Hersfelder Tageblatt
Amtlicher Anzeiger
Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
Serslelher
für den Kreis Hersfeld
Willst
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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. »1«. Dienstag, den 12. Mai 1914.
Bus der Heimat«
Das 25jahrige Jubiläum des Landesvereins für Innere Mission.
Am 14. Juni wird der Landesverein für J. M., der es sich zur Aufgabe gemacht hat, nicht nur die bestehenden Einrichtungen der Inneren Mission zu fördern, sondern auch da, wo es erforderlich ist, neue Arbeiten ins Leben zu rufen, sein 25jähriges Jubiläum feiern. Unter dem Vorsitz des Generalsuperindenten Lohr wurde nach Vorträgen und Vorschlägen des Herrn Pfarrer D. Sardemann und des Geheimen Justizrates Büff im Sitzungssaale des Konsistoriums am 14. Juni des Jahres 1899 der Landesverein für Innere Mission gegründet. Auf seine Anregung hin wurde im Jahre 1890 die Fürsorge für die Schwachsinnigen ins Auge gefaßt und nach vielen Verhandlungen und Beratungen im Jahre 1898 die Anstalt Hephata ins Leben gerufen, die jetzt 370 schwachsinnige Kinder, darunter 70 beschästigungs- und bildungsunfähige beherbergt. Außerdem werden jetzt in Hephata 109 Knaben im Rettungshause erzogen und 91 Brüder, die dort ausgebildet sind, stehen als Stadtmisstonare, Gemeindehelfer, Jugendpfleger, Hausväter, Krankenwärter u. dergl. in Arbeit. Im gleichen Jahre wurde auch die Fürsorge für Siechen in Angriff genommen und unter Mitwirkung des Landesvereins das hessische Siechenhaus in Hofgeismar am Gesundbrunnen begründet, in dem jetzt 270 sieche Männer und Frauen verpflegt werden. Auf Betrelben des Generalsuperintendenten Lohr ist auch das Beiserhaus zu Rengs- hausendie älteste Rettungsanstalt unseresHessenlandes, im Jahre 1904 der inneren Mission und der Landeskirche zurückgegeben worden.
Seit dem Bestehen des Landesvereins sind von ihm 70Anstaltenmit45 000 Mk., 97 DiakonissenundKrankcn- Pflegestationen zu ihren ersten Einrichtungen oder Erweiterungen mit 21000 Mk., 80 Gemeinde- und Vereinshäuser mit 55 730 Mk., 62 christliche Vereine mit 6940 Mark, 54 Kleinkinderschulen mit 6500 Mk., 22 Posaunenchöre mit 1500 Mk. unterstützt worden.
Es gibt nur wenige Arbeiten der Inneren Mission, die nicht in irgend einer Weise die Hülfe und Unterstützung des Landesvereins erfahren haben. Durch Predigtreisen, durch Vorträge hat er die Liebe zur Inneren Mission gepflegt. Pfarrer Armbröster wird anläßlich des Jubiläums eine Festschrift herausgeben und Pfarrer Lic. Francke wird in Anlehnung an sein Werk „Die christliche Liebestätigkeit in Kurhessen" eine Weiterführung und eine Uebersicht über den gegenwärtigen Stand der Inneren Mission in Hessen bieten. Das Fest dürfte wohl Gelegenheit bieten in Kirche und Schule der Arbeit der Inneren Mission, die so bedeutungsvoll für unser Volk geworden ist am 14. u. 15. Juni zu gedenken.
