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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Herzselder

für den Kreis Hersfeld

Wlott

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Gratisbeilagen: .Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 117.

Bus der Heimat.

*$(® ieVerteilungder Bezirks st euer n.) Nachdem der Kommunallandtag die Erhebung einer Bezirkssteuer von 10 Prozent des Umlagepflichtigen Steuersolls für das Rechnungsjahr 1914 beschlossen hat, ist die Verteilung dieser Bezirkssteuer im Betrage von 1 108 628,21 Mk. auf die Stadt- und Landkreise des Re­gierungsbezirks Cassel erfolgt. Es entfallen danach auf den Stadtkreis Cassel 385180,97 Mk., Landkreis Cassel 89 417,66, Kreis Eschwege 41853,39 Mk., Kreis Franken­berg 13 397,77, Kreis Fritzlar 23 622,15, Kreis Fulda 55 692,20, Kreis Gelnhausen 35 253,75, Kreis Gersfeld 9 972,89, Stadtkreis Hanau 90 648,83, Landkreis Hanau 92 990,34, Kreis Hersfe ld 36 422,09, Kreis Hof- geismar 29 077,51, Kreis Homberg 15178,94Kreis Hünfeld 11764,55, Kreis Kirchhain 16 392,96, Kreis Marburg 57 210,09, Kreis Melsungen21103,21, Kreis Rotenburg 24 722,30, Grafschaft Schaumburg 35 001,21, Kreis Schlüchtern 21565,71, Herrschaft Schmalkalden 30 270,31 Kreis Witzenhausen 24 555,18, Kr. Wolfhagen 17 629,33, Kreis Ziegenhain 24 447,87.

-a- Hersfeld, 19. Mai. Die diesjährige H i m mel - fahrtstour des Turnbezirks Hersfeld gewinnt durch die gemeinsame Huldigung der teil­nehmenden Turner für Dr. Ferd. Goetz ganz besondere Bedeutung. Die Veranstaltung ist eine sogenannte Sternturnfahrt, d. h. alle Turnvereine wandern von ihren Wohnsitzen aus strahlenförmig nach Schloß Herzberg, wo besagte Huldigungsfeier vor sich gehen wird. Nicht eine steife, förmliche Feier soll die Turner an ihren treuen unentwegten Führer erinnern, welcher nun nach schwer überstandener Krankheit seinen 88. Geburtstag feiert, sondern mitten in fröhlichem, jung­frischen Turnerleben wollen die Turner ihres Führers gedenken. Nachdem alle Vereine auf dem Herzberg eingetroffen sein werden, beginnt die gemeinsame Feier, Turnerlieder, Ansprachen,' volkstümliches und Gerätewetturnen und Turnspiele werden zu einem lebendigen, ausdrucksvollen Bild zusammenfließen. Mitten aus diesem Kreise heraus wird dann eine künstlerisch ausgeführte Huldigungsadresse an Dr. Ferd. Goetz nach Leipzig abgesandt werden. Diese Adresse ist von zwei Turnern des Turnvereins Hers­feld in uneigennütziger und zugleich hervorragender Weise gefertigt worden. Die erste Seite, von Herrn Hans Brandau ausgeführt, enthält in handgemalten, altgotischen Schriftzügen die eigentliche Widmung, während die zweite Seite eine Handzeichnung von Schloß Herzberg mit der Bedeutung des Tages ent­sprechenden Allegorien enthält. Dieses zweite Blatt ist von Herrn Willy Brandau ausgeführt. Auf den folgenden Blättern werden alle anwesenden Turner eigenhändig durch ihre Unterschrift ihrem greisen. Führer Glück wünschen. Die Huldigungsadreffe ist heute und morgen in der Westphal'schen Buchhandlung ausgestellt. Bleibt das jetzt herrschende gute Wetter, dann wird zweifellos die Turnfahrt nach dem Herz­berg eine wirkungsvolle Kundgebung darstellen.

):( Hersfeld, 19. Mai. Dem heutigen V i e h m a r k t waren 111 Stück Rindvieh aufgetrieben. Es waren recht zahlreiche Händler erschienen, doch wurde trotz der gesunkenen Preise gar nichts gehandelt. Auf dem Schweinemarkt waren 275 Tiere aufgetrieben, dse bei guten Preisen flott verkauft wurden. Der Krammarkt war ohne Bedeutung.

