Vogesenengen zurückgedrangt worden. Ein mächtiges Bergmassw, die Hohe von La Rochette, benutzend, hatte er wieder Front gemacht und erwartete dort in einer trefflichen Stellung, unterstützt von Geschützen und Maschinengewehren, den blauen Feind, der genötigt war, seine Verfolgung nunmehr in einen Airgriff nm- zusetzen.
in dem Moment, als dies geschah, als sich die titelten Kolonnen zu schützen entwickelten, um den Weg nach Golgatha anzutreten, traf der Kaiser ein. Mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgte er frisch, elastisch und von seinem Korfuer Aufenthalt sichtlich erholt, die man- nigfachen kriegerischen Vorgänge. Sie hatten einen besonderen Reiz dadurch, daß der oberste Kriegsherr ebenso wie seine Offiziere zum erstenmal größere Truppen- mafsen in den Vogesen fechten sahen. Der Anblick der durch Stockwerksfeuer unterstützten, jäh die steilen Hänge Herabsturzenden und sie auf der anderen Seite wieder zah und unaufhaltsam erklimmenden Schützen zeugte von der Leistungsfähigkeit und dem ernsten Willen, der die deutsche Infanterie bei ihrem Angriff beseelt. Aber einen noch ungleich stärkeren Beweis von Mut und unerschrockener Hingabe lieferte ein Flieger, der, von der Rheinebene aufsteigend, durch Sturm und Regenböen Hindurch und manchmal von dichten, hängenden Wolken umschleiert, in kriegsmäßiger Höhe seine Erkundung durchführte.
Als er ihr Ergebnis in Gestalt einer Meldung ab- warf, löste dieser Vorgang auch bei den zahlreichen Zuschauern lebhaften und bewundernden Beifall aus. In ähnlicher Weise ward er einer Kavallerieattacke zuteil, die über Steinriegel und Steilabfälle hinweg den linken Flügel von Rot heftig bedrängte. Geradezu dramatisch aber gestaltete sich ein Gefechtsakt, der, den taktischen Vorschriften unserer westlichen Nachbarn ent- nommen, dem für Rot ungünstig verlaufenden Gefecht noch eine andere Wendung zu geben versuchte. Aus ihrer Mitte brachen in dem Sturm der Blauen hinein zwei geschlossene Kompagnien zu einem Retouroffensiv vor. Aber auch dieser vermochte Rot nicht mehr zu retten. Es flutete heftig verfolgt zurück, bis das Signal „Das Ganze Halt", von der kaiserlichen Fanfarentrompete gegeben, die Uebung abbrach.
Wenige Kilometer westlich freilich dauerte die Schlacht noch weiter. Dort übten just am gleichen Tag anderthalb französische Divisionen. Und diese Tatsache gab der eben vollendeten Gebirgsübung, der ersten in diesem Umfange in den Vogesen, ein Relief, das ihre Bedeutung zu einer ernsten kriegsmäßigen Vorbereitung steigerte.
Gericht und Recht«
Ein Steuerhinterziehungsprozetz. Die Fabrikanten- witwe Julius Steinbach aus Malmedy, jetzt.in Lüttich, der Kaufmann Hubert Lang aus Ostende, der Kaufmann Ludwig Steisel in Malmedy, der Rentner Ferdinand Beckmann in Ostenöe, sämtlich Beteiligte der Papierfabrik Steinbach u. Co. in Malmedy, wurden von der Cölner Strafkammer der Steuerhinterziehung aus Kapitalvermögen während der Jahre 1907 bis 1911 schuldig befunden und verurteilt: die Witwe Steinbach zu 45 000 X Lang zu 26 000 X Steife! zu 18 900 X Beckmann zu 29 875 X insgesamt 118 275 ./Z
Verurteilung eines Soldatenquälers. Das Kriegsgericht der 14. Divtsion in Düsseldorf verurteilte den Ulan Marschan vom 5. westfälischen Ulanen-Regiment in Düsseldorf zu vier Monaten Gefängnis. Marschan hatte gemeinsam mit dem Ulanen Struth, der sich inzwischen aus Furcht vor der zu erwartenden Strafe erschossen hat, nachts die Rekruten dreier Stuben aus dem Bette gejagt und sie durch Säbelhiebe und Fußtritte schwer mißhandelt.
