Die ein neues Modemodell enlslehk.
In diesen Tagen, da die modesreudigen Damen ihre neuesten Sonnnerroben zum erstenmal anlegen und für die bewundernden oder eifersüchtigen Blicke der Freun- bin mit einem anmutigen Lächeln danken, herrscht hinter den Kulissen der Modenwelt ein stiller und erbitterter Kampf, dessen Stege erst der kommende Winter offenbar werden laßt; im Mai beginnen die großen Schneider hr Sinnen und Trachten auf die Mode des kommenden Winters zu richten, tchon sind die Sammlungen der neuen Stoffproben und der neuen Spitzen in den Handen der „Meister", und in diesen Tagen fällt ohne Lärm und Aufhebens das Urteil über die Farben und Mu- ster, die im kommenden Herbst den eleganten Schönen EmopaS gefallen müssen und gefallen werden.
Nachdenklichere Beobachter wundern sich oft, wie es bei der Verschiedenheit der Menschen und ihres Geschmackes möglich sein kann, daß mit einer fast militärischen Genauigkeit den einen Winter diese Farbe nnd jenes Muster einstimmig Begeisterung erregen, im folgenden Winter aber eine ganz andere Farbe. Diese etwas deprimierende Einstimmigkeit des Geschmackes der eleganten Damen hat im tiefsten Grunde eine höchst prosaische und einfache Ursache,- da die wirklich tonangebenden Modehäuser ihre Stoffmuster und Stoffe aus den bleichen Fabriken beziehen, ergibt es sich ganz von selbst, daß sie bei der „Kreation" der neuen Musterkleider in den Farbenzusammenstellungen nicht allzu weit voneinander abweichen können. In diesen Tagen erfolgt nun in Paris die Auswahl der Stoffe, Spitzen und Draperien: und ihr folgt unmittelbar die „schöpferische Arbeit" der berühmten Schneider.
Eine Zeitlang suchten die Schneider einen Teil der Verantwortung von sich abzuwälzen, indem sie zum (£nt= wurf der neuen Modelle Maler, Zeichner und Bildhauer heranzogen, aber die dabei gemachten Erfahrungen wa= ren nicht sonderlich günstig, und so verläßt sich der Pariser Modeschöpfer heute wieder ganz auf seinen eigenen Geschmack und auf seine eigenen Einfälle. Keine Anregung, wie bizarr sie im ersten Augenblicke auch anmutet, wirb verschmäht. Der Prunk und Luxus, die der Maharadscha von Karputhala bei feiner Hochzeit entfaltete, wurden den Pariser Schneidern zum Anlaß, die Hindumode und dieTurbane zu entdecken; was der Balkankrieg der Mode gab, ist noch in frischer Erinnerung, und niemand weiß, ob der kommende Winter uns nicht allerlei kühne Variationen mexikanischer Landestrachten bringen wird. Im vergangenen Jahre erzielte einer der größten Pariser Schneider seinen stärksten Erfolg durch die „Idee", die ihm eine Vase eingab: der allmähliche Uebergang von Braun und Blau wurde von der Vase auf Stoff übertragen, und so entstand ein Modell, das viele Käufer fand.
Ist das Material gewählt und die erste Zeichnung entworfen, so beginnt die mühevolle Arbeit des Zuschnei- dens: und damit tritt die Probierdame auf die SLeue. An ihr erprobt der Meister die Wirkung und die Möglichkeit seines „Gedankens". Immer wieder muß der Stoff neu zugeschnitten werden, immer wieder werden neue und interessante Drapierungen am lebenden Modell versucht, bis endlich, meist unter sehr ansehnlichen Opfern an Stoff und Material, die „Idee steht". Aber mit einem Modell ist es nicht getan und auch nicht mit einem Dutzend: wenn im Sommer die fremden Käufer kommen, müssen 100—150 neue Modelle zur Vorführung bereitstehen. Das ist ein Tag der Lotterie und zugleich ein Tag des Gerichts, denn nicht alle Modelle machen ihr Glück und finden Zuspruch. Ein gutes Modell wird vielleicht hundertmal verkauft, 200 Verkäufe sind schon ein sehr großer Erfolg, 300 ein Triumph. Da das Modell von den ausländischen Schneiderfirmen durchschnittlich mit 800 bis 1500 Frs. bezahlt wird, sann der glückliche Erfinder unter Umständen mit einer einzigen Robe Hun- derttausende von Francs verdienen.
