Hersfelder Tageblatt
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8
Nr. 108. Sonnabend, den 9. Mai 1914.
Bus der Heimat.
* (Für Bienenzüchter.) Nachdem den Bienen einige schöne Tage zum Einträgen der Nahrung für die junge Bienenbrut vergönnt waren, fangen sie jetzt schon an, die Brut aus den Zellen zu entfernen und das eingetragene Futter ausreichend zu verteilen, denn das jetzige Wetter gestattet ihnen nicht weiteres Futter herbeizuschaffen. Darum heißt es jetzt den Zuckertopf anwärmen.
8 Hersfeld, 8. Mai. (11. Kurhessisches B u n d e ss ch i e ß e n i n Cassel.) Der Casseler Schützenverein rüstet sich zum 11. Kurhessischen Buudes- schießen, das in der Zeit vom 14. bis 17. Juni hier stattfinden soll. Dieses Fest ist gewissermaßen ein Ereignis für Cassel,' denn seit Bestehen des Vereins — und das Casseler Schützenwesen reicht weit zurück bis in die Zeit des Mittelalters — hat ein größeres Schießen in Cassel nicht stattgefunden. Das lag vor allem daran, daß die Schießstände für solche Zwecke zu primitiv waren. Seit einigen Jahren ist diesem Uebelstande abgeholfen. Anschließend an den herrlichen Schönfelder Park ist eine Schießstätte errichtet worden, die allen neuzeitlichen Anforderungen entspricht, und an der jeder Fachmann und auch der Laie seine Helle greude haben muß. Die Casseler Schützen, die seit estehen der Kurhessischen Bundesschießen schon manchmal die Gastfreundschaft anderer Städte genießen durften, ohne sich revanchieren zu können, freuen sich, nun endlich ihre Freunde aus nah und fern zu sich einlaöen zu können und bemühen sich eifrigst, ihren Gästen einen würdigen Empfang zu bereiten. Die einzelnen Ausschüsse wetteifern förmlich in ihrem Bestreben, das Fest zu einem schönen zu gestalten. Zahlreiche und darunter auch recht wertvolle Preise stehen zur Verfügung und laden die Schützen, auch selbst die Verwöhnten, ein, eine Fahrt nach Cassel zu unternehmen. Die gastfreundliche Stadt selbst mit ihren rühmlichst bekannten Schönheiten wird auch nicht verfehlen, ihre Anziehungskraft aus- zuüben. Für Vergnügungen der manigfachsten Art ist außerdem in reichem Maße gesorgt, fodaß auch der Richtschütze voll auf seine Kosten kommen wird.
-t- Hersfeld, 8. Mai. Nächsten Sonntag wird der Kurhessische Verband evangelischer Jungfrau e nv e r e i ne in unserer Stadt sein Verbandsfest feiern. Bei der großen Zahl der Jungfrauen- vereine, die 167 Vereine mit 5518 Mitgliedern beträgt, dürften wohl bei gutem Wetter viel auswärtige Gäste zu erwarten sein. Herr Pfarrer Eisenberg aus Marburg wird die Festpreüigt halten. Bei der Nach- feier werden verschiedene Chöre von Jungfrauen- vereinen mitwirken und Fräulein Schönian die Tochter des verstorbenen Oberregierungsrates Schönian, die Leiterin des Lydiavereins-Cassel, Herr Pfarrer Kröger- Jhringshausen und a. werden Ansprachen halten. Am Montag wird eine Konferenz von den Vertretern des Kurhessischen Verbandes sich anschließen, wo Pfarrer Scheele und Fräulein Consbruch, die stellvertretende Vorsitzende des Gesamtverbandes, der jetzt 300 000 Mitglieder zählt, zwei Vorträge über die Arbeit in unseren Vereinen halten werden.
