Herssel-er Tageblatt
Amtlicher Anzeiger für den Kreis Hersfeld
Welk Wlott
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Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post bezogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.
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Gratisbeilagen: „Illustriertes Sonntagsblatt" und „Illustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-slnschlutz Nr. 8
Nr. 106. Donnerstag, den 7. Mai 1914.
Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.
Bus der Heimat.
* Zum Düngen von Z i m m e r p f I a n § c n empfiehlt der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau in Frankfurt a. O. einen Aufguß vonHornspän- wasser. Man setzt ein Gefäß mit Wasser an und füllt es zur Hälfte mit den Spänen. Mit der klaren Flüssigkeit wird gegossen. Eine bestimmte Menge kann nicht gut angegeben werden, da hierbei sowohl die Art der Pflanzen als auch deren Entwicklungs- zustanö mit in Betracht gezogen werden müßten Eine Pflanze darf aber nur dann gedüngt werden, wenn sie vollständig gesund ist, nicht kränkelt und nur in der Trieb-, nicht in der Ruhezeit, ferner darf man nie zu stark düngen, sondern nur hin und wieder schwache Güsse anwenden, überhaupt ist bei der Pslanzenflege viel mehr Wert auf die ganze sonstige Kultur als auf Düngung zu legen, wie: auf hellen, doch vor starker Sonne geschützten Stand, aus guten Wasserabzug für die an den Wurzeln empfindlichen Gewächse, auf richtiges Gießen, paffende Erdart usw. Man findet öfter im Zimmer kultivierte Palmen, die, ohne gedüngt worden zu sein, in außerordentlich guter Entwicklung stehen.
* (Kreis turnsest.) Der Kreisturnrat des 7. Turnkreises war am Sonntag in Göttingen versammelt, um neben der Erledigung geschäftlicher Kreisangelegenheiten den Kostenanschlag des Kreisturnfestes und den vom Festausschuß aufgestellten Festplan zu prüfen. Sämtliche vom Festausschuß getroffenen Maßnahmen fanden die Billigung des Kreis- turnrates,- es wurde sowohl der Festplan wie auch der mit 18 500 Mk. eingesetzte Kostenanschlag genehmigt. Betragen die Ausgaben für das Fest auch ' 2 mal soviel wie die des letzten Kreisturnfestes in Eschwege, so ist doch bet der günstigen Lage der Feststadt und bei ihrer 3V2 mal so großen Einwohnerzahl, als Eschwege sie besitzt, zu hoffen, daß bei einigermaßen günstigem Wetter die Kosten gedeckt werden. Bürgerund Turnerschaft werden alles daran setzen, den zahlreich zu erwartenden Gästen ein der deutschen Turnerschaft würdiges Fest vorzubereiten. Aus den übrigen Beratungen des Kreisturnrates sei hervorgehoben, daß der Antrag einer Anzahl Casseler Turnvereine, einen Gau Cassel zu begründen, abgelehnt wurde, weil eine starke Minderheit der Casseler Turnvereine Gegner des Antrages war.
):( Hersfeld, 5. Mai. Der heutigen Nummer- haben wir ein Mer kblatt fttr die Kranken- und Invalidenversicherung beigelegt. Bei der Unklarheit, die heute noch vielfach bei dem Kleben der richtigen Marken herrscht, empfehlen wir dieses Blättchen allgemeiner Beachtung und Aufbewahrung.
