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Hersfelder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld

SerMder WW Wliitt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

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Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 101.

Freitag, den 1. Mai

1914.

Hus der Heimat«

* lPreußisch-Süddeutsche Klassen- lotterte.) Zur fünften Klasse liegen die Lose gegen Vorzeigung der Vorklasselose zur Erneuerung bereit. Diese hat bei Verlust des Anrechtes spätestens bis zum 4. Mai zu erfolgen. Am 8. Mai beginnt die Ziehung der Haupt- und Schlußklasse, in der zwei Prämien zu je 300 000 Mark und 174 000 Gewinne im Betrage von 63 813 160 Mark, darunter zwei Haupt­gewinne zu je 500 000 Mark zusammen 64 413160 ge­zogen werden.

* Wie sind die diesjährigen O b st a u s- sichten? DerF. G. A." schreibt: Das überein­stimmende Urteil aller Obstbaumzüchter geht dahin, daß wir in diesem Jahre einer ungewöhnlich reichen Obsternte entgegen sehen dürfen. Erfreulicherweise gilt dies von allen Obstarten ohne jede Ausnahme. Ein Gang durch die ausgedehnten Obstfelder am Rhein, am Main, an der Bergstraße, in der Wetterau und dem blauen Ländchen zeigt überall dasselbe Bild: Bäume voll üppigster, gesunder Blütenpracht oder auch schon übersttt von überreichem Fruchtansatz. Die Früh- obstarten, wie Aprikosen, Kirschen, Pfirsiche u. a. weisen schon Früchte von Erbsengröße in Massen auf. Der Fruchtansatz ist hier so reich, daß die Bäume diese Fülle später unmöglich zu tragen vermögen. Dabei sind die jungen Früchte von seltener Frische und voll des besten Wachstums. Man lebt der festen Hoffnung, daß das Frühobst kaum noch unter Nachtfrösten zu leiden haben wird, da es bereits sehr kräftig entwickelt ist. Auch die Apfel- und Birnblüte geht sehr rasch und günstig bei reichstem Blütenansatz von statten. So besteht die wohlbegründete Hoffnung, daß wir in diesem Jahre wieder einmal zu billigem Obste kommen werden.

* (Herbstzeitlose als Viehfutter.) In Simmern stach ein Landwirt die Herbstzeitlosen auf seiner Wiese aus, um sie dann seinen beiden Schweinen als Futter vorzulegen. Das hatte die bedauerliche, aber erklärliche Folge, daß beide Tiere innerhalb eines Tages verendeten.

-h- Hersfeld, 30. April. lHersfelder Spar- und D a r l c h n s ka sse n - V e r ei n.) In der gestrigen General­versammlung des Hersfelder Spar- und Darlehns- kassen-Vereins erstattete Herr Richter Bericht über das Geschäftsjahr 1918. Daraus ist hervorzuheben, daß in demselben an Stelle des verstorbenen Herrn F r. Funk Herr Dekorateur F r. R i ch t e r als Stell­vertreter des Vorsitzenden und an Stelle des Herrn H e i n r. B ö r n e r Herr W. H e e g e r als Rechner neu gewählt worden sind. Der Gesamtumsatz betrug nach der vorliegenden Rechnung 468 531,80 Mk. gegen das Vorjahr 29 873,59 Mk. mehr. Nach der Bilanz betrugen die Aktiva 381768,47 Mk., die Passiva 377 576,96 Mk., sodaß sich ein Reingewinn von 4186,51 Mk. gegen 2744,15 Mk. im Vorjahre ergab. Von dem Rein­gewinn werden 3750 Mk. zum Reservefond abgeführt, der sich dadurch auf 2 0 2 5 0 Mk. erhöht. Hieraus kann man wohl mit Recht den Schluß ziehen, daß das Vertrauen des Publikums zur Spar- und Darlehns- kasse sich gesteigert hat. An Stelle des bisherigen Vorsitzenden Herrn S e x a u e r, der sein Amt am 15. April niedergelegt hatte, wurde Herr Kaufmann Lorenz Mohr gewählt. Möge sich der Verein auch unter dem neuen Vorsitzenden so weiter ent­wickeln wie bisher.

