Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^ für den Kreis Hersfeld
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Zernsprech-5lnschlutz Nr. 8
Nr. 113.
Freitag, den 15. Mai
1914.
Bus der Heimat.
* Die Fleischbeschau in Hessen -Nassau. Im ersten Vierteljahr 1914 stellt sich die Zahl der Schlachttiere, die in Hessen-Nassau der Fleischbeschau unterzogen wurden, wie folgt: Pferde und andere Einhufer 722 (gegen 886 im letzten Vierteljahr 1913), Ochsen 6992 (7523), Bullen 1663 (1859), Kühe 16 245 (16 671), Jungrinder, über 3 Monate alt, 9508 (12143), Kälber, bis zu 3 Monaten alt, 39 784 (39 809), Schweine 294 084 (307 228), Schafe 9706 (14 214), Ziegen 3791 (3980). Ausnahmsweise wird in der Statistik auch diesmal eine Hundeschlachtung in Kurhessen erwähnt.
* Im Bereich des 11. Armeekorps sind nunmehr alle Truppenteile mit fahrbaren Feldküchen, die seitens der Fahrzeugfabrik und der Demmerschen Werke in Eisenach erbaut worden sind, ausgerüstet worden. Jede Kompagnie hat für ihren Bedarf eine fahrbare Feldküche erhalten. Diese Feldküchen werden durch zwei Pferde befördert. Die Truppenteile sind durch das Generalkommando angewiesen worden, in bestimmten Zeiträumen Uebungen mit den fahrbaren Feldküchen vorzunehmen. Nach größeren militärischen Uebungen sollen die Soldaten im freien Felde mit den inzwischen vorbereiteten Speisen aus den Feldküchen verköstigt werden.
-^(Entschädigungen an so l d a t enr ei che Familien.) Auf Grund des Gesetzes vom 26. März 1914, betreffend Aufwandsentschädigungen an Familien für im Reichsheer eingestellte Söhne gehen bei den Vezirkskommandos häufig Anträge von empfangsberechtigten Personen um Auszahlung der Unterstützung ein. Es wird jedoch darauf aufmerksam gemacht, daß nach § 3 dieses Gesetzes die Ansprüche auf Aufwandsentschädigung bei der Gemeindebehörde des Wohnorts anzumelden sind.
§ Hersfeld, 14. Mai. Nunmehr liegt das authentische Programm über den diesjährigen Wettstreit des hessischen A t h l e te n - V e r b a n d e s am 20. und 21. Juni hier vor. Der Wettstreit wird nach folgender Ordnung abgehalten: Am 20. Juni von nachmittags 5 Uhr ab Empfang der auswärtigen Vereine. Abends ' 27 Uhr Sitzung des Gesamtvorstandes des hessischen Athleten-Verbandes, der sich abends 8V2 Uhr Kampf- richter-Sitzung anschließt, darauf Festkommers in der neuen Turnhalle. Am 21. Juni: morgens 8 Uhr Uebungen der Konkurrenten, 8V2 Uhr Beginn der Wettkämpfe. Nachmittags Festzug. Um 31/2 Uhr Ve- ginn des Ringens in allen Gewichtsklassen. Abends 8 Uhr Verkündigung der Sieger und Preisverteilung. —Wie schon jetzt feststeht, wird die Zahl der Konkurrenten eine recht beträchtliche werden.