Vermischtes.
Von den Verwandten aus Habsucht erschlagen. Im Dorfe Sielow bei Kottbus wurde Mitte vergangener Woche der 77jährige Eigentümer und Landwirt Stopper in seinem Anwesen ermordet aufgefunden. Dem Unglücklichen war mit einem Beil der Schädel durch mehrere wuchtige Schläge eingeschlagen worden. Selbst als sein Opfer bereits tot war, hat der Täter ihm noch mehrere Beilhiebe versetzt. Auf die Ergreifung des Mörders setzte der Regierungspräsident zu Frankfurt a. O. 500 Mark Belohnung aus. Bei ihren Ermittlungen stieß die Kriminalpolizei auf verschiedene merkwürdige Einzelheiten. Hatte man bisher angenommen, daß Hier ein von Landstreichern verübter Raubmord vorliege, so erkannte man nunmehr, daß der Mörder in den nächsten Familienkreisen des Ermordeten zu suchen sein müsse. Die weiteren Nachforschungen führten dann zu der Verhaftung des 8 Jahre alten Landwirts Friedrich Korreng, Sohn des Landwirts und Postagenten Korreng, eines StiefsoHnes des Ermordeten. Der Mörder ist somit ein Stiefenkel des Ermordeten. Bei seiner Verhaftung brach der Beschuldigte vollständig zusammen. An die Bahre des Ermordeten gführt, erschütterte ihn der Anblick der schändlich entstellten Leiche dermaßen, daß die Verhandlung unterbrochen werden mußte. Inzwischen gelang es auch, das Beil, mit dem der Mord verübt worden war, zu finden. Es gehört dem Verhafteten, und man fand daran noch Reste von abgewischtem Blut. Ein Lokaltermin brächte das von dem Untersuchungsrichter gehofste Ergebnis, daß ein zweiter naher Verwandter des Ermordeten und des Verhafteten ebenfalls sehr stark belastet ist. Das Motiv der Tat ist in Habsucht m. nutzen. Stopper hatte sich zur Ruhe gesetzt, aber seine Wirtschaft noch nccht gänzlich abgetreten, sondern sich vorbeHalten, selbst zu treffen. Der Verhafte einiger Zeit an den Ermordeten das Er- lEn Mellt, chn neben seinem Vater in der Wirtschaft Mzulassen und den beiden die Alleinverfügung über das übertragen. Da sich Stopper dagegen sträubte, wurde er, um das Hindernis auf diese Weise aus dem Wege zu räumen, ermordet.
Schreckenstat eines bedrängten Schuldners. Große Aufregung hat am Sonnabend unter den Stratzenpas- santen in Bordeaux die Schreckenstat eines bedrängten SHuldners hervorgerufen. Der 27jährige Handlungs- gehilfe Jean Lafonö, der infolge leichtsinnigen Lebens- wandels m Schulden geraten war, wurde von mehreren seiner Gläubiger auf der Straße zur Rede gestellt. Es kam zu einem lebhaften Wortwechsel, in dessen Verlauf Lafond plötzlich einen Revolver hervorzog und mehrere Schüsse auf seine Gläubiger abfeuerte. Zwei von ihnen wurden sofort getötet, drei lebensgefährlich verletzt. Lafond gelang es zu entkommen,- er stellte sich jedoch im Laufe des Tages freiwillig der Polizei. Ob Lafonö die Tat in einem Anfälle geistiger Umnachtung ausgeführt hat, dürfte die Untersuchung ergeben.
