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Die Feuertaufe unserer Schutztruppe.

Der 8. Mai vor 25 Jahren.

Der 8. Mai bildet ein unvergängliches Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Schutztruppe in Ostafrika, ist es doch jener unvergeßliche Tag, an dem Witzmann vor 25 Jahren seinen denkwürdigen Sieg über den Rebellen­führer Buschiri erfocht. Als im April des Jahres 1888 der Sultan von Sansibar die Oberhoheit über die Küste des heutigen ostafrikanischen Schutzgebietes an die deutsch-ostafrikanische Gesellschaft abgetreten hatte, be­gann sich mit rasender Geschwindigkeit ein allgemeiner Aufstand im Lande zu entfachen, da die bisherigen eigentlichen Herren des Landes, die Araber, die seit Jahrhunderten Menschenraub und Sklavenhandel be­trieben, sich in ihren tiefsten Lebensinteressen aufs Schwerste bedroht fühlten. Die Seele des emporlodern­den Aufruhrs war eben jener Buschiri, ein Mann, der alle Borzüge und Nachteile des arabischen Bolksftam- mes in sich vereinigte, und dank einer ungemeinen Be­gabung und Energie, sich bald zum unbestrittenen Herrn der Bewegung aufwerfen konnte.

Nachdem es ihm gelungen war, auch die Negerbe­völkerung auf seine Seite zu bringen, begann für die Europäer im Lande eine schwere Zeit. Schritt um Schritt ging das Küstengebiet an die Rebellen verloren, und wären nicht die deutschen Schiffskanonen gewesen, die Buschiri und seine Leute im Schach hielten, so waren zweifellos auch Dar-es-Salam und Bagamojo eine Beute der Rebellen geworden. Mit einem Schlage aber änderte sich die Situation, als Wißmann auf den Plan trat. Ihm fiel die unerhört schwere Aufgabe zu, den Trotz der arabischen schwarzen Rebellen zu« brechen, und er hat sie meisterhaft gelöst. In kurzer Zeit stampfte er eine kriegsbereite Truppe aus angeworbenen Sudanesen und Zulus aus dem Boden, die unter der Leitung deut­scher Offiziere und Unteroffiziere vorzüglich geschult wurden.

Mit 88 Weißen und 850 Schwarzen unternahm es Witzmann, den Kampf gegen Buschiri aufzunehmen. Am 8. Mai, 6 Uhr morgens ließ Wißmann seine Truppe an­treten, um sie zum letzten Male vor der Schlacht in Augenschein zu nehmen. Die Haltung seiner Leute war eine so vertrauenerweckende und begeisterte, daß Wiß- manu unbedenklich den Befehl zum Aufbruck gab. So zog denn die erste deutsche Kolonialtruppe, die für die Reichsflagge kämpfen sollte, in das afrikanische Land gegen einen verschlagenen, gefährlichen und grausamen Feind hinaus. Nach anderthawstündigem Marsche kam Buschiris Lager unweit Bagamojo in Sicht. Schnell war der Sch achtplan entworfen. Es galt, den Feind unter allen Umständen zur Annahme einer Schlacht zu zwingen. Je näher man dem befestigten Lager des Re­bellenführers rückte, umsomehr zeigte es sich, wie vor­züglich der Feind sich verschanzt yatie. Bis auf 400 Meter gelang es, sich dem Lager zu nähern, ohne daß der Feind sich irgendwie rührte. Da wurde plötzlich das schöne weiße Reittier Buschiris, ein edler MaSkatesel, sichtbar, und sofort gab Witzmänn als erster einen Schuß auf das Tier ab, um den Araberführer an der Flucht zu hindern.

Der Schutz des deutschen Führers war das Signal zu einem rnörderischen Feuergefecht. Ein Hagel von Geschosien überschüttete die sprungweise, aber ruhig und sicher vorgehenden Sudanesen unter der Führung ihrer deutschen Offiziere. Buschiris alte Borderladeraeschütze waren bald von den deutschen Kanonen zum Schweigen gebracht, und nun fauste eine Granate nach der anderrr in die feindlichen Pallisaden. Immer rrüyer rückt die wackere deutsche Truppe dem Feind auf den Pelz. Auch die 200 Matrosen von den deutschen Kriegsschiffen, die bisher in ReferveUnie standen, greifen nun m der letz­ten Phase des Kampfes tatkräftig ein. Nachdem der Be­fehl zunt Aufpflanzen des Seitengewehrs gegeben wor­den war, entspann sich ein Nahkampf von furchtbarer Wucht und Stoßkraft. Mit jubelndem Hurra stürmen Weiße und Schwarze gegen die Schanzen Buschiris an, und gegen ihrer: gewaltigen Ansturm gibt eS, trotz der verzweifelten Gegenwehr der Araber kein Halten mehr. In wilder Flucht suchen die überlebenden Rebellen ihr Heil, der Steg ist Wißmann :md seiner heldenmütigen Truppe.

