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Trinkspciiche in Sraünschweig.

Der Kaiser an seinen Schwiegersohn.

Aus Anlaß der Taufe des Erbprinzen fand am Sonnabend im großen Saale des Braunschweiger Resi­denzschlosses eine Galatafel statt, Bei welcher der Her­zog und der Kaiser Trinksprüche ausbrachten. Herzog Ernst August sagte u. a.: Die Feier der Taufe Un­seres Erstgeborenen erhält ihre besondere Weihe durch die Teilnahme der Gevattern des Erbprinzen, die per- sönlich oder in Vertretung hier zu begrüßen Uns zur hol en Freude gereicht. Wir danken von Herzen Eueren Majestäten für die Uebernahme der Patenschaft und für die Uns hochbeglückende persönliche Teilnahme an die­sem Freudentage, die zugleich den so sehr herbeige­wünschten erstmaligen gnädigen Besuch Eurer Majestät an Meinem Hofe in sich schließt. Liebe und Fürsorge ist seitens der Erlauchten Großeltern Unserem Kinde vom ersten Tage seines Daseins an in herzerquickender Weise zuteil geworden. Mögen dem Erbprinzen diese Liebe und Fürsorge, verstärkt durch die nahen Beziehungen an der Patenschaft alle Zeit erhalten bleiben! Möge es Uns gelingen, mit Gottes Hilfe und unter dem Beistand der < Gevattern Unseren Sohn auf christlicher Grundlage zu einem guten und tüchtigen Menschen zu erziehen, auf daß er dermaleinst unter den Gliedern des Reiches sich als ein echter deutscher Fürst bewähre. Möge anderer­seits durch Gottes Gnade den Gevattern selbst eine ge­segnete Zukunft beschieöen sein.

Der Trinkspruch des Kaisers hatte folgenden Wortlaut: „Durchlauchtigster Herzog! Vielgeliebter Schwiegersohn! Mit inniger Herzens­freude bin ich mit Ihrer Majestät der Kaiserin und Kö­nigin der freundlichen Einladung Euerer Königlichen Hoheit zur heutigen bedeutungsvollen Feier dieses her­zoglichen Hauses gefolgt. Nicht nur, um Zeuge des jun­gen, ehelichen Glückes Unserer geliebten Tochter zu sein, sondern zugleich, um an geweihter Stätte die ernsten Pflichten eines Taufpaten des neugeborenen Kindes zu übernehmen. Ich darf wohl im Namen der sämtlichen durchlauchtigsten Taufpaten des Täuflings Euerer Kö­niglichen Hoheit Unseren tiefgefühltesten Dank aus­sprechen. Gott der Herr hat Euere Königliche Hoheit reich gesegnet, indem er dem Hause Braunschweig-Lüne- burg und dem schönen Braunschweigischen Lande einen Thronerben bescherte. Die treuen Wünsche und Gebete der Eltern und Großeltern, wie des Braunschweigischen Volkes sind glücklich in Erfüllung gegangen. Gottes Güte wird in treuer Elternliebe und Fürsorge der Er­ziehung des Erstgeborenen Sohnes seinen Beistand leihen und ihn heranwachsen lassen 31t einem tüchtigen, charaktervollen Mann zur Freude seiner Eltern und Großeltern und des ganzen Landes. Möge der junge Erbprinz, wenn ihm dereinst die Bürde der herzoglichen Krone auferlegt wird, sein größtes Glück und seine höchste Befriedigung darin finden, für das Wohl seines angestammten Braunschweiger Landes alle Kräfte einzu- setzen, im Rate der deutschen Fürsten zu wirken für die Größe und Macht des deutschen Vaterlandes als eine feste Stütze unseres protestantischen Glaubens! Ich for­dere Sie auf, mit Mir die Gläser zu erheben und auf das Wohl des jungen Erbprinzen von Braunschweig Ernst August und seiner erlauchten Eltern zu trinken.

