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Der falsche Reserveleutnant suchte zunächst durch allerhand Ausflüchte über unbequeme Fragen Hinweg­zugleiten, lieh sich aber dann durch eine Düsseldorfer Militäreffektenfirma eine komplette bayerische Offi­ziersuniform anfertigen. Das zweite Moment, das Ver­dacht erregte, war seine auffallende Unkenntnis auf dem Gebiete des elektrischen Betriebes, auf dem er nach dem Zeugnis der Kissinger Stadtverwaltung eine besondere Befähigung besitzen sollte. Das machte na­mentlich den technischen Direktor des Elektrizitatswer- kes stutzig. Indessen, man wagte doch nicht recht, an dem Kissinger Befähigungsnachweis zu drehen und zu deuteln. Im übrigen spielte Eisenhut in Oberhausen den Gentleman. So streng, barsch und massiv er im Dienste war, so elegant und vornehm wußte er in der Bürgerschaft den Gentleman herauszukehren. Er lebte auf großem Fuß und zeigte sich äußerst splendid. Er­wähnt sei noch, daß der falsche Direktor sich selbst Zeug­nisse ausstellte, wobei er sich gefälschter Stempel be­diente.

Da die von Eisenhut vorgelegten Zeugnisse und die Auskunft seiner vorgesetzten Behörde, des Stadtma- qistrats in Kissingen, ihn für seinen Dienst in den städtischen Betrieben als besonders qualifiziert erschei­nen und einen Zweifel über die Richtigkeit seiner An- gaben nach den Akten nicht aufkommen ließen, so wur­den von der Stadtverwaltung wettere Schritte nicht un­ternommen. Die Stadtverwaltung unterließ es jedoch nicht, im Laufe der Zeit die Richtigkeit der Angaben Ei­senhuts zu kontrollieren, indem sie vertrauliche Erkun­digungen bei den Militärbehörden über sein Offiziers­patent einzvg. Diese Erkundigungen hatten ein nega­tives Ergebnis und Eisenhut wurde schließlich von der Stadtverwaltung zur Beibringung seines Offizierspa­tentes aufgefordert. Als er dieser Aufforderung rricht nachkam und unwahrscheinlich klingende Angaben machte, wurde er beurlaubt. Vorher fand eine einge­hende Revision des städtischen Bureaus und Kassen statt, die zu Beanstandung keinen Anlaß gab. Gleichzeitig wurden telegraphisch Anfragen an das Bezirkskom- mando in Nürnberg und an den Stadtmagistrat in Kis­singen, der schon vor einiger Zeit schriftlich um Aeuße­rung ersucht worden war, gerichtet. Durch diese Anfra­gen wurde der Verdacht der Stadtverwaltung über die unrichtigen Angaben Eisenhuts bestätigt. Daraufhin wurde die sofortige Verhaftung verfügt. Allein die Kri- minalpolizet fand die Wohnung Eisenhuts leer. Eisen- Hut war bereits in der Nacht vorher geflüchtet.

Gericht und Recht*

Die Drohung mit dem Reichstag. Ein Ersatz­reservist hatte an das Bezirkskommando in Cöln durch einen Rechtskonsulenten eine Eingabe gemacht zur Er­langung eines Zivilversorgungsscheines bezw. einer Rente, weil er sich als Kanonier einen Leistenbruch zu­gezogen hatte. Nach zweimonatiger Dienstzeit war er entlassen worden. In der Eingabe hatte der Rechts- konsulent ausgeführt, wenn die Ansprüche nicht bewil­ligt würden, sollte ein Reichstagsabgeordneter sie im Reichstage zur Sprache bringen, damit dem Volke die Augen geöffnet würden. Der Ersatzreservist hatte das Schreiben flüchtig gelesen, nachdem der Rechtskonsulent versichert hatte, daß keine Beleidigung darin stände. Nunmehr hatte sich der Ersatzreservist vor dem Ober- kriegsgericht des 8. Armeekorps wegen Achtungsver­letzung und Bedrohung von Vorgesetzten zu verant­worten. Der Anklagevertreter beantragte Verhängung der Mindeststrafe von sechs Monaten Gefängnis. Das Oberkriegsgericht folgte indessen den Ausführungen des Verteidigers, daß der Angeklagte ein Opfer des Ver­trauens geworden sei, das das gewöhnliche Volk zu Rechtskonsulenten hat, sodaß er nicht wußte, was er unterschrieb, und ihm das Bewußtsein der Achtungs­verletzung und Bedrohung gefehlt habe. Daher wurde er freigesprochen.

