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Gelegenheit wurde bekannt, daß der alte Thyssen, noch ehe das Urteil erging, seinem Sohne Begleichung der Schulden und eine lebenslängliche jährliche Rente von 500 000 Mark angeboten hat, falls Thyssen jun. sich end­lich zufrieden gebe. Dieses neue Angebot erscheint ver­lockender als alle früheren. Zuerst wurde die lebens­längliche Reute auf nur 120 000 Mark jährlich angesetzt, dann auf 250 000 Mark. Thyssen jun. hat bisher stets einen Gegenvorschlag aufgestellt, dahingehend, daß Thyssen sen. die Gläubiger befriedigen solle, die in Be­tracht kommende Summe von 11 Millionen aber vom Erbteil abgezogen werden möge. Diesmal jedoch machte Thyssen fim. kein Gegenangebot mehr, lehnte das immer verlockenoer ausfehende Anerbieten seines Vaters glatt ab und ließ durchblicken, daß ihm überhaupt nichts an den Millionen, sondern lediglich sehr viel an den Wer­ken seines Vaters und der durch sie bedingten Macht liege.

Vermischtes.

Eine 13jährige Erbin von 200 Millionen. Die ein­zige Tochter des verstorbenen George W. Vanderbilt, Miß Cornelia Stuyvesant Vanderbilt, eine junge Dame von 13 Jahren, ist durch das Testament ihres Vaters in die vorderste Reihe der amerikanischenErbinnen" gerückt worden. George Vanderbilt hat seiner Gattin nur eine Million in bar und die Nutznießung eines Biermillionenfonds hinterlassen, seiner Tochter dagegen 200 Millionen, seinen Palast in der fünften Avenue und seine Herrschaft Biltmore in Nordkarolina. Biltmore ist so ziemlich der größte Besitz, der in den Vereinigten Staaten in einer Hand ist und umfaßt über 300 000 Mor­gen in Hochkultur. Nach dem mit derTitanic" ver­unglückten John Jacob Astor hat jetzt also wieder einer der großen amerikanischen Millionäre sein Vermögen unter Umgehung der Witwe und der anderen Verwand­ten einem minderjährigen Kinde vermacht. Aehnlich hat bekänntlich auch der vor einigen Jahren verstorbene Chef des Wiener Hauses Rothschild, der reichste Mann Europas, einem einzigen seiner Kinder, und nicht ein- mal dem ältesten, sein Gesamtvermögen von 600 Mil­lionen Kronen vermacht und die anderen mit Renten abgefunden.

Einestille" Milliardärhochzeit. In aller Stille soll in Staatsburg im Staate Neuyork die Vermählung des reichsten Junggesellen der Welt Vinzent Astor mit Helen Dinsmore, Stieftochter des Industriellen Hontington, stattfinden. Der Kränklichkeit Astors wegen, der zu Be- gimt des Jahres eine schwere Operation zu bestehen hatte, erhoben bis vor kurzem die Aerzte beider Fami­lien Bedenken wegen der Vermählung. Der Zustand des jungen Mannes hat sich jedoch in den letzten Tagen erheblich gebessert. Immerhin bestanden die Aerzte da­rauf, daß ihm die Aufregungen einer großen Hochzeits­feierlichkeit erspart wurden. Somit wurde die Zahl der Gäste auf zwanzig beschränkt. Die Neuvermählten wer­den die Flitterwochen auf einer sogenannten Hausyacht verbringen.

Das Schlagwetterunglück in Virginien. Nach den letzten Nachrichten über das große Grubenunglück in Virginien hat man nunmehr jede Hoffnung aufgegeben, daß von den 266 Mann, die jetzt noch eingeschlossen sind, auch nur ein einziger gerettet werden kann. 16 Schwer­verwundete wurden am Dienstag spät nachts aus der Grube an die Oberfläche gebracht. Aus den Berichten, die von ihnen erhältlich sind, geht hervor, daß das Feuer in der Grube stundenlang wütete. Die Ursache der Ka­tastrophe war eine Explosion, die im 5. und 6. Schacht zum Ausbruch kam. Dort waren 270 Mann an der Ar-

