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Freitag. Es ist eine Belohnung von 1000 ^, auf die Ergreifung des Täters ausgesetzt.

Tragödie in den Bergen. Von vier Touristen aus Mailand, die am Sonntag ohne Führung eine Bestei­gung des Grigna unternahmen, stürzten drei, die sich zusammengeseilt hatten, eine 200 Meter tiefe Schlucht hinab und wurden zerschmettert. Der vierte Teilneh­mer, ein Ingenieur, konnte die Leichen nur mit größ­ter Mühe erreichen und dann hinabsteigen, um eine Rettungsexpedition zur Bergung der Leichen Herbei­zurufen.

Die Hochzeitsreise im Flugzeuge. Im Hafen von Genua sind die Jungvermählten Paul Scossier und Alice Baquis auf einem Wasserflugzeuge niedergegan- gen, die nach ihrer Hochzeit am gleichen Tage in Beau- lieu aufgestiegen waren.

Bäderfrequenz. Badenweiler 1235; Davos 13 304; Ems 2323; Friedrichroda 2134; Homburg 1970; Karls­bad 8003; Kissingen 4262; Königstein 2475; Kreuznach 1486; Marienbad 1534; Salzschlirf 516; Salzungen (Thür.) 234; Bad Sooden-Werra 621; Soden im Tau- nus 736; St. Blasien 1144; Wildbad 1423; Bildungen 1602.

Gericht und Recht.

Unmenschliche Grausamkeit einer Stiefmutter. Eiu Fall schwerer Kindesmitzhandlung beschäftigte das Schöffengericht Berlin-Mitte. Die Anklage richtete sich gegen die Frau Jöa Wolf, geb. Bellach, die Frau eines Metallschleifers aus der Kolberger Straße. Als letzterer nach dem Tode seiner ersten Frau die Angeklagte hei­ratete, brächte er ein jetzt 8% Jahre altes Töchterchen mit in die Ehe. Das Kind hat Jahre hindurch unter der lieblosen Behandlung der Stiefmutter so zu leiden ge­habt, daß es der Gegenstand des Mitleids aller Hausbe­wohner geworden war. Nach Bekundungen zahlreicher Zeugen hat die Frau das Kind bei passender und un­passender Gelegenheit unmenschlich geschlagen, gegen Möbel und gegen die Wand gestoßen, trotz bitterster Kälte es auf dem kalten Korridor stundenlang stehen lassen und nicht selten so arg gezüchtigt, daß dem Kinde Blut aus Mund und Nase strömte. Auch mit eingerisse- nem Ohr haben Hausbewohner die kleine Märtyrerin gesehen: diese war aber in solcher Angst vor ihrer Stief­mutter, daß sie nicht wagte, auf Fragen über das, wn§ ihr geschehen war, Auskunft zu geben. Der eigene Bru­der des Ehemanns der Angeklagten hat seinem Bruder Vorhaltungen darüber gemacht, doch scheint dieser der Ehefrau gegenüber machtlos gewesen zu sein. Entgegen dem Lengnen der Angeklagten hielt der Anklagevertreter für erwiesen, daß die Angeklagte in bestialischer Weise das Kind mißhandelt habe, und beantragte gegen sie ein Jahr Gefängnis. Das Gericht kam zu der Ueber­zeugung, daß es sich um ein Roheitsdelikt erster Ord­nung, um eine geradezu boshafte Ausnutzung des Züch- tignugsrechts und um systematische Mißhandlungen des Kindes handle. Die Angeklagte wurde daher zu 9 Mo­naten Gefängnis verurteilt und sofort verhaftet.

Trotz Geständnis freigesprochen. Das Schwurge­richt in Duisburg sprach eine junge Dienstmagd aus Wesel, die ihr Kind sofort nach der Geburt getötet hatte, frei, trotzdem sie ein volles Geständnis ihrer Tat abge­legt hatte.

Der blick in die Zulnnsl".

Bestrafter Aberglauben.

Zwei krasse Fälle von Aberglauben, in denen gerade Damen der gebildeten Stände keine angenehme Rolle spielten, kamen vor der Berufungskammer in Berlin zur Sprache.