, ):( Hersfeld, 19. Mai. Wenn die augenblicklich herrschende Witterung anhält, und allem Anschein nach in das der Fall, wird es am kommenden Himmel- ^hrtstage nicht an Ausflügern fehlen. Wir "Achten deshalb noch besonders darauf aufmerksam machen, daß die Hers felder Kreisbahn auch W HlMmelfahrtstage Sonntagskarten ausgibt.

schönen und lohnenden Touren in das Landecker- dMt und das Werragebiet fehlt es nicht. Drum auf zum fröhlichen Wandern!

-k- Heringen, 18. Mai. Man schreibt uns: In Nr. 114 Ihres Blattes vom 16. d. M. wird berichtet, daß die Mitgliederzahl des Heringer Darlehns- kassenvereins aus eigenartigen örtlichen Ver­hältnissen von 522 auf 454 gesunken wäre. Es ist zu bedauern, daß ein solcher Bericht eingesandt wird, denn der Berichterstatter weiß ganz genau, daß Widdershausen mit 120 Mitgliedern von Heringen abgetreten ist, und sich selbst eine Darlehnskasse ge­gründet hat. Trotzdem die 120 Mitglieder abgegangen und, ist die Zahl doch schon wieder gewachsen, es ist also kein Rückgang zu verzeichnen.

Fulda, 19. Mai. Die Veranlagung des Wehrbei­trages im Kreise Fulda ist zwar noch nicht vollständig beendet. Soviel steht aber fest, daß er mehr als 34»000 Mk. nicht betragen wird.

Bischofsheim a. d. Rhön, 17. Mai. Der 19jährige Basaltarbeiter Friedrich Baier von Mosbach bei

Gersfeld stürzte in einen Steinbruch die 10 Meter hohe Wand hinab und zog sich eine schwere Verletzung der Wirbelsäule zu.

Gelnhausen, 17. Mai. Ein im benachbarten Meer­holz beschäftigter Italiener stieß sich den Stil seiner Hacke in den Unterleib. Der Bedauernswerte ver­starb im Hanauer Landkrankenhaus.

Hanau, 18. Mai. Dem seit 30 Jahren in der Brauerei Nieolay angestellten Fahrburschen Ferdinand Eichhorn wurden die Pferde, als er sie in der Lade­halle vom Wagen abgespannt hatte, scheu, und schleiften ihn mit sich fort. Dabei erhielt er von dem einen Pferd einen Tritt auf den Hals, sodaß er das Genick brach und auf der Stelle tot war.

Marburg, 15. Mai. Auf dem sog. Neuhof brach zur Nachtzeit ein wilder Rehbock in einen durch einen hohen Drahtzaun eingefriedigten Raum, in dem ein gezähmter Rehbock gehalten wurde. Zwischen den beiden Tieren muß ein heißer Kampf stattgefunden haben, denn am anderen Morgen fand man den zahmen Rehbock aus vielen Wunden blutend verendet vor, auch sein Gegner, der außer Stande war, zu entfliehen, war so zerfleischt, daß er getötet werden mußte.

Darmstadt, 18. Mai. Ein folgenschweres Brand­unglück ereignete sich am Freitag in der zu Eberstadt gehörigen Villenkolonie Ludwigshöhe. Dort war in einem Hause durch eine Gasexplosion ein Brand ent­standen. Als dieser gelöscht war fand man bei den Auf­räumungsarbeiten den Besitzer dieses Hauses, den Privatgelehrten Heydrich vollständig verkohlt vor. Ein bei ihm zu Besuch weilender Herr namens Koch wurde ohnmächtig aufgefunden.

Aus Thüringen, 17. Mai. Ein Brautpaar aus Wahns und Hetschbach in S.-Meiningen wollte sich trauen lassen, erhielt aber vom Standesbeamten in Wahns die Mitteilung, daß dies nicht möglich fei, da das in Hetschbach ausgehängte Aufgebot noch nicht die gesetzlich bestimmten 14, sondern nur 13 Tage der Oeffentlichkeit zugängig gewesen sei. Um dem Braut­paar einenGefallen zu tun undesvorgrößeren Unkosten, die eine Verschiebung der Hochzeit mit sich gebracht hätte, zu bewahren, änderte nach langem Sträuben der Gemeindevorstand von Hetschbach das Datum des Aufgebots, indem er den Tag des öffentlichen Aus­hanges vom 11. Juni in den 10. Juni umwandelte. Jetzt hatte sich nun der Gemeindevorstand wegen Urkundenfälschung vor der Meininger Strafkammer zu verantworten. Der Angeklagte wurde zu der niedrigsten gesetzlich zulässigen Strafe von einem Monat Gefängnis verurteilt.

