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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfew 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfew. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfew.

Weiher

für den Kreis Hersfeld

Äreisblßtt

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Zernsprech-Anschlutz Nr. 8

Nr. 133. Donnerstag, den 38. Mai 1814

Bus der Heimat.

* (Gepäckabfertigung ohne Fahrkarte.) Es ist wiederholt angeregt worden, auf der preußischen Staatsbahn eine Gepäckabfertigung ohne Fahrkarte bei Personenzügen einzurichten, wie sie in der Schweiz üblich ist. Der Eisenbahnminister hat gegen diese Einrichtung aber verschiedene Bedenken, wenn er auch anerkennt, daß diese Einrichtung im Interesse des Verkehrs liegt. Bei kleineren Verwaltungen läßt sich diese Einrichtung ohne Schwierigkeiten treffen, bei Riesenbetrieben mit starkem Durchgangsverkehr vom Auslande begegnet sie aber allerlei Bedenken. Die Entwicklung würde dahin führen, daß viele Eil­güter in die Gepäckwagen der Personenzüge strebten, diese überfüllten und dadurch der Fall einträte, daß das Passagiergepäck auf Zwischenstationen nicht be­fördert werden kann. Der Reisende könnte also unter Umständen bei der Ankunft am Zielorte nicht in der Lage sein, sein Gepäck auszulösen. Der Eisen­bahnminister will aber den Wünschen insofern ent­gegenkommen, daß er die Sätze für Expreßgut er­mäßigt, um auf diese Weise das Voraussenden von Gepäck ohne Fahrkarte zu erleichtern.

Sontra, 27. Mai. Gestern morgen gegen 5',2 Uhr hat sich der 70-jährige Kriegsveteran und Schreiner­meister M. mit einem Tesching erschossen. M. litt schon seit längeren Jahren an einer unheilbaren Krankheit und hat, da ihm keine Hilfe werden konnte, in einem Anfall geistiger Umnachtung seinem Leben ein Ziel gesetzt.

h Schwarzenborn, 24. Mai. Der Gastwirt L. vom Knüll, der kürzlich durch die bestialische Roheit seines Knechtes der dem Pferde die Zunge ausriß einen großen Schaden erlitt, wurde einige Tage später übt 80 Mk. bestohlen, die ihm aus dem Schreibtisch entwendet wurden.

Berka (Werra), 25. Mai. In der vergangenen Nacht wurde ein dunkelbraunes Pferd, der Brauerei Zinn gehörig, aus dem sogenannten Pichschuppen gestohlen.

Ranschenberg, 25. Mai. Unter zahlreicher Be­teiligung beging gestern der Bund der Landwirte für Kurhessen sein fünftes Sommerfest. Von den frühen Morgenstunden an ergoß sich ein Menschenstrom in die alten Straßen und Gassen, wie man ihn hier wohl selten gesehen hat. Die fahrplanmäßigen Züge der erst kürzlich eröffneten Wohratalbahn reichten deshalb nicht aus und so mußten Extrazüge eingelegt werden. Mittags gegen 2 Uhr bewegte sich ein stattlicher Fest- zug nach dem Schloßberge. Ansprachen hielten Ritt­meister Deichmann-Lembach, Oekonomierat Neutze- Großen-Englis und Gutsbesitzer Dr. von Hellmolt- Niederwöllstadt, Reichstagsabgeordneter Rupp hielt die Festrede.

Cassel, 25. Mai. Vier schwere Verbrecher hat die Kriminalpolizei am Sonnabend in einem Hausein der Kastenalsgasse festgenommen. Die Burschen hatten morgens einem Dienstmädchen das Portemonaie ent­rissen und waren verfolgt worden. Nach ihrer Fest­nahme stellte es sich heraus, daß man es mit längst gesuchten Verbrechern zu tun hatte, die u. a. vor einiger Zeit einen Einbruch in die hiesige katholische Kirche verübten.

