Vermischtes.
Bestrafter Aberglaube. Von einer Gauklerin und Wahrsagerin ließ sich in Käferthal ein Arbeiter namens Ollmann nicht weniger als 800 Mark ablocken. Die erst 17 Jahre alte verheiratete Zigeunerin Franziska Eckstein, die wegen solcher Vergehen erst vor einigen Monaten verurteilt worden ist, erschien im März d. I. im Hof des Ollmann und fragte ihn, ob er nicht für sie eine Schneiderin wüßte. Aus dieser Frage entwickelte sich ein Gespräch, bei dem die Zigeunerin erfuhr, daß Ollmanns Frau gestorben ist. Die Zigeunerin machte nun dem Mann vor, er habe Feinde und Unglück im Haus, die sie bannen könnte. Dazu müßte sie aber Gold haben. Der glaubhafte Mann gab der Wahr- sagerin 100 Mark, andern Tages kam eine andere Zigeunerin, die jetzt verschwunden ist, und lockte ihm durch Borgaukelung von allerhand Geschichten wettere 100 Mark heraus. Da es aber nicht mit Gold gehe, müßte sie Papiergeld haben, machte ihm später wieder die Eckstein vor. So lockten ihm die beiden Zigeunerinnen nach und nach 800 Mark heraus, die er für die Kanalisation seines Hanfes zurückgelegt hatte. Ollmann ging zum Pfarrer und wollte ihm die Geschichte beichten. Dieser schickte ihn aber zur Polizei und sagte, er solle dort beichten. Die Eckstein wurde nun zu einem Jahr Gefängnis verurteilt.
Eine Schule für gescheiterte Existenzen gibt es nach dem Pariser „Temps" seit einigen Jahren in Paris. Gebildete Schüler jeden Alters — der älteste hat das 80. Lebensjahr bereits überschritten —, die in ihrem Beruf Schiffbruch erlitten haben, sollen hier in einem Lehr- lurs von sechs bis sieben Monaten mit gewissen Grundbegriffen der Technik so weit vertraut gemacht werden, daß sie nach abgelegter Prüfung fähig silld, einen praktischen Bruf auszufüllen. Auch Professoren der technischen Hochschule halten in der Schule Vorträge, und zwar ohne Entgelt.
Bleriot über Luftposten und Passagierfahrten. Der bekannte französische Flieger und Flugzeugkonstrukteur Louis Bleriot sprach sich einem Berichterstatter des „Standard" gegenüber überaus zuversichtlich über die Zukunft der Aviatik aus. „Keine junge Wissenschaft," führte er aus, „hat sich bisher so rapide entwickelt wie die aviatische. Wir haben in Fragen des Sicherheitsschutzes bereits die schwersten Probleme gelöst. Die Unfälle, die vorkommen, sind der Mehrzahl itacl) weniger auf Fehler im maschinellen Betrieb, wie auf die Ver- trauensseligkeit und Unvorsichtigkeit des Piloten zu- rückznftthren. Auch die Frage der praktischen und nutzbringenden Verwendung des Flugzeuges im Dienste des Handelsverkehrs ist der Lösung nähergekommen. Schnellposten für Fracht- und Personenverkehr bleiben nicht mehr unrealisierbare Utopien der dichterischen Phantasie, sondern scheinen gegenwärtig schon in das Zeichen der Wahrscheinlichkeit gerückt. Der erste Schritt auf dem Wege zu diesem Ziel wird vermutlich durch einen erfolgreichen Flug über den Atlantischen Ozean getan werden, der im Laufe des Jahres seine Verwirklichung finden dürfte. Nötig zu dem Zwecke ist nur die Schaffung eines Aeroplans mit stärkerer und verläßlicherer Maschinenkraft, als sie die gegenwärtigen Modelle aufweisen, einer Kraft, die fähig ist, die erforderlichen enormen Brennstoffvorräte zu befördern. Frankreich dürfte bei dieser Gelegenheit noch einmal zeigen, daß es in der asiatischen Welt noch immer eine führende Rolle spielt. Von Deutschland sind zwar die beiden Rekords der Höhe und Länge zurückerobert worden, aber wir haben durchaus nicht die Absicht, auf unseren Lorbeeren auszuruhen. Vielleicht ist die Zeit gar nicht mehr so fern, in der die Flugzeuge solche Äll- agserscheinungen sind wie zurzeit die Automobile.
