Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld
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Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wiederholungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 112.
Donnerstag, den 14. Mai
1914.
Hus der Heimat.
* Der Saatenstand im Regierungsbezirk C a s s e l war Anfang Mai für Winterweizen Mittel, Winterroggen fast Mittel, Wintergerste etwas über Mittel, Winterraps und Rüben ebenso, Klee unter Mittel, Luzerne und Wiesen über Mittel, Be-(Ent-) wttsserungswiesen über gutmittel.
):( Hersfeld, 13. Mai. Am Dienstag den 26. Mai findet auf dem hiesigen Viehmarktplatze eineFohl e n- schau statt. Zur Förderung der Zucht werden sogenannte Erhaltungsprämien im Betrage von 100 Mark für jedes Fohlen vergeben werden. Zur Prämiierung werden nur Fohlen des belgischen und rheinisch- belgischen Schlages, deren Abstammung durch einen Deck- und Füllenschein nachgewiesen werden kann.
):( Hersfeld, 13. Mai. Vor dem Amtsgericht in Eiterfeld fand gestern die Zwangsversteigerung der Tonwerke Buchenau statt. Das Höchstgebot
mit 29500 Mk. gaben die Herren Tannenbaum (i. Fa. A. Löwenberg), Herm. Wertheim und Max Wetterhahn von hier ab. Der Taxwert betrug 53000 Mark. Es fallen Hypotheken in beträchtlicher Höhe aus. Berücksichtigt muß allerdings werden, daß s. Zt. bei der Uebernahme der Werke große Vorräte an Ziegeln sowie ein vollständiges Inventar vorhanden war, während bei dem jetzigen Zwangsverkauf gar kein Vorrat an fertiger Ware und auch nur noch ein Teil des Inventars vorhanden ist. Die Käufer beabsichtigen die Tonwerke sofort wieder in Betrieb zu
ein Teil
setzen.
® ):( Hersfeld, 13. Mai. Der com. Kreissekretär am hiesigen Landratsamte, Herr Funke, wurde mit dem heutigen Tage etatsmäßig angestellt.
-m- Philippsthal, 11. Mai. Am letzten Sonntag wurde von nachmittags 3 Uhr ab die reichbesuchte Mitgliederversammlung unseres Darlehnskassen- vereins im Zinn'schen Saale abgehalten. Durch herzlichen Willkommensgruß leitete der langjährige Vorsitzende, Herr Pfarrer Heßler, die Verhandlungen ein. Der packende Geschäftsbericht gab eine klare Uebersicht der Geschäftslage des verflossenen Rechnungsjahres, spendete Lob den fleißigen Sparern und Zahlern und richtete freundliche und dringende Mahnung an die Säumigen. Die dann zur Verlesung kommende Rechnung und Bilanz von 1913 zeigte einen Jahresumsatz von 745771,45 Mk. und einen Gewinn von 1128,15 Mk. Der zum Vorjahre verhältnismäßige kleine Gewinn ist auf den hohen Zinsfuß von 4°/o für Spargelder und auf den geringen Zinssatz von 4»/M für Darlehn zurückzuführen. Die unmittelbare Nähe anderer Sparkassen und Bankinstitute erfordern solches Geschäftsgebaren, denn nur durch diese Taktik werden die heimischen Sparer veranlaßt alle ihre Ueberschttsse bei der Dorfbank zu deponieren. So bleibt das Erworbene im Orte und kann andern nutzbar gemacht werden. Von 225 Mk. des Reingewinns, welche statutengemäß zu allgemein nützlichen Zwecken verwendet werden können, wurden 150 Mk. der hiesigen Krankenpflegestation zugewiesen und der Rest für Jugendpflege, Kirchenbeleuchtung und Raiffeisenöank bestimmt. An den geschäftlichen Teil schloß sich nun ein sehr lehrreicher Vortrag des Herrn Ritterguts- behtzers Hupertz zu Hohenroda über einträgliche Schweinehaltung. Der Vortragende, welcher selbst äsir^Zeit einen größeren Schweinezuchtbetrieb ein- richtet, hat durch intensives Studium und Besuch der
Vuchtbetriebe zwischen Nord und Süd unseres bieiem Ä neuesten Richtungen auf dem ^Up .cte bekannt gemacht und konnte so recht aus »tafS “im ^ unterschied drei Entwickelungs- « des Tieres: Den Aufbau des boH^f^^ Entwickelung der inneren Organe und die Mast. Während in das beste Futter erfordern, dei zweiten nur Grünfutter zu geben.
