Albaniens WW.
Die albanischen Ereignisse vollziehen sich nunmehr mit blitzartiger Schnelle. Vor sechs Tagen war alles noch rosa in Rosenrot gehaucht, der Fürst war der geliebte Herrscher des Landes, dem treue Ratgeber zur Seite stan- bcH; der geschickte Diplomat Turkhan Pascha,.der ritter- liche schneidige Kriegsminister Essad Pascha. Die holländischen Ossiziere machten öiegrvßten Fortschritte in der Modernisierung der albanischen Gendarmerie, Fürst und Fürstin waren die populärsten Herrscher des ^‘^im'lö. Mai erfolgte plötzlich Essad Paschas Verhaftung. Gleichzeitig mit der Meldung vom Sturze Essads trafen Nachrichten ein, die doch nicht so rosig lauteten, wie die seit einigen Monaten über den gefälligen österreichischen und italienischen Telegraph verbreiteten Nachrichten. Die eptrotische Gefahr, die man in Europa n r die ernsteste Sorge des jungen Fürstentumes gehalten hatte, verblaßte gegen die Schrecken des Bürgerkrieges, der sich vor den Toren der Hauptstadt aozu- spielen begann. Eine Bewegung der mohammedanischen Bauern hatte eingesetzt, die sich gegen den christlichen Herrscher ebenso stark richtete, wie gegen öre islamitischen Grundherren, die das Volk bedrängten und bedrückten.
Immer näher rückten die Bauernscharen der Hauptstadt. Die holländischen Gendarmerieoffiziere und die bewaffneten „NationaWen", wie sich die Anhänger des Fürsten eigenartiger Weise nannten, wurden von den Bauernscharen einfach beiseite gefegt. Der Weg nach Durazzo, nach dem Konak, stand offen. Gleichzeitig mit den ersten Flüchtlingen, die in Durazzo anlangten, hielt die Panik ihren Einzug. Die sinnlosesten Gerüchte durchschwirrten die Luft und fanden selbst Eingang in das wohlverwahrte Königsschloß, vor dem österreichische und italienische Matrosen Wache hielten.
Man gab dem Fürsten wohlgemeinte aber schlechte Ratschläge. Man riet ihm, die Mallisorenwache auf die Kriegsschiffe zu bringen, um es nicht zum Glaubens- kampf zwischen den katholischen Mallisoren und den mohammedanischen Bauern kommen zu lassen. Die Mallisoren wollten nur gehen, wenn auch der Fürst sich ein- schiffte. Und nun schiffte sich Fürst Wilhelm an Bord der italienischen Jacht „Misurata" ein. Wenige Stunden später schon zeigte es sich, wie übereilt die Flucht aus dem Konak gewesen war und die fürstliche Familie ging wieder an Land. Die Rebellen waren nur nach Durazzo gekommen, um mit dem Fürsten zu verhandeln. Jetzt herrscht Fürst Wilhelm, soweit wie die Gewehre der ihn beschützenden italienischen Matrosen tragen.
Ob die nächsten Tage nicht die erzwungene Abdankung oder gar noch Schlimmeres bringen, wird von allen aufrichtigen Freunden des Fürsten befürchtet.
Der Kolonialbesitz des Kaisers.
Förderung der Wollschafzucht.
Es hatte seinerzeit bei allen Anhängern kolonialer Bestrebungen große Freude hervorgerufen, als der Kaiser sich zum Ankauf zweier Farmen in Südwest entschloß, konnte man doch ohne weiteres annehmen, daß einmal das kaiserliche Beispiel zur Nacheiserung anregen, anderseits die kaiserlichen Farmen zu Musterbetrieben kolonialer Landwirtschaft ausgestaltet wurden. Man war um so eher zu solcher Annahme berechtigt, als ja Kaiser Wilhelm als Landwirt auf seinem westpreußischen Gute Cadinen eine mustergültige Wirtschaft führt. Die Farmen, die Kaiser Wilhelm damals ankauste, waren die Besitzungen Dicköorn und Kosof im Bezirk Gibeon, einer Gegend, die zum sog. Groß-Namaland gehört, sich also in der Südhälfte der Kolonie befindet.
