lung befsilölicher Stallschweizerlehrling erbrach eine auf dem Futterboden stehende, fest zugenagelte Kiste, deren Inhalt aus vergifteten Rosinen, sog. Hamsterpastillen, bestand. Da der Lehrling die Giftigkeit des Inhalts nicht kannte, naschte er davon. Er mußte ins Krankenhaus gebracht werden und ist dort gestorben.
Zwei englische Militärflieger abgestürzt. Ein militärisches Fluggeschwader von 10 Doppeldeckern geriet in der Nähe von Northallerton in einen dichten Nebel und wurde dadurch gezwungen, auf schwierigem Gelände zu landen. Hierbei wurden fünf Flugzeuge schwer beschädigt. Ein verhängnisvoller Unfall wurde dadurch herbeigeführt, daß ein Flugzeug mit zwei Fliegern gegen eine Hecke fiel, wobei beide Flieger getötet wurden. Die Leichen der Opfer sind bis zur Unkenntlichkeit ver- stümmelt.
Millionenftiftnng für hilfsbedürftige Kinder. Der unlängst in Cöln verstorbene Kommerzienrat Piepenmeyer hat mehrere Millionen Mark testamentarisch für eine Stiftung zugunsten hilfsbedürftiger Kinder vermacht.
Gewaltiger Brand in Moskau. Seit Freitag wütet in Moskau ein ungeheurer Brand, der durch die Feuerwehr schwer zu lokalisieren war und durch den Wind immer wieder angefacht wurde. Auch das Kaiserliche Kleine Theater soll von den Flammen ergriffen sein.
9-^ Zu einem schweren Manöverunfall kam es am Freitag auf dem Feld von Evreux bei Paris. Zwei Eskadrons des 7. berittenen Jägerregiments hielten Uebungen ab. Eine Eskadron machte einen Scheinangriff auf eine Batterie, die von einer anderen Eskadron verteidigt wurde. Die beiden Truppenteile rannten mit solcher Wucht auf einander los, daß ein heftiger Zu- sammenprall erfolgte. Vier Jäger wurden dabei schwer verletzt, einer davon lebensgefährlich.
^ Das Herzogspaar von Braunschweig im Luftschiff. Das Militärluftschiff „Z 6" ist Sonnabend vormittag über Braunschweig erschienen und nach einer Schleifenfahrt über der Stadt auf dem großen Exerzierplätze glatt gelandet. Zur Besichtigung des Luftkreuzers begaben sich der Herzog und die Herzogin mit dem Flügeladjutanten von Grone nach dem Exerzierplätze, wo sich auch die Obersten der beiden Braunschweiger Regimenter eingefunden hatten. Das Herzogspaar bestieg den Kreuzer und unternahm einen Rundflug über der Stadt. Gegen ^10 Uhr landete das Luftschiff wieder aus dem Exerzierplatz.
9-«i Ern französischer Eisenbahninspektor als Eisenbahndieb. Der Inspektor der Eisenbahn, Teschad, wurde am Freitag, wie aus Paris gemeldet wird, im Schnellzuge in der Nähe von Caens verhaftet, als er die Handtasche und den Spazierstock eines Reisenden stehlen wollte. In der Pariser Wohnung des Verhafteten wurden zahlreiche, von solchen Diebstählen herrührende Sachen gefunden.
6^ Schwerer Reitunfall eines Divisionskommandeurs. Generalleutnant von Heinemann, Kommandeur der 24. Division in Metz, stürzte am Sonnabend vormittag bei Vaux so unglücklich mit dem Pferde, daß er das Bewußtsein verlor. Er wurde im Automobil nach Metz gebracht, wo er später das Bewußtsein wieder erlangte. Vermutlich hat er eine schwere Gehirnerschütterung erlitten.