-h- Hersfeld, 8. Mai. Ein Gartenbesitzer schreibt uns: Die Raupen fressen sämtliche Blätter von den Stachelbeerstöcken. Stellenweise sind dieselben bereits ganz kahl. Es ist für Kinder eine leichte Arbeit, wenn sie eine Pappe unter den Strauch schieben und die Raupen, welche durch leises Klopfen nicht abfallen, mit einem spitzen Holz abstechen. Evenso findet man verpuppte Kohlweißlinge, welche l°lort zu töten sind. — Auch tut man gut, wenniman me Rosen jetzt einer gründlichen Untersuchung unterzieht. Es verbergen sich dort in den den Knospen am nächsten stehenden Blättern kurze dicke dunkelbraune Raupen, welche die Rosenknospen bis auf den Grund abnagen. Das einfachste Vertilgungsverfahren ist das, wenn man die zusammengerollten Blätter zusammendrückt und das Blatt, welches durch eine Art Gewebe mit den Knospen verbunden ist, von den letzteren befreit.
-r- Hersfeld, 8. Mai. Der hiesige O b st - und Gartenbau-Verein hielt gestern abend im „Hotel Stern" seine diesjährige Jahreshauptvers a m m l u n g ab. Leider war dieselbe nur schwach besucht. Kurz nach 9 Uhr wurde dieselbe von dem Vorsitzenden eröffnet. Derselbe gab erst einen kurzen Bericht über die Vereinstätigkeit im verflossenen Vereinsjahr, woraus zu entnehmen war, daß der Verein 6 Versammlungen abgehalten hat und außerdem noch 3 Besichtigungen von Gärten, zwecks Vorführung von Schnitt und praktischen Arbeiten an Obstbäumen anberaumt waren. Er schloß mit dem Wunsche, daß der Verein zum Segen unserer Stadt und unseres Kreises sich immer weiter entwickeln möge. Der Kassenbericht ergab eine kleine Ueberzahlung, welche
im neuen Vereinsjahre wohl wieder ausgeglichen werden muß. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des gesamten Vorstandes. Außerdem wurde beschlossen, im Monat Juli von Herrn Obstbautechniker, Gartenmeister Sonnenberg-Witzenhausen, den Sommerschnitt der Formobstbäume praktisch vorführen zu lassen. Zur Unterstützung des Verschönerungsvereins bei der Prämiierung der Balkon-Fenster usw. wurden diesmal 20 Mk. bewilligt. Auf den Antrag eines Mitgliedes beschloß der Verein in der ersten Versammlung im Frühjahr und in der letzten Versammlung im Herbst eine freie Verlosung zu verunstalten.
):( Hersfeld, 8. Mai. Die diesjährige Früh- j a hrsv o r t u r n e r st u n d e des Oberfulda-Werra- Gaues findet am Sonntag den 24. Mai in der neuen Turnhalle dahier statt.
):( Hersfeld, 8. Mai. Auf Anregung des Professors Dr. Berger in Aschersleben soll in diesem Jahre der ® e 6 n r t § t a g des Vorsitzenden der Deut- s ch e n T u r n e r s ch a f t, Dr. Ferd. G o e tz, gemeinsam in der ganzen deutschen Turnerschaft feierlich begangen werden. Diese Feier ist so gedacht, daß am Himmelfahrtstage alle Turnvereine Turnfahrten nach landschaftlich schön gelegenen Punkten unternehmen. Herr Bezirksturnwart Andree fordert daher in der letzten Nummer der Gauzeitung die Turner des Turnbezirks Hersfeld zu einer Turnfahrt nach dem herrlich gelegenen Herzberg auf. Die Vereine sollen sich auf beliebigen Wegen dorthin begeben, doch wird auf möglichst rechtzeitiges Eintreffen auf dem Herzberg Gewicht gelegt, um noch genügend Zeit zu Spiel und Turnen zu haben.
):( Hersfeld, 8. Mai. Am 28. Juni findet zwischen den Turnbezirken Hersfeld, Bebra und Rotcuburg ein Kriegs spiel statt. Wir werden noch näher auf diese Veranstaltung zurückkommen.
):( Hersfeld, 8. Mai. Heute vormittag gegen 11 Uhr zog die Maschinengewehrabteilung des Jäger-Bataillons Nr. 11 aus Marburg auf dem Marsche nach dem Truppenübungsplätze Ohrdruf durch die hiesige Stadt.
-h- Niederanla, 7. Mai. Die Blüten der Zwetschen und Reineklauden scheinen doch ganz erheblich durch den Frost gelitten zu haben, denn bei denselben ist der Fruchtansatz, welcher in der Blüte als grüner Knoten zu finden ist, erfroren und zeigt einen schwarzen Schein.
