gemeinsam mit ihm bet einem Breslauer Rechtsauwalt beschäftigt gewesene fünfzehn Jahre alte Schreib- maschinenschreiberin Martha Rupprecht am 6. b. M. im Bureau erschossen hat, da sie die Annäherungsversuche Müllers ablehnte, ist vorn Schwurgericht zu zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden.
Das Räuberleben eines jungen Burschen. Der 21= jährige Dekorationsmaler Richard Damm aus Thüringen war mit 18 Jahren nach München gekommen und dort in schlechte Gesellschaft geraten. Im Sommer 1913 hatte er sich eine Art Höhle hergerichtet, von der aus er seine Streifzüge unternahm. Zehn schwere und leichtere Diebstahlsversuche sind ihm nachgewiesen worden. In einem Falle hatte er in einer Villa in Bad Tölz in Frauenkleidern einen Einbruch verübt, als die Besitzerin das Haus betrat. Er stellte sich darauf in eine dunkle Ecke und schlug der an ihm vorübergehenden Frau mit einem Hammer auf den Kopf, sodaß sie bewußtlos zu- sammenbrach. Dann entfloh er mit der Beute. Er war iit allen Fällen geständig, nur die Absicht, die Frau zu töten, bestritt er. Das Schwurgericht verurteilte ihn zu drei Jahren drei Monaten Gefängnis.
Vermischtes.
Ein falscher Steckbrief verursachte einem Kaufmann
B. aus Neukölln eine unliebsame Ueberraschung und eine unangenehme Stunde. Zu feiner größten Verwunderung erschienen bei ihm plötzlich Kriminalbeamte und verhafteten ihn auf Grund eines Steckbriefes, nach dem er in Koblenz kürzlich einen Einbruch verübt haben sollte. Die Personalangaben des Steckbriefes paßten auch ganz genau auf B. Soweit war also alles in Ordnung, nur war, wie sich jetzt nach der Festnahme des steckbrieflich Gesuchten ergab, dieser nicht ein Einbrecher, sondern selbst von einem Einbrecher bestohlen worden. Ihm hatte im August v. J. ein 21 Jahre alter Arbeiter Karl Hübner bei einem Einbruch u. a. auch die Ausweispapiere entwendet. Hübner wandte sich dann später mit mehreren Spießgesellen nach dem Rheinland und lebte auch dort von Einbruch. In Koblenz benutzte er nun beim Versetzen von Beutestücken die gestohlenen Papiere B.s. So kam dieser in den Verdacht, der Einbrecher zu sein und wurde gesucht. Nachdem sich nun alles aufgeklärt hatte, fand man bald auch den wirklichen Einbrecher von Koblenz, Hübner, der wieder nach Neukölln zurückgekehrt war und nahm diesen jetzt fest.