):( Hersfeld, 14. Mai. Infolge eines Herzschlages verschied gestern abend auf dem Heimwege aus seinem Waldreviere der Königliche Forstmeister und Haupt- mann der Landwehr Herr Carl Caesar im 54. Lebensjahre. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, der sich durch ganz hervorragende Charaktereigenschaften auszeichnete. Nicht nur bei seinen Untergebenen und der gesamten hiesigen Bürgerschaft, sondern weit über seine Heimat hinaus erfreute sich Herr Caesar infolge seines liebenswürdigen und stets zuvorkommenden Wesens außerordentlicher Beliebtheit. Ihm unterstand die Oberförsterei Hersfeld—Wippershain, und es war rhm vergönnt, daß sein letzter Gang ihn nochmals in seinen geliebten Wald führte. Möge ihm die Erde leicht sein! 0 v
,. „^E^^ l.4- Mai. Vor der S t r a f k a m m e r in gestern der wegen aller möglichen vorbestrafte Schuhmacher Theodor Reinhard ^ßen Ich weren Diebstahls zu ver- tn der Nacht zum 23. Juni in s bei Hersfeld. gemeinschaftlich mit seinem ?ohn, emem Fursorgezöglmg, einem Tuchmacher aus der Scheune Bettwerk im Werte von etwa 100 Mark entwendet, dreies tn zwei einer Witwe gehörige Säcke, die auf dem Gartenzaun zum Trocknen aufgehängt waren, gefteckt und den Raub nach Hersfeld getragen, um rhn gelegentlich zu verkaufen. In Hersfeld wurden die Diebe von zwei Polizeisergeanten auf dem Bahnhof gefaßt und sistiert. Da der Angeklagte aber mit aller Bestimmtheit behauptete, die Betten feien sein Eigentum, das er in Cassel, wo er früher gewohnt, im Leihhause versetzt gehabt und nun zu- ruckgeholt habe, ließ man ihn laufen, um kurze Zeit danach zu erfahren, daß man leider die schon gefaßten ^ebe der goldenen Freiheit zurückgegeben hatte, da der Bestohlene erschien und den Diebstahl zur Anzeige brächte. Der Sohn, der aus der Anstalt ausgeriffen bald darauf dingfest gemacht und abge- urterlt. Er geftand, daß ihn sein Vater zu dem Dieb- Itahl verleitet hatte. Letzterer leugnete in gestriger «trafkammersitzung mit großer Hartnäckigkeit. Er gab zu, in sieglos zur Zeit des Diebstahls gewesen zu fern, die Säcke mit dem Bettzeug habe er von
einem Unbekannten gekauft, dies aber den Polizeibeamten nicht sagen wollen. Die Strafkammer verurteilte ihn wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls zu einer Gefängnisstrafe von 9 Monaten und verfügte seine sofortige Jnhaftnahme. Strafschärfend seien einesteils seine vielen Vorstrafen, andererseits die Tatsache, daß er seinen Sohn zum Diebstahl aufgefordert habe.
-l- Hersfeld, 14. Mai. Gestern nachmittag fand im Kurhaus die Sitzung des H e r s f e l d e r Reitervereins statt, um die Propositionen für das am 26. Juli in Aussicht genommene diesjährige Rennen festznsetzen. Die Beteiligung war eine recht zahlreiche,' man bemerkte unter den Anwesenden die Herren Oberst Landauer und Oberleutnant Sardemann vom Feldart.-Regt. 47, die Herren Bürgermeister Strauß, Kommerzienrat Rechberg, Kurdirektor Lohse, Gg. Braun, C. Baumann und die Herren Domänen- pächter Friedrich und Rabe von Pappenheim. Die Sitzung begann mit der Wahl der Herren Reitlehrer an der hiesigen Kriegsschule Oberleutnant Ludewig, Drag.-Regt. 9, und Leutnant Lichtenstein,Feldart.-Regt.
83 zu Mitgliedern der technischen Kommission. Dann erstattete das Vorstandsmitglied Herr Oberleutnant von Maubeuge Bericht über Vermögenslage usw. des Vereins und legte die Vorschläge für die Rennen zur Begutachtung vor. In Aussicht genommen ist außer den bisherigen Rennen noch ein solches für Chargen- pferde der Offiziere der Kavallerie und reitenden Artillerie, das hoffentlich von recht zahlreichen Bewerbern bestritten werden wird. Im Interesse unserer so herrlich gelegenen, aufblühenden Lullusstadt wäre neben dem Aufschwünge des Badelebens auch ein solches unseres Rennplatzes nur mit Freuden zu begrüßen, zumal es an sport- liebenden Persönlichkeiten nicht mangelt, wie die Bewilligung von Geldern von feiten des Kreises, der Stadt und der Badeverwaltung und das bereitwillige Entgegenkommen des Herrn Domänenpächters Friedrich, der außer den wie bisher gestifteten, ebenfalls einen Preis zur Verfügung stellte, genügend beweist. Nach der Sitzung hielt fröhliches Beisammensein in den herrlichen geschmackvoll eingerichteten Räumen des Kurhauses die Teilnehmer noch längere Zeit beisammen, wobei die Herren Gelegenheit hatten, den vortrefflichen Weinkeller und die ausgezeichnete Küche des Hauses kennen zu lernen.
