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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

»Hier Äreisllitt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 116,

Dienstag, den 19. Mai

1914.

Bus der Heimat.

* (Die Reservisten Übungen im Heu - m o n a t.) Bei der Heeresverwaltung sind infolge der für den Monat Juni (Heumonat) erlassenen Einbe­rufungen von Reservisten und Landwehrmännern aus landwirtschaftlichen Berufen Vorstellungen erhoben worden, da für landwirtschaftliche Wehrmänner bisher die Einberufungen in den Wintermonaten erfolgten. Wie verlautet haben die Vorstellungen keinen Erfolg gehabt. DieHeeresverwaltung erachtet die diesjährigen Sommereinberufungen der bäuerlichen Mannschaften für unbedingt notwendig zur Erhaltung der Schlag­fertigkeit der Armee". Die militärischen Uebungen werden diesjährig erst am 26. Juni beendet sein.

-a- Hersfeld, 18. Mai. Nach einer Bekanntmachung des Herrn Regierungspräsidenten in Cassel ist die Schreibweise nachstehender Orte als die amtliche festgesetzt worden: Röhrigshof mit Nippe, Dinkelrode, Wüstfeld, Philippsthal a. W., Wüstfeld- Forsthaus.

):( Hersfeld, 18. Mai. Bei den von der Firma Georg Börner unterhalb der Fuldabrücke vorgenom­menen Baggerarbeiten fand Herr Baggermeister Wehrmann am Sonnabend zwei Kanonenkugeln aus alter Zeit. Die Kugeln sind von ansehnlichem Gewicht und waren bereits zum Teil versteint. Schon vor zwei Jahren machte Herr Wehrmann einen gleichen Fund.

):( Hersfeld, 18. Mai. Zu der demnächst in Cassel beginnenden Schwurgerichtsperiode wurde Herr Berlagsbuchhändler Zulauf von hier als Ge­schworener ausgelost.

):( Hersfeld, 18. Mai. Der gestrige Sonntag morgen brächte hier den unerwarteten Besuch eines Zeppelin- Luftschiffes. Kurz vor 7 Uhr wurde der Luft- kreuzer gesichtet und in ruhiger Fahrt bei mäßiger Höhe passierte er die Stadt. Mit dem bloßen Auge konnte man an der Aufschrift erkennen, daß es sich um denZ. 8" handelte. Das Schiff gewährte in seiner hell von der Sonne beschienenen Hülle bei dem tief­blauen Morgenhimmel einen prächtigen Anblick. Der 3. 8" ist eins der neuesten Schiffe unserer Militär­verwaltung und war morgens um 4.50 Uhr in Leipzig zw seiner Ueberführungsfahrt nach Trier aufgestiegen. Er ist dort bereits nach kaum fünfstündiger Fahrt glatt gelandet. Gegen 10 Uhr vormittags wurde ein Flugzeug in großer Höhe und schneller Fahrt gesichtet. Gegen 3 Uhr nachmittags schwebte dann ein großer Freiballon in beträchtlicher Höhe über der Stadt, dessen gelbe Kugel lange Zeit sichtbar blieb.

):( Hersfeld, 18. Mai. In der Sonntag nacht ist aus dem hiesigen Amtsgerichtsgefängnis ein daselbst untergebrachter H tt st li ng e n twi ch e n. Derselbe hatte sich durch die nur 16 cm breiten Eisenstäbe ge- zwengt und sich dann an einem aus Bettuch, Ueberzug und Handtuch zusammengebundenen Seil aus dem Meiten Stockwerk zur Erde herabgelassen. Dem Flüchtling gelang es unbemerkt zu entkommen. Bis letzt hat man noch keine Spur von ihm gefunden.

~ -n- Widdershausen a. W., 18. Mai. Am gestrigen Sonntag gegen 7 Uhr vormittags überflog, aus der Richtung von Gotha kommend, ein Zeppelinluftschiff v Eßiger Höhe unser Dorf. Der Luftkreuzer hatte die Richtung Fulda eingeschlagen. Gegen 3/d0 Uhr ^urde ein Flieger in derselben Richtung in beträcht­licher Höhe gesichtet.