Freilich das ist nur ein Bruttogewinn, denn wohl kaum eine Industrie arbeitet mit so gewaltigen Unkosten, wie die der großen Modeschneider. Die drei wirklich tonangebenden Häuser beschäftigen ein Personal von je 1000—1500 Köpfen: und es fehlt nicht an Angestell- teu, die wahre Ministergehälter verdienen.
Vermischtes.
Das englische Publikum gegen die Wahlmeiber. Das englische Publikum scheint die Untaten der Suffragetten jetzt nachgerade satt zu haben. Wo immer die Wahlweiber Versammlungen abgehalten haben, wurden sie von den Volksmassen gestört, sodatz in einigen Fällen die Polizei die Wahlweiber gegen die Wut der Menge schützen mußte. In Hampstead drohte man, sie in einen Teich zu werfen, was die Schutzleute nur mit großer Mühe verhindern konnten. Sylvia Pankhurst, die Tochter der bekannten Generalin, zog nach dem Viktoriapark, um dort eine Versammlung abzuhalten. Sie hatte sich mit 25 Anhängerinnen an einer eisernen Kette zusammengeschlossen, um so ihre Verhaftung unmöglich oder doch sehr schwierig zu machen. Als der Zug sich dem Viktoriapark näherte, wurde er plötzlich von einer großen Zahl von Polizisten aufgehalten, und es kam zu einer allgemeinen Prügelei. Die Wahlweiber und ihre männlichen Anhänger schlugen mit Stöcken auf die Polizisten, die dann mit ihren Knüppeln erwiderten. Die eisernen Ketten wurden mit Hammerschlägen zertrümmert und Miß Pankhurst in einem bereitstehenden Automobil in das Gefängnis gebracht.
Ein reicher amerikanischer Erbonkel. Vor etwa 80 Jahren verließ ein gewisser G. Hoffmann Rußland, weil seine Verwandten gegen eine von ihm beabsichtigte Heirat waren, und siedelte zunächst nach Bayern und von dort nach Amerika über, wo er im Jahre 1844 als reicher Mann starb. Er verfügte, daß sein Testament erst 20 Jahre nach seinem Tode geöffnet werde. Als die Frist verstrichen war, erfuhr man, daß Hoffmann sein aus vielen Millionen bestehendes Kapital seinen Verwandten vermacht hatte, jedoch mit der Klausel, daß sie es erst nach 50 Jahren erhalten dürfen. Bis dahin sollte das Geld in einer englischen Bank liegen bleiben. Nun ist auch diese Frist um, und das Kapital, das mittlerweile auf mehr als 200 Millionen Rubel angewachsen ist, wird unter die etwaigen Erben verteilt werden. Ein in Odessa lebender Holzindustrieller, G. D. Hoffmann, soll einer der Hauptprätendenten auf das Erbe sein.
Seltene Freundestreue. Eine ungewöhnliche Szene spielte sich, wie aus St. Petersburg mitgeteilt wird, vor einem dortigen Polizeirichter ab. Der Hausdiener einer Gastwirtschaft vermißte ein Paar Beinkleider und bezeichnete einen in dem Lokal verkehrenden Mann als den Dieb. Es stellte sich nun vor Gericht heraus, daß dieser Mann, der die Hosen tatsächlich gestohlen hatte, einst Offizier in einem vornehmen Regiment der Newa- stadt gewesen ist. Selber sehr wohlhabend, hatte er jung ein schönes, armes Mädchen geheiratet. Nach wenigen Jahren verließ ihn die Frau. Tief unglücklich führte der sich großer Beliebtheit erfreuende Gardeoffizier kurze Zeit ein klösterlich zurückgezogenes Leben. Dann aber ergab er sich dem Trunk. Als sein ganzes Vermögen vertan war, sank der Haltlose immer tiefer. Zu ihrem Entsetzen erfuhrrn die ehemaligen Kameraden des
Verkommenen, daß dieser sich nun wegen Diebstahls verantworten sollte. Zwei Freunde aus der Zeit seines Glückes nahmen sich offen des Diebes an. Und so konnte man bei der Gerichtsverhandlung einen eleganten Gardeoffizier und einen distinguiert anstehenden Arzt an der Seite des Angeklagten erblicken. Diesen beiden beredten Fürsprechern gelang es, das Mitleid des Richters in dem Matze zu erwecken, datz er ihnen erlaubte, den Unglücklichen frei fortzuführen.