9-^ Die Mörder des Colmarer Chauffeurs. Die Pariser Polizei ist den beiden Mördern des Colmarer Chauffeurs, Frutz und Lambert, auf der Spur. Ihre Verhaftung steht unmittelbar bevor. Frutz hielt sich am Freitag in Vernon bei Lyon bei einer Tante auf und bat um Geld, da er seit drei Tagen nichts gegessen habe. Die Frau verweigerte ihm die Unterkunft, gab ihm aber Hundert Francs und sagte ihm, er möge sich umbringen, um die Ehre der Kamme zu retten. Frutz versprach dies und reiste nach Havre ab.
s-K- Eine Notlandung zweier Flieger auf dein Meere. Aus Venedig meldet der Draht: Als am Sonnabend zwei Ofsiziersflieger auf einem Wasserflugzeuge eine Fahrt unternahmen, geriet der Apparat in etwa dreihundert Metern Höhe in Brand. Um eine Explosion des Benzinbebälters zu verhüten, ließen sich die Flieger rasch auf das Wasser nieder und konnten sich schwimmend retten. Der Apparat ist verbrannt.
s-s- Marokko den Franzosen. Wie der „Köln. 3tg" aus Tanger gemeldet wird, ist in Casablanca die Ver- gebung der Lieferungen für den Bau und den Betrieb einer Wasserleitung an eine französische Gesellschaft bekannt gegeben worden, ohne daß zuvor eine öffentliche Ausschreibung vorgenommen wurde. Auf gleiche Weise soll auch der Bau eines Elektrizitätswerkes vergeben werden.
Vermischtes
t Das große Los, das, wie gemeldet, am Freitag auf die Nummern 197 309 gezogen wurde, kam in beiden Abteilungen nach Bayern, und zwar in der ersten nach Nürnberg, in der zweiten nach Rosenheim. Das große Los beträgt bekanntlich in jeder Abteilung 500 000 Mark. Im Ziehungssaale gab es die übliche Sensation, als das große Los gezogen wurde. Durch die Reihen der zahlreich versammelten Spieler ging eine lebhafte Bewegung, man sah aber nur enttäuschte Gesichter. Gar bald war es denn auch heraus, daß Fortuna sich diesmal nach dem Süden, nach Bayern, gewandt habe. Es war gerade der siebente Ziehungstag, und da die „Sieben" bekanntlich im Leben der Spieler eine gewisse Rolle spielt, waren sie in besonders starken Scharen nach dem Ziehungs- >aal geströmt. Ein eigentümliches Zusammentreffen ist es übrigens, daß auch das vorige Mal das große Los am siebenten Ziehungstage gezogen wurde. Das Glücks- lostst in Achtelteile zerlegt, und so ist die Hoffnung be- ^echtwt, daß wenig bemittelte Leute die Gewinner sind. Eine rührende Geschichte. Ein Kritiker besuchte ct= Ä?s einen Freund, der sich seine ersten literari- verdiente. „Lies das!" sagte der junge Mb gab seinem Gast ein Manuskript in die $ meine neueste kurze Geschichte, und Du ^“O. mir offen und ehrlich Deine Meinung sagen, was hältst." Der Kritiker setzte sich hin und begann m Ein paar Minuten später sah der Dichter zu »t^^Aberraschung, wie sich die Augen seines Gastes =füllten. „Mein lieber J"nge," sagte der Freund, „das ist sicher die rührendste beschichte, die ich je von Dir gelesen habe." „Wie!" antwortete der Dich- ter und rang nach Atem, „ich habe doch eine Humoreske geschrieben, in die ich all' meinen Witz hineinlegen wollte! Da fielen seine Augen auf das Manuskript. zAch, jetzt verstehe ich. Das ist ja gar nicht das richtige Manuskript. Das ist ja — mein Brief an den Vorsitzenden der Einkommensteuer-Beranlagungskommission: ich wollte ein paar Stufen herunterkommen . . . ."
880 000 Pfund Defizit bei einer englischen Bersiche- rnvgs-Gesellschaft. In der englischen Versicherungswelt wurde große Bestürzung durch die Abrechnung über den Vermögensstand der Northampton Gesellschaft Hervorge- rufen, bei der namentlich viele kleine Beamte, so 30 000 lab sich ein Defizit von i. das aber nicht durch
Postleute, versichert sind. Es ergi
NMt weniger als 880 000 Pfund, ^ ™ uu^ L^erschleife, sondern durch fehlerhafte Basierung der Gesellschaft verursacht wird und die Summe darstellt,
geschuldeten Gelder fehlen würde. Die alten Mitglie- der haben viel zu viel erhalten und die neuen werden, um den Rest zu retten, erhebliche Opfer bringen müssen. Dieser Tatbestand steht, wie die „Frkf. Ztg." berichtet, unter den englischen Versicherungen nicht ganz vereinzelt da.