M Hersfeld, 30. April. Gestern nachmittag gegen »/«ö Ä tn ^§ltigem Fluge ein Eindecker aus ^trsA und flog der Bahn entlang nach

Das hell von der Sonne beschienene seden^ ^"°" erhöhtem Standpunkt aus lange U S ffinhA ner spateren Meldung aus Fulda her ^nn^nptf^ 3/16 Uhr aus einem Kornacker Es wegen Motordefekts gelandet. L® t"8 Gotha 15, welches auf bei t^atjrt nach Muhlhausen (Elf.) begriffen war. Sieger der Gothaer Flugzeugwerke ^"'bw .Leutnant als Begleiter. Der Weiterflug soll voraussichtlich heute stattfinden.

ntung zum Meineid D. wird beschuldigt, hteten Gerichtssache

Rotenburg, 29. April. Der hiesige Fuhrwerks- bentzer D. wurde heute wegen Verleitung zum Meineid "l Untersuchungshaft genommen, r aas Delikt in einer gegen ihn gerichteten wegen Diebstahls begangen zu haben.

291 AE In der letzten Stadtverordneten- ber tiAff^^ ^r elfjährigen Geschichte werben d bas letzte Wort gesprochen bleibt nach dem erzielten Kompromiß Beitrag der Hausbesitzer in der e Achats der Baukosten. Das bisher Ä^re Achtel wird von der Stadtkasse über- «Ä Die mhrlich dadurch entstehenden Lasten mupen durch eine Erhöhung des Waffergelöes von 20

auf 22 Pfg. für das Kubikmeter aufgebracht werden. Dafür gewinnt aber die Gesamtheit der Bürgerschaft den Vorteil, daß die bisherigen hohen Kanalbe­nutzungsgebühren herabgesetzt werden können. Die nunmehr anzuwendende Gebührenskala lautet: 1,5 Proz. bei 1 bis 150 Mk. Mietswert,- 2 Proz. bei 151 bis 200 Mk.; 2,5 Proz. bei 201 bis 300 Mk.; 3 Proz. bei 801 bis 600 Mk.; 3,375 Proz. bei 601 bis 900 Mk.,- 3,75 Proz. bei 901 und mehr.

Bad Brückenau, 29. April. In Hainert begann gestern morgen der Oekonom Nikolaus Weber dahier mit dem Abbruch seines Wohnhauses. Nachdem das Haus bis auf die Mauer abgebrochen war, sollte auch im Stalle die darin befindliche Viehraufe herausge­schafft werden. Plötzlich stürzte der Giebel ein und durchschlug dabei die Stalldecke. Der Besitzer sowie ein Maurer aus Knetzgan wurden unter dem Schütte begraben. Nach sofort begonnenen Räumungsarbeiten wurden beide noch lebend, jedoch sehr schwer verletzt hervorgezogen.

Wallau, 28. April. Auf dem Wege von hier nach Breidenstein wurde gestern die Maschine des Holz- schneidemaschinenbesitzers Grebe 2. aus Breidenstein defekt. In demselben Augenblicke kam der Holz- schneidemaschinenbesitzer Debus von hier des Wegs. Letzterer wollte seinem Kollegen behilflich sein, als der Benzinbehälter explodierte und der ganze Inhalt sich über ihn ergoß. Debus, der entsetzliche Brand­wunden erlitt, wurde nach Breidenstein und später nach Marburg in die Klinik gebracht. Heute ist er dort seinen Verletzungen erlegen. Er hinterläßt eine trauernde Witwe mit 6 Kindern.

Grebenhain, 29. April. Die Meldung von der Verhaftung des Haupttäters in Salz hat sich leider nicht bestätigt. Man hat allerdings tn einem Hause in Salz einen blutigen Kittel und eine blutgetränkte Gamasche gefunden, die wahrscheinlich dem noch un­bekannten Mörder gehört. Die Ermittlungen werden inzwischen mit fieberhafter Eile fortgesetzt. Die Be­hörden sind jetzt der Ansicht, daß nur ein Täter in Frage kommt, und daß tatsächlich ein Racheakt vor- liegt. Der Zustand der Frau Stein sowie des jüngsten Sohnes und der ältesten Tochter ist fast hoffnungslos, während die jüngste Tochter und der älteste Sohn weniger schwer verletzt sind. Alle fünf haben im Krankenhaus in Lauterbach Aufnahme gefunden.