Kämmerzell (Kreis Fulda), 7. Mai. Die 65jährige Witwe Eifert von dem nahen Hemmen befand sich hoch oben auf einem fahrenden mit Stroh beladenen Wagen. Sie wollte nach einem herabfallenden Korbe greifen, verlor aber das Gleichgewicht und stürzte so unglücklich vom Wagen, daß sie das Genick brach und sofort eine Leiche war.
Altenbreitungen a. d. W>, 4. Mai. Ein Bäckergeselle aus Barchfeld wurde hier auf dem Rade in einer engen Straße von einem Automobil überfahren und schwer verletzt.
Ebersdorf a. d. Werra, 7. Mai. Hier fiel der 60 Jahre alte Büttnermeister Wilhelm Klug beim Heimgehen rücklings von der Treppe seines Hauses und verletzte sich so schwer, daß er an den Verletzungen gestorben ist.
Duderstadt, 7. Mai. In Duderstadt ist eine Typhusepidemie ausgebrochen. Zahlreiche Fälle von Erkrankungen wurden festgestellt. Die Ursache ist in schlechten Wasserverhältnissen zu suchen.
Apolda, 7. Mai. Von einem D-Zug ließ sich heute mittaa das 17 Jahre alte Dienstmädchen Anna Mellinger aus Schwerstedt bei Weimar überfahren. Der Körper des Mädchens wurde verstümmelt. Dre Selbstmörderin war verdächtig, ihr neugeborenes Kmd fahrlässig getötet zu haben, und sollte deshalb in Untersuchungshaft genommen werden.
Eisenach, 7. Mai. In Anwesenhett zahlreicher Interessenten fand gestern vor dem sengen Amtsgericht die Zwangsversteigerung der in Konkurs geratenen Reinemannschen Handelsmuhle statt. Dre Ortstare für den gesamten Begtz betrug 436 oOO Mk., die Brandtaxe 1W 480 Mk. Das Höchstgebot, 150 000 Mark, gab Kaufmann Karl Nadelmann aus Erfurt ab Der Kuschlag wird in acht Tagen endgültig erteilt. An Hypotheken waren auf dem gesamten Besitz 888 000 Mark eingetragen.
Gotha, 7. Mai. In einem Anfälle von nervöser Ueberreiztheit feuerte der bereits seit längerer Zeit weaen eines Nervenleidens arbeitsunfähige Fabrikarbeiter Schaffer einen Revolverschuß auf seine Frau ab durch d?n diese an der Brust verletzt wurde. Als er sie blutüberströmt niedersrnken sah, kehrte er die Waffe gegen sich selbst und verletzte sich durch einen Schuß schwer.
Abgeordnetenhaus.
Am Donnerstag führte das Haus die Beratung des Kultusetats fort bei den Anträgen zum Ausgleich der Schullasten. Abg. Gaffel (Fortschr.) meinte die Mißstände anerfennen zu sollen, sprach aber gegen die aus den kleinen Städten und vom Platten Lande kommenden Uebertreibungen. Abg. Hirsch (Soz.) wollte die Mittel für den Schullastenausgleich durch Besteuerung der Besitzenden gewinnen. Abg. Dr. Schmitt (Ztr.) tritt für konfessionell gestaltete Mittelschulen ein. Bei der Abstimmung wurde der Schullasten- ausgleichs-Antrag der Kommission einstimmig angenommen, der freikvnservattve Antrag der Budgetkommission überrviesen und der fortschrittliche Antrag abgelehnt. Dann begründete Abg. Dr. v. Campe (natl.) einen Antrag, den Volksschullehrern die akademische Ausbildung und eine höhere Laufbahn zu ermögliche«, ferner eine organische Verbindung zwischen Volksschule und deu anderen Schularten anzubahnen. Abg. Otto (Fortschr.) trat ebenfalls für einen Antrag ein, der den Volksschullehrern Zutritt zu den akademischen Studien wie in anderen Bundesstaaten ermöglichen soll. Ein Antrag der Freikonservattven verlangt, die bestehenden akademischen Knrse so auszubauen, daß sie zur Besetzung der Stellen der Kreisschulinspektoren und der Lehrer an 'den Seminaren befähigen. Für die Zulassung