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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^Hz^ für den Kreis Hersfeld ImMk WW fireisölfltt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Nnschlutz Nr. 8

Nr. 103. Sonntag, den 3. Mai 1914.

Der heutigen Nummer liegt ein Amtlicher Anzeiger bei.

Bus der Heimat«

* (Bekanntgabe geplant§ r Flucht linien- s e st s e tz u n g e u.) Um den mehrfach lautgewordenen Klagen von Grundbesitzern zu begegnen, daß es ihnen nur schwer möglich sei, von dem Ausliegen von Flucht- linienplänen, die ihre Grundstücke berühren, Kennt­nis zu erlangen, soll jetzt auf Anordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten den Gemeindevorständen nahegelegt werden, die Auslegung nicht nur, wie gesetzlich vorgeschrieben, ortsüblich bekannt zu machen, sondern unabhängig davon den Eigentümern, deren Grundstücke unmittelbar von der Fluchtlinie getroffen werden, noch besonders von der Offenlegung der Pläne Kenntnis zu geben.

§ Hersfeld, 2. Mai. Zur Wetterlage wird von der Wetterdienstelle Weilburg unterm 1. Mai ge­schrieben : Den gestern und in der Nacht eingetretenen Gewitterregen ist merkliche Abkühlung gefolgt, ver­ursacht dadurch, daß wir in den Bereich nördlicher Winde gekommen sind, die aus einem bei Island lagernden Hochdruckgebiet stammen. Leider ist die Hoffnung gering, daß noch weiterer und durchdringender Regen folgt, so gut er für die Landwirtschaft wäre. Es scheinen im Gegenteil wieder trockene Tage zu folgen, da das erwähnte Hochdruckgebiet wahrscheinlich südostwärts vorrückt. Zunächst hätten wir dann mit einer Reihe wolkiger und vor allem kühler Tage zu rechnen. Doch sind Nachtfröste nicht wahrscheinlich.

):( Hersfeld, 2. Mai. Von nächstem Montag ab sind die Geschäfts stunden der städtischen Büros auf die Zeit von 8 Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags ohne Unterbrechung festgesetzt worden. Ausgenommen hiervon sind äußerer Polizeidienst, Forst-, Gas-, Wasser- und Elektrizitätsverwaltung, sowie Stadtwage, Schlachthaus und Holzmagazin. Für diese Zweige bleibt die seitherige Bürozeit unver­ändert. Vom 1. Mai ab sind die Büros des Rechnungsamts und Steueramts aus dem Rehnschen Hause wieder in das Rathaus verlegt worden, während sich das Bauamt und das Vermessungsamt von da ab im städtischen Wagehause am Klaustor befinden.

§ Hersfeld, 1. Mai. Die Fabrikarbeiter Sebastian, Hermann und Konrad K. aus Hersfeld hatten sich in der heutigen Strafkammersitzung zu Cassel wegen schwerer körperlicher Mißhandlung eines anderen Fabrikarbeiters N. aus Hersfeld zu ver­antworten. Die Angeklagten glaubten sich nach einer Kneiperei von N. beleidigt, worauf sie alle drei den N. mißhandelten, weshalb der Wirt sie kurzerhand zur Tür hinaus warf. Draußen setzten die Angeklagten die Keilerei fort und bearbeiteten den total betrunkenen N. mit den Messern, sodaß N. 18 Messerstiche davontrug und lange Zeit im Krankenhause lag. Die Angeklagten wurden wegen gemeinschaftlicher schwerer Körperver­letzung verurteilt, und zwar Sebastian und Hermann K. zu 6 Monaten, Konrad K. zu 2 Monaten Ge­fängnis.