heit, die alsdann in wilder Flucht die Ausgänge zu er­reichen suchten. Der ersten Explosion folgten bald wei­tere, und diese legten den Schacht zum größten Teil in Trümmer. Das Feuer im Innern der Grube hatte derart an Heftigkeit zugenommen, daß aus dem Schacht 5 haushohe Flammen emporschlugen. Die Rettungs­abteilung, die todesmutig in den brennenden Schacht ein- stieg, gelang es nach angestrengter Arbeit, noch 60 Mann lebend an die Oberfläche zu bringen. Nachdem noch un­gefähr fünf Tote geborgen werden konnten, verbreitete sich jedoch die Nachricht, daß die Rettung der übrigen Eingeschlossenen sich als unmöglich herausstellt.

Rossini über das Essen. Rossini liebte bekanntlich beinahe mehr noch als seine Musik eine gute Tafel. Bis­her unbekannte witzige Aussprüche des Meisters über das Essen veröffentlicht jetztDie Musik". So sagte Rossini z. B.:Nach dem Nichtstun kenne ich, was mich betrifft, keine köstlichere Beschäftigung als zu essen, was man so recht essen kann. Was die Liebe fürs Herz, ist der Appetit für den Magen. Der Magen ist der Kapell­meister, der das große Orchester unserer Leidenschaften regiert und in Tätigkeit setzt. Den leeren Magen ver- sinnlicht mir das Fagott, wie es vor Mißvergnügen brummt, oder die Pikkoloflöte, wie sie vor Verlangen gellt,- der volle Magen ist dagegen der Triangel ös Ver­gnügens oder die Pauke der Freude. Was die Liebe be- rifft, so halte ich sie für die Primadonna par excellente, nr die Göttin, welche dem Gehirn Kavatinen vorsingt, sie das Ohr trunken machen und das Herz entzücken. Essen und Lieben, Singen und Verdauen, das sind in Wahrheit gesprochen, die vier Akte der komischen Oper, die das Leben heißt, und sie vergehen wie der Schaum emer Flasche Champagner. Wer sie verrinnen läßt, ohne sie genossen-zu haben, ist ein vollendeter Narr."

. Ein drolliges Episödchen wird aus Ravenna be­richtet: Sollte da ein junges Paar standesamtlich und honett getraut werden: er hattebereits" ein Alter von F Jahren, sie zählte 19 Lenze. Der Standesbeamte ließ oas Paar und seine Trauzeugen hereinrufen, und erst jetzt fiel der Braut auf, daß ihr Bräutigam eine merk- wrcrdig schwankende Haltung im buchstäblichen Sinne V den Tag legte. Der junge Mann hatte den ernsten & nicht ohne eine kleine Magenstärkung unter- und mit Betrübnis stellte die Nase der " ut er weniger nach Maiglöckchen, als nach Dies? UppHMr und ähnlichen Stärkungsmitteln duftete. «Wellung wirkte auf das Näschen derart, daß rümpfte, und alsbald sprach der bitten C^r^ Mund die Worte des Zorns:Nein! lieü^^a,, n^enbold heirate ich nicht!" Sprachs und DffiAtfrfütr^ ^ Standesbeamten stehen, indem sie weißes Batisttüchlein au die feuch- Ihr nach stürzten die Verwand­te - und schließlich folgte als letz- &t Ä ringend, in eilen Zickzack.

Kürzlich fanden Manöver ame- An Philippinen statt, bei de- ^öeant Murphy eine Patrouille komman- .Seine Leute waren am Ende des Tages kriegs- Mde und zeigten große Lust, ihr Feldlager und Abend- »v^^-^^^Etchen, kamen aber dabei an einen Gebirgs- strom, über den sich eine Brücke spannte, die das Pla- Zerstört" trug. Da die ganze Mannschaft einen langen Umweg ohne Wohlgefallen betrachtete, ging Sergeant Murphy auf Kundfthaft aus, und da er keine Anzeichen eines nahen ~ -------

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den konnte, führte ; waren erst Halb­

Halt!" rief er,Sie haben ja doch anznnehmen, daß die Brücke zerstört ist!"Zu Befehl, Herr Leutnant," er­widerte der schlagfertige Ire,aber ich nehme anch an, daß meine Leute schwimmen!"