Die „Durchlaucht-Mutter". Die liebe Eitelkeit und der Ehrgeiz nach der Verbindung mit einem klangvollen hohen Aöelstitel haben soeben einer Wiener Vermieterin und ihrer Tochter einen amüsanten Streich gespielt, durch den sie zum Gespräch und zum Gelächter ihres ganzen Bezirks geworden sind. Es ist noch nicht allzulange her, da erschien bei der Zimmervermieterin im 1. Bezirk ein junger russischer Student, der sich auch bei ihr einmietete. Er unterschied sich in nichts von anderen russischen Studenten, nur vielleicht darin, daß er noch häufiger weniger Geld hatte als seine Kommilitonen. Er pumpte daher bei seiner Wirtin lustig darauf los, besam auch Kredit, da sie das Borgen von ihren Zimmerherren längst gewöhnt war. Wer beschreibt aber den freudigen Schrecken der braven Mietsfrau, als man ihr neulich mitteilte, ihr Zimmerherr sei Fürst und werde in Rußland mit „Durchlaucht" augesprochen. Jetzt begann eine herrliche Zeit für den bisher wenig verwöhnten jungen Russen. Die Wirtin hatte nämlich eine 17jährige Tochter Paula, die — das stand bei ihr unzweifelhaft fest — Fürstin werden sollte. Die gute Frau geriet geradezu in Einfälle von Entzücken, als sie sich ausmalte, wie sie als „Durchlaucht-Mutter" in den Straßen einherstolzieren würde. So stopfte sie denn in ihren fürstlichen Mieter die allerfeinsten Sachen hinein, behandelte ihn mit ausgesuchter Liebenswürdigkeit und schuf dem jungen Mann geradezu ein Paradies. Seine Wäsche blitzte und funkelte nur so und das Angenehmste, an das Mietezahlen wurde er rftcht mehr erinnert. Kein Wunder, daß der junge „Fürst" sich ständig in glänzender Laune befand. Eines Tages, als sie das Terrain genügend geebnet zu haben glaubte, kam die Wirtin mit ihrem Anliegen heraus. „Fürst' Abra- massow war natürlich auf der Stelle begeistert von der Aussicht, die schöne Paula zur Seinen zu machen, als er ihre Photographie gesehen hatte. Schon am nächsten Tage traf Paula ein und verlobte sich mit dem Fürsten, wobei er ihr noch das Versprechen abnahm, französisch und Klavierspieler: zu lernen, weil das zur Fürstin unbedingt erforderlich sei. Ein paar Wochen spater erschien aber der Vater des jungen Russen be: ihm zum Besuch und entpuppte sich als ganz gewöhnlicher Erblicher. Die „Durchlaucht-Mutter" hatte gerade noch so viel Kraft, den „Fürsten" nebst seinem durchlauchtigsten Papa mit Vehemenz hinauszuwerfen.
Das Leben wird überall teurer! Eine Zusammenstellung der englischen Königlichen Statistischen Gesellschaft, die der Bewegung der Preise der Lebensrnittel m der Zeit von 1900 bis 1912 gilt, zeigt in ganz erschreckender Weise, wie reißend innerhalb dieser Periode die durchschnittlichen Lebensmittelpreise gestiegen sind. Und zwar läßt sich diese Erscheinung, man kann sagen in der ganzen Kulturwelt beobachten. Ueberall ist in dreien letzten zwölf Jahren das Leben teurer geworden, wenn auch nicht überall in gleichem Maßstabe. An der Spitz^ marschiert hier Kanada, wo die Preise der Lebensmittel um nicht weniger als 51 Prozent gestiegen sind. In der gleichen Zeit find sie in den Vereinigten Staaten um 39 und in Japan um 32 Prozent gestiegen. Dann folgt unser Vaterland: wir müssen heute unsere Leberismrttel rund 30 Prozent teurer bezahlen als vor 12 Jahren. In Holland ist das Lebe:: um 23, in Rußland um 21, in Italien um 20, in Norwegen um 19, in Frankreich um 15 Prozent teurer geworden. Am günstigsten schneb no* (Stigland ab, wo man die Lebensmittel 1912 nur 1900$ Prozent teurer zu bezahlen hatte, als im Jahre "Sto Tod des Sultans von Lahedj. Orientalische MEer bringen, wie aus Kairo mitgeteilt wird, die Nachricht, daß „Seine Hoheit, der Sultan von Lahedj, «idi Ahmed Ihn Fadl", im Alter von 60 Jahren gestorben ist. Er hinterläßt drei Söhne. Der in Arabren sehr bekannte Fürst, desien Gebiet östlich von Aden liegt war eine eigenartige Persönlichkeit. Obwohl er mir Argusaugen darüber wachte, daß die ootriarchalnchen Sitten und Gebräuche seines Landes nicht von dem Strom moderner Zivilisation berührt wurden, unternahm er selbst gern Reisen, die ihn wiederholt nach Ae- gypten führten, wo er in Kairo große Einkäufe zu machen pflegte. Er herrschte über 60 000 Untertanen, die er streng nach den Gesetzen des Koran regierte: wer stahl, dem wurde die Hand abgehackt: der Ehebrecher wurde gesteinigt usw. Gerichtshöfe gibt es nicht in Lahedj, aber das Oberhaupt eines jeden Stammes schlichtet die Streitigkeiten zwischen seinen Untergebenen. Der Sultan in Person ist die letzte Berufungsinstanz. Mit der Vollstreckung eines von ihm gefällten Urteils beauftragt er stets einen seiner Söhne. Eine einzige Schule gibt es in dem ganzen Lande, die von etwa 40 Lernbegierigen besucht wird. Aerzte kennt man in der gesunden Gegend «jcht. SBefci kmnmt a verrLs-eLt VÜL daß wa» bei W
sonders schlimmen Erkrankungen von Männern einmal einen Arzt aus einem Nachbarlande herbeiruft, aber die Harems darf er nicht betreten. Die europäische Kultur hat in Südarabien bisher keine Stätte gefunden, obwohl die stolzen Ostasienfahrer nicht weit von seiner Küste tagtäglich das Meer durchkreuzen.
