Einzelbild herunterladen
 

Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Vuchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Weiber

für den Kreis Hersfeld

Äreisblntt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 120. Sonntag» den 24. Mai 1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat.

* (Die Handwerkertage.) Der 12. Ver­tretertag der Innungen, Handwerker- und Gewerbe­vereine des Kammerbezirks findet Sonntag, 21. Juni 1914 in Frankenberg in der städtischen Festhalle statt. Auf der Tagung wird Syndikus Thanheiser einen Vortrag über die bevorstehende Abänderung der Neichsgewerbeordnung halten. Der 13. Vertretertag findet am Sonntag, 28. Juni, in Eschwege im großen Saale des Stadtparks statt. Auf ihm wird Ober­meister Kniest-Cassel über die Bedeutung der Handels­verträge für das deutsche Handwerk sprechen. Da auch wichtige, das ganze Handwerk betreffende Gegen­stände zur Verhandlung stehen, hofft die Kammer, daß alle Innungen und Vereine zu diesen Tagungen Ver­treter entsenden werden.

* Die diesjährigen Herb st Übungen des 11. Armeekorps zerfallen in Brigademanöver 2 Tage, vorn 4. bis 8. September, in Divisionsmanöver 3 Tage, vom 7. bis 10. September, in Korpsmanöver 2 Tage, vom 10. bis 12. September. Es folgen hier­auf die großen Kaisermanöver vorn 14. bis 18. September. Für die Brigade-, Divisions- und Korps­manöver des 11. Armeekorps kommt das Gelände des ehemaligen Kurfürstentums Hessen und das Fürsten­tum Waldeck in Betracht. Der hessischen, 22. Division, ist der nördliche, der 38., der thüringischen Division, der südliche Teil des genannten Gebietes als Gelände zngeteilt worden.

§ Hersfeld, 23. Mai. Der Generalsekretär des Kirchlichen Blauen Kreuzes, Herr Pfarrer Dr. Burck- h a r d t aus Berlin, wird am nächsten Sonntag im Hauptgottesdienst der Stadtkirche predigen und abends -*9 Uhr in der Turnhalle einen Lichtbildervortrag halten:Kraftquellen für die Erneuerung unseres Volks- und Jugendlebens." Der Eintritt zu der Abendversammlung ist frei, schulpflichtige Kinder haben jedoch keinen Zutritt.

):( Hersfeld, 22. Mai. Zum Rechnungsrat ernannt wurde Herr Sekretär T h a m e r der König­lichen Regierung zu Cafsel. Herr Thamer war in den Jahren 1902 bis 1909 Königl. Kreissekretär des Kreises Hersfeld. Während seiner hiesigen Wirksam­keit hat er es verstanden, durch offenes und ent­gegenkommendes Wesen sich die Achtung und das Vertrauen der Kreiseingesessenen zu erwerben. Sein Weggang von hier wurde seiner Zeit allseitig be­dauert.

):( Hersfeld, 23. Mai. Recht angenehm überrascht waren am vergangenen Himmelfahrtstage die den Landecker besuchenden Ausflügler. Durch die Verwaltung der Hersfelder Kreisbahn und das liebens­würdige Entgegenkommen der Kgl. Forstbehörde sind nämlich auf dem Landecker eine Anzahl Bänke aufgeschlagen und der Platz hergerichtet worden, so daß derselbe einen freundlichen Eindruck auf den Besucher macht. Diese Verbesserung wird jedenfalls in den Touristenkreisen uneingeschränkte Anerkennung sinden und dürfte dem Landecker eine Menge neuer Freunde erwerben, denn der Besuch dieses Berges ist überaus lohnend. Man kann nur wünschen, daß auch die Gemeinden des Landecker Amtes sich ihrer schönen Gegend mehr annehmen, dadurch vielleicht, daß sie sich dem Touristenklub anschließen und mit dazu beitragen, daß der Touristenverkehr immer mehr auch in diesen Teil des Kreises hineingetragen wird. Es müßten dann die besonders schönen Touren durch Wegebezeichnung markiert werden usw. Im Interesse der Allgemeinheit wäre es aber nun auch zu wünschen, daß die in so dankenswerter Weise durch die Ver­waltung der Hersfelder Kreisbahn geschaffenen Anlagen in gebührender Weise geschont würden. Besonders müßten die Herren Lehrer in den Schulen die Jugend auf den Schutz dieser Bänke aufmerksam machen.