M- Widdershausen a. W., 16. Mai. Am vergangenen mittag verunglückte auf dem Kalibergwerke ^oreroda bei Berka a. W. der verheiratete Bergmann uleger von hier. Aus einer Höhe von ca.

Meter fiel ihm im Schacht ein ziemlich schweres ^iuck Eisenrohr auf den Kopf, wodurch ihm beträcht- "che äußere Verletzungen beigebracht wurden. Be­wußtlos wurde der Bedauernswerte in feine Wohnung M Widdershausen gebracht. Ob der Verunglückte auch innere Verletzungen davon getragen hat, ist noch nicht

. -n- Widdershausen a. d. W., 16. Mai. Heute fanden unter äußerst lebhafter Beteiligung die Er- gänzungswahlen zur Gemeindevertretung statt. Ausscheiden mußten in der 1. Klasse der Land­wirt Georg Schneider, in der 2. Klasse der Bergmann Konrad Werner und der Steiger Simon Köhler, in der 3. Klasse der Schmied Konrad Thenert und der Schreiner Konrad Friedr. Mötzing. Gewählt wurden m der 1. Klasse der Landwirt Georg Nik. Schneider lunedergewählt), in der 2. Klasse der Bergmann Konrad AVerner (wiedergewählt) und der Aufseher Adam Westermann, in der 3. Klasse der Maurer- george Mötzing und der Schlosser Johannes Schneider, c. XAusbach, 16. Mai. Am heutigen Tage begingen die Eheleute Mänz hier das Fest der goldenen

Hochzeit. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubel­paare ein kaiserliches Gnadengeschenk von 50 Mark überreicht.

-n- Dankmarshausen a. d. W., 16. Mai. In dem Kalibergwerk Dankmarshausen, dessen Schacht vor einigen Jahren ersoffen war, werden am 17. d. M. die Abteufungsarbeiten mit dem Heben des Deckels wieder ausgenommen.

-n- Dorndorf i. Thür., 16. Mai. Die Untersuchung in der Einbruchs- und Diebstahlsaffäre auf der Gewerkschaft Heiligenroda, bei welcher den Dieben ca. 5000 Mk. Lohngelder in die Hände fielen, hat nun­mehr den Verdacht der Täterschaft auf einen Beamten der Gewerkschaft gelenkt, der aber die Tat in Abrede stellte. Ein ebenfalls auf der Gewerkschaft beschäftigter Schmied will den Betreffenden in der fraglichen Nacht im Magazinraum herumhantieren gesehen haben. Die Direktion des Bergwerks hat 500 Mk. Belohnung auf Wiederbeschaffung des Geldes und 300 Mk. Be­lohnung auf Bezeichnung und Feststellung des Täters ausgesetzt.

Marburg, 15. Mai. Gestern vormittag verhandelte das Gericht gegen zwei hiesige Studenten wegen Zwei­kampfes. Die beiden waren beschuldigt, in diesem Frühjahr in der nahen Ortschaft Ackershausen einen Zweikampf mit verbotenen Waffen ausgetragen zu haben. Nach kurzer Verhandlung kam das Gericht zu dem Erkenntnis, daß die Säbel, wie sie bei Studenten gebraucht werden, keine schweren Säbel sind. Weiter waren bei dem Zweikampf alle erforder­lichen Hilfsmittel bei evtl. schwerer Verletzung zur Stelle. Aus diesem Grunde erfolgte Freispruch.

Gilserberg, 15. Mai. Das 5 Jahre alte Söhnchen des Landwirts B. dahier machte sich auf dem Hofe heute mit der Holzart zu schaffen und hieb sich den linken Daumen ab. Ein Ar^r nahm sich des Kindes an.

Göttingen, 15. Mai. Der Göttinger Schäferhund- zwingerVom Hainberge." hat einen sehr schönen deutschen Schäferhund, den Rüden Apollo vom Hünen­stein zu Züchtungszwecken nach den Vereinigten Staaten von Amerika verkauft. Der Kaufpreis ab Göttingen beträgt 6500 Mark, hierzu kommen, die Kosten für Transport, Versicherung, Einfuhrzoll, Reisekosten für Hin- und Rückfahrt für den Trans­porteur, Verpflegung usw., so daß der Hund bis er in den Besitz des neuen Eigentümers gelangt, auf über 10 000 Mark zu stehen kommt.