Auf den kaiserlichen Farmen widmet man sich ausgedehnt dem Betrieb der Wollschafzucht. Alle kolonialen Autoritäten haben die Lage der kaiserlichen Farmen für ausgezeichnet erklärt und auf ihnen alle Bedingungen erfüllt gesunden, die eine rationelle Schafzucht verlangt. Während in der Mitte und im Norden des Schutzgebietes die Rinderzucht vorwiegt, betreibt man in Groß-Nama- land hauptsächlich die Wollschafzucht. Der Kaufpreis, den der Kaiser für die beiden Farmen anlegen mußte, war verhältnismäßig gering, er belief sich auf 96 000 ^ Die Wollschafzucht in Südwest hat, wie das Beispiel der Kapkolonie beweist, für das Schutzgeb et eine ungewöhnliche Bedeutung. Es war daher mit Freuden zu begrüßen, baß der oberste Schirmherr der Kolonie selbst mit gutem Beispiele voranging und Zuchtfarmen schuf, deren Erfolge bald neue entstehen ließ. Hier ist vor allem die beutschsübwestafrikanische Schäfereigesellschaft, sowie die Farm Voigtsgrund zu nennen, die in der Nähe des kaiserlichen Kolonialbesitzes gelegen, ebenfalls mit ausgezeichnetem Erfolge die Schafzitcht betreiben und beachtenswerte Erzeugnisse auf den Markt bringen.
Uebrigens ist das Gebiet, in dem die kaiserlichen Farmen belegen sind, ein auch geschichtlich erinuerungs- reicher Boden, hier spielten sich in dem Südwestfeldzug
Die Zigeunerin vsm Libsee.
Roman von Paul Beye.
22) (Nachdruck verboten.)
„Wenn's der Tollerer unterläßt, so tut er's aus einem besonderen Grund."
„Und welchen?" forschte der Bauer, der seine Fassung nach und nach wiedergewonnen hatte.
^Welchen? Das kann Dir wohl gleichgiltig sein." Das Blut war ihr bei dieser Antwort ins Gesicht geschossen.
„Ich muß den Grund wissen, sonst kenn ich mich mcht aus, wessen ich mich von ihm zu versehen hab'!" drängte der Scherbenecker.
wegen mM"NN S durchaus wissen willst: Er schweigt
~ rief ausfahrend der Mann. „So pfeifen die Spatzen auf dem Dach! Hätt's ja eh' wissen können wie teuer so ein Kerl seine Pflicht verkauft Aber - daraus wird nichts - wenn er nchts anders weiß soll er hingehen und mich anzeigen."
trMcnn »Pater, was denkst Du schlecht von mir? Weißt Du, wie's gekommen ist? Aus S Ä bm ich vor ihm gelegen, S Ä neu Handen hab ich gebittet, daß er schweigt, daß er mir er, unserem ehrlichen Haus seinen Herrn laßt. Nichts hat er von mir verlangt, gar nichts. Aber nan Dir will er einen heiligen Eid, abgelegt vor mir aufs Kruzrftx daß es das letztemal gewesen ist, daß Du auf verbrecherische Weise Deine Büchse abgedrückt hast, ^ud den Eid mußt Du leisten, Vater, sonst kommen sie wirklich und führen Dich in Ketten und Banden in die Schande."
Auf den Zügen des Scheibeneckers lag es wie Hohn. „Un6 ich muß nachgeben, weil er mich in der Hand tot, damit die Hoftochter die Frau Forstgehilfe werben
manche schwere Kämpfe mit den Eingeborenen ab. Je« öenfalls hat der Kaiser als Farmer sehr anregend dafür gewirkt, den steppenreichen Landstrich den Zwecken der Wollschafzucht dienstbar zu machen, die Erfolge sind heute bereits hocherfreuliche.