):( Hersfeld, 6. Mai. Nach einer Bekanntmachung der Königlichen Regierung in dem heutigen Amtlichen Anzeiger wird vom 1. Oktober d. Js. ab von der Königlichen O b e r f ö r st e r e i N e u e n st e i n bei den öffentlichen Holzverkäufen Bürgschaften für Holz- kaufgelder nicht mehr angenommen. Das bisher übliche Bürgschaftswesen bei den Holzverkäufen ergab sowohl für die Holzkäufer durch Beschaffung der Bürgen und des Bürgschaftsstempels, wie auch ur die beteiligten Beamten durch Prüfung der Burgscheine und ihre Haftpflicht eine wesentliche Mehrbelastung. Die Art der Bürgschaftsleistung für dre meistens sehr niedrigen Beträge entspricht auch durchaus nicht mehr dem Kreditwesen im modernen ^n^s^erkehr, der auch auf dem Lande heute überall Einrichtung von Sparkassen, Kreditvereinen usw. wÄW^Erleichiert ist. Bon feiten der Vorstände wird heutzitta^ Bereinigungen und Genossenschaften so daß auch ( f
wirdük,JH Vereinigungen und Genossen,masren S tue Bevölkerung hieran zu gewöhnen,
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w p K H^Aeld, 6. Mai. Anläßlich des heutigen .rtstages Sr. Königlichen Hoheit des Kr0n- schmuck 6" ^gen die öffentlichen Gebäude 8ta„
Flaggen-
Hersfeld. 6. Mai. In der Zeit vom 10-16.
^^ in der ganzen Monarchie eine vom ^^"^iEomitee des Preußischen Landesvereins vom ^^En Kreuz veranstaltete Kollekte in Form einer u s s a m m l u n g abgehalten. Der Ertrag der Sammlung dient lediglich den Kriegsvorbereitnngen "er freiwilligen Krankenpflege des Roten Kreuzes. Im hiesigen Kreise sind Ortskomitees gebildet worden, denen die Geistlichen, Lehrer usw. angehören. Durch diese Komitees wird die Sammlung
mittelst verschlossener Blechbüchsen vorgenommen. In den Gemeinden Niederaula, Mengshausen, Kerspen- Hausen, Asbach, Kohlhausen, Petersberg, Frielingen, Heddersdorf, Kirchheim, Kleba, Unterhaun, Oberhaun, Rotensee und Kalkobes erfolgt die Sammlung durch Mitglieder des Jungdeutschlandbundes, die in ihrer Uniform zu Rad die genannten Ortschaften aufsuchen. — Möge die Sammlung auch in unserem Kreise überall eine offene Hand finden.
*-Die Israelitische Lehrerkonferenz Hessens hält am 21. Mai ihre 46. Jahresversammlung im Hotel Monopol in Cassel ab. Den Hauptpunkt der Beratungen bildet der Vortrag des Lehrers Katz (Nentershausen) über „Die Lage der hessischen Juden auf dem Lande",- das Korreferat hat Großkaufmann Katz (Cassel) übernommen.
-r- Schenklengsfeld, 6. Mai. Am gestrigen Tage begingen die Eheleute Schmidt dahier das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Aus diesem Anlaß wurde dem Jubelpaare die Ehejubiläumsmedaille verliehen.
Rotenburg, 5. Mai. Aus dem benachbarten Gutshofe Wüstefeld gerieten heute nachmittag drei Strohhaufen in Brand. Da der Gutshof in unmittelbarer Nähe liegt, sodaß die Gefahr der Weiterverbreitung des Feuers sehr groß war, wurden die benachbarten Feuerwehren alarmiert. Es gelang jedoch, das Feuer so rechtzeitig auf seinen Herd zu beschränken, daß die Wehren nicht mehr auszürücken brauchten.
Eisenach, 4. Mai. Im Konkurs über das Vermögen des Fabrikbesitzers Otto Kettembeil, der am 17. April ds. Js. vom hiesigen Amtsgericht eröffnet wurde, belaufen sich die gesamten Passiven, für die keine Deckung vorhanden ist, auf über 200 000 Mk.
Vom Thüringer Wald, L -Mai. Wie sich jetzt übersetzen läßt, haben die Nachtfröste in den ersten Maientagen doch erheblicheren Schaden angerichtet, wie zuerst angenommen. Bis auf 5 Grad unter Null war das Wetterglas gefallen. Die frischen Triebe und Blätter der Eichen und Buchen an den Bergabhängen der Seitentäler sind fast gänzlich erfroren. Auch die Gartenpflanzen und Baumblüte haben argen Schaden erlitten, teilweise ist auch die Heidelbeerblüte verdorben.
Saalburg (Saale), 5. Mai. In der vergangenen Nacht 1/2I Uhr ist hier Großfeuer ausgebrochen, das in kurzer Zeit sechs Gutshöfe mit Nebengebäuden in Asche legte.