):( Hersfeld, 14. Mai. (Schöffengericht.) Wegen Sachbeschädigung erhielt ein hiesiger Einwohner 150 Mk. Geldstrafe. — Ein Einwohner aus Fulda wurde von der Anklage des Diebstahls freigesprochen. — Ferner standen drei Privatklagesachen zur Verhaudlung, bei denen jedoch jedesmal ein Vergleich zu stande kam.
Angersbach (Oberhessen), 11. Mai. Der jugendliche Fabrikarbeiter Boß von hier stürzte in Rüsselsheim beim Ueberklettern eines Hoftores so unglücklich ab, daß er alsbald verschied.
Crainfeld, 13. Mai. Die Staatsanwaltschaft in Gießen verfolgt eine neue Spur in der Crainfelder Mordsache. Seit dem 23. April d. Js. hat nämlich der Schuhmacher Kaspar Läpp, geboren am 30. Aug. 1871 in Ober-Sennen, seine Stellung tn Grebenham, wo er bisher gearbeitet hatte, verlassen, ohne nähere Angabe zu machen. Es sollen bereits fchwerwlegende Beweise vorliegen, die eine Täterschaft als nicht ausgeschlossen gelten lassen, und es wurde für Läpp lehr verhängnisvoll werden, wenn er sein Alibi für die Nacht zum 28. April nicht Nachweisen kann. Bisher gelang es nicht, seinen Ausenthalsort zu ermitteln.
Göttingen, 12. Mai. Von einem Schäferhunde, den die Kinder neckten, wurde der lechs Jahre alte Sohn des Bahnarbeiters K. angegriffen und ichwer verletzt. Die eine Gefichtshalste ^.vollständig nufge- riffen, außerdem trug das Kind Brne an den Beinen davon.
Eisenach, 13. Mai. Nach zweijähriger Pause tritt am 9. Juni hier in: Stadtichloye und tm Hotel Rautenkranz die deutsch-evangelilche Kirchenkonferenz zu einer mehrtägigen Verhandlung zusammen. Die Beratungen betreffen wichtige innerkrrchliche Angelegenheiten.
Frankfurt a. M., 14. .Mai. Auf offener Strecke gerieten gestern zwei Personenwagenin der Nähe von Gelnhausen dadurch in Brand, daß ein mitgesuhrter Flugapparat, wahrscheinlich durch den Funkenflug der Lokomotive, Feuer fing.
Gummersbach, 11. Mai. Ein bedauerlicher Un- glücksfall ereignete sich im nahen Drabenderhöhe. Ein Metzgermeister im Alter von 60 Jahren, der mit den Vorbereitungen zum Schlachten be,chattigt war, wurde bei der Instandsetzung des Schiegapparates so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat. Der Verunglückte hinterläßt Frau und Kinder.
Abgeordnetenhaus.
Beim Titel Kunst und Wissenschaft wurde die Beratung des Kultusetats weitergeführt. Abg. Dr. Runze (Fortschr.) bemängelte, daß Berlin keine Fichtefeier veranstaltet habe. Abg. Dr. Wagner (freik.) trat für eine Besserstellung der Bibliotheksbeamten ein. Abg. Eickhoff (Fortschr.) wünschte größere Mittel für die Akademie in Posen, deren Ausbau forderte auch Abg. Künzer (natL). Abg. Ecker-Winsen (natl.) begründete einen Antrag auf gesetzlichen Schutz der Sing-, Straud- und Wasservögel. Ein Regierungs- vertreter erklärte, den Anregungen sehr sympathisch gegenüberzustehen, doch könne die Regierung zu der Forderung eines Gesetzentwurfs keine bestimmte Erklärung abgeben. Die Abgg. Wenke (Fortschr.) und Veltin (Ztr.) sprachen sich ebenfalls für gesetzlichen Vogelschutz und verstärkte Naturdenkmalpflege aus, ferner die Abgg. Münsterberg (Fortschrü. Frhr. v. Wolff-Metternich (Ztr.). Abg. Graf v. Wilamowitz- Moellendorf (kons.) wies den Vorwurf des Abg. Wenke zurück, daß der Großgrundbesitz dem Vogelschutz feindlich gegenüber stände. Das Gegenteil sei der Fall. Landwirtschaftliche und Jagdvereine hätten schon lange ein Verbot des Pfahleisens gefordert. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Abg. Dr. Runze (Fortschr.) trat bei verschiedenen Titeln ein für den Neubau des Landesausstellungsgebäudes in Berlin, Erhaltung alter Burgen am Rhein, der Franziskanerkapelle in Stettin und des Königsberger Domes, Einführung Bachscher Kantaten beim Gottesdienst. Abg. Blanke (freik.) bat um Erhaltung der Kirche in Giersdorf. Abg. Dr. Dittrich (Ztr.) empfahl die feste Anstellung der Konservatoren und Abg. Dr. Wendt- landt (natl.) trat für die Vergrößerung der Meßbild- anstalt ein. Abg. v. Gabler (kons.) betonte die Wichtigkeit der Pflege der Musik. Das gute sinnige Volkslied und die alte Hausmusik hätten den Gassenhauern Platz gemacht. Sehr wichtig wäre, daß auf den Seminaren die jungen Lehrer eine gute musikalische Ausbildung erhielten. Ein Regierungskommissar sagte möglichste Berücksichtigung zu. Besonders würde in Zukunft auf den Gesangsunterricht in den Volksschulen Wert gelegt werden. Abg. Dr. Wagner (freik.) wünschte die Anstellung der Lehrer an der Musikhochschule. Ein Antrag v. Bülow (Watt.), die Summe von 87000 Mark für den Bau des Rauch-Museums in Berlin zu streichen, wurde, nachdem sich Abg. Dr. Jrmer (kons.) dagegen ausgesprochen hatte, gegen die Stimmen der Konservativen angenommen. Abg. Münsterberg (Fortschr.) trat dann für die Gleichstellung der Professoren der technischen Hochschulen mit den Universitätsprofessoren ein.
Deutscher Reichstag.
Der Reichstag besprach am Mittwoch die Duala- Enteignnng weiter. Erster Redner war Abg. Frhr. v. Rechenberg (Ztr.). Er trat für die Beschlüsse der Budgetkommission ein und betonte, daß den Duala volle Entschädigung gewährt werden müsse. Abg. Keinath (natl.) sah im Ausbau der Kameruner Eisenbahnen eine Notwendigkeit für die Entwicklung der Kolonie und in der Enteignung eine Staatsnotwendigkeit. Auch Abg. Dr. Braband (fortschr.) war dieser Ansicht, verkannte jedoch nicht, daß manche Ungeschicklichkeit von der Regierung begangen wurde. Die Sozialdemokratie wolle auch die Agitation der Duala auf Spitzel zurückführeu. Das werde ihr ebensowenig gelingen wie bei der Charlottenburger Denk- «ialsschändung. Abg. v. Böhlendorf-Kölpin (kons.) trat für die Regierungsvorlage ein und betonte insbesondere die Notwendigkeit des Ausbaues des Eisenbahnnetzes. Eine Sanierung werde die Besserung der Verhältnisse bringen. Die Neger verlieren ja nicht ihre Heimat, sondern rücten nur ein Stück weiter. Nach der Rede des Abg. Dr. Arendt (Rp.), der sich ebenfalls für die Enteignung aussprach, unterbrach das Haus die Beratung und nahm die nament- liche Abstimmung über den Erwerb eines Grundstücks in der Viktoriastraße zu Berlin für das Militärkabinett vor. Die Forderung wurde mit 268 gegen 75 Stimmen abgelehnt. Nunmehr nahm Staatssekretär Dr. Solf das Wort zur Dualasrage. Er sprach zunächst über den Wert von Neukamerun. Die nach dort gesandte Expedition hat festgestellt, daß es ebenso wertvoll sei wie der alte Besitz. Die Schlafkrankheit werde energisch bekämpft, und es sei zu hoffen, daß sie in Zukunft ganz verschwinden werde. Die Duala- frage könne er ganz anders beurteilen wie Dr. Hal- pert. Dieser sei von den Dualas getäuscht worden und habe gegen ihn (Redner) schwere Anschuldigungen erhoben, deren Haltlosigkeit klar zutage liege. Ebenso klar zutage liege die Notwendigkeit der Enteignung.
Wolkig, ohne erhebliche Niederschläge, mild, westliche Winde.