Ein neuer amerikanischer Eisenbahnkönig. Amerika hat einen neuen Eisenbahnkönig. Dieser vielbegehrte Posten war bekanntlich seit dem Tode Harrimans unbesetzt,- jetzt hat ihn der bekannte Milliardär Edward T. Stotesbury erhalten, der vor kurzem zum Präsidenten der Vereinigten Philadelphia-Reading-Eisenbahngesell- schaft ernannt worden ist. Stotesbury ist bekannt we-
Jahrert mit Frau Oliver Cromwell verheiratete, schenkte er seiner Braut Schmucksachen im Werte von mehr als 20 Millionen Mark. Darunter befand sich ein Perlen- Halsband, das allein einen Wert von 2 Millionen Mark -^stellt. In der bilderreichen Sprache der amerikani- wen Sensationspresse erzählte man sich damals Wun- derömge^von^der „Hochzeit der Königin von Saba und de^ Komgs satomv". Noch heute spricht man von den luxurwien Diners und den glänzenden Lustpartien.
Das neueste Wunder Nenyorks ist ein zwölfstöckiges Gebäude, das zu drei Vierteln aus Glas und zu einem aus Stahl besteht. Das Haus enthält keinerlei Fenster, denn diese würden nur Staub und Schmutz einlassen. Stattdessen wird durch große Luftschächte für genügende Ventilation gesorgt, und zwar wird die Luft zunächst durch eine Kammer geleitet, in der sie durch Wasserspritz- apparate von Staub und Unreinlichkeiten befreit wird. Die Heizung erfolgt natürlich durch Heißluft. Jufolge des hermetischen Abschlusses gegen die Außenwelt herrscht in dem Gebäude absolute Ruhe. Für die Anlage zur Bedienung der Ventilation, der Aufzüge usw. ist allein der Betrag von 1200 000 Mark ausgegeben worden. Der Gesalutpreis des Gebäudes stellt sich auf etwa sechs Millionen Mark. Auf dem Dache des Hauses das als Geschäftshaus gedacht ist, befinden sich Erholungsräume für die Angestellten.
Große Gaunerlrilke in Paris.
Für eine halbe Million gefälschte Postanweisungen.
Die Pariser Postverwaltung ist im letzten Monat auf eine unerhört raffinierte und geschickte Art um über 500 000 Frank geschädigt worden. Die Untersuchung darüber wird zwar ganz geheim geführt, doch ist der „Matin" in der Lage, einige sehr interessante Einzelheiten darüber zu bringen.
Danach ist es in den letzten drei Wochen einer Baude internationaler Hochstapler gelungen, in die Postsäcke über 2000 gefälschte Postanweisungen einzu- schmuggeln. Diese lauteten je auf 200 bis 300 Frank, überstiegen jedoch niemals den letzten Betrag, da die Betrüger offenbar wußten, daß die Anweisungen in diesem Falle von einem besonderen Benachrichtigungs- formular begleitet werden. Die Fälschungen sind mit unglaublicher Vollendung ausgeführt. Die Anweisungen stimmen bis in die kleinsten Kleinigkeiten mit den echten überein, soöaß auch nicht ein einziges Mal der Verdacht der Postbeamten wach wurde.
Die Fälscher hätten ihr Werk noch unbegrenzt lange Zeit fortsetzen können, wenn nicht alle 14 Tage eine allgemeine Kassenrevision stattfinden würde. Bei der letzten Revision entdeckte man nun, daß eine ganze Anzahl Anweisungen dieselben Stummem trugen, und daß sich überhaupt in den Kassenberichten der einzelnen Postämter unerklärliche Unregelmäßigkeiten fanden. Auf diese Weise kam man den Fälschungen auf die Spur. Offenbar wußten die Verbrecher genau von dieser Revision, denn seitdem ist keine einzige verdächtige Postanweisung mehr eingelaufen. Die Hoffnung, die Diebe zu fassen, ist daher gering.
Sie Erdbeben-Lakaflrophe aus Sizilien.
