Einzelbild herunterladen
 

Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld

Melier WW Äreisilitt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 107.

Freitag, den 8. Mai

1914.

Bus der Heimat.

§ Hersfeld, 7. Mai. Von beachtenswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen feilgehaltenen Mineralwässer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe. Die Verkäufer von Mineral­wässern im Ausschank sind angewiesen, das Getränk fernerhin nur gleich der Trinkwassertemperatur von etwa 10° Celsius abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Bieres, insbesondere aber der Mineralwässer gewarnt.

8 Hersfeld, 7. Mai. Maiglöckchen, die man seit etwa zwanzig Jahren in großen Plantagen aus Maiblumenkeimen züchtet, sind jetzt überall zu haben. Die zarte Pflanze mit ihren keuschen, zart duftenden Glöckchen ist leider, wie manchem unbekannt sein dürfte, nicht ganz ungefährlich. Das in allen Teilen der Blumen enthalteneConvallarin" ist ein heftiges Pflanzengift. Man soll deshalb niemals Maiblumen in den Mund nehmen, vor allem es aber den Kindern unbedingt verbieten, für deren schwache Konstitution es noch rascher gefährlich werden kann.

):( Hersfeld, 7. Mai. Der Metzgergeselle D ä n z e l, welcher bekanntlich im Januar d. Js die Frau Rot durch Messerstiche tötete und deren Ehemann schwer verletzte, hatte sich nach der Tat vor einen Eisenbahnzug geworfen, der ihm ein Bein abfuhr. Nunmehr hat Dänzel ein künstliches Bein erhalten und ist aus dem Krankenhause entlassen worden. Gestern wurde er nun zum ersten male dem Unter­suchungsrichter in Cassel vorgeführt, der gleich nach der ersten Vernehmung die Verhaftung Dänzels wegen Mordes verfügte. Der Prozeß kommt vor der nächsten Schwurgerichtsperiode zur Verhandlung.

)s( Hersfeld, 7. Mai. Am nächsten Sonntag findet in Hersfeld das Jahresfest des Kurhessischen Verbandes evangelischer Jungfrauen- vereine statt, zu welchem 800 Anmeldungen von Mitgliedern der Jungfrauenvereine aus dem Reg. Bez. Cassel bereits eingetroffen sind. Die Feier wird um 2 Uhr nachmittags mit einem Festgottesdienst in unserer Stadtkirche, in welchem Herr Pfarrer Eisen­berg aus Marburg die Festpredigt hält und der hiesige Kirchenchor sowie der Posaunenchor mitwirken, eröffnet. Nach Beendigung desselben gehen die Teil­nehmerinnen in geschlossenem Zuge unter Musikbe­gleitung von der Stadtkirche zum Auguste Viktoria Haus, wo sie mit Kaffee und Kuchen bewirtet werden. Um 4 Uhr beginnt alsdann die Nachfeier in der neuen Turnhalle, wobei Chorgesänge, Deklamationen, Auf­führungen von Reigen und Festspiel zur Unter­haltung beitragen und zugleich darstellen, in welchen Formen die Pflege der weiblichen Jugend in den Jungfrauenvereinen geschieht. Passende Ansprachen werden das Ganze umrahmen. Bemerkt sei noch, daß in Anbetracht des um 2 Uhr stattfindenden Fest­gottesdienstes am kommenden Sonntag derNebengottes- drenst um 8 Uhr morgens ausfällt.

-s- Hersfeld, 7. Mai. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, veranstalten am nächsten Sonntag der H ersfelder To uristen klu b und der Knüll- klub gemeinschaftlich eine Wanderung mit Damen nach Ludwigseck und Rotenburg. Die Anregung hierzu lfivom wanderfrohen Zweigverein Treysaausgeg und bereits auch anderwärts, so in Ziegenhasi Kielendorf, auf guten Boden gefi " ~ '

die vor zwei Jahren von 3b bürg unternommene W.

angen,

n und

allen. Ist doch bei

____________ ernsfeld nach Roten- unternommene"Wanderung durch die im Maien- prangenden Buchenwälder noch in so schöner ^//puerung, daß sich der Wunsch nach Wiederholung