Was ein Sensationsfilm kostet. In einer Untersuchung über die moderne Kinvindustrie ist die römische Zeitung „Tribuna" zu dem Ergebnis gelangt, datz sie gegenwärtig in der ganzen Welt ein Kapital von fast zehn Milliarden Mark aufweist, und im internationalen Handel die dritte Stelle einimmt! Entsprechend sind die Ziffern der entnahmen, mit denen diese modernste Industrie rechnet. In Frankreich allein erheben sie sich z. B. auf 16 Millionen Francs. Diesen Zahlen stehen jedoch nicht minder große auf der Ausgabenseite gegenüber. Die Vorbereitung und Herstellung neuer Films erfordert immer höhere Kosten, nicht nur die Gehälter der Kino-Stars, sondern auch für die wachsende Zahl der Statisten, für die Kostüme und für die Kulissen. Um die Ermordung Jakob's l. von Schottland darzustellen, ließ eine englische Firma in Brettern und Leinwand eine getreue Reproduktion des Schlosses des Grafen von Athot Leysdower errichten, die 40 000 .//. kostete, nnd um die deutsche Volkssage vom Rattenfänger von Hanteln zu „verfilmen", ließ die Edison-Gesellschaft ein ganzes Dorf im Stil der Zeit erstehen. Für das „Leben Neros" war es für ein einziges Bild, das vom Brande Roms, notwendig, ein ganzes Stadtviertel zu bauen, das vor dem Objektiv wirklich von den Flammen verzehrt wurde. Die Holzbauten hatten über 24 000 y/. gekostet. Mit seinen Zirkusspielen, feinen Bränden und den 2000 Darstellern hat „Quo vadis?" 250 000 JL gekostet. Den eigentlichen Rekord aber hält bis heute doch der Film „Atlantis" nach dem Roman von Gerhart Hauptmann. Es ist bekannt, daß man für diesen ein ganzes Schiff in den Größenverhältnissen der modernen Ozeanriesen erbaut und den Untergang des Fahrzeuges mit seiner Besatzung und den Passagieren wirklich gemimt hat. Die Ausgaben betrugen denn auch 800 000 .// Bet solchen Ausgaben ist es begreiflich, daß auch die stattlichsten Einnahmeziffern nicht mehr hin- reichen, den glänzenden geschäftlichen Ersolg, den die Kino-Industrie in ihren Anfängen hatte, auf die Dauer zu gewährleisten.
Abenteuer im Tibet.
Folterqualen eines europäischen Forschnngsreisenden.
Im „Journal" frischt ein Mitarbeiter die Erinnerung an die tragischen Erlebnisse auf, die ein kühner Europäer, der vor 17 Jahren eine Reise nach dem dunklen Tibet antrat, erlebte. Der Mann, der die Qual grausamer Folterung am eigenen Leibe erfuhr, ist der besonnte französische Forschungsreisende Henry Savage- Landor. Die Tibetaner zeigten sich seinem Unternehmen von Anfang an feindlich und zogen, um ihn am WLitermarsch 31t hindern, Truppen zusammen. Auch schickten sie einen Boten an den Forscher ab, der ihm meldete, daß er seinen Kopf riskiere, wenn er darauf bestände, seinen Marsch fortzusetzen. Aber Savage- Landor ließ sich durch die Drohungen nicht schrecken, sondern umging mit dreißig Eingeborenen durch einen Gewaltmarsch über einen Gebirgspaß, in 6000 Meter Höhe, die Stellung der Tibetaner. Er war schon ziemlich weit ins Innere des Landes vorgedrungen, als die Tibetaner seine Anwesenheit entdeckten. Sie schickten daraufhin in der Richtung von Lhassa Reiter aus, die den kühnen Fremden gefangen nehmen sollten.