Ein guter Rechtsrat. Aus Liverpool wird folgendes nette Geschichtchen berichtet: Kam da jüngst ein biederer Frländer zu der neu eingerichteten städtischen Rechtsschutzstelle, um sich daselbst Rat zu holen. Die Angelegenheit, die er recht weitschweifig den Beamten vor- lrug, war kurz die folgende: Ein leidenschaftlicher Huh- iterfreund uns Züchter, hatte er sich im Keller, fernes Hauses eine Art Hühnerhof angelegt, dessen prächtiges Gedeihen ihm von Tag zu Tag größere Freude bereitete. Da er auch schon ein paarmal Hühner zuguten Preisen Hatte verkaufen können, sah er sich bereits :m Geiste als Besitzer einer stattlichen Hühnerfarm und als Inhaber eines, rentablen Geschäfts. Aber ach, seine Freude wurde bald bitterlich getrübt. Eures Tages brach ein Rohr in seinem Hause, wahre Wasserfluten drangen in den Keller und ersäuften alle seine Hühner. Die Rechtsschutzstelle sollte ihn nun beraten, an wen er sich in diesem Falle wegen des Schadenersatzes halten könne. Man gab ihm den Rat, sich zunächst einmal mit der Wasserleitungsgesellschaft über einen gütlichen Ber- gleich zu verständigen, damit er nicht erst die Gerichte in Anspruch zu nehmen brauchte. Wie gesagt, so getan. Zwei Tage später kam unser Patrick O'Connor mit recht wehleidigem Gesicht wieder zur Rechtszchutzstelle. „Nun," fragten ihn die Beamten, „was hat man Ihnen denn im Bureau der Wasserleitungsgesellschaft gesagt? — „Ja," antwortete der Jrländer und kratzte sich verlegen den Kopf, „man sagte mir, ich müsse mir eben Enten halten . . "
Prämien für treue Dienstboten. Wenn heute so häufig über den Dienstbotenwechsel geklagt wird, so kehlt es doch auch nicht an Beispielen, in denen ine alte „Dienstbotentreue" sich auch in unseren Tagen, noch vollauf bewährt hat. Marie Heller, die der Drenstboten- fraae in der Frauenbeilage zum neuesten Heft der Gartenlaube eine interessante Studie widmet, teilt darin sehr bemerkenswerte Zahlen über die Verleihung von Auszeichnungen an treue Dienstboten durch deutsche 'Fürstinnen mit. So hat die deutsche Kaiserin in den etzten 10 Jahren an nicht weniger als 2272 Dienstbo- ten für 40jährige ununterbrochene Dienstzeit bei derselben Herrschaft das goldene Dienstbotenkreuz, nebst er- «em von ihr selbst unterzeichneten Diplom, verliehen. Während desselben Zeitraumes hat die Königin von Württemberg 585mal das Dienstbotenehrenzeichen mrt dem Reliefbild der Stifterin dieser Auszeichnung, der Königin Olga, und einem Divlom, an treue Dienstboten verteilt, und zwar 520mal für 25jährige Dienstzeit in derselben Familie das silberne Kreuz und 65mal für 50jährige Dienstzeit das silbervergoldete Kreuz. Auch die Großherzogin von Hessen hat seit 1904 an 281 Dienstboten für 25 Dienstjahre das goldene Kreuz und an 65 für 40 bis 50 Dienstjahre das goldene Kreuz mit Brillanten verliehen. Einen Rekord in der Länge der Dienstzeit hat aber das Großherzogtum Baden aufgestellt,- denn die Großherzogin Luise, die im Jahre 1876 eine Stiftung zur Verleihung besonderer Auszeichnungen für treue Dienstboten ins Leben rief und das Vorschlagsrecht für diese Auszeichnung dem von ihr gegründeten Badischen Frauenverein übertrug, hat seitdem in 2015 Fällen für mehr als 25 bis zu 40 Dienstjahren das silberne Kreuz, in 374 Fällen für mehr als 40 bis zu 50 Dienstjahren das silbervergoldete Kreuz mit Kranz und m 6 Fällen für 60 Dienstjahre und darüber das silbervergoldete Kreuz mit Kranz und der Zahl 60 verliehen. Aber selbst diese Zahl wird durch einige Einzelfälle, die geformt gewLMn styL übertroffen. So feierte bei
spielsweise am 8. Februar dieses Jahres die Haushälterin Gertrud Finkamp in der Familie des Rentiers Franz Froitzheim in Bedburg bei Düsseldorf ihr 75jäh- riges Dienstjnbiläum. Und in Wien beging am 19. Juli voriger: Jahres das Dienstmädchen Anna Stiatzny, die 80 Jahre lang bei derselben Familie im Dienst gestanden hatte, ihren hundertsten Geburtstag. Zu dieser seltenen Feier übersandte ihr der Papst sein Bild und seinen Segen, und der Prinzregent von Bayern, der jetzige König Ludwig III., ließ Wir die Medaille des Verdienstordens vom Heiligen Michael in feierlicher Weise überreichen.