* «Schnellere Abfertigung des R e i s e - gepäcks.) Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat folgenden Erlaß an die Eisenbahndirektionen erlassen: „Bei den Beratungen der Budgetkommission des Hauses der Abgeordneten ist von neuem über die Langsamkeit bei der Abfertigung des Reisegepäcks geklagt worden. Insbesondere ist zur Sprache gekommen, daß auf manchen Bahnhöfen anscheinend noch an veralteten Gewohnheiten festgehalten werde, die das Absertigungsgeschäft unnütz beeinträchtigen. Die königlWen Eisenbahndirektionen wollen dauernd ^"^chöruck auf tunlichste Beschleunigung ^dibkerttgung des Reisegepäcks hinwirken und ins- re darauf halten, daß Gepäckstücke im Gewicht R-0 Kilogramm entsprechend den allgemeinen Ab- ertrgungsvorichrlften nicht erst vermögen, sondern ohne große Aengstlichkeit abgeschätzt werden sowie, daß das vereinfachte Gepäckabfertigungsverfahren richtig, oas heißt, ohne Jnan,pruchnahme des Schalterbeamten, angewendet wird." Ein zweiter Erlaß des Ministers lautet: „Ein praktischer Fall gibt mir Anlaß, darauf hinzuwenen, dan bei dem Abschluß von Geschäften, die auf dem eigentlichsten Gebiet des kaufmännischen Handels liegen, insbesondere also beim Groß-Ein- und -Verkauf von Materialien auch seitens der Eisen- bahnbehörden tunlichst die Formen und Fristen des kaufmännischen Verkehrs innezuhalten sind."
. ^"stungen, 9. Mai. Die Thüringer Kleinbahn- gewllichaft strebt den Bau einer Eisenbahn von Geritungen nach Sontra über Richelsdors an. Es ichweben bereits Verhandlungen mit den beteiligten Oemelnden. Die Bahn findet in Gerstungen Anschluß an die Hauptstrecke Bebra-Eisenach-Berlin.
Gaffel, 11. Mai. In Gegenwart einer nach Zausenden zählenden Menschenmenge und unter den ^.EllkN der Husarenkapelle, leider etwas beein- krachtlgt durch die Witterung, ging heute kurz nach Alltag der Aufstieg von vier Ballons zur Ballon
fuchsjagd auf dem Forst vor sich. Als erster erhob sich um 12 Uhr 47 Min., durch ein breites rotes Band um den Aequator der gelben Riesenkugel als Fuchs gekennzeichnet, der von Oberleutnant Kalbfuß geführte Ballon Kassel und flog ziemlich niedrig in ostnordöstlicher Richtung davon. Nach fünf Minuten stieg als erster Verfolger der Ballon Elmendorf (Führer Eimermacher aus Münster), gleich darauf, um 12 Uhr 53 Min. der Ballon Koblenz (Führer Hauptmann Schüler). Der Aufstieg des Ballons Wettin wurde durch das Eintreten einer Regenbö bis 1 Uhr 14 Min. verzögert. Die Verfolgerballons flogen, nachdem absteigende Luftströmungen sie zuerst wieder zur Erde gedrückt hatten, wobei ein Ballon scharf auf die Söhrebahn zufuhr und zwei Telegraphen- drühte zerriß, in östlicher Richtung davon und verschwanden bald hinter den Wolken. Abends lief von Hauptmann Schüler aus Groß-Rudestedt (Zwischen Sömmerda und Erfurt) ein Telegramm ein, wonach sein Ballon nach herrlicher Fahrt dortselbst um 5 Uhr nachmittags glatt gelandet sei.
Hattendorf bei Alsfeld, 7. Mai. Der sechs Jahre alte Sohn des Landwirtes Stumpf von hier hatte eine Patrone erwischt, die mit Rehposten gefüllt war. Er versuchte, mit einem Hammer die Patrone zu zerschlagen ; dabei explodierte dieselbe und riß dem Jungen vier Finger der linken Hand vollständig weg. An der rechten Hand wurden die Fingerspitzen sämtlich abgerissen.
Eisenach, 9. Mai. Im Werratal und in ganz Westthüringen herrschten in der Nacht zum Sonnabend nach vorausgegangenen starken Gewittern wolken- bruchartige Regengüsse, die allenthalben großen Schaden anrichteten. Von den Bergen herab ergossen sich reißende Wildbäche in die Talniederungen. Die Felder wurden teilweise durch die Wassermengen verwüstet. Die Obstbaumblüte gilt als vernichtet. Der Wasserstand in den Flüssen ist bedeutend gestiegen.