Wegen Betruges angeklagt war in dem ersten Falle die Zigeunerin Albertine Laubinger. Die Angeklagte, die mit Spitzen handelt, kam eines Tages zu einer Frau D., die in einem Vorort eine kleine Villa besitzt. Als die Zigeunerin durchblicken ließ, daß sie auch in der Kunst des Wahrsagens bewandert sei, war Frau D. gleich Feuer und Flamme, einmal einenBlick in die Zukunft" zu tun. Auf Anordnung der L. mußte sie ihr sämtliches Geld, das sie im Hause hatte, herbeiholen und auf einen Tisch ausbreiten. t ,

Nachdem die mehr vom Schmutz als von der Natur braune Dame mit dem üblichen Hokuspokus das Zau­berwortAdracaöabra" ausgesprochen hatte, setzte sie die Geldstücke zu allen möglichen geheimnisvollen Figuren zusammen. Bei dem Unsinn, den sie nunwahrsagte", spielte, wie gewöhnlich, ein blonder junger Mann, ein Brief u. a. eine Rolle. Nachdem sich die Zigeunerin dan­kend und knixend entfernt hatte, kamen 6er D. doch Be­denken. Sie zählte das Geld und entdeckte das Fehlen eines Zehnmarkstücks. Die Zigeunerin wurde eingeholt und ihr das Geld wieder abgenommen. Das Schöffenge­richt hatte die Angeklagte zu fünf Tagen Gefängnis ver­urteilt. Die Strafkammer beließ es bei dieser milden Strafe mit der Begründung, daß eigentlich auch die Leute, die in dem Zeitalter der Aufklärung noch auf einen derartigen Mumpitz Hineinfallen, auf die An­klagebank gehörten.

Auch in dem zweiten Falle handelte es sich um eine Zigeunerin, namens Anita Weiß, die eine alte Dame und deren Tochter um mehrere hundert Mark geprellt hatte. Die Angeklagte wurde eines Tages in Schildhorn mit der Rentiere F. bekannt. Im Laufe des Gesprächs kam die Weiß, nachdem sie gesehen hatte, daß die Toch­ter mehrere Warzen an den Händen hatte, darauf zu sprechen, daß sie auch in der Heilkunst erfahren sei und insbesondere lästige Warzen entfernen könnte. Sie wurde daraufhin von den beiden Frauen nach ihrer Wohnung bestellt, wo die Zigeunerin einen schwarzen Zwirnsfaden mit soviel Knoten versah, wie Warzen vorhanden waren. Dieser Faden wurde dann unter Erlöt Hokuspokus verbrannt. Als die Warzen nicht ÄMngen, mußte Frau F. ihr ganzes Geld in einen U^uguttopf tun, nachdem die Zigeunerin das Geld Mit in ein mit geheimnisvollen Zeichen bedecktes Pa- mer eingewickelt hatte. Die Warzen waren nicht ver- mnvunöen, dagegen aber die Zigeunerin und mit ihr die angeblich in das Papier eingewickelten 327 Mark. Das Gericht verurteilte die Angeklagte zu drei Monaten Gefängnis.

Vermischtes.

Verhaftung eines russischen Spions. Großes Auf­sehen erregt in Grauöenz die Verhaftung eines russi­schen Spions. Es handelt sich um den 26 Jahre alten Bäckergesellen Max Schefsler, der von einem russischen Spionage-Bureau in Warschau beauftragt worden war, die Entfernung zwischen der Zeppelin-Luftschiffhalle in Gruppe und der Fliegerstation Graudenz festzustellen. Schefsler hatte zu diesem Zweck von der russischen Re­gierung eine von einem russischen Generalstabsoffizier gezeichnete Karte erhalten, in die er die Entfernungen ^»Wen sollte. Für diese Tätigkeit hat er von der russischen Regierung 60 Rubel erhalten. Schefsler ist ein unsicherer Heerespflichtiger und wird außerdem von der deutschen Staatsanwaltschaft wegen schweren Dieb­stahls fteMktefljch tt^sfot Er war seinerzeit flüchtig

geworben und über die Grenze gegangen, um jetzt als Spion nach Graudenz zurückzilkehren.