Mit dieser vernichtenden Niederlage Buschiris war die deutsche Herrschaft endgültig gesichert, Grund genug, um am 8. Mai die Blicke dankbar rückwärts zu lenken auf den Ehrentag unserer deutsch-ostafrikanischen Schutz- truppe, an dem sie vor 25 Jahren die Feuertaufe em­pfangen hat.

Deutsch-englische Flollensragen.

Nach den in dem amtlichen Bericht der englischen Admiralität enthaltenen Angaben kann seitens eng­lischer Minister nicht mehr daran festgehalten werden, daß England nur eine 60proTentige Ueberlegenheit

Die Zigeunerin vorn Eibsee.

Roman von Paul Beye.

7) (Nachdruck verboten.)

Närrische Welt," brummte er vor sich hin.Wenn meine Marei hätte sehen können, wie mir das schöne ausländische Müdl am Hals gehängt ist!"

Er schlenkerte mit der rechten Hand in der Luft und meinte dabei, daß dies ihm sehr zuwider gewesen wäre, trotzdem er sich ganz unschuldig wußte.

^AA Lebkuchenherz steckte er in eine Seitentasche. Unwillkürlich entfernte er es von der Stelle, in der das Herz einer anderen hoch geschlagen.

Der Franzl hatte eine sehr unruhige Nacht. In sei- nen Träumen wirbelten die Gestalten der Zigeunerin und der Bauerntochter in gefährlicher Weise durchein-

, .. ®erabe, als von den Bergen der Schrei des Hirsches ertönte, hatte der Scheibenecker feine Jagd aufgeben müssen. In tiefen Gedanken ging ®t»J^a?n UUPH' ßa& Zerstreute oder ganz verkehrte ^Ee wie im Unrecht zusammen, wenn zu Chören mar^ öeX ^"^ schrei des Königs der Wälder

Manchmal schloß er sich in seiner Kammer ein, und ^ bemalte Marei einst zufällig, daß ihr Vater an sei­nen Schietzwaffen putzte. '

Um den Hof scherte sich -er Bauer gar nichts mehr; die ganze Last der großen Wirtschaft lag auf den Schul­tern der Bäuerin. Wenn diese die Geduld verlor und ernstlich in ihn drang, sich seiner Sache besser anzuneh- men, gab er keine Antwort und schloß sich wieder in sei­ner Kammer ein.

Marei vertröstete die Mutter, daß es sicher wieder besser werden würde, wenn der Vater keinen Hirsch mehr schreien höre.

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über Deutschland besitzt. In dem Bericht wird konsta­tiert, daß Deutschland 35 Linienschiffe fertiggestellt hat, während England über 58 verfügt. In Deutschland sind im Bau nur 6, während England über 14 verfügt. Die glische Ueberlegenheit bezüglich der fertigen Linien­schiffe beziffert sich auf 66 Prozent, bezüglich der int Bau befindlichen sogar auf 133 Prozent.

Hieraus würde hervorgehen, daß die englische Ueberlegenheit hinsichtlich der Linienschiffe in abseh­barer Zeit rund 100 Prozent betragen würde! Ganz bedeutend überragt uns England hinsichtlich der Zahl der Panzerkreuzer (9 : 47). Sie beträgt nicht weniger als 422 Prozent. Die Zahl der fertigen kleinen Kreuzer beziffert sich bei uns auf 43, in England auf 65. Eng­land hat hierin eine Ueberlegenheit von 51 Prozent. Im Bau sind bei uns 6 Kleine Kreuzer, in England 20. Es ist uns mithin um 233 Prozent im Kreuzerbau überlegen. Aehnlich steht es mit den großen Torpedo­booten. Es stehen 131 fertige deutsche gegen 201 eng­lische (53 Prozent Ueberlegenheit), während bei uns 12 und in England 36 im Bau sind, was wiederum eine Ueberlegenheit von 200 Prozent für England bedeutet. Wir verfügen über 24, England über 69 fertige Tor­pedoboote. Dies ergibt auf englischer Seite eine Ueber­legenheit von 187 Prozent. Im Bau sind 14 deutsche und 29 englische Unterseeboote, was 107 Prozent Ueber­legenheit für England ausmacht.