einen recht fühlbaren'Hermögensnachte

Herren unl daß sie die

~ ):( Hersfeld, 2. Mai. Auf ein Auto sei mit Steinen geworfen, ist die Klage, die schon jetzt, wo die Fahrsaison kaum begann, wiederholt laut wird. Natürlich sind Kinder und jugendliche Personen, wie schon früher, die Täter. Die Eltern und die Lehrherren mpen es leider an der nötigen Ueberwachung und Warnung fehlen. Keinem unserer Leser ist es ^Erselhaft, daß durch einen Steinwurf die Insassen verletzt werden und daß ein führerloses Auto, Lenker durch den Steinwurf die Macht über euß verloren hat, namenloses Unglück an- ^^n. Das sollte eigentlich von uns gar nicht gesagt zu werden brauchen. Aber augen- rotrö e§ dych vergessen, daß es eine Roheit ^i»^^/?bhrlose Menschen plötzlich und aus dem unt Steinen zu werfen, oder aus einem Burschen heraus, in welchem der einzelne der Verantwortung sich entzieht, da die nichts gesehen" haben. Es ist erst im allen deutschen Schulen und auch ausdrücklich seitens einzelner Ortsbehörden auf das ungezogene und Gefährliche solchen Steinewersens ?^6ewiesen. Aber wir möchten hier ausdrücklich ^r^^ben, daß die Eltern und auch die sonstigen gesetzlichen Vertreter der jugendlichen Täter nicht nur Entstandenen Schaden finanziell haften und ^?cht fühlbaren Vermögensnachteil erleiden sondern sie können auch strafrechtlich in An- ^ruch genommen werden, wegen mangelnder Ueber- wachung und sogar wegen Beihilfe. Lehrern, Lehr- Herren und Eltern legen wir darum dringend nahe, ,:: -22 Jugend warnen möge, Radfahrer, Motor- fahrer und Automobilisten mit Steinen zu bewerfen.

):( Hersfeld, 2. Mai. Ein recht abwechslungsreiches Programm wird zur Zeit im Hersfeld er Licht- s ch a u s p i e l h a u s vorgeführt. Neben einem spannenden Drama sind einige vorzügliche humoristische Films zu sehen, bei denen Freunde eines guten Humors voll auf ihre Kosten kommen. Die morgen nachmittag stattfindende Jugendvorstellung zeichnet sich durch ein außerordentlich interessantes und reiches Programm aus.

):( Hersfeld, 2. Mai. Mit einer der nächsten Nummern erhalten unsere Abonnenten einen Sommerfahrp lau in Taschenformat.

Heringen, 1. Mai. Der viereinhalbjährige Sohn des Schreiners Georg Jordan hier stürzte in der Scheune aus beträchtlicher Höhe herunter in die Tenne, wo das bedauernswerte Kind bewußtlos liegen blieb. Die Folge des Sturzes war ein Schädelbruch, dem der arme Junge bald erlegen ist.

Oberaula, 1. Mai. Das 3jährige Kind des Zimmermeisters Heer im nahen Friedigervde verun­glückte gestern dadurch, daß ihm beim Essen von Süßigkeiten ein Zuckerstückchen in die Luftröhre ge­riet. Ein Arzt traf auf telephonische Nachricht als­bald ein, doch kam seine Hilfe zu spät. Das Kind war bereits erstickt.

Eschwege, 1. Mai. In einem benachbarten Dorfe ereignete sich in der Schule ein überaus erheiternder Zwischenfall. Sitzen da in der Schule die neu ein­getretenen ABC-Schützen und lauschen den unter­weisenden Worten ihres Lehrers, der sie in die Ge­heimnisse des Schreibens einweiht. Einem Knirps will nun das i trotz aller Versuche nicht gelingen. Endlich reißt ihm der Geduldsfade« und er spricht zu seinem Lehrer:He Vetter, i^. f^nk Wer mol das Gestelle gemache, die Pünktchen mache ech dann selber." Trotz des Ernstes der Schulstunde konnte sich der Lehrer eines kräftigen Lachens nicht erwehren. Aber das Gestelle mußte der kleine Kerl doch selber lernen.

Caffel, 1. Mai. Die Wasserkünste in Wilhelmshöhe werden Sonntag, den 3. Mai ö. I. zum ersten Male in diesem Jahre angelassen.