Die Nachrichten über die verhängnisvolle Naturkatastrophe, die am Freitag Sizilien heimgesucht hat, sind so widersprechend, die Angaben über die Zahl der Opfer so schwankend, daß man sich über den Umfang des Unglücks noch kein genaues Bild machen kann. Zie Zahl der Toten in der Provinz Catania beträgt nach römischen Blättermeldungen mehrere Hundert, die der Verwundeten soll tausend erreichen. Telegraphen- und Tele- phonmasten sind kilometerweit niedergelegt. Nach den bisher aus dem Erdbebengebiet vorliegenden authentischen Meldungen hat das Beben die Ortschaften Linera, Zerbati, Passapomo und Pennisi in Trümmerhaufen verwandelt. In den Ortschaften Santa Benerina, Santa Maria Ammalati, Guardia und Bongiardo ist großer Schaden angerichtet worden. Aus den Trümmern von Linera wurden 42 Leichen geborgen, die Zahl der noch Verschütteten wird aus 60 angegeben. Die Arbeiten zur Bergung der Toten aus den Trümmern werden fortgesetzt. Die Soldaten zeigen große Selbstverleugnung. Bisher sind sechzig Leichen geborgen worden, aber es wird als sicher angenommen, daß sich noch mehr unter den eingestürzten Häusern befinden. Die überlebende Bevölkerung ist ohne Obdach und Lebensmittel und drängt sich um die Feldküchen. Die Landbevölkerung kampiert in den Weinbergen.
Den letzten Meldungen des Maclanöer „Seccolo" zufolge hat man bis Sonnabend abend 10 Uhr im ganzen 80 Tote und 300 Verwundete unter den Trümmern der verschiedenen zerstörten Dörfer hervorgezogen. Die Sonderkorrespondeuzen der Zeitungen schildern die Lage als geradezu trostlos. Wie auch bei dem vor sechs Jahren erfolgten Erdbeben ist auch diesmal gerade die ärmere Bevölkerung am schwersten betroffen. Die Militärbehörden haben über 6000 Zelte in der Nähe der zerstörten Dörfer anfrichten lassen, wo die obdachlosen Familien bis auf weiteres ihre Unterkunft finden sollen. Furchtbare Szenen spielten M ab, als man in dem Dorfe Cafferana die Trümmer des schulgebaudes bec- seite räumte. Ueber 15 Leichen von Kindern wurden ausgegraben,- sechs von ihnen waren schrecklich verstümmelt.
Neue Erdstöße.
Rom, 11. Mai. Gestern abend fand in Randazzo stin Fuße des Aetna wieder ein starker Erdstoß statt, oer von unterirdischem Donner begleitet war. Die Bevölke- rung ist von neuer Panik erxaxst.
Schwere Zrandkalaslrophen.
Während eine dreihundert Personen starke Hoch- zeitsaesellschaft in Pudripp bei Dannenberg an der Elbe bei m^ Ab end essen saß, brach im Hause Feuer aus. Die brennende Decke stürzte auf die Hochzeitsgesellschaft herab Ein junger Mann von sechzehn Jahre und zwei Kinder, die nicht aus ihren Schlafstellen gerettet werden ““SÄÄ^ ™ äMitau tat eine ^itÄrnntt 90 Häuser, 75 Läden und 4 Synagogen verstört 200 Familien sind in Mitleidenschaft gezogen. Die Kirchen und größeren Steinhau,er sind verschont ^'Mieben Es ließt Brandstiftung vor. Der Täter ^•^^ hat ein Geständnis abgelegt.
Verschärfung Ser tage in Mexiko.
Ein Dekret Huertas.
Bräüdent Huerta hat ein Dekret folgenden Inhalts erlassen- Jeder Handelsverkehr mit der Union hört auf. Kein Schiff das unter der Unionsflagge fährt oder ame- rtfAMtfcher ^erfunft ist, darf in mexikanische Haxen ein- laufen.EDie aus den Vereinigten Staaten von Amerika kommenden Waren werden dem Gericht übergeben.
Amerikanische Mobilisation.