1 onst noch interessanten Anregungen L£ '^nI1«ndei^ fruchtbaren Boden gefallen schlosse^^E^ ' ^r wurde die Versammlung ge-
Ronshausen, 11. Mai. Beider Verpachtung unserer Z^emdeiagd wurde eine jährliche Pachtsumme von
Mark erzielt, wahrend bisher nur 460 Mark jafjrlu!) einsamen. Der Pächter ist Gutsbesitzer Over- beck auf Hof Kühnbach bei Hersfeld.
Mai. Beim Fahren von K?tw »lrtt durch das Zerreißen einer
hiesiger Landwirt eine schwere Verletzung, das E" -aend.es Glied der Kette fuhr ihm gegen f daH eme starke Blutung ein trat. Leider rechnen zu fein ^^buße der Sehkraft des Auges zu
Ku^?^^' 13- Mai. Der achtzehnjährige Sohn des Schneidermeister Urft in Cassel, denen Entführung in
die Fremdenlegion im vergangenen Jahre allgemein Aufsehen erregte, ist jetzt durch die Vermittelung des Auswärtigen Amtes wegen Minderjährigkeit aus der Legion entlassen worden und bereits nach Cassel zurückgekehrt.
Cassel, 12. Mai. Ein großer Lotterieprozeß beschäftigte die hiesige Strafkammer. Die Verhandlung endete mit der Verurteilung der Angeklagten zu hohen Geldstrafen. Angeklagt waren fünf Hamburger Loshändler: der Kellner Wilhelm Lange, der Chorsänger am Hamburger Stadttheater Johann Mette, der Uhrmacher Max Kling und die Kaufleute Müllen- brock und Witz. Sie hatten Lose der Hamburger Staatslotterie in Preußen vertrieben. Da das preußische Lotteriegesetz für jeden Einzelfall eine Mindeststrafe von 100 Mark vorsieht, mußten die Angeklagten wegen nachgewiesener Fälle in der Zahl von 10 bis 300 mit 1000 bis 30 000 Mark Geldstrafe belegt werden.
Cassel, 12. Mai. Heute morgen gegen 9 Uhr ist auf der Neubaustrecke Corbach—Brilon zwischen Willingen und Brilon-Wald der Arbeitszug des Unternehmers Marks entgleist und von dem fertigen Damm herabgestürzt. Ein auf der Maschine befindlicher Vorarbeiter wurde getötet.
Nordshausen, 12. Mai. In der Sonntag nacht spielte sich hier eine Messerstecherei ab, bei der nicht weniger als 5 Personen durch Messerstiche schwer verletzt wurden. Der Täter ist der Maurer S., der gestern bereits verhaftet und in das Untersuchungsgefängnis eingeliefert worden. Wie bis jetzt festgestellt werden konnte, hatte er mit den Brüdern G. Händel gesucht und blindlings auf diese eingestochen, wobei einer der Brüder 5 Stiche in den Kopf und den Leib erhielt. Der Zustand des Schwerverletzten ist sehr bedenklich. Die üorigen Verletzten erhielten Stiche, als sie versuchten, den rasenden Menschen zu überwältigen.
1 Ammern, 12. Mai. Ein tödlicher Unfall ereignete sich am Sonnabend abend gegen 6 Uhr. Die 16jährige Tochter des Arbeiters Pittack, die in Abwesenheit ihrer Eltern an der Unstrut mit der Reinigung einiger Gefäße beschäftigt war, glitt aus und ertrank. Der gerade vorübergehende Sohn des Ortsgeistlichen sprang sofort nach, um die Untergehende zu retten, doch waren seine Bemühungen erfolglos. Nach einer Stunde wurde die Leiche gefunden.
