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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^A^. für den Kreis Hersfeld

Weiher Äreishlatt

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage"

Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 104.

Dienstag, den 5. Mai

1914.

Bus der Heimat.

* Der 21. Verb andsta g des Mitteldeutscher, Gastwirte-Verbandes findet am 11., 12. und 13. Mai in Witzenhausen statt. Die Vorbereitungen zu dieser Tagung, an der wohl über 100 Teilnehmer zugegen sein werden, sind bereits im Gange. Am 11. Mai finden die Beratungen des Zentralvorstandes statt. Am Morgen des 12. Mai tagt die Verbands­versammlung. Der Nachmittag ist zu Ausflügen ins Werratal vorgesehen: abends ist Festessen mit nach­folgendem Ball. Der 13. Mai ist zur Besichtigung gewerblicher Betriebe und der Deutschen Kolonial­schule bestimmt.

* (Elektrische Beleuchtung der Eisen­bahnwagen.) Durch Erfindung der Metallfaden­lampe besteht, nach Feststellung der preußisch-Hessischen Staatseisenbahn-Verwaltung, eine elektrische Be­leuchtungsart, die nicht teurer ist, wie die jetzt fast gänzlich durchgeführte Gasglühlichtbeleuchtung. Die Schlafwagen sind bereits alle elektrisch beleuchtet, die neuen D-Zug-Wagen erhalten nunmehr ebenfalls elektrische Beleuchtung durch Metallfadenlampen. Die Wagen, die mit Gasglühlicht eingerichtet sind, bleiben unverändert, da diese Beleuchtungsart vollkommen ausreichend ist. Doch wird man beim Bau neuer Wagen prüfen, ob sie nicht mit Metallfadenlampen ausgerüstet werden. Die Eisenbahnverwaltung ist also stark auf dem Weg zur allgemeinen Einführung der elektrischen Wagenbeleuchtung.

):( Hersfeld, 4. Mai. Die am Freitag neu eröffnete Haltestelle Hers selb Bad hatte an ihrem gestrigen ersten Sonntage einen außerordentlich starken Verkehr aufz,»weisen. Besonders herrschte zu dem Nachmittagszuge um V23 Uhr ein großes Gedränge.

-b- Hersfeld, 4. Mai. Am gestrigen Sonntag wurde der entseelte Körper eines ehemaligen alten Garde-Jägers und ehemaligen Kämpfers von 1866 und 70 des Herrn Hegemeisters Schuppelins dem kühlen Schoß der Erde übergeben. Nicht nur alte College», sondern jung und alt gaben dem alten Herrn das letzte Geleit. Herr Pfarrer Gonnermann hielt eine Gedächtnisrede, die der Wirklichkeit ent­sprach und zu Herzen ging. In der vollen Hoffnung und Erwartung, daß nur dort Frieden und Einigkeit herrschen möge, möge dem alten Garde-Jäger einen ewiger steter Frieden beschieöen sein.

*(DasallgemeinegroßeKirch engebet.» Der König hat eine Allerhöchste Verordnung, betreffend eine Aenderung des allgemeinen Kircheugebetes be­züglich der Fürbitte für die Luftfahrertruppen erlassen, wonach die betreffende Stelle folgende Fassung erhält: »Beschütze das königliche Kriegsheer und die gesamte deutsche Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser, in­sonderheit die Schiffe und die Luftfahrzeuge, welche auf der Fahrt sind". Auf Anordnung des Ober- kirchenrates wird man nunmehr vom nächsten Sonn­tage ab das allgemeine Kirchengebet in dieser ver­änderten Fassung in den Kirchen hören.

