Hersfelder Tageblatt
für den Kreis Hersfeld
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Amtlicher Anzeiger
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zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei 5)Cl5|n0^I Hersfeld. Für die RedaMon verantworttich Franz Funk in Hersfeld. ’
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Zernfprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 122.
Mittwoch, den 27. Mai
1914.
Bus der Heimat.
Stadtverordneten-Sitzung.
):( Hersfeld, 26. Mai.
Am gestrigen Nachmittag fand eine Sitzung der Stadtverordneten statt, an welcher 17 Mitglieder teil- nahmen. Außerdem war Herr Bürgermeister Strauß, Herr Stadtrat Hirschberger und Herr Magistratsassessor. Dr. S ch e f f e r anwesend.
Für die Neueinrichtung der R e g i st r a t u r und Annahme einer Hilfskraft hierzu hatte der Magistrat 2000 Mark bewilligt, wozu die Stadtverordneten ihre Zustimmung erteilten.
Ferner wurden zum Ankauf eines neuen Zuchtbullen 705.50 Mark bewilligt. Der Verkauf des alten Bullen hatte einschließlich der Versicherungssumme den Betrag von 557.75 Mark erbracht.
Die Brann tw ein kon tro llste lle soll in einem besonderen Zimmer untergebracht werden, und zwar ist hierzu ein Raum in dem städtischen Wage- hause vorgesehen, der zu der Wohnung des städtischen Wiegemeisters gehört. Diesem soll für die Hergabe des Zimmers eine jährliche Vergütung von 50 Mark gezahlt werden. Auf eine Anfrage des Herrn Stadtverordneten JeanRechberg,obes nicht möglich sei, daß die Geschäfte des Wiegemeisters und Abgaben- kontrollenrs von einer Person versehen werden könnten, bemerkte Herr Bürgermeister S t r a u ß, daß dies nicht gut möglich wäre, da der Wiegemeister jederzeit zu Hause sein müßte, während der Abgaben- kontrolleur sehr viel in der Stadt zu tun habe. Herr Stadtverordneter D. Stern ist der Meinung, daß man den benötigten Raum von der Dienstwohnung ohne Mietsentschädigung abtrennen könne. Auch Herr Gerichtsvollzieher Becker hält es nicht für angebracht, daß die Stadt etwas von ihrem Eigentum abmietet, zumal die Wohnung 6 Zimmer umfasse und, die Familie des Wiegemeisters nicht groß sei. Demgegenüber ersucht Herr Lehrer L ö w e r um Bewilligung der kleinen Vergütung von 50 Mark, zumal der Wiegemeister keinen großen Gehalt beziehe. Auch Herr Färbmeister Wolfs hält es nicht für angebracht, daß die Stadt heute einfach ein Zimmer wieder weg- nimmt, nachdem sie die ganze Wohnung dem Wiegemeister übertragen habe. Schließlich stimmten die Stadtverordneten der Magistratsvorlage zu und bewilligten die Vergütung.
Für Anbringung von Jalousien an zwei Fenstern im städtischen Lyzeum, die nach Osten zu liegen, wurden die Kosten bewilligt.
Die Jahresrechnung des städtischen Wasserwerks für das Jahr 1912 war von einer Kommission geprüft worden, die nur einige geringe Beanstandungen zu machen hatte. Der Reingewinn betrug in dem Jahre 9799,19 Mk. Die Versammlung erteilte dem Rechnungsführer Entlastung.