Durch eine blakende Lampe nms Leben gekommen ist die 84 Jahre alte Witwe Johanna Arndt aus der Kösliner Straße zu Berlin. Die Greisin verlor ihren Mann vor 25 Jahren. Seit 18 Jahren hauste sie allein in einer Küche und lebte von Almosen. In der letzten Zeit litt sie schwer an Atemnot und Schwäche. Am Frei­tag abend bat sie einen Mann,, der neben ihr am Flur eine Stube bewohnt, sie im Laufe der Nacht einmal zu besuchen, weil lhr nicht wohl sei. Der Nachbar schlief aber ein und erwachte erst gegen Morgen. Jetzt hörte er, daß in der Küche der Frau die Wasserleitung stark lief. Als er sich nun nach Frau A. umsehen wollte, fand er sie tot aus dem Fußboden auf. Neben ihr lag ein Wasserglas. Sie war augenscheinlich, im Begriff, sich ein Glas Wasser von der Leitung zu holen, zufammen- ^ebrochen. Ihre Petroleumlampe hatte so stark geblakt, daß die ganze Küche vom Fußboden bis zur Decke ganz geschwärzt war. Ein Arzt stellte fest, daß die Frau erstickt war.

Aber das Schrecklichste ... !!! In München, in der Stadt der guten Biere, haben die Vorträge, die sich gegen den Alkoholismus richten, doppeltes Interesse. Man hört sich die schaudererregenden Prophezeiungen an, . . . und trinkt weiter. Im Verlaufe eines solchen Vortrages war es,' der Redner schilderte eben die verderblichen Wirkungen des Dämons Alkohol:Ja. meine Herren und Damen, der Alkohol ist eine schreckliche Volksgeitzel, die schrecklichste aller Volksseuchen. Der Mensch gehört, von dem ersten Tage, an dem er trinkt, nicht mehr sich selber. Er wird das hilflose Opfer einer verderblichen Leidenschaft. Dann: Lebwohl Vernunft! Lebwohl Glück! Lebwohl Gesundheit! Seine ganzen Ersparnisse zer­rinnen in nichts,' Arbeit wird ihm ein Greuel,' er schlägt seine Frau, mißhandelt seine Kinder, die beinahe vor Hunger sterben. Er entwürdigt sich, wird eine rohe tie­rische Bestie. . . . Unter dem Einfluß des Alkohols ver­größert sich feine Leber, sein Bauch bläht sich auf, sein Herz verfettet sich, sein Blut wird dick, sein Hirn wird leer ... es folgen Krankheit, Wahnsinn, der Tod . . . Kennen Sie überhaupt etwas Schrecklicheres als dieses fürchterliche Getränk? Eine grundtiefe Stimme wird in dem betroffenen atemlosen Schweigen laut:Jawohl!! Da' Durscht!!"