Guter Rat. Anny:Mein Bräutigam schreibt jetzt einen Roman, in dem wir beide die Hauptfiguren ihuV Berta:Na, da schau nur zu, daß Ihr Euch beide auch kriegt."

Ein abenteuerliches Seemannsleben.

Nichts übt auf viele Mensche« einen größeren Reiz aus als das Meer, und wer einmal die Reize der See- ahrt gekostet, der ist dem blauen Element meistens für mmer verfallen. Besonders groß ist die Anziehungs­kraft des Ozeans aus denjenigen, dem Zeit und Um- tände es gestatten, als Vagant auf eigener Jacht die Meere zu durchschweisen und ein Leben zu führen, wie man es sich freier und unabhängiger nicht denken kann. Ein solches abenteuerliches Leben genießt seit einer Reihe von Jahren der deutsche Kapitän I. C. Boß, der vor kurzem erst wieder eine auf drei Jahre berechnete Se­geltour angetreten hat, die ihn um die ganze Welt füh­ren wird. Was die Jachtreisen von Kapitän Boß be­sonders auszeichnet, ist der Umstand, daß er seine aus­gedehnten Kreuzfahrten stets in kleinen Booten ans- geführt hat, die an die seemännischen Tüchtigkeiten ihres -L-kippers ganz außerordentliche Anforderungen stellten.

Die abenteuerlichste seiner Reisen aber war die Fahrt in einem Boot von der Bauart der indianischen Kanus, das ohne Ballast, Proviant und persönliche Aus­rüstung nur anderthalb Tonnen wog. In diesem win­zigen Fahrzeug, dem kleinsten, das je die drei Ozeane durchquerte, legte Kapitän Voß 64 000 Kilometer zu­rück. Er kreuzte den Stillen Ozean, besuchte verschiedene Inseln, machte in Australien und Neu-Seeland Station und steuerte dann, an den Neuen Hebriden vorbei, durch die Torres-Straße in den Indischen Ozean hinein: er fuhr an Madagaskar vorbei, passierte Kap Horn, nahm dann seinen Knrs quer über den Atlantischen Ozean hinweg nach Südamerika und erreichte schließlich nach einer langen Kreuzfahrt durch den Atlantik, nachdem er nicht weniger als 16 schwere Stürme durchgemacht, Lon­don, das Endziel seiner gefahrvollen Tour.

Den meisten Menschen wird es wahrscheinlich als kaum glaubhaft erscheinen, daß es Leute gibt, die auf eines so kleinen Boote allen Gefahren des Ozeans zu trotzen wagen. Daß seine Fahrten abenteuerliche Wage­stücke waren, gibt auch Kapitän Boß ohne weiteres zu, aber er und fe^t Begleiter, mit dem er die Fahrt in dem Kanu unternahm, verfügten über außerordentlichen Mut und großes Selbstvertrauen, und außerdem kennt Kapitän Voß den Ozean wie faum" ein anderer, hat er doch die meiste Zeit seines Lebens auf ihm zugebracht. Was Voß und sein Begleiter, ein amerikanischer Jour­nalist namens Luxtvn, auf dieser einzig dastehenden Fahrt an Abenteuern und Gefahren alles erlebt, das schildert Kapitän Voß in einem Buche, das vor einiger Zeit unter dem TitelVenturesome Voyages" in Tokio erschien und sich beinahe wie ein Roman liest.