Eine längere Besprechung rief der folgende Punkt der Tagesordnung hervor, nämlich die Erbauung einer Zollniederlage. Die Verhandlungen hierüber schweben bereits mehrere Jahre, und es würde durch die Errichtung einer solchen Niederlage erreicht, daß die aus dem Auslande hier eingehenden Güter auch hier abgefertigt werden könnten, während dies jetzt immer in Eschwege oder Fulda erfolgen muß. Die Zollniederlage soll direkt an das Zollgebäude angebaut werden, doch waren die Verhandlungen deshalb verzögert worden, weil die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. beabsichtigte, an dieser Stelle einen Lokomotivschuppen zu errichten. Da der Bau der Niederlage besonders im Interesse der hiesigen Kaufleute liegt, so sollten diese auch die Kosten für Unterhaltung und Verzinsung des Gebäudes garantieren. Die Baukosten für den ea. 90 am großen Lagerraum betragen ungefähr 8100 Mk. Herr Stadtverordnetenvorsteher Becker schlägt vor, die Versammlung möge sich im Prinzip mit der Erbauung einer Zollniederlage einverstanden erklären, jedoch die Borlage nochmals an den Magistrat zurück- gehen lassen, um einige Aenderungen zu treffen. Die Zollbehörde habe verlangt, daß der Raum feuer- und diebessicher erbaut werde, und er glaube, daß hierfür die veranschlagten Kosten nicht ausreichen würden. Demgegenüber erklärte Herr Bürgermeister Strauß, daß dies mit dem geforderten Betrage bestritten werden könne. Es sei für jede Stadt ein großer Vorteil, wenn eine derartige Niederlage errichtet werde, denn sie würde wirtschaftlich über andere Städte hinauswachsen. Herr JeanRechberg bezeichnet die Errichtung der Niederlage für die hiesigen Interessenten für fehr vorteilhaft und angenehm, doch möchte er einen genauen Kostenanschlag über das Gebäude haben, da die Zollbehörde 'noch eine Anzahl besonderer Forderungen stellen würde. Herr LorenzMohr schließt sich dem an und möchte sestaestellt haben wie hoch sich der Zuschuß der Jntereßenten belaufe, auch müßte dieser nicht für 5 sondern für 10 Jahre garantiert werden.
Herr Rechtsanwalt S ch a fft ist der Meinung, daß alles getan werden muß, um den wirtschaftlichen Bedürfnissen der Stadt zu genügen. Bei der heutigen finanziellen Lage der Stadt muß jedoch darauf hingewirkt werden, daß die Kosten für die Errichtung der Niederlage in erster Linie von den Interessenten aufgebracht werden. Herr Bürgermeister Strauß hätte auch lieber eine 10jährige Garantie von feiten der Interessenten. Es dürfte jedoch nicht außer acht gelassen werden, daß Hersfeld durch die Errichtung einer Zollniederlage gegenüber den Schwesterstädten einen wirtschaftlichen Vorteil erreichte, indem dann andere Städte hier einlagern müßten. Schließlich gaben die Stadtverordneten der Magistratsvorlage ihre Zustimmung, doch sei es wünschenswert, daß der Kostenanschlag nochmals genau geprüft werde, ob die geforderten Mittel ausreichend seien. Ferner sei anzu- streben, daß der Garantievertrag mit den Interessenten auf 10 Jahre abgeschlossen werde.
Durch das neue Sparkassengesetz ist nunmehr auch die Aufstellung eines neuen modernen Sparkassen- statnts für die städtische Sparkasse notwendig geworden. Die Sparkassenkommission hat bereits ein Statut entworfen, welches die Billigung des Magistrats erhalten habe, dasselbe soll nun auch von den Stadtverordneten geprüft werden. Herr Gerichtsvollzieher Becker beantragt vor der Beratung des Statuts den Stadtverordneten Abdrücke desselben zukommen zu lassen, damit sich dieselben erst in Ruhe ein Urteil darüber bilden könnten. Auch Herr Ludwig Engelhardt teilte diese Ansicht und unterstützte den Antrag des Herrn Becker. Da derselbe allgemein für gut geheißen wurde, beschloß man jedem der Stadtverordneten einen Abdruck zur Verfügung zu stellen.
Die Feststellung der Fluchtlinien am Wendeberg war durch eine Kommission geprüft worden, die noch verschiedene Abänderungsvorschläge gemacht hatte. Die Versammlung beschloß daher, diese Anregungen an den Magistrat zur Prüfung abzugeben.
Betreffs telefonischer Verbindung der Häuser am Wippershainer Weg mit der Polizeiwache hatte der Magistrat abermals eine ablehnende Stellung eingenommen, mit der Begründung, daß bei Bewilligung derselben alle anderen außerhalb des Stadtgebietes liegenden Bewohner mit dem gleichen Ersuchen an die Stadt herantreten würden.