Der beleidigte Herr Wetterlä als Kläger. Das Schöffengericht in Colmar verhandelte am Mittwoch in der Privatklage des Abgeordneten Abbs Wetterls, Di­rektors des „Nouvelliste d'Alsace-Lorraine", und des Redakteurs Stiel von demselben Blatte gegen den Vor­sitzenden des Allgemeinen Deutschen Wehrvereins, General Keim, wegen des von diesem im „Tag" ver­öffentlichten Artikels „Schwab und Elsässer". Der An­geklagte wurde wegen öffentlicher Beleidigung zu 200 Mark Geldstrafe bezw. 20 Tagen Haft verurteilt. Das Gericht hatte die von ihm gebrauchten Ausdrücke als beleidigend angesehen, wenn auch anderseits der Be­weis als erbracht angesehen wird, daß Wetterlö hetze. Der Vertreter des Beklagten hat Berufung eingelegt.

Vermisdites.

Die Kirche von Hohenfinom. Im Oderbruch, zwei Stunden von Eberswalde, liegt Hohenfinow, des deut­schen Reichskanzlers Landsitz, wo man nun die treue Gefährtin seines Lebens, Frau Martha von Bethmann Hollweg geborene v. Pfuel, zur ewigen Ruhe beisetzen wird. Der Ursprung des Dorf«“ “ ' " 1

das 13. Jahrhundert, in die Zeu

wird. Der Ursprung des Dorfes Hohenfinow fällt in das 13. Jahrhundert, in die Zeit, da die Klöster Lehnin und Chorin reich und mächtig waren in der Mark, und ihre Aebte glanzvoller als weltliche Fürsten Hof hielten. In der Kirche von Hohenfinow wird der Gottesdienst gehalten werden, bevor man der Schloßherrin das Ge­leite gibt zu ihrer letzten Wohnung. Die Kirche von Hohenfinow ist ein freundlicher, geräumiger Bau, der mitten auf dem alten Gottesacker steht und dessen Ent- uehung nicht mehr nachgewiesen werden kann. Drei Glocken besitzt die Kirche, deren größte den ernsten, trägt: „Ich rufe Dich zur Arbeit und Glück und Leid Dir zu. ^einer^^^uen Stnnbenschlage denk' an das Ende „ c? ^e . Im 17. Jahrhundert waren die Herren ^ofhih^1^ Frau Martha von Bethmann n ö entsproß, auf Hohenfinow angesessen. Ludwig s* 3E-0t' dem in seiner Leichen- und Gedächtnispredigt ®ff Georg Rulich am 30. November 1025 in der Kirche zu Hohenfinow nachrühmte, er sei ein „got- tesfurchiiger, gelahrter, freundlicher ' und freigebiger A^rr gewesen, war es, der, als Kirchenpatron, hundert Reichstaler hergab für den Guß der zwei kleineren Glocken von Hohenfmow. Nur kurze Zeit hielten die Herren v. Pfuel Hohenfmow als ihr Eigentum, und nun wird dort, wenn man der Frau von Bethmann Hollweg, geborenen v. Pfuel, sterbliche Ueberreste in

vea, geborenen v. Pfuel, sterbliche Ueberreste in L-choß der Erde versenkt, die Gegenwart sich mit

den ÄUyvp vw. VX-VV W4JV4111, VIV vyvycj der Vergangenheit zusammenschließen....