Das Kanu, mit dem Voß und Luxton ihre Reisen ausführten, war aus einem Stück soliden roten Ze- dernholzes gefertigt: es war ein Boot, wie es In­dianer unter Benutzung von Paddelruöern fortbewegen, und das, bei günstigem Wind unb Wetter, auch mit Segeln versehen werden kann. Um das Kanu für die geplante anstrengende Reise seetüchtiger zu machen, ver­sah Kapitän Voß es im Innern mit einem aus Eichen­holz gefertigten Rahmen und setzte auf diesen, da das Boot zu niedrig war, 7 Zoll hohe Seitenwände auf. Dann wurde das ganze Boot überdeckt und mit einer kleinen Kabine von 5 mal 8 Fuß Durchmesser versehen. Nachdem dann noch 300 Pfund Blei in den Kiel ge­kommen, stellte Kapitän Voß drei kleine Masten auf, die etwa 230 Quadratsuß Leinewand tragen konnten, und dieTilikum" dies war der Name des Bootes war zum Antritt der Reise bereit. Die Größenverhält- nisse des Kanus waren folgende: Länge über alles 11,5 Meter, Kiel 9,15 Meter, Breite 1,67 Meter, Breite in der Wasserlinie 1,35 Meter. An Ballast wurden etwa eine halbe Tonne sowie 400 Pfund Sand mitgenommen. An frischem Wasser wurden 100 Gallonen in zwei gal­vanisierten Eisentanks verstaut: dazu kam Proviant für drei Monate, vornehmlich Büchsenkonserven. Eine photographische Kamera, zwei Büchsen, eine doppel­läufige Flinte, ein Revolver, die dazugehörige Munition, ein Barometer und die notwendigen nautischen Instru­mente vervollständigten die SluSrüftung.

Die Reise der beiden sühnen Seefahrer dauerte et­wa 2% Jahre. Ueberall anlegend und verweilend, wo es ihnen gerade gefiel, führten sie ein Leben, wie man es sich gesunder und freier nicht denken kann. Immer in frischer Luft, in Wind und Sonne zubringend, bald in hartem Kampf mit den Elementen liegend, bald die Tage in süßem Nichtstun uerträumeub, sahen sie die Welt und ihre Schönheiten, wie kaum ein anderer sie sieht. Und reich war ihre Beute an Beobachtungen und Erfahrungen, die sie mit Land und Leuten, vor allem mit den Eingeborenen entlegener Länder und Eilande machten: auch das gewonnene nautische, geographische und ethnographische Material war von bedeutendem Interesse.

Schweres Zugunglück in Hessen.

Mehrere Personen getötet, viele verletzt.

»S^ Mainz, 1. Mai. Amtlich wird gemeldet: Der Personenzug 437, der auf der Fahrt von Alzei nach Mainz um 8,11 auf der Station Nieder-Saulheimein- trifft, stieß dort mit einer größeren Rangierabteilnng zusammen. Bisher sind drei Tote, darunter ein Loko­motivführer und zwei Frauen festgestellt. F«»lf Frauen sind schwer, eine Anzahl leicht verletzt. Dre Strecke ist durch die zertrümmerten Wagen gesperrt, doch wird der ; Verkehr durch Umsteigen aufrecht erhalten. Der Mate­rialschaden ist bedeutend. Wie das Unglück am hellichten Tage entstehen konnte, ist noch nicht aufgeklärt.

huerta will abdanten?

Neuyorker Blättern wird aus Veracruz gemelder, es verlaute, daß der britische Gesandte in Mexiko Cor­den den Präsidenten Huerta namens der nmerikanischeu Regierung informierte, daß nichts außer seinem Rück­tritt den Erfordernissen der Lage entsprechen oder 8rt-den Grinsen «mre. « H-W |e6l, daß Huerta nur noch auf möglichst gute Bedingungen warte, und daß er enorme Geldsummen bei europai- chen und amerikanischen Trustaesellschaften a n a e l e g t und Schritte zur schleunigen Abreise getroffen habe.

Waffenstillstand in Mexiko.

egt

Washington, 1. Mai. Huerta hat den Vorschlag des Waffenstillstandes für die Zeit der Vermittlungs­aktion angenommen.