Das Leben einer Fran als Mann. Ein merkwürdiger Fall von einem Mädchen, das seit 10 Jahren regelrecht als „Mann" gelebt hat und sich kürzlich sogar in aller Form standesamtlich mit einer jungen Dame, Miß Dorothy Kleuowski, verheiratet hat, erregt in Milwaukee nicht geringes Aufsehen. Am Sonntag abend verhaftete die Polizei „Herrn Ralph Kerwimeio", eine junge Spanierin, die in Wirklichkeit Cora Kerwimeio heißt. Ihr Geheimnis ist durch die Anzeige ihrer Freundin Miß Mamie White enthüllt worden: seit 1904 spielte „Ralph" vor der Welt die Rolle von Mamie Whites Ehemann. Bei der Vernehmung verweigerte die nunmehr unfreiwillig für ihr wirkliches Geschlecht wiedergewonnene Spanierin jede Aussage, aber die Angaben ihrer früheren Freundin haben die Gründe dieser eigenartigen Maskerade erschöpfend klargestellt. Cora Kerwimeio und Mamie White waren eng befreundet, arbeiteten und lebten zusammen. Aber Frauen verdienen weniger als Männer, und so kam Cora eines Tages auf die phantastische Idee, Männerkleidung anzulegen und als Mann zu arbeiten, um mehr zu verdienen. „Cora wollte nicht mehr für Mädchenlohn arbeiten: es ging uns schlecht, und als wir eines Tages von unserer traurigen Zukunft sprachen, erklärte Cora plötzlich, sie sei es müde, als Mädchen immer nur geringeren Lohn zu verdienen, sie sei entschlossen, Mann zu werden. Anfangs amüsierten wir uns über den Einfall und lachten, schließlich aber meinte Cora: „Ich kann wie ein Mann arbeiten und aussehen, also auch ebenso viel verdienen: die größeren Einnahmen werben uns aus unserer Not befreien. Und so beschafften wir uns eines Abends Männerkleiöer: ich half Cora, ihr Haar zu schneiden, Wir zogen nach Milwaukee, wo niemand uns kannte, und sie hatte keine Mühe, eine Anstellung zu finden. Da wir zusammenbleiben wollten, mieteten wir uns ein Zimmer, und niemals zweifelte jemand daran, daß wir Mann und Frau seien." Allein im Frühjahr 1914 verließ „Ralph" seine Mamie und beschloß, sich nun einmal wirklich zu verheiraten.
Neue Kampfmethoden der Suffragette». Zwei Suf- fragettenführerinnen, Frau Drummond und Frau Dacre Fox eröffneten in London eine neue Kampfmethoöe. Sie waren beide vor das Polizeigericht geladen, um sich wegen aufreizender Reden zu verantworten. Statt jedoch dort zu erscheinen, pflanzten sich Frau Fox vor Lord Landsdownes Palais und Frau Drummond vor Sir Edward Carsons Palais auf und erklärten, da diese Herrn auch aufreizende Reden über Ulster gehalten hätten, suchten sie Zuflucht bei ihnen. Sie verweilten hier viele Stunden lang, klopften und klingelten an den Türen, wurden mehrere Male von Polizisten abgeführt, erschienen aber immer wieder und hielten die Komödie zur Belustigung eines nach Tausenden zählenden Janhagels bis zum späten Nachmittag aufrecht. Suffragetten brachten ihnen Mahlzeiten, Wärmflaschen und andere Erfrischungen. Lord Lansdowne und Carson nahmen keine Notiz von ihnen. Das Polizeigericht erließ Haftbefehle gegen beide Wahlweiber.