Staatssekretär Bryan über die Titelsucht der Amerikaner. Man weiß es nicht erst seit heute, daß in den demokratischen Republiken, die immer so stolz auf ihre Freiheit poche», noch eine viel ärgere Titelsucht herrscht, als in dem ordens- und titelreichsten Königtum. In Frankreich kennt kein Biirger eine höhere Sehnsucht, als die Leere seines Knopfloches mit dem roten Bündchen der Ehrenlegion zu verkleiden, keine größere Freude kennt er, als wenn er sich mit irgend einem hochtrabenden Titel schmücken kann. Die lieben Barr- kees scheinen aber in diesem Punkte um kein Titelchen besser zu sein, als die französischen Republikaner, wenigstens wenn man den ironischen Aeußerungen einer ihrer vielgenanntesten Persönlichkeiten, des Lenkers der Auswärtigen Politik, Staatssekretärs Bryan, Glauben schenken darf. Bryan hielt bekanntlich zur Zeit, als die mexikanische Krise seine geschätzte Kraft noch nicht so in Anspruch nahm, überall im Dollarlande Waudervor- träge über allerlei mögliche und unmögliche Themata. So sprach er auch in der Bundeshauptstadt Washington in einer Gesellschaft über die Titelsucht seiner lieben Mitbürger und gab folgende Fälle zum besten: Ein Kaufmann, der eine Generalswitwe geheiratet hatte, nannte sich seit dieser Zeit „General", da er diesen Titel erheiratet habe. Ein anderer General war eigentlich nur — „General"-Ageut einer Handelsfirma. Wieder ein anderer führte stolz den Richtertitel, weil er — Ziel- „Richter" beim Pferderennen war.
Die Geruchspsychologin. In Mayfair (London) hat sich jüngst eine „Geruchspsychologin" niedergelassen. Es handelt sich um eine Engländerin, die im Auslande studiert hat, und die vornehme Welt Londons nun mit den letzten Ergebnissen ihrer Wissenschaft beglücken will. Sie behauptet, für jedermann ein „individuelles" Parfüm herstellen zu können, zu dem sie auf Grund ihrer psychologischen Studien gelangen will, und noch mehr: Sie behauptet nicht nur. der einzelne Mensch habe ein Anrecht auf sein „individuelles" Parfüm, sondern auch jedes Zimmer eines Hauses müsse je nach seinem Zwecke seinen „Eigendnft" haben. Als Beispiel führt sie an, ein altenglisches Wohnzimmer müsse mit altmodischen Gerüchen durchtränkt sein, ein arabisches Rauchzimmer müsse nach Rosen, Jasmin und Sandelholz duften, und für ein Billardzimmer schließlich sei kein anderer Duft zulässig, als der des Juchteuleders.
„Europa in zwanzig Tagen". Vor dem Exeelstor- Hotel in Rom fährt eine lange Reihe von Droschken vor und ihnen entsteigen, abgehetzt, zerschlagen und todmüde die Teilnehmer an der Reisegesellschaft. „Europa in zwanzig Tagen für 190 Mark". Mrs. Brown ist eine der letzten, die sich mühsam zusammenrafft, um auszu- steigen. Ihre Tochter aber ist noch immer voll unge- Vrocheuer Energie. Sie packt die Mutter am Arm: „Mutter, wo sind wir hier? Ist das Rom?" Müde antwortet die Mutter mit einer Gegenfrage: „Welcher Wochentag ist denn heute?" „Warte. Ja: Dienstag." „Dienstag? Zeig mal den Reiseplan. Wenn es Dienstag ist, muß es natürlich Rom sein."