Rothemann b. Fulda, 1. Mai. Bei dem gestern nachmittag gegen V26 Uhr über unser Dorf ziehenden schweren Gewitter wurde die Ehefrau des Maurers Wilhelm Füller, welche auf dem Felde beschäftigt war, durch einen Blitz getroffen und erheblich verbrannt. Auch ihr 12jähriges Töchterchen, welches bei ihr war, wurde durch den Schlag niedergeworfen und blieb einige Zeit bewußtlos liegen, jedoch ohne weiteren Schaden zu nehmen. Es konnte in das eine halbe Stunde entfernt liegende Dorf eilen und Hilfe holen. Der Arzt stellte fest, daß die Frau außer den Ver­brennungen weiter keinen Schaden genommen hat. Sie hat sich auch wieder ziemlich erholt.

Limburg (Lahn), 30. April. Gestern nachmittag wollte der 22 Jahre alte Monteur Brichner aus Cux- Haven, der bei der Ueberlandzentrale beschäftigt war, an der unter Starkstrom stehenden Leitung Re­paraturen vornehmen. Dabei wurde er vorn Strome getötet. Die Leiche blieb in den Drähten hängen, bis sie von herbeieilenden Personen beseitigt werden konnte.

Brückenau, 1. Mai. In Röbersdorf ereignete sich Mittwoch früh ein schweres Brandunglück. Im An­wesen des Brauereibesitzers und Gastwirts M. Bittet war auf bis jetzt noch nicht aufgeklärte Weise Feuer ausgekommen, das trotz der Windstille mit großer Schnelligkeit um sich griff. In einer halben Stunde standen das ganze Anwesen, drei Scheunen und zwer Nebengebäude in Hellen Flammen, ine alle bis aus die Umfassungsmauern eingeaschert wurden. Leider fiel dem Elemente auch ein Menschenleben zum Opfer. Der 13 Jahre alte Werktagsschüler Konrad Senkel beteiligte sich an den Löscharbeiten und reichte eben einen Feuereimer weiter, als ihn der zusammen- stürzende Kamin eines Wohnhauses zerschmetterte. Der Tod des Knaben trat sofort ein.

Abgeordnetenhaus

«eim Titel Universitäten führte das Haus am ima die Beratung des Kultus-Etats fort. Abg.

Freitag die Beratung des Kuttus-Etats fort. Avg. Eickboff (Fortschr.) wünschte eine einheitliche Regelung bei Verleihung des Titels Dr. meü Kultus­minister v. Trott zu Solz ging auf die Lage der Privatdozenten ein. Diese Laufbahn stände allen wissenschaftlich Befähigten offen. Nach Möglichkeit und Maßgabe der Mittel würde die Regierung ihre Lage gern verbessern. Die Absicht, auf Adolf Wagners Lehrstuhl einen Schüler Brentanos zu setzen, bestehe nicht Der Frage der religionswissenschaftlichen Bor- lefunaen für alle Studenten wolle er näher treten. Den Studenten der Zahnheilkunde könne auf Grund

des Streiks keine Zusage auf den Titel Dr. med. dent gemacht werden. Wenn man den Berner Tierärzten die Führung des Doktortitels zugestände, dann würden auch die Zahuärzte und Techniker kommen, diese Forderung sei also abzulehnen. Der Doktortitel müsse überhaupt erschwert werden, es dürften keine Doktorfabriken errichtet werden. Daß die Ueberfüllung der Lehrsäle bedauerlich ist, sei zuzugeben, unsere Universitäten weiter auszubauen, sei Aufgabe des Ministeriums. Sie sollte« auch in Zukunft der Stolz des preußischen Volkes sein. (Lebh. Beif.) In langen Ausführungen erging sich nun Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) über die gegen die Ausländer gerichtete Be­wegung an deutschen Hochschulen, die auf den Anti­semitismus zurückzuführen sei. Die Reden des Berliner ProfefforsRoethe seien zu uativnal-reaktivuär-agrarisch. Die Abgg. Dr. Heß (Ztr.) und Münsterberg (Fortschr.) stimmten dem zu und bemängelten, daß Professor Roethe seine Vorlesungen für Frauen sperrt. Abg. Dr. Dittrich (Ztr.) forderte »eine Vermehrung der katholischen Seminare und religtonswissenschaftliche Vorlesungen für alle Studenten. Geheimrat Tillmann ging noch einmal auf die Frage des Dr. med. vet. ein und betonte, daß dieser Titel and) bei uns erteilt würde, wenn die Voraussetzungen dafür gegeben wären. Mit Wärme verteidigte der Kultusminister den angegriffenen Geheimrat Roethe; seine außerhalb der Universität gehaltenen Reden unterständen nicht der Aufsicht. Professor Roethe verstände es, mit heißblütigem Patriotismus die Studenten zu ent­flammen. Der Minister bekannte, solche Rede mit Genuß gehört zu haben. Frauen aus den Vorlesungen auszuschließen, sei nur Professor Roethe zugestauden morden, damit er die Professur übernahm. Eine längere Debatte entspann sich nun über den Antrag der Konservativen, bei d'' st Frankfurt a. M. zu errichtenden Universität eitle theologische Fakultät zu errichten, gegebenenfalls mit Staatsgeldern, während ein nationalliberaler Antrag keine Mittel fordert. Abg. Winkler (kons.) betonte, daß ohne diese Fakultät keine Universität vollwertig sei. Man dürfe es nicht den Stiftern überlassen, ob sie dazu Mittel gaben oder nicht. Abg. Dr. Dittrich (Ztr.) sprach sich im gleichen Sinne aus, während Abg. Dr. Bredt (freik.) bezweifelte, ob sich Frankfurt a. M. für eine theologische Fakultät eigne, im übrigen sei er der Meinung der Vorredner.