Der feierliche Taufakt

fand im alten Dome der Burg Dankwarderode statt, wo­hin sich die Fürstlichkeiten in Prunkkarossen begeben hatten. Die Kaiserin trug eine silbergraue Schlepprobe. Die Herzogin ging in weiß. Der Kaiser hatte die Uni­form seines Leibhufaren-Regiments angelegt, der Her­zog die der Braunschweiger Husaren. Vor dem Altar nahmen der Kaiser, die Kaiserin, die Herzogin, der Her­zog und die Herzogin-Mutter Platz. Die Geistlichkeit der Stadt Braunschweig stand am Altar. Die Fürstlich­keiten nahmen aus der einige Stufen tieferen Estrade Platz, mit ihnen die Vertreter der abwesenden Tauf­paten. Die Gemeinde sang „Liebster Jesu, wir sind hier". Dann hielt Hof- und Domprediger D. v. Schwartz die Taufrede über die Worte aus dem 1. Buch Mosis: „Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein." Der Domchor trug das Lieblingslied der Herzogin vor „Der Herr ist mein getreuer Hirt". Es folgte der T a u f a k t. Die Taufpaten traten heran. Nach dem Gebet des Geist­lichen und dem „Ja" der Paten taufte der Geistliche den Erbprinzen auf die Namen E r n st A u g u st W i l h e l m Christian Ludwig Franz Josef Nikolaus. Während des Taufaktes hielt die Herzogin-Mutter den Erbprinzen. Nun sang die Gemeinde „Hirte, nimm Dein Schttflein an". Der Geistliche segnete Täufling und Mutter ein, während der Donner des Artillerie­saluts von fern her bis in die Kirchenhallen drang und der Chorgesang „Sollt' ich meinem Gott nicht singen?" einsetzte. — Der Täufling wurde von der Oberhofmei­sterin aus dem Dom nach der Burg getragen. Die Fürstlichkeiten folgten unter Orgelklang. Nach der Taufe

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Die Zigeunerin nein Libsee.

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Roman von Paul B e y e.

(Nachdruck verboten.)

Es war schon Ende Mai, als der Sollerer-Franzl wieder einmal einen Reviergaug an den Steinhängen der Zugspitze gegen den Eibsee machte. Jetzt schien blen- dend die Sonne, dann flogen zerrissene, dunkle Wolken

hm- plötzlich erhob sich ein kalter Wind und segte dre Felstrummer. Manche Stellen waren noch so vereist, daß sie nur mit äußerster Vorsicht zu begehen waren. Bon den Steilhangen donnerten die durch die steigende Wärme gelösten Lawinen.

noch ganz winterlichen Mühe hatte er sich über starren­des Fallholz, Schneeslecke, Gesteinstrümmer und Hart- gefrorene, ungemein schwer zu steigende Grashalden Heraufgearbeitet. Der Gebirgswald macht schon in der guten Jahreszeit einen wilden Eindruck wie v >r tärkt sich das erst im Frühling und Winter' Vom Sturmwind Äc'r'Ä

seinen tieferen Stel­len mit Eis und Schnee gefüllt. Das

schmutzige, graubraune Färbung, das Gras der Salden

AMI) das Grün der dichten und Tannen sim tiefer und stumpfer, als es im Sommer war

In solcher Umgebung strebt der Jäger mit aller Kraft aufwärts. Manchmal muß er sich vor dem Sturm-

Händen am Gestein halten, damit er nicht in den Abgrund gerissen wird.

Er steigt so hoch, weil er vermutet daß sich das Gemswild auf den bereits lebendig gewordenen Grasl bändern eingestellt hat wo die feün

schon unter der Schneedecke zu wuchern und zu wachsen beginnen.

nahmen der Herzog und die Herzogin in der Burg Dank- waröeroöe die Glückwünsche der Fürstlichkeiten und da­nach diejenigen des diplomatischen Korps entgegen. Hieran schloß sich eine Gratulationscour.