Die Kunst zu schlafen. In der „Neuen Freien Presse" teilt ein Mitarbeiter, der sich kürzlich auf Kap Martin aufhielt, allerlei über das Befinden und die Lebensführung der alten Kaiserin Eugenie mit und erzählt dabei folgendes Geschichtchen: Vor einiger Zeit unterhielt sich die Exkaiserin mit einem ihrer Gäste, einem bekannten Literaten aus Paris, auch über Kaiser Franz Josef und gab dabei folgende Erinnerung zum Besten: Es war bei der letzten Zusammenkunft zwischen Napoleon III. und Franz Josef im Jahre 1869, als der von seinem Gallensteinleiden schwer mitgenommene französische Kaiser seinen österreichischen Berufskollegen fragte, wie er es fertig bringe, traumlos und ruhig die Nacht durch- zuschlafen. „Ich schalte meine Gedanken aus", war die Antwort. Darauf Napoleon: „Das ist eine Kunst, die ich nicht verstehe." Und nun erzählte Kaiser Franz Josef, daß er diese „Kunst" sich schon vor feinem Regierungsantritt angeeignet habe und daß er hoffe, es auf diesem Wege zu einem hohen Alter zn bringen.
Küche und Keller aus dem ozeanrlesen.
Einer in den nächsten Tagen erscheinenden Schrift über den Dampfer „Vaterland" entnehmen wir folgende Schilderung des Wirtschaftsbetriebs auf diesem größten aller Ozeanriesen: Vom Sichtbaren zum Unsichtbaren ist auf einem Ozeandampfer nur ein Schritt. Unmittelbar hinter den mit vergoldeten Arabesken gezierten Wänden der Speisesäle beginnt das Reich des ausgedehnten Wirtschaftsbetriebes. Alles, was sich dort unter den Händen der 350 Stewards, der Köche, Konditoren und Toast- bäcker, der Zahlmeister, Proviautmeister und ihrer Untergebenen mit geräuschloser Selbstverständlichkeit vollzieht, bleibt dem Auge des Reisenden verborgen. Und doch wird es ihn gewiß interessieren, einmal einen Blick zu tun in die Bienentätigkeit der unteren Regionen eines schwimmenden Riesenhotels, in die mustergültige Sauberkeit und sorgfältige Raumausnutzung seiner Magazine unb Küchen, seiner Klingelpantries, Grill- und Kühlrämne. $jnt -tf {ff her „Vaterland" sind die Räume für den Trockenproviant der Fahrgaste untergebracht, deren Fußböden durchweg mit Litostlo belegt wurden. Da gibt es gesonderte Abteile für Kramerartikel, andere W Brot, wieder andere M Irisches Obst! die Rauch, warenkammer ist mit einem elektrischen Windmotor versehen In den Holzschotten der Kartoffelkammer lagern die zur einmaligen Hin- und Herreise. öes Schiffes erforderlichen 55 000 Kilogr. Kartoffeln in riesigen Holzschotten. Die Weinkammern, die heizbar sind, enthalten für die erste Fahrt rund 8500 ganze und 5800 halbe Flaschen Wein. Dabei überwiegen bei weitem Rhein-, Mosel- und Saarweine mit 3500 ganzen Flaschen: ihnen folgen Bordeaux und Burgunder mit 2200 Flaschen und Cbamvaanerarten mit annähernd der gleichen Zahl. Feurige Dessertweine si mit 800 Flaschen vertreten, während reichlich dreimal so viel Vorrat an Likören und Spiritussen vorhanden sein wird. Auch an Konserven führt das Schiff erhebliche Mengen, darunter allein 4000 Dosen eingemachte Früchte., Mit ,ich. Mr d e erforderlichen 1500 Pfd. Ka^es, Zwreback und Waffeln ist ebenfalls ein gesonderter Raum vorhanden.
Der gesamte Proviant für Zwischendeck und Mannschaft wird im vorderen Unter,chisi gelagert, wo auch noch ein großer Ladekühlraum für mehrere 1000 Faß Bier vorgesehen ist Während die Trockenproviant-Raume den gesamten Vorrat für Aus- und Heimreiie, alw für etwa 14 Se enthalten werden die mit umfangreichen Kühl- und LustanlagL versehenen M des Dampfers jedesmal im Hafen neu gefüllt. Fleisch, Geflügel und Fische sowie Obst, Gemüse, Eier und Bier gelangen auch hier vollständig getrennt zur Aufbewahrung.