-h- Hersfeld, 23. Mai. Man schreibt uns: Die Bienen schreiten nicht in dem Maße vorwärts als man es um die jetzige Jahreszeit erwarten müßte. Jedenfalls sind durch den anhaltenden Regen die Blüten so ausgelaugt, daß fast kein Honig mehr darin vorhanden ist. Bei dem Einhängen der Waben in den Brutraum nehme man nicht zu alte Waben, denn dieselben sind zu dickwandig und in der Brutzelte zu eng, so daß die jungen Bienen nicht normal auswachsen können, sondern klein bleiben, -y Da durch die kalte Witterung der vorigen Wochen die Gemüsepflanzungen noch etwas zurück waren, haben die Schmetterlinge, um die Brut nicht einzu- schränken, Baumblätter, Linden, Pfeiffenstrauch u. a. mit derselben belegt, die Raupen sind bereits in voller Tätigkeit.

-k- Kerspenhausen, 22. Mai. In der letzten Sitzung des hiesigen Kriegervereins wurde be­schlossen, am 14. Juni sein 20jähriges Stiftungs­fest zu feiern, wozu zahlreiche Einladungen ergangen sind. Die Vorbereitungen zum Feste sind bereits in Angriff genommen.

Schlitz (Oberhessen), 22. Mai. Die Eröffnung der Teilstrecke Schlitz-Niederaula ist für August d. Js. vorgesehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß nach Be­endigung des diesjährigen Kaisermanövers bereits ein Abtransport von Truppenmassen auf dieser Strecke stattfinden kann.

Cassel, 28. Mai. Der D-Zug Nr. 182 Cassel HammMünster, der 9.43 Uhr vormittags von Cassel abfährt, ist gestern bei Altenbeken in eine Schar Eisen­bahnarbeiter hineingefahren,die infolge starkenWindes das Herannahen des Zuges nicht bemerkt hatten. Ein Arbeiter wurde getötet, einem zweiten wurde ein Bein und dem dritten ein Arm abgefahren. Mehrere wurden außerdem leichter verletzt. Eisenbahnärzte legten den Verletzten Verbände an, um sie dann in das Kranken­haus überzuführen. Eine Untersuchung ist eingeleitet.

Cassel, 23. Mai. Wegen Spielens in einer ver­botenen Lotterie hatte sich ein hiesiger Gastwirt und mit ihm wegen Vergehens gegen das Lotteriegesetz der Lieferant der Lose, ein auswärtiger schon vorbe­strafter Losehändler vor dem Schöffengericht zu ver­antworten. Das Gericht verurteilte den Spieler zu 5 Mark Geldstrafe und den Losehändler für jeden Fall des Loseverkaufs zu einer Geldstrafe von 120 Mk., also zu einer Gesamtstrafe von 360 Mk. und zur Tragung der Kosten.

Eisenach, 19. Mai. Der 37jährige Geschirrführer Otto Sölle geriet unter feinen mit Ziegeln beladenen Wagen. Er wurde so schwer verletzt, daß er auf der Stelle verstarb. Wahrscheinlich hat Sölle bei der stark abfallenden Straße den Wagen anschleifen wollen, wobei sich seine Arbeitsschürze in das Rad verwickelte, so daß er zu Fall kam.

Eisenach, 22. Mai. Bei den in den letzten Wochen an den einzelnen Orten der Umgegend stattgefundenen Holzauktionen sind Preise erzielt worden, die oft das Doppelte von den früheren erreichten. Während bisher der Preis für einen Kubikmeter Fichten-und Kiefern­holz 45 Mark betrug, kostete dasselbe in diesem Jahre 8 Mark und mehr. Dies hat seinen Grund in den großen Ankäufen für die Kalibergwerke des Eisenacher Oberlandes, wohin ein großer Teil sog. Grubenhölzer versandt wird.