Den Schluß des Festtages

bildete ein Fackelzug mit Sereuaöe. Etwa 2000 Sänger und 4000 Fackelträger bewegten sich in langem Zuge nach dem Schloßplätze, wo sie Aufstellung nahmen. Nach­dem das erste Lied verklungen, erschienen die Fürstlich­keiten aus dem Balkon des Schlosses und hörten den Vortrag des Niederländischen Dankgebetes. Eine ge­waltige Menschenmenge wohnte der Veranstaltung bei und brächte den Fürstlichkeiten lebhafte Huldigungen dar.

Abreise des Kaiserpaares.

Der Kaiser und die Kaiserin, das Prinzenpaar Au­gust Wilhelm, Prinz Oskar und Prinz Waldemar haben Sonntag abend nach herzlicher Verabschiedung vorn Her- zogspaar Braunschweig verlassen. Die Kaiserin begab sich um 10 Uhr nach Station Wildpark, während der Kaiser um 10 Uhr 10 Min. nach Metz abreiste.

Politische Rundschau,

Ueber ein Kompromiß zur Besoldungsvorlage haben laut einer parlamentarischen Korrespondenz zwischen dem Reichsschatzamt und den Fraktionen des Reichstages Besprechungen stattgefunden, die bis jetzt zwar ein Re­sultat noch nicht gezeitigt haben, doch aber die Hoffnung erwecken, daß es bald zu einer Einigung kommen wird, wenn die Regierung kleine Zugeständnisse macht. Ueber die Art dieser Zugeständnisse herrscht freilich noch völlige Unsicherheit.

Bevorstehende Reichstagsuachwahl i« Koburg. Da­durch, daß der nationalliberale Abgeordnete für Koburg, Dr. Quarck (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen sozialdemokratischen Vertreter von Frankfurt a. M.) die Chefstelle der koburgischen Ministerialabteilung im Ko- burg-Gothaischen Ministerium angenommen hat, wird eine Nachwahl zum Reichstag im Wahlkreis Koburg nö­tig. 1912 entriß Dr. Quarck in der Stichwahl mit 7960 Stimmen das Mandat dem bisherigen Vertreter, dem inzwischen verstorbenen Sozialdemokraten Zietsch-Char- lottenbnrg, vor dem es der ältere Quarck, Vater des nun­mehrigen Ministerialchefs, innehatte.

Die Duala-Enteignung genehmigt. Die Budgetkom­mission des Reichstags, die am Sonnabend vor Beginn der Plenarsitzung zusammentrat, hat mit allen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten die vielumstrittene Ent­eignung der Duala genehmigt — ein Beschluß, der zwei­felsohne die Zustimmung des Plenums smden wird.

Der beendigte Konflikt an der Berliner Hochschule. Das Einvernehmen zwischen den Dozenten der Berliner Handelshochschule und den Weitesten der Kaufmannschaft ist erzielt. In einer Erklärung, die vom Sekretariat der Handelshochschule ausgeht, wird gesagt, daß die Lehr- freiheit in Zukunft auch rechtlich gesichert sein wird, daß die hauptamtlichen Dozenten nur noch lebenslänglich an­gestellt werden und daß bei ihrer Berufung das Dozen­tenkollegium gehört werden wird, wie die Fakultäten an den Universitäten. Professor Jastrow beharrt auf seinem Austrittsbeschluß.

Das dänische Königspaar in London. Das dänische Königspaar traf Sonnabend nachmittag in London ein und wurde am Bahnhof von der gesamten englischen Königsfamilie erwartet. Zum Empfange hatten sich au­ßerdem zahlreiche Mitglieder der dänischen Kolonie ein­gefunden. Der Empfang der Herrscher war äußerst herz­lich. Vom Bahnhöfe begaben sich die Herrschaften in offenen Wagen iiach dem Buckingham-Palast, wo abends ein Galadiner stattfand.