Aus dieser Zusammenstellung geht die gewaltige Ueberlegenheit der britischen Flotte ohne weiteres her­vor, die heutzutage ganz sicher nicht allein durch die Stärke des Schlachtschiffbestaudes bestimmt wird, son- deru auch durch die der übrigen Schiffstypen, nicht zu­letzt der Torpedoboote und Unterseeboote.

Politische Rundschau.

Bischof Dr. Bertram Kopvs Nachfolger. Wie in Breslau verlautet, haben sich die preußische Regierung und das Breslauer Domkapitel auf Dr. Bertram, den Bischof von Hildesheim, als Nachfolger des Kardinals Kopp geeinigt. Bertram ist entschiedener Vertreter der christlichen Gewerkschaftsbewegung und der hervorra­gendste Theoretiker der Cölner Richtung. Bekanntlich war Dr. Bertram schon bald nach den: Tode des Kardi­nals Kopp als derjenige Kandidat bezeichnet worden, der die größte Aussicht habe, dessen Nachfolger zu werden.

Ueber den Wehrbeitrag machte der Reichsschatzsek­retär in der Budgetkommission des Reichstages am Mittwoch einige Ausführungen. Gegen die Heranzie­hung von Ausländern zum Wehrbeitrage sind nach seiner Kenntnis von ausländischen Staaten keine Vorstellun­gen erhoben worden. Das Ergebnis des Wehrbeitrages steht noch nicht fest. Die Notizen über Ucberschüsse stam­men nicht aus dem Schatzamt und enthalten wohl zu gün­stige Schätzungen. Nach den bisherigen wenigen Eingäu- gen einzelstaatlicher Gesamtrechnungen darf man auf nicht mehr als 1200 Millionen rechnen, sodaß also keine Kürzung der dritten Rate in Aussicht steht.

Die Besoldnngsnovelle gilt nach Blättermeldungen trotz der Stellungnahme der Budgetkommission des Reichstages noch keineswegs als gescheitert. Man nimmt vielmehr an, daß bei einem Nachgeben auf beiden Seiten eine Einigung erzielt wird. Insbesondere soll nach Aeußerunaen, die der Reichskanzler dem Reichstagsorä- sidenten Kämpf gegenüber getan hat, der Kanzler ge­willt sein, im Bundesrat für die Vertagung des Reichs­tags einzutreten, falls der Reichstag durch Konzessionen in der Besoldunasangelegenhett verhindert, daß die Ar­beiten für diese Vorlage vergeblich gemacht sind.

Kleine Iladhrlcfifen.

Ein Geschenk des Kronprinzen an sein englisches Regiment. Der deutsche Militärattachee in London be- gab sich Mittwoch früh nach Alderihot, um dem 11. Husarenregiment, dessen Chef der deutsche Kronprinz ist, ein großes Oelgemälde, den Kronprinzen in der Uniform des Regiments darstellend, zu Überreichen. Der Oberst erwiderte, alle Dienstgrade des Regiments fühl­ten sich durch das Geschenk sehr geehrt und wüßten die Freundlichkeit des Kronprinzen voll zu würdigen.

Der Wehrbeitrag ans der gesamten Provinz Schle­sien beträgt 57 727 830 Der Regierungsbezirk Bres­lau bringt davon 26 376 415 X der Bezirk Liegnitz 13 971415 X der Bezirk Oppeln 17 380 000 X auf.

Auf der 38. MastviehanSstcllnng in Berlin ist unter den Rücken: die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen. Infolgedessen wurde die Abteilung für Rinder geschlos­sen. Die übrigen Abteilungen sind nicht betroffen.

Zweifacher Todessturz von einer Leiter. Im Be­triebe des Bochumer Gußstahlvereins brach Mittwoch nachmittag eine an einer Eisenkonst^uktion angebrachte Gerüststange, auf der zwei Anstreicher saßen. Sie stürz­ten aus einer Höhe von 15 Metern in die Tiefe. Der eine war sogleich tot, der andere starb auf dem Wege zum Krankenhaus.

Die ruhige und zufriedene Stimmung verschwand nach und nach aus dem Hause. Früher ging der Bauer selten in ein Wirtshaus, jetzt wurde dies zur Regel, und er kam oft in Zuständen nach Hause, die das Ent­setzen und den Kummer seiner Familie bildeten.

