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Hersselder Tageblatt

Amtlicher Anzeiger ^^^ für den Kreis Hersfeld Wiltr WM Whitt

Bezugspreis vierteljährlich für Hersfeld 1.50 Mark, durch die Post be­zogen 1.60 Mark. Druck und Verlag von Ludwig Funks Buchdruckerei Hersfeld. Für die Redaktion verantwortlich Franz Funk in Hersfeld.

Der Anzeigenpreis beträgt für die einspaltige Zeile 10 Pfennig, im amtlichen Teile 20 Pfennig, Reklamen die Zeile 25 Pfg. Bei Wieder­holungen wird Rabatt gewährt. Erscheint jeden Werktag nachmittags.

Gratisbeilagen:Illustriertes Sonntagsblatt" undIllustrierte Landwirtschaftliche Beilage" Zernsprech-Knschlutz Nr. 8

Nr. 100. Donnerstag, den 30. April ' 1014.

Bus der Heimat.

* Die diesjährigen H andw e r ke r ta ge finden in Eschwege und Frankenberg statt. Beide Versammlungen sollen im Laufe des Monats Juni abgehalten werden. Diejenigen Korporationen, die zu diesen Tagungen Anträge zu stellen haben oder Vor­schläge für die Tagesordnung machen wollen, müssen diese bis zum 20. Mai an die Handwerkskammer in Cassel einreichen. Die Vorstände der Korporationen werden ferner gebeten, die Vertreter zum Hand­werkertage schon jetzt zu wählen. Welche der beiden Tagnngen eine Korporation beschicken will, bleibt ihr überlassen. Natürlich können auch beide Tagungen beschickt werden.

* Blüht d i e Eiche vor der Esche, gibt es eine große Wäsche; blüht die Esche vor der Eiche, gibt es eine gute Bleiche. In diesem Jahre blüht nun die Eiche zuerst, und wir würden daher nach der Wetterregel einen regenreichen Sommer zu erwarten haben. Im vorigen Jahre blühte die Eiche auch vor der Esche, und der regenreiche Sommer bestätigte die Regel. Hoffen wir, daß dies in diesem Sommer nicht eintrifft.

):( Hersfeld, 29. April. Gestern wurden hier zwei F ür so r g e g li ng e ergriffen, welche aus ihren Lehrstellen in Schlüchtern durchgebrannt waren. Die Jungen wurden sofort wieder zurücktransportiert.

):( Hersfeld, 29. April. Eine gestern von dem Gewerbeverein in der Lullusquelle abgehaltene Versammlung beschäftigte sich hauptsächlich mit der Beteiligung des Gewerbevereins an dem Festzuge, welcher anläßlich des Landwirtschaftlichen Festes hier stattfindet. Einstimmig waren die Anwesenden der Meinung, daß das Gewerbe unserer Stadt ebenfalls würdig in dem Festzuge vertreten sein müsse. Es wurde deshalb eine Kommission gewählt, welche die Vorarbeiten in die Hand nehmen soll. Geplant ist einen Wagen zu stellen, der das hiesige Gewerbe versinnbildlicht.

-h- Niederaula, 28. April. In der vergangenen Nacht wurde hier und in dem benachbarten Nieder- jossa einge brochen. Die Diebe hatten alle Be­hältnisse durchwühlt und scheinbar nach barem Gelde gesucht, wovon sie jedoch nicht viel erbeuteten. Ein heute von Hersfeld hierher gebrachter Polizeihund nahm eine Spur auf, durch welche zwei verdächtige Personen festgestellt wurden. Alles nähere muß die eingeleitete Untersuchung ergeben.

Fulda, 27. April. Eine nette Submissionsblüte kam bei Oeffnung der Offerten zur Herstellung der neuen Straßenunterführung an der Leipziger Straße ans Tageslicht. Es waren zur Ausführung der Erd- und Maurerarbeiten jener Unterführung nur fechs Angebote eingegangen. Das Höchstangebot betrügt 49 592 Mark, das niedrigste sogar nur 27 742 Mark, somit beträgt der Unterschied 21850 Mark!

Hetzerode, 28. April. Am Sonnabend verunglückte das 8jährige Söhnchen des Landwirts H. Beim Futterschneiden machte sich der Kleine an den Rädern der Maschine zu schaffen und geriet mit den Fingern der rechten Hand in diese. Der Arzt mußte ihm den zermalmten Zeigefinger ganz abnehmen; den Mittel­finger hofft man noch zu erhalten.