Heringen (Werra), 1. Mai. Im Kolonialwaren- geschäft von Siebert war in desien Abwesenheit auf bis jetzt unaufgeklärte Weise Feuer ausgebrochen, doch konnte dasselbe bevor es größeren Schaden an- richtete, gelöscht werden.

x- Widdershausen, 3. Mai. Die hiesige Vürger- ...... ~ ' Ä-ifelb

meisterkrise hat für den Handelsmann Georg Hop von hier noch ein sehr unangenehmes Nachspiel ge­habt. Wegen Beleidigung des Bürgermeisters Schäfer, ^Sangen durch eine Eingabe an das Landratsamt in verurteilte das Schöffengericht in Friedewald Sitzung vom 8. April Hopfeld zu einer ni,nÄ6m8 und in die Kosten. Der Verurteilte ' ^"umehr vorige Woche seine Strafe angetreten.

kettn^^NT'Uev, 2. Mai. Eine öffentliche Aner- »Ä bat der Regierungspräsident dem Schneider Widdershausen (Kr. Hersfeld) rochen, der am 15. Januar d. I. die achtjährige Welche auf dem Eise der Werra einge- f^?W sein entschlossenes Eingreifen vom -rooe oes Ertrmkens gerettet hat.

ysl^eld, 1. Mai. Dem Streckenarbeiter Klein s^n hier wurde durch einen mit Eisenbahnschienen Wagen ein Fuß überfahren und zerquescht. Er kam ,ns hiesige Krankenhaus.

Lauterbach, 1. Mai. Ihrem Leben ein Ende machte «^^^iene Tochter eines hiesigen Gastwirts, indem ne Gift nahm.

^schwege, Werra, 2. Mai. Ein hiesiger Eisen- vahnlokomotrvführer brächte sich heute früh in selbst- mörderrfcher Absicht in seiner Wohnung einen Schuß m ine rechte Halsseite bei. Der Verletzte wurde dem hiesigen Landkrankenhause zugeführt,- die Verletzungen

sind nicht lebensgefährlich. Die Ursache der Tat ist unbekannt.

Corbach, 2. Mai. An der Diemeltalsperre bei Heringhausen in unserem Kreise ereignete sich leider ein trauriger Unglückssall. Der 58jährigeSteinbruchs­arbeiter K. aus H. war nachmittags mit dem Ver­zehren seines Vesperbrotes beschäftigt, als^ plötzlich ein starker Schuß krachte. Durch die umherfliegenden Steinmassen wurde der arme Mann so hart getroffen, daß bald darauf der Tod eintrat.

Marburg, 1. Mai. Der heute hier abgehaltene Jahrmarkt, der sog. Walpurgismarkt, brächte unserer Stadt einen besonders regen Verkehr. Musikkapellen, Drehorgelspieler, Schausteller usw. waren ebenfalls zahlreich vertreten zum großen Vergnügen der Jugend und der noch in fröhlicher Maifeierlanne befindlichen Studenten, die es an Scherzen nicht fehle», ließen.

Witzenhausen, 3. Mai. In letzter Nacht hat der Reif mannigfacher, Schaden angerichtet. Die Kirsch­blüte dürfte, da zumeist schon Fruchtansatz vorhanden ist, weniger gelitten haben, umsomehr erscheinen die Pflaumen und Aepfelernteaussichten beeinträchtigt.

Steinbach-Hallenberg, 2. Mai. Hier gerieten zwei Jungen im Alter von fünf Jahren, als sie zur Kinderschule gehen wollten, in der Hauptstraße unter einen Wagen der Firma Merkel aus Schmalkalden. Der eine erlitt einen Oberschenkelbruch, der andere kam mit Hautabschürfungen davon. Die Kinder liefen direkt in das Gespann hinein, so daß den Kutscher keine Schuld an dem Unglücksfall trifft. Ferner wurde einem sechs Jahre alten Knaben beim Antreiben eines Pferdes von diesem das Nasenbein entzwei geschlagen.

Bolkmarsen, 2. Mai. Ein bedauerlicher Unglücks­fall traf den ältesten Sohn des Händlers A. Koke. Beim Spatzenschießen entluden sich die Pulvergase durch das Schloß und verbrannten ihm das Auge derartig, daß er die Sehkraft verlieren wird.

Sonneberg, 2. Mai. Freitagnacht gegen ^12 Uhr brach hier im Geschäftshause der bekannten Spiel- waren-Exportsirma Louis Lindner & Söhne Feuer aus, das bei dem herrschenden Wind in kurzer Zeit das Gebäude bis auf die Grundmauern einäscherte. Durch das Feuer sind auch große Warenlager ver­nichtet worden.