Frankenberg, 26. Mai. Auf seltsame Weise ist der hiesige Wagner P. um ein Auge gekommen. Auf einem >«paziergange am Nachmittag eines Aprilsonntags blieb auf der an der Bleiche vorbeiführenden Chaussee 'tehen, um dem dort eröffneten Karussel, bei dem sich A-r^raftmesser sog. Lukas, befand, zuzusehen. vrnfhnpför ^^.Rbeit flog dem P., während der .. Laster ^Tätigkeit war, ein Teil des hierzu be- KlSinS Ä Segen das Auge. Die erlittene Verletzung führte zum Verlust des Auges.

nwÄÄ^ Mai. In der Nacht zu heute

^Rathaus eingebrochen. Die ^bbe versuchten die Kaffe zu plündern, doch wurden sie ber ihrer Arbeit überrascht und verscheucht. Man vermutet, daß es sich um die gleichen Gauner handelt, die vor einigen Tagen dem Bahnhofsgebäude einen nächtlichen Besuch abstatteten.

Bon der Eddertalsperre, 26. Mai. Wie vom Kgl. Taljperrenbauamt in Hemfurt mitgeteilt wird, ent- ipricht die, jetzt aufgestaute Wassermenge, die sich naturgemäß von Tag zu Tag ändert, etwa zwei ^ttteln des Hochststaues. Sie betrug gestern etwa E Millionen Kbm., während das Staubecken bekannt­lich 202,4 Millionen Kbm. im Maximum zu fassen verrnag. Interessant sind auch folgende Mitteilungen, die Baurat Muttray kürzlich auf der 32. Versammlung derFrelenBereiniguugderWeserschiffahrts-Jnteressen- A rn Hannover über die Eddertalsperre und ihren Einfluß auf die Weserschiffahrt machte. Er führte u. a.

aus: Es ist mit Rücksicht auf die Sicherheit der Bau­anlagen nicht in Aussicht genommen worden, das Sammelbecken, selbst wenn das möglich wäre, in diesem Jahre ganz zu füllen, es soll vielmehr zunächst nur höchstens bis zu zwei Dritteln gefüllt werden. In diesem Jahre wird der Betrieb auch noch kein regel­mäßiger sein können, vielmehr werden verschiedene Versuche mit dem Ableiten, Füllen usw. gemacht werben müssen. Aus den Ergebnissen in diesem Jahre können daher keine Schlüsse auf den künftigen Wasserstand der Weser gezogen werden. Das laufende Jahr ist nur ein Probejahr, denn erstens wird das Becken grundsätzlich nicht voll gefüllt werden, und zweitens wird es von den Ergebnissen des vorläufigen Auf­staues abhängig sein, wieviel Wasser überhaupt noch aufgestaut werden kann. Der Schiffahrt wird trotzdem bereits in diesem Jahre ein Vorteil erwachsen, wenn auch nicht annähernd in demjenigen Umfange, wie das bei normalem Betrieb der Fall sein wird.

Göttingen, 26. Mai. Eine größere Anzahl ange­sehener Hausbesitzer in der Wilhelm-Weberstraße hat sich in einer Eingabe an die Regierung mit dem Anträge gewendet, dieGenehmigung zur Anlage einer Straßen­bahn zu versagen oder gegebenenfalls die Linie nicht durch die Wilhelm-Webertstraße, sondern durch den verkehrsreicheren Nikolausbergerweg zu führen.

Heddesheim a. d. B., 26. Mai. Der 21 Jahre alte Josev Herschel gab bei einem Familienstreite drei Revolverschüsse auf seinen Stiefvater den 36jährigen Fabrikarbeiter Johannes Platz ab. Zwei Schüsse trafen ihn in den Leib, einer in den Unterschenkel. Die Verletzungen sind schwer, aber anscheinend nicht lebensgefährlich. Der Täter, der sich der Behörde stellte, wurde in Haft genommen.

Ulrichstein, 26. Mai. Der Landbriefträger Kraft, der verheiratet und Vater vu.t zwei Kindern ist, wurde vom Blitz erschlagen. Er befand sich auf dem Heim­weg von seinem Botengang nach Helpershain, als ihn das Gewitter überraschte. Da er um die gewohnte Zeit nicht zurttckkehrte, ging feine Frau ihm entgegen. Sie fand ihren Mann tot aus dem Wege liegen.