, ud gemacht hat. In der Nähe des waldeinsamen Malkusteiches vereinigen sich die Teilnehmer und halten mehrstündige Rast, danach gehts weiter über Ludwigseck nach Rotenburg, wo gemeinschaftliches ^isen vorgesehen ist. Hoffentlich findet sich auch aus Hersfeld eine stattliche Zahl von Wandersleuten zusammen. Freilich heißt's früh aufstehen, denn der Weg brs zum Malkusteich erfordert schon 45 Stun­den,- dafür ist es aber auch besonders lohnend über dre Haukuppe und den gebrannten Kopf, und je weiter man kommt, desto schöner werden die Wälder, herrscht doch in den einsamen Waldrevieren noch die Buche vor. Frisch auf zum fröhlichen Wandern!

. )'.( Hersfeld, 7. Mai. In der heutigen Schöffen- g e r r ch t s i r tz u n g wurde gegen den Arbeiter Joh. Elebe, welcher zur Zeit seine Strafe wegen Brand- Mftung verbützt, und zu dem heutigen Termin von hierher transportiert worden war, wegen von Tuchen verhandelt. Der Angeklagte erhielt eine Strafe von drei Monaten Gefängnis. Ferner hatten sich drei hiesige Arbeiter, unter

denen sich auch die beiden Einbrecher bei Schade Berlinski und Madzelewski befanden, wegen Körper­verletzung zu verantworten. Von diesen erhielten zwei je 6 Wochen Gefängnis und der dritte, der zur Zeit eine Zuchthausstrafe verbüßt, eine Zusatzstrafe von 4 Wochen. Ein früherer Fürsorgezögling wurde wegen Fahrraddiebstahls mit 4 Wochen Gefängnis bestraft. Ein Fortbildungsschüler aus Friedlos, der wegen Ungehorsam angeklagt war,wurde freigesprochen. Wegen Schulversäumnis seines Lehrlings in der Fortbildungsschule wurde ein hiesiger Handwerks­meister mit 5 Mark bestraft.

):( Hersfeld, 7. Mai. Einen unglücklichen S t u r z m i t ö e m R a d e tat heute mittag ein Ar­beiter unterhalb des Friedhofes. Das Rad war jeden­falls auf dem schlüpfrigen bergab gehenden Wege ausgerutscht und der Mann fiel so unglücklich, daß er bewußtlos liegen blieb. Außerdem hatte er auch noch blutige Verletzungen am Kopf und im Gesicht davon- getragen, so daß er mittelst Krankenwagen in das Landkrankenhaus gebracht werden mußte.

):( Hersfeld, 7. Mai. Dem heutigen Vieh markt waren 172 Stück Rindvieh und 437 Schweine auf­getrieben. Der Handel war flau.

):( Hersfeld, 7. Mai. Der heutigen Nummer liegt ein Taschenfahrplan bei.

-b- Wölfershansen a. d. Werra, 6. Mai. Gestern nachmittag starb in Hersfeld, wohin er vor einigen Jahren verzogen war, der frühere langjährige Besitzer des hiesigen Gutes, Georg Gliemeroth, im 79. Lebensjahre. Mit dem Verstorbenen ist ein alter Deutscher von echtem Schrot und Korn dahingegangen. Neben der rationellen Bewirtschaftung seines umfang­reichen Gutes hatte der Heimgegangene ein großes Interesse für die Angelegenheiten des Kreises Hers­feld. Viele Jahre hat er dem Kreistag und dem Kreisausschuß angehört und seine reichen Kenntnisse auf den Gebieten der Landwirtschaft und Viehzucht und vielen anderen wirtschaftlichen Gebieten in ver­schiedenen Kommissionen, deren Mitglied er war, in den Dienst der Allgemeinheit gestellt.

-b- Reilos, 6. Mai. Als gestern ein Radfahrer die steile Straße in den Ort hineinfuhr verlor er die Gewalt über sein Rad und sauste mit demselben zu einem Fenster des gerade an der Straße stehenden Hauses hinein. Während das Fenster total zer­trümmert wurde, kam der Radfahrer selbst mit dem Schrecken und leichten Hautabschürfungen davon.