. Ein Opfer der spanischen Schatzschmindler ist ein Handwerker aus Neukölln geworden. Nachdem er den bekannten Brief eines angeblichen spanischen Gefan­genen erhalten hatte, korrespondierte er mit den R^Iindlern und, war ganz entzückt, durch eine kleine Gefälligkeit mit emem Schlage 230 000 Mark gewinnen Er verabredete eine Zusammenkunft im Vcktoriahotel zu Saragossa und zahlte als erste Rate 7000 Mark an die Schwindler, wofür er als Sicherheit einen gefälschten Scheck der Bayerischen Bank in Mün­chen erhielt. Außerdem bezahlte er auch sämtliche Hotel- kosteq der Gauner mit. Alsdann reiste er auftragsge-

maß nach Bordeaux, wo er von der Tochter des Gefan­genen erwartet werden sollte. Dort wurde ihm ein Te­legramm übergeben, es sei ein Unglück passiert, und er möge sofort nach Neukölln abreisen. Wieder zu Hause angekommen, fand er einen ausführlichen Brief vor, in dem man ihm mitteilte, daß die flanke Geschichte nichts werter als Humbug sei. Er möge sie für sich behalten und fernen Freunden nichts erzählen, da diese sich doch nur über isin lustig machen würden. Er möge nom den guten Rat annehmen, daß es vorteilhafter sei, sich sein Brot durch ehrliche Arbeit zu verdienen, als sich auf gesetzwidrige Weise bereichern zu wollen.

Kein „Wettrennen über den Ozean". Angesichts der in englischen Blättern verbreiteten Berichte, daß zwi­schen dem Dampfer „Vaterland" und dem Dampfer „Mauretania" (der Cunard-Linie, die zurzeit das blaue Band des Ozeans besitzt. D. Red.), die beide am 26. Mai von Neuyork abgehen, ein Wettrennen über den Ozean stattfinden werde, legt die Hamburg-Amerika- Linie, wie aus Hamburg berichtet wird, Wert darauf, festzustellen, daß diese Gerüchte selbstverständlich auf reiner Erfindung beruhen, abgesehen davon, daß üb­rigens zwischen den Abgangszeiten der beiden Dampfer ein Zeitunterschied von etwa zehn Stunden liegt, und beim Bau des Dampfers „Vaterland" gar nicht die Er- zielung einer solchen Geschwindigkeit bezweckt worden ist, wie sie die „Mauretania" hat. Die Kapitäne der Hamburg-Amerika-Linie haben außerdem strenge An­weisung, sich niemals auf sogenannte Wettfahrten einzu- lassen.

Todesurteil gegen eine amerikanische Millionärin. Das Appellationsgericht New Orleans bestätigte das Todesurteil gegen die Millionärin Auguste Edwards, die im Juni vergangenen Jahres einen Kaufmann na­mens Georg Riehl auf der Straße erschossen hat, da er, wie sie in der Vernehmung erklärte, sich an ihrer weib­lichen Ehre vergriffen habe. — Dies ist die erste weiße Frau, die jemals in den Südstaaten der Union zum Tode verurteilt worden ist. Obwohl bei der Verlesung des Urteils der Gerichtspräsident bereits erklärte, daß die Todesstrafe wahrscheinlich in lebenslängliche Zucht­hausstrafe umgewandelt werden würde, war die Mil­lionärin so verzweifelt, daß sie, ins Gefängnis znrück- gebracht, Selbstmord verübte.

Ueber die soziale Not des Schauspielerberufes. In der außerordentlichen Hauptversammlung der Gesell­schaft für soziale Reform entwarf der Präsident der Deutschen Bühnengenossenschaft ein Bild von den sozia­len Nöten der Schauspielerberufs. „Eigentlich," führte er aus, „ist ja der Schauspielerberuf gar kein Beruf, sondern nur ein Sport, den sich junge Idealisten leisten können. Wir wären sehr zufrieden, wenn uns wenig­stens die Segnungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zu­teil würden. Etwa 60 Prozent der deutschen Schau­spieler verdienen im Jahr noch nicht einmal 1000 Mark. Wir verlangen ein Reichstheatergesetz. Selbst über diese 1000 Mark kann der Schauspieler nicht einmal selbstän­dig verfügen. Unterständen wir dem Bürgerlichen Ge­setzbuch, dann hätten wir viel erreicht, denn darin steht, daß das Handwerkszeug vom Unternehmer geliefert werden muß. Wir müssen unsere Kostüme selbst be­zahlen, wobei wir auf der anderen Seite nicht verken­nen, daß mancher Unternehmer in unserem Berufe gar nicht bezahlen kann. Es handelt sich um schwieriges Feld für die soziale Gesetzgebung. Von dem Reichs- theatergesetz erhoffen wir zunächst nur das eine, daß die Suprematie der Unternehmer eingeschränkt wird, so daß wir nicht mehr ganz so rechtlos öastehen. Aber selbst diese Mindestforderungen werden unS noch streitig ge­macht. Es ist höchste Zeit, daß der Staat endlich der Leute sich annimmt, die diese Kultur-werte in kleinen Münzen unter das Volk bringen. Unter der Konkur­renzklausel leiden wir ganz besonders. Ein Chemiker oder Ingenieur kann trotz der Konkurrenzklausel seine Arbeitskraft immer noch verwenden. Ein Theaterdirek- tor aber, der einen Schauspieler für 1000 oder 1200 Mk. engagiert hat, kann ihm das Auftreten in dem einzigen Sommertheater verbieten, das noch in derselben Stadt besteht. Wir werden jedenfalls diesen Kampf durch- kämpfen. Der preußische Kultusetat im laufenden Jahre verlangt für kulturelle Zwecke rund 299 Millionen. Nicht ein einziger Pfennig entfällt davon auf das Theater."