Knappe Anskunft, Kommt da, so lesen wir in der „Köln. Ztg", gegen Ende des letzten Semesters ein besorgter Vater weithergereist in die entfernte Universitätsstadt, wo sein hoffnungsvoller Sohn angeblich den schwierigen Rechtswissenschaften obliegen soll. Dem Vater sind allerhand Dinge zu Ohren gekommen, die sein väterliches Herz betrüben müssen. Es heißt, der Sohn scheine zu verbummeln, hätte den Kollegbesuch völlig eingestellt, käme meistens erst am Morgen und dann betrunken nach Hause. Der Vater hat erst an den Sohn geschrieben, und der hat geantwortet, an allem wäre kein wahres Wort, er sei nur neulich nach einer Abschieds- kneipe mal etwas „früh" nach Hause gekommen, ita, und das wäre doch nicht so schlimm: wenn der Vater aber diesen Monat 50 .^. zum Wechsel zulegen wollte, wäre es ihm nicht unangenehm. Als weiser Vater schickte der Betroffene natürlich „das Gewünschte", setzte sich aber auch einige Tage später abends auf den Zug, um sich durch den Augenschein von der Sachlage zn überzeugen. Es war ihm sehr recht, daß er etwa um 6^ Uhr morgens an kam. Da konnte er spätestens um 7 Uhr bei seinem Filius sein und dessen Lebensgewohnheiteu sozusagen an der kitzligen Stelle studieren. Um 7 Uhr pünktlich steht unser Vater vor dem „Bau" seines sind, iur. und klingelt. Eine vom Leben schlecht behandelte Frau öffnet in halb vollendeter Toilette vorsichtig die Tür und wartet auf die Anrede. „Guten Morgeri — bitte, wohnt hier wohl Studiosus Müller?" fragt der Vater. Darauf die Frau, mit gottergebener Miene: „Ach ja, mein bester Herr, bringen Sie ihn nur hier rein!" Mehr wollte der Vater an diesem Tage nicht wissen.
Zu nüchtern. „Nicht einmal ein Jnterpunktions- fehler im ganzen Liebesbrief. Und da schreibt er von „glühender Leidenschaft"!"
was beim Theater verdient wird.
Die Bühne hat schon manchen arm gemacht, aber wem sie ihre Gunst zuwendet, dem pflegt sie zugleich mit dem Ruhme auch ihre Schätze reichlich in den Schoß zu werfen. Jedermann. kennt das Beispiel Carusos, dessen Jahreseinkommen auf etwa 600 000 .4: beziffert wird. So weit hat's ja freilich nun keiner seiner Kollegen in Apoll gebracht, aber es gibt doch eine ganze Anzahl bekannter Künstler und Dichter, die an der Bühne reiche Leute geworden sind. Dr. Ernst Friedegg gibt im jüngsten Hefte des „Theater- und Kunstspiegels" eine interessante Zusammenstellung hierüber. Die höchste europäische Gage bezieht zur Zeit Hermann Jadlowker, der erste Tenor der Berliner Hofoper, der für 50 Abende 100 000 JL erhält und durch seine Gastspiele wohl noch ebensoviel verdient. Leo Slezak hat sich vorgenommen, sich, sobald er die erste Million erreicht hat, ins Privatleben zurückzuziehen — es wird wohl kein weiter Weg mehr bis dahin sein, da er annähernd 200 000 Mark im Jahre verdienen dürfte.