Neuyork, 11. Mai. In Galveston werden fieberhafte Vorbereitungen zu einem Transport von 50 000 mit Pferden, Ausrüstungsgegenstanden, Vorraten und
Munition in ungeheurer Menge getroffen. Die erfit Kostenrechnung des Feldzuges gegen Huerta ist dem Kongreß in Gestalt einer Nachtragsforderung zum Militäretat von 2 781 327 Dollars zugegangen, die im Re- präsentantenhause etngebracht worden war und um deren sofortige Bewilligung der Kongreß ersucht wird. — Nach einer gestern hier eingetroffenen Meldung haben die Aufständischen den allgemeinen Angriff auf Tampico öe» gönnen.
Sie Gemahlin des Reichskanzlers f.
Trauer ist bei dem Kanzler des Deutschen Reiches eingekehrt. Die Gemahlin des Herrn von Bethmann Hollweg ist in der Frühe des Montags von einem langer Leiden durch einen sanften Tod erlöst worden. Nach einer vorübergehenden Besserung, die dem Kanzler erlaubte, der Einladung des Kaisers nach Korfu Folge zu leisten, war im Befinden der Kranken in den letzten Tagen wiederum eine Verschlimmerung eingetreten. Nun ist unerwartet schnell der Tod gefolgt. Der Draht meldet uns:
«-$> Berlin, 11. Mai. Nach langer Krankheit ist die Gemahlin des Reichskanzlers Dr. v. Bechmann Hollweg heute früh verschieden.
Das Beileid des Reichstags.
o-* Berlin, 11. Mai. Zu Beginn der heutigen Sitzung des Reichstages richtete Präsident K ä m p f folgende Worte an das Haus, nachdem sich alle Teilnehmer von den Sitzen erhoben hatten: Der erste Beamte des Reiches, der Herr Reichskanzler, ist von einem schweren Verlust betroffen und in tiefes Herzeleid versetzt worden. Wir alle nehmeri herzlichen und innigen Anteil an diesem schweren Schicksalsschlag. Ich bitte um Ihre Ermächtigung, dem Herrn Reichskanzler die Teilnahme des Hauses zum Ausdruck bringen und namens des Reichstags am Sarge der Dahingeschiedenen einen Kranz niederlegen zu dürfen. Meine Herren I Sie haben sich zum Zeichen der Teilnahme erhoben. Ich stelle dies fest, sowie daß Sie mit meinem Vorschläge einverstanden sind.
Die letzten Kraukheitstage.
»-»- Berlin, 11. Mai. (B. Z.) Nachdem Frau von Bethmann Hollweg bereits während des Winters erkrankt war, trat kurz vor Ostern eine Verschlimmerung ein, die eine Verschiebung der Reise des Kanzlers nach Korfu nötig machte. Dann trat vorübergehend wieder eine Besserung ein, sodaß Herr von Bethmann der Einladung des Kaisers nach Korfu Folge leisten konnte. Inzwischen schritt das Leiden aber fort und in voriger Woche mußte durch eine ärztliche Autorität ein operativer Eingriff ausgeführt werden, der aber keine Rettung mehr brächte. In der letzten Nacht kurz nach 2 Uhr ist Frau von Bethinaun Hollweg durch einen sanften Tod im Alter von 49 Jahren von ihrem schweren Leiden erlöst worden. Die Beerdigung findet am Donnerstag auf dem Familieugute in Hohenfinvw statt. Zuvor wird in Berlin eine Tranerfeier abgehalten werden.
Beileidstelegramme -es Kaiserpaares.
^ Berlin, 11. Mai. (L.-A.) Im Reichskanzler- palais liefen schon seit dem frühen Morgen unzählige Betleidstelegrainme ein. Der Kaiser und die Kaiserin, das Kronprinzenpaar und die übrigen Prinzen kondolierten. Es fanden sich ferner die Herren im Reichs- kanzlerpalais ein, die mit dem Kanzler in persörikicher Verbindung stehen, um ihre Teilnahme auszudrücken. Außerdem zeichneten sich sehr viele Kondolenzbesucher in die ausgelegten Listen ein, als erster der Präsident des preußischen Herrenhauses, Graf von Wedel-Piesdorf.
» Oeueites vom tage.
Nach einem Streite erstochen.