Deutscher Reichstag.

Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Freitag standen zunächst kleine Anfragen. Abg. Dirtmann (Soz.) fragte nach den Erkrankungen und Selbstmorden im 145. Jnf.-Reg. Straßburg i. E. infolge scharfer Felddienstübungen. Generalmajor Wild v. Hoheu- born erwiderte, daß es nicht zutreffe, daß Erkrank­ungen und Selbstmorde vorgekommen seien. Im übrigen lehne er eine Beantwortung der Anfrage ab, da weder Reichskanzler noch Reichstag in Angelegen­heiten der Truppenausbildung zuständig sei. Eine Ergänzung der Anfrage lehnte Generalmajor v. Hohenborn ebenfalls ab. Als Abg. Dittmann fragte, ob der Reichskanzler zu neuen Ermittelungen bereit sei, erklärte Präsident Dr. Kaempf, daß das keine Er­gänzung der ersten Anfrage sei. Auf eine Anfrage des Abg. Birkenmaper (Ztr.) nach Einern neuen Mittel gegen Maul- und Klauenseuche antwortete Ministerial­direktor Dr. v. Joncquieeres, daß eine Beantwortung derartiger Anfragen jetzt und zukünftig nicht statt- finden könne, da daraus nur besondere Reklame oder Diskreditierung des Mittels hervorgehen könne, was nach beiden Richtungen hin nicht erwünscht sei. Nun­mehr setzte das Haus die 1. Beratung des sogen. Titanicvertrages fort. Ministerialdirektor Dr. v. Joncquieeres gab seiner Entrüstung über die Rede des Abg. Schumann (Soz.) Ausdruck, der sagte, daß ein solcher Vertrag nur mit Rücksicht auf die reichen Leute angestrebt worden sei. Das Leben eines Zwischendeckers sei genau soviel wert wie das eines Milliardärs. Die Abgg. Dr. Pfleger (Ztr.) und Baffermann (nl.) begrüßten den Vertrag. Abg. Graf v. Westarp (kons.) bezeichnete den Vertrag als einen großen Fortschritt. Die sozialdemokratischen Angriffe gehören nun einmal zur Agitationsmethode dieser Partei. Abg. Heckscher (fortschr.) nannte die sozial­demokratischen Behauptungen als vom unerhörtesten Klaffenhaß getragen. Abg. Dr. Arendt (Rp.) meinte, daß der Abg. Schumann mit seinen Worten in den Maifeiern gewiß volle Anerkennung finden werde und stimmte dem Vertrage zu, ebenso Abg. Behrens (w. Vg.). Weitere Ausführungen der Abgg. Stollen (Soz.), Dove (fortschr.) Schumann (Soz.) u. a. brachten nichts Neues, und so konnte die Aussprache geschlossen werden. Der Vertrag wurde in 1., 2. und 8. Lesung im ganzen einstimmig angenommen.

Wolkig, zeitweise heiter, meist trocken, wärmer, südöstliche Winde.