Angriffe gegen Rockefeller. Die Agitation gegen Rockefeller jun. wegen seiner Haltung im Streik der Grubenarbeiter im Colorado - Distrikt wird fortgesetzt. Montag drang ein Geistlicher, Wight, bekannt wegen seiner revolutionären Ideen, mit 12 Anhängern in die Kapelle des Nockefeller-Parkes, in der gerade ein Got­tesdienst stattsand. Die Demonstranten stellten sich un­ter den Altar und unterbrachen den Geistlichen in sei­ner Predigt. Wight wurde sofort von Detektivs ergrif­fen. Er widersetzte sich, worauf es zu einem Handge­menge kam, sodaß das Publikum panikartig die Kirche verließ. Wight erklärte: „Ich sage nur die Wahrheit, Rockefeller hat 40 Menschenleben auf dem Gewissen!" Verschiedene Frauen wurden ohnmächtig. Schließlich gelang es der zu Hilfe gerufenen Polizei, Wight mit seinen Begleitern aus dem Gotteshause zu entfernen und ins Gefängnis abzuführen.

Irafilianische Erlebnisse.

Aus Roosevelts Reisetagebuch.

Im Daily Telegraph wird die Veröffentlichung des brasilianischen Reisetagebuches von Theodor Roosevelt fortgesetzt: der Expräsident berichtet dabei über einige interessante Beobachtungen aus der Tierwelt Die größte Ueberraschung brächte ihm das Gürteltier als Schnelläufer. „Ich hatte immer angenommen, daß die Gürteltiere, die Armadillos, stch nur gemächlich über den Boden hinschieben und sich zur Verteidigung aufrichten wenn sie bedroht werdeu." Bei einem Ritte stieß Roosevelt mit seiner Meute aus zwei Gürteltiere, die sich auf einer großen Lichtung ergötzten. «ofort brachen die Hunde los, und mit Staunen sah Roosevelt nun die Gürteltiere davonspringen oder eigentlich davon- sausen, denn ihre Geschwindigkeit stand kaum hinter der eines Hasen zurück. Das eine der Gürteltiere erreichte das schützende Dickicht, ohne da» die Hunde, es entboten konnten. Das zweite hatte eine Richtung eingeschlagen, die einen längeren Laus erforderte. Die Hunde jagten kläffend hinterdrein, aber es war fein Zweifel, das auch dieser Armadillo den schützenden Urwald erreicht hätte, wenn nicht plötzlich etwas Unerwartetes emge- treten wäre. Mitten im Laufe hielt das Tier inne, drehte sich um und schoß nun wie, eine Kugel wieder zurück, mitten durch die Meute. Keiner der Hunde ver­mochte dem Gürteltier dabei etwas anzuhaben,- die Scbnelliakeit des Laufes und die Panzerung genügten als Schutz Einige Sekunden später war der Armadillo sicher im dornigen Gestrüpp verschwunden.