Großalmerode, 16. Mai. Ein recht beklagenswerter Unglücksfall betraf gestern nachmittag die Familie Köller. Der zehnjährige Sohn kam am Heiligenhof, wo an der elektrischen Leitung der Vereinigten Tonwerke eine Reparatur vorgenommen wurde, dem am Boden liegenden Leitungsdraht zu nahe, ohne die Gefahr zu ahnen. Der arme Junge wurde vom elektrischen Strom getroffen und verbrannt. Der schnell herbeigeholte Arzt konnte nur noch den Tod feststelleu. Einen anderen Jungen hätte das gleiche Schicksal treffen können, wenn er nicht noch schnell zur Seite gesprungen wäre.

Sonneberg, 16. Mai. Der gestern nacht auf dem Brandplatze der Spielwaren-Exportfirma Cuno und Otto Dressel verhaftete Wachmcknn Schulz hat in­zwischen noch eingestanden, die acht in letzter Zeit hier vorgekommenen Brände, darunter zuletzt den des großen Geschäftshauses der Spielwaren-Export­firma Lindner und Söhne, vorsätzlich angelegt zu haben. Mit dem Brande des Drefielschen Sprelwaren- Exporthauses ist auch das benachbarte Wohn- und Geschäftshaus des Klempnermeisters Deubner ein Raub der Flammen geworden.

Wetzlar, 16. Mai. Donnerstag abend uberfuhr der Automobilhändler Kronenberger aus Gießen am Schützengarten zwei Schüler, als er in icharser Fahrt um eine Ecke biegen wollte. Der eine der L-chuler, ein Ojähriger Knabe, wurde schwer verletzt, w dap er in die Klinik nach Gießen gebracht werden mußte, während der andere, ein 7jähriger Knabe, mit leichteren Verletzungen davon kam.

Frankfurt a. M, 16. Mai. Durch Zufall wurde in einem hiesigen Manufakturwarengejchaft ein Riesen­diebstahl entdeckt, der in seinen. Anfängen um Jahre zurückreicht. Der in dem Getchast seit 1o Jahre ange­stellte 33jährige Kaufmann Grunebaum hat das tn ihn gesetzte Vertrauen dadurch belohnt, daß er m mige- zählten Fällen Kleiderstoffe, Wäschestücke, Tischtücher und Stickereien heimlich den Lagerräumen entnahm und sie ebenso heimlich mit in lerne Wohnung nahm. Von hier aus verkaufte er die Sache um einen Spott­preis an ein ganzes Heer von Händlern, Hehlern und Privatleuten. Die Affäre durfte weite Kreise ziehen, da schon festgestellt wurde, daß der Dieb auch m zahl­reichen Städten der Nachbarschaft weitverzweigte Ver­bindungen hatte. Bis jetzt konnte schon annähernd 16000 Mk. gestohlener Sachen festgestellt werden, doch schätzt die Firma ihre Verluste aus zehntausende.

Abgeordnetenhaus.