Von nun au begann für den Reisenden eine Reihe grausamer Prüfungen. Er sah sich von seinen Leuten, die die Rache der Tibetaner fürchteten, verlassen, und nur zwei treue Eingeborene hielten bet ihm aus. Die drei Männer vermochten eine Zeitlang den tibetanischen Reitern zu entgehen, indem sie sich auf dem Hochplateau des Gebirges hielten, sich bei Tage versteckten und erst in der Nacht ihren Marsch fortsetzten. Die Expedition befand sich damals in der heiligen Provinz Lhassa, und Savage-Landon war es gelungen, die Hauptquelle des Bramaputra-Flusses zu entdecken. Er hatte Hunderte von Kilometern aufreibenden Marsches zurückgelegt und befand sich wenige Tagereisen von der Hauptstadt Lhassa entfernt. Zu seinem Unglück sah er sich indessen durch den Mangel an Lebensmitteln gezwungen, das Lager der Tibetaner zum Zwecke der Proviantierung zu besuchen, wo er auch eine recht gute Aufnahme fand. Er führte eine ziemlich hohe Summe in Gold und Silber mit sich und wünschte dafür Pferde und Lebensmittel anzukaufen. Als er am folgenden Tage die ihm vorgeführten Pferde besichtigte, packten ihn die Eingeborenen von hinten und griffen gleichzeitig seine beiden Gefährten an. Nach einem heftigen Kampfe unterlagen die drei Männer der Uebermacht. Man band sie mit Stricken, bemächtigte sich ihres Gepäckes und vernichtete alle photographischen Platten, die während der Reise ausgenommen worden waren.
Dann begann die Folterung der Gefangenen, und zwar zunächst die des eingeborenen Begleiters Shan- den-Sing. Die Tibetaner, die die Rache der Europäer fürchteten, wagten sich zunächst noch nicht an den Weißen heran. Sie fragten ihn vielmehr, ob er sich zu der Erklärung bequemen wollte, daß ihn sein Diener nach Tibet geführt habe, um ihm die Geheimnisse des Landes zu enthüllen. Sie ließen dabei durchblicken, daß, wenn er sich zur Unterzeichnung eines derartigen Schrift- stückes bereit fände, sie dem Diener den Kopf abhauen, den Herrn aber nach der Grenze zurückführen würden. Trotz der Bitten des eingeborenen Dieners, ihn zu op- feru mtb sich mit seinem Tode die Freiheit zu erkaufen, erklärte der Reisende mutig, daß er es im Gegenteil gewesen sei, der Shanden-Sing die Tempel gezeigt habe. Im Augenblick dieser Erklärung erhielt Savage-Landor einen furchtbaren Schlag aüf den Schädel, der ihn n e- derstreckte. Man trat sofort zu einem summarischen Gericht zusammen, und die großen Lamas verurteilten den Weißen zum Tode. ,
Man führte ihn auf den Hinrichtungsplatz und be- gamt mit den Vorbereitungen zur Exekution. Aber bevor sie ihm deu Kops abschueiden wollten, unterwar en die Tibetaner ihren Gefangenen der Folter. Inmitten Hunderter von Soldaten und Lamas ichwang der gelbrot gekleidete Henker einen Riesensäbel, den er von Zeit zu Zeit aus den Hals des Verurteilten fallen ließ. Aber Savage-Landor zeigte keine Furcht, was den Tibetanern so imponierte, daß sie daraufhin die Aufschiebung der Hinrichtung beschloßen. Man schelte den Unglücklichen und zog ihn ganz nach der Art der mittelalterlichen Folter stundenlang an einem Stricke zur Decke empor. Damit noch nicht genug, riß man ihm mit einem Dolchmesser auch noch die Nagel ab. Dann setzte man die Gefangenen mit gebundenen Händen auf einen Holzsattel und in einem qualvollen Ritte schaffte man sie nach der Grenze zurück. Auf dieser Marterreise, die mehrere Wochen dauerte, fand Savage-Landor die zweite Quelle des Bramaputra, und durfte sich damit rühmen, als erster Europäer die Quellen des Heiligen Flusses
entdeckt zu haben. An der indisch-tibetanischen Grenze stieß er endlich auf die Hilfsexpedition, die ihn befreite.
Preisverleilung im Prinz Heinrich-Aug.