Der Held eines anderen Intermezzos war ein junger, etwa 1% Meter langer Kaiman. Roosevelt war an den Rand eines Tümpels gegangen, um etwas Wasser zu schöpfen, als er plötzlich auffuhr: irgend et­was hatte ihn aus unmittelbarer Nähe angeblökt. Es war der Kaiman. Roo,eveltbeachtete das Amphibium nicht, aber als bald darauf die Pferde zur Tränke ge­

führt wurden, bedrohte der Kaiman sie und brächte sie zum Scheuen. Roosevelt, sein Sohn Kennst und Oberst Rendon eilten herbei, um die merkwürdige Szene zu beobachten. Der Kaiman lag auf der Wasseroberfläche, famn ein paar Fuß von den Zuschauern entfernt. Man warf Schlammstücke gegen ihn, worauf SaS Tier drohend das Manl öffnete und in kurzen Zügen ruckweise an- griff. Man warf ihm Stöcke zu: sie wurden ergriffen und mit einem Biß zerbrochen. Es war unmöglich, den Kaiman zu verscheuchen. Diese Zähigkeit überraschte die Beobachter nicht wenig, aber alle Bemühungen, das Tier von seinem Platze zu verdrängen, blieben auch weiterhin fruchtlos.

Bald darauf erlebte man an einem zweiten Tümpel eine ähnliche Szene: ein Kaiman gab alle Zeichen höch­sten Aergers, als Menschen sich dem Tümpel näherten. Er brüllte oder blökte, öffnete die Kiefern und schlug mit dem Schwanz, wich aber nicht. Das sonderbare da­bei ist, daß die Kaimans nicht ein einziges Mal auch nur die Hunde angriffen oder belästigten, geschweige denn die Reiter. In den Gewässern scheinen sie sich von den Piranhas zu nähren, jenen blutgierigen klei­nen Fischen, die Roosevelt Kannibalenfische nannte. Aber wenn ein Kaiman verwundet ist, sind schnell die Rollen vertauscht. Darm fallen die kleinen Fische sofort wie wütend iiber ihren Feind her und zerreißen ihn im Laufe von wenigen Minuten. Roosevelt mußte w- gar beobachten, wie ein durch einen Schuß verwundeter Kaiman von zwei Meter Länge von den Piranhas Überfällen und so gepeinigt wurde, daß er aus dem Wasser flüchtete und seinen menschlichen Verfolgern ent- gegenlief. Erst greifen die Piranhas die Wunde an, dann aber übernimmt sie beim Geruch des Blutes die Gier, sie beißen sich in allen Weichteilen fest, und ihre spitzen Zähne bohren sich ins Fleisch. Solange aber ein Kaiman nicht verwundet ist, wird er von den Ptran- has respektiert und niemals angegriffen.

Am Xampico wird noch gesümpft

Die Einnahme von Tampico durch die Rebellen wird stündlich erwartet. Seit 24 Stunden ist eine ge­waltige Schlacht mit schwerer Artillerie auf beiden Sei­ten im Gange. Der Verlust wird bis jetzt auf beiden Seiten mit 2500 Toten und Verwundeten angegeben.

w> Veracruz, 14. Mai. Nach hier eingelaufenen Meldungen besteht kein Zweifel mehr darüber, daß die Bundestruppen die heutige Nacht benutzeu werde»,»um Tampico zu räumen. Seit gestern nachmittag ist ein heftiges Gefecht zwischen ihnen und den Rebellen im Gange. Die Bnndestrnppen werden auf allen Punkten zurückgedrängt. Ihr Befehlshaber benutzt die Gelegen­heit, um von den Kaufleuten Kriegsabgaben zu er­pressen. Zwei Eisenbahnzüge mit Beute stehen ständig unter Damps, um die Stadt beim Eindringen der Re­bellen rechtzeitig verlassen zu können.

e=* neuestes vom Gage.

Kaiser Wilhelm fährt nicht nach Ungarn.

»-* Wien, 14. Mai. Kaiser Wilhelm, der ursprüng­lich die Absicht hatte, den diesjährigen Herbstmanövern in Westungarn beizuwohnen, wird infolge anderweitiger Reisepläne den Manövern fernbleiben.

Die Altpensionäre in Prentzen.