Alt-Wildungen, 29. April. Der etwa fünfzig Jahre alte verheiratete Knecht der hiesigen Domäne, Keim, bediente im Felde eine von zwei Pferden ge­zogene Drillmaschine. An einer abschüssigen Stelle gingen die Pferde plötzlich durch, den bedauernswerten Knecht ein langes Stück mit sich schleifend. Lebens­gefährlich verletzt fand man ihn auf. Er hatte einen Schädelbruch sowie entsetzliche Fleischwunden davon- getragen. Er wurde sogleich in das Helenenheim nach Bad Wildungen überführt. Ein polnischer Arbeiter, der von der Drillmaschine überfahren wurde, trug leichte Verletzungen am Bein davon.

Münden, 29. April. Heute ist der Schafmeister Poschmann von dem benachbarten Klostergut Hilwarts- hausen am Milzbrand gestorben. In der vorigen Woche mußte auf dem Gute eine Notschlachtung einer Kuh vorgenommen werden, bei der später Milzbrand festgestellt wurde. Der Schafmeister Poichmann hatte die Schlachtung vorgenommen. Am Sonntag zeigten sich nun bei ihm Vergistnngserscheinnngen, denen er heute erlag.

Abgeordnetenhaus.

Der zurückgestellte Nachtragsetat für 1013 mtt der Forderung von 3 000 000 Mk. zum Erwerb des Nach­bargrundstücks des Abgeordnetenhauses stand am Mitt- ch wieder auf der Tagesordnung Auf einige ablehnende Bemerkungen des Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) bemerkte Finanzmimster Dr. Lentze, die Er­

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werbung des Grundstückes sei wun,chenswert z Arrondierung des staatlichen Besitzes und damit b Abgeordnetenhaus nicht etwa eme ruhestorende Nach­barschaft bekäme. Abg. Frhr.v. Maltzahn (kons.) be­antragte Ueberweisung der Vorlage an die Budget­kommission. Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Schmedding (Str.j, Fritsch (natl.), Viereck (srelkon, ), Dr. Packnicke lFortschr.) mürbe dreien: Anträge ent- fprochem - In der fortgesetzten Beratung.des Kultus­etats begründete Abg. Cassel lFortschr.) einen Antrag, der um Staatsmittel für die den Synagogenleitern von den jüdischen Gememden zu gewahrenden Be­soldungen ersucht. Abg. Viereck lkons.) erklärte daß seine Freunde den Antrag wohlwollend in der Kom­mission prüfen würden, ebenso ausierten sich die Abgg. Bethgc-Billberge lkons.), Dr-Dittrich lZtr.) Abg. A. Hoffmann (Soz.) meinte, statt Staat und Kirche werter zu verquicken, sollte man au die Trennunghlnar- beiten. Abg. Dr. v. Campe (natl.) dankte als Mlt-

an trag steiler für die freundliche Haltung der Redner. Damit wurde der Antrag an die Budgetkommission überwiesen. Beim Titel Oberkirchenrat forderte Abg. Graue lFortschr.) die Wiedereinsetzung des Abg. Dr. Tranb in seine geistlichen Rechte. Abg. Dr. v. Campe (natl.) bezeichnete es als geboten, daß der Oberkirchen- ' rat sich persönlich ein Bild von Herrn Tranb mache und das Versahren wieder anfnehme. Abg. A. Hosfmann lSoz.) übte Kritik an der unordentlichen Kaffenbuchführnng der Berliner Stadtsynode. Kultus­minister v. Trott zu Solz erwiderte, daß in der Tat Unregelmäßigkeiten vorgekommen feien; die durch ungetreue Beamte hervorgerufenen Zustände seien aber jetzt behoben. Es seien keine ideellen Gründe, wenn die Leute wegen der Kirchenstener anstreten. Mit dieser Behauptung schlügen sich die Sozial- demokraten selbst in das Gesicht. Abg. Freiherr Schenk zu Schweinsberg lkons.) nannte den kirchlichen Orga­nismus einen Teil des menschlichen Lebens, der von diesem nicht zu trennen sei. Die Mehrzahl der Christen wolle an dem Verhältnis von Staat und Kirche nichts geändert sehen. Dem Abg. Johannsen (freit.) erwiderte der Kultusminister, daß er schon früher den Geistlichen in Nordschleswig den dringenden Rat gegeben habe, sich von der dänischen Agitation fernznhalten. Wo es doch geschehen sei, hätte das Konsistorium Remedur ein treten lassen. Abg. Tranb lFortschr.) wies auf den Fall des Pastors Stier in Motzen hin, der sich ebenfalls nicht habe vor dem Oberkirchenrat rechtfertigen können. Der Kultus- minister bat, daß das Hans Rücksicht daraus nehmen möchte, daß die Verwaltung der inneren Kirchen- angelegenheit gesetzlich festgelegt sei und er darüber nicht hinauskönne. Abg Heckenroth lkons.) betonte, daß die Rede des Abg ^^Lfiber den Fall Tranb an dieser Stelle zwecks Cu sei, sie hätte in der Synode gehalten weWM .tun ich. Nach weiterer kurzer Aussprache vertagte sich das Haus auf Donnerstag: Fortsetzung.