Schlüchtern, 28. April. In der Nacht vom 30. April zum 1. Mai wird als erster Zug der D-Zug Frankfurt a. M.Berlin um 12 Uhr 5 Minuten den Schlüchterner Tunnel passieren, der seiner äußeren baulichen Vollendung entgegengeht. Nach derSchlüchterner a0/n« d^ Baukosten des Tunnels 912 ^^rk, 2 Millionen mehr als angenommen Die Zahl der ^r ^e^iche, Italiener, Kroaten, Montenegriner, 800 Mann ihren Höchststand 10??' Bei der Vollendung des gewaltigen Wertes war die Mannichaftszahl auf 250 Herabgegangeu. iiro$ Aufbietung aller nur erdenklichen Vorsicht ^eigneten sich ^eun Tunnelbau doch acht tödliche Unfälle. Beim Schießen mit insgesamt 120000 Kilo­gramm Dynamit ist niemand verunglückt.

Crainfeld (Oberhessen), 28. April. Heute Nacht ereignete sich in unserem Orte ein gräßliches Drama. Der jüdische Einwohner Stein wurde mit seiner Familie im Schlafe überfallen und getötet, die Frau ^^rere Kinder erhielten schwere Verletzungen. Nach Verübung der Tat flohen die Mörder, nachdem sie vorher das Haus in Brand gesteckt hatten. Dem Feuer fiel auch das Nachbarhaus zum Opfer. Ein heute früh aus Gießen telegraphisch beorderter Be- amter Mit seinem Polizeihund hat die Verfolgung der .corder und Brandstifter ausgenommen.

- 28. April. Schwer verunglückt ist der Feldhüter Mook von hier auf einem Dienstgang im

Felde. Er wollte Raben schießen und trug das Ge­wehr mit gespanntem Hahn in der Hand, als ihm plötzlich der Hund dagegen sprang, sodaß sich die Waffe entlud und die ganze Ladung ihm in den Unterleib drang. Der Verletzte mußte von der Sanitätswache im Feld abgeholt und ins Krankenhaus gebracht werden.

Gießen, 28. April. In Orleshausen bei Büdingen geriet der Förster Laubach mit Wilderern in einen Kampf. Er wurde erschossen.

Niederelsungen, 28. April. Der Gast- und Land­wirt E. Deffel zu Niederelsungen wollte Dünger ins Feld fahren, hierbei hatte er ein junges Pferd mit angespannt. Von seinem Hofe aus führt eine ab­schüssige Straße, das festangezogene Hemmwerk platzte und die Pferde gingen durch. D. wollte das junge Pferd festhalten, kam aber hierbei zu Falle und Pferde mit Wagen gingen über ihn hinweg. Er liegt schwer verletzt darnieder, sodaß an seinem Aufkommen ge­zweifelt wird.

Calden, 27. April. Am vergangenen Sonnabend ereignete sich ein schwerer Unglücksfall, der einem hiesigen Einwohner fast das Leben gekostet hätte. Als Herr Weißbindermeister H. Meier in später Abend­stunde von einem Ausgang in seine Wohnung zurück- kehrte, stürzte er in der Dunkelheit über einen am Wege liegenden Stein und zog sich eine sehr schwere Verletzung am Kopfe zu, die seine sofortige Ueber- führung in das Landkrankenhaus zu Cassel notwendig machte. Wie man hört, soll der Verunglückte eine bedenkliche Verletzung der Schüdeldecke davongetragen haben, sodaß an seinem Wiederaufkommen gezweifelt wird.

Sangerhausen, 28. April. In einem Logierhause in Stendal wurde der Gelöbriefträger Thomas aus Wippra bei Sangerhausen verhaftet. Er hatte, wie gemeldet, am 19. d. M. einen Geldbries mit 3200 Mark Inhalt veruntreut, war geflohen und wurde seitdem steckbrieflich verfolgt. Den größten Teil des veruntreuten Geldes, 2400 Mark, hatte er bereits in Berlin und Magdeburg durchgebracht. Thomas ließ in Wippra seine Frau und drei Kinder zurück.