Politische Rundschau.
Bei der Stichwahl in Osterburg-Stendal wurde nach dem bisher vorliegenden Ergebnis der nationalliberale Kandidat Wachhorst de Wente mit 15 004 Stimmen gewählt. Oekonomierat Hoesch (kons.) erhielt 12 477 Stimmen. Bet der Hauptwahl hatte Hoesch (dk.) 12182, Wachhorst de Wente (natl.) 7010 und Beims lSoz.) 6911 Stimmen erhalten.
Zur Berücksichtigung überwiesen hat die Unterrichtskommission des preußischen Abgeordnetenhauses Petitionen um Gleichstellung der Volksschullehrer mit den Sekretären der Staatsverwaltung der Regierung als Material, sowie um Erhöhung des Einkommens der Lehrer-Altpensionäre.
Berlin und Albanien. In den Berliner diplomatischen Kreisen warnt man davor, die einander widersprechenden Meldungen über die Vorgänge in Albanien unbesehen als zutreffend anzunehmen. Man weist darauf hin, daß besonders die Darstellungen italienischer Blätter eine gewisse Voreingenommenheit gegen den Fürsten erkennen lassen. Vor allem hält man es für voreilig, die zeitweilige Anwesenheit des Fürsten auf einem italienischen Kriegsschiffe als eine Flucht zu bezeichnen. Von der Absicht des Fürsten, abzudanken, oder gar von der Unterzeichnung einer Abdankungsurkunde ist in Berlin noch nichts bekannt.
Die Ausführungen des russischen Ministers des Auswärtigen über die Beziehungen Rußlands zu Deutschland werden in den Berliner politischen Kreisen als ebenso bedeutsam wie erfreulich angesehen, da sie das Bestreben erkennen lassen, die traditionelle Freundschaft zwischen Rußland und Deutschland aufrecht zu erhalten. Für nicht minder wichtig als die Aeußerungen über die Beziehungen Rußlands zu Deutschland erachtet man die Bemerkungen Sasonows über das russisch-englische Verhältnis, die das Scheitern der französischen Bemühungen um eine weitere Ausgestaltung der Triple- entente deutlich machen.
England geht nicht nach San Fraucisco. Im englischen Unterhause teilte am Montag Ministerpräsident Asquith mit, daß die Regierung die Frage einer offiziellen Beteiligung an der Panamaausstellung in San Franciseo abermals sorgsam in Erwägung gezogen habe und zu dem Ergebnis gekommen sei, daß sie von ihrer früheren Entscheidung nicht abgehen könne.
Kleine nadiriditen-
Der Großherzog von Mecklenburg-Strelitz, der sich zurzeit bei Geheimrat Pros. Bier in Berlin einer Nachbehandlung nach seiner vor mehreren Wochen erfolgten Darmoperation unterzieht, ist, wie die Landeszeitung für beide Mecklenburg meldet, infolge einer fieberhaften Venenentzündung mit daran anschließender Rose erneut aus Bett gefesselt. Hierdurch wird die Nachkur verzögert und der Berliner Aufenthalt des Großherzogs erheblich verlängert werden müssen. Man hegt in Neustrelitz für sein Befinden ernste Befürchtungen.
Exhnmierung deutscher Soldaten in Frankreich. In der Ortschaft Mortagne ist ein deutscher Hauptmann im Auftrag der deutschen Regierung eingetroffen, um die Neberreste der 49 im Gefechte bei La Fourche Gefallenen und dort beerdigten Preußen und Bayern ausgraben zu lassen und nach Deutschland zu überführen. Die Leichen- reste wurden aus einer neun Meter tiefen Gruft frei- gelegt. Man fand nur noch Knochen, kleine Uniform- stücke und zwei Paar Stiefel.