Mit den Sternen der Schauspielerwelt können die Bühnendichter freilich nur selten rivalisieren. Der Verdienst Gerhart Hauptmanns mag in günstigen Jahren 200 000 .^ erreichen, in schlechten aber bleibt er wohl hinter dieser Zahl sehr wesentlich zurück. Der reichste unter den deutschen Bühnendichtern dürfte Oskar Blumenthal sein, dessen Vermögen Friedegg auf zwei Millionen, dessen Jahreseinkommen er auf eine Viertelmil- lton schätzt. Gustav Kadelburg hat sich von seinen Schwänken sieben große Häuser in Berlin erworben, und Hermann Sudermann, einst ein mittelloser Reöakf teur, besitzt eine Villa im Grunewald und ein Gut bei Berlin. Sehr günstig ist der Strom der Zeit den Ope- rettenkomponisten, und unter ihnen ist gegenwärtig wohl Jean Gilbert am vorteilhaftesten gestellt. Er ist in der glücklichen Lage, zurzeit die Tantiemen geradezu zu scheffeln, und ist längst Villen- und Automobilbesitzer geworden. Sein Einkommen dürfte zurzeit selbst das von Richard Strauß hinter sich lassen, der doch jährlich, ebenso wie Puccini, immerhin sein halbes Mil- liönchen verdient. .
Unter den ausübenden Künstlern der Operette wird Alexander Giradi der reichste sein. Sein Vermögen uber= steigt bereits eine Million Mark. Der verstorbene Giampietro hatte am Metropoltheater 48 000 Jl Jcchres- gage; nicht viel weniger verdient Wassermann bei Rem- hardt, und Moissi ist, wie bekannt, gegen eine Jahresgage von 100 000 .// von Reinhardt sozusagen in Generalpacht genommen worden. Reinhardt selbst ist zurzeit der Krösus unter den Theaterdirektoren: sein Em- iommen bleibt sicherlich nicht unter 300 000 ./Z zurück und sowohl das Deutsche Theater wie die Kammerspiele find in seinem Besitz. Sein verstorbener Kollege Brahm hat, obgleich sparsamer als Reinhardt, im ganzen nur 300 000 //. hinterlassen: doch hat es Zeiten gegeben, in denen Brahm ein weit größeres Vermögen betau. Dieser große Bühnenleiter "hat sich jedoch die Verfolgung seiner künstlerischen Ideale etwas kosten lassen.
Heuer ernster Awischensall in Mexiko.
Die amerikanisch-mexikanischen Feindseligkeiten verschärfen sich von Tag zu Tag, und wenn nicht sehr bald iraendeine Einigung oder wenigstens ein vorlau- fiaer Waffenstillstand^' oder etwas Aehnliches zustande- kommt werden sie mit Tinte und Papier überhaupt «ichs mehr sondern in der Tat nur noch mit dem Schmeti sein. Den Beweis dafür liefert wieder eftie schwere, von Bundestruppen verübte WeLung dek ^Änischen Fla^ konfus begangenes Über die folgender Bericht
aus Aaslftngton vo^ Hanna in Monieren berichtet vim nner ihm durch die Bundestruppen widerfahrenen Demütigung. Em H^
Ziehung der Flagge ^r ^l‘m^
Wache getoTund^Ue^ r» S ÄÄ und am s°-g°nd-n T°°° »ot MM“MÄ «SB« er wieder freigelassen, als die Insurgenten Monterey »LSmm’i hatten, die ihn lehr entgegenkommend beba^desten — Präsident Wilson und Staatssekretär BryÄ sind sehr aufgebracht über das Verhalten der d"Äe?en derartige Vorgänge ist der Vorfall von Tam- mTmwS zu üm amerikanischen Einfall gab.
ein reines Kinderspiel, und es liegt auf der Hand, das der etwaigen Durchführung der südamerikauischen Ber mittlungsaktion, selbst wenn ihr von allen Beteiligter zugestimmt werben sollte, durch solche Gewalttaten faß unüberwindliche Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden.