Laufbursche und Millionär. In England ist ein Mann gestorben, der eine sehr interessante Laufbahn zu verzeichnen gehabt hat. Thomas Holloway wurde in West Lavington als Sohn sehr armer Eltern geboren. Holloway erzählte später oft, daß er auch im strengsten Winter ohne Schuhe und Strümpfe an den Füßen herumgehen mußte und bittersten Hunger litt. Tage­lang war trockenes Brot seine einzige Nahrung. Trotz­dem es dem armen Jungen so schlecht ging, war er doch in der Schule der erste und seine schnelle Auf­fassungsgabe, sowie sein eiserner Fle tz überraschten den Lehrer so, daß er beschloß, dem kleinen Holloway Pri­vatstunden zu gebeu, damit der Knabe dereinst auch eine höhere Schule besuchen könne. Im Jahre 1868 starb der Vater Holloways an den Folgen einer Lungen­entzündung, die er sich dadurch geholt hatte, daß eine Fensterscheibe der armseligen Hütte, in der er mit seiner Familie wohnte, zerbrochen war und die eisige Winter­luft unausgesetzt hereinströmte. Es war nicht einmal so viel Geld da, um diesen Schaden reparieren zu lassen. Die beiden Knaben, die ohne einen Pfennig zurück- blieben, gingen nach London, und in kurzer Zeit hatte Holloway in einem großen Baugeschäft eine Stellung als Laufbursche gefunden. Bald tat er sich durch un­ermüdlichen Eifer so sehr hervor, daß man ihn in das Bureau nahm und ihm kaufmännische und technische Arbeiten übertrug. Später rückte er auf einen wichtigen Posten vor, spekulierte mit Glück, und im Jahre 1882 konnte er zusammen mit seinem Bruder, der ebenfalls bald nach seiner Ankunft in London eine Stellung ge­funden hatte, ein Baugeschäft gründen. Schon im Jahre 1897 erhielten sie große Aufträge von fetten des eng­lischen Staates, die ihnen bedeutende Summen abwar- fen, und wenige Jahre später erbauten sie das Admirali- tätsgebäuöe in London, das Hauptpostamt, das Schwur­gerichtsgebäude und andere öffentliche Gebäude, sodaß sie in überraschend kurzer Zeit zu größtem Wohlstand gelangten. Im Jahre 1905 trat Mr. Holloway mit Lord Churchill in Verbindung, welchem der größte Teil des Grund und Bodens und der Häuser in West-Lavington, dem Heimatsorte Holloways, gehörte, und kaufte ihm zahlreiche Grundstücke ab. Auf diesen errichtete er ein Spital, ein Versorgungshaus, eine Kirche und ein Pfarr­haus und stellte diese Gebäude seinen engeren Lands­leuten unentgeltlich znr Verfugung. Schließlich brächte er fast das ganze Dorf durch Kauf an sich und verlangte ganz geringen Mietzins. Als Holloway dann wieder in sein Heimatdorf kam, das er als Junge barfuß ver­lassen hatte, bereitete man ihm einen großen Empfang. Triumphpforten wurden errichtet, und Holloway genoß in dem Orte eine größere Popularität als der König. Auf seinen bei Lebzeiten oft geäußerten Wunsch wurde Holloway in der Kirche begraben, die er zum Andenken an seinen verstorbeneil Vater errichtet hatte.

Der Prinz-Heinrich ging.

Die ersten Etappen.

Der Start zum Prinz Heinrich-Flug vollzog sich Sonntag früh in Dar m stadt programmatzig und glatt. Das Wetter war verhältnismäßig gut. Der Him­mel war bedeckt, die Windverhältnisse zunächst sehr gut. Prinz Heinrich von Preußen und der Grotzherzog und die Grosiberzoain von Hessen wohnten dem Start bei. Als erster stiea um 4 Uhr 2 Min. Oberleutnant v. Beau- lieu auf Der Zweite Flieger konnte erst eine halbe Stunde sväter starten. Ju Zeitabständen von ungefähr Irrer Minute stiegen die übrigen Flieger auf. Laitsch (Luftverkehrsgesellschaft, Doppeldecker) mußte nachnne- derholtem Versuch zu starten, fufgeben, 6ie Maschine wurde beschädigt. Stiefvater ant dem Bulldoga-pVarat des Prinzen Friedrich Sigcsmund hatte ebe^aüs wieder­holt vergeblich versucht, amzusteigen. Der Flieger Mohns flog auf dem Militärdoppeldecker direkt nach Hamburg, mn^von dort aus an den Uklär^ teilzunehmen. Prinz Heinrich und Großherzog fuh­ren nach dem Start im Automobil nach Worms.

Die Fl?eger kamen bei einem Nordwind von 20 Sekundenmetern Geschwlrckugkeit m bürg an,

zuerst Oberleutnant von Beaulieu vom Fli^

Ion Nr 3 Luftverkehrs-Doppeldecker, um o Uhr 45 Nein, und Viktor KWler auf Aviatik-Doppeldecker, sie warfen ihre Meldungen ab und flogen nordöstlich nach Speyer weiter Kwei Flieaer mußten landen, Leutnant Schlem­mer vom bäuerischen 18. Infanterie-Regiment wegen SenAinn nS K ®Wt °°m ytteger-Ba. nöA kaum 10 Minuten weiter. Um 6 Uhr a0 MiN. hatten btteits 20 von 24 in Darmstadt gestarteten Flug- Leuaen Straßburg passiert. Trotz der frühen Morgen­stunde und des Regen drohenden Wetters hatte sich ein ^ablreickes Publikum versammelt, darunter auch der Kaiserliche Statthalter Dr. von Dallwitz und der Gou- vernLur Generalleutnant von Eberhardt.