Berlin, 14. Mai. (B. Z.) Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses hat heute den Antrag des Abg. von Goßler (tont) betreffend die gesetzliche Regelung der Bezüge der Altpensionäre einstimmig angenommen. Danach soll den Altpensionttren ohne besonderen Antrag ein Pensionszuschnß gewährt werden.

Reinhardt erwirbt den Zirkus Schunlanu.

o-* Berlin, 14. Mai. (B. Z.) Die Verhandlungen zwischen Max Reinhardt und Kommissionsrat Schu­mann wegen Erwerb des Zirkus Schumann sind wie­der ausgenommen worden und sollen kurz vor dem Ab­schluß stehen.

Schwere Zugentgleisung bei Hannover.

0!-^ Hannover, 14. Mai. Heute vormittag gegen 10 Uhr ist auf der Umgehnngsbahn an der Leinebrücke der Güterzug 5009 mit der Maschine und einer ganzen An­zahl von Wagen entgleist. Der Zngführer und ein Schaff­ner wurden getötet, der Lokomotivführer und der Heizer konnten sich durch Abspringen reiten. — Nach einer späteren Meldung ist nur der Zugführer bei dem Un­fall zu Tode gekommen. Dem Schaffner ist ein Bein abgefahren worden. Der Heizer trug nur leichte Ver­letzungen davon, während der Lokoncotivführer unver­letzt blieb.

Deutschland und Haiti.

»-* Paris, 14. Mai. Das „Echo de Paris" erklärt, daß es sich bestätigt, daß Deutschlanö der Regierung von Haiti Vorschläge betreffs Abschlnsses einer 2 Mil- lionen-Anleihe gemacht habe. Dafür soll Deutschlanö tatsächlich eine Kohlenstation sowie ein Zollkontrolle verlangt haben. Die Regierung von Haiti hat den Vor­schlag nicht angenommen, und die Regierung in Wa­shington soll ihrerseits entschlossen sein, die Annahme des deutschen Vorschlags unter allen Umständen zu ver­hindern.

Der Mord au dem Colmarer Chauffeur.

»s* Paris, 14. Mai. Die bezüglich der Ermordung des Colmarer Chauffeurs Köhler von der Pariser Poli­zei angestellte Untersuchung ergab, daß das Verbrechen wahrscheinlich von zwei aus Raincy bei Paris stammen­den jungen Burschen verübt worden ist. Die Burschen sind in Raincy schon lange als Taugenichtse bekannt und stehen im Verdacht, eine Reihe von schweren Diebstählen begangen zu haben. Vor vierzehn Tagen unternahmen sie eine Reise nach Nancy und stiegen dort unter ange­nommenen Namen in einem der ersten Hotels ab, ver­schwanden aber, ohne die Zeche zu bezahlen. Danach haben sie sich anscheinend nach Straßburg begeben.

Bei Versuchen mit Serum infiziert.

o-r Prag, 14. Mai. Die hiesige deutsch-tschechische Universitätsklinik hatte in der vergangenen Woche ei­nen Affen mit Blatternserum geimpft und diesen dann den jungen Medizinern als Demoststrationsobjekt vor- geführt. Auf bisher noch unaufgeklärte Weise haben sich mehrere Studenten infiziert, von denen fünf in der Klinik schwer erkrankt darniederliegen.

Der Mörder des Konsuls Batt.

^ Tunis, 14. Mai. (B. Z.) Von den beiden in Suk Arras verhafteten jungen Franzosen gestand der eine, namens Lievain, der Mörder des norwegischen Konsuls Batt zu sein. Er sei dem Konsul schon von Paris aus gefolgt und bestieg mit ihm das Eisenbahn­abteil. Der Mörder schoß den Konsul zuerst mit einem Revolver nieder, dann warf er den schwer verletzten, noch lebenden Mann aus dem Abteil auf das Gleis. Der Mörder erklärte, daß sein Reisegefährte an dem Morde keinen Anteil habe.

Das Wüten der Pest in China.

os* Hongkong, 14. Mai. In der letzten Woche wur­den 216 Erkrankungen und 173 Todesfälle an Pest fest­gestellt. Seit Beginn des Jahres sind 1228 Erkrankun­gen und 1112 Todesfälle an Pest zu verzeichnen.