^ Eisenach, n. Mai. Im benachbarten Wutha Seriet in letzter Nacht der Dienstknecht des Brotkopfschen
Mtes in Burbach mit dem Dienstknecht Rudolf eines Nachbargutes in Streit. Auf dem Heimwege setzte sich der Streit fort, in dessen Verlaufe der Knecht den Rudolf erstach. Die Leiche wurde bald nach der Tat gefunden. Der Mörder wurde verhaftet. Der Erstochene hinterläßt eine Frau und vier kleine Kinder.
Eine Reise -er „Vaterland".
»e* Enxhaven, 11. Mai. Gestern abend ist der neue Riesendampfer „Vaterland" mit etwa 120 Gästen der Hamburg-Amerika-Linie an Bord in See gegangen. Als Vertreter des Königs von Bayern, der die Patenstelle für das neue Schiff überuommen hatte, nimmt Prinz Franz von Bayern an der Fahrt teil.
Ein Rivale Thormanns.
»->- Düsseldorf, 11. Mai. Die hiesige Polizei verhaftete gestern einen Kaufmarrn namens Bernhard Eisenhut aus Nürnberg. Er hatte sich auf Grund gefälschter Papiere und Zeugnisse unter mißbräuchlicher Benutzung von amtlichen Siegeln die mit 3900 Mark ausgeschriebene Stelle als kaufmännischer Leiter des Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerkes in Kissingen verschafft. Nachdem er etwa % Jahr die Stelle inne hatte, kam man hinter fein Treiben. Er wurde flüchtig und wandte sich nach Düsseldorf, wo er gestern auf dem Hauptpostamt, als er postlagernde (Sendungen in Empfang nehmen wollte, verhaftet wurde.
Pockenerkrankttnge» in Westfalen.
9-^ Greven, i. W., 11. Mac. Gestern sind hier die Pocken ausgebrvchen. 7 Personen, darunter ein Arzt, find erkrankt. Die Kranken find alle isoliert.
Winter in der Schweiz.
w> Frankfurt a. M., 11. Mai. Der „Fkf. Z." wird aus St. Gallen gemeldet: In der Ostschweiz liegt tief herab Neuschnee,- noch schlimmer ist es in der Westschweiz, wo der Kanton Freiburg in eine vollständige Winterland- schaft verwandelt ist. An Bäumen, Gärten und Saaten hat der Wettersturz großen Schaden angerichtet. Der Schnee reicht beinahe bis zum Genfer See..
Tödliches Unglück auf einer Rennbahn.
^ Mailand, 11. Mai. Ein schrecklicher Unfall ereignete sich gestern nachmittag auf der hiesigen Radrennbahn während eirres Rennens mit Schrittmachern. Die Rennfahrer Quesse, Bellorini und Maffeis waren iw Begriff, ein über 30 Runden führendes Rennen aus- zutragen, als in der achten Runde Bellorini Quesse überrunden wollte und dabei gegen die Zuschauerbarriere fuhr, die völlig eingedrückt wurde. Einem Zuschauer wurde das Bein zerschmettert. Der Fahrer stürzte in den Jnnenraum ab, wobei er unglücklicherweise Maffeis, der gerade vorbeifuhr, mit umriß. Dieser erlitt einen schweren Schädelbruch und starb bald darauf, während Bellorini auf dem Wege nach dem Krankenhause seinen Verletzungen erlag.
Ein Konsul im Zuge ermordet und beranbt.
oe* Tnnis, 11. Mai. Bei einer Revision des Zuges fand man in einem Abteil 1. Klasse einen blutbesuoelten Ueberzieher und einen Stock. In dem Ueberzieher fand man Papiere ,die auf den russischen und norwegischen Konsul Batt lauteten. Etwa 25 Kilometer von Bisserton fand man auf offener Strecke den Konsul mit einem Revolverschuß unterhalb der linken Schläfe tot auf. ES scheint Raubmord vorzuliegen, da das Gepäck des Konsuls verschwunden ist. In dem Abteil hatte sich kurz vorher ein etwa 2Sjähriger Mann befunden, der ebenfalls verschwunden ist.