Bad Brückenau, 27. April. Der Brauereidirektor Rose, zuletzt in Dresden, stand wegen fortgesetzten Betrugs, Untreue und Urkundenfälschung vor dem Landgericht in Würzburg. Er hatte sich hier sowie in Münnerstadt und Wiesentheid auf betrügerische Gründung von Gesellschaften m. b. H. und von Aktien­gesellschaften verlegt und die Teilhaber um große Summen geschädigt, Er wurde zu drei Jahren Zuchthaus, 2000 Mark Geldstrafe und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf fünf Jahre verurteilt.

Heiligenstadt, 28. April. Eiu schrecklicher Uuglücks- fall ereignete sich Sonnabend in Bischofferode. Der zweijährige Knabe des Maurers Philipp Franke wurde von der die hiesige Landstraße walzenden Dampfstraßenwalze überfahren. Dem Kleinen wurde der Kopf buchstäblich zerquetscht.

Corbach, 28. April. Im benachbarten Upland- dörfchen Welleringhausen waren dem Gemeindegeld­erheber 35 Mk. aus der Gemeindekasse gestohlen, während er sich mit seiner Familie bei der Feldarbeit befand. Man wollte einen Polizeihund kommen laßen. Das schien jedoch dem Dieb wenig zu behagen. In der Nacht hängte er ein Paket an die Klinke der Hans- tür, in dem das gestohlene Geld enthalten war. Am andern Morgen fand es der Gemeinderechner wieder.

Daaden, 27. April. Ein junger Mann aus Biers­dorf, der an einem hiesigen Hause das Dach mit Teer anstrich, geriet dem Teerkeffel zu nahe, 10 daß seine Kleider Feuer singen. Bald brannte er am ganzen Körper' er rannte davon und stürzte sich in das Bassin eines Springbrunnens, in dem leider nur wenig Wasser war. Der Bedauernswerte ijt am ganzen Körper furchtbar zugerichtet, so daß er kaum mit dem Leben davonkommen wird.

Abgeordnetenhaus.

Die Beratung des Kultusetats wurde am Diens­tag fortgesetzt. Abg. Kloppenborg (Däne) beschwerte sich, daß Kinder dänischer Eltern m Nordschleswig deutschen Sprachunterricht erhalten. Abg. Dr. Porich (Ktr l verteidigte seine Anträge; ihre Annahme, nicht die 'Ablehnung diene dem konfessionellen Frieden. Wenn einem Orden das Recht der Niederlassung gewährt werde, dann müsse er ein Grundstück erwerben. Dazn sei tue Rechtsfähigkeit unerläßlich. Die Beschränkungen, denen die Krankenpflege-Orden unterworfen würden, leren ursprünglich nur für vorübergehende Zeit geplant gewesen. Um so be­dauerlicher sei das glatte Nei« des Kultusministers. Das Zentrum verlange die Aufhebung, mindestens