Jdstein, 18. Mai. Einsam gestorben ist in vorletzter Nacht im Chausseegraben zwischen Esch und Jdstein der Orgelmann Frank aus Camp. Er legte sich am Abend neben seine Orgel zum Uebernachten, die Schuhe stellte er unter die Orgel und deckte sich mit einer wasserdichten Decke zu. In einem Kästchen unter der Orgel hatte er mehrere Söckchen mit Geld im Betrage von zirka 200 Mk. Ein Handwerksbursche eignete sich im Laufe des Tages die Stiefel an, konnte aber am Nachmittag hier festgenommen und ins Gefängnis eingeliefert werden.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag nahm am Montag nach Erledigung einiger Rechnungssachen die zweite Beratung der Militärstrafgesetznovelle vor. Die Kommission hatte den strengen Arrest abgeschafft und die Stellung der zur Kontrollversammlung Ernberusenen unter das Militärstrafrecht während der Dauer der Versammlung verlangt. Kriegsminister v. Falkenhayn erklärte, daß die Vorlage jetzt unannehmbar für die Regierung ,er. Der strenge Arrest sei unentbehrlich für die Disziplin. Die Verantwortung für eine Verzögerung des vorliegenden Gesetzes könne niemals der Heeres­verwaltung zur Last gelegt werden. Abg. Dr. van Calker beantragte die Wiederherstellung der Re- gierungsvorlage.DieAbgg.Müller-Meiningensfortschr.j, Stupp (3tr.) und Stadthagen (Soz.) traten für die Kommissionsbeschlüsse ein. Abg. v. Boehn (fonf.) erklärte namens seiner Fraktion, day für sie die Komnnsstons- beschlüsse unannehmbar seien, Der strenge Arrest sei zur Aufrechterhaltung der Dnzlplrn notwendig. Die Kommissionsbeschlüsse würden die Disziplin unter­graben. Deshalb müsse die konservative Fraktion den Ausführungen des Kriegsministers zustimmen. Kriegs­minister von Falkenhayn ergriff wiederholt das Wort, um die Stellung der Verbündeten Regierungen erneut darzulegen. Es handle sich nicht um eine Starrsinns-, sondern um eine Vernunftpolitik. Wie der Kreis der Vorgesetzten am Kontrolltage beschränkt werden solle, lasse sich noch nicht festsetzen. Das könne nicht vom grünen Tische gemacht werden, da sonst Be­

stimmungen mit unheilvollen Folgen entstehen. Die Regierung sei mit der Vorlage freiwillig und ohne Zwang gekommen. Deshalb hoffe er, daß das Haus der Regierungsvorlage Anstimmen werde. Abg. Fehrenbach (Ztr.) warf die Frage auf, ob es klug sei, daß einer der gesetzgebenden Faktoren auf seinem Standpunkt beharre und hierdurch die Sache zum Scheitern bringe. Die Vorlage bringe tatsächlich Wohltaten und müsse im Interesse der ,ungen Leute angenommen werden. Die Strase müsse streng sein, jedoch dürfe sie nicht Körper und Geist zerrütten. Das Haus nahm diese Erklärungen mit großer Be­wegung auf. Der Kriegsminister v. Falkenhayn nahm erneut das Wort und bekannte sich als Urheber des Widerstandes gegen jede Milderung des strengen Arrests. Diese sei wohl erwogen worden, aber jedes weitere Vorgehen rief Unstimmigkeiten hervor. Die Sache müsse ruhig und nüchtern erwogen werden. Bis zur Neubearbeitung des Strafgesetzbuches müsse der Negierungsentwurf Annahme finden. Nach kurzen Ausführungen des Abg. v. Brockhausen (fonf.), der betonte, daß das Gesetz werden müsse, was durch die Lex Erfurt beschlossen sei, beantragte Abg. Gröber (Ztr.), den Gegenstand von der Tagesordnung abzusetzen. Das Haus stimmte dem zu und wandte sich der zweiten Beratung der Aenderung der Gebührenordnung für Zeugen und Sachverständige zu. Die Vorlage wurde im Sinne der Kommissionsbeschlüsse genehmigt. Auch die Vorlage betr. die Postdampferverbindungen mit überseeischen Ländern wurde in zweiter Lesung genehmigt. Dienstag: kleine Vorlagen.