Am Sonnabend erledigte das Haus zuerst einige Rechnungssachen und dann in unerheblicher Besprechung die 2. und 3. Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Einziehung staatlicher Schiffahrtsabgaben durch Ge­meinden und Private. Die Beratung der Anträge auf Schlitz der Diakonissentracht, der Schwestern vom Roten Kreuz und der katholischen Ordensleute ver­anlaßte nach kurzer Befürwortung durch die Abgg. v. Wenden (kons.), Dr. Liebmann (natl.) und Dr. Kauf­mann (Ztr.) einen Regiernngskommissar zu der Erklärung, daß die Regierung den Anregungen zu entsprechen suche und über Bestrafung für Mißbrauch der Schwesterntrachten Erwägungen anstelle. Der Antrag der Kommission, die Regierung um wirksamen Schutz zu ersuchen, wurde angenommen. Es folgte die 2. Beratung des Eiseubahn-Anlethe-Gesetzes. Auf einige Bemerkungen des Abg. Fürbringer (natl.) erklärte Minister v. Breitenbach, daß die Abtretullg der Linie Oldenburg-Wilhelmshaven an Oldenburg aus wirtschaftlichen Gründen wünschenswert sei. Der neuzuerrichtende Bahnhof käme zum größten Teil auf Wilhelmshavener Gebiet zu liegen. Dem Staatsvertrag wurde schließlich zugestimmt. Bei Besprechung der Linie Altona-Neumünster bat Abg. Graf v. d. Groeben (kons.) die Beschlüsse der Kommission anzunehmen, d. h. die Fehmarnlinie abzulehnen und die Petition über den Ausbau der Linie Kiel-Korsör-Kopenhagen als Material zu überweisen. Das Fehmarn-Projekt würde Schleswig-Holstein schwer schädigen. Der gleichen Meinung waren die Abgg. Brütt und Graf Moltke (freik.). Minister v. Breitenbach betonte, daß er sich auf das Fehmarn-Projekt nicht festlegen könne,'jeden­falls sollten aber die deutsch-dänischen Verkehrswege unter Aufwand unbedeutender Mittel verbessert werden. Nach weiterer Debatte, in der u. a. die Abg. v. Dewitz- Oldenburg (freik.) und Harnisch (Soz.) für die Fehmarnlinie ein traten, wurden die Kommtssions- beschlüffe angenommen. Damit war die 2. Beratung des Eisenbahnanleihe-Gesetzes beendet.

Deutscher Reichstag,

Der Reichstag hielt am Sonnabend zwei Sitzungen ab. In der ersten, die um 10 Uhr begann, führte der Etat des Reichstages zu einer Erörterung über die Geschäftslage des Hauses, sowie über die Ge­währung von Freifahrtkarten für die Mitglieder des Hauses, die eine vom Abg. Wassermann (natl.) bean­tragte Entschließung forderte. Eine weitere Ent­schließung Behrens (w. Vg.) forderte die Einsetzung einer Kommission für Arbeiterangelegenheiten. Die Abstimmung durch Hammelsprung ergab die Beschluß- unfähigkeit des Hauses, und die Beratung mußte um Vd Uhr abgebrochen werden. Die zweite Sitzung be­gann um 3/d Uhr. Da wurde zunächst die Entschließung Bassermann betr. Freifahrtkarten angenommen. Der Etat des Reichstags war damit erledigt. Ohne Er­örterung wurden die Etats des Reichsmilitärgerichts, der Reichsschuld, des Rechnungshofes und des Pensionsfonds erledigt. Beim letzteren Etat regte Abg. Erzberger (Ztr.) die Schaffung einer privaten Auskunftsstelle an. Generalmajor v. Langermann sagte eine Prüfung der Angelegenheit zu. Bei einer Ergänzung zum Postetat führte Abg. Antrick (Soz.) Beschwerde über den Braunschweiger Postdirektor. Vizepräsident Dr. Paasche bezeichnete eine solche per­sönliche Kritik als unzulässig. Staatssekretär Kraetke bedauerte, daß ein Abgeordneter auf Zuträgereien und unbewiesenen Behauptungen hin Beamte herab- setze. Es folgte der Etat der allgemeinen Finanzver­waltung. Abg. Kleye (natl.) besprach die Lage der Zuckerindustrie und nannte die Brüsseler Konvention eine unglückselige. Seit 1902 seien Hunderte kleiner Zuckerfabriken eingegangen. Reichsschatzsekretär Kühn betonte, daß er für die Zuckerindustrie ein warmes Interesse habe. Durch die Gesetzgebung sei eine Stetigkeit der Preise erreicht worden. Die Konvention war eine Notwendigkeit nach außen und innen. Der durch das Zuckerkartell geschaffene Zustand sei höchst ungesund gewesen und mußte beseitigt werden.

Abg. Wurm (Soz.) meinte, daß eine Entwicklung englischer Zuckerindustrie dazu führen würde, die deutsche Produktion im Lande zu verbrauchen. Ein Volksnahrungsmittel könne der Zucker nur werden, wenn die Zuckersteuer abgcschafft würde. Auch die Spirituszentrale sei künstlich groß gezogen worden. Abg. Koch (fortschr.) hielt die Brüsseler Konvention für eine Notwendigkeit.

Wetteraussichten für Dienstag den 19. Mai.

Wolkig, meist trocken, warm, zeitweise auffrischende Winde.