Tränen und heiße Küsse von feiten des Mädels, bis der Jäger sich einigermaßen gefaßt hatte, denn vor ihm lagen Gegenwart und Zukunft in einem wüsten Trümmerhaufen.
Marei fühlte nicht viel von dem schrecklichen Kampfe, der in der Seele des Jägers tobte.
. »Laß den Zigeuner sagen, was er will, und bleibe fest darauf, daß Du den Vater nicht erwischt hast," sagte sie eindringlich. „Die Richter glauben doch eher Dir als einem solchen Vagabunden."
zur Verfügung zu stellen, der den von den Bereinigten Staaten im Jahre 1908 aufgewandten Kosten entspricht, nämlich für 111726 000 Dollars. Der Ertrag aus dem Verkaufe sei fast ausreichend, noch einen weiteren Dreadnought außer den beiden im Gesetz geforderten zu bauen.
Petersburger Alarmmelduugen. Das Abendblatt der deutschfeindlichen „Nowoje Wremja", die „Wetscher- naja Wremja" bringt eine, den Stempel der Erfindung an der Stirn tragende alarmierende Depesche aus Wien. Nach dieser Depesche soll es zu keiner Verständigung zwischen den Mächten in der albanischen Frage kommen und der Augenblick ist nahe, wo man von Worten zu Kanonen und Gewehren kommen würde. Der deutsche Kaiser habe Oesterreich und Italien aufgefordert, ihre Rüstungen bis zum äußersten Grade zu beschleunigen. Dem Grafen Andrafsy habe der Kaiser auf Korfu erklärt, daß ein europäischer Krieg jeden Augenblick aus- brechen könne. — An maßgebender Stelle wird diese Meldung des Petersburger Sensationsblattes als Tar- tarennachricht wildester Art charakterisiert.
Kleine Hadiriditeifr
Keine Verlobung des sächsischen Kronprinzen. Petersburger Meldungen, daß die Reise des Königs von Sachsen nach Petersburg mit einer Verlobung des sächsischen Kronprinzen mit einer Tochter des Zaren 8it= sammenhänge, sind unzutreffend.
Das neue Reichsmarineluftschiff L. 3 hat am Donnerstag von Johannisthal aus seine Uebersiedelungs-
Kt nach Hamburg angetreten. Das Luftschiff, das noch ter Eigentum der Luftschiffwerft Friedrichshafen ist, wurde von Oberingenieur Dörr und Kapitänleutnant Firtsch geführt. Von Fuhlsbüttel aus wird L. 3 über der Ostsee seine letzten Abnahmefahrten absolvieren.
Der neue zweite Bürgermeister von Köslin. Wie aus Stettin gemeldet wird, ist an Stelle des wegen seiner Schwindeleien verhafteten Alexander-Thormann Stadtrat Dr. Adolf Wetzel in Stolp als zweiter Bürgermeister in Köslin gewählt worden.
Der angebliche Streik anf der „Vaterland". Gegenüber den Aeußerungen einiger Blätter, daß etwa 80 Personen von der Besatzung des „Vaterland" wegen Streiks verhaftet worden seien, wird jetzt aus Hamburg gemeldet, daß Verhaftungen überhaupt nicht vorgenommen worden sind. Es handelt sich lediglich um Lohnforderungen der Heizer und Stewards, die von der Neuyorker Direktion der Hamburg-Amerikalinie nicht bewilligt wurden. Die Leute haben sich dann beruhigt und ihre Forderungen bis zur Ankunft in Hamburg aufgeschoben.
Ein Fall von Lepra in Berlin. In einem Hotel in der Mittelstraße zu Berlin erkrankte ein aus Brasilien zugereister Gast namens Gomez an Lepra. Der Erkrankte wurde auf Anordnung des zuständigen Kreisarztes in das Virchow-Krankenhaus gebracht. Die Sa- nitätspolizei hat sofort alle Vorsichtsmaßregeln ergriffen.