Weitere Nachrichten.

m, Washington, L Mai. Einer Nachricht aus der MM MLM zufolge soll Dr. Ryan, ein amerikanischer

Angestellter der Regierung der Vereinigten Staaten, der Flüchtlingen geholfen hatte, heute in Mexiko als Spion hingerichtet werden. Staatssekretär Bryan hat, obwohl er die Meldung nicht glaubte, uuverzüglich Vorstellun­gen beim spanischen Botschafter erhoben, der Huerta hier vertritt. Admiral Mayo bestätigt, daß die Rebellen einen unter kubanischer Flagge fahrenden Postdampfer »«gehalten haben. Der Kommandant des englischen KreuzersHerminone", der rangälteste der ausländi­schen Flottenvffiizere, Hat eine Erklärung gefordert. Die Rebellen erwiderten, sie hätten verhindern wollen, daß die Ladung an die Bnndestruppen falle. Das Schiff lief später unter dem Schutz des Feuers eines den Bundes- truppen gehörigen Kanonenbootes in den Hafen ein.

«=» neuestes vom Gage.

Nachtfahrt desZ. 5 "

w Berlin, 1. Mai. Das MilitärluftschiffZ. 5" stieg heute um Mitternacht in Johannisthal zn einer längeren Nebungsfahrt auf, die es nach Posen siihren sollte.

Der Borfall an der Berliner Handelshochschule.

w> Berlin, 1. Mai. (B. Z.) Dem Professor von Ja- strow wurde heute morgen von seinen Hörern, die das Katheder prächtig geschmückt hatten, eine herzliche Kund­gebung bereitet. Unabhängig von dieser Knndgebnng hat eine Abordnung von drei Mitgliedern des Aus- schnsses der Studenten Jastrvw ihre Mißbilligung über das Borgehelt der Aeltesten der Kaufmannschaft ausge- drückt. Heute nachmittag wird sich eine Versammlung der Studentenschaft der Handelshochschule mit der An­gelegenheit befassen.

Tödlicher Sturz in deu Keller.

*,* Charlottenburg, 1. Mai. (B. Z.) In einem Hause der Ringstraße wurde der Hausbesitzer Witt im Keller blutüberströmt tot aufgefuttdeu. Er ist anscheinend in der Dunkelheit fehl getreten, hat die dicht neben der Hanstür liegende Kellertür geöffnet und ist in die Tiefe gestürzt.

Kaiser Franz Josefs Befinden.

o-* Wien, 1. Mai. Nach dem heutigen Bericht war die letzte Nacht im Befinden des Kaisers so befriedigend wie die beiden vorhergehenden. Das Allgemeinbefinden ist völlig zufriedenstellend.

Das Urteil gegen Berliner und Genossen.

Perm, 1. Mai. Nach siebenstündiger Verhand­lung verurteilte der Älppellhof die deutschen Luftschiffer Ingenieur Berliuer, Baumeister Hase rrnd Hofspediteur Nicolai wegen Aufnahme von Plärren, Anfertigirng von Kopien, Beschreibung befestigter Punkte, Sammlung von Nachrichten, Verheimlichung ihrer Herkurrst unb Ein­dringen in befestigte Plätze des russischen Reiches zu je sechs Monaten Einzelhaft unter Anrechnung des 58tägi= gen Hausarrestes. Die Anklage gegen Berliner wegen Verrats von Geheimnissen an eine frembe Macht wurde fallen gelassen. Die Verurteilterr bleiben bis zur Stel- lurrg einer Kaution von je 2000 Rubel in Hausarrest.

Deutsche Deserteure als Wegelagerer?

o-fr Paris, 1. Mai. Zwei deutsche Deserteure über- fielen auf der Landstraße nach St. Aubin einen Reisen­den, um ihn zu berauben. Dann schleppten sie ihr Opfer in den benachbarten Wald. Beide Uebeltäter wurden verhaftet.

Roosevelt kehrt heim.

W Rio de Jaueiro, 1. Mai. Die Expeditivll Roose- velts ist wohlbehalten in Manaos angekommen. Nur Roosevelt selbst ist leicht an Furunkel erkrankt. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Expedition sollen be­deutend sein.

Neuyork, 1. Mai. Roosevelt hat aus Mauaos an das amerikanische Museum telegraphiert, daß er auf seiner Expedition den bisher größten Nebenfluß des Madeira erforscht habe. Roosevelt sei krank gewesen, befinde sich jetzt aber wieder wohl.