Zwei elektrisch betriebene Aufzüge, die von den Provtanträumen nach oben führen feförbern die hier aufgestapelten Vorräte nach Bedarf in die eigentlichen Mixtschaftsräume, die zwischen den großen SpLtsesÄLS
eingebaut wurden und sich über die ganze Breite bei Schiffes erstrecken. Dort stehen in der Küche die beiden mächtigen Doppelherde, an denen deutsche und franzö- sische Köche die Speisen zubereiten. Lange Wärme, schränke dienen gleichzeitig als Anrichte, Dampfkochkessel zu je 200 Liter Inhalt und drei Grillöfen beanspruchen eigene Abteilungen. Neben der Küche unb mit dieser durch bequeme Zugänge verbunden, befinden sich die luftigen, hellen Räume für Schlächterei, Bäckerei, Konditorei und Kaffeeküche. Die Elektrizität spielt in diesem modernsten aller schwimmenden Wirtschaftsbetriebe eine außerordentlich wichtige Rolle. Das Brot wird auf elektrischem Wege geschnitten, der Kaffee elektrisch gemahlen. Schneeschläger, Kartoffelschäl- und Fleischyackmaschineu arbeiten mit elektrischem Antrieb.
Während nun in den Küchen die sorgsam zusammen- gcfteUte Speisefvlge vorbereitet wirb, sind die Stewards in ben Sälen und Nestaurationsräumen mit dem Decken der Tafeln beschäftigt. Im Laufe der Fahrt muß das riesige Wäschespind des Schiffes seine kostbaren Schätze fast sämtlich zum Schmuck der vielen kleinen und größeren Tische herleihen. Hundert Bräute würden mit einer Leinenausrüstung, wie sie den stattlichen Trousseau der „Vaterland" für eine einzige Reise bildet, jahrzehntelang auskommen. Man denke: 45 000 Servietten! Davon sind etliche aus feinem schimmernden Damast, andere tragen zierliche, farbige Musterungen und Hohlsäume, wieder andere sind schlicht und weiß unb grobfädig. Passende Tischtücher dazu lagern im nächsten Fach. Daneben finden sich mehr als 30 000 Handtücher, ein Vorrat, der keineswegs zu niedrig bemessen ist. Im ganzen umfaßt die Wäscheaussteuer der „Vaterland annähernd 160 000 Stück. Rund 40 000 Kilogramm Wäsche wird dieses neue Seepalasthotel für seinen ständigen Betrieb fordern.
Auch der Bedarf an Kristall und Porzellan wächst mit der Größe des Passagierdampfers, sodaß die neuen Geschirrausrüstungen der Jmperatorklasse tatsächlich alles bisher auf diesem Gebiet liebliche in den Schatten stellen.
Die Schlacht bei Tampico.
Die Stadt bem Erdboden gleichgemacht.
Wie der „New York Herald" aus Tampico meldet, ist die Stadt während der Einnahme dnrch die mexikanischen Rebellen beinahe dem Erdboden gleichgemacht worden. Was vom Geschützfeuer noch verschont geblieben war, haben die Flammen vernichtet. Ausländer sollen weder getötet noch verletzt worden sein.
Ueber die Einnahrne von Tarupico meldet der Neu- yorker Korrespondent des „Daily Telegraph" nach einem Kabelbericht des Kriegsberichterstatters des „New York American" folgende Emzelheiten: Die Verluste der aus der Stadt geworfenen Regierungstrupven waren furchtbar: 3000 Mann wurden entweder getötet ober gefangen genommen. Pardon gaben die Rebellen nicht: sie knüpften alle Gefangenen sofort auf ober schlugen sie nieder. Der schwerste Teil der Kämpfe um Tampico spielte sich auf dem großen Kirchhof ab. Die Regierungstruppen hatten sich dort eingeschanzt, aus Sandhaufen und Grabsteinen Barrikaden gebaut und warteten so in guter Deckung den Feind ab. Aber die Verschanzungen hielten der Beschießung auf die Dauer nicht stand, so daß sich General Zaragosa entschloß, selbst zum Angriff über« zugehen, um sich Luft zu machen. Die Rebellen waren aber darauf vorbereitet, und so entspann sich ein mörderisches Rinnen, wobei den Rebellen besonders gute Dienste ihre Handgranaten leisteten, die sie haufenweise gegen die Regierungstruppen schleuderten. Trotz heftiger Gegenwehr wurden die Truppen Huertas aus dem Friedhof üinauegeworfen. Heldenhaft benahm sich General Zaragosa, ihr Führer. Man hat ihn nach der Schlacht nicht mehr gesehen, und befürchtet, beiß er sich unter den Toten befindet. Sollte dies der Fall sein, so wird man seine Leiche kaum noch finden: denn die Rebellen haben die Toten entweder ofvrt mit Petroleum begossen und angezündet oder massenhaft in den Fluß geworfen, der sie in das Meer schwemmte.