Zur Hundertjahrfeier des Garde - Schützen - Bataillons in Berlin, die Dienstag ihren Anfang nahm, hatte die Kaserne reichen Festschmuck angelegt. Am 27. Mai findet der große Parademarsch vor dem Kaiser auf dem Kasernenhofe statt, wo ein Kaiserzelt aufgestellt ist.
Schneefall im Taunus. Im Taunus setzte am Montag heftiger Schneefall ein und die Temperatur sank auf zwei Kältegrade. Auch aus dem Schwarzwalü wird Schneefall gemeldet.
Der verunglückte Kanalflug. Bei Klingsdown an der englischen Kanalküste nahe bei Deal sind Teile eines Flugzeuges an die Küste gespült worden. Man bringt diese Trümmer mit dem Verschwinden des Fliegers Hamel in Verbindung.
Ein Schweizer Hotel in Konkurs. Der Besitzer des in Zürich erst vor Jahresfrist mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen errichteten Elitehotels, Nörblinger ist in Konkurs geraten.
Ein italienisches Militärluftschiff vom Winde entführt. Nach einer Meldung aus Mailand ist das Mili- tärluftschiff „Usuelli", dessen Besitzer das Schiff der Armee geschenkt hatte, bevor es, wegen Böen und Regen
kann. Wenn nachher der Alte den Geldbeutel nicht weit genug auftut, hält er sein Maul nicht."
„Nichts davon ist wahr. Was er zuerst gewollt hat, will er auch jetzt. Nicht früher will er mich heiraten, als bis er Forstwart geworden ist, und darauf hat's vielleicht noch gute zwei Jahre."
In dem Bauern arbeitete es mächtig.
„Wer's glauben dürft'!" Er könnte auch eines Tages kommen und sagen:
„Scheibenecker, die Tochter her, oder — ich geh aufs Forstamt!"
Der Gedanke, willenlos in die Gewalt eines anderen gegeben zu sein, war ihm unerträglich.
„Vater! So gewiß wir beide unterm Kruzifix stehen, vor dem Du Deinen Eid schwören mußt, so sicher hält der Franzl sein Wort, das er mir in Lieb und Treu gegeben hat. Keine Stunde eher, als es ausgemacht ist, werbe ich dem Sollerer sein Weib. Das ist mein Eid. Ist Dir das genug, Vater?"
Bei den innigen, beschwörenden Worten seiner Tochter vollzog sich in dem trotzigen Bauer eine völlige Wandlung. Eine ihm sonst fremde Weichheit und Rührung kam über ihn.
„Ja," sagte er bewegt, „ich hab viel gefehlt an euch und an mir selber. Jetzt ists vorbei damit. Hart kommts mich an, blutig hart. Aber was sein muß, das muß sein!"
Er ging einige Schritte vor, legte die Rechte auf das Kruzifix und die Linke auf seine Brust.
„Schau, Marei, so schwör' ich. Und jetzt geh' hin und sag Deinem Jäger, daß der Scheibenecker, mit der einen Hand auf dem Kruzifix, mit der andern auf dem Herzen einen heiligen Eid geschworen hat, nie und nimmer in seinem Leben mehr seine Büchse auf ein Stück Wild ab- zudrücken. Was ich sag, das halt' ich auch."
* * *
yn einer Nacht, ungefähr acht bis zehn £§& NS
landen», verankert war, in 80 GeMd von Matlani von einem Windstoß entführt worden und in den Wol« ken verschwunden. Opfer an Menschenleben sind nicht zu beklagen.
Chinesische Soldaten als Plünderer. Ungefähr fünf- zig chinesische Soldaten, die aus einer Kaserne außerhalb der Stadt Zizikar kamen, versuchten die Provinzialbank und ein russisches Magazin zu plündern. Sie eröffneten ein Feuer auf die Gebäude und schleppten, da sie die Riegel an den Bankräumen nicht aufbrechen konnten, Waren aus dem Schaufenster des russischen Magazins davon. Mehrere Kaufleute wurden verwundet. Plündernd und bandschatzend zogen die Räuber aus der Stadt.