Für Marei«war ungeachtet dieser trüben Vorgänge eine glückliche Zeit angebrochen. Was auf den beiden Lebkuchenherzen stand, hatte sie und den Franzl einer weiteren Aussprache überhoben. Als der Jäger Tags darauf am Gartenzaune vorbeikam, taten beide, als wenn sie sich schon lange kennten und es ganz selbstver­ständlich sei, daß aus der Scheibenecker-Marei eine künf­tige Frau Forstwart werden solle. Auch der ganz heikle Punkt, die Einwilligung der Eltern, kam zur Sprache. Der Franz! meinte, das beste würde sein, wenn der Vater in einigen Jahren den Hof verkaufen und dann zu ihneu ziehen würde. In einem königlichen Forst­haus ist immer noch gut Platz für ein Paar alte Leute. Geld will der Jäger keins; er kann Weib und Kind ernähren.

Aber das Mädchen konnte sich banger Sorgen nicht entschlagen. Bevor der Jäger es nicht zum Forstwart gebracht hatte, war nicht daran zu denken, daß der Vater in die Heirat willigen würde. Ob er es aber überhaupt so lange in dieser Gegend aushielt, wo die schreienden Hirsche bis an den Hof herunterzogen?

Das war recht traurig. Aber wann rechnen Lie­bende nicht auf gut Glück? Und so hofften sie, daß die Zeit, die Rosen bringen würde, wie es auf dem Leb­kuchenherz zu lesen stand, doch nicht gar zu fern sein könnte.

Weniger gefiel dem Franzl, daß Marei ihm in ganz bestimmter Form erklärte, bis alles in Ordnung sei, müßten die langen Unterredungen am Gartenzaun auf­hören. Die Hauptsache sei, jetzt eine günstige Gelegen­heit abzuwarten, um mit den Eltern über die Heirat zu sprechen.

Tod estteS deutschen FremdenlegiottärS in Marokko Bet dem am 1. Mai zwischen Eingeborenen und franzö- fischen Truppen stattgefundenen Gefechten hat auch ein deutscher Fremdenlegionär, namens Böckler, vom 2. Fremdenlegionär-Regiment, der angeblich aus Würt­temberg stammen soll, den Tod gefunden. .

Ein starker Blitzschlag traf am Mittwoch den Schorn­stein einer Fabrik chemischer Produkte in Berlin. Das Mauerwerk des Schornsteins wurde in einer Höhe von 15 Metern heruntergerissen. Die Trümmer durchschlu­gen das Dach des Maschinenhauses, in dem erheblicher Schaden angerichtet wurde. Der Werkmeister wurde er­heblich verletzt.

Bei einem Streik in Charlottenburg ist es zu einem Konflikt mit der Polizei gekommen und letztere hat meh­rere Personen, darunter den sozialdemokratischen Stadt­verordneten Richter, festgenommen. Die Sozialdemokra- ten brachten in der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch eine Interpellation ein, wie der Magistrat die Bürger gegen ein derartiges Vorgehen der Polizei zu schützen gedenke. Eine Besprechung der Interpellation soll in der nächsten Sitzung stattfinden.

In dem Konflikt an der Berliner Handelshochschule sind die Aeltesten der Kaufmannschaft nicht gewillt, auch nur einen Schritt von ihrem Standpunkte abzugehen und den Dozenten wird nichts übrig bleiben, wie ver­schiedene Blätter melden, als die Vermittelung der staatlichen Aufsichtsinstanz anzurufen.

Das Ende einer unglücklichen Ehe. Eine von ihrem Manne getrennt lebende Frau in Düsseldorf traf am Mittwoch auf der Straße mit ihrem Mann zusammen. Ohne ein Wort zu sagen, stieß der Mann der Frau ein Brotmesser mehrere Male in die Brust, verletzte sie je­doch nur leicht. Hierauf schnitt sich der Mann die Kehle durch. Er wurde sterbend ins Krankenhaus gebracht.

Sorgenvolle Tage in Schweven.

Beunruhigende Gerüchte über das Befinden des Königs.

Leider macht die Genesung des Königs Gustav nicht die Fortschritte, die man nach den günstigen Meldungen in den ersten Tagen nach der Operation erwarten durfte. Im Gegenteil, es sind in der letzten Woche überhaupt feine Fortschritte zu verzeichnen gewesen. Es sind zurzeit wieder Gerüchte im Umlauf, wonach der König doch an einem bedeutend ernsteren Leiden erkrankt sein soll, als man nach den ersten beruhigenden Krankheitsberich­ten der Aerzte annehmen konnte.

Die Gerüchte, daß Köniq Gustav an Krebs leide, wollen nicht verstummen. Natürlich handelt es sich eben nur umGerüchte"; diese haben aber eine gewisse Nah­rung dadurch bekommen, daß der Schwächezustand des Königs fortdauert, und daß man noch keine Bestimmung über die Zeit für die vom König vorzunehmende Reise nach dem Süden fassen kann. Professor Berg, der die Operation an dem König ausführte, hat vor kurzer Zeit den König im Schlosse Drottningholm besucht, und es ist bei dieser Gelegenheit, wie dasSvenska Dagbladct" aus guter Quelle wissen will, festgestellt worden, daß das Gewicht des Königs in der letzten Woche gar nicht zugenommen hat, während in dieser Beziehung früher die Kraukheitsberichte Günstiges melden konnten.