Marburg, 8. Mai. Das Landgericht verurteilte heute einen Bürgermeister eines Landstädtchens, der sich gegenüber einem Magistratsmitglied der falschen Anschuldigung schuldig gemacht hatte, zu 1 Monat Gefängnis.
Hanan, 7. Mai. In dem benachbarten Amtsorte Schöllkrippen wurde der Landwirt Konrad Schuhmacher von einem Ochsen, den er im Stalle anbinden wollte, so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.
Mühlhausen i. Thür., 10. Mai. Freitag nachmittag > -6 Uhr landete in der Nähe von Großengottern unter den schwierigsten Umständen ein bayerisches Militärflugzeug mit Hauptmann Hiller am Steuer und Leutnant Wehle als Beobachter. Die Landung wurde notwendig, weil sich am Motor plötzlich Stichflammen zeigten, worauf die Flieger aus 200 Metern Höhe im Gleitfluge niedergingen. Direkt vor dem Ausstößen auf den Boden sprangen die beiden Offiziere ab, so daß sie unverletzt blieben,- der Doppeldecker ging in Flammen auf. Die Fliegeroffiziere, die von dem Militärgeschwadersluge in Hannover zurückkehrten, reisten mit der Bahn nach München weiter.
Kötheu, 6. Mai. In einem Gasthof im benachbarten Mülsen zeigte der Landwirt Borbach dem Arbeiter Türmer einen Revolver. Dabei entlud sich die Waffe und das Geschoß drang Türmer in die Stirn. Der Schwerverletzte wurde dem Kreiskrankenhauw Kochen zugeführt. An dem Aufkommen des jungen Mannes wird gezweifelt.
Halle a. S., 9. Mai. Als der Zuhälter Schölzke heute von der Strafkammer zu einem Jahre «Gefängnis verurteilt worden war und nach der er tundung des Urteils abgeführt werden sollte, stürzte er sich durch das Fenster des Zitzungsmales in den Hm hinab, wo er auf dem Pflaster lebensgefährlich verletzt liegen blieb.
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(Fortsetzung.)
Es unterließt keinem Zweifel, daß das Unter- offizierkorps das Rückgrat der deutschen Armee bildet, wie dies schon Redner der verschiedenen Parterrich- tungen betont haben. Zollen die Mißhandlungen, die gottlob schon ganz erheblich zuruckgegangen sind, endgültig beseitigt werden, dann müssen wir daraus bedacht fein, ein gebildetes und durchaus tüchtiges Unteroffizierkorps zu behalten, («sehr richtig.) Wie kann das geschehen? Nach meiner Aunassung ist das nur möglich, wenn hinsichtlich der Zivilversorgung der Unteroffiziere das Erforderliche getan wird.
Da fragt es sich nun zunächst — der Herr Mrmster möge das nicht als einen Vorwurf ansehen, den ich ihm persönlich machen will —: sorgt das Kriegs-
mtnisterium selbst in ausreichendem Maße für die Unteroffiziere, die in seinem Ressort Beschäftigung finden? Ich werde beweisen, daß diese Frage zu verneinen ist. Das Kriegsministerium müßte in erster Linie für ein gutes Fortkommen seiner Unteroffiziere in Zivilstellungen bemüht sein.
Ehe ich auf diese ^rape eingehe, gestatten Sie mir noch zu bemerken, daß wir ebenso, wie das gestern betont worden ist, entschieden für eine Hebung der Sanitäts- und Veterinäroffiziere eintreten. Auch hoffen wir, daß uns endlich eine Denkschrift über die Reform der Intendantur vorgelegt wird. Wir halten nicht nur eine kriegsmäßige Ausbildung der höheren Jndentandurbeamten, sondern auch der Sekretäre für dringend notwendig. Gerade bei einem zukünftigen Kriege, in dem große Massen gegeneinander marschieren, hängt von der Verpflegung ungemein viel ab, und es wird daher gut sein, wenn die Intendantur- sekretäre zu den kriegsmäßigen Uebungen mit herangezogen werden, um sich die nötigen Kenntnisse zu sammeln.