Deutscher Reichstag.

Auf der Tagesordnung der Sitzung vom Mittwoch stand die erste Lesung eines Nachtragsetats, der im wesentlichen die Forderung enthielt, das für das Militärkabinetthergerichtete Grundstück Viktoriastraße 34 zu Berlin vom Reichsschatzamt wieder an die Heeresverwaltung abertreten. Die Linke des Hauses hatte der Errichtung des Militärkabinetts in der genannten Straße schon im vorigen Jahre Widerstand entgegengesetzt. Im Februar d. I. wurde das Grund­stück dem Schatzamt zum Verkauf überwiesen. Kriegs­minister v. Falkenhayu führte aus, daß es sich jetzt um eine ganz nüchterne geschäftliche Sache handele. Eine andere Verwendungsmöglichkeit für das Grund­stück habe sich nicht ergeben, so daß nunmehr die Heeresverwaltung es für das Kabinett in Anspruch zu nehmen beabsichtige. Von einer Machtprobe zwischen Säbeldiktaktur und Parlament, wie man es genannt habe, könne keine Rede sein, dazu würde sich die Militärverwaltung ein anderes Objekt aussnchen. Nachdem man dem Marinekabinett ein neues Gebäude gegeben habe, könne man es dem Militärkabinett nicht verweigern. Wenn er Olebner) nicht mit einer neuen Vorlage vor das Haus treten würde, so würde er nicht nur unwirtschaftlich, sondern auch pflichtwidrig gehandelt haben. Nach kurzen Bemerkungen der Abgg. Stiletten lSoz.) und Liesching lfortschr.) gegen die Vorlage wurde diese an die Budgetkommission verwiesen. Nunmehr setzte das Haus die Besprechung der Petitionen und Anträge zur Jmpffragc fort. Abg. Thiele lSoz.) warf dem Ministerialdirektor Kirchner Unwissenschaftlichkeit vor. Der Präsident des Reichs- gesundheitsamts Dr. Bumm betonte, daß das Jmpf- gesetz ein bewährtes Schutzmittel gegen die Pockengefahr sei. Der polizeiliche Zwang sei zwar unerwünscht, müsse aber eintreten, wenn alle anderen Mittel, alle Vernunftgründe bei den Eltern versagen. Die Zahl der zurückgestellten Kinder nehme ständig zu. Die Einführung der Gewissensklausel würde eine Gefahr für die Bevölkerung bedeuten. In England ließen sich 40 Prozent nicht impfen; als aber 1902 eine Pockenepidemie ansbrach, schwanden alle Bedenken. Selbst Virchow habe die Gewissensklausel für un­begreiflich erklärt. Redner teilte zum Schlüsse mit, daß alles Material zur Jmpffrage gesammelt und dem Hause zugänglich gemacht werde und bat, alle Anträge abzulehnen. Abg. Dr. Gerlach lZtr.) erkannte den Nutzen der Impfung an. Abg. Dr. Neumann- Hofer lfortschr.) hielt eine Beruhigung in der Frage für wünschenswert. Ministerialdirektor Kirchner wies dann einige Angriffe der Abgg. Bock und Thiele zurück. Auch Graf Oppersdorf lZtr.) erkannte den Nutzen der Impfung an. Schluß des Berichts 6 Uhr.

Wetteraussichten für Freitag den 1. Mai.

Wolkig, zeitweise Niederschläge, warm, südwestliche Winde.