Ein lebensmüdes Liebespaar. Der 21 Jahre alte Kaufmann Thelen und die neunzehnjährige Nabersberg in Krefeld unterhielten ein Liebesverhältnis, von dem die Eltern Thelens nichts wissen wollten. Nachdem das Liebespaar vor einiger Zeit aus Krefeld verschwunden war, wird jetzt aus Luzern gemeldet, daß die jungen Leute dort gemeinsam in den Tod gegangen sind.
Bei einem Kampfe mit Verbrechern, die er in einer Wirtschaft des Dorfes Warkhausen bei Minden festnehmen wollte, wurde der Gendarmeriewachtmeister Deuterich durch einen Schutz in den Rücken schwer verletzt und nach dem Mindener Krankenhaus gebracht. Die ' beiden Verbrecher, die von Osnabrück aus verfolgt werden, sind Hypothekenschwindeleien und anderer Straftaten verdächtig. Sie konnten infolge der allgemeinen Verwirrung in den nahen Wald entfliehen.
100 Millionen Nachlaß eines ehemaligen Laufburschen. Der Oberkommissar von Kanada, Lord Strath- crona, der im Januar im Alter von 93 Jahren starb, hat ein Vermögen von 100 Millionen Mark hinterlassen. Er begann seine Laufbahn als Laufbursche.
Schnee nn- Kälte um Pfingsten. In den Höhenlagen des südlichen Schwarzwaldes ist am Donnerstag, bei Null Grad Schneefall eingetreten. Auch in den Hoch- vogesen herrscht Schneefall.
Gericht und Recht»
In die Treiben gewisser Detektivinstitute leuchtete eine, Verhandlung, die das Schöffengericht Berlin- Schoneberg beschäftigte. Als Kläger trat ein Herr Max Grotzmann aus Charlottenburg gegen die Inhaberin des Detektivinstituts Wolfs in der Bülowstratze, Frau Rest Pfeiffer, auf. Der Kläger war mit seiner Frau in Zwist geraten, der dazu führte, datz sich die Eheleute trennten. Frau G. ließ dann die jetzige Angeklagte Pfeiffer mit der Beobachtung ihres Mannes beauftragen. Die Angeklagte, die — wie sie vor Gericht angab
Aber der Jäger bestand darauf, die Wahrheit zu sagen.
„Bist Du einem Menschen die Wahrheit schuldig, der Dir zweimal ans Leben gewollt hat? Und erst Deine Forstleute! Meinst Du nicht, daß denen lieber ist, es wächst Gras über die Geschichte, als daß einer von ihnen dasteht und eingesteht, wie ein Schulbub'?"
Dem Tollerer wirbelte es im Kopfe von lauter Gründen und Gegengründen.
Als das und Tränen nichts halfen, ihn vollständig zu überzeugen, spielte die Marei den höchsten Trumpf aus. •
„Hast Du vielleicht keine Pflichten vor Dir — vor mir, der Du die Ehe versprochen hast?"
Und das half. Jetzt kam der Trotz über ihn, und er wollte sich dem über ihn hereinbrechenden feindlichen Geschick entgegenstemmen.
. Die Marei war zwar mit dem neuerrungenen Siege zufrieden, in ihrem Herzen aber verspürte sie den Stachel der Eifersucht. Daß die Maruschka ihren Franz liebte, dessen war sie sicher. Wie weit dieser die Schuld daran trug, entzog sich ihrer Beurteilung. Das hatte zur Folge, daß Franz und Marei die Rollen tauschten, das heißt, je näher die gerichtliche Verhandlung heranrückte, desto zuversichtlicher wurde der Mann, und desto unruhiger das Mädchen, denn es bangte ihr für dessen Willensfestigkeit.
Erst nach Monaten wurde die Verhandlung, mit der Anklage auf Mordversuch lautend, vor dem Münchener Schwurgericht anberaumt.
Die Sache hatte in den Kreisen der Forstleute und Gebirgsbewohner ziemliches Aufsehen erregt, weswegen der düstere Schwurgerichtssaal fast ganz gefüllt war mit Oberländer Bauern beiderlei Geschlechts und den Männern von der grünen Farbe. Auch einige Zigeuner vom Eib-See waren da; sie befanden sich aber offenbar in traurig« Stimmung. " ~ EE tiMI