Göttingen, 20. Mai. Der Arbeiter R. hat sich in einer hiesigen Fabrik an der Stanzpresse vier Finger der rechten Hand abgeschlagen. Er wurde in die chirurgische Klinik eingeliefert.

Göttingen, 22. Mai. Tödlich verunglückt ist am Mittwoch abend in der Arndtstraße beim Aufspringen auf eine Droschke der Student Ergenzieger.

Gilserberg, 22. Mai. In dem benachbarten Sachsenhausen stürzte das 4 Jahre alte Töchterchen der -Familie G. in kochendes Wasser, wobei es sich so ver­brühte, daß an dem Aufkommen des bedauernswerten Kindes gezweifelt wird.

Weende, 19. Mai. Ein eingenartiger Zwischenfall ereignete sich hier. Eine Frau, wohnhaft an der Lutter, lief des nachts nach der chirurgischen Klinik in Göttingen und meldete, sie hätte ihr Zahngebiß verschluckt. Sie wurde sofort von ben Aerzten durch­leuchtet, die aber nichts, fanden. Plötzlich kam der Mann dieser Frau und sagte, er habe das Gebiß fetzt im Bette gefunden.

Albertshansen, 22. Mai. Der 16jährige Landwirt­sohn Schmitt berührte aus Uebermut die elektrische Hochspannungsleitung. Er wurde zu Boden ge­schlendert und war sofort tot.

Erfurt, 22. Mai. Einer Vorlage des Magistrats zufolge hat die Stadtfparkaffc- im> Rechnungsjahr 1913 Kursverluste in Höhe von 29- ^^y Mark erlitten. Infolgedessen wirst das Institut auch in diesem .;ahre keinen Reingewinn ab.

Hanau, 20. Mai. DerFabrikarbeiterD. aus Geislitz hatte gegen den Gendarmen Ketschau m Hüttengesäß mehrere Eingaben verleumderischen In­halts an das Kriegsgericht der 21. Division und an das Reichsmilitärgericht gerichtet. In der heutigen Verhandlung vor der Strafkammer wurde D. zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis und o Jahren Ehrverlust verurteilt wegen falscher Anschuldigung.

Darmstadt, 21. Mai. Der verhaftete Student Vogt hat eingestanden den Privatgelehrten Heydrich überfallen und niedergeschlagen zu haben, weil dieser ihm wegen unerlaubter Beziehungen Vorwürfe machte. Die Untersuchung hat ergeben, daß Vogt den am Boden liegenden Gelehrten mit Spiritus übergoffen

und angezündet hat. Er scheint in einem Zustand plötzlicher geistiger Umnachtung gehandelt zu haben.

Großburschla a. d. Werra, 22. Mai. Gestern nach­mittag gegen 5 Uhr fuhr ein mit vier Seminaristen besetztes Boot des Eschweger Lehrer-Seminars auf der Heimfahrt von Treffurt nach Eschwege mit solcher Wucht gegen einen Pfeiler der hiesigen Werrabrücke, daß es glatt mitten durchbrach. Die Insassen stürzten in die Fluten, konnten sich aber, da die Werra an der Unfallstelle nicht tief ist, mit Hilfe hiesiger hilfsbereiter Einwohner in Sicherheit bringen, sodaß der Unfall für sie noch ziemlich glimpflich ablief. Einer der Schüler erlitt einen Schwächeanfall, erholte sich aber nach kurzer Zeit wieder. In materieller Hinsicht ist der Unfall jedoch nicht unbedeutend, da das zer­trümmerte Boot einen Wert von 1000 Mk. hatte und außerdem Taschenuhren und Geldbörsen der Schüler in Verlust gerieten. ________________________

Abgeordnetenhaus.