Gotha, 26. Mai. Eine Mordtat wurde von der hiesigen Kriminalpolizei aufgedeckt. Die aus Goldis- tal im Schwarzatale stammende Verkäuferin Klara Geß tötete Anfang Mai ihr 14tägiges auswärts ge- boreues Kind durch Ersticken. Den Leichnam zer­stückelte sie mit einem Küchenmesser und die Arme und Beine verbrannte sie im Ofen. Den Rumpf warf das Mädchen in den Teich im Schloßpark und den Kopf verbarg es in einem Reisekoffer. Als von der Vormundschaft nach dem Verbleib des Kindes geforscht wurde, gab die Geß an, es verschenkt zu haben, doch verwickelte sie sich in Widersprüche und legte schließlich ein Geständnis ihrer grausigen Tat ab. Der Rumpf des Kindes konnte noch nicht gefunden werden.

Frankfurt, 25. Mai. Heute vormittag war auf dem Feldberg im Taunus heftiges Schneetreiben, sodaß eine mehrere Zentimeter dicke Schneedecke ent­stand. Das Thermometer sank bis auf 2 Grad unter Null. In der Mittagszeit wurde es ein wenig wärmer.

Frankfurt a. M., 26. Mai. In dem am Sonntag abend um 6,56 Uhr von Cronberg abgegangenen Zuge wurde zwischen Rödelheim und Bockenheim plötzlich die Notbremse gezogen. Der Zug stand fast sofort. Der Täter wurde gleich ermittelt. Er gab an, seine Mandoline sei aus dem Wagen aufs Gleis gefallen und da habe er die Notbremse gezogen. Em etwas aefalsener Strafzettel wird ihn belehren, baß man wegen einZ aus dem Wagen gefallenenWimmer­holzes" keine Notbremse ziehen darf.

Mainz 26. Mai. Ein Soldat vom hiesigen Dragonerregiment Nr. 6, der sich unerlaubter Weise von seinem Truppenteile entfernt hatte und sich nach seiner Heimat Rardenstadi b-g-b-n hatte wurde dort von einem Wachtmeister seines Regiments wieder ab- geholt. Auf dem Wege zur Kaserne stürzte uch der Soldat heute nachmittag von der sengen Straßen­brücke in den Rhein und ertrank.

Mainz 26 Mai. Großes Aufsehen erregt hier die Verhaftung des bei dem Kreisamt Mainz ange­stellten Schreibergehilfen Schefer, der Aktenstücke des Kreisamtes die sich auf Gelände-An- und -Verkäufe für die MitttärverwaUung bezogen, entwendet haben soll. Außerdem wird er beschuldigt, baß er sich nach stempel- ab^rückender Mainzer Militärbehörden falsche Stempe angefertigt habe, zu welchem Zwecke, noch nidjt festgestellt.

Weimar, 25. Mai. Der deutsche Flieger G. Tweer aus Osnabrück führte auf dem großen Flugplatz der Luftverkehrsgesellschaft Weimar gestern nachmittag auf einem neuen, leichten und eleganten Apparat seine Sturz-, Schleifen- und Korkzieherflüge. aus. Trotz des ungünstigen Wetters hatten sich Taufende,

darunter die Spitzen der Militär- und Zivilbehörde» Weimars, eingefunden, um den ersten deutschen Flieger, der die schwierigen Schleifenflüge und auch^die Pegoudschen Lovpingflüge ausführen wollte, zu sehen. Gegen 6 Uhr ließ der Regen eine kurze Zeit nach, die Tweer benutzte, um auf seinem Apparat in ele­ganter Weise emporzustetgen, Rund-, Schleifen- und Sturzflüge zu vollführen und schließlich fünfmal hintereinander den Lvoptngflug vor dem erstaunten Publikum zur Ausführung zu bringen. Als der Flieger zum Schluß ohne jeden Unfall landete, be­grüßte ihn ein tausendstimmiges Beifallrusen der Zuschauer. Unter Ueberreichung eines Lorbeerkranzes wurde der Flieger zur Halle geleitet. Ein zweiter beabsichtigter Aufstieg konnte nicht stattsinden, da der Regen in Strömen niederging. Für Weimar sowohl wie für Mitteldeutschland war dieser Flug ein großes sportliches Ereignis, welches auch zeigte, daß deutsche Flieger dasselbe und mehr wie die Franzosen leisten können.

Abgeordnetenhaus.