Berliner Getreide- und Viehmarkt.

Die am 29. April abgelaufene Berichtswoche hat in Deutschland geradezu eine Knappheit an Getreide in Er­scheinung treten lassen, wie man sie nach zwei vorange­gangenen reichlichen Ernten nicht hätte für möglich halten sollen. Aus der durch die Feldarbeiten erfolgten Einschränkung der Beschickung der Märkte seitens der Landwirtschaft kann diese auffallende Tatsache nicht er­klärt werden. Sie ist vielmehr durch den fortgesetzt star­ken Export deutschen Getreides in der Hauptsache herbei­geführt wordeu. Der außergewöhnlich umfangreiche Be­gehr nach deutschem Getreide hat hinwiederum seinen Grund in dem teilweisen Versagen der sonst den Welt­markt hauptsächlich versorgenden überseeischen Getreide- Ausfuhrländer. Hat doch Argentinien seit Beginn des Jahres 1364 000 To. weniger Wetzen als gleichzeitig in letzter Saison expediert, unb betragen doch die ge­samten Weltverschiffullgen seit dem 1. Januar an Wei­zen und Weizenmehl mit 4 691 000 To. 427 000 To. we­niger als im Vorjahre. Nach dem letzten Ausweis sind nach dem europäischen Festland nur 417 000 To. gegen 889 000 To. Weizen gleichzeitig im Vorjahre auf dem Seewege unterwegs. Für Berlin machte sich die im Jn- lande herrschende Knappheit auch aus dem Grunde be­sonders empfindlich geltend, als es seinen Bedarf aus beschränkten, auch hauptsächlich für den Export liefern­den Produktionsgebieten deckt. Hierzu kommt noch, daß die Mühlen und Händler wegen der früher unsicheren und schwächeren Marktlage sich nicht größere Vorräte hinzulegen wagten und nunmehr von Ware ziemlich entblößt sind. Bei dieser Sachlage haben die Preise für inländisches Getreide durchweg um 2 bis 3 Mark an­gezogen, zuletzt förderte auch das anhaltend trockene Wetter die Preissteigerung. Mais besserte sich anfangs auf unerwünschte Regensälle in Argentinien, wurde dann aber nachgiebiger. Die Preise für den Maitermin stell­ten sich schließlich wie folgt: Weizen 197,25, Roggen 163,70, Hafer 156,75, Mais 139,50.

Leben dgewichtpreise des städtischen Viehmarktes. Ochsen: vollst., ausgemäst., höchst. Schlachtw. 4849 X jungfleisch., nicht ausgem. und ältere ausgem. 4346 X mäßig genährte junge und gut genährte altere 4041 Bullen: ausgewachsene, höchst. Schlachtw. 45-47 X voll­fleischige jüngere 4244 X mäßig genährte jüngere und gut genährte altere 3640 .// Färsen: vollst., ausgem. Färsen höchst. Schlachtwertes 45-46 ,//. Kühe: vollst., ausgem. Höchst. Schlachtw. bis zu 7 Jahren 40-42 X ältere ausgem. und wenig gut entwickelte jüngere 37 bis 39 X mäßig genährte Kühe und Färsen 3336 X gering genährte Kühe und Färsen,-- .// Jungvieh: gering genährtes, .//. Kälber: Doppeltender feinster Mast 100106 X feinste Mastkälber 6871 X mittlere Mast- und beste Saugkälber 6066 X geringere Mast- und gute Saugkälber 5058 X geringe Saugkälber 34 bis 46 7Z Schafe: Mastlämmer und jüngere Mastham­mel 4446 X ältere Masthammel, geringere Mastläm­mer und gut genährte junge Schafe 40-43 X mähte genährte Hammel und Schafe 3539 .^ Schweine: Fett­schweine über 3 Ztr. 46 X vollfleischige 240300 Pfk» 46 X 200240 Pfd. 4647 X 160200 Pfd. 4546 .45 unter 160 Pfd. 4845 X Sauen 42 .41