Einwirkung der Mächte auf Huerta?
Folgende anscheinend osfiztöse Meldung erhält bh „Köln. Ztg." aus Berlin: Nachdem die Bereinigter Staaten das Angebot der drei südamerikanischen Republiken für die friedliche Beilegung des Streites zwischen ihnen und Mexiko angenommen haben, werden bh Vertreter der europäischen Mächte in Mexiko jedenfalls darauf hinzuwirken suchen, daß das Angebot auch von feiten Mexikos angenommen wird. — Der deutsche Botschafter in Washington Graf Bernstorff sprach im Staatsdepartement vor und teilte Staatssekretär Bryan mit, Deutschland würde durch seiue Ge- sauötschaft in Mexiko seiueu Einfluß dahin ausüben Huerta zu bewegen, daß er die Vermittlung an- nehme. .
Es bleibt frohbem sehr fraglich, ob Huerta selbst durch den Rat der Großmächte sich bewegen lassen wird auf eine Vermittlung einzugehen, die feilte Präsidentschaft von vornherein ausschaltet. Außerdem müssen wir die Meldung mit einem gewissen Gefühl des Bedauerns aufnehmen. Wie kommt Europa dazu, tu den Konflikt der beiden Nachbarrepubliken jetzt plötzlich sich einzu- ntifchen und die bald zaudernde, bald gewalttätige Politik Wilsons zu unterstützen, durch deren Wirkung Europas Industrie und Handel so schwere Verluste in Mexiko erlitten haben? Solche Einwirkungsversuche waren außerdem nur zu billigen und zu verstehen, wenn sie sich — so spät sie auch kommen wenigstens an beide Parteien richten und auch Wilsou zu einer versöhnlichen Haltung und gewissen Zugeständnissen zu bewegen suchen würden.
Allerlei aus der Kampfzone.
o-t Washington, 28. April. Gütern trafen in Vera- cruz Züge mit Flüchtigen eilt. Es befanden sich darunter nur fünf Amerikaner. — Der mexikanische Minister des Weitstem hat dem hiesigen spaniichcn Botschafter mitgeteilt, daß er die Vermittlung angenommen habe. (Offenbar die der südamerikanischen Republiken. D. Red.) Seit heute weht auch über dem Hauptquartier des Konteradmirals Fletcher in Veracruz die amerikanische Flagge, die bisher nur über dem Zollamt geweht hatte. — Wie aus Sau Franzisko gemeldet wird, befindet sich unter den Flüchtlingen aus Manzanillo auch der deutsche Konsul und Frau.
*■ neuestes vorn tage«
Eine bewegte Gerichtsverhandlung.
Berlin, 28. April. (B. Z.) Als in der heutigen Verhandlung gegen den Zigarrenhänöler und Vor- tragskünstler Jaskolsky, der eine Schwester seiner Braut in der Gartenstraße durch Revolverschüsse getötet hatte, der Bruder des Angeklagten über den Eindruck aussagte, den die Braut des Angeklagten auf die Familie des Jaskolsky gemacht hatte, fiel die Braut des Angeklagten in Schreikrämpfe, sodaß die Verhandlung auf eine halbe Stunde unterbrochen werden mußte. Später, als die Zeugin über die Tat selbst anssagen sollte, geriet sie wieder in heftige Erregung und mußte aus dem Saale getragen werden.
Offiziersflug Johannisthal-Gotha.