Der Prinz Heinrich-Flug ist beendet. Au Preisen haben erhalten: den Kaiserpreis Leutnant Frhr. v. Thiina, den Prinz Heinrich-Preis K r u m s i e k, den Preis des Königs von Bayern Leutnant v. Kleist, der Beobachter des Frhrn. v. Thiina, den Preis des Großherzogs von Baden Leutnant Plagemann, der Beobachter von Krumsick, den Preis des Großherzogs von Oldenburg Oberleutnant v. Beaulieu, den Ehrenpreis des Herzogs von Braunschmeig und Lüneburg und den Ehrenpreis des Fürsten Wedel Leutnant v. Bnttlar, den Preis des Hamburger Land- wehroffizierkorps Oberleutnant Hantelmann und Leutnant Bande, den Preis der Stadt Eöln Leutnant v. Schröder, den Preis der Stadt Münster Schauenburg, den Preis des bayerischen Kriegs- Ministeriums Leutnant Müller, den Ehrenpreis der Stadt Hamburg Lt. v. Hiddescn, den Ehrenpreis der Stadt Bremen Lt. Müller, den Ehrenpreis des preußischen Kriegsministeriums Hauptmann Geerdtz, den Preis des Fürsten von Hohenzollern Leutnant Schlemmer, den Preis des Fürsten von Hatzfeld Oberleutnant König, den Preis des Fürsten von Schnnmbur'g-LIppe Leutnant Schröder, den Preis der Stadt Minden Oberleutnant v. Beaulieu, den Preis des Kreises Minden Hauptmann Geerdtz.
Zu Ehren des Prinzen Heinrich und der Teilnehmer an dem Fluge gab Montag abend die Stadt Cöln ein Festmahl, bei dem der Prinz in einer kurzen Ansprache der Toten des Fluges gedachte und die Preisträger beglückwünschte.
presseslimmen zur Wahl in Slendal.
Zum Siege Wachhorst de Wentes im Wahlkreise Osterburg« Stendal sagt die ,,Voss. Itq.", er sei nicht nur als ein liberaler Erfolg zu begrüßen, sondern auch als ein solcher der politischen Moral. Wer mit derartigen Mitteln arbeite, wie es die konservative Partei in Stendal getan, dürfe sich nicht wundern, wenn sich zuletzt alles gegen ihn wende. Das „Bert. Tagebl." begrüßt den glänzenden Erfolg als einen wuchtigen Protest gegen die konservative Agitation, die in der Altmark jedes erträgliche Maß überstiegen habe. In der „Deutschen Tagesztg." heißt es, die alte Partei der Bennigsen und Miguel habe wenig Ursache, sich ihres Wahlsieges zu freuen, denn er zeige, wie weit gewisse ihrer Mitglieder auf der abschüssigen Bahn hinabgeraten seien, die schließlich zu einer immer frecheren und offenkundigen Demokratie hinführe. Die „Post" schreibt: Man darf auf den neugewählten Reichstagsabgeordneten das Wort anwenden: Wer von den Sozialisten ißt, stirbt daran.
In der „Rundschau" liest man: Die Gegner der konservativen Partei haben vom rechnerischen Standpunkt richtig kalkuliert, als sie die unbedingt zuverlässige Parteidisziplin der Sozialdemokratie als einen 2lktivposten in ihre Rechnung ein- stellten. Die konservative Partei ist unter den Reichstagsfraktionen auf die fünfte Stelle zurückgedrängt worden. — Die Gesamtlinke verzeichnet für sich bei den allgemeinen Wahlen einen Nettogewinn von vier Mandaten. Der Bauernbund hat jetzt fünf Vertreter im Reichstag.
Verlobung eines Kaisersohnes.
Prinz Oskar von Preußen, der fünfte Sohn unseres Kaiserpaares, hat sich am Dienstag mit einer Gräfin von Bassewitz auf Schloß Bristom in Mecklenburg verlobt. Der Draht meldet darüber:
0»* Potsdam, 26. Mai. Prinz Oskar von Preußen hat sich gestern abend in Bristow bei Teterow in Mecklenburg mit der Gräfin Ina Maria von Bassewitz verlobt. Prinz Oskar ist am 27. Juli 1888 geboren.