Im Laufe des SonntagS-Bormtttags sind in Frankfurt neunzehn Flieger angekommen, nachdem sie die erste Etappe über Straßburg durchflogen hatten. Bon diesen 19 sind bis mittags 12 Uhr 17 Flieger nach Cöln weitergeflogen. Von 11 Uhr 55 Min, ab trafen bereits einige Flieger von Cöln wieder in Frankfurt ein, als erster Oberleutnant Beaulieu. Die letzten Flie­ger haben für den Rundflug FrankfurtCölnFrank- snrt eine längere Zeit gebraucht, da sie wegen des hef­tigen und böigen Windes gezwungen waren, in Cöln Zwischenlandungen vorzunehmen.

Schwere Unfälle einiger Flieger.

Das Flugzeug Nr. 19, Luftverkehrs-Doppeldecker, ist infolge Explosion des Motors in der Nähe von Pforz­heim aus etwa 30 bis 45 Meter Höhe abgestürzt und in Brand geraten. Der Flugzengftthrer Leutnant Walz vom Königlich Bayerischen 8. Infanterie-Regiment Großherzog Friedrich II. von Baden, hat leichte Brand- wunöen erlitten, der Beobachter Leutnant Müller ist tot Oberleutnant Kolbe ist auf dem Rückfluge von Cöln nach Frankfurt bet Hechtsheim bei Mainz abgestürzt, wahrscheinlich infolge von Explosion. Der Führer blieb unversehrt, der Beobachter, Leutnant Rohde, erlitt schwere Verletzungen. Leutnant v. Hidoessen stürzte bei Loffenau ab, doch blieb er und sein Begleiter unverletzt.

Fliegerkatastrophe in Halberstadt.

Die lange Listq der Todesopfer der Aviatik ist am Sonnabend leider wieder um zwei Mann vermehrt worden. Zwei Offiziersflieger, die mittags in Döberitz zu einem Fluge nach Halberstadt aufgestiegen waren, sind nachmittags bet der Landung in Halberstadt töd­lich verunglückt. Leutnant W t e g a n d t vom Infan­terie-Regiment Nr. 122 und Oberleutnant Fellinger vom Pionierbataillon von Rauch Nr. 3 stürzten infolge Flitgelbruches aus 500 Meter Höhe ab. Beide waren sofort tot. Das Flugzeug, ein Albatros-Eindecker, kam aus der Richtung von Magdebnrg gegen X5 Uhr in Halberstadt in Sicht. Als es in die Nähe des Flug­platzes gekommen war, flog es in einer Höhe von etwa 1000 Metern. Man sah, wie der Führer zur Landung schritt und zum Gleitfluge tiberging. Dieser wurde sehr steil ausgesuhrt und artete schließlich in einen Kopfsturz aus. In etwa 700 Metern gab der Führer wieder Voll­gas, aber es gelang ihm nicht mehr, das Flugzeug ab- zufangen. In 500 Meter Höhe brach dazu noch ein Flügel, sodaß die Maschine sausend zu Boden stürzte und beim Aufschlagen gänzlich zertrümmert wurde. Die Flieger wurden auf der Stelle getötet.

^ Cöln, 18. Mai. Der Beobachter des Oberleut­nants Colbe auf dem Prinz Heinrich-Flug, Leutnant Rohde, der gestern in der Nähe von Hechtsheim schwer verunglückte, ist seinen Verletzungen erlegen.

Das Ergebnis des ersten Flngtags.

Bei dem Start in Darmstadt hatten sich am Sonn­tag 17 Offiziers- und 11 Zivilflieger eingefunden. Von diesen sind 4 Offizier- und 2 Zivilflieger ausgeschieöen. Noch in Darnlstaöt find 2 Zivilflieger, auf der Strecke von Darmstadt-Straßburg-Frankfurt liegen drei (ein Offizier- und zwei Zivilflieger). In Frankfurt liegen startbereit für die zweite Etappe 1 Offizier- und 3 Zi­vilflieger. Noch unterwegs auf der zweiten Etappe ist nur Leutnant Joly in Cöln. Beide Etappen erledigt haben zwölf Flieger, und zwar 10 Offizier- und zwei Zivilflieger. Noch in der Konkurrenz sind demnach 22 Flieger, 13 Offizier- und 9 Zivilflieger. Der erste Ab­schnitt des Prinz Heinrich-Fluges bedeutet, wie die Oberleitung in einem Resümee bekannt gibt, in flug­technischer Beziehung einen großen Ersolg.