Herr Ludwig E n g e l h a r d t fragt an, wie es sich mit der Abnahme der Bauten in der Stadt verhalte, er habe einen Bau bereits schon seit Wochen zur Abnahme angemeldet, könne aber dieselbe nicht erreichen. Der Kreis habe ihn an die Stadt und die Stadt an den Kreis verwiesen. Herr Bürgermeister Strauß erklärt hierzu, daß die Abnahme der Bauten hier Sache der Ortspolizeibehörde, also des Bürgermeisters sei. Er habe die Bauten durch den Stadtbaumeister abnehmen lassen, dem aber durch eine Verfügung der Königlichen Regierung die Abnahme der Bauten nunmehr entzogen worden sei, weil sich bei einer Prüfung der Bauten Beanstandungen ergeben haben. Wenn nun auch ein Teil derselben berechtigt waren, so sei dies doch nicht überall der Fall, denn öfters würden noch nach der Bauabnahme Aenderungen getroffen, die der Kenntnis des Abnehmenden sich entzögen. Deshalb hat die Regierung ihre im Jahre 1899 erteilte Genehmigung zurückgezogen und einstweilen den Königlichen Hochbaubeamten hier- selbst mit der Abnahme der Bauten beauftragt. Dieser verlangt nun für jede Abnahme 10_ Mark, wahrend, seither nur 5 Mark erhoben worden und, die Bauherrn müssen also jetzt das doppelte zahlen. Herr Bürgermeister Strauß hat nun persönlich in Eayel versucht, eine Zurücknahme der Verfügung gegen den ^tadt- baumeister zu erlangen, hat aber damit keinen Er^olg gehabt. Ueber den weiteren -Bertauf der Angelegenheit muß nun der Magistrat erst noch in seiner nächsten Sitzung beschließen. Nähere Einzelheiten hierilber will der Herr Bürgermeister noch in vertraulicher Sitzung geben. Herr Stadtverordneten - Vorsteher Becker bedauert, daß man dem Stadtbaumeister, der Lwn fast 30 Jahre lang die Bauabnahme erledigt hat die Berechtigung lM entzieht. Es müsse noch genau untersucht werden, ob dies auch berechtigt ist ?,nd °b ">° R-gi-run, einen »enmten mit der Bau- abnahme beaustragen kann, der höhere Gebühren er hebt, wie die Stadt festgesetzt hat. 7
Hiermit wurde die öffentliche Sitzung gegen " Uhr geschlossen und die Stadtverordneten traten noch in eine einstündige vertrauliche Beratung ein.
h Hersfeld 26. Mai. Der vor einigen Tagen aus dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis entflohene Hä t t- H ng wurde heute wieder hier ein geliefert.
8 Hersfeld, 26. Mai. Der Hess.-Nass. Ber- band evang.- kirchl. Blaukreuzvereine hielt am Montag, den 25. Mai in Hersfeld, unter öem Borsitz von Superintendent Orth in Schlüchtern seine Jahresversammlung. Schon die vorhergehenden
Tage hatte der Generalsekretär des kirchlichen Blau- kreuzbnndes, Psr. Dr. Burckhardt aus Berlin, in Hersfeld und den benachbarten Dörfern Obergeis und Raboldshausen gepredigt und Lichtbildervorträge gehalten und wärmstes Interesse gefunden. Die Verbandstagung wurde eingeleitet durch eine biblische Ansprache von Psr. Goebels aus Hanau. Über das Wort aus der Epistel des gestrigen Sonntags 1. Pet. 4,8. Der Generalsekretär hielt einen Vortrag über die Belebung der Vereinsarbeit durch das Bibelstudium und die Vertiefung des Bibelstudiums durch die Vereinsarbeit. Als stellvertretender Vorsitzender wurde Pfarrer Kaiser in Obergeis gewählt. Der Verband zählt zur Zeit 12 Vereine mit 220 Mitgliedern. lieber die Beziehungen des Vereins abstinenter Pfarrer trug Pfr. Kohlenbusch in Meerholz vor und betonte die Wichtigkeit des Neben- einanderbestehens und Zusammenwirkens der beiden Organisationen, die beide davon Gewinn haben. Endlich führte Pfarrer Eberth in Raboldshausen aus, wie wichtig es ist, auch auf dem Lande Blaukreuzarbeit vorzubereiten und durchzuführen. In einer Pause nahmen die meisten Vereinsvertreter teil an einem Vortrag, den der Generalsekretär im Gymnasium über das Thema: „Vom Wissen durchs Gewissen, zur Gewißheit" hielt. — Die ganze Tagung legt Zeugnis davon ab, daß der Verband, vor zwei Jahren gegründet, in eine Periode gedeihlicher Entwicklung eingetreten ist. *
§ Hersfeld, 26. Mai. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienststelle Weilburg unterm 25. Mai geschrieben: Endlich ist der ersehnte Regen eingetreten und an manchen Orten sehr kräftig, trotz der Kürze der Zeit. Doch scheint sich nach der Wetterlage daraus eine Regenperiode nicht zu entwickeln. Das den Regen verursachende Tiefdruckgebiet ist im Abrücken nach Südeuropa begriffen. Von Schottland her breitet sich schon wieder ein Hochdruckgebiet aus. Das letztere wird wahrscheinlich unsere Witterung bald immer stärker beeinflussen, sodaß wieder eine heitere und im allgemeinen trockene Zeit bevorzustehen scheint.