Deutsche Trompeten für das französische Heer. Wie aus Paris gemeldet wird, teilt das dortige „Journal" mit, daß dem französischen Kriegsministerrum ungefähr 50 Trompeten des deutschen Heeres geschenkt worden seien. Diese Trompeten sollen dazu verwendet werden, um die französischen Truppen mit den deutschen Trom- petensignalen bekannt zu machen, besonders mit den im Felde gebräuchlichen. Das Blatt macht darauf aufmerk­sam, wie wichtig es für ein Heer sei, schon in Friedens­zeiten die Signale des Feindes kennen zu lernen und in jedem Regiment einige Leute zu besitzen, deren Ohren an die Trompetensignale des Feindes gewöhnt sind. Wer der „Spender" dieser 50 Trompeten ist, sagt das Pariser Blatt nicht.

Unterdrückte Unruhen auf den Salomonsinseln. Mit Hilfe einer Landungsabteilung des deutschen Stations­schisfes sind Eingeborenen-Uuruhen auf den Salomons­inseln unterdrückt worden. Wie der Franks. Ztg. aus Sidney gemeldet wird, ist eine Abteilung Matrosen vom deutschen Kanonenboot „Cormoran" in Bougainville auf den Salomonsinseln gelandet worden, die in zweitägigen Kämpfen mit den Eingeborenen siebzehn von ihnen er-

Aber von den Steinhängen stürzen auch die Lawi­nen, streifen die Grasbänder und nehmen mit, was sich darauf befindet. Es gilt, die Tiere von solch gefährdeten Stellen zu vertreiben.

Gerade vor ihm, auf einem ganz schmalen Gras­band, bemerkt der Jäger ein starkes Rudel Gemswild. Ein unmutiger Laut entfuhr ihm, denn die Tiere waren hoch über ihm, und auch ganz unterm Winde. Er mußte sie von oben eingehen, und das gab ein hartes Stück Arbeit. Während er noch das Glas an den Augen hatte, konnte er sehen, daß die Gemsen flüchtig wurden, die Wand herabsprangen und in einem tiefeingeschnittenen Graben verschwanden. Des Franzls Augen begannen zu blitzen. In demselben Augenblick war es für ihn zur Gewißheit geworden, daß sich vor dem Winde noch ein anderer Mensch um die Wege befand. Das konnte dann nur ein Wildschütz fein; denn ein anderer Jäger hatte in diesem Reviere nichts zu schaffen. Mit doppel­ter Genauigkeit suchte er jeden Punkt der Umgebung ab. Endlich entdeckte er im Felsengewirr einen braun­schwarzen Punkt, der in die Umgebung nicht hinein- patzte. Jetzt schien sich dieser Punkt auch ein wenig zu bewegen! Kein Zweifel, dort saß ein Mensch in hocken­der Stellung.

Langsam und geräuschlos zog sich der Jäger, ge­deckt vom Gestein, gegen einen tiefen Graben zurück, in dem er, mit unsagbarer Mühe weiterkletternd, zehnmal mindestens auf diesem kurzen Wege vom Tode bedroht war. Er tat es, um weiter unten ungesehen in die Nähe des Wilderers — es konnte nur ein solcher sein — zu gelangen.

War es möglich, auf diesen anzuschlagen, bevor er die Hände frei bekam, dann gehörte der Mann ihm. Ge­lang es nicht, wurde der Wildschütze seiner früher an- nchtig, dann konnte es kommen, wie es in diesen yer= gen der Brauch ist: „Aug' um Aug', Zahn um Zahn!"

Das alles wirbelte im Zeitraum einer Sekunde

schössen und zehn verwundet hat. Der Anlaß der Straf, expedition ist bisher noch nicht festgestellt. Von den Ma­trosen wurde kein Mann verwundet.

Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten. Nach einer soeben veröffentlichten amtlichen Statistik beträgt die Bevölkerungsziffer der Vereinigten Staaten auf dem amerikanischen Kontinent allein 98 Millionen.

Kleine nachrlchfe»

Exkönig Manuel dementiert die Ehescheidttttgsge- rüchte. Exkönig Manuel von Portugal hat die Gerüchte von einer bevorstehenden Ehescheidung zwischen ihm und seiner Gattin ganz energisch dementiert. Allerdings wird der Fürst von Hohenzollern nächsten Donnerstag in Twickenham erwartet; er wird aber nicht in Beglei­tung seiner Tochter, sondern allein nach Sigmaringen zurückkehren. Im Monat August wird Exkönig Manuel und seine Gattin ebenfalls einige Wochen in Sigmarin­gen verbringen.

Eine Bereinigung der deutschen Privatbankfirmen. In der am Sonntag im Anwaltshaus zu Berlin abge­haltenen Versammlung, welche zum Zweck der Grün­dung einer Vereinigung deutscher Privatbankfirmen ein- berufen war, waren weit über hundert Privatbankiers aus allen Teilen Deutschlands vertreten. Es wurde unter allgemeiner Zustimmung die Gründung einer Ver­einigung deutscher Privatbankfirmen beschlossen.

Schweres Unglück in einer schlesische« Grube. Auf dem Bögeschacht der konsolidierten Vereins-Glückgrube bei Lauban sind in der Kohlengewinnung infolge plötz­lich niedergegangener Erdmassen Sonnabend abend ge­gen 10 Uhr ein Aufseher und drei Mann tödlich verun­glückt. Eine Leiche konnte bereits geborgen werden; nach den übrigen drei Verschütteten wird gesucht.

Ernst von Schuch t. Der Generalmusikdirektor am Königlichen Hoftheater in Dresden Geheimrat Ernst Ed­ler v. Schuch ist Sonntag abend um 6^ Uhr im Alter von 67 Jahren an Lungenentzündung gestorben.

Wettersturz in Frankreich. Dem äußerst warmen Aprilwetter ist seit Beginn des Monats Mai in ganz Frankreich ein fühlbarer Wettersturz gefolgt. Das Ther­mometer sauk am Sonnabend in verschiedenen Gegenden aus beinahe 0 Grad. Aus einigen Orten wird sogar heftige Kälte und starker Schneesall gemeldet, der den ganzen Tag anhielt.

Aufregende Szene im Gerichtssaal. Als der Zuhäl­ter Schoelzke von der Strafkammer in Halle a. S. zu einem Jahr Gefängnis verurteilt war und nach Ver­kündigung des Urteils abgeführt werden sollte, stürzte er sich durch das Fenster des Sitzungssaales in den Hof, wo er lebensgefährlich verletzt liegen blieb.

Verzweifelte Tat eines Ehepaares. Der Kaufmann Max Schenk in Dresden und feine Frau wurden am Sonnabend mit durchschnittener Kehle in ihrer Wohnung aufaefuuden. Es liegt wahrscheinlich Doppelselbstmord vor. Die Gründe wurden noch nicht sestgestellt.

Bäderfreqneuz. Baden-Baden 15 899; Badenweiler 968; Davos 13 077; Franzensbad 363; Herrenalb 422; Homburg 1613; Karlsbad 4981; Kissingen 3001; König­stein 2268; Kreuznach 1038; Marienbad 537> Nauheim 4893; Neuenahr 1692; Salzschlirf 323; Soden (Taunus) 649; St. Blasien 1067: Wildbad 1013.