I w neuestes vom Coge.

Keine neue Wahlrechtsvorlage in Preutzecc.

c^ Berlin, 18. Mai. In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses erklärte der neue Minister des Innern v. Loebell, daß er die vom Abg. Pachnicke an ihn gerichtete Frage, ob er beabsichtige, eine neue Wahl­rechtsvorlage dem Hause zu unterbreiten, mit nein be­antworten müsse.

Eine Fernfahrt derHansa".

o-* Hamburg, 18. Mai. Das Zeppelin-Luftschiff Hansa" ist morgens 7,35 Uhr zu einer Fahrt nach Potsdam aufgestiegen, die dann bis nach Posen aus­gedehnt werden soll.

Eine Fliegerin verunglückt.

*s* Hamburg, 18. Mai. Die Fliegerin Haupt ist heute vormittag auf dem Flugplätze in Fuhlsbüttel zum ersten Male allein gestartet. Bet der Landung über- schlug sich der Apparat, wobei die Fliegerin herausge­schleudert wurde. Sie kam mit leichten Verletzungen davon.

Ein erfundener Ueberfatt auf eiueu Personeuzug.

®r* Temesvar, 18. Mai. (B. Z.) Der Führer eines hier einlaufenden Zuges erklärte, kurz vor Temesvar seien zwei maskierte Reisende in den Dienstraum ge­drungen und hätten 15 000 Kronen geraubt, indem sie ihn mit Revolvern bedroht hätten. Da man die Anga­ben für erfunden hielt, wurde der Führer und mit ihn ein Bremser verhaftet.

Der Mörder des Konsuls Batt.

«= Paris, 18. Mai. Wie aus Tunis gemeldet wird, ist die Identität des Mörders des Konsuls Batt nun­mehr festgestellt. Es handelt sich um einen ehemaligen Briefträger namens Dirand, der vor einigen Monaten zehntausend Mark unterschlagen und dann die Flucht ergriffen hatte.

Gelungene Versuche mit einem Fallschirm.

ob* Paris, 18. Mai. Auf dem Flugfelde von Ne? vers unternahm Frau Cayat de Castella einen gelun­genen Versuch mit einem von ihrem Gatten erfundenen Fallschirm, indem sie sich aus achthundert Metern Höhe von einem Doppeldecker niederlietz und nach einigen Sekunden glücklich zur Erde kam.

Katastrophe in einem Steinbruch.

w Lyon, 18. Mai. In einem in der Nähe gelege­nen Steinbruch wurden durch einen plötzlich herabstur- zenden Felsblock drei Arbeiter getötet und neun schwer verletzt.

Ein Stettiner Dampfer treibend auf dem Meere.

o-* Melbourne, 18. Mai. Der DampferCairn- hill", auf der Fahrt nach Stettin, erlitt bei Neu-Jrland einen Bruch der Welle. Die Mannschaft blieb acht Tage lang an Bord, als sich aber kein anderes Schiff zeigte, verließen 15 Weiße und 19 Chinesen das Schiff und be­stiegen ein offenes Boot, mit welchem sie nach großen Entbehrungen bei Rabaul im Bismarck-Archipel lan­deten. Die australische Regierung wird ersucht werden, ein Regierungsschiff nach dem treibenden Dampfer auszusenden, auf dem sich der Kapitän und vier Offi­ziere befinden, die das Schiff nicht verlassen wollten.

Huerta schwer erkrankt.

o-* Veracruz, 18. Mai. General Huerta ist an ei­nem schweren Rückenmarkleiden erkrankt und an vas Bett gefesselt. Es verlautete, daß er Selbstmord verübt habe. Das Gerücht stellte sich aber als falsch heraus. Große Menschenmassen durchzogen gestern die Straßen der Stadt Mexiko, wobei es zu Zusammenstößen mit der Polizei kam. Zahlreiche Demonstranten wurden verhaftet.