Johannisthal, 28. April. Heute morgen 5.83 Uhr startete hier Oberleutnant von Brederlow mit dem Prinzen von Waldeck als Beobachter auf Aviattk-Doppel- decker zum Fernfluge über Leipzig nach Gotha. Um 9,32 Uhr sind die Flieger in Leipzig-Lindenthal gelandet. Sie beabsichtigen heute nachmittag den Flug «ach Gotha fortzusetzen.
Verhaftung eiues schweren Verbrechers.
»>4 Lndwigshafen, 28. April. Der flüchtige Einbrecher Paul Ludwig, der einen Gendarmen, der ihn verhaften wollte, durch einen Schuß getötet hatte, wurde gestern in Rheingönheim durch den Gendarmeriewachtmeister Stoppel nach heftiger Gegenwehr festgenommen. Der Verhaftete, der die Tat ein gestatt den hat, wurde ins hiesige Amtsgerichtsgefängnis eingeliefert. Er hat eine Wunde am Kopfe, die ihm der erschossene Gen dann vor seinem Tode in der Notwehr noch beigebracht hatte.
Eine Schwindlergesellschaft verhaftet.
w= Paris, 28. April. Unter der Beschuldigung, mehrere Erfinder geschädigt zu haben, wurden hier Elise Klostermann aus Gelsenkirchen, Wilhelm zur Strassen aus Cöln, Albert Heftel aus Mülhausen in Elsaß und Alfred Drescht aus Harleem verhaftet.
Ein Mitglied der Ordensschwindlerbande verhaftet.
o-* Paris, 28. April. In Tanger wurde ein gewisser Clementy festgenommen, der als Helfershelfer der seinerzeit in Paris verhafteten Ordensschwindler verfolgt wurde. Er hatte versucht, in Tanger den Ordens- schwindel fortzusetzen.
Folgen einer Hetzrede.
Paris, 28. April. Wie die Blätter melden, kam es in Haudainville bei Verdun infolge der Wahlrede des nationalistischen Generals Maitu, der in seinem Programm eine Steuer auf ausländische Arbeiter verlangt hatte, zu ernsten Ausschreitungen, die sich namentlich gegen die bei einem Bau beschäftigten Italiener richteten. Mehrere Italiener wurden durch Schüsse schwer verwundet. Gendarmerie mußte einschreiten und die Menge zerstreuen.
Englische Kriegsschiffe vor Ulster.
w Belfast, 28. April. Gestern abend sind zwei Schiffe auf der Höhe von Larne erschienen, wo sie die ganze Nacht vor dem Hafen liegen blieben. Anscheinend sind es Kriegsschiffe. In Bangor und in Donaghadee sollen gleichfalls .Kriegsschiffe emgetroffen sein.
Brudermord wegen einer Erbschaft.
»-t Neapel, 28. April. (B. Z.) In Bazzino wurde der Rechtsanwalt Fernicolt unter dem Verdacht verhaftet, feinen Bruder vergiftet zu haben, um ein an diesen gefallenes Erbteil an sich zu bringen.
Die Streikkämpfe in Colorado.
o-4 Neuyork, 28. April. (B. Z.) Nach einem heftiger Kampfe haben die Bergleute gestern die Grubenstadl Chandler eingenommen. Vier Mann der Grubenwach« wurden getötet, zwölf werden vermißt. Wtlson beabsichtigt nunmehr, das Kriegsrecht über das Stretkacbiet zu verhängen, alle Gruben zu schließen und die Bergleute zu entwaffnen.
Chinesische Piraten auf einem eniglischeu Dampfer
o-4 Hongkong, 28. April. Der englische Dampfer „Taiou" mit Bestimmung nach Westriver wurde in bei Nähe von Kiau in Nordmacao von Seeräubern über, fallen und verbrannt. 150 Personen von den Fahrgaste« und der Besatzung wurden von einem hinzu kommenden Dampfer aufgenommen. 180 Personen werden »o« vermißt.