Hanan, 5. Mai. Der über 1000 Mitglieder umfassende Hanauer Haus- und Grundbesitzerverein hat gegen die den Grundbesitzern auferlegte Voraus- belastung von 100 000 Mark für die Tiefkanalisation beim Bezirksausschuß in Cassel Einspruch erhoben. — Beim Spielen stürzte das zweijährige Kind des Bahnhofsvorstehers Eichhorn in Hellstem in ein Gefäß mit siedendheißer Waschlauge. Es erlitt lebensgefährliche Verletzungen und kam in hoffnungslosem Zustande ins Hanauer Krankenhaus.
Darmstadt, 4. Mai. Heute gegen Mittag Überfuhr das einem Herrn Reuter aus Mannheim gehörende Automobil die 50jährige Witwe Göbel, die dabei so schwere Verletzungen erlitt, daß sie kurze Zeit darauf verstarb. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung eingeleitet.
Deutscher Reichstag.
Auf der Sitzung vom Dienstag stand zunächst eine kurze Anfrage der Abgg. v. Meding (W.) und Behrens (w. Vg.), ob die Auslegung der R. V. O. richtig sei, daß die Krankenkassen den Wöchnerinnen, die erst vom 1. Januar d. I. versicherungspstichtig seien, das Wochengeld verweigern, weil M noch nicht 6 Monate der Krankenkasse angehörten. Ministerialdirektor Dr. Caspar erwiderte, daß diefe Frage nur im Wege der Feststellungsklage entschieden werden könne. Sodann wurde die namentliche Abstimmung über einen sozialdemokratischen Antrag zur Konkurrenzausel- vorlage vorgenommen, nach dem bei, der Erfullungs- klage Freiheitsstrafen unzulässig sein mitten. Er wurde mit 215 gegen 99 Stimmen der Sozialdemokraten abaelehnt. Eine Petition gegen den heimlichen Waren- Handel wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Nunmehr begann die allgemeine Aussprache zum Militäretat. Kriegsminister v.Falkenhayn leitete sie ein mit einer Darlegung über die Durchführung der Webrvorlage. Es handelte sich um die Unterbringung eines Mehrs von. 60 000 Mann und 21000 Pferden Unter dem lebhaften Beifalle der bürgerlichen Parteien teilte der Rrtegsmimüer mit, daß der Mannschaftsersatz ohne Schwierigkeit gelungen sei. 38000 Mann seien sogar übrig behalten worden. Ferner seien 0,31 Prozent Mannschaften mehr vom
Dienst befreit worden, deren häusliche Verhältnisse dies erforderlich machten. Der Unteroffiziersersatz werde in kurzer Zeit gedeckt sein. Weiter erläuterte der Minister die Remontieruntz, die Festurmsneubauten, die Unterbringung von Offizieren und Mannschaften und den Gesnndheitsznstand des Heeres, der ein ganz vorzüglicher sei, und betonte zum Schlüsse, daß am 6. Oktober 1913 die neuen Verbände sämtlich ausrücks- fähig in kriegsbereitem Zustande vorhanden waren. Die Leistungen der Verwaltungen und ihrer Beamten waren geradezu mustergültig und bewundernswert und verdienen vollste Anerkennung. (Lebh. Beifall.) Abg. Schulz-Erfurt (Soz.) zog wiederholt den Kronprinzen in den Bereich seiner Betrachtung, so daß Präsident K a e m p f unter dem Beifall der Rechten mehrfach einschreiten und den Redner zur Sache rufen mußte. Redner behauptete weiter, daß die Sozial- demokratie keinen Haß gegen die Religion, Monarchie und Heer hege und bezeichnete dahingehende Bemerkungen als dummes Geschwätz. Trotz der Rüge des Präsidenten wiederholte Redner diese Bemerkung und wurde nun zur Ordnung gerufen. Redner schloß, daß seine Partei das stehende Heer als Instrument der Klassenherrschaft solange bekämpfen werde, als es bestehe. Abg. Erzberger (Ztr.) betonte, daß das Heer nicht eine Organisation gegen, sondern für das Volk sei. Von der Notwendigkeit der lebten Heeresvorlage seien seine Freunde nach wie vor überzeugt. Sie habe mit dazu beigetragen, daß der Weltfrieden aufrechterhalten blieb. Aus die Durchführung der Vorlage könne das deutsche Volk nur stolz sein. Seine Freunde verlangen vor allem eine Beseitigung des Duellzwanges. Auch Abg. Bassermann (natl.) sah in der Wehrvorlage eine Notwendigkeit für die Erhaltung des Weltfriedens. Mittwoch Fortsetzung.