Wiesbaden, 11. Mai. An Wehrbeitrag hat die Stadt Wiesbaden rund 11 Million Mark aufzubringen. Durch die Wirkung des Generalpardons hat sich die Einkommensteuer um 271000 Mark erhöht. — Der hiesige freireligiöse Prediger Welcker hatte sich geweigert, dem Schutzmann sein Kind zwecks Vorführung zur Zwangsimpfung zu übergeben; er soll dem Beamten mit Erschießen gedroht haben. Das Gericht verurteilte ihn wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu 50 Mark Geldstrafe.
Schlüchtern, 9. Mai. In dem Gemeindewald von Hohenzell hat es jüngst gebrannt. Jetzt wurden etwa 70 Stück Fichtenstämme abgeschnitten vorgefunden. Der Polizeihund von Schlüchtern nahm vom Tatort aus die Spur direkt in die Wohnung des Landwirts H. R. und verbellte ihn. R. gestand die Tat auch ein. Da nun auch der Verdacht der Brandstiftung auftauchte, wurde R. nach Hanau in das Landgerichtsgefängnis eingeliefert. Man nimmt an, daß R. dieseTat in einem unzurechnungsfähigen Zustand ausgefuhrt hat.
Göttingen, 12. Mai. Nach einem Maskenbälle be- kam der Stndent Otto Rieten aus Hamburg Streit mit dem Fensterputzer Ludewig. Um sich gegen Ludewigs Angriffe zu wehren und die Polizei herbeizurufen, feuerte Rieken drei Schreckschuffe ab. Eurer davon traf einen vorübergehenden Magistratsarberter in die Wade und hatte einen starken Bluterguß zur Folge. Weil er bei den Schreckschüssen es an der nötigen Vorsicht hatte fehlen lassen, wurde Rieke jetzt zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt.
Mt des ReichsAsgbMdneteil Werner
iSchluß.)
Ich wiederhole: die Hauptaufgabe des .^riegs- ministeriums muß es sein, dabei mitzuwirken - der Herr Kriegsminister ist ja auch MUglred des preußischen Staatsministeriums —, daß die Unteroffiziere, nachdem sie den Zivilversorgungsschein haben, im Zivildienst aucheinauskömmlichesundihrerBildungentzprechendes Unterkommen finden. Wie heute die Verhältnisse liegen, ist das sehr schwierig. Viele Militäranwärter müssen lange Zeit warten, bis sie eine entsprechende Anstellung im Zivildienst bekommen.
Bei Submissionen darf nicht, wie es bisher oft der Fall gewesen ist, der Mindestfordernde die Arbeiten oder Lieferungen erhalten,' denn der Mindestforöerer
ist ein Mann, der überhaupt nicht zu kalkulieren versteht,' sonst würde er nicht weit unter die Anschläge der Militärverwaltung heruntergehen. Wenn nun aber ein derartiger Miudestfvrdernder die Lieferung bekommt, so muß er doch bedacht sein, etwas zu verdienen, d. h. er muß den Staat nach Möglichkeit betrügen, und dadurch wird die Kontrolle der Aufsichts- beamten ganz erheblich erschwert. Wenn man grundsätzlich den Mindestsordernden unberücksichtigt ließe, würde das besser sein. Vor allem aber darf das Generalunternehmertum nicht bevorzugt werden, wie das z. B. bei einem Kasernenbau in Cassel der Fall gewesen ist, wo selbst ein Generalunternehmer die ganzen Lieferungen und Arbeiten besam und dieselben in einzelnen Losen wieder an die Handwerker vergab. Das darf nicht geschehen, weil das ein Unrecht gegenüber den Handwerkern ist, die nach einer Erklärung des Vorgängers des Herrn Kriegsministers doch nach Möglichkeit von der Mlitärverwaltung bei der Vergebung von Lieferungen und Arbeiten beriicksichtigt werden sollen.
Nun noch einige Wünsche! Der Ernteurlanb wird jetzt in größerem Umfange erteilt als früher. Bei der Leutenot, die sich auf dem platten Lande geltend macht, ist das auch dringend erforderlich. Dieser Urlaub sollte öfter für längere Zeit gewährt werden.