Verhaftung eines Franzosen in Eöln.
Der neugierige Ballonkonstrukteur.
Ein Erbauer französischer Lenkballons hat versucht, auf deutschem Boden Erfahrungen über die deutschen Zeppelinballons zu sammeln. Daß er dabei auf Widerstand gestoßen ist, darüber kann er sich nicht wundern; denn wir werden uns hüten, französischen Fachleuten Kenntnis von den Geheimnissen unserer „Zeppeline" zu geben. Eine vorläufige Festnahme wegen Spionageverdachts hat er seinem Benehmen zuzuschreiben. Dem „Berl. L.-Anz." werden über den Fall folgende Einzelheiten mitgeteilt: Der Lenkballonkonstrukteur Elemend Banarb will, wie er den Pariser Blättern müteilt, bei der französischen Regierung Beschwerde darüber erheben, daß er von Freitag 10 Uhr morgens bis Sonnabend 8üz Uhr abends von der Eölner Polizei in Haft gehalten wurde, ohne daß sein Verhalten und das seiner Begleiter, des Ingenieurs Sabatier und des Architekten Nicolas, hierzu Anlaß gegeben hätte. Befremdend in der Darstellung Element Bayards ist der Hauvtumstand: Weder er noch seine Begleiter wollen in dem Augenblick, da sie sich im Automobil vom Eölner Bahnhof nach dem Zeppelin schuppen nach Bickendorf begaben, eine Ahnung davon gehabt haben, daß der Ballonschuppen unter militärischer Verwaltung stehe, und daß man, um sich in dessen Nähe aufzuhalten, besonderer Ermächtigung bedürfe. Auffallend erscheint diese von Bayard zu Protokoll gegebene Antwort darum, weil ein so erfahrener Fachmann, der eine besondere Studienreise nach Deutschland unternahm, um die Fortschritte auf allen Gebieten des Luftwesens kennen zu lernen, besonders aber die für Landungszwecke an Lenkballons getroffenen Einrichtungen, eine so wesentliche Einzelheit nicht gekannt haben soll.
Element Bayards Antwort bei seiner Verhaftung war: „Mein Gott, ich habe 50 bis 60 Personen in der Nähe des Schuppens gesehen und hoffe, mit demselben Recht wie diese Leute dürfen wir Franzosen uns dort aufhalten, um zu sehen, wie man solch einen Lenkballon in den Schuppen befördert." Als der Pariser Konstrukteur diese Erklärung gab, mußte er vollständig vergessen haben, mit welcher Strenge man auf allen Landungsplätzen für Lenkballons in Frankreich die Annäherung nicht legitimierter Personen verbietet. Daß Element Bayard nicht als Unkundiger nach Cöln kam, geht übrigens aus seinen eigenen Berichten hervor.
Herr Element Bayard dankt in den Pariser Blättern dem Eölner Staatsanwalt dafür, daß dieser seiner Antwort Glauben schenkte, vermißt aber ein Wort der Entschuldigung für die im Arrest erfahrene Behandlung, namentlich für die schlechte Qualität der Speisen und Getränke. Auch fand Herr Element Bayard, es sei unschicklich, daß man ihm, einem Kommandeur der Ehrenlegion, die Taschen umkehrte, um zu sehen, ob er irgend etwas Verdächtiges besitze. Die Pariser Presse verfehlt selbstverständlich nicht, die Affäre zu einer Staatsaktion aufzubauschen, und einige Blätter gehen soweit, die Pariser deutsche Kolonie für den Zwischen- fall verantwortlich zu machen und bei der Regierung Repressalien zu verlangen!
Das Auswärtige Amt hat von der amtlichen Eölner Stelle einen Bericht über die dortigen Vorgänge eingefordert.