Cassel, 6. Mai. Gegen abend sprang hier in der Hegelsbergerstraße die vierzigjährige Ehefrau Häuf in einem Anfall von Wahnsinn aus ihrer im zweiten Stockwerk belegenen Wohnung zum Fenster heraus. Bei dem Sturz auf das Straßenpflaster trug die Be­dauernswerte neben Brüchen beider Arme lebens­gefährliche innere Verletzungen davon.

Göttingen, 6. Mai. Der im hiesigen Gefällguis untergebrachte zum Tode verurteilte Mörder Fuhr­mann vermochte sich vor kurzem durch Eintauchen der Hände in kaltes Wasser und Beschmieren mit Seife der Handfesseln zu entledigen, anscheinend in der Absicht, flüchtig zu werden. Nunmehr hat man ihn an Händen und Füßen gefesselt.

Crainfeld, 6. Mai. Die Bluttat in Crainfeld hat jetzt ein zweites Opfer gefordert. Die 21jährige Tochter Lina, die mehrere Beilhiebe über den Kopf erhalten hatte, ist gestern nachmittag im Krankenhause in Lauterbach ihren Verletzungen erlegen.

Abgeordnetenhaus.

Am Mittwoch begründete in der fortgesetzten Beratung des Kultusetats Abg. Lippmann (Fortschr.) den Antrag auf gesetzliche Regelung des Privatmädchen- schulwesens. Die Behauptung, daß die jetzt geltenden Bestimmungen mit der Verfassung nicht in Einklang standen, wies Kultusminister v. Trott zu Solz ent­schieden zurück. Im übrigen dürfe über den gewerb­lichen Interessen der Privatschulbesitzer nicht das höhere des Unterrichts vergessen werden. Die Re­gierung müsse Mittel in der Hand haben, das Interesse der Jugend gegen etwa ungeeignete Lehrkräfte wahr­zunehmen. Abg. Dr. Wagner (fonf.) betonte, es läge keine Veranlassung vor, ein neues Schulgesetz zu fordern. Der dem Herrenhause vorliegende Entwurf trage den Ansprüchen der Privatschulbesitzer völlig Rechnung. Abg. Dr. Kanfmann (Ztr.) wies auf die pädagogischen Erfolge der Prrvatmadchenfchulen hm. Es wäre zu bedauern, würde man sie uniformieren. Abg. Ernst (Fortschr.) war der Meinung, daß der Staat oft zu rigoros gegen die Schulbesitzer vorgehe. Abg. Lippmann sFortschr.) erwiderte auf die Rede des Ministers, die Verfassung verlange ein Gesetz zur Regelung der Schulfragen, doch herrsche noch immer der gesetzlose Zustand. Der Minister bemerkte, daß