Abgeordnetenhaus.
Die zweite und dritte Beratung des Gesetzentwurfs über die Erweiterung des Stadtkreises Köln a. Rh. wurde am Dienstag nach einer nochmaligen Besprechung gegen die konservativen und einen Teil der freikonservativen Stimmen durch Annahme erledigt. — Ein Gesetzentwurf zur Ergänzung des Gesetzes über die Errichtung von Rentenbanken wurde an die Agrarkommission verwiesen nach unerheblicher Erörterung. Ebenso schnell an eine Kommission von 14 Mitgliedern verwiesen wurde eine Vorlage über die Beschäftigung von Hilfsrichtern beim Oberverwaltungsgericht. Dann setzte das Haus die Beratung des Kultusetats fort. Abg. Dr. Ärning (Natl.) begründete einen von den Konservativen unterstützten Antrag, der Kolonialschule in Witzenhausen einen staatlichen Zuschuß zu gewähren. Abg. Linz (Ztr.) beantragte ebenfalls SNratszuschuß für die Kolonial- bildungsanstalt in Engelport. Beide Anträge wurden an die Budgetkommission verwiesen. Auf die von den Abgg. Reinhardt (Ztr.), Flathmann (Watt) gewünschte Beibehaltung resp. Vermehrung der Parallelklassen in Osnabrück erwiderte ein Regierungsoer- treter, daß, wenn die drei vorhandenen Klassen nicht ausreichten, die Stadt eine neue Schule bauen müsse. Abg. Dr. Krüger (kons.) forderte Vermehrung der Staatszuschüsse für die höheren Lehranstalten in Westpreußen. Bedenken gegen die Prüfung katholischer Abiturienten durch evangelische Geistliche äußerte Abg. Muschallik (Ztr.). Abg. Pietzker (Fortschr.) wünscht Bereitstellung größerer Mittel für die naturwissenschaftlichen Lehrer-Fortbildungskurse. Beim Titel „Höhere Lehranstalten für die weibliche Jugend" verlangte ein Antrag Aronsohn (Fortschr.) eine gesetzliche Regelung desPrivatschulwesens. Abg. v. Kessel (kons.) hielt das Oberlyzeum für die beste Vorbereitung für das Studium der Mädchen. Gegen eine gesetzliche Regelung des Privatmädchenschulwesens feien große Bedenken geltend zu machen. Für die Oberlyzeen setzten sich dann auch die Abgg. Dr. Kaufmann (Ztr.) und Dr. Herwig (Natl.) ein. Mit dem endgültigen Urteil müsse freilich noch gewartet werden. Kultusminister v. Trott zu Solz betonte, daß das Oberlyzeum keine seminaristische Anstalt, sondern eine höhere Lehranstalt fei; die auch nicht der Oberrealschule gleichzustellen sei, denn es werde eine Reifeprüfung beim Uebergang zur Universität gefordert. Der Minister gab dann der Hoffnung Raum, daß nur die wirklich tüchtigen Frauen studieren, und daß es nicht Mode würde, zur Universität zu gehen. Die privaten Mädchenschulen wolle er auch in Zukunft weiter fördern. Abg. Viereck (freik.) gab der Befriedigung über die Mädchenschulreform Ausdruck und sprach sich ebenfalls für die Oberlyzeen aus. Nächste Sitzung: Mittwoch 11 Uhr. Fortsetzung.
Wetteraussichten für Donnerstag den 7. Mai.
Wolkig, zeitweise Niederschläge, keine Temperaturänderung, westliche Winde.