Aus Gram über den Tod ihrer Schwester, mit der sie jahrzehntelang zusammengelebt, hat Sonnabend nach­mittag in ihrer Wohnung in der Kieler Straße zu Ber­lin die 66 Jahre alte Lehrerin Fräulein Minna Spanger Selbstmord begangen. Man fand die ältere Schwester, das 78jährige Fräulein Antonie Spanger, tot im Bett, die jüngere Schwester an der Tür des Zimmers erhängt auf. Auf dem Tische lag ein Zettel mit der letzten Bitte um ein gemeinsames Grab. -—-—.•

Münchener Appetit. Der Münchener Maibock bat acht Tage gedauert. Im Hofbräuhaus allein wurden bei einem täglichen Gesamtverkehr von 12 000 Personen 150 Hektoliter Bock- und 150 Hektoliter gewöhnliches Bier im Tag ausgeschenkt. Das macht 240 000 Liter in acht Tagen. Zwanzig Kälber und vier Schweine wurden ge­schlachtet und 36 000 Würste, 180 Spietzbrathühner und 500 Rettiche täglich verzehrt.

Gebirgsiibmg eines Grenzkorps.

Die Vogefen-Kaiferübnng.

Während bisher der Kaiser bei seinem alljährlichen Besuch in den Reichslanden sein 15. Armenekorps in Gestalt eines Vorbeimarsches vor dem Straßburger Pa­lais zu besichtigten pflegte, wurde es ihm in diesem Jahre zum ersten Male von seinem Kommandierenden General von Deimling in einer großen Gebirgsübung kriegsmäßig vorgeführt. Die Lage, auf der sich die Uebung aufbaute, konnte den ersten Tagen eines zu­künftigen Feldzuges entnommen sein. Ein roter Gegner hatte, von Westen kommend, das Gebirge überschritten, war aber beim Heraustreten aus ihm in der Gegend von Colmar geschlagen und wieder in die

durch des Jägers Kopf, aber er zauderte nicht; denn einen „Lumpen" dingfest zu machen, ist seine Pflicht.

Näher und näher, über Schneehalöen und Stein­trümmer, immer scharf eingeöeckt, kriecht der Franzl mit gespannter Büchse heran. Manchmal hält er, schaut und horcht. Er hört und sieht nichts, also befindet sich der Wildschütze noch aus seinem Platz.

Endlich konnte er kaum mehr als dreißig Schritte von diesem entfernt sein. Oben am Graben, durch den der ©ollerer herauf mußte, faß er. Leise schlich und kroch der Jäger heran, die Büchse schußbereit haltend. Jetzt konnte er nicht mehr weiter; wenn er sich erhob, mußte er seinen Mann sehen. Sein Hütl auf den Boden le­gend, das Gewehr im Anschlag, richtete er sich auf, um — nach sekundelangem Erstaunen — in ein Gelächter der Enttäuschung auszubrechen; denn vor ihm, den Blick fest auf seinen auftauchenden Kopf gerichtet, faß, das Haupt mit einem Jägerhut bedeckt, in einen Loöennmn- tel gewickelt — Maruschka, die Zigeunerin.

„Da hätt' ich mich nicht so zu plagen brauchen!" rief Franzl im Unmute der Enttäuschung aus.

Er hatte sich im Geiste bereits vorgestellt, wie er den Wilderer überraschen, gefangennehmen und dann nach Garmisch transportieren werde. Und jetzt ent­puppt sich der Wildschütz als ein junges, schönes Mäd­chen, das freundlich zu ihm hinuntersieht.

„Türken Saxen!" fluchte der Jäger und setzte die Hähne seiner Büchse in Ruhe. „Wie kommst denn Du in die Wildnis, Maruschka? Bei solchem Wetter und gerade da, wo die Lawinen heruntergehen?"

Das Mädchen warf einen prüfenden Blick um sich.

„Die Lawinen? Auf Dich habe ich gewartet. Steig- vollends herauf, und wenn Du willst, so setze Dich neben mich."

„Wie kannst Du wissen, daß ich daher kommen werde? Und was soll das überhaupt heißen?"

(Fortsetzung folgt.).