Was die Manöver betrifft, so ist es eine bekannte Tatsache, daß unsere Landbevölkerung sehr gern Soldaten im Manöver aufnimmt. Aber wenn immer und immer dieselben Gegenden mit Einquartierung bedacht werden, dann kann es selbst den besten Landleuten zu viel werden. Das kostet den Leuten viel Geld, und deshalb sind sie froh, wenn die Manöver and) einmal in anderen Landesteilen abgehalten werden.
Vor allem aber kommt es darauf an, daß die Flurschäden schnell und richtig abtaxiert werden. Darüber liegen zahlreiche Klagen aus den einzelnen Teilen des Deutschen Reiches vor. Auch muß eine Nachprüfung und Erhöhung der Vergütungssätze für Vorspannleistungen stattfinden.
Mit wenigen Worten muß ich noch auf die Fremdenlegion eingehen. Clemenceau wendete sich nämlich gegen uns wegen der Fremdenlegion. Er nennt uns Nimmersatte Wölfe, die sich über Frankreich herstürzen würden, und er nennt Frankreich einen Kulturstaat, während er von uns sagt, wir marschierten auf dem Wege der Barbarei. Wenn ein Durchschnitts- franzose eine derartige Aeußerung getan hätte, würde man sich wenig darum zu bekümmern brauchen. Aber wenn Herr Clemenceau, der wiederholt Minister gewesen ist, eine derartige Aeußerung über Deutschland macht, wenn er uns mit gefräßigen Wölfen bezeichnet, dann müssen wir uns doch gegen einen solchen schlimmen Ausfluß von Chauvinismus energisch wenden.
Bei seiner vorzüglichen allgemein anerkannten Rede über den Fall Zabern hat der Herr Kollege Fehrenbach auf Grund eines Zwischenrufs aus dem Hause gesagt, daß man recht wohl ein Wörtchen über die Fremdenlegion sprechen dürfe. Ich bin der Meinung, daß solange Frankreich die Fremdenlegion in ihrem jetzigen Umfang mit ihrem unseligen Werbe- system bestehen läßt, Frankreich keinen Anspruch erheben kann, als vollgültiger Kulturstaat angesehen zu werden. Die Verschleppung von Deutschen nach der Fremdenlegion nimmt von Jahr zu Jahr zu, und schon der Vorgänger des Herrn Kriegsministers, Herr v. Heeringen, hat hier einmal ausgeführt, daß es an der Zeit sei, auf dem Wege der diplomatischen Verhandlungen gegen die Fremdenlegion und deren Werbesystem Protest einzulegen.
Wir betrachten das Heer in erster Linie als Instrument des Friedens. Nicht mit Pessimismus, sondern mit ruhigem, klarem Ernste sieht der Soldat einer etwaigen kriegerischen Auseinandersetzung bei uns entgegen, mit jenem Ernste, der sich der Schwere der gestellten Ausgabe durchaus bewußt ist, der die Ueberzeugung gibt: mag die Aufgabe noch so schwer fein, sie wird zuletzt doch zum glücklichen Ende geführt. Es ist jene innige, stille und doch freudige Hingabe, die schon so manches Große in der Weltgeschichte zutage gefördert hat. Nicht jener Hurrapatriotismus, der alles gut und schön findet und der sich auf den Standpunkt stellt: Uns kann keiner! Es ist der, der da weiß, daß manches besser sein könnte, daß man bestrebt sein müßte, es zu bessern, daß aber die Grundlagen fest und gut und vielseitig erprobt sind, und daß auf diesen Grundlagen zu bauen leicht ist, wenn man seine Pflicht tut. Wird die Armee von dieser Ueberzeugung getragen, dann braucht uns vor der Zukunft licht bange zu sein, wenn auch die Nation als solche der Armee gibt, was ihr gehört, was sie verlangen kann und muß, und wenn die Nation als solche den Geist der Väter zu wahren versteht. Verstehen wir es aber, den Geist der Väter zu wahren, dann werden tets die Worte des Fürsten Bismarck ihren inneren Wert, ihre Bedeutung haben: „Wir Deutschen fürchten Gott, sonst niemand auf der Welt!" jBravo.' rechts.)