Sie Leichenfeier für die Tötender „Gäben".
Die Leichenfeier für die bei dem Brande der Taschlyslar- Kaserne in Pera verunglückten Matrosen vom Kreuzer „Gäben" gestaltete sich ungemein erhebend und mit einer Anteilnahme aller Kreise, wie sie in Konstantinopel kaum jemals stattgefunden hat. Vom deutschen Hospital wurden die drei Toten nach dem Gebäude der deutschen Botschaft übergeführt, von wo sich der glänzende Trauerzug in Bewegung setzte. Der Sultan ließ den Heimgegangenen Ehrungen erweisen, wie sie sonst nur den Größten des Reiches zuteil werden. Auf dem langen Wege bildeten Truppen Spalier. Der Trauerzug wurde von 2 zusammengesetzten Bataillonen begleitet. Der Sultan hatte seine 2 ersten Adjutanten entsandt, die nebendem deutschen Botschafter schritten, gleich hinter den mitvon Hunderten von Kränzen bedeckten Särgen. Mit dem Zug gingen ferner die türkischen Minister des Kriegs und der Marine, die vollzählige deutsche Militärmission mit Marschall von L i m a n an der Spitze, die Angehörigen der englischen Marinemission unter Führung des Admirals Limpus, zahlreiche Mitglieder des diplomatischen Korps, Vertreter der ökumenischen und des armenischen Patriarchen und eine enorme Zahl der Mitglieder der deutschen Kolonie. Der Kriegsminister beschloß an der Taschlys- lar-Kaserne eine marmorne Gedenktafel zur bleibenden Erinnerung an die drei Leute der „Gäben", die den Heldentod erlitten haben, errichten zu lassen. Der Sultan ließ aus seiner Privatchatulle den Familien der drei gestorbenen Leute der „Gäben" je 150 Pfund überweisen.
den soeben erzählten Ereignissen, konnte draußen im Zigeunerlager am Eib-See Maruschka keinen Schlaf finden und starrte mit gedankenschweren Augen nach der bleich glänzenden Mondsichel, die ab und zu zwischen dem schwarzen, raschziehenden Gewölk sichtbar wurde. Dem Mädel war es wüst im Kopf, unklar folgten sich die Gedanken, und nur zwei Empfindungen traten deutlicher hervor: Die unerwiderte Leidenschaft für den Jäger und der Wunsch, fortzukommen aus dieser Gegend, diesen Verhältnissen, denen sie sich selbst ausgeliefert hatte, nur um den Geliebten zu retten.
Dem Janos traute sie nicht, denn sie kannte seinen Heimtückischen, versteckten Charakter. Dem Wortlaute nach würde er sein Versprechen halten. Aber es gibt andere Wege, auf denen er seiner Rache nachgehen kann.
Einer jeden Tücke Hielt sie Janos fähig. Morgen schon konnte es geschehen.
Ihre Angst und Aufregung wuchsen. „Fort! Fort! Ihn warnen," war der stets wiederkehrende Gedanke. Sie sprang aus dem Bett und kleidete sich mit zitternden Händen an, öffnete vorsichtig die Tür und lauschte mit klopfendem Herzen. Nichts rührte sich. So gewann sie den Wald und eilte auf dem nächsten Wege Garmisch zu.
Von den Wänden der Zugspitze herab brausten scharfe, kalte Windstöße, die sich in den Kleidern und dem Tuche fingen, das sie umgelegt hatte. Kaum, daß sie gegen den Sturm vorwärtskam. Fast waren Marusch« kas Kräfte vollständig erschöpft — da erreichte sie gegen zwei Uhr morgens Garmisch. Niemand war ihr begegnet, ungesehen war sie an das Haus herangekommen, das der Forstgehilfe bewohnte. "
Der Maruschka schlugen die Zähne aufeinander, als sie über den niederen Zaun sprang und das Fenster suchte, SirM dem der Jäger schlief. =