Der König vermag die Nahrung, die er erhält, ob­wohl der Speisezettel mit großer Sorgfalt zusammenge- stellt ist, nicht vollständig zu verdauen. Die VerdauungS- organe vermögen überhaupt nicht Stoffe von einem grö­ßeren Fettgehalt aufzunehmen, was natürlich auf den Kräftezustand des Königs nachteilig wirken muß. Der König liegt den allergrößten Teil des Tages zu Bett. Zwar nimmt der König jeden Tag eine Aütvmvbilsghrt im Schloßparks vor; doch muß er die Schloßtreppeu auf und nieder getragen werden, da er sich nur mit gro­ßer Schwierigkeit wenige Schritte auf ebener Erde fortzubewegen vermag. Die Diät ist sehr begrenzt, und der Appetit ist nicht mehr gut, so wie es in der zweiten Woche nach der Operation der Fall war.

Gericht und Recht«

Der räuberische Ueberfall auf den bergfiskalischen Geldtrausport, der in der Nacht zum 17. Februar 1911 auf der Landstraße bei Gladbeck verübt wurde, indem die Räuber ein schweres Drahtseil über die Chaussee spannten, um das Fuhrwerk zu Falle zu bringen, wobei es auf die Löhnung in Höhe von 275 000 Mark abgesehen war, wird nun noch einmal das Essener Schwurgericht beschäftigen. Diesmal wird sich der berüchtigte Ein- und Ausbrecher, der sogenannte Räuberhauptmann Sirat- mann, als der Leiter uub Urheber des Attentats zu ver­antworten haben. Der andere Teilnehmer an dem Atten­tate, der nach heftigem Fenerkampfe von der den Geld­transport begleitenden Gendarmerie vereitelt wurde, der Bergmann Lotz aus Oberhausen, wurde seinerzeit zu schwerer Zuchthausstrafe verurteilt, während nach lan­gem Verfahren Stratmann, der wegen verschiedener Räubereien noch 15 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hatte, als geisteskrank in einer Anstalt interniert wurde. Die

Gegen diese Ansichten halse keine Widerrede. Als der Jäger seinen Weg fortsetzte, hatte er endlich den Kuß, um den er richtig hatte betteln müssen. Er nahm freilich noch einige dazu, was man ihm in einem solchen Fall wohl entschuldigen kann.

Trotzdem aber stieg der Jäger fast in Sorgen hin­auf zu den Matten und Latschen, bei denen das Geins- wild steht. Seine erste Begegnung mit seinem Schatz hatte er sich nicht so geschäftlich, wie sie in Wirklichkeit ausgefallen war, gedacht. In die Arme schließen, Her­zen, küssen, drücken, hätte er sein Mädel mögen. Gar nichts anderes hatte er reden wollen, als daß er sie so viel, viel liebhabe, daß er ohne sie gar nicht mehr fein könne. Treu wollte er ihr sein bis zum Sterben.

Sie waren zu gar keiner solchen Aussprache gekom­men, vor lauter Sorgen, daß ihr Glück auch nur zu einem richtigen Anfang gelangen könne. Die Marei wollte einen günstigen Tag abwarten! So ein Verspruch darf doch nicht von einer Laune abhängen!

Unwillkürlich stellte er einen Vergleich an, wie Marei und die Zigeunerin ihn gesüßt hatten.

Das war doch was," meinte er,das hat Fletsch und Blut gehabt, bei der Schwarz'n. Vielleicht hat sich die Marei nicht so getraut? Ach was! Seit wann soll sich ein Mädl nicht trauen, ihren Liebhaber, der sie hei­raten will, richtig zu küssen? Hat sich doch die Ma- ruschka auch getraut, und bei der war's nur ein Dank. Freilich, wenn's alle so machen täten! Na, ich hoff', die Marei wird's noch besser lernen."

Für dieses Mal zog ihn ein Rudel Gemsen, die er in einem Graben bemerkte, von dem Gedankengang ab. Später machte er sich Vorwürfe, daß er das Kirsten bei­der Mädchen überhaupt verglichen hatte.

Die Gelegenheit, auf welche Marei hoffte, fand sich sogar früher, als sie dachte, aber in wenig erwünschter Art.

Fortsetzung folgt.).