Ich komme nun daraus zurück, daß die Versorgung der Militäranwärter selbst im Etat des Herrn Kriegs- ministers noch mancherlei zu wünschen übrig läßt. Nachdem gestern bereits für Besserstellung der Zahlmeister wie für eine Schaffung der Stabszahlmeisterstellen gesprochen worden ist, womit ich vollkommen einverstanden bin, will ich mich heute einer Beamtenkategorie annehmen, die gestern von keinem Redner erwähnt worden ist. Ich meine die oberen Lokalverwaltungsbeamten: die Inspektoren,Oberinspektoren, Rendanten, Direktoren der Garnisonverwaltungen, Proviantämter, Lazarette und Bekleidungsämter.
Diese gerade bei der praktischen Ausführung in ben Garnisonorten wichtige und in steter Verbindung mit den Truppen stehenden Beamtengruppen Hatten den Wunsch auf Verleihung einer den militärischen Verhältnissen mehr angepaßten Uniform. Wie mir mitgeteilt wurde, soll das Kriegsministerium bereit fein, diesen Wunsch in Kürze in Erfüllung zu bringen. Die Beamten werden dem Herrn Kriegsminister hierfür sehr dankbar sein.
Außerdem haben diese Beamten, die im Kriege zum größten Teil Militärbeamte, im Frieden dagegen Zivilbeamte sind, den Wunsch, auch im Frieden zur Gattung der Militärbeamten wie die Zahlmeister, Gerichtssekretäre usw. gerechnet zu werden.
Noch eine Bitte an den Herrn Kriegsminister! Der Kriegsverwaltung dürfte es bekannt sein, daß ein Teil der beförderten oberen Lokalbeamten durch die jetzige Anwendung der Ziffer 34 der vom Bundesrat erlassenen Gehaltsvorschriften die Endgehälter entweder gar nicht oder erst kurz vor der Pensionierung erreichen können. Diese Beamten haben den Wunsch, daß sie die im Etat ausgeworfenen Endgehälter wenigstens wenige Jahre beziehen. Die Endgehälter der Garnisonverwaltungsbeamten schweben, was die höheren Stellungen, die Stellungen der Direktoren, anlangt, für die meisten in der Luft, denn nur ein sehr kleiner Prozentsatz kann in diese Stellungen einrücken.
Dann noch einen Punkt, der bereits früher einmal von mir angelegt worden ist. Es ist dringend erforderlich, die Stellen der Oberinspektoren entsprechend zu vermehren. Soweit mir bekannt, hat der Vorgänger des jetzigen Herrn Kriegsministers, Herr v. Heeringen, bereits im Jahre 1912 eine Vermehrung dieser Stellen angefordert, das Reichsschatzamt hat diese Forderung leider abgelehnt. Es ist, wenn ich recht unterrichtet bin, zu einer etwas unerquicklichen Korrespondenz zwischen 'dem Kriegsministerium und dem Reichsschatzamt damals gekommen, in der der Kriegsminister v. Heeringen erklärte, daß die Vermehrung dieser Stellungen in Zukunft unerläßlich sei. Bisher ist in dieser Richtung leider nichts geschehen, und ich möchte das Augenmerk des Herrn Kriegsministers deshalb besonders auf die Schaffung von Oberinspektorstellen lenken.
Neulich habe ich in der Zeitung zu meiner großen Freude gelesen, daß für die Unteroffiziere sogenannte gehobene Stellungen als Feldwebelleutnants geschaffen werden sollten. Es sollen - ich weiß nicht, ob es richtig ist, es sind Zeitungsnachrichten — diesbezügliche Verhandlungen mit den Generalkommandos im Gange sein. Im Kriege brauchen wir viele Zugführer, wozu die Feldwebelleutnants die geeigneten Persönlichkeiten sein dürften. Wir würden dadurch auch einem Teil der Unteroffiziere die Möglichkeit geben, länger bei der Truppe zu bleiben, als das bisher der Fall ist.
(Schluß folgt.)
Wetterausfichten für Dienstag den 12. Mai.
Unbeständig, wolkig, zeitweise Regenschauer, kühl, westliche bis uordwestlichc Winde.