Am Dienstag erledigte das Haus ohne Erörterung mehrere Petitionen. In 3. Lesung wurden dann verschiedene kleine Vorlagen angenommen. So die Abänderungen zur Allgemeinen Gewerbeordnung; über die Zuständigkeit der Verwaltungsgerichtsbehörden; über die Hannoversche Landeskreditanstalt und ferner die Aenderung der Amtsgerichtsbezirke Neuenburg und Schwetz, Obornik und 9togafen, Ohlau und Wansen. Dann wurde die Beratung der Besoldungsnovelle fortgesetzt. Abg. Delius (Fortschr.) wandte sich gegen die von den bisherigen Rednern geübte Kritik an den Beamten-Petitionen. Das Petitionsrecht dürfe den Beamten nicht gekürzt werden. Die gehobenen Unter­beamten müßten bald bedacht werden. Abg. Ströbel «Soz.) nannte die Liebe ^ anderen Parteien zu den Beamten platonisch. Die Parteien seien vor der Regierungserklärung zurückgewichen und verzichteten darauf, für alle Beamten einzutreten. Abg. v. Busse (kons.) wies darauf hin, daß es aus Mangel an Mitteln jetzt unmöglich sei, alle Beamten aufzubessern. Jedenfalls aber müßten die gehobenen Unterbeamten in der nächsten Novelle Berücksichtigung finden. Abg. Giesberts (Ztr.) warnte die Beamten dringend, sich auf den Standpunkt der Fortschrittspartei zu stellen und unsere Wirtschaftspolitik verantwortlich zu machen dafür, daß nicht alle Beamten bedacht worden seien. Abg. Gottschalk (natl.) betonte, daß den Beschwerden der Unterbeamten über den Wohnungsgeldzuschuß endlich Rechnung getragen werden müsse. Nach weiteren kurzen Bemerkungen der Abg. Wagner (frk.) und Oeser (Fortsch.) wurde die Vorlage an die Budget­kommission verwiesen. Das Haus vertagte sich auf Dienstag, 9. Juni: Kleine Vorlagen. Das Herren­haus hielt gleichfalls eine Sitzung ab. Auf der Tagesordnung stand die Interpellation des Grafen zu Rantzau, in der die Regierung gefragt wird, welche Schritte sie bei der dänischen Regierung getan hat, um der durch die dänische Agitation in Nordschleswig veranlaßten Nationalitätenhetze entgegenzuwirken. Graf zu Rantzau begründete zunächst die Interpellation. Besonders wandte er sich gegen die Unterstützung, die die Propaganda aus dem dänischen Staate erhalte. LeiderverlörendienordschleswigschenDeutschendauernö an Boden. Alle innerpolitischen Maßregeln könnten aber nicht helfen, wenn nicht auch die auswärtige Politik eingriffe. Der Optantenkinder-Vertrag sei ein Schulbeispiel für die erfolglosen diplomatischen Be­ziehungen. Der dänische Staat subventioniere die dänischen Volksschulen in Nordschleswtg. Dänische Beamte und Offiziere trieben antideutsche Agitation. Seit 1907 sei in Nordschleswig das Vertrauen zur preußischen Politik schwer erschüttert. Als Mit­begründer der Interpellation sprachen Dr. Neuber und Oberbürgermeister Dr. Todse». Beantwortend führte Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg aus, daß die Regierung bemüht sei, mit allen Mitteln die dänische Propaganda einzudämmen. Dänemark habe alle Beschwerden geprüft und der Ministerpräsident gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß dies auch in Zukunft der Fall sein werde. An keiner verantwort­lichen Stelle fei aber ein Zweifel darüber, daß jede chauvinistische Aeußerung das freundschaftliche Ver­hältnis und die internationale Lage störe. Die preußische Regierung werde an dem Programm der wirtschaftlichen und kulturellen Stärkung des Deutsch­tums in der Nordmark festhalten, und er hoffe, daß eine solche Politik immer die Zustimmung des Hauses finden werde. (Lebh. Beifall.) In der Besprechung dankte Herzog Ernst Günther v. Schleswig-Holstein für diese Ausführungen, die in der Nordmark wieder neuen Mut erstehen lassen würden.

Wötteraussichten für Donnerstag den 28. Mai.

Meist trübe, zeitweise Regenschauer, kühl, nord­östliche Winde.