Die von dem Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) eingelegte Beschwerde über den ihm erteilten Ordnungsruf für die Bemerkung, er hoffe, daß das neue Opernhaus nicht allzulange den Charakter eines königlichen Baues tragen werde, wurde gegen die Stimmen der Sozial- demokraten und einiger Fortschrittler verworfen. In der dritten Lesung des Bergetats bezeichnete Dr. Schrader (freit) die früheren Bemerkungen des Abg. Hue über die schlechten Bergarbeiterwohnungen als übertrieben. Abg. Hue (Soz.) hielt seine Behauptungen aufrecht. Die Steigerung der Unfälle sei hauptsächlich auf die große Beschäftigung Minderjähriger zurück- zuführen. Das gab HatdelSminister Dr. Sydow zu. Auch sonst gebe es im Bergbau hier und da Mißstände, aber die Sozialdemokraten verallgemeinerten in unzulässiger Weise. Die Regierung wolle darauf hinwirken, im ganzen Bergrevier Fortbildungsschulen zu errichten, die dem Bergwesen Rechnung tragen, aber auch auf die sittlich-religiöse Charakterbildung einwirken sollten. Die Abgg. Zmbusch (Ztr.), Allhoff (natl.), Hasenclever (natl.) und Dr. Cremer (natl.) wandten sich ebenfalls gegen die Verallgemeinerungen des Abg. Hue. Der Minister betonte dann noch, daß es durch die Vervollkommnung der Technik gelänge, die Unfallziffer ständig zurückzudrängen. Beim Etat der Handels- und Gewerbeverwaltung sprach sich Abg. Hammer (kons.) gegen eine Abtrennung der Kreise Teltow, Niederbarnim von der Potsdamer Handels­kammer aus. Da sich die Mehrheit der Beteiligten dagegen ausgesprochen hat, erklärte der Minister, würde dies unterbleiben. Abg. Bttchting (natl.) begründete einen Antrag, die Etatmittel zur Förderung der öffentlich-gemeinnützigen Arbeitsvermittlung um 20000 Mk. zu erhöhen. Die Abg. Bartscher (Ztr.), Hoff (Fortsch.) stimmten zu. Auf die von dem letzteren erhobenen Beschwerden über Aenderungen im Handelskammerbezirk Kiel erwiderte der Minister, daß 78 Prozent der Beteiligten für die Zuteilung an Altona waren. Demgemäß sei entschieden worden. Abg. Leinert (Soz.) wandte sich gegen das sozialpolitische Verständnis der Mehrheit des Hauses, das recht unentwickelt sei. Er nahm dann Stellung für die Gewerbe - Inspektoren, deren Tätigkeit von den Arbeitgebern ungern gesehen sei. Handelsminister v. Sydow ging darauf ein und meinte, das Urteil der Sozialdemokraten sei ganz nach den Umständen ver­schieden. Aus dem guten würde sofort ein schlechter, wenn die Beamten Konflikte mit den Arbeitern haben. Dem Abg. Dr. Liepmann (natl.) antwortete der Minister, daß die Denkschrift über die Sicherung der Bauforderungen dem Hause bald zugehen werde. Darauf wurde der Antrag an die Kommission für Handel und Gewerbe verwiesen und der Etat bewilligt. Auf die Ausführungen des Abg. Hensel (kons.) über den Streit um die ostpreußische Genossenschaftskasse bemerkte beim Etat der Preußischen Zentralgenossen- schaftskasse Direktor Heiligenstadt, daß die betr. Kasse ihre Befugnisse überschritten hätte. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wurde angenommen. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) beschwerte sich, daß ihm das Wort abgeschnitten sei. Darauf teilte Präsident Graf v. Schwerin mit, daß nach einer Berechnung auf jeden Abgeordneten prozentual etwa 1 Stunde Redezeit in den bisherigen Sitzungen gekommen wäre, die Sozialdemokraten hätten aber 7,2 Stunden für einen jeden von ihnen gebraucht. Abg. Hirsch iSoz.) ver­wahrte sich gegen solche Berechnung. Da Abg. v. Pappenheim (fonf.) nun einen Antrag auf Schluß der Geschäftsordnungsdebatte stellte, lärmten die Sozial­demokraten. Abg. A. Hoffmann (Soz.) rief: Frechheit! Der Präsident erteilte dem Abg. Hoffmann einen Ordnungsruf. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr.

Wetteraussichten für Sonntag den 24. Mai.

Wolkig, leichte Niederschläge, etwas kühler, westliche bis nordwestliche Winde.