Moderne Hygiene. Der Professor für Hygiene: „Warum müssen wir stets unser Heim rein und sauber halten?" Schülerin: „Weil jeden Augenblick Besuch kommen kaun."
Seltsame Helralsantrüge.
Es hat sich nicht selten ereignet, daß Männer, die sonst recht gewandt und gescheit waren, der Geliebten gegenüber alle Fassung verloren, schon deshalb, weil sie, wie jeder Mann es tut, — annehmen, daß sie nicht gut genug für die Geliebte sind. Denn in der Liebe wird jeder Mensch, und wenn auch nur für Zeiten gut und groß, wächst sozusagen über sich hinaus, so daß er zur Erkenntnis seines Selbst kommt. Und so hat die Geschichte seltsame Heiratsanträge verzeichnet, die dafür maßgebend sind, daß der Mann in der Liebe meistens schüchterner ist, als die Frau. .
Ein berühmter Arzt, der in England heute noch einen sehr großen Namen besitzt, wußte nicht, wie er sich der Geliebten seines Herzens nähern sollte, obgleich er sich wohl berechtigt glauben durfte, daß sie ihn und seine Werbung annehmen werde. Er sann und sann, und kam endlich auf ein gar wunderliches Mittel — er. der Mann der freien Weltanschauung, schickte seiner Angebeteten ein Buch, in dem als Anhang verschiedene Trau-, Taufund Begräbnisformeln verzeichnet waren. Darm konnte man die vorgeschriebenen Worte seien: „Willst du dieien hier Anwesenden zu deinem ehelichen Gemahl, so antworte laut und vernehmlich ja." Diese Zeilen waren dick unterstrichen, leider kam es indessen, daß die junge Dame sie nicht sofort sah. Es verging eine ganze Woche, eine Ewigkeit für einen Harrenden, da bekam er das Buch und das „Ja" war so dick und so rot unterstrichen, daß der Mannen die Wohnung des jungen Mädchens ging, sie ohne ein Wort zu sprechen umarmte und küßte. Die Verlobung war geschlossen. .
Der berühmte Prediger Spurgeon warb ebensalls
Der berühmte Prediger Spurgeon warb ebenfalls durck ein Buch um die Hand seiner Gattin. Er las in einem Romane, der folgende Stelle aufwies: „Wenn du ein Weib zur ^he begehrst, so beweue deine Liebe dadurch daß du für diese Frau betest." Der Prediger ließ d?n Roman sinken und faltete die Hände. Leise flüsterten feine Lippen ein Gebet, sodaß die Dame, die neben ihm saß und der er bisher vorgelesen hatte, wußte, was er tat P Als er, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, sich wieder an das Vorlesen machen wollte, reichte ihm die Dame die Hand und die beiden wurden ein Paar.
Die Zeiturra verhalf Sir Alexander Duff Gordon zu einer' leidenschaftlich geliebten Gattin. Jahrelang betete er sie an, fand aber weder den Mut, noch die Gelegenheit, sich ihr zu offenbaren. Immer, wenn er ihr das entscheidende Wort sprechen wollte, kam irgend etwas dazwischen, das ihn binderte. Eines Tages saß er im Vorzimmer des Fürsten und wartete auf das Erscheinen des Herrn, als die reizende junge Dame, der seine Huldigung galt, eintrat. ^ord (Kordon begrüßte ne und lächelte sie fragte ihn nach dem Grunde seiner Heiterkeit da mente er freilich immer noch zögernd: Denken Se daß uns nicht nur die Menschen stets zusammen nennen sondern daß auch die Zeitungen uns zu einem Paare machen wollen. Wollen wir ihnen den Gefallen E tun schon damit sie recht behalten? Die reizende Luc e die längst von der Neigung des Mannes wußte und sie auch erwiderte, reichte ihm die Wange zum Kusse, und noch am Abend des gleichen Tages wurde die Verlobung, die dann zu einer der glücklichsten Ehen geführt
Weniger geschmackvoll war der Antrag eines bejahrten Witwers, der das Unglück hatte, seine drei
Frauen zu verlieren. Er brächte der Geliebten feine! Herzens, der er seine Werbung nicht zu gestehen wagte, die Briefe feiner Frauen, die üe ihm während der Ehe- zeiten geschrieben hatten: „Lesen Sie, und Sie werden sehen, daß ich allen drei Frauen ein unverändert zärtlicher Gatte gewesen bin. Vielleicht haben Sie dann auch den Mut, es mit mir zu versuchen." Wirklich hatte der Witwer Erfolg.__________________________________
Durazzo von Aufständischen bedroht.