aber die Milderung des Jesuitengesetzes. Einen breiten Raum in den Ausführungen des Redners nahm der Kaiserbrief ein, die Sache sei von einem nationalliberalen Blatte aufgerührt worden. Es sei infam gelogen, daß Kardinal Kopp Dritten Kenntnis von dem Briefe gegeben habe. Im übrigen enthalte der Brief des Kaisers an die Landgräfin von Hessen nichts, was die Katholiken verletzen könnte. Das unterstrich denn auch der Kultusminister v. Trott zu Solz. Die Darstellung derNordd. Allg. Ztg." sei vollkommen richtig gewesen. Der Brief S. M. des Kaisers sei in Sachen eigenster Familienangelegen­heiten geschrieben und behandle nur persönliche Dinge. Bedauerlich sei die Agitation, die an diesen Brief geknüpft worden sei. Solche Brunnenvergiftung und Fälschung könne nicht scharf genug verurteilt werden. Abg. Dr. Lohmann (natl.) bemerkte, der Staat würde sich selbst aufgeben, wenn er das Aufsichtsrecht über die Orden aufgebe. Auf dem Zentrum bleibe der Vorwurf haften, die Kai erbrief-Affäre angezettelt zn haben. Es sei kein Wort scharf genug, um dies Ver­fahren zu geißeln. Abg. Graf Moltke (freit) erwiderte dem Abg. Kloppenborg, daß seine Klagen übertrieben wären, die Dänen hätten früher die Deutschen ganz anders bedrückt. Die Kaiserbrief-Affäre solle man endlich ruhen lassen. Abg. Dr. Traub (Fortschr.) schlug vor, auch die Kirche zum Wehrbeitrag heranzuziehen. Die Kirchenaustrittsbewegung bedauere er, doch sei sie das Symptom einer Reihe von gemachten Fehlern. Redner trat weiter für die Verminderung der Religionsstunden und für gemeinsame Erziehung der Geschlechter ein. Abg. Korfanty (Pole) nannte die gestern vom Minister gegebene Darstellung über den Krawall in der Kirche zu Moabit unwahr. Der Lärm sei erst entstanden, als den Kindern die Kommunion verweigert wurde und vie Polizei erschien. Der Kultusminister stellte noch einmal fest, daß die Re- gierung um Schutz angegangen worden sei und diesen gewährt habe. Die ganze Sache sei den Polen offenbar sehr unangenehm, darum fälschen sie die Vorgänge. Verfügungen der Behörden seien nicht ergangen. Die Polen hätten aber eine Stelle eingerichtet zur Beein­flussung der ausländischen Preffe. Das sei im vorliegenden Falle besonders mit den italienischen Blättern geschehen. Die Darstellung des Abg. Kor­fanty schlage den Tatsachen ins Gesicht und er, der Minister, werde nicht aufhören, diese polnischen Be­hauptungen zu berichtigten. (Lebh. Beifall.) Abg. Heckenroth (kons.) wandte sich gegen die gestrigen Ausführungen des Abg. Ströbel, die gezeigt hätten, daß bei den Sozialdemokraten die Religion Parteisache sei. Da hierbei der Abg. A. Hoffmann (Soz.) den Zwischenruf machte: Bei Ihnen Dummheit! rief ihn der Präsident znr Ordnung. Da die Konservativen nicht auf die Arbeit der Diakonissen verzichten möchten, würden sie für die Zentrumsanträge stimmen. Die Debatte schließt. Der Antrag über die Kraukeupslege- Orden wurde der Unterrichtskommission überwiesen, der über die Rechtsfähigkeit der Orden fand Annahme. Damit war das Ministergehalt bewilligt und das Haus vertagte sich auf Mittwoch. Schluß V26 Uhr.

Deutscher Reichstag.

Der Reichstag nahm am Dienstag seine Berat­ungen wieder auf. Präsident Dr. Kaempf begrüßte die Abgeordneten und hoffte auf einen guten Fort­gang der Arbeiten. Auf der Tagesordnung standen Petitionen. Zunächst wurden die zur Jmpffrage ein- gereichten besprochen. Sie wünschten u. a. Einsetzung einer Kommission zur Prüfung der Jmpffrage. Der gleiche Wunsch bildete den Gegenstand einer sozial­demokratischen Resolution. Aehuliches wünschte eine Resolution des Zentrums mit der Maßgabe, eine Denkschrift dem Reichstage zu unterbreiten. Die Kommission beantragte, alle Petitionen zur Berück­sichtigung zu überweisen. Abg. Vock-Gotha (Soz.) bezeichnete den Impfzwang als eine unglückselige Einrichtung und forderte seine Beseitigung. Abg. Dr. Pfeiffer (Ztrj. bat um Annahme der Resolution seiner Partei. Abg. Krämer (kons.) empfahl die Prüfung der Frage durch eine außerparlamentarische Kommission, bevor man den Hebel der Gesetzgebung ansetze. Seine Freunde wollen sich nicht für eine be­stimmte Richtung festlegen. Abg. Fischbeck (fortschr.) erklärte, daß seine Fraktion sich dem Kommissionsan- tragc nicht anschließen könne. Ministerialdirektor Kirchner führte aus, daß für den Reichstag keine Veranlassung vorliege, jetzt anders zu beschließen als 1911, wo die Kommission noch Uebergang zur Tages­ordnung vorschlug. Die Pockenerkrankungen haben weiter abgenommen. Die Jmpfgegner haben ihn (Redner) in empörendster Weise angegriffen und das Volk aufgehetzt, dem Gesetze Widerstand zu leisten. Da mußte hin und wieder zur zwangsweisen Impfung geschritten werden. Schluß des Berichts 6 Uhr.