Vom Thüringer Wald, 2. Mai. Nach starken Regenfällen der letzten Tage trat in vergangener Nacht ein Wetterumschlag ein; das Thermometer fiel bis 3 Grad, so daß an vielen Orten erneut Frost­schaden an der Baumblüte und in ben Gartenpflanzungen entstanden ist.

Neustadt (Thüringen), 2. Mai. In seinem Garten­hause wurde heute früh der Gärtnereibesitzer Büchner blutüberströmt als Leiche aufgefunden. Wie der Tod herbeigeführt ist, konnte noch nicht festgestellt werden. Eine Gerichtskommission hat sich an Ort und Stelle begeben. Auch ist zur eventuellen Aufklärung ein Polizeihund aus Eisenach bestellt worden.

Erfurt, 1. Mai. Der Musketier Gräs vorn 71. Infanterie-Regiment in Erfurt erlitt vorgestern beim Marsch von Erfurt nach Ohrdruf einen Hitzschlag. Er wurde sofort nach dem Krankenhause in Ohrdruf übergeführt, wo er in vergangener Nacht starb. Der Marsch war nicht anstrengend, und der Unglückssall ist lediglich auf die plötzlich eingetretene starke Hitze zurückzuführen.

Hemfurth, 4. Mai. Als Anlegestellen für den Motorbootbetrieb auf der Waldecker Talsperre, der am kommenden Sonntag eröffnet wird, kommen in Betracht: Sperrmauer, Schloß Waldeck, Werbetal, Bringhausen, Aseltal, Herzhausen und Höchsten,. E,n Fahrplan wird in kurzem bekanntgegeben werden.

Kirchhunden (Sauerland), 3. Mai. Im benach­barte», Selbecke wurde das ganze Gehöft des Land­wirts Stracke durch ein im Wohnhause entstandenes Neuer eingeäschert. Bei den, Verbuche, sein Eigentum zu retten, erlitt der alte Vater des Besitzers tödliche Brandwunden.

Weinheim, 3. Mai. Ein Automobilunglück ereig­nete sich in Laudenbach an der Bergstraße. Von einem von Frankfurt kommender, Automobil wurden zwe, Mädchen im Alter vor, 7 und 9 Jahren erfaßt und überfahren. Das neunjährige Mädchen war sofort Wt während das jüngere lebensgefährliche Verletz­ungen erlitt, so daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird.

Abgeordnetenhaus.

Präsident Graf v. Schwerin-Löwitz eröffnet die Sonnabend-Sitzung mit einem Nachruf für den auf