§ Hersfeld, 26. Mai. Am 5. Juni d. Js. bezieht die R a d f a h r e r -K o mp a g n ie des K u r H. Jäger- Bataillons Nr. 11 Quartier in hiesiger Stadt und zwar in Stärke von 3 Offizieren, 2 Feldwebeln, 9 Oberjäger und 82 Jäger. Einige Tage später, nämlich am 9. Juni gelangt die Maschinengewehr- Kompagnie desselben Bataillons ebenwohl hier zur Einquartierung undzwar in Stärke von 4Offizieren, 2 Feldwebeln, 7 überlagern, 55 Jägern und 26 Pferden. Die Offiziere erhalten Quartier mit Morgenkost und die Mannschaften vom Feldwebel abwärts Quartier mit voller Tageskost. Für die Pferde wird Futter seitens der Stadt beschafft.
- b- Unterhau», 25. Mai. In dem benachbarten Oberhaun kam es gestern abend bei der Feier des Schützenfestes zu einer schweren Schlägerei. Hierbei wurde ein Mann aus Sieglos durch einen Re- volverschuß schwer verletzt, so daß er in das Landkrankenhaus nach Hersfeld gefahren werden mußte.
- n- Heringen a. d. W., 24. Mai. Am Sonnabend hielt der bekannte Naturwissenschaftler, Herr Lehrer S ch u l z - Lasset, im Lehrerbezirksverein W e r r a t a l einen hochinteressanten Vortrag über das Thema: „Ausgewähltes aus der Vererbungslehre." Mit Spannung folgten die Zuhörer den geistvollen Ausführungen und zollten dem Vortragenden lebhaften Beifall.
- n- Heringen (Werra), 25. Mai. (Bundes- sängerfest.) Am Sonntag den 7. Juni d. Js. findet in Heringen das Bundessängerfest des Sängerbundes „Werratal" statt. Die Leitung des Bundesliedes liegt in den Händen des Bundesdirigenten Herrn Lehrer Bürger-Widdershausen.
- n- Widdershausen a. d. W., 24. Mai. Der vor einigen Tagen auf dem Kalibergwerk A b t e r o d a bei Berka a. W. verunglückte Bergmann K a r l Z u - leger von hier befindet sich auf dem Wege der Besserung. Nach ärztlichem Befund hat sich der Verunglückte keinerlei innere Verletzungen zugczogen.
-n- Widdershausen, 24.Mai. Der K r i e g e rv e ret n Wi d ders h a u s e n feiert am 21. Juni d. I. fein 8. Stiftungsfest. Die Festwirtschaft liegt in Händen des Vereinsmitgliedes Herrn Ruch hier.
Oberaula, 25. Mai. Beim Abbruch einer Mauer im Dörnbergischen Schloß zu Hausen fanden die Arbeiter ein menschliches Skelett, das in alten Zeiten eingemauert worden war.
Wetteraussichten für Mittwoch den 27. Mai.
Meist trüb, Regenfälle, keine Temperaturändexung, wechselnde vorwiegend nordöstliche Winde.