Der Angriff begann bereits am Freitag und dauerte ununterbrochen bis Mittwoch. Während dieser Zeit hatte General Zaragosa keinen Augenblick der llinhe. Wegen der zu großen Hitze hatte er seine Uniform zum Teil ausgezogen und bewegte sich mit nacktem Oberkörper zwischen den Linien seiner Soldaten, sie zum Aus- harren ermunternb und seine Befehle erteilend. Dann trat eine Kampfpause ein, worauf die Rebellen, die inzwischen Verstärkungen herangezogen hatten, neuerdings allgriffen. Am Mittwoch ließ der Widerstand der Re- gierungstruppen nach, da ihnen die Munition anszu- gehen schien. Zaragosa ermähnte seine Leute, nur zu schießen, wenn sie sicher wären, zu treffen, aber keine Patronen zu verschrveuden. Als er aber die Unmöglichkeit erkannte, die Stadt zu halten, ordnete er den Rückzug per Bahn an. Seine Leute wurden aber inmitten der Vorbereitungen von den Rebellen überrascht, mit denen es auf der Eisenbahnlinie zum letzten verzweifelten Handgemenge kam.
Huerta in Gefahr.
w Nach Nachrichten aus Veracruz haben Huertas Truppen am Donnerstag gemeutert unv Offtzrere er* schoben, die sich weigerten, mitzumachen. Sie sind dann abmarschiert, um sich Zavata anzuschließell, der 18 Meilen von der Stadt Mexiko im Gefecht mit mexikanischen Vorposten stehen soll. Huerta befindet sich in stäudiger Gefahr, ermordet zu werden. Jeden Augellblick kann in der Hauptstadt Anarchie ausbrechen. N>nö einer weiteren Nachricht steht Zavata mit 5000 Mann bei Topi- lejo, zehn Meilen von der Hauptstadt entfernt — Die Rebellen haben die Stadt Tuppam eingenommen. Die 2000 Bundestruppen flüchteten in die Berge.
Bündel und Verkehr.
* Berlin, 16. Mai. Wöchentlicher Saatenstaudsbe» richt der Preisberichtstelle des Deutschen Landwirt, schaftsrats. Der Stand der Winter- und Sommersaaten hat in der letzten Woche vielfach nur wenig Fortschritie gemacht. Die „Gestrengen Herren" des Mai sparen pünktlich erschienen. Teils war es naß, aber dabei zu kalt, teils war es noch zu trocken und kalt. Na^srbste sind wiederholt gemeldet worden. Immerhin sind die Niederschläge dem Boden zugute getommen und werben beim Eintritt wärmerer Witterung ihre Wirkung nicht verfehlen. Der Weizen, der bisher den Unbilden der Witterung am besten Widerstand geleistet hatte, ist häufig gelb geworden, der Roggen ist auf den leichteren Böden vielfach dünn und spitz geblieben und hat zu» großen Teil bereits geschoßt. Von den Sommersaaten hat sich noch am besten die Gerste gehalten, wahren» Sommerweizen und Hafer vielfach nur wenig vorwärts gekommen sind. Auch wird bei den Sommersaaten, be- wnders bei den spät gesäten, sehr über Unkraut nnb Schädlinge geklagt. Die kühle Witterung hat auch das Wachstum der Wiesen und Weiden zurückgebalteu. Klee- und Luzernefelder zeigen vielfach Lücken. Die Bestellung der Hackfrüchte ist im allgemeinen beendet, bin und wieder wird bereits über ihr Auflaufen bertey^- Allgemein wird bringend eine warme Witterung berück ürsrtzrlt, . :