der Vorredner dadurch seine ersten Worte modifiziert habe und er, der Minister wolle nur der Auffassung entgegentreten, daß ein verfassungsloser Zustand herrsche. Abg. Eickhoff (Fortschr.) brächte die ungleiche Behandlung zur Sprache, die den Abiturienten privater Realschulen zuteil wird. Der Antrag wurde darauf der Uuterrichtskvmmissiou überwieseu. Beim Kapitel Elementar-Unterrichtswesen wurde die Debatte zunächst bei Verteilung der Volksschullasten begonnen. Ein Kommissionsantrag fordert die Vorlegung eines Gesetzes zur Beseitigung des unerträglichen Druckes, den die Schullasten auf einen Teil der Gemeinden und Gutsbezirke ausüben, sowie eine Ausgleichung der Mißstände im Lehrerbesoldungswesen. Ein Antrag Aronsohn wünscht Beseitigung der Ueberlastung, während ein Antrag Krause sfreik.) auf Gewährung von Ergänzungszuschüssen gerichtet ist. Abg. Graf v. d. Groeben skons.) wies auf die ungeheure Verschieden­heit und die starke Belastung mancher Gemeinden hin, die ein Hanpthindernis für die innere Kolonisation bilde. Der Abwanderung der Lehrer vom Lande in die Stadt müsse durch eine genügende Besoldung entgegengewirkt werden. Er, wie der Abg. Glattfelter (Ztr.) lehnten den Antrag Aronsohn ab, stimmten aber den andere»» Anträgen zu. Abg. Dr. v. Campe (ntl.) bemerkte, daß der durch die Schullasten hervorgerufene Steuerdruck die Freude am kommunalen Leben trübe. Wichtig sei aber, daß der kommunale Charakter der Schulen erhalten bliebe. Abg. Frhr. v. Zedlitz (freik.) stimmte beut zu, warnte aber vor der Forderung des Vorredners, die Polizeikosten mit der Schullastensrage zu verquicken. Der Kultusminister erkannte die Miß­stände an, doch seien die Schwierigkeiten der Sache sv groß, daß die Regierung bei aller Bereitwilligkeit nicht angeben könne, bis zu welchem Zeitpunkt sie zu regeln sei. Darauf vertagte sich das Haus auf Donnerstag 11 Uhr: Fortsetzung. Schluß ^5 Uhr.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag setzte am Mittwoch die allgemeine Aussprache über den Militäretat fort. Erster Redner war der Abg. Rogalla v. Bieberstein (kons.), der es begrüßte, daß die Durchführung der Wehrvorlage so vorzüglich gelungen sei und betonte, daß die Armee der Stolz des Vaterlandes und des ganzen Volkes sei. Die Verstärkung der Armee war notwendig und die Gründe für sie seien immer noch vorhanden, denn Konfliktsstoff liege immer noch in der Luft. Ein Ver­schwinden der Soldatenmißhandlnngen werde hoffent­lich nicht lange auf sich warten lassen. Daß die Be­soldungsvorlage von der Regierung abgelehnt sei, sei bedauerlich und eine Verständigung darüber umso- mehr zu wünschen, als zahlreiche Beamte darauf märten. Mit dem Wunsche, daß die alten Traditionen der Armee, der Geist der Treue gegen Kaiser und Vaterland immer erhalten bleiben mögen, schloß die Rede, die von der Rechten mit lebhaftem Beifall auf- genornmen wurde. Abg. Dr. Müller-Meiningen (fortschr.) schloß sich der Freude über die Durchführung der Wehrvorlage an und hoffte, daß sie auch wirklich dein Weltfrieden diene, dessen Feinde nicht die Völker und Fürsten, sondern die pensionierten Generäle seien. Turnerschaft und Militärverwaltung müssen sich verbinden zur Hebung der körperlicher» Tüchtig­keit, wobei soziale und konfessionelle Vorurteile fallen müssen. Die Zurücksetzung des bürgerlichen Elements sei ein schweres Unrecht gegen die Armee. Abg. Hegenscheidt (Rp.) sah in der ohne wirtschaftliche Er­schütterung erfolgten Durchführung der Wehrvorlage einen Beweis für die innere Stärke des Deutschen Reiches und hoffte, daß sich die bürgerlichen Parteien zusammenfinden mögen zu gemeinsamer Arbeit zum Wohl der Armee. Abg. Werner-Hersfeld (Resp.) schloß sich im wesentlichen dem an. Zum Schlüsse nahm unter allgemeiner Aufmerksamkeit Kriegsminister v. Falkenhayn das Wort. Er betonte die Notwendigkeit einer Bekämpfung der Mißhandlungen, gegen die in jeder Brust ein Abscheu lebe. DerVorwärts" teilt immer nur Mißhandlungen mit, unterläßt es aber, die mutigen Rettungstaten von Offizieren mitzu- teilen. Das zeigt, daß es deinVorwärts" nur auf Verhetzung ankomme. Redner ging des weiterer» auf die neue Vorschrift über den Waffengebrauch des Militärs ein und betonte, daß die neuen Vorschriften eine genaue Abgrenzung zwischen Zivil- und Militär- gewalt bezwecken und eine Aufstellung anerkannter Rechtsnormen seien. In bezug auf den Wehrverein erklärte der Kriegsminister, daß keinerlei Beziehungen zwischen der Armee und dem Verein bestehen. Ver­kannt dürfe jedoch nicht werden, daß die Ziele des Vereins dieselben wie die der Armee seien. Donners­tag Fortsetzung.

Wetteraussichten für Freitag den 8. Mai.

Meist trübe, zeitweise Regenfälle, keine Tem- peraturänderung, westliche Winde.