der Heimreise plötzlich verschiedener, Abg. Decker (Ztr), der dem Hause seit 1903 angehörte. Stehend hörte das Haus den Nachruf an. Zur Fortberatung des Kultusetats lagen zwei fortschrittliche Anträge vor, die an der Berliner Universität die Errichtung eines Lehrstuhls für Tropenpathologie und eines Ordinariats für prähistorische Forschungsordern. Abg.Braun(Soz.) bemängelte, daß bei dem Aerztestreit in Königsberg die Kliniken sich auf die Seite der Aerzte gestellt hatten. Diese Haltung verteidigte Abg. Dr. Mugdau (fortschr.), es sei Echt Kranker ohne ärztliche Hilfe geblieben. Abg. Hue (Soz.) trat für die freie Arztwahl ein. Dann begründete Abg. Dr. Mugdan (Fortschr.) den Antrag betr. Errichtung eines Lehrstuhls für Tropenpathologie, Abg. Dr. Rnnze (Fortschr.) das geforderte Ordinariat für prähistorische Forschung. Warf) zustimmenden Be- merkungen des Abg. D. Arning (Natl.) wurden beide Anträge der Budgetkommission überwieseu. Abg. Haeuisch (Soz.) übte Kritik an dem Disziplinarrecht der Rektoren aus Anlaß der Maßregelung eines abstinenter, Studenten in Greifswald. Abg. Viereck (freit) begründete einen Antrag auf Errichtung eines Lehrstuhls für osteuropäische Geschichte in Breslau. Abg. Korfanty (Pole) äußerte die Befürchtung, daß für diesen Lehrstnhl ein polenfeindlicher Professor aus­ersehen sei. Abg. Küuzer (Natl.) erbat auch für die Akademie Posen einen derartigen Lehrstuhl. Nach kurzer Erörterung durch die Abgg. Kindler (Fortschr.) und Viereck (freit) überwies das Haus beide Anträge der Budgetkommission. Dann trat das Haus in die Beratung des Antrags der Budgetkommission ein, jährlich 10 000 Mk. zu bewilligen für Förderung der religionsgeschichtlichen Sammlung der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften^ c-r nach Befürwortung der Abgg. Dr. Otto (natlj und Graf Moltke (freit) Annahme fand. Abg. Volger (freit) forderte den Ausbau des Göttinger landivirtschaftUchen Instituts. Die Abgg. Dr. Friede-erg (natl.), Schmedding (Ztr.), Münsterberg (Fortschr.) kritisierten, daß in Göttingen eine Professur für einen andern als den bestimmten Lehrauftrag verwendet worden sei. Abg. Dr. v. Heyde- brandt (kons.) bemerkte, daß keine Rede von einer Verletzung des Vertrauensverhältnisses zwischen Re­gierung und Landtag sein könne. Ein Regiernngs- vertreter und der Kultusminister betonten dann, daß es sich lediglich um die Erweiterung eines Lehrauftrags handele. Das Kapitel Universitäten wurde schließlich bewilligt. Beim Kapitel höhere Lehranstalten warnte Abg. v. Kessel (kons.) vor der Forderung der Einheits­schule. Die Aufgaben der Volksschule seien so wichtige, daß sie nicht aufgegeben werden dürften. Keinesfalls dürfe bei den Schülern der Ehrgeiz überspannt werden. Abg. Wildermau» (Ztr.) bezeichnete es als eine über­triebene Rücksichtnahme, daß der Minister verfügt habe, den Warnen Görres für ein Gymnasium in Köln nicht zu verwenden, weil Görres die Reformation einen Sündenfall genannt habe. Abg. Dr. Herwig (natl.) wandte sich gegen die Durchpeitschung der Fächer in de», Seminaren. Abg. Viereck (freit) wünschte, daß die Mittelschulen nicht zu Vorschulen der Gymnasien würden.

Deutscher Reichstag.

Das Haus erledigte am Sonnabend eine reich­haltige Tagesordnung. Einige Rechnungssachen wurden debattelos erledigt. Die Gültigkeit der Wahl des Abg. Bruckhoff (fortschr.) wurde nicht beanstandet. Einige Petitionen ohne besondere Wichtigkeit mürben ebenfalls ohne Erörterung erledigt. Den letzten Punkt der Tagesordnung betraf das Rennmettgesetz, das zur ersten Lesung stand. Abg. Held (nt) bean­tragte die Verweisung an eine Kommission von 21 Mitgliedern. Staatssekretär Kühn führte aus, daß das Gesetz einige unerfreuliche Erscheinungen im Volksleben beseitigen solle, was durch ein einfaches Verbot nicht ermöglicht werden könne. Die wichtigste Neuerung des Gesetzes liege in der Konzessionierung der Buchmacher. Ob nun das Gesetz wesentliche Ein- nahrnen für das Reich bringen werde, lasse sich noch nicht übersetzen. Möglich, daß 1520 Mill. Mk. dem Reiche zufließen werden. In der weiteren Aussprache stimmten die Abgg. Erzberger (Ztr.), Neumann-Hofer (fortschr.), Franck «Soz.) und Dr. Arendt (Rp.) für die Vorlage, gaben aber zahlreichen Bedenken und dem Bedauern Ausdruck, daß die Wettleidenschaft einen so großen Umfang angenommen habe. Auch Abg. v. Flemming (kons.) sah in dein Entwnrf ben besten Weg, das Wetten in geregelte Bahnen zu lenken: wichtiger aber als das Zustandekommen dieses Gesetzes sei die Besoldungsvorlage. Die Vorlage wurde schließlich einer Kommission von 21 Mitgliedern über­wiesen, und so konnte sich um vd Uhr das Haus auf Montag vertagen: Konkurrenzklausel.

Wetteraussichten für Dienstag den 5. Mai.

Wolkig, vereinzelte Niederschläge, südwestliche Winde.