Abgeordnetenhaus.

Am Montag begann das Haus die dritte Lesung des Etats. Abg. Dr. Pachnicke (Fortschr.) kritisierte die Rüstungsagitation, die eine nochmalige Belastungs­probe wie den Wehrbeitrag in bedrohliche Nähe rücke. Bei einer Besprechung über die Parteipolitik meinte er, die Konservativen begünstigten die Sozial- demokratie, während der Fortschritt sie wirksam be­kämpfte. (Stürmische Heiterkeit rechts.) Notwendig sei eine Aenderung des preußischen Wahlrechts. Abg. Frhr. v. Zedlitz (fretf.) erwiderte, daß der Fortschritt sich von dem Grundsätze des grundsatzlosen Kuhhandels leiten lasse und infolgedessen mit Hilfe aller Parteien Mandate gewonnen habe. Die rechtsstehenden Par­teien betrachten aber die Unterstützung der Sozial- demokraten als Verrat. (Beifall rechts, Pfut-Rufe links.) Minister des Innern v. Loebell wies in der Wahlrechtsfrage auf die früheren Regierungs­erklärungen hin, daß die Wahlreform kommen würde, wenn die Regierung dafür den richtigen Zeitpunkt als gekommen erachte. Keinesfalls würde aber das Reichswahlrecht auf Preußen übertragen werden, eine Stärkung des EinflusfeF der Massen, eine Demo- kratisierung, dürfe mark sich nicht versprechen. Der Versuch, den Einfluß des Mittelstandes zu stärken, sei mißlungen, da das Haus den Entwurf abgelehnt habe. Der Minister erinnerte dann an seine frühere langjährige parlamentarische Tätigkeit und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die damals angeknüpften guten Beziehungen zu den Volksvertretern zu einem gedeihlichen gemeinsamen Arbeiten führen möchten. (Beifall.) Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) nannte das erste Auftreten des Ministers des Innern blamabel und sprach von einer unwürdigen Rolle und politischen Kastration in der Wahlrechtsfrage, so daß Vize­präsident Dr. Porsch den Redner zweimal kurz hinter einander zur Ordnung rief. Abg. Dr. Friedberg (nl.) trat für Beibehaltung der Einfuhrscheine ein und forderte hauptamtliche Kommissare für die Einkommen­steuerveranlagungen. Nach Klagen des Abg. v. Trampczynsk» (Pole) über die bedrängte polnische Sprache wies Abg. Graf Moltke (frk.) die Ausführungen des Abg. Liebknecht zurück. Dieser habe kein Recht, sich als Vertreter des preußischen Volkes aufzuspielen. Abg. Dr. v. Heydebrand u. d. Läse (kons.) sprach die Genugtuung der Konservativen für die Erklärung des Ministers aus. Das geltende Wahlrecht sei der letzte Wall für den Bestand Preußens und des Reiches. Wie der Fortschritt die Sozialdemokratie bekämpfe, zeige, daß er mit ihr ein Stichwahlab­kommen getroffen habe, durch das die Sozialdemokratie 20 Mandate gewonnen hat. Tue derartiges ein Konservativer, so scheide er damit sofort aus ihren Reihen. Die Fortschrittliche Volkspartei begehe einen Vorstoß gegen die bürgerliche Gesellschaft durch die Art, wie sie der Sozialdemokratie entgegenkomme. Abg. Herold (Ztr.) nahm für das Zentrum den Vor­zug in Anspruch, daß es niemals mit der Sozial- demokratie paktiere. Damit schloß die Generaldebatte. Einige Etats wurden ohne Erörterung erledigt.

Wetteraussichten für Mittwoch den 20. Mai.

Meist heiter, trocken, warm, mäßige Nordoftwinde, Gewitterneigung.