Die Verlobung wird halbamtlich bestätigt.
Berlin, 26. Mai. Wie von zuständiger Seite mitgeteilt wird, fand am heutigen Tage in Bristow bei Teterow die Verlobung Sr. Königl. Hoheit des Prinzen Oskar von Preußen mit der Gräfin Ina Maria von Baffewitz, Tochter des Großherzoglich mecklenburgischen Staatsministers Grafen von Bassewitz- Levetzow und der Gräfin Margarete von Bassewitz geb. Gräfin von der Schulenburg statt, nachdem Se. Majestät der Kaiser und König dem Prinzen Llllerhöchst seine Einwilligung zur Eingehung einer morganatischen Verbindung zu erteilen geruht haben. Ueber den Termin der Vermählung sind Bestimmungen noch nicht getroffen.
w neuestes oom Gage.
Revolverattentat eines abgewiesenen Freiers.
te# Hamburg, 26. Mai. Gestern abend gab der im Hafenviertel bei einer Fran Schütze wohnhafte Sirbeiter Herzog auf die Frau und deren 20jährige Tochter sechs Revolverschüsse ab. Die Frau wurde von drei, die Tochter von zwei Schüssen getroffen und schwer verletzt. Der Täter wurde verhaftet. Er hatte die Tat begangen, weil die Tochter das Verhältnis mit ihm lösen wollte.
Der neue Bischof von Osnabrück.
teN" Osnabrück, 26. Mai. Das Domkapitel hat heute den Dr. Wilhelm Berning, Oberlehrer am Gymnasium in Meppen, zum Bischof gewählt.
Kaisertelegramm an den Flottenverein.
Ob* Breslau, 26. Mai. Mif das von der Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins an den Kaiser gerichtete Telegramm ist folgende Antwort eiugelaufen: „Meinen besten Dank für das freundliche Gedenken. Mögen der in den Dienst des Vaterlandes gestellten opferfreudigen Arbeit des Deutschen Flottenvereins auch fernerhin schöne Erfolge beschieden sein."
Einweihttttg eines Berliner Nniversitätsspielplatzes.
»-»- Berlin, 26. Mai. (B. Z.) In Gegenwart des Kaisers fand heute mittag die Einweihung des Turn- und Spielplatzes der Berliner staatlichen Hochschule im Grunewald statt. Kultusminister von Trott zu Solz hielt eine Ansprache, ebenso der Rektor der Universität. Danach fanden turnerische und sportliche Veranstaltungen statt.
Mord an einem russischen Getreidehändler.
$-* Kattowitz, 26. Mai. (B. Z.) Alts Konin an der russischen Grenze wird gemeldet: Der Getreidehändler Hahn wurde mit durchschnittener Kehle im Bette liegend tot aufgefunden. Neben dem Bette lag blutüberströmt mit einer schweren Kopfwunde der 17 Jahre alte Sohn Hahns. Aus dem erbrochenen Geldschrank waren 6000 Rubel geraubt. Die Tat ist von dem bei Hahn beschäftigt gewesenen 22jährigen Handlungsgehilfen Schmetz verübt worden.
Riesenbetrügereien einer Postvorsteherin.
** fP«i3, 26. Niai. (B. Z.) Die Unterschlagungen, die von der inzwischen geflüchteten Vorsteherin des Postamts in Rions begangen worden sind, belaufen sich auf 250 000 Franks. Davon sind 50 000 Franks der Postkasse entnommen. Um die anderen 200 000 Franks ist die Sparkasie der Stadt geschädigt worden, da die kleinen Sparer zu der Frau blindes Vertrauen hatten und ihr die Geldbeträge oft ohne jede Quittung Übergaben.
Einladung des Zaren au Poincaree.
ob* Paris, 26. Mal. Wie verlautet, hat der Zar den Präsidenten Poincaree eingeladen, gegen den 20. Juli nach Petersburg zu kommen. Er hat dem Präsi. denten gleichzeitig mitteilen lassen, statt der beabsichtig- tigten drei Tage vier Tage in Petersburg zu verweilen. Poincaree wird sich am 16. Juli nach Rußland ein- schiffen. Auf der Rückreise wird er Kopenhagen besuchen, um den Bestich des dänischen Königspaares zu exryMxm .......-