Die Verhandlungen in Korfn zwischen der internationalen Korstrollkomrnissiou und den Vertretern der aibanifdicn Regierung des Nvrdepirus scheinen noch nicht den erwarteter: güustigeu Ausgang gefunden zu haben. Die Lage hat sich abermals bedeutend verschärft. Aus Durazzo ein laufende Telegramme besagen, daß dort internationale Truppen gelandet werden sollen, weil die Aufständischen sich der Stadt nähern. Die Lage im Innern des Landes gilt als sehr kritisch. Der Draht meldet dazu:
wi Rom, 19. Mai. Die „Agenzia Stefarri" meldet aus Vallona: Der italienische Panzer „Viktor Pisani" ist mit drei Torpedobootsflottillen gestern nachmittag hier angekommen. Während der italienische Konsul dem italienischen Admiral einen offiziellen Besuch abstattete, rief der italienische Geschäftsträger in Dmrazzo anf Wunsch des Fürsten Wilhelm und Essad Paschas das Geschwader nach Durazzo zurück, weil die Aufständische« auf die Hauptstadt marschierte». Das Geschwader dampfte unverzüglich ab.
x» Durazzo, 19. Mai. Stark bewaffnete fanden, teils aus muselmanischen Fanatikern, teils aus aufständischen Bauern bestehend, haben gestern den etwa zwei Stunden von Durazzo gelegene» Ort Siak besetzt und den Kaimakam vertrieben. In Durazzo sind Schutzmatzuahme» getroffen worden.
** neuestes vom Gage.
Der Kaiser ius Neue Palais zurückgckehrt.
w> PotSdam, 19. Mai. Der Kaiser ist heute vormittag 10,40 Uhr im Sonderzuge von Wiesbaden kommend auf der Station Wildpark eingetroffen. Zum Enwfange hatte sich die Kaiserin eingefunden. Die Majestäten begaben sich im Autornobil ins Neue Palais.
Reichstagsauflösung in Sicht?
w> Frankfurt a. M., 19. Mai. Der „Franks. Ztg." wird aus Berlin gemeldet: Nachdem das Besoldungsgesetz gescheitert ist, wird der Reichstag nach der dritten Lesung des Etats gleich geschlossen werden. Die Regierung hält den Antrag der Sozialdemokraten, die Kosten für die Besoldungserhöhnngen nach dem Kommis- siousbeschluß in den Etat einzustellen, für staatsrechtlich unzulässig: sollte er denuoch eine Mehrheit finden, so droht die Auflösung des Reichstags.
Tödlicher Sturz in den Lichtschacht.
s-p Berlin, 19. Mai. (B. Z.) In der Oberland- straße zu Tempelhof stiirzte der Arbeiter Weber aus Runnnelsburg in den Lichtschacht eines Neubaues. Er erlitt einen schweren Schadelürnch und war sofort tot.
Der älteste Bürger Potsdams gestorben.
w> Potsdam, 19. Mai. Der älteste Bürger der Stadt, der 101 Jahre alte Hoftischlermeister Heese, der an seinem hundertsten Geburtstage auch vom Kaiser ausgezeichnet wurde, ist in der vergangenen Nacht in seiner hiesigen Wohnung gestorben.
Der Nachlaß eines Erfinders.