zu diesen Kursen soll, so verlangt ein Zentrums-Zusatzantrag, genügen, wenn die erste und zweite Lehrerprüfung mit gut bestauben oder die Mittelschullehrerprüfung vorhanden ist. Abg. Dr. Heß (Ztr.) fragte, wer denn die Kosten zahlen solle, wenn die Freisinnigen allen Lehrern die akademische Laufbahn öffneten. Abg. D> Jderhoff (freik.) betonte, daß es durch die scholl bestehenden akademischen Lehrerkurse sehr wohl möglich sei, den Lehrern die höhere Laufbahn zu eröffnen, somit sei der nationalliberale Antrag überflüssig. Kultusminister v. Trott zu Solz wandte sich ebenfalls gegen den Antrag v. Campe und sprach sich für den freikonservativen Antrag aus, der an die bereits eingerichteten akademischen Lehrerkurse an- knüpfe. Diese Kurse gelte es auszubauen, doch schienen sie denen nicht zu gefallen, die die Universität auf ihre Fahne geschrieben haben. Wenn auch besonders auf dre Lehrer, die die Kurse besucht haben, bei Vergebung höherer Stellen zurückgegriffen würde, so sollten sie doch keine Monopolstellung erhalten. Im übrigen verwies der Minister auf Klärung der Frage in der Kommission. Abg. Eickhoff (Fortschr.) forderte, daß die Möglichkeit gegeben wird, von der Volksschule zur Universität zu kommen. Abg. Heins (Hosp. b. d. Kons.) betonte, daß die Seminare Fachanstalten bleiben müßten. Darauf vertagte sich das Haus auf Freitag.
Deutscher Reichstag.
Das Haus unterbrach am Donnerstag die Etatsberatung und genehmigte zunächst in erster und zweiter Lesung einen von allen Parteien unterstützten Gesetzentwurf, der die Unpfändbarkeit der Aufwandsentschädigungen an kinderreiche Soldatenfamilien festlegte. Sodann begann die zweite Lesung der Besoldungs- novelle. Reichsschatzsekretär Kühn wiederholte seine Erklärungen aus der Kommission, daß für die Regierung die Beschlüsse der ersteren unannehmbar seien. Die Regierungen ließen sich in der Sorge um die Beamten von niemand übertreffen. Jede Aenderung der wohlbedachten Grenzen einer Aufbesserung aber führe zu Konsequenzen, die eingehend geprüft werden müssen. Daher sei eine Regelung der Frage zurzeit noch nicht möglich. Die Abgg. Ebert (Soz.), Nacken (Ztr.), Bassermann (natl.), Kopsch (fortschr.) und Dr. Oertel (fonf.) befürworteten nochmals die Annahme der Kommissionsbeschlüsse. Der konservative Redner betonte besonders, daß sie maßvoll und begründet seien. Das Scheitern der Vorlage müsse tiefe Verstimmung in Beamtenkreisen auslösen, deren Wünsche doch einmal erfüllt werden müßten. Hoffentlich komme eine Verständigung zustande. Reichsschatzsekretär Kühn betonte nochmals die Notwendigkeit eingehender Erwägungen. Ueöerwiegend oder allein seien finanzielle Gründe nicht maßgebend. Nach weiterer kurzer Erörterung wurden die Kommissionsbeschlüsse einstimmig angenommen. Nunmehr setzte das Haus die allgemeine Aussprache über den Militäretat fort. Kriegsminister v. Falkenhayn verlas unter großer Unruhe der Sozialdemokraten aus einem Protokoll eines Jugendausschusses, das er am Mittwoch erwähnte, einige Stellen, die die Verbreitung antimilitaristischen Geistes behandelten und betonte, daß es kein Spitzelmaterial sei, sondern aus Zeitungen stamme. Diese Ausführungen legten ihm die Pflicht auf, sie mit allen Kräften zu bekämpfen. .
Wetteraussichten für Sonnabend den 9. Mai.
Wechselnde Bewölkung, einzelne Regenfälle, kühler, westliche bis nordwestliche Winde.