»-£ Düsseldorf, 19. Mai. Das von dem verstorbenen Ingenieur Beeh hinterlassene Luftschiff „Veeh 1" gelangte gestern hier zur Versteigerung. Ueber den Nachlaß des Erfinders mußte, wie erinnerlich, nach seinem Tode der Konkurs verhängt werden. Das vollständige Luftschiff, dessen Anschaffungskosten mit allem Zubehör etwa 300 000 Mark betrugen, erzielte ein Höchstangebot von nur 1600 Mark, und es wurde zu diesem Preise auch losgeschlagen.
Die Duisburger EisenbahudiebstahlSaffäre.
Cöln, 19. Mai. (B. Z.) Im Zusammenha»lge mit den Eisenbahndiebstählen in Duisburg sind gestern noch weitere Verhaftungen von Eisenbahnbeaniten er- solgt. Die Zahl der Verhafteten beträgt bis jetzt vierzehn. Die Diebstähle sollen bereits seit zwei Jahren im Gange sein. Auch eine ganze Anzahl von .vehlern sind in die Angelegenheit verwickelt, deren Verhaftung gleichfalls bevorsteht. In den Wohnungen der Verhafteten entdeckte man große Mengen gestohlener Waren, die aus verschlossenen Wagen geraubt waren und verkauft werden sollten.
Racheakt gegen einen Gouverneur?
b-f Paris, 19. Mai. Privatmeldungen zufolge ist von verbrecherischer Seite versucht worden, den Gouverneur der französischen Kolonie Guadeloupe, Mervart, seine Familie und den Kabinettschef Dubois nebst dessen Familie zu vergiften. Der Versuch mißlang. Jedoch liegt der Gouverneur mit Frau und Kindern im Spital noch schwer krank darnieder, während Dubois und seine Gattin bereits wiederhergestellt sind. Man sucht den Täter in den Kreisen der Wein- und Spiri- tuvsenfabrikanteu. Der Verdacht ist um so begründeter, als Mervart erst letzthin ein Gesetz gegen den Verbrauch von Alkohol erlassen hat.
Blitzschlag in eine Gruppe von Kranke».
Lyon, 19. Mai. Der Blitz schlug gestern in eine Gruppe von Wärtern und Kranken der Irrenanstalt in Fleury, die sich während eines Gewitters unter einen Baum gestellt hatten. Zwei Wärter wurden getötet, drei andere und eine Krankenschwester schwer verletzt.
Der falsche Bankvorsteher.
>-»-Rotterdam, 10. Mai. Beamte der Kriminalpolizei verhafteten in einem hiesigen Hotel einen 29jährigen Deutschen, der vorgab, Bürochef eines Wiesbadener Bankhauses zu sein und einem Rotterdamer Industriellen eine Anzahl Obligationen im Werte von 20 000 Mark zu verkaufen suchte. Die Polizei wurde benachrichtigt und nahm ihn fest. Mail fand in seinem Besitze 173 Obligationen im Gesamtwerte von 108 000 Mark. Es stellte sich heraus, daß die Wiesbadener Staatsanwaltschaft einen Steckbrief hinter ihm erlassen hatte.
Opfer der portugiesischen Revolutionäre.
w> Lissabcn, 19. Mai. (B. Z.) Ein Mitglied jener revolutionären Bande in Portugal, welche die Republik gegen jeden Versuch der Wiederherstellung der Monarchie verteidigen will, überfiel in der Stadt Covilha in einer Kaserne einen höheren Offizier und tötete ihn. Nach seiner Verhaftung erklärte er, daß er noch mehr monarchisch gesinnte Offiziere habe ums Leben vringen wollen. Die Menge lynchte den Täter.
Reiche Beute einer Diebesbande.
»-* London, 19. Mai. (B. Z.) Nachrichten aus Neuyork zufolge erbeuteten Diebe gestern in einem Bureau in der Hauptverkehrsgegend Neuyorks 40 000 Mk. Der Schließmeister und zwei weitere Beamte wurden überwältigt und ersterer mit vorgehaltenem Revolver gezwungen, seine Runde zu wacher: und die Stechuhren zu bedienen, was einem benachbarten Detektivbureau anzeigte: Alles in Ordnung. Darauf versetzten sie ihm einen Schlag auf den Kopf und ließen ihn liegen. Bon den Einbrechern fehlt jede Spur.